Abgesang

Lyrischer Form-, Schluss- und Strukturbegriff · Barform, Stollen, Gegenstollen, Schlussbewegung, abgesetzter Ausklang, Reimveränderung, Klangwende, Deutung, Zusammenfassung, Kontrast, Vollendung, Pointe, Nachklang, Liedform, Strophenbau, mittelalterliche Liedtradition und poetische Bündelung

Überblick

Abgesang bezeichnet in der Lyrik vor allem den Schlussteil der Barform. Diese besteht klassisch aus zwei gleich oder ähnlich gebauten Stollen und einem davon abgesetzten Abgesang. Die Grundstruktur wird häufig als AAB beschrieben: Zwei erste Teile bilden eine wiedererkennbare Ordnung, der dritte Teil führt die Bewegung weiter, bündelt sie, verändert sie oder schließt sie ab. Der Abgesang ist daher nicht einfach das Ende einer Strophe, sondern der Teil, in dem die vorher aufgebaute Formspannung eine neue Richtung erhält.

Für die Lyrikanalyse ist der Abgesang besonders wichtig, weil er zeigt, wie eine Strophe mit Wiederholung und Abweichung arbeitet. Die beiden Stollen schaffen Erwartung, Parallelität und Wiedererkennung. Der Abgesang löst sich davon. Er kann kürzer, länger, reimlich anders, rhythmisch freier, semantisch zusammenfassend, kontrastierend oder pointierend sein. Gerade diese Absetzung macht ihn zum Ort der Deutung.

Der Begriff gehört historisch zur Lied- und Strophenlehre, besonders zur mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Liedtradition, kann aber auch für moderne Gedichtanalysen fruchtbar sein. Überall dort, wo zwei einleitende, korrespondierende Bewegungen durch einen dritten, abgesetzten Schlussabschnitt beantwortet werden, lässt sich eine abgesangartige Struktur beobachten.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Abgesang einen lyrischen Form-, Schluss- und Strukturbegriff. Er hilft, Gedichte auf Barform, Stollen, Gegenstollen, Schlussbewegung, Reimveränderung, Klangwende, Absetzung, Zusammenfassung, Kontrast, Pointe, Nachklang und poetische Bündelung hin zu untersuchen.

Begriff und lyrische Grundfigur

Der Begriff Abgesang meint wörtlich den nachfolgenden, abgesetzten Gesangsteil. In der Strophenlehre bezeichnet er den dritten Abschnitt einer Barform, der auf zwei Stollen folgt. Diese Benennung macht deutlich, dass der Abgesang in einem Verhältnis steht: Er ist nicht isoliert zu verstehen, sondern als Antwort auf das, was die Stollen vorbereitet haben.

Die lyrische Grundfigur des Abgesangs besteht aus Wiederholung und Abweichung. Zuerst entsteht durch die beiden Stollen ein Muster. Danach setzt der Abgesang ein und verändert dieses Muster. Dadurch wirkt er zugleich abhängig und eigenständig. Er nimmt die vorausgehende Bewegung auf, aber er wiederholt sie nicht bloß.

In dieser Struktur liegt die besondere poetische Spannung. Der Abgesang kann eine inhaltliche Folgerung ziehen, eine Bitte zuspitzen, eine Klage verdichten, eine Liebesrede wenden, eine moralische Einsicht formulieren, eine Pointe setzen oder den Klang in einen Nachhall führen. Er ist der Ort, an dem die Strophe ihre innere Entscheidung trifft.

Im Kulturlexikon meint Abgesang daher eine lyrische Schlussfigur, in der ein vorher aufgebautes Formmuster durch einen abgesetzten dritten Teil gebündelt, verändert oder gedeutet wird.

Abgesang in der Barform

Die Barform ist die wichtigste Bezugsform des Abgesangs. Sie besteht aus zwei Stollen und einem Abgesang. Die beiden Stollen sind in der Regel formal gleich oder ähnlich gebaut. Sie können in Metrum, Reim, Verszahl und syntaktischer Anlage korrespondieren. Der Abgesang hebt sich davon ab und bildet den Schlussabschnitt.

Diese Form ist für lyrische Gestaltung besonders geeignet, weil sie einen klaren Verlauf erzeugt. Zuerst wird eine Bewegung vorgestellt, dann wiederholt oder gespiegelt, danach in einen neuen Bereich geführt. Der Abgesang kann also eine Deutung liefern, die sich aus den Stollen ergibt, aber nicht vollständig in ihnen enthalten ist.

Der Abgesang ist in der Barform nicht bloß ein Anhang. Er trägt die eigentliche Schlusskraft. Ohne ihn bliebe die Form bei Parallelität stehen. Durch ihn entsteht Richtung. Deshalb ist in jeder Analyse einer Barform zu fragen, was sich im Abgesang verändert: Klang, Rhythmus, Bild, Sprecherhaltung, Argument, Gefühl oder Deutung.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Abgesang im Rahmen der Barform den abgesetzten Schlussabschnitt, in dem die vorherige Stollenbewegung ihre lyrische Wendung und Bündelung erhält.

Stollen, Gegenstollen und Abgesang

Die beiden ersten Teile der Barform werden als Stollen bezeichnet. Häufig spricht man vom ersten Stollen und vom Gegenstollen, wenn die zweite Einheit die erste formal aufnimmt oder variiert. Der Abgesang folgt danach als eigener Teil. Sein Sinn erschließt sich aus dieser Dreiteiligkeit.

Der erste Stollen stellt ein Muster bereit. Der Gegenstollen bestätigt, wiederholt oder spiegelt dieses Muster. Dadurch entsteht beim Leser eine Erwartung von Ordnung. Der Abgesang tritt nun in ein gespanntes Verhältnis zu dieser Ordnung. Er kann sie erfüllen, überbieten, brechen oder in eine andere Richtung führen.

Inhaltlich kann der erste Stollen eine Situation eröffnen, der Gegenstollen sie erweitern und der Abgesang daraus eine Einsicht gewinnen. Ebenso kann der erste Stollen ein Bild setzen, der Gegenstollen ein verwandtes Bild geben und der Abgesang beide Bilder deutend zusammenziehen. Diese Bewegungslogik macht den Abgesang zu einem zentralen Strukturmoment.

Im Kulturlexikon bezeichnet Abgesang im Verhältnis zu Stollen und Gegenstollen eine lyrische Antwortfigur, in der Wiederholung, Erwartung, Absetzung und Schlussdeutung zusammenwirken.

Schlussbewegung und poetische Bündelung

Der Abgesang ist eine Schlussbewegung. Er führt die Strophe nicht nur zu Ende, sondern bündelt die zuvor angelegten Spannungen. Dies kann durch eine Zusammenfassung geschehen, durch eine überraschende Wendung, durch eine Bitte, einen Ausruf, eine Pointe, eine moralische Sentenz oder ein abschließendes Bild.

In lyrischen Texten ist der Schluss oft besonders bedeutsam, weil er die Wahrnehmung des Vorherigen verändert. Der Abgesang kann rückwirkend zeigen, wie die Stollen zu verstehen sind. Was zunächst als Beschreibung, Klage oder Liebesanrede erschien, kann im Abgesang als Gebet, Erkenntnis, Verzicht oder Selbstbehauptung erscheinen.

Poetische Bündelung bedeutet nicht notwendig glatte Abrundung. Ein Abgesang kann auch offen, schwebend oder widersprüchlich schließen. Entscheidend ist, dass er den vorherigen Formgang in eine neue Stellung bringt. Er ist der Ort, an dem die Strophe ihr Gewicht verlagert.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Abgesang eine lyrische Bündelungsfigur, in der Schluss, Deutung, Nachklang, Wendung und formale Absetzung zusammenkommen.

Absetzung, Abweichung und Formwirkung

Der Abgesang wirkt durch Absetzung. Er ist dem Stollenpaar verwandt, aber nicht mit ihm identisch. Diese Abweichung kann sehr deutlich oder nur fein sein. Sie kann in der Verszahl, im Reim, im Rhythmus, im Satzbau, in der Bildführung oder im Ton liegen. Gerade diese Differenz erzeugt seine poetische Eigenständigkeit.

Die Absetzung des Abgesangs ist kein zufälliger Wechsel. Sie hat strukturelle Bedeutung. Wenn die Stollen eine wiederkehrende Ordnung bilden, dann zeigt der Abgesang, was aus dieser Ordnung wird. Er kann sie bestätigen, indem er sie ruhig abschließt. Er kann sie steigern, indem er stärker, dichter oder feierlicher wird. Er kann sie brechen, indem er eine gegenteilige Einsicht formuliert.

In einer Analyse sollte daher genau beschrieben werden, welche Art von Abweichung vorliegt. Ist der Abgesang länger und ausführlicher? Ist er kürzer und pointierter? Wechselt das Reimschema? Wird der Satzbau freier? Kommt ein neues Bildfeld hinzu? Entsteht ein anderer Ton? Solche Beobachtungen führen zur Deutung der Form.

Im Kulturlexikon bezeichnet Abgesang eine lyrische Absetzungsfigur, in der Abweichung nicht Unregelmäßigkeit, sondern Sinnbildung ist.

Klang, Reim und Rhythmus im Abgesang

Der Abgesang verändert häufig den Klang einer Strophe. Nach zwei formal verwandten Stollen kann ein neuer Reim, ein anderer Rhythmus oder eine veränderte Satzmelodie einsetzen. Dadurch hört man, dass die Strophe in einen neuen Bereich tritt.

Reimlich kann der Abgesang eigene Reimpaare, Kreuzreime, Paarreime oder Binnenbindungen ausbilden. Er kann ein vorheriges Reimwort wieder aufnehmen oder bewusst verlassen. Auch ein aussetzender Reim kann bedeutsam sein, wenn der Abgesang nicht harmonisch schließen, sondern eine offene oder gebrochene Bewegung erzeugen soll.

Rhythmisch kann der Abgesang ruhiger, feierlicher, schneller, stockender oder freier wirken als die Stollen. Er kann den Atem verlängern oder verknappen. In Liedformen ist diese Klangveränderung besonders wichtig, weil sie nicht nur gelesen, sondern als gesungene Bewegung gedacht werden kann.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Abgesang im Klangbereich eine lyrische Schluss- und Hörfigur, in der Reimwechsel, Rhythmusveränderung, Nachklang und formale Entlastung zusammenwirken.

Abgesang und Liedcharakter

Der Abgesang ist eng mit dem Liedcharakter lyrischer Formen verbunden. Er gehört ursprünglich in Zusammenhänge, in denen Strophe, Wiederholung, Gesang und formale Ordnung wichtig sind. In einem Lied erhält die Schlussbewegung besondere Wirkung, weil sie nicht nur semantisch, sondern auch musikalisch erfahrbar wird.

Ein Abgesang kann den Eindruck eines Nachklangs erzeugen. Nach den symmetrischen Stollen öffnet sich eine abschließende Klangbewegung, die das Lied zur Ruhe bringt oder in eine neue Tonlage führt. Dadurch entsteht eine Verbindung von Form und Stimme. Die Strophe wird nicht nur beendet, sondern ausgesungen.

Auch in nicht gesungener Lyrik bleibt diese Herkunft spürbar. Der Abgesang kann eine Art imaginäre Melodie tragen. Er gibt dem Gedicht einen Schlussbogen, der stärker ist als ein bloßer letzter Satz. Seine Funktion liegt darin, Klang, Sinn und Bewegung am Ende zu bündeln.

Im Kulturlexikon bezeichnet Abgesang daher auch eine lyrische Liedfigur, in der formaler Schluss, musikalischer Nachklang und semantische Verdichtung zusammenkommen.

Abgesang, Minnesang und Meistersang

Historisch ist der Abgesang besonders eng mit Minnesang und Meistersang verbunden. In diesen Liedtraditionen spielt die Barform eine zentrale Rolle. Die dreiteilige Strophenstruktur aus Stollen, Stollen und Abgesang prägt dort viele lyrische Formen. Der Abgesang ist der Teil, in dem die strophische Ordnung ihren unterscheidbaren Abschluss erhält.

Im Minnesang kann der Abgesang die vorausgehende Liebesbewegung wenden, steigern oder in eine Klage überführen. Die Stollen können eine Situation oder ein Liebesverhältnis entfalten, während der Abgesang die innere Konsequenz zieht. Dadurch wird der Abgesang zum Ort höfischer Reflexion, seelischer Zuspitzung oder formaler Eleganz.

Im Meistersang gewinnt die genaue Formordnung besondere Bedeutung. Stollen und Abgesang unterliegen hier oft strengen Regeln. Der Abgesang zeigt deshalb nicht nur dichterische Freiheit, sondern auch Kunstfertigkeit im Umgang mit vorgegebenen Formen. Die Absetzung wird zum Beweis formaler Beherrschung.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Abgesang im historischen Feld eine lyrische Traditionsfigur, in der mittelalterliche Liedkunst, Barform, Strophenordnung und Schlusswirkung verbunden sind.

Abgesang im geistlichen Lied

Auch im geistlichen Lied kann eine barformähnliche oder ausdrücklich barförmige Struktur eine wichtige Rolle spielen. Der Abgesang kann hier Gebet, Bekenntnis, Bitte, Trost oder theologische Zusammenfassung tragen. Nach vorbereitenden Stollen erhält der Schlussteil eine besondere geistliche Gewichtung.

Der Abgesang kann im Kirchenlied die Gemeinde aus der Darstellung in die Bitte führen. Die Stollen können Not, Schuld, Weltlage oder göttliches Handeln nennen; der Abgesang kann daraus Lob, Vertrauen oder Anrufung formen. So wird der Schlussabschnitt zum Ort der geistlichen Antwort.

Besonders deutlich wird diese Funktion, wenn der Abgesang eine neue Tonlage einführt. Eine klagende Strophe kann im Abgesang in Vertrauen übergehen. Eine lehrhafte Strophe kann im Abgesang zur Bitte werden. Eine betrachtende Strophe kann sich im Abgesang zum Lob öffnen.

Im Kulturlexikon bezeichnet Abgesang im geistlichen Lied eine lyrische Gebets- und Bekenntnisfigur, in der Strophenform, Schlusswendung, Trost und religiöse Deutung zusammenwirken.

Abgesang und volksliedhafte Strophik

In volksliedhafter Lyrik tritt der Begriff Abgesang nicht immer ausdrücklich hervor, doch seine Strukturwirkung kann erkennbar sein. Viele einfache Strophen arbeiten mit Wiederholung, Parallelität und abschließender Abweichung. Eine Schlusszeile oder ein Schlussabschnitt kann das zuvor Gesagte bündelnd wenden.

Volksliedhafte Strophen leben oft von Wiedererkennbarkeit. Wenn zwei erste Zeilen ein Bild oder eine Situation aufbauen und die folgenden Zeilen eine emotionale oder erzählerische Konsequenz ziehen, entsteht eine abgesangartige Wirkung. Der Schlussabschnitt bringt dann nicht nur Fortsetzung, sondern Sinnverdichtung.

Diese Wirkung kann schlicht und stark sein. Ein Naturbild wird gesetzt, ein zweites Bild antwortet, und der Schluss zeigt Liebesklage, Abschied, Heimkehr, Sehnsucht oder Verlust. Gerade in einfachen Formen ist der Unterschied zwischen Wiederholung und Schlusswendung oft besonders gut wahrnehmbar.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Abgesang im volksliedhaften Bereich eine lyrische Schluss- und Nachklangfigur, in der einfache Strophik, Wiederholung und emotionale Wendung zusammenkommen.

Abgesang in moderner Lyrik

In moderner Lyrik kann der Abgesang auch jenseits historischer Barform produktiv sein. Wenn ein Gedicht eine doppelte Vorbewegung aufbaut und danach in einen abgesetzten Schlussabschnitt übergeht, entsteht eine strukturell verwandte Wirkung. Der Begriff kann dann analytisch beschreiben, wie ein Text seine Schlussenergie organisiert.

Moderne abgesangartige Formen müssen nicht regelmäßig reimen oder streng metrisch gebaut sein. Die Absetzung kann durch Typographie, Zeilenlänge, syntaktischen Wechsel, Tonbruch, Bildwechsel oder eine isolierte Schlusszeile entstehen. Entscheidend ist die Funktion: Nach Wiederholung oder Parallelität folgt eine andersartige Schlussbewegung.

Der moderne Abgesang kann besonders offen sein. Er muss nicht versöhnen oder abschließen. Er kann eine Krise stehenlassen, eine Pointe setzen, eine Stimme abbrechen lassen oder ein Bild in der Schwebe halten. Dadurch wird die alte Formidee in eine moderne Offenheit übertragen.

Im Kulturlexikon bezeichnet Abgesang in moderner Lyrik eine übertragbare Strukturfigur, in der wiederholte Vorbewegung und abgesetzter Schluss auch ohne traditionelle Liedform zusammenwirken.

Poetologische Dimension

Poetologisch zeigt der Abgesang, dass lyrische Form nicht nur aus Wiederholung besteht, sondern aus gelenkter Differenz. Die beiden Stollen bauen Ordnung auf; der Abgesang zeigt, was diese Ordnung bedeutet. Er macht die Strophe zu einer Bewegung, nicht zu einer bloßen Aneinanderreihung von Versen.

Der Abgesang ist damit ein Modell lyrischer Sinnbildung. Ein Gedicht setzt etwas, wiederholt oder spiegelt es und führt es danach in eine neue Stellung. Diese Bewegung entspricht vielen poetischen Verfahren: Wahrnehmung wird zu Deutung, Klang wird zu Nachklang, Bild wird zu Einsicht, Anrede wird zu Bitte, Klage wird zu Trost oder Widerspruch.

Zugleich zeigt der Abgesang, dass Schluss nicht notwendig Stillstand bedeutet. Der Schluss kann öffnen, zuspitzen, brechen oder nachhallen. Gerade weil der Abgesang abgesetzt ist, kann er eine eigenständige poetologische Reflexion tragen: Er zeigt, dass Vollendung in der Lyrik oft aus Veränderung hervorgeht.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Abgesang poetologisch eine lyrische Formfigur, in der Wiederholung, Abweichung, Schlussbewegung, Deutung und Nachklang zusammenwirken.

Sprachliche Gestaltung des Abgesangs

Sprachlich zeigt sich der Abgesang durch Schlusswörter, Wendepunkte, zusammenfassende Formulierungen, neue Bildfelder, veränderte Satzlänge, stärkeres Pathos, beruhigten Ton, pointierte Sentenz, Bitte, Ausruf, Frage, Kontrast oder Deutungssatz. Häufig wirkt der Abgesang dichter und entscheidender als die Stollen, weil er die vorbereitete Bewegung aufnimmt und abschließt.

Formale Mittel sind Reimwechsel, neue Kadenz, metrische Abweichung, veränderte Verszahl, längerer Schlussvers, kürzerer Ausklang, syntaktische Zusammenziehung, Wiederaufnahme eines Schlüsselworts, Schlussbild, Klangwiederkehr, Parallelitätsbruch und eine deutlich markierte letzte Zeile.

Besonders wichtig ist das Verhältnis zwischen Erwartung und Erfüllung. Der Abgesang kann erwartbar schließen, aber auch überraschen. Er kann die Stollen bestätigen oder ihre Bedeutung umwerten. Deshalb sollte seine sprachliche Gestaltung immer im Rückbezug auf die vorhergehenden Strophenteile gelesen werden.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Abgesang sprachlich eine lyrische Schlussstruktur, in der Reim, Rhythmus, Syntax, Bildführung, Ton und Deutung am Ende einer Strophe zusammenlaufen.

Typische Bildfelder

Typische Bildfelder des Abgesangs sind Ausklang, Nachhall, Abend, sinkendes Licht, letzter Ton, Glockenschlag, Heimkehr, Mündung, Hafen, Ruhe nach Bewegung, Schlussbogen, gesammelter Atem, letzter Blick, sich schließender Kreis, verhallendes Lied und zusammengezogene Spur.

Zu den Bedeutungsfeldern gehören Schluss, Bündelung, Deutung, Wendung, Nachklang, Absetzung, Vollendung, Öffnung, Pointe, Zusammenfassung, Kontrast, Liedform, Strophenordnung, Rückblick, Ausklang und formale Entscheidung.

Zu den formalen Mitteln gehören Barform, Stollenpaar, Gegenstollen, Reimwechsel, Zäsur, veränderte Verszahl, Schlusskadenz, abgesetzter Schlussabschnitt, Wiederaufnahme von Leitwörtern, neue Klanggruppe, verlängerte Schlussbewegung, verkürzter Nachsatz und pointierender Schlussvers.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Abgesang ein lyrisches Form- und Schlussfeld, in dem Strophenbau, Klang, Wiederholung, Abweichung und poetische Deutung eng verbunden sind.

Ambivalenzen des Abgesangs

Der Abgesang ist lyrisch ambivalent, weil er zugleich Abschluss und Veränderung ist. Er kann eine Strophe zur Ruhe bringen, aber auch ihre bisherige Ordnung infrage stellen. Er kann harmonisch bündeln oder eine neue Spannung erzeugen. Diese Doppelheit macht ihn analytisch ergiebig.

Ein Abgesang kann versöhnen, wenn er die vorherigen Stollen in einer klaren Schlussbewegung zusammenführt. Er kann aber auch stören, wenn er nach geordneter Wiederholung einen Tonbruch, eine Frage oder eine unerwartete Wendung bringt. Dann ist er nicht bloß Vollendung, sondern Umwertung.

Auch die historische Gebundenheit des Begriffs ist ambivalent. Einerseits gehört der Abgesang streng zur Barform. Andererseits lässt sich seine Strukturwirkung auch in anderen Gedichten beobachten. Für die Analyse ist deshalb wichtig, zwischen dem genauen formgeschichtlichen Begriff und einer vorsichtigen übertragenen Verwendung zu unterscheiden.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Abgesang daher eine spannungsreiche lyrische Figur zwischen Regel und Freiheit, Schluss und Öffnung, Wiederholung und Abweichung, Liedtradition und moderner Strukturwirkung.

Beispiele für Abgesang in lyrischen Formen

Die folgenden Beispieltexte sind gemeinfrei neu formuliert und zeigen den Abgesang als Schluss-, Nachklang- und Bündelungsfigur in unterschiedlichen lyrischen Formen. Sie umfassen zwei Haiku-Beispiele, einen Limerick, ein Distichon, ein Alexandrinercouplet, eine Alkäische Strophe, eine Barform, einen Aphorismus, eine Lutherstrophe, eine Volksliedstrophe, einen Clerihew, ein Epigramm, einen elegischen Alexandriner, eine Xenie und eine Chevy-Chase-Strophe. Nicht jede dieser Formen besitzt im strengen Sinn einen Abgesang. Die Beispiele zeigen deshalb teils den eigentlichen Abgesang der Barform, teils eine abgesangartige Schlusswirkung, in der ein Gedicht seine vorherige Bewegung bündelt oder absetzt.

Ein erstes Haiku-Beispiel zum Abgesang

Das folgende Haiku besitzt keine Barform, zeigt aber eine abgesangartige Schlusswirkung. Die letzte Zeile bündelt die vorherige Wahrnehmung in einem leisen Nachklang.

Zwei Wellen kamen.
Am Stein zerfiel ihr Silber –
nun singt nur der Sand.

Das Haiku zeigt, wie ein Schlussbild die Bewegung der ersten beiden Zeilen aufnimmt und in eine ruhigere Klangzone führt. Der Sand wird zum Nachklang der Wellen.

Ein zweites Haiku-Beispiel zum Abgesang

Das zweite Haiku deutet den Abgesang als letzten Ton nach einer doppelten Vorbewegung. Wieder ist der Begriff übertragen zu verstehen.

Erst rief eine Drossel,
dann antwortete der Wald –
Abend hält den Ton.

Die dritte Zeile wirkt wie ein kleiner Abgesang: Sie wiederholt nicht den Ruf, sondern sammelt ihn in einem abschließenden Abendbild.

Ein Limerick zum Abgesang

Der folgende Limerick verwendet die komische Form, um den Abgesang spielerisch als eigensinnigen Schlussteil auftreten zu lassen.

Ein Stollen aus Lübeck begann,
ein zweiter schloss ordentlich an.
Doch der Abgesang sprach:
„Ich singe danach,
weil niemand so enden kann!“

Der Limerick macht den Formbegriff selbst zur Figur. Der Abgesang erscheint als der Teil, der nach der Wiederholung seine eigene Schlussenergie behauptet.

Ein Distichon zum Abgesang

Das folgende Distichon fasst die Funktion des Abgesangs als Verdichtung nach vorausgehender Ordnung zusammen.

Zweimal baut sich die Strophe ihr Haus aus verwandten Gesängen.
Dann tritt der Abgesang ein und entscheidet den Raum.

Das Distichon deutet den Abgesang als entscheidende Raumbewegung. Er kommt nach der Ordnung der Stollen und gibt ihr Richtung.

Ein Alexandrinercouplet zum Abgesang

Das folgende Alexandrinercouplet nutzt die Mittelzäsur, um den Abgesang als Schlussbogen und Sinnsammlung zu beschreiben.

Zwei Stollen tragen vor, | was Klang und Bild begann; A
im Abgesang erst kommt | die Strophe bei sich an. A

Das Couplet zeigt die bündelnde Funktion des Abgesangs. Erst der Schlussabschnitt führt die Strophenbewegung in eine erkennbare Ganzheit.

Eine Alkäische Strophe zum Abgesang

Die folgende Alkäische Strophe nähert sich der antikisierenden Odenform. Sie verwendet den Begriff des Abgesangs übertragen als Nachklang einer vorherigen Bewegung.

Wenn zwei Gesänge den Morgen erhoben,
tritt aus der Ferne der dritte, stillere
Ton in die Strophe,
sammelt den Tag und verklingt.

Die Strophe stellt den Abgesang als dritten, ruhigeren Ton dar. Seine Aufgabe ist nicht Wiederholung, sondern Sammlung.

Eine Barform zum Abgesang

Die folgende Barform zeigt den Abgesang im eigentlichen Sinn. Zwei gleich gebaute Stollen bereiten die Bewegung vor; der Abgesang hebt sich als längerer Schlussabschnitt ab und bündelt die Aussage.

Der erste Ton ging über Feld, A
als rief er heim die müde Welt; A

der zweite fand im Abendlicht B
noch einmal Feld und Angesicht; B

doch als der Abgesang begann, C
zog er die Wege näher an, C
und was in beiden Stollen klang, D
ward erst im Schluss ein ganzer Sang. D

Die Barform macht den Abgesang als abgesetzten Schlussabschnitt sichtbar. Die Stollen eröffnen und spiegeln, der Abgesang sammelt und deutet.

Ein Aphorismus zum Abgesang

Der folgende Aphorismus fasst die lyrische Struktur des Abgesangs knapp zusammen.

Der Abgesang ist der Teil der Strophe, in dem Wiederholung aufhört, bloße Wiederholung zu sein, und Bedeutung wird.

Der Aphorismus betont die entscheidende Differenz. Der Abgesang verwandelt die vorherige Ordnung in Deutung.

Eine Lutherstrophe zum Abgesang

Die folgende Lutherstrophe ist keine Barform im engeren Sinn, zeigt aber eine geistliche Schlussbündelung, die abgesangartig wirkt.

Zwei Rufe steigen aus der Nacht, A
zwei Bitten suchen Morgen; B im letzten Ton hält Gottes Macht A
mein Herz aus allen Sorgen. B

Die Strophe zeigt, wie ein abschließender Ton die vorherige Bitte bündelt. Der Schluss hat die Funktion eines geistlichen Nachklangs.

Eine Volksliedstrophe zum Abgesang

Die folgende Volksliedstrophe zeigt den Abgesang im übertragenen Sinn als einfachen, singbaren Ausklang.

Zwei Vögel sangen überm Rain, A
zwei Schatten zogen leise; B da fiel der Abend golden ein, A
und schloss die ganze Weise. B

Der Schluss der Volksliedstrophe bündelt die Naturbilder. Die letzte Zeile wirkt als abgesangartiger Abschluss der Weise.

Ein Clerihew zum Abgesang

Der folgende Clerihew macht den Abgesang zur komischen Persönlichkeit, die sich von den Stollen nicht übergehen lässt.

Herr Abgesang aus Meißen
ließ Stollen nicht entgleisen.
Doch sprach er: „Zum Schluss
bin ich mehr als Genuss.“

Der Clerihew zeigt humorvoll, dass der Abgesang nicht bloßer Zusatz ist. Er beansprucht eine eigene Schlussfunktion.

Ein Epigramm zum Abgesang

Das folgende Epigramm verdichtet die Funktion des Abgesangs als formale und gedankliche Entscheidung.

Zwei Stollen zeigen den Weg; der Abgesang sagt, warum.
Ohne den Schluss bleibt die Form Schritt, doch noch nicht Richtung.

Das Epigramm betont den Unterschied zwischen Fortgang und Deutung. Der Abgesang macht aus Bewegung eine gerichtete Form.

Ein elegischer Alexandriner zum Abgesang

Der folgende elegische Alexandriner gestaltet den Abgesang als melancholischen Nachklang einer verlorenen Ordnung.

Zwei Stollen trugen noch | den hellen alten Klang;
dann sank, was übrig war, | in einen Abgesang.

Der elegische Alexandriner zeigt den Abgesang als Übergang vom getragenen Klang in melancholische Sammlung.

Eine Xenie zum Abgesang

Die folgende Xenie unterscheidet den echten Abgesang von einem bloßen Ende.

Nenne nicht jeden Schluss gleich Abgesang, Freund der Systeme.
Erst wo die Stollen sich wandeln, beginnt seine Kunst.

Die Xenie erinnert daran, dass der Abgesang ein Verhältnis zur vorausgehenden Form braucht. Er ist nicht jedes Ende, sondern ein abgesetzter Schluss nach vorbereiteter Ordnung.

Eine Chevy-Chase-Strophe zum Abgesang

Die folgende Chevy-Chase-Strophe nutzt die balladennahe Form, um einen abgesangartigen Schluss als Nachhall einer Szene zu gestalten.

Zwei Hörner klangen überm Tal, A
zwei Feuer sah man brennen; B da hob der letzte Abendton C
an, beide zu benennen. B

Die Strophe besitzt keine Barform im strengen Sinn, zeigt aber eine Schlussbewegung, die zwei vorherige Signale sammelt und deutend zusammenführt.

Analytische Bedeutung

Für die Lyrikanalyse ist Abgesang ein wichtiger Begriff, wenn ein Gedicht barförmig oder barformähnlich gebaut ist. Zunächst ist zu prüfen, ob zwei gleich oder ähnlich gebaute Stollen vorliegen und ob danach ein abgesetzter Schlussabschnitt folgt. Erst aus diesem Verhältnis ergibt sich der Abgesang im engeren Sinn.

Danach ist zu untersuchen, wie sich der Abgesang von den Stollen unterscheidet. Verändert sich das Reimschema? Wird der Rhythmus ruhiger, freier oder eindringlicher? Ist der Abgesang länger oder kürzer? Führt er ein neues Bild ein? Wird aus Beschreibung eine Deutung, aus Klage eine Bitte, aus Wiederholung eine Pointe oder aus Bewegung ein Nachklang?

Besonders wichtig ist die Frage nach der Funktion. Der Abgesang kann zusammenfassen, wenden, steigern, brechen, kommentieren oder öffnen. Er kann die Strophe harmonisch schließen oder eine überraschende neue Spannung erzeugen. In jeder Analyse sollte daher gezeigt werden, was die Strophe ohne ihren Abgesang wäre und was sie durch ihn gewinnt.

Im Kulturlexikon bezeichnet Abgesang daher auch ein methodisches Analyseinstrument. Der Begriff hilft, Gedichte auf Barform, Stollenpaar, Schlussabschnitt, Reimwechsel, Klangwende, Deutung, Bündelung, Absetzung und poetische Schlusswirkung hin zu untersuchen.

Poetische Funktion

Die poetische Funktion des Abgesangs besteht darin, eine lyrische Bewegung nach Wiederholung und Erwartungsbildung in eine Schlussform zu überführen. Die Stollen eröffnen eine Ordnung; der Abgesang entscheidet, wie diese Ordnung verstanden werden soll. Dadurch verbindet er Form und Deutung besonders eng.

Der Abgesang kann den Eindruck von Vollendung erzeugen. Er kann aber auch zeigen, dass Vollendung nur durch Veränderung möglich ist. Nach zwei verwandten Teilen entsteht der Sinn nicht in der bloßen Fortsetzung, sondern in der abgesetzten dritten Bewegung. Gerade diese Differenz macht die Strophe lebendig.

Zugleich bewahrt der Abgesang den Liedcharakter lyrischer Rede. Er klingt nach, sammelt, entlässt und hält doch eine Spur des Vorherigen fest. Seine Schlusskraft liegt darin, dass er nicht isoliert endet, sondern den ganzen Verlauf der Strophe rückwirkend bündelt.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Abgesang somit eine Schlüsselgestalt lyrischer Form- und Schlusskunst. Der Begriff zeigt, wie Gedichte Wiederholung, Abweichung und Nachklang zu einer deutenden Schlussbewegung verbinden.

Fazit

Abgesang ist der Schlussteil der Barform und folgt auf zwei gleich oder ähnlich gebaute Stollen. Er ist abgesetzt, bündelnd und deutend. Seine Aufgabe besteht nicht darin, die Stollen mechanisch zu wiederholen, sondern ihre Bewegung aufzunehmen, zu verändern und in einen Schlusszusammenhang zu führen.

Als lyrischer Begriff ist Abgesang eng verbunden mit Barform, Stollen, Gegenstollen, Reimwechsel, Schlussbewegung, Klangwende, Nachklang, Liedform, Deutung, Pointe, Zusammenfassung, Kontrast und poetischer Absetzung. Seine besondere Stärke liegt darin, dass er zeigt, wie Form aus Wiederholung und Abweichung Bedeutung erzeugt.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Abgesang eine grundlegende Figur lyrischer Strophen- und Schlussbildung. Der Begriff macht sichtbar, wie Gedichte am Ende einer strukturierten Bewegung Sinn sammeln, wenden oder offen nachklingen lassen.

Weiterführende Einträge

  • Abbruch Plötzliche Unterbrechung von Rede, Beziehung oder Form, die einen Abgesang als brüchigen Schluss erscheinen lassen kann
  • Abgesang Schlussteil der Barform, dessen Absetzung eine lyrische Bewegung nach Stollen und Gegenstollen neu bündelt
  • Abschied Lyrische Trennungssituation, die im Abgesang als Ausklang, Nachruf oder letzte Wendung erscheinen kann
  • Absetzung Formale Unterscheidung eines Gedichtteils, durch die der Abgesang seine eigene Schlusswirkung erhält
  • Akkord Klangliche Bündelung, die im Abgesang als harmonischer oder spannungsvoller Schluss wahrnehmbar werden kann
  • Alexandriner Sechshebiger Vers mit Mittelzäsur, dessen Schlussbogen im Couplet eine bündelnde Wirkung entfalten kann
  • Alkäische Strophe Antikisierende Odenstrophe, deren Schlussbewegung mit abgesangartigen Nachklangwirkungen verglichen werden kann
  • Anrufung Lyrische Hinwendung an ein Du, die im Abgesang zu Bitte, Bekenntnis oder Schlussappell verdichtet werden kann
  • Aphorismus Pointierte Kurzform, die eine abgesangartige Verdichtung als Gedankenschluss leisten kann
  • Ausklang Nachwirkender Schlussklang eines Gedichts, der dem Abgesang besonders nahe steht
  • Barform Strophenform aus zwei Stollen und einem Abgesang als klassischem Ort lyrischer Schlussabsetzung
  • Bündelung Zusammenführung von Motiven, Bildern und Klängen, die im Abgesang ihre Schlussgestalt finden kann
  • Chevy-Chase-Strophe Balladennahe Strophenform, deren Schlusszeilen dramatische oder nachklingende Bündelung erzeugen können
  • Clerihew Komische Kurzform, die mit Schlusspointe und unerwartetem Ausklang arbeitet
  • Couplet Zweizeiliger Schluss- oder Reimverband, dessen Paarung eine abgesangartige Verdichtung tragen kann
  • Distichon Zweizeilige Form, die Schluss, Nachklang und gedankliche Bündelung knapp verbinden kann
  • Dreiteiligkeit Strukturprinzip aus drei Formabschnitten, das in der Barform Stollen, Gegenstollen und Abgesang ordnet
  • Epigramm Pointierte Kurzform, deren Schlusswendung mit der bündelnden Kraft des Abgesangs verwandt sein kann
  • Form Gestaltordnung eines Gedichts, in der der Abgesang als abgesetzter Schlussabschnitt eine zentrale Funktion hat
  • Formschluss Gestalteter Abschluss einer lyrischen Form, der im Abgesang besonders deutlich ausgeprägt ist
  • Gegenstollen Zweiter Stollen der Barform, der den ersten aufnimmt und die spätere Absetzung des Abgesangs vorbereitet
  • Haiku Kurze Gedichtform, deren Schlusszeile eine abgesangartige Sammlung des Augenblicks erzeugen kann
  • Hymne Feierliche lyrische Form, deren Schlussbewegung oft bündelnd, steigernd oder nachhallend wirkt
  • Kadenz Vers- und Klangschluss, der im Abgesang die abschließende Wirkung der Strophe mitprägt
  • Kirchenlied Geistliche Liedform, in der barförmige Strukturen und abgesangartige Schlussbündelungen auftreten können
  • Klang Lautliche und rhythmische Wirkung des Gedichts, die im Abgesang häufig zu einem besonderen Nachhall wird
  • Klangwende Veränderung der lautlichen Bewegung, die den Abgesang von den Stollen absetzen kann
  • Lied Sangbare lyrische Form, in der Abgesang, Strophenbau und Nachklang eng miteinander verbunden sind
  • Liedform Formale Ordnung des lyrischen Liedes, zu der Barform und Abgesang wesentlich gehören können
  • Limerick Komische Fünfzeilerform, deren Schlusszeile eine pointierte Ausklangswirkung erzeugt
  • Lutherstrophe Geistliche Strophenform, deren Schlusszeilen häufig Gebet, Bekenntnis oder Trost bündeln
  • Lyrische Form Gesamtheit der Bauprinzipien eines Gedichts, in der der Abgesang als Schlussstruktur beschreibbar ist
  • Meistersang Regelgebundene Liedkunst, in der Barform und Abgesang eine hervorgehobene formale Bedeutung besitzen
  • Minnesang Mittelalterliche Liebeslyrik, in der die Barform mit Stollen und Abgesang eine wichtige Rolle spielt
  • Nachhall Fortwirkender Klang oder Sinn nach dem Schluss, den der Abgesang besonders deutlich erzeugen kann
  • Ode Erhabene lyrische Form, deren Strophenbau und Schlussbewegung mit abgesangartigen Wirkungen verglichen werden können
  • Offener Schluss Endbewegung ohne vollständige Auflösung, die ein Abgesang je nach Gestaltung ebenfalls erzeugen kann
  • Paarreim Reimform, die im Abgesang als bündelnder Schlussklang eingesetzt werden kann
  • Pointe Zuspitzende Schlusswendung, die in einem Abgesang als überraschende Deutung auftreten kann
  • Refrain Wiederkehrende Zeile oder Strophenpartie, deren Verhältnis zum Abgesang die Liedstruktur prägen kann
  • Reim Klangbindung am Versende, deren Wechsel oder Verdichtung den Abgesang formal markiert
  • Reimwechsel Veränderung des Reimschemas, durch die der Abgesang gegenüber den Stollen abgesetzt wird
  • Rhythmus Bewegungsordnung des Gedichts, die im Abgesang beruhigt, gesteigert oder verändert werden kann
  • Schluss Letzte Bewegung eines Gedichts oder einer Strophe, die im Abgesang formal ausgezeichnet ist
  • Schlussbild Letztes Bild eines Gedichts oder Strophenteils, das im Abgesang die vorausgehende Bewegung bündeln kann
  • Schlusskadenz Klanglicher Endfall, der die Nachwirkung des Abgesangs prägt
  • Schlussstrophe Letzte Strophe eines Gedichts, deren Funktion von der abgesetzten Logik des Abgesangs unterschieden werden muss
  • Schlusswendung Deutende oder pointierende Wendung am Ende, die im Abgesang besonders wirksam sein kann
  • Stollen Erster und zweiter Teil der Barform, deren Wiederholung die Absetzung des Abgesangs vorbereitet
  • Strophe Gliederungseinheit des Gedichts, deren innerer Bau durch Stollen und Abgesang gegliedert sein kann
  • Strophenbau Formale Anlage einer Strophe, in der der Abgesang als abgesetzter Schlussteil erscheinen kann
  • Strophenform Wiedererkennbare Bauform lyrischer Strophen, zu der die Barform mit Abgesang gehört
  • Strophenschluss Ende einer Strophe, das im Abgesang besonders strukturiert und bedeutungstragend ausgeprägt ist
  • Ton Klangliche und stimmungshafte Haltung des Gedichts, die im Abgesang wechseln oder sich sammeln kann
  • Volkslied Liedhafte lyrische Tradition, in der einfache Schlussbewegungen abgesangartige Nachklänge erzeugen können
  • Volksliedstrophe Einfache singbare Strophenform, deren Schlusszeilen bündelnd oder nachhallend wirken können
  • Wendung Sinn- oder Tonumschlag, der im Abgesang die vorherige Stollenbewegung neu deutet
  • Wiederholung Formprinzip der Stollen, dessen Absetzung im Abgesang Bedeutung erzeugt
  • Xenie Pointierte Zweizeilerform, die Schlusswirkung und kritische Zuspitzung knapp verbindet
  • Zäsur Einschnitt im Vers, der auch innerhalb eines Abgesangs Spannung und Schlussgliederung erzeugen kann