Kulturlexikon
Begriffe, Personen, Epochen und Formen aus Literatur, Malerei, Musik, Architektur, Theater, Philosophie und weiteren Bereichen europäischer Kunst- und Ideengeschichte. Die Einträge sind alphabetisch erschlossen; die kurze Zeile unter dem Lemma nennt Typ und Fokus.
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Legende: Typen und Kürzel
P Person (Lebensdaten, Werk, Wirkung, Kontext)
B Begriff (Definition, Begriffsgeschichte, Diskurse)
W Werk (Inhalt, Struktur, Motivik, Rezeption)
E Epoche (Zeitfenster, Stil, Leitideen, Brüche)
G Gattung (Formen, Konventionen, Varianten)
F Form (Technik, Verfahren, rhetorische Figur)
M Motiv (Topos, Bildformel, Traditionslinie)
O Ort (Topographie, historische Rolle, Symbolik)
A
- aF
Präposition („zu/nach/an“): danteskes Mikro-Instrument der Führung – markiert Aufgabe (a dir), situative Fixierung („a quel punto“), Zielbewegung („a la riva“), Personenrelation („a Stazio“), Textarchitektur („a questa cantica seconda“), Aufstiegs-Telos („a salire a le stelle“), Invokationsschwelle („a l’ultimo lavoro“) und Reichweitenmarke („Infino a qui“).
- abbandonaiF
Verbform (abbandonai = 1. Pers. Sg. passato remoto von abbandonare, „ich verließ / gab auf / ließ im Stich“): danteskes Ursprungsverb der Abkehr – setzt den Bruch mit der „verace via“ als abgeschlossenes Ereignis und als Ursache der Verirrung; verbindet räumliche Abwendung mit moralischer Preisgabe von Maß und Ordnung.
- ahiF
Interjektion („ach!“, „weh!“) als Affektmarke und Anrufungsform in Dantes Commedia.
- alF
Präposition mit Artikel (a + il) „an den/zu dem/am“: danteskes Kontakt- und Zielwort – fixiert Knotenpunkte der Führung („al piè“, „al cominciar“, „al fin“), bindet Hindernis an Wahrnehmung („al volto“) und richtet Begehren und Blick auf definierte Ziele („al suo disire“, „al sole“).
- altoF
Adjektiv („hoch“, „erhaben“, zu lat. altus): danteskes Vertikalwort der Stufenordnung – lenkt Blick und Richtung („in alto“), macht den Weg zur Schwelle („cammino alto“), erhebt die poetische Instanz („alto ingegno“) und markiert Steigerung als Ordnungsgrad („più alto loco“, „alto merto“).
- altreF
Adjektiv/Pronomen („andere“, fem. Pl. von altro): danteskes Strukturwort der Differenz – bildet Restgruppen („de l’altre“), Vergleichsräume („in altre parti“), Serien („altre lucerne“) und Ordnung durch Folge („fa la prima, e l’altre fanno“); Kollektivmarker der Harmonie („essa e l’altre…“).
- altruiF
Ital. Pronomen-/Genitivform („eines anderen/der anderen“, auch d’altrui, l’altrui): Dantes Relationsterm für Fremdheit und Verantwortung – Schaden an anderen, Nutzen für andere, Worte/Zeichen der anderen, „fremder Strahl“ als Erkenntnisvermittlung. Altrui macht Ethik als Wirkungsbeziehung im Vers sichtbar.
- amaraF
Adjektiv („bitter“, „herb“, „schmerzlich“, fem. Sg. von amaro, aus lat. amarus): danteskes Prüf- und Maßwort der Härte – übersetzt Geschmack in Erfahrung, schärft Erinnerung und Blick („veduta amara“) und steigert Leid zur Grenzformel („Tant’ è amara che poco è più morte“); im Purgatorio auch als Index strenger, wirksamer Buße („nulla pena… più amara“).
- aspraF
Adjektiv („rau“, „herb“, fem. Sg. von aspro, lat. asper): macht Unwegsamkeit taktil – in Dantes Formel „selvaggia e aspra e forte“ und in Weg-Passagen als Maß der Reibung.
- aveaF
Verbform (Imperfekt 3. Pers. Sg. von avere, dantesk avea = modern aveva; auch als Hilfsverb: „Fatto avea“): danteskes Hintergrund- und Vorzeitigkeitssignal, das Zustände (Angst, Irrtum, Wahrnehmung) als bereits wirksam setzt und Abhängigkeiten/Kausalität in der Erzählzeit sichtbar macht.
B
- benF
Adverb/Substantiv („gut“, „wohl“, „das Gute“; apokopiert zu bene): danteskes Ordnungswort – legitimiert das Erzählen („del ben ch’i’ vi trovai“), sichert Erkenntnis („ben intesa“, „ben conobbe“), markiert Maß („ben cinquanta“) und steigt teleologisch zum sommo ben (höchstes Gut) auf; verbindet Ethik, Epistemologie und Skala.
C
- calleF
Ital. Substantiv („Weg, Pfad, Gang“): Schlüsselwort der Pilger-Topographie – variiert als secreto, stretto, tristo und duro calle, kann Umkehr markieren („retroso calle“) und wird im Paradiso
- camminB
Apokope und Bewegungswort: „Weg“, „Gang“, „Lebensweg“ als dantesche Grundfigur.
- ch'F
Elision/Apostrophform von che vor Vokal: syntaktisches Gelenk (Relativ- und Konjunktionswort) – bindet Erfahrung an Wert („ben ch’i’ vi trovai“), ordnet Zeitkanten („tosto ch’io…“, „pria ch’io…“), fixiert Vergleich/Relation („tu ch’ad esso riedi“) und verdichtet den Terzinenfluss, indem Subordination metrisch leicht und semantisch präzise wird.
- cheF
Funktionswort (Konjunktion/Relativmarker/Fragewort: „dass“, „der/die/das“, „was“): syntaktischer Motor bei Dante – baut Nebensatzketten, Vergleich („come quei che…“) und Konsequenz („sì che…“, „tant’ è… che…“) und hält den Text in Bewegung.
- colleF
Substantiv („Hügel“, aus lat. collis): danteskes Schwellen- und Richtungswort – Gegenfigur zur selva, setzt Steigung als erste Ordnung („al piè d’un colle“) und kann als Wertort erscheinen („colle eletto“): Topographie als Beginn von Maß, Blick und Weg.
- com’F
Elidierte Form von come („wie“): danteskes Gelenkwort für Vergleich, Modus und Demonstration – bindet Wille („com’ ella volse“), Ranggleichnis („com’ aquila vola“), Wahrheit („com’ ell’ è vera“), Rückverweis („sì com’ io dissi“), Spiegelung („sì com’ io“), Modellvergleich („com’ acqua recepe“) und Lehranweisung („sì com’ io vado“); zentral für die Übersetzung des Unsichtbaren in Ordnung und Bild.
- compuntoF
Partizip Perfekt von compungere („stechen“, aus lat. compungere): danteskes Stichwort der Betroffenheit – macht Angst und Schuld körpernah („il cor compunto“, „di colpa compunto“) und markiert den Schwellenmoment, in dem Affekt zur Erkenntnis und Reue zur Willensbewegung wird.
- corF
Substantiv (poetische Kurzform von cuore, aus lat. cor): danteskes Innenzentrum – Sitz von Angst und Dauer („il cor compunto“, „lago del cor“), Mutbewegung („ardire al cor“), Erstarrung und Umkehr („gel… al cor“, „riconoscenza… il cor mi morse“), Kraftmotor („cor virtù… rendemmi“) sowie Erkenntnis-Antrieb und Schleier („cor mortali… permotore“, „vel del cor“).
- cosaW
Substantiv („Ding“, „Sache“, „Etwas“): Schwellenwort zwischen Wahrnehmung und Bedeutung; bei Dante Marker für Evidenz, Staunen, Unglauben und die Grenze des Sagbaren.
- coseF
Substantiv („Dinge“, Plural von cosa): danteskes Sammelwort zwischen Konkretem und Abstraktem – bündelt Gesehenes und Bericht („cose ch’i’ v’ho scorte“), Gründe („cose… cagione“), Erfahrungsproben („nove cose assaggia“), Unzählbarkeit („cose non conte“) und Totalität („le cose tutte quante“); markiert zugleich die).
D
- d’F
Elisionsform von di („von/aus/über“) vor Vokal: danteskes Verdichtungs- und Relationszeichen – knüpft Zugehörigkeit („d’i due cognati“), Herkunft und Ursprung („d’una fontana“, „d’Elsa“), Zonenbedingungen („d’un’ombra smorta“) und Maßstabwechsel („d’un altro sole“) bei laufendem Vers.
- deF
Archaische Präpositionsform im Dante-Italienisch (Feld von di, oft in Artikelfügungen de l’, de le, de li): Relationswort für Herkunft/Abtrennung („von/aus“), Teil-Ganzes und Bezug; syntaktisches Versgelenk, das Ketten bildet („fuor de la bocca“, „de li altri“) und Bewegungslogik hörbar macht.
- delF
Präpositionsartikel (di + il) als syntaktischer Knoten der Textbewegung.
- diF
Einfache Präposition mit Besitz-, Herkunfts- und Zugehörigkeitsfeldern.
- dirF
Poetische Apokope von dire („sagen“): Rede als Handlung zwischen Wahrheit, Angst und Grenze des Sagbaren.
- diròF
Verbform: Futuro semplice, 1. Pers. Sg. von dire („ich werde sagen“), bei Dante metadiskursives Steuerwort. Baut Erzählvertrag und Redeethik: Ankündigung und Auswahl („dirò de l'altre cose“), Wahrheitsbindung („Io dirò vero“), Begrenzung („Più non dirò“), Erklärung („dirò perché“) und adressierte Weitergabe an die Lebenden.
- dirittaB
„gerade“, „recht“, „richtig“: Richtungs- und Normwort mit moralischer Schwerkraft.
- doveF
Frage- und Relativadverb („wo?“/„wo“, oft als Subjunktor des Ortsbezugs; verwandt mit poetischem ove): danteskes Navigations- und Sinnwort, das Orte als Bedingungen setzt („là dove…“), Zuständigkeit markiert („colà dove si puote“) und „wo“ bis zur Hermeneutik erweitert („dove chiave di senso non diserra“).
- drittoF
Ital. Adjektiv/Adverb/Substantiv („gerade/aufrecht“, „recht/gerecht“): Dantes Kippwort zwischen Körperhaltung und Norm – führt „dritto“ auf jedem Weg, richtet Figuren auf („Farinata s’è dritto“), lokalisiert („nel dritto mezzo“) und urteilt („ciò fu dritto“, „dritto amore“, „dritto zelo“). Verbindet Raumgeometrie mit Maß, Recht und Willensordnung („libero, dritto e sano“).
- duraF
Italienisch: „hart“ (fem. Sg. von duro) und „es dauert“ (3. Pers. Sg. von durare); koppelt Stoffwiderstand und Zeitdauer in Dantes Commedia.
E
- eF
Koordinierende Konjunktion („und“, lat. et): danteskes Verbindungs- und Rhythmuswort – erzeugt Ketten und Fortgang („guardai… e vidi“), verdichtet Steigerungsreihen (Polysyndeton: „… e aspra e forte“), koppelt Handlung und Regel („menalo… e come tu se’ usa“) und trägt im Paradiso graduelle Abstufung („piú e meno altrove“).
- èF
Präsens (3. Pers. Sg.) von essere: Kopula und Setzungswort für Identität, Urteil und ontologische Festlegung in Dantes Commedia.
- entraiF
Verbform (entrai = 1. Pers. Sg. passato remoto von entrare, „ich trat ein / ging hinein“): danteskes Schwellenwort des Anfangs – setzt den Eintritt als Ereignis, zugleich in der Urszene der Verirrung an Berichtgrenze gekoppelt („non so ben ridir com’ io v’entrai“); verbindet Raum- und Ordnungswechsel.
- eraF
Imperfekt von essere: Zustands- und Hintergrundzeit als Erzähltechnik bei Dante.
- estaF
Demonstratives Zeigewort („diese/r/s“), ältere/dichterische Variante zu questa; markiert Nähe, Evidenz und Anschauung in Dantes Commedia.
F
- forteF
Adjektiv/Adverb („stark“, „fest“, „laut“, aus lat. fortis): danteskes Maßwort der Intensität – skaliert Raumwiderstand („selva… forte“), Stimme und Affekt („sì forte“), Bewegung („andavam forte“) und Standhaftigkeit („sie forte e ardito“).
- fuiF
Verbform (Passato remoto von essere, 1. Pers. Sg.) „ich war“: danteskes Punktsetzungs- und Identitätswort – markiert abgeschlossene Lage und Passage („fui… giunto“), ontologische Herkunft („omo già fui“), Schwellen-Nähe („quando fui presso…“) und innere Klärung als Seinszustand („del dubbio disvestito“).
G
- giàF
Ital. Adverb (aus lat. iam) „schon, bereits“: markiert bei Dante Zeit- und Wahrnehmungsschwellen – Zustände erscheinen als schon im Vollzug („vestite già de’ raggi del pianeta“), Szenen werden beschleunigt, Erwartung kippt in Evidenz. Kleines, aber wirkungsstarkes Signal für Vorzeitigkeit, Dringlichkeit und sichtbare Ordnung.
- giuntoF
Partizip Perfekt von giungere („ankommen“, aus lat. iungere „fügen/verbinden“): dantesker Zustandsmarker der Schwelle – schaltet von Bewegung auf Erreichtsein („mi vidi giunto“), kann Einholung/Konfrontation setzen („Tu se’ giunto!“), Timing bewerten („tardo“) und Grad/Reife markieren („giunto a l’omor“).
- guardaiF
Verbform (passato remoto, 1. Pers. Sg. von guardare „schauen; wachen“): danteskes Steuerwort der Fokalisierung – setzt Blickrichtungen („guardai in alto“), löst Wahrnehmungsketten aus („… e vidi“) und wird mit fiso zum Prüf- und Wahrheitsblick.
H
- hoF
Verbform (ho = 1. Pers. Sg. Präsens von avere, „ich habe“): danteskes Hilfs- und Relationsverb in Klitikketten (t’ho, l’ho) – markiert Vollzug und Autorität („t’ho detto/dimostrato/scoverto“), Führung („t’ho tratto“), Einprägung/Übergabe („t’ho messo“, „messo t’ho innanzi“) und zugleich die Gedächtnisgrenze („non l’ho a mente“).
I
- i’F
Personalpronomen 1. Pers. Sg. als Verskürzung von io („ich“): danteskes Sprecher- und Rhythmuszeichen – setzt Zeugenschaft („i’ vidi“), markiert Passage und Lage („i’ fui“) und bindet das Ich in Bedingungen und Selbstprüfung („s’i’…“).
- ilF
Bestimmter Artikel (mask. Sg., Allomorphie il/lo/l’, aus lat. ille): danteskes Steuerwort der Bestimmtheit – setzt Instanzen („il sole“, „il corpo“), bündelt Zugehörigkeit („il mio cammino“, „il mio“ substantiviert) und stabilisiert Kohäsion und Weltgeltung im Vers.
- inF
Präposition („in“, „im/ins“, kontextuell auch „auf/an“): danteskes Steuerwort der Raumlogik – markiert Innenraum und Schwelle („in basso loco“), Richtungsachsen („in alto“, „in su“), Haltung („in piede“) und Maß/Grad („in sì poc’ ora“), wodurch Topographie in Syntax und Syntax in Moral umschlägt.
- ioF
Personalpronomen 1. Person Sg. („ich“): im pro-drop-Italienisch bei Dante oft markiert – setzt Zeugenschaft und Erfahrungsautorität („fu’ io, e vidi“), zeigt Erkenntnisgrenzen („Io non so ben ridir…“), trägt Affekt und Verantwortung („rispuos’ io… con vergognosa fronte“), steuert Perspektive („Com’ io…“) und macht Vision zur Mitteilung („io manifesti“).
J
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K
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L
- l’F
Elidierter bestimmter Artikel im Italienischen vor Vokal (l’ aus il/lo/la): danteskes Versgelenk in Präpositionsketten (a l’, de l’, per l’) – bündelt Bestimmtheit als Zeigegeste („die Luft“, „das Universum“), glättet Metrum und markiert Richtung, Medium und Schwelle („a l’ultimo“).
- làF
Lokaladverb („dort/da“, Distanzdeixis; mit Akzent zur Abgrenzung von la Artikel/Pronomen): dantesker Zeigemarker, der Zielorte, Schwellen („di là/di qua“) und das hierarchische Oben („là sù“, „di là su“) bündelt und so Bewegung, Blickführung und kosmische Ordnung im Vers verdichtet.
- laF
Artikel/Pronomen (bestimmter Artikel fem. Sg.; klitisches Objektpronomen „sie/es“, elidiert l’): danteskes Steuerwort der Bestimmtheit – setzt Instanzen („la paura“, „la verace via“, „la dolce stagione“), bindet Text über Anapher („la perde“) und zeigt in „ne la“ die poetische Beweglichkeit zwischen älterer Syntax und Metrik.
- leF
Bestimmter Artikel (fem. Pl.) und klitisches Objektpronomen („die“ / „sie“): Ordnungswort der Bündelung – macht Vielheit referenziell („le vene“, „le carte“, „le stelle“), stützt Aufzählrhythmus und Textkohärenz (Rückverweis in „quando tu le scrivi“) und verbindet bei Dante Körper, Schriftmaterial und Kosmos als gegliederte Felder.
M
- m’F
Klitische Elisionsform von mi („mir/mich“, vor Vokal/h: m’hai, m’avea, m’accesero): dantesker Mikro-Index der Betroffenheit, der Führung, Erkenntnis, Begehren und Transzendenz personal bindet und zugleich den Endecasillabo prosodisch verdichtet („m’ha remoto“, „m’avea chiuso“).
- maF
Konjunktion/Partikel („aber“): danteskes Scharnierwort der Adversativität – setzt Gegensatz und Einschränkung, korrigiert und präzisiert („ma non“), markiert Wendepunkte der Führung und schneidet den Vers als Zäsur; macht Maß sichtbar, indem es Erfahrung gelten lässt, aber an Ordnung bindet.
- menaF
Ital. Verbform zu menare („führen, treiben, fortreißen“): Dantes Bewegungsoperator zwischen Heilsleitung und Zwang – der savio duca mena auf anderem Weg, die lucerna mena in alto; zugleich mena Wind und Gewalt, und Seelen werden mit „rapina“ fortgerissen. Mena macht Ursache als Richtung lesbar.
- mezzoB
„Mitte“, „Mittel“, „halb“: Zwischenraum und Maßwort in Dantes Lage- und Zeitlogik.
- miF
Klitisches Objektpronomen: Nähe, Betroffenheit, Erzählerkörper im Satz.
- morteF
Substantiv (fem., „Tod“, aus lat. mors/mortis): danteskes Schwellen- und Ordnungswort – reicht vom biologischen Ende und der gewaltsamen „vïolenta morte“ bis zur theologischen „seconda morte“; im Inferno paradox als ersehnter Abbruch („speranza di morte“, „sanza morte“), zugleich Maß für Affekt, Liebe und Gerechtigkeit („poco è più morte“, „Amor condusse noi ad una morte“).
N
- nelF
Präpositionsartikel (in + il) als Ortungs- und Einlassformel.
- nonF
Negationspartikel („nicht“): danteskes Grenz- und Ordnungswort – markiert Nichtwissen („non so“), Widerstand („non mi si partia“), modale Unmöglichkeit („esser non puote“), biographische Schwellen („non vide mai“), kognitive Reichweite („non può ire“) und normative Raumordnung („qui non lece“); Ordnung wird durch Ausschluss sichtbar.
- nostraF
Possessivwort: Gemeinschaftsbezug und Kollektivperspektive („unser“).
Keine Einträge unter N.
O
- ogneF
Poetische/ältere Form zu ogni („jeder, jede, jedes; alle“): Dantes Universalquantor der Ordnung – schneidet Ausnahmen ab („Lasciate ogne speranza“), verteilt Raum („d’ogne parte“, „ad ogne man“) und setzt Ethik als Totalitätsmaß („d’ogne male“, „vince ogne errore“). Ogne macht das Jenseits als System von All- und Jeder-Sätzen lesbar.
- oscuraB
„dunkel“, „finster“, „verdunkelt“: Wahrnehmungs- und Erkenntniswert im Anfangsraum.
P
- pauraB
Substantiv (fem., „Angst/Furcht“, feste Fügungen aver/far/non aver paura): danteskes Leitwort des Anfangs – erneuert sich im Denken („rinnova“), sticht ins Herz, färbt Blick und Weg, hemmt den Willen („vinse paura“) und skaliert bis zur Weltmacht („fé paura a’ dèi / a tutto ’l mondo“), bevor Führung und Gnade Angst in Maß und Standhaftigkeit umarbeiten.
- pensierF
Substantiv (mask.), poetische Kurzform zu pensiero („Gedanke“, aus pensare): danteskes Innenraum- und Prozesswort – erneuert Affekt („nel pensier rinova la paura“), erzeugt Gedankenkaskaden („l’un pensier de l’altro scoppia“), kippt Entschluss („novi pensier cangia proposta“) und unterscheidet Qualitäten (vani/dubi/sottili vs. santi/contemplativi) als Moral-Topographie des Geistes.
- perF
Einfache Präposition: Ursache, Mittel, Durchgang und Zielrichtung.
- pianetaF
Ital. Substantiv („Planet“, oft poetisch „Gestirn“): kosmischer Ursprung von raggi und Helligkeit – Strahlen „kleiden“ Erscheinungen („de’ raggi del pianeta“), und der Planet kann an Intensität zunehmen („piú lucente“). Pianeta ist bei Dante kein bloßes Objekt, sondern Ordnungszeichen für Sphäre, Rang und sichtbare Evidenz.
- pièF
Substantiv (poet. Form von piede, aus lat. pes) „Fuß“/„Fußpunkt“: danteskes Schwellen- und Maßwort – setzt Orte als Knoten („al piè“), definiert Tragfähigkeit („piè fermo“), zeigt Entkräftung („piè/piedi molli“) und kippt zur Erkenntnisbasis („a piè del vero“).
- pienoF
Adjektiv („voll“): danteskes Maß- und Zustandswort der Sättigung – Raumdichte („loco… tanto pieno“, „calcato e pieno“), Vollständigkeit der Rede (a pieno), soziale Fülle („d’amici pieno“), innere Besetzung durch Sorge und Affekte („d’ammirazion pieno“, „di sospetto pieno“), topographische Füllung (Rodano) und Selbstzustand („io son pieno“); markiert Erfüllung und mögliches Übermaß.
- pocoF
Indefinitum/Quantor („wenig“, „ein wenig“, „kaum“, aus lat. paucus): danteskes Mikromaß der Proportion – taktet Bewegung und Wahrnehmung („un poco“, „poco più“), entfaltet Prozess („a poco a poco“), markiert Beinahe-Schwellen („per poco“) und setzt knappe Dauer („poco tempo“, „in poco d’ora“); zugleich Urteilwort der Unzulänglichkeit („ogne parlar sarebbe poco“, „molto si mira e poco si discerne“).
- poiF
Temporaladverb/Diskursmarker („dann“, „darauf“, „später“, in poi che „nachdem“): danteskes Scharnier der Fortgangslogik – setzt Stufen und Schwellen, bindet Antwort an Wahrnehmungz.
- piùF
Komparativ-Partikel/Gradadverb („mehr“, „weiter“, „noch“, aus lat. plus): danteskes Steigerungs- und Skalenwort – treibt Vergleich („più… che“, „più di“), Tempo und Weg („più presto“, „più lieve salita“), Iteration („più volte“, „più e più“) und Licht/Höhe („più chiaro“, „più alto“); setzt zugleich Grenzkanten („più non“), an denen Ordnung und Gesetz das Mehr stoppen.
- puntoF
Substantiv („Punkt“): danteskes Verdichtungswort für Moment, Schwelle und Lehrkern – fixiert Knoten („a quel punto“), Ursprungsschmerz („nel primo punto“), Entscheidungsdetail („solo un punto…“), Negationsnull („non… punto“), Gradgrenze („fino a quel punto“), Argumentkern („quest’ è tal punto“), Denkfokus („a questo punto… pense“), Kerngewissheit („del maggior punto certo“) und geometrische Ordnung („punto del cerchio“).
Q
- qual F
Relativ- und Fragewort (Kurzform von quale, „welcher/was für ein“): bindet Referenz und Auswahl, eröffnet Dante-Gleichnisse („E qual è quei che…“) und schärft Bestimmung von Art, Zustand und Ort; zentrales Strukturwort für Vergleich, Typisierung und Wahrnehmungsordnung im Inferno.
- quanto F
Relativ- und Maßwort („wie viel“, „wie sehr“, „so viel wie“, „in dem Maß, in dem“): verbindet Quantität, Intensität und Dauer; bei Dante zentrales Skalenwort für Affekt, Vollkommenheit, Zeitmaß und moralische Proportion.
- quelF
Demonstrativ (verkürzte Form von quello, mask. Sg.; „jener/dieser“): danteskes Zeige- und Ordnungswort – fixiert Momente („a quel punto“), identifiziert Autorität („quel Virgilio“), autorisiert Referenz („di quel giusto“), bündelt Reste und Identitäten (quel che…), verankert Bezugsgrößen („con quel gigante“), qualifiziert Erscheinung („con quel sembiante“) und typisiert Verhalten („quel c’ha maggior fretta“).
- quellaF
Demonstrativ (fem. Sg. von quello; „jene/die da“, deiktisch und anaphorisch): danteskes Fixierwort, das Referenten eindeutig setzt („quella valle“, „quella fiera“), Alternativen schärft („quella o quella“) und Kausal- sowie Folgerungsachsen an bestimmte Instanzen bindet („da quella“, „però quella“).
R
- raggiF
Ital. Plural zu raggio („Strahl“, „Lichtstrahl“): Dantes Schlüsselwort der Lichtordnung – Strahlen „kleiden“ Erscheinungen („de’ raggi del pianeta“), werden reflektiert, treffen den Körper, setzen Grenzen (die man nicht „durchbricht“) und können als duci führen. Raggi verbindet Optik und Theologie: Ausstrahlung als Kraft, Rangzeichen und Erkenntnismedium.
- ridirF
Infinitivform zu ridire („wieder sagen“, „wiedergeben“; Kürzung -e → ridir): danteskes Schlüsselwort der Berichtbarkeit – markiert Rekonstruktionsgrenze („non so ben ridir“), Sprachminimum in Grenzantworten („Che potea io ridir…?“) und die Hoffnung auf Darstellbarkeit selbst im Paradiso („spera già ridir…“).
- rinnovaF
Verbform (3. Pers. Sg. Präsens von rinnovare, zu nuovo): danteskes Wiederkehr-Verb – macht Vergangenes im Jetzt neu (Affekt: „nel pensier rinnova la paura“), beschreibt Umprägung von Sitte und Sozialform („Fiorenza rinnova gente e modi“) und fasst Epochendynamik („Secol si rinnova“) als moralisch-historische Aktualisierung.
- ritrovaiF
Verbform des Wiederfindens: Wendepunkt zwischen Verlust und Rückgewinnung.
S
- scorteF
Doppelprofil: Partizip im Feld von scorgere („sehen/erspähen“: v’ho scorte) und Plural von scorta („Geleit/Eskorte/Führer“: le nostre scorte, buone scorte). Dantes Gelenkwort zwischen Wahrnehmung und Führung: Das Gesehene wird erzählbar, der Weg wird gangbar – oft sogar durch Sprache als Leitmittel („tue parole… scorte“).
- selvaB
„Wald, Wildnis, Dickicht“: Raumfigur der Verirrung und der inneren Lage.
- selvaggiaF
Adjektiv („wild“, fem. Sg. von selvaggio, aus selva): markiert Unordnung, Unführbarkeit und Widerstand – in Dantes Commedia besonders in „selva selvaggia“ und „selvaggia strada“.
- smarritaB
Partizip/Adjektiv zu smarrire: Verlust der Linie, des Blicks, der Fassung.
- soF
Verbform (so = 1. Pers. Sg. Präsens von sapere, „ich weiß“): danteskes Scharnier von Erkenntnis und Grenze – Nichtwissen („io non so…“), Gewissheit („ben so…“, „so per vero“), Identitäts-/Bedingungsfragen („non so se…“, „non so chi…“) und Überschussformel non so che (unaussprechliches, oft „divino“ getöntes Etwas); protokolliert die Wissenszustände der Reise.
- sonnoF
Substantiv („Schlaf“): danteskes Schwellen- und Schnittwort – Schlaf als Macht, die ergreift („sonno piglia“, „mi prese“, „vinto dal sonno“), als Hülle, die bricht („si rompesse“, „si frange“), als Entzug („mi fuggì ’l sonno“), als Band, von dem man sich löst („dal sonno si slega“), als Medium von Traumsehen/-hören („fra ’l sonno…“, „vide nel sonno“); gliedert besonders im Purgatorio Visionen und Übergänge.
- spalleF
Substantiv (fem. Pl.) zu spalla („Schultern“): Körperwort der Richtung und der Last – markiert Führung („io dopo le spalle“), Abkehr/Flucht („diede/volsi le spalle“), Schutz („fidate spalle“) und Bürde („graverà le spalle“); macht in Dantes Poetik die moralische Entscheidung als leibliche Wendung sichtbar.
- sueF
Possessivum (fem. Pl.) zu suo („sein/ihr“): Kohärenz- und Zurechnungswort der Zugehörigkeit – klammert Serien an eine Instanz („le sue parole“, „le sue opere“, „le sue vie“, „le sue ali“), stabilisiert Perspektive, markiert Verantwortlichkeit und rhythmisiert Aufzählungen durch wiederholte Besitzsignatur.
T
- tant’F
Quantor/Gradwort (Apokope von tanto, „so viel/so sehr“): dantesker Skalenregler – gießt Zustände in Schwellenformeln („Tant’ è amara…“), verdichtet Affekt und Wahrnehmung („tant’ era pien di sonno“), misst Strecke und Zeit („tant’ … trascorso“), markiert Übermaß („’ncendio sanza metro“) und quantifiziert Ordnung bis zur Beweisgeste („con tant’ ordine…“).
- terminavaF
Verbform (Imperfekt 3. Pers. Sg. von terminare, zu termine < lat. terminus): dantesker Grenzmarker, der Endlinien als szenische Raumstruktur setzt („là dove terminava quella valle“) und Topographie in Schwellen- und Entscheidungslogik überführt.
- trattarF
Verb (Infinitiv, apokopiert von trattare, aus lat. tractare zu trahere): danteskes Poetik- und Methodensignal – heißt „behandeln/handhaben“ und „von etwas handeln“ (trattar di); markiert den Übergang vom Erlebnis zur geordneten Rede („ma per trattar del ben…“) und macht Auswahl, Maß und Darstellung zur Form der Erkenntnis.
- trovaiF
Verbform: Passato remoto, 1. Pers. Sg. von trovare („ich fand/ich traf an“), bei Dante Ereignis- und Schwellenmarker. Organisiert die Reise als Kette von Fundstellen: Selbst-Lokalisierung („mi ritrovai“), Wertfund („ben… trovai“), Antreffen von Figuren/Ordnungen (Diebe, Zugehörigkeit) und Zeichenlektüre („lettere… 'ncise“) bis zur Licht-Erfahrung im Paradiso.
U
- unF
Unbestimmter Artikel/Zahlwort (mask. Sg., aus lat. unus) „ein“: dantesker Singularisierer und Maß-Operator – dosiert Affekt und Zeit („un poco“), macht Vieles zur Einheit („un tumulto“, „un correre“), typisiert Vergleichsfiguren („un Piramo“), fixiert Ursprung („un principio“) und setzt Neuheit als Zustand („un nuovo“).
- unaF
„eine“ (fem.): Artikel, Zahlwort und Pronomen als Setzung von Einheit.
V
- v’F
Klitische Kurzform von vi (v’): Objekt-/Lokalklitikum („euch/dir/ihnen“ bzw. „dort/hin“) in enger Verbverbindung (v’ho, v’intrai, v’apersi, v’apparse); danteskes Versgelenk der Relation – bindet Bericht, Bewegung, Wahrnehmung und Offenbarung an ein Gegenüber oder einen Bezugsort.
- valleF
Substantiv (fem., Pl. valli, aus lat. vallis „Tal“): danteskes Raum- und Ordnungswort, das Senke und Sammelbecken bezeichnet, als Schwelle („terminava quella valle“), als Tiefenraum („valle d’abisso dolorosa“), als moralisch codierte Lebenslage („misera valle“, „ove mai non si scolpa“) und im Paradiso auch geographisch-hydrologisch (Rodano, „maggior valle“) wirkt.
- veraceF
Adjektiv („wahr, wahrhaft, echt“): danteskes Ordnungs- und Erkenntniswort – markiert rechten Weg („verace via“), legitime Führung („verace duca“), Scheinwahrheit der Wahrnehmung („pareva sì verace“), wahrhafte Autorität („padre verace“), zur Wahrheit zu formende Auffassungskraft („apprensiva… verace“) sowie im Paradies Gemeinschaft, Licht, Liebe und Nahrung („verace corte“, „verace luce“, „verace amore“, „verace manna“).
- vestiteF
Form zu vestire („kleiden“), bei Dante meist Partizip Perfekt im Adjektivgebrauch („gekleidet“, „umhüllt“, häufig fem. Pl.): macht Ordnung sichtbar, indem Licht („raggi“), Weiß („bianco“) und Purpur („porpore“) als Hüllen semantisch Rang, Reinheit und kosmische Glanzstaffelung markieren.
- viF
Klitikon mit Doppelfunktion: Objektpronomen 2. Pers. Pl. („euch“; Empfänger von Rede, Lehre, Gnade: „vi piace“, „io vi confesso“, „non vi piove“) und Ortsadverb („dort/da“: epistemische Raumzone: „io non vi discernea“). Bei Dante Scharnier von Gesprächsordnung und Raumordnung – adressiert, zeigt, warnt, verortet.
- viaB
„Weg“, „Bahn“, „Methode“; als Ausruf auch „weg!“: Richtungswort der Reise.
- vidiF
Verbform von vedere („sehen“), 1. Pers. Sg. Passato remoto („ich sah“): danteskes Zeugenwort der Evidenz – öffnet Szenen („Quando vidi…“), koppelt Blick und Wahrnehmung („guardai… e vidi“), trägt allegorische Bildfolgen (Adler/Drache/Riese in Purgatorio) und markiert im Paradiso die Schwelle zur unsagbaren Schau („fu’ io, e vidi cose…“).
- vitaB
Feminines Substantiv: Leben als Zeitmaß, Wertform und Erzählrahmen.
W
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X
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Y
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Z
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