Aalfischen

Lexikon

Aalfischen bezeichnet das gezielte Fischen nach beziehungsweise das Fangen von Aalen. Das Wort ist eine Tätigkeitsbezeichnung und umfasst grundsätzlich alle fischereilichen Verfahren, deren Ziel der Fang von Aalen ist. Es kann deshalb sowohl die gewerbsmäßige Fischerei als auch nichtgewerbliche Formen des Fischfangs bezeichnen und ist hinsichtlich des verwendeten Fanggeräts zunächst neutral. Aalfischen kann mit Angel, Reuse, Aalschnur, Hamen, historischen Stechgeräten oder anderen für den Aal geeigneten Fangvorrichtungen betrieben werden.

Lexikalisch steht Aalfischen besonders nahe bei Aalfang und Aalfischerei, ist mit diesen Wörtern jedoch nicht in jedem Zusammenhang vollständig austauschbar. Aalfischen hebt unmittelbar die Tätigkeit hervor: Menschen fischen gezielt nach Aalen. Aalfang kann außer dem Vorgang des Fangens auch dessen Ergebnis und historisch sogar Fangzeit oder Fangstelle bezeichnen. Aalfischerei kann dagegen stärker den institutionellen, beruflichen oder wirtschaftlichen Bereich meinen, also einen Zweig der Fischereiwirtschaft. Die Unterschiede sind graduell, aber für eine genaue lexikographische Beschreibung wichtig.

So bezeichnet der Satz Das Aalfischen begann am Abend unmittelbar eine Tätigkeit. Der Aalfang war ergiebig kann dagegen ebenso das Fangergebnis meinen. Die Aalfischerei war für den Ort wirtschaftlich bedeutend bezeichnet eher einen Erwerbszweig. In vielen historischen Texten überlappen sich diese Bedeutungsbereiche jedoch, sodass der Kontext entscheiden muss.

Aalfischen ist außerdem weiter als Aalangeln. Angeln bezeichnet den Fischfang mit einer Angel beziehungsweise mit Haken und Schnur. Fischen kann dagegen unterschiedlichste Fanggeräte einschließen. Jeder gezielte Fang von Aalen mit der Angel kann als Aalfischen gelten, aber nicht jedes Aalfischen ist Aalangeln.

Diese Unterscheidung entspricht der allgemeinen Relation zwischen fischen und angeln. Fischen bedeutet allgemein, mit Fanggeräten Fische zu fangen oder zu fangen zu versuchen. Angeln bezeichnet eine bestimmte Methode innerhalb dieses weiteren Bereichs. Der Ausdruck Aalfischen eignet sich daher besonders als methodisch neutraler Oberbegriff.

Die verschiedenen Verfahren des historischen Aalfischens spiegeln die besondere Lebensweise des Europäischen Aals (Anguilla anguilla) wider. Aale halten sich häufig am oder nahe dem Gewässergrund auf, nutzen Verstecke zwischen Steinen, Pflanzen und Holzstrukturen und zeigen vielfach eine ausgeprägte Aktivität während der Dämmerung und Nacht. Gleichzeitig sind sie Wanderfische, deren Lebenszyklus gerichtete Bewegungen zwischen Meer, Küstengewässern und teilweise weit im Binnenland gelegenen Gewässern einschließt. Aus diesen Eigenschaften entstanden sehr unterschiedliche Fangtechniken.

Beim Aalfischen mit der Angel wird gewöhnlich ein für den Aal attraktiver Köder in Bodennähe angeboten. Traditionell kommen beispielsweise Regenwürmer, Fischstücke oder andere tierische Köder in Betracht. Der Fisch nimmt den Köder mit dem daran befestigten Angelhaken auf. Bei modernem Grundangeln hält ein Grundblei die Montage in der gewünschten Position; eine Aalglocke oder ein anderer Bissanzeiger kann Bewegungen des Fisches anzeigen.

Gerade die Verbindung von Aalfischen und Nacht ist kulturgeschichtlich besonders ausgeprägt. Da Aale in vielen Gewässern nach Einbruch der Dunkelheit verstärkt auf Nahrungssuche gehen, entwickelte sich das Nachtangeln zu einer charakteristischen Form des Aalfischens. Beleuchtung, akustische Bissanzeige und genaue Kenntnis der Gewässerstruktur spielten dabei eine wichtige Rolle.

Der Aal lässt sich jedoch nicht auf ein einziges Aktivitätsmuster reduzieren. Wassertemperatur, Jahreszeit, Gewässertyp, Trübung, Strömung, Wetter und Entwicklungsstadium beeinflussen sein Verhalten. Entsprechend ist auch die Aussage, Aalfischen sei ausschließlich nachts möglich oder sinnvoll, zu eng. Die historische und moderne Fischerei nutzt unterschiedliche Situationen und Lebensphasen.

Eine zweite bedeutende Methode ist das Fischen mit Aalreusen. Eine Reuse ist ein passives Fanggerät, in das Fische durch trichterartige Eingänge gelangen und aus dem sie nur schwer wieder herausfinden. Aalreusen können einzeln oder in komplexeren Fangsystemen verwendet werden. Sie eignen sich besonders für Gewässerbereiche, in denen sich Aale regelmäßig bewegen.

Das Aalfischen mit Reusen unterscheidet sich grundlegend vom Aalangeln. Ein Fisch muss keinen beköderten Haken schlucken. Er gelangt aufgrund seiner eigenen Bewegung in einen räumlich begrenzten Fangraum. Der Fischer stellt die Reuse an einer geeigneten Stelle auf und kontrolliert beziehungsweise leert sie später.

Reusen gehören dadurch zum passiven Fischfang. Sie fischen während eines längeren Zeitraums ohne dauernde unmittelbare Bedienung. Der Erfolg hängt wesentlich von Standort, Strömung, Wanderbewegung und Konstruktion des Geräts ab.

Eine weitere historische Form war das Aalfischen mit der Aalschnur. Im traditionellen fachsprachlichen Sinn handelt es sich dabei um eine Reihenangel beziehungsweise Legangel: An einer langen Hauptschnur befinden sich zahlreiche kurze Mundschnüre, von denen jede einen beköderten Haken trägt. Das Fanggerät konnte abends ausgelegt und später wieder aufgenommen werden.

Die Aalschnur verbindet damit Prinzipien des Angelns und des passiven Fischfangs. Zwar fängt jeder einzelne Fisch an einem Haken, doch eine lange Reihe von Haken arbeitet gleichzeitig und weitgehend ohne unmittelbare Bedienung. Das unterscheidet diese Methode vom Angeln mit einer einzelnen handgeführten oder in einem Rutenhalter befindlichen Angelrute.

Historisches Aalfischen umfasste außerdem aktive Stechverfahren. Dazu gehören Aaleisen, Aalgabel, Aalstecher, Aalpricke und Aalspieß. Diese Geräte besitzen Spitzen beziehungsweise Zinken und werden vom Fischer aktiv in Bereiche gestoßen, in denen ein Aal vermutet wird.

Beim Aalstechen steht deshalb nicht das Verhalten eines Fisches gegenüber Köder oder Falle im Mittelpunkt. Der Fischer sucht das Tier beziehungsweise seinen Aufenthaltsort und versucht, es unmittelbar mechanisch zu erfassen. Gerade in weichem Schlamm konnten ruhende Aale auf diese Weise gefangen werden.

Das Aalstechen wurde historisch sowohl im Sommer als auch im Winter betrieben. Während der kalten Jahreszeit konnten entsprechende Geräte durch Öffnungen im Eis zum Gewässergrund geführt werden. Das Fischen erfolgte dabei teilweise ohne direkten Sichtkontakt zum Fisch; Erfahrung mit typischen Winterlagern und der Struktur des Gewässergrunds war besonders wichtig.

Das Wort Aalfischen ist gegenüber Aalstechen wiederum der weitere Begriff. Aalstechen ist eine spezielle Methode des Aalfischens. Dasselbe gilt für Aalpricken, das in regionaler Sprache den Fang mit einer Aalpricke bezeichnet.

Eine andere historische Technik ist mit der Aalglippe verbunden. Bei dieser Fangweise werden Aale aus Pflanzenbeständen beziehungsweise aus dem Gewässergrund aufgescheucht und zu einer rahmen- und netzartigen Fangvorrichtung getrieben. Regionale Bezeichnungen wie Tängen beziehungsweise Glippen bezeichnen die zugehörige Fanghandlung.

Auch solche Ausdrücke veranschaulichen die Stellung von Aalfischen als Oberbegriff. Aalstechen, Aalpricken, Glippen, Aalangeln und das Fischen mit Reusen sind methodisch verschieden, können aber sämtlich unter dem allgemeineren Vorgang des Aalfischens zusammengefasst werden.

Von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung waren stationäre Anlagen, die die Aalwanderung ausnutzten. Dazu gehören Aalwehr, Aalzaun, Aalsprung und historische Aalfänge. Solche Einrichtungen wurden an Flüssen, Wehren, Mühlengerinnen oder Seeausflüssen angelegt und lenkten wandernde Aale in Reusen, Hamen, Körbe oder andere Fangräume.

Der Fischer musste bei diesen Methoden nicht jeden Aal einzeln suchen. Die biologische Wanderung der Tiere und die Strömung des Gewässers übernahmen einen wesentlichen Teil der Arbeit. Deshalb werden entsprechende Anlagen als Selbstfänge bezeichnet.

Besonders die Abwanderung der Silberaale konnte auf diese Weise genutzt werden. Nach einer oft viele Jahre dauernden Wachstumsphase wandeln sich Gelbaale zu Silberaalen um und verlassen ihre kontinentalen beziehungsweise küstennahen Lebensräume in Richtung Atlantik. Historische Fischer kannten diese saisonalen Bewegungen lange bevor der vollständige Lebenszyklus des Europäischen Aals wissenschaftlich verstanden war.

Das Aalfischen war deshalb häufig saisonal organisiert. Bestimmte Fangmethoden waren besonders erfolgreich, wenn Aale aktiv wanderten, andere während warmer Nächte oder an typischen Ruheplätzen. Der Ausdruck bezeichnet jedoch keine bestimmte Jahreszeit; er kann grundsätzlich alle Zeiträume umfassen, in denen gezielt Aale gefangen werden.

Der Europäische Aal besitzt einen außergewöhnlichen Lebenszyklus. Seine Fortpflanzungsregion liegt im westlichen Atlantik im Bereich der Sargassosee. Die dort entstehenden Leptocephaluslarven gelangen über den Atlantik in Richtung europäischer und nordafrikanischer Küsten, metamorphosieren zu Glasaalen und besiedeln anschließend sehr unterschiedliche Küsten- und Binnengewässer.

Dieser Lebenszyklus erklärt, weshalb historisches Aalfischen in weit voneinander entfernten Landschaften betrieben werden konnte. Aale wurden nicht nur in unmittelbarer Meeresnähe gefangen, sondern ebenso in Flüssen, Kanälen, Seen, Teichen, Lagunen und anderen mit dem Wandersystem verbundenen Gewässern.

Das Wort Aalfischen legt dabei keine bestimmte Aalart fest, wenn der Kontext global ist. Im deutschsprachigen europäischen Zusammenhang ist jedoch traditionell vor allem Anguilla anguilla gemeint. In anderen Regionen der Welt können verwandte Arten der Aalgattung Anguilla Gegenstand entsprechender Fischerei sein.

Auch Meeraale und andere aalartig aussehende Fische dürfen zoologisch nicht ohne Weiteres mit dem Europäischen Aal gleichgesetzt werden. Historische Trivialnamen sind teilweise uneinheitlich. Bei älteren Berichten über das Aalfischen muss deshalb gegebenenfalls geprüft werden, welche Art mit dem Wort Aal tatsächlich bezeichnet wird.

Historisch bildete das Aalfischen in zahlreichen Regionen einen wichtigen Teil der Binnenfischerei. Der Aal war als Speisefisch wertvoll und aufgrund seines hohen Fettgehalts besonders für das Räuchern geeignet. Fang, Hälterung, Verarbeitung und Aalhandel konnten dadurch eng miteinander verbundene Wirtschaftszweige bilden.

Fischer konnten den Fang zunächst in Aalkästen oder anderen durchströmten Behältern lebend halten und anschließend frisch verkaufen beziehungsweise an Händler abgeben. Alternativ konnten die Tiere geräuchert, gebraten, mariniert oder anderweitig verarbeitet werden. Das Aalfischen war somit häufig der erste Schritt einer längeren wirtschaftlichen Kette.

Die vereinfachte historische Wertschöpfungskette lautet:

Aalfischen → Hälterung → Verarbeitung beziehungsweise Aalhandel → Markt → Verbraucher.

In Regionen mit ausgeprägtem Aalvorkommen konnten sich spezialisierte Aalfischer herausbilden. Der Aalfischer ist die Person, die Aale fängt; Aalfischen bezeichnet die von ihr ausgeübte Tätigkeit. Beide Wörter gehören damit unmittelbar demselben Wortfeld an.

Die Verbindung lässt sich sprachlich darstellen als:

Aalfischen = Tätigkeit;

Aalfischer = handelnde Person;

Aalfang = Vorgang beziehungsweise Ergebnis des Fangens;

Aalfischerei = Tätigkeit, Gewerbe beziehungsweise Wirtschaftszweig.

Diese Unterscheidung ist besonders hilfreich, weil die Wörter im Alltagsgebrauch häufig als nahezu synonym erscheinen. Ihre Wortbildungsstruktur hebt jedoch jeweils einen anderen Aspekt hervor.

Aalfischen besitzt die stärkste unmittelbare Nähe zum Verb. Es bezeichnet das tatsächliche Tun. Wer sagt beim Aalfischen, stellt den Vorgang und die konkrete Tätigkeit in den Mittelpunkt. Deshalb erscheint das Wort besonders natürlich in Verbindungen wie Geräte zum Aalfischen, beim Aalfischen beobachtet, zum Aalfischen fahren oder das Aalfischen betreiben.

Genau ein solcher Gebrauch ist für 1861 eindeutig belegt. In der Zeitschrift Psyche wird metaphorisch vom „Aal der Seelenfrage“ gesprochen und das Vorgehen eines Untersuchenden mit dem eines Aalfängers verglichen. Dabei erscheinen ausdrücklich die „zum Aalfischen gehörigen Vorrichtungen und Geräthe“. Obwohl die Passage eine bildliche Argumentation enthält, ist die eigentliche Fischereibezeichnung vollkommen eindeutig und vorausgesetzt.

Der Beleg ist sprachgeschichtlich besonders nützlich, weil Aalfischen hier nicht als spontane Wortschöpfung erklärt werden muss. Die Form erscheint als verständliche Bezeichnung einer realen Fangtätigkeit mitsamt den dazugehörigen Geräten. Das Wort war damit spätestens in der Mitte des 19. Jahrhunderts ohne Weiteres verständlich.

Ein weiterer Beleg aus dem Jahr 1961 lautet, dass das Aalfischen sehr beliebt sei. Damit lässt sich eine Verwendung über mindestens ein Jahrhundert hinweg nachweisen. Im 20. Jahrhundert konnte das Wort sowohl traditionelle Fischerei als auch freizeitbezogenen Fischfang bezeichnen.

Regional besitzt das Aalfischen teilweise eine starke Tradition. Am Zwischenahner Meer etwa ist der Fang von Aalen über mehrere Generationen hinweg mit lokaler Fischerei und Aalräucherei verbunden. Solche regionalen Wirtschaftssysteme zeigen, dass Aalfischen weit über den unmittelbaren Fangvorgang hinaus kulturelle Bedeutung entwickeln konnte.

Für viele Fischerfamilien waren Kenntnisse über Aufenthaltsplätze, Wanderzeiten, Gewässerstruktur und geeignete Geräte Teil eines über Generationen weitergegebenen Erfahrungswissens. Aalfischen war daher nicht lediglich das Anwenden eines beliebigen Fanggeräts, sondern eine spezialisierte Form der Gewässernutzung.

Die Kenntnis des Gewässers war besonders deshalb entscheidend, weil Aale einen langgestreckten Körper besitzen und zahlreiche Versteckmöglichkeiten nutzen können. Uferunterspülungen, Steine, Wurzeln, Wasserpflanzen, Pfahlwerke und schlammige Bodenbereiche können geeignete Aufenthaltsräume bilden. Ein erfolgreiches Aalfischen setzt daher häufig Wissen über die kleinräumige Habitatstruktur voraus.

Auch Wetter und Wasserstand wurden traditionell beobachtet. Historische Quellen verbinden guten Aalfang beispielsweise mit dunklen Nächten, Niederschlag, Wind oder erhöhtem Abfluss. Solche Regeln beruhen teilweise auf langjähriger Erfahrung, dürfen aber nicht als unveränderliche biologische Gesetze behandelt werden.

Der Zusammenhang zwischen Aalfischen und Aalwanderung ist besonders deutlich. Eine starke gerichtete Wanderbewegung konzentriert Tiere räumlich und zeitlich. Dies erhöht ihre Erreichbarkeit für stationäre Fanggeräte. Deshalb wurden viele historische Aalfänge gerade an natürlichen oder künstlichen Engstellen eingerichtet.

Schon im 19. Jahrhundert wurde die bemerkenswerte Wanderbiologie des Aals ausführlich diskutiert, obwohl wichtige Teile seines Lebenszyklus noch unbekannt waren. Fischer wussten praktisch, wann und wo sich große Aalmengen bewegen konnten; Zoologen versuchten zugleich zu erklären, woher die Tiere kamen und wohin sie verschwanden.

Das Aalfischen war dadurch indirekt auch eine Quelle zoologischer Beobachtungen. Fangdaten, saisonale Unterschiede, Größenverteilung und Wanderzeiten lieferten Hinweise auf die Biologie der Tiere. Berufsfischer besaßen häufig Kenntnisse, die für naturkundliche Untersuchungen wertvoll waren, auch wenn sie nicht in moderner wissenschaftlicher Terminologie formuliert wurden.

Zwischen Aalfischen und Aalzucht besteht ebenfalls eine klare begriffliche Grenze. Aalfischen entnimmt Tiere einem Gewässer beziehungsweise Bestand. Aalzucht beziehungsweise Aalaquakultur bezeichnet dagegen die kontrollierte Haltung und Aufzucht. Da die europäische Aalproduktion traditionell wild gefangene Jungtiere benötigt, können beide Bereiche wirtschaftlich dennoch miteinander verbunden sein.

Auch Aalbesatz ist davon zu unterscheiden. Beim Besatz werden junge beziehungsweise vorgestreckte Aale in geeignete Gewässer ausgesetzt. Aalfischen ist dagegen die Entnahme. Historische Fischereibewirtschaftung konnte beide Tätigkeiten kombinieren: Gewässer wurden mit Aalen besetzt, damit später größere Tiere gefangen werden konnten.

Der Begriff besitzt keine Aussage darüber, ob die Tätigkeit gewerblich oder privat ausgeübt wird. Ein Berufsfischer kann Aalfischen betreiben, ebenso ein erlaubter Freizeitfischer. Der genauere Zusammenhang muss aus dem Kontext hervorgehen.

Ebenso enthält Aalfischen keine Aussage über die Legalität einer Fangmethode. Ob ein bestimmtes Gerät, eine bestimmte Jahreszeit, eine Fanggröße oder eine Form der Entnahme zulässig ist, richtet sich nach dem jeweils geltenden Fischereirecht. Historisch erlaubte Methoden können heute verboten oder eingeschränkt sein.

Gerade aktive Stechgeräte wie Aaleisen oder Aalpricke gehören deshalb primär in die historische Beschreibung des Aalfischens und dürfen nicht ohne Prüfung heutiger Rechtsvorschriften als gegenwärtig zulässige Fangmethoden verstanden werden.

Auch Fangzeiten und Schutzbestimmungen haben sich verändert. Der Europäische Aal befindet sich seit Jahrzehnten in einer kritischen Bestandssituation. Dadurch ist Aalfischen heute nicht nur Gegenstand der Fischerei, sondern zugleich der Fischereibiologie, Bestandsbewirtschaftung und des Artenschutzes.

Aus lexikalischer Sicht verändert dieser ökologische Zusammenhang die Grundbedeutung jedoch nicht. Aalfischen bedeutet weiterhin „Aale fangen beziehungsweise gezielt nach Aalen fischen“. Ob dieses Fischen in einem bestimmten Gewässer zulässig, nachhaltig oder wirtschaftlich sinnvoll ist, gehört zur sachlichen Bewertung und nicht zur semantischen Definition des Wortes.

Eine weitere Abgrenzung ist gegenüber Ausfischen erforderlich. Ein Gewässer ausfischen bedeutet, Fische daraus zu entnehmen beziehungsweise es durch Fang weitgehend zu leeren. Aalfischen enthält diese Vorstellung einer vollständigen oder besonders starken Entnahme nicht. Es bezeichnet lediglich die Zielart.

Auch mit Abfischen ist das Wort nicht gleichzusetzen. Abfischen kann beispielsweise die planmäßige Entnahme der Fische aus einem Teich am Ende einer Produktionsperiode bezeichnen. Aalfischen kann dagegen in offenen natürlichen Gewässern stattfinden und setzt keinen vorher angelegten Bestand voraus.

Von Fischfang unterscheidet sich das Wort durch seine Spezialisierung auf den Aal. Die begriffliche Hierarchie lautet:

Fischfang beziehungsweise Fischen → Fang einer bestimmten Fischart → Aalfischen.

Als Unterformen des Aalfischens lassen sich wiederum methodisch unterscheiden:

Aalfischen → Aalangeln;

Aalfischen → Reusenfischerei auf Aal;

Aalfischen → Aalschnurfischerei;

Aalfischen → Aalstechen;

Aalfischen → Aalpricken;

Aalfischen → Fang mit Aalwehr beziehungsweise Aalzaun.

Die unterschiedlichen Unterbegriffe verdeutlichen, weshalb die knappe Grunddefinition „das Fangen von Aalen“ lexikographisch besonders treffend ist. Sie legt keine Methode fest und erfasst damit das gesamte historische und moderne Bedeutungsspektrum.

Das Wort Aalfischen ist heute gegenüber Aalfang, Aalfischerei und Aalangeln weniger häufig als selbständiges Lemma, bleibt aber vollkommen durchsichtig und jederzeit verständlich. Es besitzt keine ausgeprägte archaische Undurchsichtigkeit wie Aalsprung oder manche regionalen Namen historischer Fanggeräte.

Seine Transparenz beruht darauf, dass sowohl Aal als auch fischen zum lebendigen allgemeinen deutschen Wortschatz gehören. Auch jemand, der das zusammengesetzte Substantiv noch nie zuvor gelesen hat, kann seine Bedeutung aus den Bestandteilen unmittelbar erschließen.

Lexikographisch lässt sich Aalfischen daher definieren als das gezielte Fischen nach beziehungsweise Fangen von Aalen mit dafür geeigneten Fanggeräten; Oberbezeichnung für unterschiedliche Formen des gewerblichen oder nichtgewerblichen Aalfangs.

Etymologie

Lemma Aalfischen
Wortbildung Aal + Fischen
Wortart Substantiv
Genus Neutrum
Singular das Aalfischen
Genitiv des Aalfischens
Plural gewöhnlich kein Plural
Bestimmungswort Aal
Grundwort substantivierter Infinitiv Fischen
Fugenelement kein Fugenelement
Bildungstyp substantivisches Determinativkompositum mit substantiviertem Infinitiv als Grundwort
Semantische Relation Objekt- beziehungsweise Zielrelation
Grundbedeutung das Fangen von Aalen
Frühester hier sicher nachgewiesener Beleg 1861

Die formale Wortbildungsstruktur lautet:

Aal + Fischen → Aalfischen.

Aalfischen ist ein substantivisches Determinativkompositum, dessen Grundwort ein substantivierter Infinitiv ist. Das Verb fischen wird zu das Fischen substantiviert; das vorangestellte Aal bestimmt anschließend genauer, auf welche Fischart sich diese Tätigkeit richtet.

Die morphologische Entwicklung lässt sich deshalb in zwei Stufen darstellen:

fischen → das Fischen;

Aal + Fischen → das Aalfischen.

Das Grundwort ist somit nicht das Substantiv Fisch. Aalfischen ist insbesondere nicht aus Aalfisch + -en gebildet und darf etymologisch nicht mit Aalfisch verwechselt werden. Aalfisch kann eine zoologische Tierbezeichnung sein; Aalfischen bezeichnet dagegen eine Tätigkeit.

Das grammatische Geschlecht folgt dem allgemeinen Muster substantivierter Infinitive. Es heißt:

das Fischen → das Aalfischen.

Der Genitiv lautet des Aalfischens. Ein regulärer Plural wird normalerweise nicht gebraucht, weil das Wort eine Tätigkeit beziehungsweise einen Vorgang als abstrakte Einheit bezeichnet. Wenn verschiedene Fangformen gemeint sind, spricht man eher von Arten des Aalfischens oder Methoden des Aalfischens.

Das Wort wird entsprechend seiner substantivischen Funktion großgeschrieben. Zu unterscheiden sind:

Aale fischen – verbale Wortgruppe;

das Aalfischen – zusammengesetztes Substantiv.

Im Satz Sie fischen Aale ist fischen ein Verb und Aale dessen Objekt. In Das Aalfischen beginnt am Abend ist der gesamte Vorgang in einem Substantiv zusammengefasst.

Diese Beziehung zwischen syntaktischer Wortgruppe und Kompositum lässt sich semantisch darstellen als:

Aale fischen → Fischen von Aalen → Aalfischen.

Das Bestimmungswort Aal steht dabei im Singular, obwohl beim Aalfischen gewöhnlich nicht notwendig nur ein einzelner Aal gemeint ist. Dies entspricht einer typischen Eigenschaft deutscher Komposita: Tierbezeichnungen können im Bestimmungswort generisch verwendet werden. Aal- bezeichnet die Tierart als Fangziel.

Zwischen beiden Bestandteilen steht kein Fugenelement:

Aal + Fischen → Aalfischen.

Formen wie *Aalsfischen, *Aalenfischen oder *Aalesfischen gehören nicht zur etablierten Wortbildung.

Die semantische Beziehung zwischen Bestimmungs- und Grundwort ist eine Objekt- beziehungsweise Zielrelation. Das Bestimmungswort bezeichnet dasjenige Tier, auf das sich die im Grundwort ausgedrückte Tätigkeit richtet:

Aalfischen = Fischen nach beziehungsweise Fangen von Aalen.

Damit unterscheidet sich die Relation etwa von Aalwanderung. Bei Aalwanderung ist der Aal selbst Träger der Handlung: Der Aal wandert. Beim Aalfischen ist der Aal dagegen Objekt beziehungsweise Ziel der Tätigkeit: Ein Mensch fischt nach dem Aal.

Die Gegenüberstellung lautet:

Aalwanderung = der Aal wandert;

Aalfischen = jemand fischt Aale beziehungsweise nach Aalen.

Auch von Aalhandel unterscheidet sich die semantische Relation. Dort bezeichnet Aal eine Handelsware; bei Aalfischen bezeichnet es das Fangobjekt. In Aalzucht ist der Aal wiederum das Tier, das aufgezogen beziehungsweise gezüchtet wird.

Das Erstglied Aal gehört zum alten germanischen Wortschatz. Althochdeutsch und mittelhochdeutsch ist āl belegt. Verwandte Formen finden sich unter anderem in niederländisch aal, englisch eel, dänisch und schwedisch ål sowie weiteren germanischen Sprachen. Die weiter zurückreichende Herkunft des Fischnamens ist nicht abschließend geklärt.

Das Grundwort Fischen geht auf das Verb fischen zurück. Dieses ist bereits althochdeutsch als fiscōn und mittelhochdeutsch als vischen belegt. Die Grundbedeutung lautet seit alter Zeit „Fische fangen“ beziehungsweise „Fischfang betreiben“.

Das Verb gehört unmittelbar zur Wortfamilie des Substantivs Fisch. Althochdeutsch lautet dieses fisk, mittelhochdeutsch visch. Duden verweist bei Fisch außerdem auf lateinisch piscis, das zu einer weiter zurückreichenden indogermanischen Wortverwandtschaft gehört.

Die historische Wortbildungsfolge lautet damit grundsätzlich:

Fisch → fischen „Fische fangen“ → Fischen „das Fangen von Fischen“ → Aalfischen „das Fangen von Aalen“.

Das Verb fischen ist semantisch weiter als angeln. Schon sprachgeschichtlich bezeichnet es allgemein das Fangen von Fischen und ist nicht an eine bestimmte Fangtechnik gebunden. Diese alte allgemeine Bedeutung wird im Kompositum Aalfischen vollständig bewahrt.

Dadurch unterscheidet sich Aalfischen auch wortbildungsmäßig von Aalangeln. Beide Wörter besitzen einen substantivierten Infinitiv als Grundwort:

Aal + Fischen → Aalfischen;

Aal + Angeln → Aalangeln.

Die Grundwörter legen jedoch unterschiedliche methodische Reichweiten fest. Fischen ist der weitere Begriff; Angeln bezeichnet den Fang mit Angelgerät.

Vergleichbare deutsche Bildungen sind Forellenfischen, Lachsfischen, Hechtfischen oder allgemein Fischfischen, wobei manche Kombinationen üblicher beziehungsweise idiomatischer sind als andere. Produktiv ist das Muster jedenfalls klar: Eine Tier- beziehungsweise Fischbezeichnung kann einem substantivierten Tätigkeitsinfinitiv vorangestellt werden.

Aalfischen steht außerdem in einer umfangreichen Reihe von Komposita, die unterschiedliche Handlungen am Aal ausdrücken:

Aalangeln – Aale mit der Angel fangen;

Aalpricken – Aale mit einer Pricke fangen;

Aalstechen – Aale mit einem Stechgerät fangen;

Aalschlachten – Aale schlachten;

Aalfischen – Aale fischen beziehungsweise fangen.

Bei all diesen Bildungen steht Aal- als Bestimmungswort vor einer substantivierten Tätigkeitsbezeichnung. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Etymologie klassifiziert Aalfischen entsprechend als substantivisches Determinativkompositum mit substantiviertem Infinitiv als Hinterglied.

Der früheste in den hier zugrunde gelegten Quellen sicher nachgewiesene Beleg stammt aus 1861. In der Zeitschrift Psyche wird von den zum Aalfischen gehörenden Vorrichtungen und Geräten gesprochen. Damit ist sowohl die Wortform als auch die Bedeutung „Fangen von Aalen“ eindeutig dokumentiert.

Die Passage ist insofern ungewöhnlich, als sie einen psychologischen beziehungsweise philosophischen Gegenstand metaphorisch mit einem Aal und dessen Fang vergleicht. Gerade diese metaphorische Verwendung zeigt jedoch, dass die reale Tätigkeit des Aalfischens und die zugehörigen Geräte beim damaligen Leser als verständliches Vergleichsbild vorausgesetzt werden konnten.

Der Beleg bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Wort erst 1861 entstanden wäre. Aufgrund der vollkommen transparenten Bildung kann Aalfischen erheblich älter sein. Ein erster sicher greifbarer Schriftbeleg ist grundsätzlich von der tatsächlichen Entstehungszeit eines Wortes zu unterscheiden.

Die Sachgeschichte ist jedenfalls wesentlich älter. Aale wurden im deutschen und europäischen Raum bereits lange vor dem 19. Jahrhundert mit Reusen, Wehren, Haken, Fischzäunen und anderen Geräten gefangen. Das Wort Aalfang ist ebenfalls deutlich früher belegt. Die Tätigkeit, die später beziehungsweise daneben als Aalfischen bezeichnet wurde, besitzt somit eine jahrhundertelange Vorgeschichte.

Dass Aalfang älter schriftlich dokumentiert ist, lässt keine zwingende Aussage darüber zu, welches Wort in der gesprochenen Sprache zuerst verwendet wurde. Aalfang eignete sich aufgrund seiner zusätzlichen konkreten Bedeutungen besonders für Rechts-, Orts- und Wirtschaftstexte, während Aalfischen den unmittelbaren Tätigkeitsvorgang bezeichnet.

Ein weiterer sicherer Beleg findet sich 1961 im Jahrbuch für Heimatkunde im Kreis Oldenburg-Holstein mit der Feststellung, das Aalfischen sei sehr beliebt. Das Wort wird dort ohne Erklärung verwendet und gehört offensichtlich zum allgemein verständlichen Fischerei- beziehungsweise Freizeitwortschatz.

Wortgeschichtlich zeigt sich damit eine bemerkenswerte Stabilität. Die Grundbedeutung von 1861 und die heutige transparent erschließbare Bedeutung stimmen überein:

Aalfischen = das Fangen von Aalen.

Ein wesentlicher Bedeutungswandel hat nicht stattgefunden. Verändert haben sich vielmehr die Methoden, rechtlichen Bedingungen und ökologischen Rahmenbedingungen der bezeichneten Tätigkeit.

Die starke Konkurrenz durch Aalfang, Aalfischerei und Aalangeln erklärt, weshalb Aalfischen trotz seiner Transparenz nicht in jedem Kontext die häufigste Bezeichnung ist. Die verschiedenen Wörter übernehmen teilweise unterschiedliche kommunikative Funktionen.

Aalfang ist besonders kompakt und kann Fangvorgang sowie Fangergebnis bezeichnen. Aalfischerei eignet sich besonders für professionelle, wirtschaftliche und institutionelle Zusammenhänge. Aalangeln ist präzise für die Freizeit- beziehungsweise Hakenfischerei. Aalfischen bleibt dagegen eine besonders unmittelbare Tätigkeitsbezeichnung mit breiter methodischer Reichweite.

Diese Bedeutungsabgrenzung lässt sich zusammenfassen:

Aalfang – das Fangen von Aalen; zusätzlich Fangmenge, historisch Fangzeit oder Fangstelle;

Aalfischerei – das Fischen auf Aal, besonders als fischereiliche Tätigkeit oder Wirtschaftszweig;

Aalangeln – Fang von Aalen mit Angelgerät;

Aalfischen – das praktische Fischen nach beziehungsweise Fangen von Aalen, ohne Festlegung auf eine bestimmte Fangmethode.

Die Etymologie des Gesamtwortes ist damit vollständig transparent und lässt sich ohne hypothetische Zwischenstufen erklären. Seine Geschichte beruht nicht auf einer heute verlorenen Fachbedeutung eines der beiden Bestandteile, sondern auf einer regulären deutschen Wortbildung.

Die etymologische Gesamtentwicklung lautet:

Fisch, althochdeutsch fisk, mittelhochdeutsch visch → fischen, althochdeutsch fiscōn, mittelhochdeutsch vischen „Fische fangen“ → substantiviert das Fischen → Verbindung mit Aal, althochdeutsch und mittelhochdeutsch āl → Aalfischen „das Fangen von Aalen“, spätestens 1861 sicher schriftlich belegt.