Geborgenheit

Lyrische Schutz- und Zugehörigkeitsfigur · Gottesnähe, Gebetslyrik, Trost, Frieden, Haus, Abend, Kindlichkeit, Hand, Mantel, Stille, Vertrauen und bewahrende Nähe

Überblick

Geborgenheit bezeichnet in der Lyrik eine Erfahrung von Schutz, Zugehörigkeit und bewahrender Nähe. Sie ist mehr als bloße Sicherheit. Sicherheit kann äußerlich sein; Geborgenheit ist seelisch, räumlich und beziehungsbezogen. Ein Ich fühlt sich gehalten, aufgehoben, geschützt oder an einem Ort innerlich angenommen. Diese Erfahrung kann von Gott, einem Du, einem Haus, der Mutterfigur, der Natur, dem Abend, einem Erinnerungsraum oder einer stillen Gegenwart ausgehen.

In religiöser und gebetshafter Lyrik ist Geborgenheit besonders eng mit Gottesnähe verbunden. Das betende Ich sucht nicht nur Schutz vor Gefahr, sondern eine bewahrende Nähe, in der Angst, Schuld, Müdigkeit und Unruhe tragbar werden. Geborgenheit kann dann als Antwort auf Gebet, als Frieden nach Klage, als Trost nach Bedrängnis oder als stilles Vertrauen am Ende des Tages erscheinen.

Geborgenheit gehört zu einem Bildfeld, das Haus, Zimmer, Dach, Tür, Hand, Mantel, Hülle, Schlaf, Abend, Licht, Wiege, Kind, Mutter, Vater, Stern, Engel, Garten und Stille umfasst. Diese Bilder machen Schutz und Zugehörigkeit anschaulich. Zugleich bleibt Geborgenheit ambivalent, weil sie verloren gehen, ersehnt, nur erinnert oder gefährdet sein kann. Ein Gedicht spricht oft gerade deshalb von Geborgenheit, weil sie nicht selbstverständlich ist.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit somit eine zentrale lyrische Schutz- und Nähefigur. Gemeint ist eine Erfahrung, in der das Ich sich nicht allein, nicht ausgeliefert und nicht haltlos fühlt, sondern in einer größeren, tragenden Beziehung aufgehoben ist.

Begriff und lyrische Grundfigur

Der Begriff Geborgenheit verbindet Schutz und Zugehörigkeit. Wer geborgen ist, ist nicht nur vor Gefahr bewahrt, sondern fühlt sich auch angenommen. In der Lyrik ist diese doppelte Bedeutung entscheidend. Geborgenheit meint eine geschützte Nähe, die zugleich räumlich, leiblich, seelisch und religiös erfahrbar werden kann.

Als lyrische Grundfigur steht Geborgenheit häufig im Gegensatz zu Angst, Fremdheit, Bedrängnis, Verlorenheit, Gottesferne, Nachtangst, Heimatlosigkeit oder Vereinzelung. Das Gedicht kann eine Bewegung aus der Unruhe in Geborgenheit gestalten. Es kann aber auch eine verlorene Geborgenheit erinnern oder eine ersehnte Geborgenheit suchen, die nicht erreicht wird.

Geborgenheit ist keine bloße Idylle. Sie wird poetisch stark, wenn sie eine vorausgehende Gefährdung spürbar macht. Ein Dach bedeutet mehr, wenn draußen Sturm ist. Eine Hand bedeutet mehr, wenn Angst im Raum steht. Ein Abendgebet bedeutet mehr, wenn die Nacht nicht nur Ruhe, sondern auch Ausgeliefertsein bedeuten kann. Geborgenheit ist also eine Antwort auf Verletzlichkeit.

Im Kulturlexikon meint Geborgenheit daher eine lyrische Grundfigur des Gehaltenseins. Sie bezeichnet jene Erfahrung, in der ein Ich in Beziehung, Raum, Natur oder Gottesnähe Schutz und Zugehörigkeit findet.

Geborgenheit als Schutz

Geborgenheit erscheint in der Lyrik zunächst als Schutz. Dieser Schutz kann körperlich, seelisch, räumlich oder religiös sein. Ein Haus schützt vor Wetter, eine Hand vor Angst, ein Mantel vor Kälte, ein Gebet vor innerer Haltlosigkeit, ein Segen vor der bedrohlichen Ungewissheit der Nacht. Doch lyrische Geborgenheit meint nie nur äußere Abschirmung; sie meint eine Schutzform, die innerlich spürbar wird.

Der Schutz der Geborgenheit wirkt nicht gewaltsam. Er sperrt nicht einfach ein, sondern bewahrt. Darin unterscheidet sich Geborgenheit von Enge. Ein geschützter Raum kann frei machen, wenn er dem Ich erlaubt, Angst abzulegen. Ein zu enger Raum kann dagegen bedrücken. Lyrisch ist deshalb genau zu prüfen, ob Schutz als bewahrende Nähe oder als Einschränkung erscheint.

Schutzbilder sind häufig einfach und konkret. Dach, Tür, Wand, Hand, Mantel, Bett, Wiege, Haus, Licht im Fenster oder schützender Schatten können Geborgenheit tragen. Ihre Wirkung entsteht aus ihrer sinnlichen Nähe. Das Gedicht muss Geborgenheit nicht abstrakt behaupten, wenn es einen Raum zeigt, in dem das Ich aufatmen kann.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit als Schutz eine lyrische Erfahrung bewahrender Nähe, in der Bedrohung nicht notwendig verschwindet, aber ihre Macht verliert.

Geborgenheit als Zugehörigkeit

Geborgenheit ist nicht nur Schutz, sondern auch Zugehörigkeit. Ein Ich ist geborgen, wenn es nicht bloß unversehrt bleibt, sondern irgendwo hingehört. Diese Zugehörigkeit kann sich auf einen Menschen, ein Haus, eine Familie, eine Landschaft, eine Sprache, eine Erinnerung, eine Glaubensgemeinschaft oder Gott beziehen.

In Gedichten ist Zugehörigkeit oft an kleine Zeichen gebunden: ein Name, der ausgesprochen wird; ein Platz am Tisch; ein Licht, das im Fenster brennt; eine Stimme, die antwortet; ein Weg, der heimführt; eine Tür, die nicht verschlossen ist. Solche Zeichen verdichten die Erfahrung, nicht fremd und nicht ausgeschlossen zu sein.

Geborgenheit als Zugehörigkeit ist besonders wichtig für Gedichte über Heimat, Kindheit, Familie, Glaube und Erinnerung. Sie kann aber auch in der Begegnung mit einem Du entstehen. Ein Blick oder eine Hand kann genügen, damit das Ich sich nicht mehr heimatlos fühlt. Ebenso kann die Zugehörigkeit zu Gott in der Gebetslyrik eine tiefere Geborgenheit stiften als jeder äußere Ort.

Im Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit als Zugehörigkeit eine lyrische Beziehungsform, in der das Ich sich angenommen, gemeint und in einen tragenden Zusammenhang aufgenommen weiß.

Geborgenheit und Gottesnähe

In religiöser Lyrik ist Geborgenheit besonders eng mit Gottesnähe verbunden. Das Ich erfährt sich als von Gott gesehen, gehalten, bewahrt oder angenommen. Diese Gottesnähe kann ausdrücklich genannt werden, etwa durch Anrede, Segen, Erbarmen, Gnade oder Schutzbitte. Sie kann aber auch indirekt erscheinen, etwa als Frieden, Licht, Stille oder innere Ruhe nach einem Gebet.

Geborgenheit in Gottesnähe bedeutet nicht, dass Angst und Gefahr vollkommen verschwinden. Vielmehr verändert sich die Erfahrung der Gefahr. Das Ich ist nicht mehr allein. Es weiß sich in einer Beziehung, die größer ist als die eigene Kraft. Gerade diese Entlastung ist für Gebetslyrik und Abendlyrik zentral.

Die göttliche Geborgenheit kann eine kindliche Dimension besitzen, wenn Gott als Vater, Hüter, Hirte oder bewahrende Hand erscheint. Sie kann aber auch mystischer und stiller sein, wenn Gott nicht als sichtbare Gestalt, sondern als tragende Gegenwart erfahren wird. In beiden Fällen wird Geborgenheit als Geschenk verstanden, nicht als Besitz des Ich.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit im Verhältnis zur Gottesnähe eine religiöse Schutz- und Vertrauensfigur, in der das Ich sich von einer göttlichen Gegenwart gehalten weiß.

Geborgenheit in der Gebetslyrik

In der Gebetslyrik erscheint Geborgenheit häufig als Ziel oder Antwort des Gebets. Das Ich bittet um Schutz, Frieden, Trost und Bewahrung. Es bringt Angst, Schuld, Müdigkeit, Not oder Nachtangst vor Gott und sucht eine Nähe, in der es nicht zerfällt. Geborgenheit wird dadurch zu einer religiös erbetenen Erfahrung.

Besonders deutlich ist dies im Abendgebet. Der Tag ist vergangen, die Nacht beginnt, das Ich legt seine offenen Sätze, seine Schuld, seine Sorge und seine Müdigkeit vor Gott. Die Bitte um Geborgenheit bedeutet dann: Bewahre mich, halte mich, lass mich in Frieden schlafen, nimm das Unfertige auf, schütze die, die ich liebe. Das Gedicht wird zur Schwelle zwischen Unruhe und Vertrauen.

Gebetslyrik kann Geborgenheit auch im Schweigen suchen. Nicht jede Geborgenheit entsteht durch eine hörbare Antwort. Manchmal genügt die Erfahrung, dass die eigene Not eine Adresse hat. Die Anrede selbst schafft einen Raum, in dem das Ich nicht allein bleibt. Geborgenheit ist dann nicht Lösung aller Fragen, sondern getragene Offenheit.

Im Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit in der Gebetslyrik eine erbetene oder erfahrene Gottesnähe, die als Schutz, Frieden, Trost und bewahrende Antwort auf menschliche Bedürftigkeit erscheint.

Abend, Nacht und Schutzraum

Der Abend ist eine bevorzugte Zeitfigur der Geborgenheit. Am Abend endet die Arbeit, Geräusche werden leiser, Licht wird milder, Häuser schließen sich, Fenster leuchten, der Schlaf rückt näher. Diese Übergangszeit kann in Gedichten als Schutzraum erscheinen, in dem das Ich seine Unruhe ablegt.

Die Nacht besitzt dagegen eine doppelte Bedeutung. Sie kann Geborgenheit ermöglichen, wenn sie als Hülle, Schlafraum, Gottesnähe oder bewahrte Dunkelheit erscheint. Sie kann aber auch Angst, Bedrohung und Ausgeliefertsein bedeuten. Geborgenheit entsteht in der Nacht daher nicht automatisch, sondern oft durch Gebet, Licht, Haus, Nähe eines Du oder Vertrauen.

Abendliche Geborgenheit ist häufig mit Schutzbitten verbunden. Das Ich bittet darum, dass die Nacht nicht zerstörerisch werde, sondern behütend. In Abendliedern und Abendgebeten wird diese Bewegung oft in ruhigem Ton gestaltet: Der Tag wird losgelassen, die Nacht wird anvertraut, und das Ich sucht Frieden.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit im Abend- und Nachtzusammenhang eine lyrische Schutzfigur an der Schwelle zwischen Tag und Dunkel, Tätigkeit und Schlaf, Unruhe und Vertrauen.

Haus, Zimmer und Innenraum

Das Haus ist eines der wichtigsten Bildfelder der Geborgenheit. Es schützt, sammelt und gibt Zugehörigkeit. In der Lyrik kann das Haus als Heimat, Erinnerungsraum, Familienraum, Glaubensraum oder inneres Bild des Gehaltenseins erscheinen. Ein Licht im Fenster, ein Tisch, ein Bett, eine Tür oder ein stilles Zimmer kann Geborgenheit stärker ausdrücken als eine abstrakte Aussage.

Der Innenraum ist dabei nicht nur räumlich, sondern seelisch bedeutsam. Ein Zimmer kann Ruhe, Schutz und Rückzug ermöglichen. Es kann aber auch Einsamkeit und Enge bedeuten. Ob ein Innenraum geborgen wirkt, hängt von seiner Beziehung zur Außenwelt ab. Ein geborgenes Zimmer schließt nicht feindlich ab, sondern schützt eine lebendige Innerlichkeit.

In Erinnerungsgedichten kann das Haus verlorene Geborgenheit tragen. Das frühere Haus, die Kindheitsstube, die Stimme aus dem Nebenraum oder der Platz am Tisch werden zu Zeichen einer Zugehörigkeit, die vergangen ist und doch nachwirkt. Geborgenheit wird dann als Nachklang erfahrbar.

Im Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit im Bildfeld von Haus, Zimmer und Innenraum eine lyrische Erfahrung geschützter Nähe, die räumlich anschaulich und seelisch wirksam wird.

Hand, Mantel und Hülle

Die Bilder von Hand, Mantel und Hülle gehören zu den leibnahen Formen der Geborgenheit. Eine Hand kann halten, führen, segnen, beruhigen oder schützen. Ein Mantel kann wärmen und bedecken. Eine Hülle kann bewahren, ohne zu fesseln. Solche Bilder geben Geborgenheit körperliche Nähe.

In religiöser Lyrik kann Gottes Hand als Schutzbild erscheinen. Sie hält das Ich, führt es durch die Nacht, bewahrt es im Schlaf oder segnet den Weg. Diese Hand ist nicht nur Symbol für Macht, sondern für Nähe und Fürsorge. Sie kann stark und zugleich zart sein.

Auch im Verhältnis von Ich und Du kann eine Hand Geborgenheit stiften. Eine Hand, die bleibt, ohne zu greifen; eine Berührung, die nicht bedrängt; eine Nähe, die Raum lässt: Solche Bilder zeigen, dass Geborgenheit nicht Besitz bedeutet, sondern schützende Beziehung. Der Mantel und die Hülle zeigen eine ähnliche Struktur: Sie umgeben, aber sie sollen nicht erdrücken.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit in diesen leibnahen Bildern eine körperlich und seelisch erfahrbare Nähe, die Schutz gibt, ohne Eigenständigkeit aufzuheben.

Kindlichkeit und Vertrauen

Geborgenheit ist in der Lyrik häufig mit Kindlichkeit verbunden. Das Kind ist angewiesen, verletzlich und vertrauend. In religiöser Lyrik kann das Ich sich vor Gott kindlich geborgen wissen, ohne dass dies kindisch sein muss. Kindlichkeit meint hier eine Haltung des Vertrauens und der Annahme eigener Bedürftigkeit.

Die Bilder von Wiege, Schlaf, Mutter, Vater, Hand, Lied und Segen gehören in dieses Feld. Sie zeigen eine ursprüngliche Schutzbeziehung. Das Ich muss nicht alles selbst halten, sondern darf gehalten werden. In Abend- und Schlafliedern ist diese Dimension besonders ausgeprägt.

Gleichzeitig kann kindliche Geborgenheit auch erinnert oder verloren sein. Ein Gedicht kann nach einer früheren Sicherheit suchen, die nicht mehr erreichbar ist. Dann wird Kindlichkeit nicht naiv, sondern elegisch. Die Geborgenheit der Kindheit erscheint als verlorener oder ersehnter Raum, der im Gedicht noch einmal aufleuchtet.

Im Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit im Verhältnis zur Kindlichkeit eine lyrische Vertrauensfigur, in der Angewiesensein nicht beschämt, sondern als Möglichkeit des Gehaltenseins erfahrbar wird.

Geborgenheit, Trost und Frieden

Trost und Frieden sind eng mit Geborgenheit verbunden. Trost macht Leid tragbar; Frieden beruhigt Unruhe; Geborgenheit gibt beiden einen Raum. Ein Ich kann getröstet sein, ohne alle Antworten zu besitzen. Es kann Frieden finden, ohne dass jede Gefahr verschwindet. Geborgenheit bedeutet dann, dass das Ich trotz offener Fragen gehalten bleibt.

In Gedichten entsteht Geborgenheit häufig nach Klage, Frage oder Angst. Eine Stimme hat gesprochen, ein Gebet ist ausgesprochen, ein Du bleibt nahe, ein Licht brennt, ein Raum öffnet sich, eine Stille wird nicht mehr feindlich. Die innere Bewegung geht von Bedrängnis zu einer ruhigeren Gegenwart.

Frieden in Geborgenheit ist nicht bloß Lautlosigkeit. Er ist eine qualifizierte Stille. Sie ist nicht leer, sondern tragend. Das Ich spürt: Es muss sich nicht verteidigen, nicht alles erklären, nicht vollständig stark sein. Diese Entlastung gehört zu den wichtigsten lyrischen Funktionen der Geborgenheit.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit im Verhältnis zu Trost und Frieden eine Erfahrung, in der Leid, Unruhe oder Frage nicht ausgelöscht, aber von bewahrender Nähe gehalten werden.

Geborgenheit im Verhältnis von Ich und Du

Geborgenheit kann zwischen Ich und Du entstehen. Ein Du hört, bleibt, sieht, hält, antwortet oder schweigt auf eine Weise, die nicht verletzt. Dadurch fühlt sich das Ich nicht allein. Die Du-Beziehung kann eine Schutzform werden, wenn sie Nähe schenkt und zugleich Freiheit lässt.

In Liebeslyrik kann Geborgenheit als ruhige Nähe erscheinen. Nicht Leidenschaft steht im Vordergrund, sondern das Gefühl, beim anderen nicht bedroht zu sein. Eine Hand, ein Blick, ein Atemzug im selben Raum oder ein gemeinsames Schweigen kann die Erfahrung tragen, angenommen zu sein.

Auch hier bleibt Geborgenheit ambivalent. Ein Du kann schützen, aber auch fehlen. Es kann Geborgenheit schenken oder entziehen. Gerade dadurch wird die Beziehung poetisch spannungsvoll. Ein Gedicht kann Geborgenheit nicht nur als Erfüllung, sondern auch als Sehnsucht nach einem Du gestalten, das nicht mehr da ist.

Im Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit in der Ich-Du-Beziehung eine Form schützender Nähe, in der das Ich sich gesehen und gehalten fühlt, ohne dass das Du vereinnahmt wird.

Naturgeborgenheit und Schöpfungsraum

Auch Natur kann in der Lyrik Geborgenheit stiften. Ein Garten, ein Wald, eine Wiese, ein Baum, ein Abendhimmel, eine Quelle oder ein stiller See kann als tragender Raum erscheinen. Das Ich fühlt sich nicht ausgesetzt, sondern in eine größere Ordnung eingebettet. Diese Erfahrung ist besonders in Naturlyrik und religiöser Schöpfungslyrik bedeutsam.

Naturgeborgenheit unterscheidet sich von bloßer Idylle. Die Natur ist nicht nur schön, sondern trägt. Ihr Rhythmus, ihre Wiederkehr, ihr Wachstum oder ihre Stille geben dem Ich eine Form von Halt. Besonders Jahreszeiten, Morgen, Abend und Licht können Geborgenheit als Einfügung in einen größeren Zusammenhang gestalten.

In religiöser Lyrik wird Naturgeborgenheit oft als Schöpfungsgeborgenheit verstanden. Die Welt ist nicht zufällige Kulisse, sondern Gabe, Zeichen oder bewahrter Raum Gottes. Doch auch dann bleibt Natur eigenwirklich. Der Baum ist nicht nur Symbol; er steht, schattet, wächst und schweigt.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit in der Naturlyrik eine Erfahrung des Eingebettetseins in einen tragenden, nicht vollständig verfügbaren Welt- oder Schöpfungsraum.

Erinnerte und verlorene Geborgenheit

Geborgenheit erscheint in Gedichten häufig als erinnerte oder verlorene Erfahrung. Das Ich erinnert ein Haus, eine Stimme, eine Kindheit, einen Ort, einen Abend, eine Hand oder ein Gebet. Was früher Schutz und Zugehörigkeit gab, ist nicht mehr unmittelbar gegenwärtig. Dadurch erhält die Erinnerung eine melancholische Tiefe.

Die verlorene Geborgenheit kann schmerzen. Ein Gedicht ruft sie auf und merkt zugleich, dass sie nicht vollständig zurückkehrt. Das Haus steht vielleicht noch, aber seine frühere Wärme ist vergangen. Der Name wird erinnert, aber das Du ist nicht mehr da. Das Gebet wird gesprochen, aber die frühere Gewissheit fehlt. In solchen Fällen ist Geborgenheit nicht Besitz, sondern Nachklang.

Gerade erinnerte Geborgenheit kann lyrisch sehr intensiv sein. Sie verbindet Nähe und Verlust. Das Gedicht macht sichtbar, dass Schutzräume zeitlich sind und dass Erinnerung sie bewahren, aber nicht wiederherstellen kann. Aus dieser Spannung entstehen viele elegische Geborgenheitsbilder.

Im Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit als Erinnerung eine lyrische Nähe zum Vergangenen, in der Schutz und Zugehörigkeit nachwirken, obwohl sie nicht mehr vollständig erreichbar sind.

Gefährdete Geborgenheit in moderner Lyrik

In moderner Lyrik erscheint Geborgenheit häufig gefährdet. Häuser sind nicht mehr selbstverständlich Heimat, Städte bieten Nähe und Fremdheit zugleich, religiöse Gewissheiten sind unsicher, und das Ich erlebt sich oft vereinzelt. Geborgenheit wird dadurch nicht bedeutungslos, sondern dringlicher.

Moderne Gedichte zeigen Geborgenheit oft in kleinen, brüchigen Momenten. Ein Licht im Fenster, ein warmer Becher, ein stiller Satz, ein kurzer Blick, eine Tür, die nicht zufällt, ein Bett, das nicht nur Müdigkeit, sondern Schutz bedeutet. Solche Bilder sind zurückhaltender als traditionelle Schutzformeln, aber sie können sehr stark wirken.

Auch moderne Gebetslyrik kann Geborgenheit suchen, ohne sie sicher zu besitzen. Das Ich spricht Gott an und weiß nicht, ob es Antwort erhält. Es bittet um Schutz, ohne die Gefahr zu leugnen. Es sucht Frieden, ohne alle Zweifel zu verlieren. Gerade diese Offenheit macht moderne Geborgenheitslyrik glaubwürdig.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit in moderner Lyrik eine fragile Schutz- und Zugehörigkeitserfahrung, die nicht selbstverständlich gegeben ist, sondern tastend gesucht, kurz erfahren oder schmerzlich vermisst wird.

Typische Bildfelder der Geborgenheit

Geborgenheit besitzt in der Lyrik ein besonders reiches Bildfeld. Dazu gehören Haus, Zimmer, Dach, Tür, Fenster, Herd, Tisch, Bett, Wiege, Mantel, Hand, Arm, Hülle, Nest, Garten, Baum, Abend, Nacht, Stern, Mond, Engel, Licht, Segen, Schlaf, Mutter, Vater, Kind, Stimme, Lied, Atem, Stille und Frieden.

Diese Bilder haben unterschiedliche Akzente. Haus, Zimmer und Dach betonen räumlichen Schutz. Hand, Arm und Mantel betonen leibliche Nähe. Wiege, Mutter, Vater und Kind betonen ursprüngliches Vertrauen. Abend, Schlaf und Segen verbinden Geborgenheit mit Übergang und Bewahrung. Licht, Stern und Engel öffnen den Schutzraum ins Religiöse.

Gegenbilder sind Sturm, Kälte, Dunkel ohne Licht, offene Tür in die Leere, fremde Stadt, unbeantworteter Ruf, zerbrochenes Haus, verlassene Stube, kaltes Bett oder erloschenes Fenster. Solche Gegenbilder zeigen, dass Geborgenheit häufig aus ihrer Gefährdung heraus verständlich wird.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit daher auch ein poetisches Bildfeld geschützter Nähe, in dem Raum, Körper, Beziehung, Erinnerung und Religion ineinandergreifen.

Sprache, Klang und Rhythmus

Die Sprache der Geborgenheit ist häufig ruhig, weich und sammelnd. Sie arbeitet mit Wörtern wie schützen, halten, bergen, bewahren, ruhen, bleiben, segnen, schlafen, wärmen, tragen und vertrauen. Doch Geborgenheit muss nicht ausdrücklich benannt werden. Oft entsteht sie durch Bilder, Ton und Rhythmus.

Klanglich kann Geborgenheit durch sanfte Wiederholungen, ruhige Satzbewegungen und eine gedämpfte Lautlichkeit entstehen. Wiederholte Anreden, Segensformeln oder einfache Verben können eine wiegende, beruhigende Wirkung entfalten. Besonders Abend- und Schlaflieder nutzen solche Klangformen.

Rhythmisch zeigt sich Geborgenheit oft durch Verlangsamung. Der Vers wird ruhiger, die Zeilen werden kürzer oder atmen gleichmäßiger, Pausen werden tragend. In ungereimten Versen kann Geborgenheit besonders offen gestaltet werden, weil der Schluss nicht durch Reim fixiert wird. Die Sprache darf leise ausklingen, ohne sich künstlich zu schließen.

Im Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit sprachlich, klanglich und rhythmisch eine Form poetischer Beruhigung, in der Schutz und Zugehörigkeit hörbar, sichtbar und fühlbar werden.

Geborgenheit in der Lyriktradition

Geborgenheit ist in der Lyriktradition eng mit geistlicher Dichtung, Abendlied, Schlaflied, Naturlyrik, Heimatlyrik, Familiengedicht, Kindheitsgedicht und Liebeslyrik verbunden. In geistlicher Lyrik erscheint sie als Geborgenheit in Gott. In Abendliedern erscheint sie als Schutz am Übergang zur Nacht. In Schlafliedern verbindet sie sich mit Wiege, Stimme und beruhigendem Rhythmus.

In Naturlyrik kann Geborgenheit durch Landschaft, Garten, Wald oder jahreszeitliche Ordnung entstehen. In Liebeslyrik kann ein Du Schutz und Zugehörigkeit geben. In Erinnerungsgedichten erscheint Geborgenheit oft als verlorener Kindheits- oder Heimatraum. Die Formen wechseln, doch die Grundbewegung bleibt ähnlich: Ein verletzliches Ich sucht oder erfährt gehaltene Nähe.

In moderner Lyrik wird traditionelle Geborgenheit häufig gebrochen. Haus, Gott, Familie und Heimat sind nicht mehr automatisch sichere Orte. Dennoch bleibt die Sehnsucht nach Geborgenheit bestehen. Sie erscheint in reduzierten Bildern, in kleinen Stillständen, in tastenden Gebeten oder in fragilen Momenten von Nähe.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit in der Lyriktradition eine epochenübergreifende Figur von Schutz, Zugehörigkeit, Gottesnähe, Heimat, Kindlichkeit, Trost und friedlicher Nähe.

Ambivalenzen der Geborgenheit

Geborgenheit ist lyrisch ambivalent. Sie steht für Schutz, Trost und Zugehörigkeit, kann aber auch in Enge, Regression oder Abhängigkeit umschlagen. Ein Haus kann bergen oder einschließen. Eine Hand kann halten oder festhalten. Ein Mantel kann wärmen oder bedecken, was ausgesprochen werden müsste. Deshalb muss Geborgenheit in der Analyse immer genau bestimmt werden.

Ambivalent ist auch das Verhältnis von Geborgenheit und Verlust. Oft wird Geborgenheit erst dort sichtbar, wo sie fehlt. Ein Gedicht erinnert ein früheres Zuhause, weil die Gegenwart heimatlos ist. Es bittet um göttlichen Schutz, weil Angst da ist. Es sucht ein Du, weil Einsamkeit schmerzt. Geborgenheit ist daher häufig nicht reine Gegenwart, sondern Sehnsucht, Nachklang oder Bitte.

Auch religiöse Geborgenheit bleibt offen. Gottesnähe kann trösten, aber Gott kann schweigen. Das Gebet kann Frieden geben, aber nicht jede Not aufheben. Die Stärke gebetshafter Geborgenheit liegt gerade darin, dass sie Schutz nicht als einfache Sicherung behauptet, sondern als Vertrauen inmitten von Unsicherheit gestaltet.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit daher eine spannungsvolle lyrische Figur zwischen Schutz und Enge, Vertrauen und Abhängigkeit, Nähe und Verlust, Gottesnähe und göttlichem Schweigen.

Ungereimte Beispielverse zur Geborgenheit

Die folgenden Beispielverse sind gemeinfrei neu formuliert und bewusst ungereimt gestaltet. Sie zeigen verschiedene Möglichkeiten, Geborgenheit in freien Versen zu gestalten: als Gottesnähe, Abendgebet, Hausbild, Handbild, Naturgeborgenheit, erinnerte Geborgenheit, kindliches Vertrauen und moderne fragile Schutzform. Die Wirkung entsteht nicht aus Reim, sondern aus Anrede, Pause, Bildnähe, Verlangsamung und offenem Nachklang.

Geborgenheit als Gottesnähe kann so erscheinen:

Gott,
ich bitte nicht,
dass die Nacht verschwindet.

Leg nur dein Schweigen
so nahe an mein Herz,
dass es nicht mehr glaubt,
allein zu schlagen.

Dieses Beispiel zeigt Geborgenheit nicht als Beseitigung der Dunkelheit, sondern als Nähe in ihr. Die Nacht bleibt, aber das Herz fühlt sich nicht mehr verlassen. Gottesnähe erscheint als bewahrende Stille.

Ein Abendgebet der Geborgenheit kann folgendermaßen gestaltet werden:

Der Tag hat vieles
offen gelassen.

Ich lege es hin
vor deine stille Tür.
Bewahre, was ich müde
nicht mehr halten kann.

Hier wird Geborgenheit als Übergabe gestaltet. Das Ich muss das Unfertige des Tages nicht allein tragen. Die göttliche Tür wird zum Bild eines schützenden Gegenübers.

Geborgenheit im Hausbild kann so lauten:

Im Fenster brennt Licht.
Nicht hell genug
für die ganze Straße,
aber hell genug
für den einen Schritt
bis zur Tür.

Dieses Beispiel zeigt Geborgenheit als kleine, konkrete Orientierung. Das Licht muss nicht die Welt erhellen; es genügt, um den Weg zur schützenden Tür sichtbar zu machen.

Geborgenheit durch eine Hand kann so gestaltet sein:

Du legst deine Hand
nicht schwer
auf meine Schulter.

Nur so,
dass die Angst merkt,
sie ist nicht mehr
die einzige Stimme im Raum.

Hier entsteht Geborgenheit durch nicht bedrängende Berührung. Die Hand nimmt die Angst nicht gewaltsam weg, aber sie verändert den Raum. Nähe wird Schutz, ohne zu vereinnahmen.

Naturgeborgenheit kann folgendermaßen erscheinen:

Unter dem Baum
wurde der Regen
nicht weniger.

Aber er fiel anders,
als hätte die Erde
Zeit genug
für alles, was kommt.

Dieses Beispiel zeigt Natur nicht als vollständige Abschirmung, sondern als tragenden Raum. Der Regen bleibt, aber die Erfahrung verändert sich. Geborgenheit entsteht durch Eingebettetsein.

Erinnerte Geborgenheit kann so formuliert werden:

Ich hörte wieder
die Tür der alten Küche.

Niemand rief meinen Namen.
Und doch stand der Abend
für einen Augenblick
an seinem früheren Platz.

Hier wird Geborgenheit als Nachklang einer verlorenen Kindheits- oder Heimaterfahrung gestaltet. Das Vergangene kehrt nicht vollständig zurück, aber es ordnet den Augenblick.

Kindliches Vertrauen kann so aussehen:

Das Kind schläft,
weil jemand wach bleibt.

So einfach
war mein Glaube nie.
Aber heute Nacht
möchte ich ihn lernen.

Dieses Beispiel verbindet Kindlichkeit mit religiöser Sehnsucht. Geborgenheit erscheint als Vertrauen, dass jemand wacht, wenn das eigene Bewusstsein loslässt.

Eine moderne fragile Geborgenheit kann folgendermaßen gestaltet werden:

Im Treppenhaus
roch es nach Regen
und fremden Mänteln.

Eine Tür fiel nicht ins Schloss.
Für einen Moment
war die Stadt
nicht ganz aus Glas.

Dieses Beispiel zeigt Geborgenheit als kurzen modernen Augenblick. Es gibt kein großes Schutzversprechen, sondern nur eine kleine Unterbrechung der Fremdheit. Gerade diese Begrenztheit macht die Erfahrung glaubwürdig.

Die Beispiele zeigen, dass Geborgenheit in ungereimten Versen besonders gut durch zurückhaltende Bilder, offene Pausen und leise Bewegungen gestaltet werden kann. Entscheidend ist nicht die ausdrückliche Behauptung von Schutz, sondern die poetische Erfahrung, dass ein Ich für einen Augenblick gehalten, gesehen oder aufgenommen ist.

Analytische Bedeutung

Für die Lyrikanalyse ist Geborgenheit ein wichtiger Begriff, weil er die Beziehung zwischen Ich, Raum, Du, Natur und Gott erschließt. Zu fragen ist zunächst, woher Geborgenheit im Gedicht kommt. Entsteht sie durch Gott, ein Du, ein Haus, eine Erinnerung, die Natur, den Abend, ein Gebet, eine Hand oder ein Licht?

Wichtig ist außerdem, wogegen Geborgenheit steht. Gibt es Angst, Nacht, Kälte, Fremdheit, Schuld, Einsamkeit, Bedrängnis, Heimatlosigkeit oder Gottesferne? Geborgenheit ist meist eine Antwort auf solche Spannungen. Ohne die vorausgehende Gefährdung bleibt sie oft blass.

Zu untersuchen sind auch die Bilder und die formale Gestaltung. Wird Geborgenheit durch Hausbilder, Hüllenbilder, Handbilder, Schlafbilder, Segensformeln, Naturstille oder Gottes-Anrede erzeugt? Wird der Rhythmus ruhiger? Gibt es Wiederholungen, Pausen oder einen stillen Ausklang? Wird Geborgenheit sicher behauptet, nur erbeten, erinnert oder verloren?

Im Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit daher auch ein methodisches Analyseinstrument. Es hilft, Gedichte auf Schutz, Zugehörigkeit, Gottesnähe, Vertrauen, Trost, Innenraum, Erinnerung, Abendstimmung und die Ambivalenz zwischen Bewahrung und Enge hin zu lesen.

Poetische Funktion

Die poetische Funktion der Geborgenheit besteht darin, Verletzlichkeit in einen tragenden Zusammenhang zu stellen. Das Gedicht zeigt nicht nur Angst, Unruhe oder Verlust, sondern sucht eine Form, in der das Ich gehalten werden kann. Geborgenheit ist daher häufig eine Ziel- oder Antwortfigur.

Geborgenheit kann ein Gedicht strukturieren. Am Anfang steht vielleicht Bedrängnis, Fremdheit oder Nacht; in der Mitte erfolgt Anrede, Erinnerung oder Wahrnehmung; am Ende steht ein Licht, ein Haus, ein Gebet, eine Hand oder eine Stille, die nicht mehr leer ist. In anderen Gedichten steht die verlorene Geborgenheit am Anfang und wird im Verlauf als unwiederbringlich erkannt.

Poetologisch zeigt Geborgenheit, dass Lyrik nicht nur Ausdruck von Vereinzelung ist. Sie kann auch Zugehörigkeit gestalten. Diese Zugehörigkeit ist nicht immer sicher, aber sie kann als Sehnsucht, Bitte, Erinnerung oder kurzer Friedensmoment erscheinen. Gerade dadurch bleibt Geborgenheit ein tiefes Motiv lyrischer Sprache.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit somit eine Schlüsselgestalt lyrischer Schutz- und Beziehungspoetik. Sie zeigt, wie Gedichte aus Angst, Nacht, Schuld, Fremdheit oder Unruhe eine Erfahrung von Nähe, Frieden und bewahrender Gegenwart gewinnen können.

Fazit

Geborgenheit ist in der Lyrik eine Erfahrung von Schutz und Zugehörigkeit. Sie kann aus Gottesnähe, Gebet, Trost, Frieden, einem Du, einem Haus, der Natur, dem Abend, der Erinnerung oder einer stillen Berührung entstehen. Sie meint nicht bloß äußere Sicherheit, sondern ein seelisches Gehaltensein.

Als lyrischer Begriff ist Geborgenheit eng verbunden mit Schutz, Zugehörigkeit, Gottesnähe, Gebetslyrik, Abendgebet, Abendlied, Trost, Frieden, Vertrauen, Haus, Hand, Hülle, Kindlichkeit, Schlaf, Segen, Natur und Erinnerung. Sie ist häufig gefährdet, ersehnt oder verloren und gewinnt gerade daraus ihre poetische Tiefe.

Für das Kulturlexikon bezeichnet Geborgenheit eine zentrale Figur lyrischer Nähe. Sie zeigt, wie Gedichte ein verletzliches Ich in einen tragenden Raum stellen können: in die Nähe eines Du, in die Stille des Abends, in die Hand Gottes, in den Schutz eines Hauses oder in den Nachklang einer Erinnerung.

Weiterführende Einträge

  • Abend Tageszeit des Ausklangs, in der Geborgenheit als Sammlung, Rückzug und Schutzraum erscheinen kann
  • Abendgebet Gebetsform am Tagesende, die Geborgenheit als göttlichen Schutz und Frieden erbittet
  • Abendlied Lyrische Liedform des Tagesendes, in der Geborgenheit mit Naturstille, Schlaf und Vertrauen verbunden ist
  • Abendsegen Segensformel, die Geborgenheit als bewahrende Nähe am Übergang zur Nacht gestaltet
  • Abhängigkeit Erfahrung des Angewiesenseins, die in Geborgenheit nicht als Mangel, sondern als Gehaltensein erscheinen kann
  • Abstand Distanz, die in echter Geborgenheit nicht aufgehoben, sondern geschützt und ruhig anerkannt wird
  • Abwesenheit Nichtgegenwart eines Du oder Ortes, durch die Geborgenheit als Erinnerung oder Sehnsucht hervortritt
  • Achtsame Wahrnehmung Genaue Hinwendung zu kleinen Schutzzeichen wie Licht, Hand, Haus oder Stille
  • Achtsamkeit Aufmerksame Haltung, durch die Geborgenheit im unscheinbaren Gegenwärtigen sichtbar werden kann
  • Andacht Gesammelte Aufmerksamkeit, in der religiöse Geborgenheit als Gottesnähe erfahren werden kann
  • Anderes Gegenüber, dessen Eigenständigkeit auch in geborgener Nähe erhalten bleibt
  • Anrede Direkte Hinwendung an ein Du oder Gott, aus der Geborgenheit als Antwort oder Nähe entstehen kann
  • Anruf Rufhafte Hinwendung, durch die ein Ich Schutz, Nähe und Geborgenheit sucht
  • Anrufung Feierliche Gottes-Anrede, die Geborgenheit als bewahrende Antwort erbitten kann
  • Antwort Erwiderung, die in Geborgenheitslyrik als Schutz, Trost, Frieden oder stille Nähe erscheinen kann
  • Apostrophe Rhetorische Hinwendung an ein Gegenüber, das als schützende oder bewahrende Instanz angerufen wird
  • Atem Leibliche Bewegungsform, an der Geborgenheit als ruhiger werdende Unruhe spürbar wird
  • Atmung Körperlicher Rhythmus, der durch Schutz, Trost und Geborgenheit beruhigt werden kann
  • Augenblick Kurz verdichteter Moment, in dem Geborgenheit plötzlich aufscheint
  • Ausweg Öffnung aus Bedrängnis, die zu Schutz, Frieden oder Geborgenheit führen kann
  • Barmherzigkeit Göttliche Zuwendung, aus der religiöse Geborgenheit als Erbarmen und Trost entsteht
  • Bedrängnis Drucklage, aus der Geborgenheit als Schutz und Befreiung erhofft wird
  • Bedürftigkeit Angewiesensein, das in Geborgenheit nicht verdrängt, sondern gehalten wird
  • Begegnung Moment der Nähe, in dem Geborgenheit zwischen Ich und Du entstehen kann
  • Begegnungsaugenblick Kurz verdichteter Moment, in dem ein Blick, eine Hand oder ein Wort Geborgenheit stiftet
  • Bekenntnis Sprechform der Selbstoffenlegung, die in religiöser Geborgenheit vor Gott möglich wird
  • Berührung Leibnahe Erfahrung, durch die Geborgenheit als Schutz und Nähe unmittelbar spürbar wird
  • Besinnung Innere Sammlung, die Geborgenheit als Rückkehr zu einem tragenden Zusammenhang vorbereitet
  • Beziehung Wechselseitiger Bezug, in dem Geborgenheit als nicht bedrängende Nähe entstehen kann
  • Beziehungstiefe Vertiefte Nähe, in der Schutz, Vertrauen und Eigenständigkeit zusammenfinden
  • Bitte Sprechform, in der Geborgenheit als Schutz, Frieden oder Bewahrung erbeten wird
  • Bittgebet Religiöse Bitte um Schutz, Trost, Frieden und bewahrende Gottesnähe
  • Brücke Übergangsbild, das aus Fremdheit oder Angst in Nähe und Geborgenheit führen kann
  • Dämmerung Übergangslicht, in dem Geborgenheit als Hülle, Schutz oder leise Gottesnähe entstehen kann
  • Dank Gebetsform, die erfahrene Geborgenheit als Gabe anerkennt
  • Demut Haltung der Selbstzurücknahme, in der das Ich Geborgenheit als Gabe empfangen kann
  • Dialog Wechselrede, in der Geborgenheit durch Antwort, Schweigen oder Nähe entstehen kann
  • Differenz Unterschied zwischen Ich und Gegenüber, der auch in geborgener Nähe bestehen bleibt
  • Distanz Abstand, der in Geborgenheit schützend statt trennend wirken kann
  • Du Angesprochenes Gegenüber, dessen Nähe Geborgenheit stiften oder dessen Fehlen sie schmerzlich machen kann
  • Echo Nachklang einer Stimme oder eines Raums, der Geborgenheit erinnernd bewahren kann
  • Eigenwirklichkeit Eigene Präsenz des Gegenübers, die in Geborgenheit nicht vereinnahmt wird
  • Einkehr Innere Rückwendung, in der ein Ich Geborgenheit als Sammlung und Schutz erfährt
  • Empfänglichkeit Bereitschaft, kleine Zeichen von Schutz, Trost und Geborgenheit wahrzunehmen
  • Empfindung Innere Resonanz, in der Geborgenheit als Wärme, Ruhe oder Schutz spürbar wird
  • Erbarme dich Gebetsformel, in der Geborgenheit als göttliches Erbarmen und bewahrende Nähe erbeten wird
  • Erbarmen Göttliche Zuwendung, die Geborgenheit als barmherzigen Schutz ermöglichen kann
  • Erinnerung Rückkehr eines früheren Schutzraums, in dem Geborgenheit nachklingt
  • Erinnerungsraum Poetischer Ort, in dem verlorene oder frühere Geborgenheit bewahrt erscheint
  • Erlösung Befreiung aus Angst oder Not, die in religiöser Lyrik in Geborgenheit münden kann
  • Fenster Vermittelnde Raumfigur, an der Innenraum, Licht und geborgene Offenheit sichtbar werden
  • Ferne Distanzraum, aus dem Geborgenheit als Nähe, Heimkehr oder Gottesbeziehung ersehnt wird
  • Frage Sprechform, die nach Schutz, Nähe, Frieden oder Geborgenheit verlangen kann
  • Freier Vers Ungereimte Versform, die Geborgenheit durch Pause, Atem und offene Ruhe gestalten kann
  • Frieden Mögliche Antwort auf Unruhe, die in Geborgenheit einen geschützten Raum findet
  • Gebet Religiöse Anrede, in der Geborgenheit als Schutz, Trost und Gottesnähe erbeten wird
  • Gebetslyrik Lyrikform, in der Geborgenheit als bewahrende Gottesnähe gesucht wird
  • Geborgenheit Erfahrung von Schutz und Zugehörigkeit, die in Lyrik als bewahrende Nähe erscheint
  • Gegenüber Adressierte Instanz, deren Nähe Geborgenheit ermöglichen kann
  • Gegenwart Präsenzform, in der Geborgenheit als ruhiges Hier und Jetzt erfahrbar wird
  • Geheimnis Nicht vollständig Erhellbares, das in religiöser Geborgenheit nicht gelöst, sondern gehalten wird
  • Gnade Unverfügbare göttliche Gabe, aus der Geborgenheit als Annahme und Schutz hervorgeht
  • Gott Religiöses Gegenüber, in dessen Nähe Geborgenheit als Bewahrung gesucht wird
  • Gottes-Anrede Direkte Ansprache Gottes, durch die Geborgenheit erbeten und erwartet wird
  • Gottesferne Erfahrung göttlichen Entzugs, vor deren Hintergrund Geborgenheit besonders ersehnt wird
  • Gottesnähe Erfahrung göttlicher Gegenwart, die Geborgenheit als bewahrende Nähe trägt
  • Hand Bild von Halt, Schutz und Segen, das Geborgenheit leiblich verdichtet
  • Haus Schutz- und Erinnerungsraum, in dem Geborgenheit räumlich anschaulich wird
  • Herz Inneres Zentrum, das Geborgenheit als Ruhe, Schutz oder bewahrte Nähe erfährt
  • Hoffnung Erwartung von Schutz, Nähe und Geborgenheit trotz Gefährdung
  • Ich-Du-Struktur Grundform lyrischer Beziehung, in der Geborgenheit zwischen Ich und Du entstehen kann
  • Ich Lyrische Sprechinstanz, die Geborgenheit sucht, erinnert oder erfährt
  • Innerer Frieden Seelische Ruhe, die häufig aus Geborgenheit und bewahrender Nähe hervorgeht
  • Innerlichkeit Seelischer Raum, der durch Geborgenheit geschützt und geöffnet wird
  • Kind Figur der Bedürftigkeit und des Vertrauens, an der Geborgenheit besonders anschaulich wird
  • Kindlichkeit Haltung des Vertrauens, die Geborgenheit als Gehaltensein erfahrbar macht
  • Klage Lyrische Äußerung von Leid, auf die Geborgenheit als Trost und Schutz antworten kann
  • Klagegebet Gebetsform, in der Geborgenheit aus Gottesnähe trotz Not und Schweigen erhofft wird
  • Klang Lautliche Dimension, in der Geborgenheit durch Wiegen, Wiederholung und ruhigen Ton hörbar wird
  • Leerstelle Ausgesparter Sinnraum, in dem verlorene oder ersehnte Geborgenheit nachwirken kann
  • Licht Erscheinungs- und Schutzbild, das Geborgenheit als Helle im Dunkel gestaltet
  • Loslassen Innere Bewegung, durch die Geborgenheit als Vertrauen und Übergabe möglich wird
  • Mantel Hüllenbild, das Geborgenheit als Wärme, Schutz und Nähe anschaulich macht
  • Mutter Ursprüngliche Schutzfigur, die Geborgenheit als Nähe, Stimme und Hülle tragen kann
  • Nacht Dunkelraum, in dem Geborgenheit als Schutz, Schlaf und Gottesnähe besonders erbeten wird
  • Nähe Beziehungsqualität, aus der Geborgenheit als nicht bedrohliche Gegenwart entsteht
  • Natur Schöpfungs- und Weltbereich, in dem Geborgenheit als Eingebettetsein erfahren werden kann
  • Naturlyrik Gedichtbereich, in dem Landschaft, Garten, Baum oder Abend Geborgenheit stiften können
  • Offenheit Haltung, in der Geborgenheit nicht als Einschluss, sondern als geschützte Weite erscheint
  • Pause Unterbrechung im Sprachfluss, die Geborgenheit als Atem und Stille hörbar macht
  • Präsenz Gegenwärtiges Dasein, in dem Geborgenheit als Nähe und Halt erfahrbar wird
  • Psalm Gebets- und Liedform, in der Geborgenheit häufig als Schutz Gottes erscheint
  • Religiöse Lyrik Gedichtbereich, in dem Geborgenheit als Gottesnähe, Segen und Trost zentral sein kann
  • Resonanz Antwortverhältnis zwischen Ich und Welt, das Geborgenheit als Mitschwingen erfahrbar macht
  • Rhythmus Bewegungsordnung, die Geborgenheit durch Wiegen, Wiederholung und Verlangsamung trägt
  • Ruhe Beruhigung, die in Geborgenheit zu tragender und schützender Stille wird
  • Sammlung Bündelung der inneren Bewegung, aus der Geborgenheit als ruhige Zugehörigkeit hervorgehen kann
  • Schlaf Nächtlicher Zustand, in dem Geborgenheit als Vertrauen und Bewahrung erfahrbar wird
  • Schutz Bewahrende Nähe, die eine Grunddimension der lyrischen Geborgenheit bildet
  • Schweigen Nicht-Rede, die in Geborgenheit als tragende Stille und nicht als Leere erscheinen kann
  • Schwelle Übergangsraum, an dem Geborgenheit zwischen Tag und Nacht, Außen und Innen entsteht
  • Segen Religiöse Zusage von Schutz, Frieden und Geborgenheit
  • Sehnsucht Bewegung auf verlorene oder erhoffte Geborgenheit hin
  • Stille Raum der Beruhigung, der in Geborgenheit tragend und schützend wird
  • Stimme Hörbare Nähe, die Geborgenheit als Ruf, Antwort, Lied oder Gebet vermitteln kann
  • Trost Zuwendung, die Geborgenheit als gehaltenes Leid erfahrbar macht
  • Tür Öffnungs- und Schutzbild, das Geborgenheit als Zugang und Innenraum sichtbar macht
  • Übergang Bewegung zwischen Unruhe und Ruhe, Außen und Innen, Angst und Geborgenheit
  • Unruhe Innere Bewegung, auf die Geborgenheit als Schutz und Frieden antworten kann
  • Verbindung Bezug, der Geborgenheit als Zugehörigkeit und tragende Nähe ermöglicht
  • Vergebung Lösung von Schuld, aus der religiöse Geborgenheit als Annahme entstehen kann
  • Versöhnung Neuordnung eines gestörten Verhältnisses, die Geborgenheit wieder möglich machen kann
  • Vertrauen Haltung, die Geborgenheit trägt und besonders in Gebetslyrik wirksam wird
  • Wärme Sinnliche Qualität, die Geborgenheit als Nähe, Schutz und Hülle erfahrbar macht
  • Wahrnehmung Sinnliche Erfassung kleiner Schutzzeichen, durch die Geborgenheit lyrisch entsteht
  • Weg Bewegungsbild, das aus Fremdheit oder Angst in einen Raum der Geborgenheit führen kann
  • Wiedererkennen Erneute Begegnung mit Vertrautem, die Geborgenheit als Heimkehr erzeugen kann
  • Wiege Kindheits- und Schlafbild, das ursprüngliche Geborgenheit besonders dicht verkörpert
  • Wort Sprachliche Einheit, durch die Geborgenheit zugesagt, erinnert oder erbeten wird
  • Zeichen Hinweisform, in der Geborgenheit als Licht, Hand, Tür oder Stimme wahrnehmbar wird
  • Zugehörigkeit Grunddimension der Geborgenheit als Erfahrung, gemeint, angenommen und aufgenommen zu sein
  • Zweifel Unsicherheit, die Geborgenheit nicht ausschließt, sondern in Vertrauen gehalten werden kann
  • Zwischenraum Bereich zwischen Innen und Außen, Angst und Schutz, in dem Geborgenheit entstehen kann