Bildfeld

Bild- und Deutungsstruktur · Zusammenhang lyrischer Bildlichkeit · poetische Ordnung von Motiv, Metapher, Symbol, Atmosphäre und Sinnbewegung

Überblick

Bildfeld bezeichnet in der Lyrik einen zusammenhängenden Bereich von Bildern, Motiven, Metaphern, Symbolen und Wahrnehmungsformen, die innerhalb eines Gedichts oder einer Gedichtgruppe eine gemeinsame poetische Ordnung bilden. Ein Bildfeld entsteht, wenn mehrere Bilder nicht isoliert nebeneinanderstehen, sondern auf denselben Sinn-, Raum-, Natur-, Körper-, Zeit- oder Erfahrungsbereich verweisen. So können etwa Himmel, Stern, Mond, Nacht und Ferne ein kosmisch-nächtliches Bildfeld bilden; Quelle, Strom, Welle, Ufer und Meer ein Wasserfeld; Blüte, Garten, Duft und Frühling ein Natur- und Lebensfeld.

Für die Gedichtanalyse ist das Bildfeld von besonderer Bedeutung, weil lyrische Bilder selten nur einzelne Schmuckelemente sind. Sie ordnen Wahrnehmung, Stimmung und Deutung. Ein Gedicht kann durch ein bestimmtes Bildfeld eine Atmosphäre aufbauen, eine innere Bewegung sichtbar machen oder eine symbolische Tiefenstruktur entfalten. Wenn mehrere Bilder zueinander gehören, entsteht ein Bedeutungsraum, der über das einzelne Bild hinausgeht.

Das Bildfeld kann harmonisch, geschlossen, gespannt, mehrdeutig oder brüchig sein. Es kann sich im Verlauf eines Gedichts entfalten, verdichten, verändern oder durch ein fremdes Bildfeld gestört werden. Gerade dort, wo ein Bildbruch entsteht, wird die Ordnung des Bildfeldes besonders sichtbar. Der Bruch irritiert eine zuvor aufgebaute Bildlogik und macht deutlich, dass lyrische Bildlichkeit nicht nur veranschaulicht, sondern auch strukturiert, lenkt und deutungsaktiv wirkt.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Bildfeld somit eine zentrale Kategorie lyrischer Bildanalyse. Gemeint ist jener Zusammenhang von Bildern, durch den ein Gedicht seine Wahrnehmungswelt, seine Stimmung und seine Deutungsbewegung poetisch organisiert.

Begriff und lyrische Grundfigur

Der Begriff Bildfeld verbindet zwei Aspekte: das einzelne Bild und den größeren Zusammenhang, in dem es steht. Ein Bildfeld ist mehr als eine Ansammlung ähnlicher Wörter. Es ist ein semantisch und atmosphärisch zusammenhängender Bereich, in dem mehrere Bilder einander stützen, erweitern oder spannungsvoll ergänzen. Dadurch entsteht eine poetische Ordnung, die für das Verständnis eines Gedichts oft wichtiger ist als die isolierte Erklärung einzelner Metaphern.

Als lyrische Grundfigur macht das Bildfeld sichtbar, dass Gedichte in Bildzusammenhängen denken. Ein Naturbild, ein Himmelsbild, ein Wasserbild, ein Nachtbild oder ein Körperbild ist selten nur einzelner Verweis. Es ruft oft einen ganzen Bereich von Bedeutungen auf. Wenn ein Gedicht wiederholt von Licht, Glanz, Sonne, Morgen und Helle spricht, entsteht ein Lichtfeld. Wenn es dagegen Schatten, Nacht, Dunkel, Kälte und Schweigen sammelt, bildet sich ein Dunkelfeld. Solche Felder prägen die Grundrichtung der Deutung.

Bildfelder können sehr konkret oder sehr abstrakt wirken. Sie können auf reale Wahrnehmungsbereiche bezogen sein, etwa Landschaft, Wetter, Jahreszeit, Tageszeit oder Körper. Sie können aber auch symbolische Erfahrungsbereiche bilden, etwa Schuld, Erlösung, Sehnsucht, Erinnerung, Tod, Transzendenz oder Sprachlosigkeit. Entscheidend ist, dass die einzelnen Bilder im Gedicht nicht isoliert bleiben, sondern in einer gemeinsamen Bedeutungsbewegung stehen.

Im Kulturlexikon meint Bildfeld daher eine poetische Ordnungsform lyrischer Bildlichkeit. Es bezeichnet den Zusammenhang, in dem einzelne Bilder ihre volle Funktion erst durch ihre Beziehung zueinander gewinnen.

Bildfeld als Ordnung lyrischer Bilder

Ein Bildfeld ordnet lyrische Bilder. Es schafft Zusammenhalt, Wiedererkennbarkeit und Deutungsrichtung. Wenn ein Gedicht eine Reihe verwandter Bilder verwendet, entsteht eine innere Kohärenz, die die Wahrnehmung lenkt. Lesende nehmen dann nicht nur einzelne Motive wahr, sondern eine übergreifende Bildwelt. Diese Bildwelt kann den Ton des Gedichts bestimmen und seine semantische Bewegung tragen.

Die Ordnung eines Bildfeldes kann ausdrücklich oder unauffällig entstehen. Manchmal ist sie offensichtlich, etwa wenn ein Gedicht durchgehend Wasserbilder entfaltet. In anderen Fällen ist sie feiner organisiert. Einzelne Wörter, Farben, Bewegungsverben und Raumangaben können gemeinsam ein Feld bilden, ohne dass dieses Feld ausdrücklich benannt wird. Ein Gedicht kann beispielsweise über Wörter des Sinkens, Dämmerns, Schweigens und Verlöschens ein Abend- oder Vergänglichkeitsfeld aufbauen.

Diese Ordnung ist für die Interpretation wichtig, weil sie zeigt, wie das Gedicht seine Bedeutungen vorbereitet. Ein späteres Bild kann durch ein früheres vorbereitet sein; eine einzelne Metapher kann durch ein ganzes Bildfeld gestützt werden; eine Stimmung kann über mehrere verwandte Bilder wachsen. Das Bildfeld gibt dem Gedicht innere Kontinuität.

Als Kulturlexikon-Begriff bezeichnet Bildfeld daher die strukturierende Ordnung lyrischer Bildlichkeit. Es macht sichtbar, wie Gedichte durch wiederkehrende, verwandte oder miteinander verbundene Bilder Sinn und Atmosphäre aufbauen.

Bildfeld, Motiv und Symbol

Das Bildfeld steht in enger Beziehung zu Motiv und Symbol, ist aber nicht mit beiden identisch. Ein Motiv ist ein wiederkehrendes thematisches oder bildliches Element, etwa der Mond, die Nacht, der Weg, die Blume oder das Fenster. Ein Symbol ist ein Zeichen mit Bedeutungsüberschuss, das über seine konkrete Erscheinung hinausweist. Ein Bildfeld dagegen umfasst einen ganzen Zusammenhang solcher Elemente. Es ist der Raum, in dem Motive und Symbole miteinander in Beziehung treten.

Ein Mondmotiv kann Teil eines nächtlichen Bildfeldes sein, zusammen mit Stern, Dunkelheit, Stille und Ferne. Ein Wegmotiv kann in ein Bildfeld des Übergangs gehören, zusammen mit Schwelle, Horizont, Abschied und Herannahen. Ein Wassersymbol kann in einem Bildfeld von Tiefe, Bewegung, Spiegelung und Vergänglichkeit stehen. Erst durch das Bildfeld wird oft deutlich, welche Richtung ein einzelnes Motiv im konkreten Gedicht annimmt.

Diese Unterscheidung schützt vor vorschneller Symboldeutung. Ein einzelnes Symbol bedeutet nicht immer dasselbe. Der Mond kann Trost, Kühle, Einsamkeit, Wandel oder Geheimnis bedeuten. Welche Bedeutung im jeweiligen Gedicht stärker wird, hängt vom Bildfeld ab, in das er eingebettet ist. Bildfeldanalyse ist daher eine wichtige Voraussetzung genauer Motiv- und Symbolinterpretation.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Bildfeld somit den größeren Bedeutungsraum, in dem Motive und Symbole ihre konkrete lyrische Funktion erhalten.

Bildfeld und Atmosphäre

Bildfelder prägen die Atmosphäre eines Gedichts. Sie schaffen einen Stimmungsraum, in dem die einzelnen Bilder nicht nur Bedeutung tragen, sondern auch eine gemeinsame seelisch-sinnliche Tönung erzeugen. Ein Feld aus Licht, Himmel, Morgen und Weite wirkt anders als ein Feld aus Schatten, Nacht, Kälte und Schweigen. Die Atmosphäre entsteht aus dem Zusammenspiel der Bilder.

Ein Bildfeld kann beruhigend, bedrohlich, melancholisch, sehnsüchtig, feierlich, nüchtern, fremd oder geheimnisvoll wirken. Dabei ist entscheidend, dass die Stimmung nicht immer ausdrücklich benannt werden muss. Sie entsteht indirekt aus der Auswahl und Verknüpfung der Bilder. Ein Gedicht kann Trauer erzeugen, ohne das Wort Trauer zu verwenden; es kann Sehnsucht erzeugen, indem es Ferne, Horizont, Blau, Wind und offene Wege miteinander verbindet.

Die atmosphärische Wirkung eines Bildfeldes kann im Verlauf des Gedichts stabil bleiben oder sich verändern. Ein zunächst heller Bildraum kann sich verdunkeln; ein friedliches Naturfeld kann durch ein fremdes Bild irritiert werden; ein nächtliches Feld kann von einem Lichtbild durchbrochen werden. Solche Veränderungen sind für die Deutung besonders wichtig, weil sie die innere Bewegung des Gedichts sichtbar machen.

Im Kulturlexikon bezeichnet Bildfeld daher auch einen atmosphärischen Zusammenhang. Es zeigt, wie Gedichte Stimmung nicht nur behaupten, sondern durch Bildordnung sinnlich und poetisch herstellen.

Entwicklung und Veränderung von Bildfeldern

Bildfelder sind in Gedichten häufig nicht statisch. Sie können sich entwickeln, verdichten, verschieben oder auflösen. Ein Gedicht kann mit einem Naturbildfeld beginnen, es allmählich in ein religiöses Bildfeld überführen oder durch ein Todesbildfeld verdunkeln. Ebenso kann ein Bildfeld der Enge in ein Bildfeld der Weite übergehen, ein Dunkelfeld in ein Lichtfeld, ein Feld der Ruhe in eines der Unruhe.

Diese Entwicklung ist oft ein Schlüssel zur inneren Bewegung des Gedichts. Wenn die Bildfelder sich verändern, verändert sich meist auch die Bedeutung. Ein Gedicht erzählt dann nicht im erzählerischen Sinn, sondern über Bildverschiebungen. Die Bewegung der Bilder zeigt, wie sich Stimmung, Wahrnehmung oder Erkenntnis verwandeln. Aus diesem Grund ist die Beobachtung von Bildfeldern für die Analyse des Gedichtaufbaus besonders wichtig.

Auch Übergänge zwischen Bildfeldern können sehr unterschiedlich gestaltet sein. Sie können fließend, schwellend, abrupt, kontrastiv oder bruchhaft sein. Ein fließender Übergang kann eine innere Entwicklung harmonisch wirken lassen. Ein abrupter Wechsel kann Irritation, Krise oder Ambivalenz erzeugen. Die Art des Übergangs entscheidet wesentlich über die poetische Wirkung.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Bildfeld deshalb auch eine dynamische Struktur. Es geht nicht nur darum, welche Bilder vorkommen, sondern wie sie sich im Gedicht entfalten, verschieben und aufeinander beziehen.

Bildfeld und Bildbruch

Der Bildbruch ist nur vor dem Hintergrund eines Bildfeldes wirklich verständlich. Ein Bruch entsteht, wenn eine bestehende Bildordnung gestört wird. Solange keine erkennbare Ordnung vorliegt, kann auch keine deutliche Störung dieser Ordnung wahrgenommen werden. Das Bildfeld bildet also die Erwartung, die der Bildbruch unterbricht.

Ein Beispiel kann dies verdeutlichen: Wenn ein Gedicht zunächst ein sanftes Naturfeld aus Blüte, Duft, Licht und Frühling entfaltet und plötzlich ein Bild aus Metall, Wunde oder Maschine einführt, entsteht ein Bildbruch. Dieser Bruch wirkt, weil das neue Bild nicht selbstverständlich in das bisherige Feld gehört. Es stört die Harmonie, erzeugt Spannung und verändert die Deutung der vorherigen Bilder.

Bildfeld und Bildbruch stehen daher in einem produktiven Verhältnis. Das Bildfeld schafft Zusammenhang, der Bildbruch irritiert ihn. Das Bildfeld stabilisiert, der Bildbruch dynamisiert. Das Bildfeld baut Atmosphäre auf, der Bildbruch kann diese Atmosphäre kippen lassen. Gerade durch dieses Wechselspiel entstehen viele komplexe lyrische Wirkungen.

Im Kulturlexikon bezeichnet Bildfeld somit auch die Ordnung, deren Störung durch den Bildbruch deutungsrelevant wird. Beide Begriffe gehören eng zusammen, weil lyrische Bildlichkeit sowohl Kohärenz als auch Irritation erzeugen kann.

Bildfeldanalyse in der Gedichtinterpretation

Die Bildfeldanalyse ist eine zentrale Methode der Gedichtinterpretation. Sie fragt danach, welche Bildbereiche ein Gedicht aufbaut, wie sie miteinander verbunden sind und welche Deutungsbewegung daraus entsteht. Dabei genügt es nicht, einzelne Metaphern isoliert zu erklären. Entscheidend ist der Zusammenhang: Welche Bilder gehören zusammen? Welche Wörter wiederholen sich? Welche Farben, Räume, Bewegungen oder Naturbereiche bilden ein gemeinsames Feld?

Eine genaue Bildfeldanalyse achtet auch auf Veränderungen. Bleibt ein Bildfeld stabil, oder wird es durchbrochen? Erweitert sich ein Feld, oder verengt es sich? Treten gegensätzliche Felder auf, etwa Licht und Dunkel, Nähe und Ferne, Natur und Technik, Körper und Geist, Himmel und Erde? Solche Gegensätze und Entwicklungen können die Struktur des Gedichts wesentlich bestimmen.

Wichtig ist dabei die textnahe Begründung. Ein Bildfeld darf nicht beliebig behauptet werden. Es muss aus Wörtern, Motiven, Metaphern, Symbolen, Wiederholungen und semantischen Beziehungen des Gedichts erschlossen werden. Je genauer die sprachlichen Belege beobachtet werden, desto präziser wird die Interpretation.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Bildfeld daher auch eine analytische Kategorie. Sie hilft zu verstehen, wie Gedichte über Bildzusammenhänge Sinn, Atmosphäre und innere Bewegung erzeugen.

Bildfelder in der Lyriktradition

Bildfelder gehören zu den dauerhaft wirksamen Strukturen der Lyriktradition. Naturlyrik arbeitet häufig mit Bildfeldern von Landschaft, Himmel, Wald, Wasser, Jahreszeit, Licht und Dunkel. Liebeslyrik nutzt Bildfelder von Nähe, Blick, Körper, Blume, Feuer, Schmerz oder Ferne. Religiöse Lyrik entfaltet Bildfelder von Licht, Weg, Höhe, Himmel, Quelle, Opfer, Gnade oder Erlösung. Elegische Lyrik arbeitet oft mit Feldern von Herbst, Abend, Vergänglichkeit, Erinnerung und Schweigen.

In unterschiedlichen Epochen werden Bildfelder verschieden organisiert. In klassisch oder harmonisch geprägter Lyrik können Bildfelder geschlossen und ordnend wirken. In romantischer Lyrik treten häufig Felder von Nacht, Traum, Ferne, Wald, Mond und Sehnsucht hervor. In moderner Lyrik werden Bildfelder oft fragmentiert, gebrochen oder durch heterogene Bereiche gestört. Natur, Stadt, Technik, Körper und Sprache können dort spannungsvoll nebeneinandertreten.

Gerade diese historische Wandelbarkeit zeigt, wie wichtig Bildfelder für poetische Weltbilder sind. Sie spiegeln nicht nur einzelne Motive, sondern ganze Formen des Wahrnehmens. Ein Gedicht ordnet die Welt über seine Bildfelder, und diese Ordnung ist immer auch kulturell, ästhetisch und geschichtlich geprägt.

Im Kulturlexikon bezeichnet Bildfeld deshalb einen traditionsreichen lyrischen Grundbegriff. Er verbindet Einzelbild, Motivgeschichte, Symbolik und poetische Weltordnung zu einer zentralen Kategorie dichterischer Analyse.

Poetische Funktion

Die poetische Funktion des Bildfeldes besteht darin, lyrische Bilder zu einer zusammenhängenden Bedeutungsstruktur zu verbinden. Ein einzelnes Bild kann stark sein, doch ein Bildfeld schafft Tiefenwirkung, weil Bilder einander wiederholen, variieren, verstärken oder widersprechen. Dadurch entsteht ein dichter Bedeutungsraum, in dem Stimmung, Thema und innere Bewegung des Gedichts miteinander verschränkt werden.

Darüber hinaus ermöglicht das Bildfeld poetische Verdichtung. Ein Gedicht muss nicht alles erklären, wenn seine Bilder in einem erkennbaren Feld stehen. Die Bedeutung entsteht aus den Beziehungen der Bilder. Ein Nachtfeld kann Geheimnis, Stille und Innerlichkeit tragen; ein Wasserfeld Bewegung, Tiefe und Vergänglichkeit; ein Lichtfeld Erkenntnis, Hoffnung oder Erhellung. Das Bildfeld bündelt solche Bedeutungen, ohne sie auf abstrakte Begriffe zu reduzieren.

Auch für Spannung und Dynamik ist das Bildfeld entscheidend. Es kann stabilisieren, aber auch durchbrochen werden. Es kann eine Atmosphäre aufbauen, die später kippt. Es kann mit einem gegensätzlichen Feld konkurrieren. Auf diese Weise trägt das Bildfeld nicht nur die Anschaulichkeit, sondern auch die Dramaturgie des Gedichts.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Bildfeld somit eine Schlüsselgröße lyrischer Poetik. Es steht für die Fähigkeit des Gedichts, Bilder zu ordnen, Atmosphäre zu erzeugen, Bedeutung zu verdichten und poetische Bewegung sichtbar zu machen.

Fazit

Bildfeld ist in der Lyrik eine zentrale Kategorie der Bildanalyse. Es bezeichnet einen zusammenhängenden Bereich von Bildern, Motiven, Metaphern und Symbolen, die gemeinsam eine poetische Ordnung bilden. Ein Bildfeld prägt Wahrnehmung, Atmosphäre, Stimmung und Deutung eines Gedichts.

Als lyrischer Begriff steht Bildfeld für Zusammenhang innerhalb der Bildlichkeit. Es hilft zu verstehen, warum einzelne Bilder im Gedicht nicht isoliert gelesen werden sollten, sondern in Beziehung zu anderen Bildern stehen. Erst aus dieser Beziehung entsteht häufig die eigentliche Bedeutung. Bildfelder können stabil, dynamisch, ambivalent oder brüchig sein.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Bildfeld somit einen Schlüsselbegriff lyrischer Deutung. Er steht für jene poetische Struktur, durch die Gedichte ihre Bildwelt ordnen, ihre Stimmung tragen und ihre Bedeutungsbewegung anschaulich verdichten.

Weiterführende Einträge

  • Abend Zeitliches Bildfeld des Ausklangs, in dem Licht, Dämmerung, Ruhe und Vergänglichkeit zusammenwirken
  • Ahnung Vorform des Wissens, die durch Bildfelder von Nacht, Ferne, Licht oder Schwelle getragen werden kann
  • Ambivalenz Doppelwertigkeit lyrischer Bedeutung, die durch konkurrierende oder gebrochene Bildfelder entsteht
  • Andeutung Indirektes Sagen, das durch offene und symbolisch aufgeladene Bildfelder unterstützt wird
  • Atmosphäre Stimmungsraum des Gedichts, der wesentlich durch die Ordnung seiner Bildfelder entsteht
  • Bildbruch Störung einer Bildfeldordnung durch einen unerwarteten Wechsel oder Zusammenstoß von Bildbereichen
  • Bildlichkeit Gesamtheit der sprachlichen Veranschaulichung, innerhalb der Bildfelder zentrale Ordnungen bilden
  • Blau Farbfigur, die Bildfelder von Himmel, Ferne, Kühle und Sehnsucht verbinden kann
  • Bruch Unterbrechung formaler oder semantischer Kontinuität, die auch Bildfelder betreffen kann
  • Dämmerung Schwellenhaftes Lichtfeld zwischen Tag und Nacht, das lyrische Bildordnungen stark prägt
  • Deutung Interpretative Erschließung von Bildzusammenhängen, Symbolen und Bildfeldbewegungen im Gedicht
  • Dunkelheit Bildfeld des Entzugs, der Nacht, des Geheimnisses und der begrenzten Sichtbarkeit
  • Ferne Raum- und Bildfeld der Distanz, Sehnsucht, Unerreichbarkeit und offenen Erwartung
  • Geheimnis Erfahrung des nicht vollständig Erhellbaren, die durch dunkle oder nächtliche Bildfelder gestützt wird
  • Himmel Bildraum von Höhe, Weite, Licht und Transzendenz, der häufig ein eigenes Bildfeld bildet
  • Horizont Grenz- und Öffnungsfigur, die Bildfelder von Ferne, Weite und Übergang verbindet
  • Irritation Störung von Erwartung, die durch unpassende oder kollidierende Bildfelder entstehen kann
  • Kontrast Gegensatzstruktur zwischen Bildfeldern, durch die lyrische Spannung erzeugt wird
  • Kosmos Weites Bildfeld von Sternen, Himmel, Ordnung und Unermesslichkeit
  • Landschaft Naturbezogenes Bildfeld, das Raum, Stimmung und Wahrnehmung des Gedichts ordnen kann
  • Licht Zentrales Bildfeld von Erhellung, Sichtbarkeit, Hoffnung, Erkenntnis und atmosphärischer Veränderung
  • Mehrdeutigkeit Offenheit lyrischer Bedeutung, die durch überlagerte Bildfelder verstärkt werden kann
  • Metapher Übertragungsfigur, die innerhalb von Bildfeldern wiederkehrende Bedeutungsbeziehungen schafft
  • Mond Nächtliches Motiv, das in Bildfeldern von Dunkelheit, Kühle, Ferne und Geheimnis wirkt
  • Montage Zusammenfügung heterogener Elemente, die verschiedene Bildfelder nebeneinanderstellt oder kollidieren lässt
  • Nacht Zeit- und Bildfeld des Dunkels, der Stille, des Geheimnisses und der Innerlichkeit
  • Naturbild Sprachlich geformte Naturerscheinung, die häufig Teil größerer Bildfelder ist
  • Offenheit Nicht abgeschlossene Sinnbewegung, die durch offene Bildfelder poetisch getragen wird
  • Perspektivwechsel Umschlag der Wahrnehmungsrichtung, der häufig mit einem Wechsel des Bildfeldes verbunden ist
  • Raum Grundkategorie lyrischer Weltgestaltung, in der Bildfelder ihre anschauliche Ordnung entfalten
  • Resonanz Nachklingende Bedeutungsbewegung, die durch wiederkehrende Bildfelder intensiviert wird
  • Schatten Bildfigur begrenzter Sichtbarkeit, die dunkle, nächtliche oder geheimnisvolle Bildfelder mitträgt
  • Schwelle Übergangsfigur, die Bildfelder von Grenze, Öffnung, Übergang und Erwartung verbindet
  • Sehnsucht Affektives Bildfeld von Ferne, Mangel, Erwartung, Offenheit und Unerreichbarkeit
  • Spannung Dynamik zwischen Bildfeldern, Gegensätzen und Bedeutungsrichtungen im Gedicht
  • Stern Nächtliches Motiv innerhalb von Bildfeldern der Ferne, Hoffnung, Orientierung und Transzendenz
  • Stille Akustisch-atmosphärisches Bildfeld von Sammlung, Schweigen, Ruhe und innerer Verdichtung
  • Stimmung Seelisch-atmosphärische Tönung, die durch Bildfelder aufgebaut und verändert wird
  • Symbol Zeichenform mit Bedeutungsüberschuss, die innerhalb eines Bildfeldes konkrete Richtung erhält
  • Traum Inneres Bildfeld von Unschärfe, Wunsch, Angst, Erinnerung und symbolischer Verdichtung
  • Übergang Verwandlungsfigur zwischen Zuständen, die sich häufig als Wechsel von Bildfeldern zeigt
  • Ungewissheit Erfahrung fehlender Sicherheit, die durch instabile oder offene Bildfelder getragen werden kann
  • Verdichtung Poetische Konzentration von Bild, Klang und Sinn, die durch Bildfelder besonders wirksam wird
  • Wahrnehmung Sinnliche Erfassung der Welt, die im Gedicht durch Bildfelder geordnet und gelenkt wird
  • Wasser Bildfeld von Bewegung, Tiefe, Spiegelung, Wandel und Vergänglichkeit
  • Wind Bewegtes Naturbildfeld von Hauch, Unruhe, Übergang, Ferne und unsichtbarer Kraft
  • Zeichen Bedeutungsträger, der innerhalb eines Bildfeldes seine poetische Lesbarkeit gewinnt