Aalsprung

Lexikon

Aalsprung ist eine historische Bezeichnung für eine Fangvorrichtung beziehungsweise einen besonders eingerichteten Fangplatz zum Fang von Aalen. Das Wort gehört zum älteren Wortschatz der Fischerei und ist im heutigen allgemeinen Deutschen weitgehend ungebräuchlich. Seine fachgeschichtliche Bedeutung ergibt sich aus historischen Wörterbuch- und Fachquellen: Pierers Universal-Lexikon erklärt Aalsprung 1857 ausdrücklich als gleichbedeutend mit Aalfang; ein dreisprachiges technisches Wörterbuch von 1903 stellt dem englischen Ausdruck eel dam die deutschen Bezeichnungen Aalwehr und Aalsprung gegenüber. Damit ist für die ältere Fachsprache eine technische Bedeutung als Aalfangvorrichtung beziehungsweise wehrartige Fanganlage gesichert.

Diese Bedeutung ist von der heute zunächst naheliegenden wörtlichen Interpretation „Sprung eines Aals“ zu unterscheiden. Formal könnte die Zusammensetzung für einen gegenwärtigen Sprecher ohne historischen Kontext ohne Weiteres eine springende Bewegung eines Aals bedeuten, ähnlich wie Hechtsprung eine bestimmte Sprungbewegung bezeichnet. Für das historisch lexikalisierte Wort Aalsprung ist jedoch gerade diese Lesart nicht die maßgebliche Wörterbuchbedeutung. Die überlieferten Fachquellen ordnen das Wort dem Aalfang und nicht der Bewegungsbeschreibung des Fisches zu.

Der historische Aalsprung gehört damit in ein umfangreiches terminologisches Feld traditioneller Einrichtungen für den Aalfang. Dazu zählen Aalwehr, Aalzaun, Aallegge, Aalkasten, Aalreuse, Aalhamen und weitere regional oder konstruktiv differenzierte Einrichtungen. Nicht alle diese Wörter bezeichnen exakt dieselbe Konstruktion; sie gehören jedoch zu einem gemeinsamen technischen Bereich, in dem wandernde Aale durch Zäune, Wehre, Gerinne, Reusen, Kästen oder andere Leit- und Fangvorrichtungen konzentriert und gefangen wurden.

Besonders eng ist die Verbindung zum Aalwehr. Ein Aalwehr ist eine feste oder teilweise feste Einrichtung in einem Fließgewässer, bei der Pfähle, Zäune, Horden oder vergleichbare Bauteile den Wasserlauf ganz oder teilweise sperren beziehungsweise verengen. Die Konstruktion lenkt die Fische zu einer bestimmten Öffnung oder zu einem Fanggerät wie Reuse, Hamen oder Fischkorb. Das technische Wörterbuch von 1903 behandelt Aalsprung ausdrücklich als deutsche Entsprechung neben Aalwehr für englisch eel dam. Daraus ergibt sich, dass der Aalsprung zumindest in dieser Quelle nicht irgendein beliebiges Handgerät, sondern eine stationäre beziehungsweise ortsgebundene Fangeinrichtung bezeichnet.

Der Begriff Aalfang selbst war historisch breiter als im heutigen gewöhnlichen Sprachgebrauch. Er konnte erstens die Tätigkeit des Fangens von Aalen, zweitens die günstige Fangzeit und drittens einen Ort beziehungsweise eine besondere Einrichtung bezeichnen, an der Aale gefangen wurden. Wenn Pierer 1857 Aalsprung mit Aalfang gleichsetzt, ist im Zusammenhang des Gerätenamens vor allem diese dritte, konkrete Bedeutung relevant: eine Fangstelle beziehungsweise Fangvorrichtung.

Historische Aalfänge konnten an Stellen eingerichtet werden, an denen die natürliche Wanderbewegung der Aale technisch genutzt werden konnte. Besonders ergiebig waren Wasserläufe mit Gefälle, Mühlengerinne, Wehre, Ausläufe von Seen und andere Engstellen. Dort ließen sich die Tiere durch konstruktive Elemente in einen begrenzten Bereich beziehungsweise unmittelbar in ein Fanggerät führen.

Eine typische wehrartige Aalfanganlage bestand aus eingeschlagenen Pfählen, dazwischen befestigten Zäunen, Flechtwerk, Horden oder anderen wasserbeständigen Barrieren. Die Anlage sperrte nicht notwendigerweise den gesamten Wasserquerschnitt völlig ab. Vielmehr konnte sie das Wasser und insbesondere die wandernden Fische in Richtung eines definierten Durchlasses lenken. Dort wurden Aalreusen, Hamen, Körbe oder andere Fangbehälter angebracht.

Dieses Fangprinzip ist eng mit der Biologie des Europäischen Aals verbunden. Aale sind Wanderfische. Während juvenile Tiere in Küsten- und Binnengewässer einwandern können, verlassen ältere Silberaale ihre Wachstumsgewässer wieder und wandern flussabwärts in Richtung Meer. Feste Fanganlagen konnten besonders diese gerichteten Wanderbewegungen ausnutzen.

Für den historischen Fischereibetrieb war dabei von Bedeutung, dass die Tiere nicht aktiv mit einer Handangel gesucht werden mussten. Eine richtig platzierte Anlage wirkte als Selbstfang: Die natürliche Strömung und Wanderungsrichtung führte die Aale zur Fangeinrichtung. Dieser Mechanismus unterscheidet einen Aalsprung beziehungsweise ein Aalwehr von aktiv geführten Geräten wie Aaleisen, Aalpricke, Aalspieß oder Aalgabel.

Beim Aaleisen oder Aalstecher sucht der Fischer den Fisch unmittelbar und versucht, ihn mit einem gezinkten Werkzeug zu erfassen. Bei einer Aalschnur werden zahlreiche beköderte Haken ausgelegt. Die Aalglippe dient dazu, aufgescheuchte Fische in eine netzartige Fangvorrichtung zu treiben. Ein Aalsprung gehört dagegen nach den historischen Gleichsetzungen zum Bereich der festen beziehungsweise ortsgebundenen Fangeinrichtungen.

Auch vom Aalgang, von der Aalleiter und von der Aaltreppe muss das Wort abgegrenzt werden. Diese Einrichtungen dienen primär dazu, wandernden Aalen die Überwindung eines Hindernisses zu ermöglichen. Sie sind Fischpässe beziehungsweise Aufstiegshilfen. Der historische Aalsprung dient dagegen nach den bekannten Quellen dem Fang der Tiere.

Die Gegenüberstellung ist kulturgeschichtlich bemerkenswert. An demselben Wehr kann eine ältere Fischereiwirtschaft daran interessiert sein, wandernde Aale in eine Fangvorrichtung zu leiten, während moderne Gewässerökologie möglichst eine sichere Durchgängigkeit schaffen will. Wörter wie Aalsprung, Aalwehr und Aalkasten gehören deshalb zu einer älteren Nutzungsperspektive auf das Fließgewässer.

Der konkrete Aufbau eines Aalsprungs lässt sich aus der knappen Wörterbuchgleichung allein nicht bis ins letzte konstruktive Detail rekonstruieren. Historische Quellen definieren das Wort vor allem durch Synonymie: Aalsprung = Aalfang beziehungsweise Aalsprung/Aalwehr = eel dam. Es wäre deshalb methodisch falsch, jedem Aalsprung ohne zusätzlichen Einzelbeleg eine bestimmte Zahl von Pfählen, einen bestimmten Winkel, eine bestimmte Reusenform oder einen exakt vorgeschriebenen Wasserbau zuzuschreiben.

Sicher ist dagegen der funktionale Kern: Der Aalsprung gehört zu den Einrichtungen, mit denen ein Gewässer beziehungsweise ein Teil des Gewässers für den Fang wandernder Aale technisch eingerichtet wurde. Je nach regionaler Bauweise konnten Barriere, Leitwerk und eigentliche Fangvorrichtung unterschiedlich kombiniert sein.

Der englische Fachausdruck eel dam, mit dem Aalsprung 1903 übersetzt wird, unterstützt diese Deutung. Dam bezeichnet hier eine damm-, wehr- oder sperrenartige Anlage und nicht ein tragbares Fischereigerät. Die französische Entsprechung anguillière gehört ebenfalls in das Bedeutungsfeld spezieller Anlagen beziehungsweise Einrichtungen für den Aalfang.

Der Aalsprung steht damit dem Aalzaun besonders nahe. Historische Aalzäune sperrten beziehungsweise verengten einen Wasserlauf mit Pfählen und Flechtwerk und führten die Aale in Fangvorrichtungen. Ein vollständiges Synonymieverhältnis zwischen allen Bezeichnungen sollte dennoch nicht ohne konkrete Regionalquelle vorausgesetzt werden, weil traditionelle Fischereiwörter häufig lokale Konstruktionsvarianten benennen.

Auch Aallegge ist als regionale Bezeichnung eines Aalwehrs belegt. Das Wort wurde mit Lage im Sinn von „Nachstellung“ erklärt. Zusammen mit Aalsprung, Aalfang, Aalwehr und Aalzaun zeigt es die außerordentlich vielfältige historische Benennung derselben Grundidee: Die Wanderwege des Aals werden durch eine künstliche Anlage für den Fang nutzbar gemacht.

Ein Aalkasten kann ebenfalls Bestandteil beziehungsweise spezielle Form eines solchen Fangs sein. Aalkästen wurden insbesondere an Gewässern mit einem Gefälle beziehungsweise Wasserfall eingerichtet. Das Wasser wurde über Gerinne geführt, während die Aale in einen geeigneten Fangraum gelangten. Der Begriff bezeichnet jedoch einen konkreteren Bautyp als das knapper dokumentierte Aalsprung.

Die historische Aalfischerei war stark von den jeweiligen lokalen Wasserverhältnissen abhängig. Seen mit Ausläufen, Mühlenbäche, Flüsse mit Wehren und künstlich regulierte Wasserläufe boten unterschiedliche Möglichkeiten, die Wanderung der Tiere zu konzentrieren. Entsprechend entwickelte sich eine große Anzahl regionaler Geräte- und Anlagenbezeichnungen.

Diese Wörter sind zugleich Zeugnisse einer Zeit, in der Aal in vielen europäischen Binnengewässern einen erheblichen wirtschaftlichen Wert besaß. Feste Fangrechte an bestimmten Wehren oder Gewässerabschnitten konnten Teil von Grundbesitz, Pachtverträgen, herrschaftlichen Rechten und lokalen Fischereiordnungen sein. Eine ergiebige Aalfanganlage stellte daher einen wirtschaftlichen Vermögenswert dar.

Die Einrichtung einer solchen Fangstelle war im Unterschied zur einfachen Handangel mit erheblichem baulichem Aufwand verbunden. Pfähle mussten gesetzt, Flechtwerke erneuert, Fangbehälter gewartet und die Anlage gegen Hochwasser, Treibgut und Eisgang geschützt werden. Gerade weil die Vorrichtung ortsfest war, bestand eine enge Verbindung zwischen Fischereitechnik und Wasserbau.

Für die Bezeichnung Aalsprung ist dieser technische Kontext wichtiger als die heutige spontane Assoziation mit einer springenden Bewegung. Aale können zwar ihren Körper stark winden und unter geeigneten Bedingungen auch Hindernisse beziehungsweise feuchte Flächen überwinden, doch die historische Wörterbuchbedeutung des Kompositums bezeichnet keine zoologisch definierte Sprungbewegung.

Auch die bekannte Fähigkeit junger Aale, an feuchten rauen Oberflächen aufzusteigen, erklärt unmittelbar Wörter wie Aalleiter, nicht jedoch sicher das historische Wort Aalsprung. Eine etymologische Erklärung, wonach die Fangeinrichtung deshalb so heiße, weil Aale in sie „hineinspringen“ oder über sie „springen“ sollten, ist durch die derzeit greifbaren historischen Belege nicht gesichert.

Ebenso wenig darf der Aalsprung mit der historischen Sprungfischerei gleichgesetzt werden. Bei der Sprungfischerei wurden insbesondere Forellen mit künstlichen Insekten dazu gebracht, nach dem Köder zu springen. Historische Wörterbücher bezeichnen sogar den dabei verwendeten Angelhaken als Sprung. Dieser besondere Gebrauch des selbständigen Wortes Sprung ist zwar für die ältere Fischereisprache interessant, doch ein direkter etymologischer Zusammenhang mit Aalsprung ist nicht belegt.

Die Zurückhaltung ist hier lexikographisch wichtig. Das Grundwort Sprung ist in der festen historischen Verbindung Aalsprung semantisch nicht mehr unmittelbar aus dem heutigen Allgemeinwort Sprung erklärbar. Der gesamte Ausdruck muss deshalb teilweise als lexikalisierte historische Fachbezeichnung verstanden werden.

Ein weiterer Beleg für die Etablierung des Wortes findet sich im Technological Dictionary von Hoyer, Kreuter und Schlomann aus dem Jahr 1903. Dort wird englisch eel dam mit Aalwehr und Aalsprung wiedergegeben. Das Wort war demnach zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch als technischer deutscher Terminus bekannt genug, um in ein mehrsprachiges Fachwörterbuch aufgenommen zu werden.

Auch Daniel Sanders' historischer Deutscher Sprachschatz führt Aalsprung im Wortfeld des Aalfangs. Dort steht der Begriff neben Aalhorde, Aalkasten, Aalkorb, Aalreuse, Aalwehr und anderen Bezeichnungen. Diese lexikalische Nachbarschaft bestätigt die Einordnung als Fangvorrichtung.

Im heutigen Standarddeutsch ist Aalsprung in dieser technischen Bedeutung nahezu verschwunden. Moderne Fischereifachtexte verwenden präzisere Bezeichnungen wie Aalwehr, Reuse, Fangrinne, Aalfang, Fischfangvorrichtung oder konkrete konstruktive Bezeichnungen. Das Wort besitzt daher heute vor allem historischen, lexikographischen und volkskundlichen Wert.

Eine moderne spontane Neubildung Aalsprung im Sinn von „Sprung eines Aals“ wäre aufgrund der deutschen Wortbildung zwar grundsätzlich verständlich. Sie sollte jedoch von der historisch belegten Fachbedeutung getrennt werden. Ohne besonderen Kontext ist diese neue wörtliche Interpretation keine ausreichende Grundlage, die ältere lexikographische Definition zu verändern.

Der Ausdruck ist damit ein gutes Beispiel für semantische Undurchsichtigkeit historischer Komposita. Beide Bestandteile sind für sich genommen bekannt: Aal und Sprung. Die Gesamtbedeutung „Fangvorrichtung für Aale“ lässt sich aus den heutigen Standardbedeutungen der Bestandteile jedoch nicht zuverlässig vorhersagen. Erst die historische Überlieferung erschließt den fachsprachlichen Sinn.

Lexikographisch lässt sich Aalsprung daher am sichersten definieren als historische Fangvorrichtung beziehungsweise Fangstelle für Aale; insbesondere eine mit Aalwehr oder Aalfang vergleichbare stationäre Fangeinrichtung.

Etymologie

Lemma Aalsprung
Wortbildung Aal + Sprung
Wortart Substantiv
Genus Maskulinum
Grundbedeutung historische Fangvorrichtung für den Aalfang
Bestimmungswort Aal
Grundwort Sprung
Fugenelement kein Fugenelement
Frühester hier sicher dokumentierter Beleg 1857
Historische Synonymie Aalfang; in technischer Übersetzung auch Aalwehr
Heutiger Status historisch und fachsprachlich veraltet

Formal besteht Aalsprung aus den beiden Substantiven Aal und Sprung:

Aal + Sprung → Aalsprung.

Grammatisch richtet sich das Gesamtwort nach dem Grundwort Sprung. Es heißt daher der Aalsprung, Genitiv des Aalsprungs beziehungsweise des Aalsprunges. Ein regulär gebildeter Plural wäre die Aalsprünge, ist aufgrund der Seltenheit und historischen Spezialisierung des Wortes jedoch nur wenig zu erwarten.

Zwischen den beiden Bestandteilen steht kein Fugenelement. Die morphologische Struktur ist unmittelbar Aal + Sprung. Formen wie *Aalssprung oder *Aalensprung gehören nicht zur belegten Bildung.

Das Bestimmungswort Aal ist ein altes germanisches Fischwort. Althochdeutsch und mittelhochdeutsch ist āl belegt. Verwandte Formen finden sich unter anderem in niederländisch aal, englisch eel, dänisch und schwedisch ål sowie weiteren germanischen Sprachen. Die weiter zurückreichende Herkunft des Wortes gilt als nicht abschließend geklärt.

Das Grundwort Sprung geht auf spätalthochdeutsch beziehungsweise mittelhochdeutsch sprunc zurück und ist eine Substantivbildung zu springen. Das Verb ist althochdeutsch als springan und mittelhochdeutsch als springen belegt. Seine ältere Grundbedeutung liegt im Bereich „aufspringen, hervorschnellen, hervorbrechen“.

Im allgemeinen Wortschatz bezeichnet Sprung zunächst die Handlung beziehungsweise das Ergebnis des Springens. Daraus entstanden zahlreiche weitere Bedeutungen: ein Riss oder Spalt, eine abrupte Veränderung, bestimmte jagdsprachliche und technische Bedeutungen sowie spezielle Verwendungen in unterschiedlichen Handwerken und Fachsprachen.

Gerade diese historische Bedeutungsvielfalt ist für Aalsprung wichtig. Das moderne Allgemeinwort Sprung erlaubt keine sichere unmittelbare Erklärung dafür, weshalb eine Fangvorrichtung so bezeichnet wurde. Der Ausdruck ist deshalb synchron teilweise semantisch undurchsichtig.

Eine scheinbar einfache Erklärung wäre, das Wort auf die Bewegung eines Aals zurückzuführen: Der Aalsprung wäre danach ursprünglich eine Stelle beziehungsweise Vorrichtung gewesen, an der der Aal springt oder springen muss. Dafür liegt in den bisher sicher nachweisbaren Belegen jedoch kein ausdrücklicher Beweis vor. Pierer erklärt lediglich Aalsprung = Aalfang; das technische Wörterbuch von 1903 stellt Aalsprung neben Aalwehr als Übersetzung von eel dam.

Eine solche Bewegungserklärung sollte daher nicht als gesicherte Etymologie dargestellt werden. Sie bleibt höchstens eine mögliche semantische Motivation, solange kein älterer Beleg gefunden wird, der den Benennungsgrund ausdrücklich erläutert.

Hinzu kommt, dass Sprung in der älteren Fischereisprache selbst spezielle Bedeutungen besitzen konnte. Pierer nennt beispielsweise Sprung als Bezeichnung eines Angelhakens bei der Sprungfischerei. Bei dieser Fangart wurden künstliche Insekten über der Wasseroberfläche bewegt, damit Fische danach sprangen. Der Haken konnte entsprechend als Sprung bezeichnet werden.

Ein direkter Zusammenhang zwischen diesem Sprung und dem Grundwort von Aalsprung ist jedoch ebenfalls nicht belegt. Die sachlichen Kontexte unterscheiden sich erheblich: Die Sprungfischerei gehört zur Angeltechnik, während Aalsprung durch die Gleichsetzungen mit Aalfang, Aalwehr und eel dam dem Bereich stationärer Fangvorrichtungen zuzuordnen ist.

Etymologisch muss deshalb zwischen der formalen Wortbildung und der historischen Bedeutungsentstehung unterschieden werden. Formal ist die Bildung eindeutig: Aal + Sprung. Warum gerade das Grundwort Sprung für eine Aalfanganlage gewählt wurde, lässt sich mit den derzeit greifbaren Quellen nicht abschließend erklären.

Die lexikalische Geschichte ist dagegen eindeutig genug dokumentiert. Pierers Universal-Lexikon führt Aalsprung 1857 mit der knappen Erklärung „so viel wie Aalfang“. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Aalfang historisch außer dem Vorgang des Fangens auch den dafür eingerichteten Ort beziehungsweise die Fangvorrichtung bezeichnen konnte.

Der Wortbestandteil Fang zeigt eine vergleichbare Bedeutungsentwicklung. Fang kann sowohl den Vorgang beziehungsweise Erfolg des Fangens als auch eine konkrete Vorrichtung oder einen eingerichteten Fangplatz bezeichnen. Historische Aalfänge sind daher nicht bloß einzelne Fanghandlungen, sondern teilweise bauliche Anlagen.

Wenn Aalsprung mit einem solchen Aalfang gleichgesetzt wird, handelt es sich ebenfalls um eine konkrete Sachbezeichnung. Das Wort bezeichnet dann nicht „das Springen des Aals“, sondern eine für den Aal eingerichtete Fangstelle.

1903 wird diese Sachbedeutung weiter präzisiert. Das Technological Dictionary von Hoyer, Kreuter und Schlomann gibt für englisch eel dam deutsch Aalwehr und Aalsprung an. Dadurch rückt das Wort eindeutig in das Umfeld von Wehr, Sperre und wasserbaulicher Fangvorrichtung.

Die historische Wortfeldstruktur lässt sich daher ungefähr folgendermaßen darstellen:

Aalsprung ↔ Aalfang ↔ Aalwehr ↔ Aalzaun ↔ Aallegge

Diese Wörter sind nicht in jedem regionalen und technischen Kontext vollkommen austauschbar. Sie gehören jedoch demselben semantischen Feld stationärer Anlagen und Fangstellen für wandernde Aale an.

Besonders Aalwehr ist semantisch transparent: Aal + Wehr bezeichnet eine wehr- beziehungsweise sperrenartige Anlage für den Aalfang. Aalzaun benennt die entsprechende Konstruktion nach ihren Pfählen und Verzäunungen. Aallegge geht auf ein regionales Wort aus dem Bedeutungsfeld „Lage, Nachstellung“ zurück. Aalsprung ist innerhalb dieses Wortfeldes heute die am wenigsten transparente Bildung.

Daniel Sanders ordnet Aalsprung ebenfalls ausdrücklich dem Begriffsbereich Aalfang zu. Das Wort steht dort neben Aalhorde, Aalkasten, Aalkorb, Aalreuse, Aalstube und Aalwehr. Diese lexikographische Gruppierung bestätigt, dass die traditionelle Bedeutung des Wortes fest im Bereich der Fangtechnik lag.

Eine mögliche Erklärung für die spätere Seltenheit liegt gerade in dieser Undurchsichtigkeit. Wörter wie Aalwehr, Aalreuse oder Aalkasten benennen ihre Gegenstände für moderne Sprecher vergleichsweise unmittelbar. Bei Aalsprung ist die technische Bedeutung aus dem Grundwort Sprung nicht mehr erschließbar. Solche Bezeichnungen werden bei Veränderungen der Fachsprache leichter durch transparentere Ausdrücke verdrängt.

Wortgeschichtlich kann daher von einer Lexikalisierung und anschließenden Archaisierung gesprochen werden. Die Zusammensetzung war als Fachwort verständlich, solange sie innerhalb des entsprechenden Fischereiwortschatzes tradiert wurde. Mit dem Rückgang der bezeichneten Fangtechnik beziehungsweise ihrer regionalen Terminologie verlor das Wort seine allgemeine Verständlichkeit.

Die heutige spontane Interpretation „Sprung eines Aals“ stellt demgegenüber eine Neuinterpretation aus den synchronen Bestandteilen dar. Sie ist formal möglich, aber historisch nicht mit der belegten lexikalisierten Hauptbedeutung identisch.

Die etymologische Entwicklung lässt sich deshalb mit der nötigen Vorsicht folgendermaßen zusammenfassen:

Aal + Sprung → historischer Fischereiterminus Aalsprung „Aalfang, Fangvorrichtung beziehungsweise Fangstelle für Aale“.

Die formale Herkunft des Grundworts Sprung aus springen ist eindeutig; die konkrete historische Motivation dafür, warum eine Aalfanganlage als Sprung bezeichnet wurde, bleibt nach der derzeit greifbaren Quellenlage dagegen unsicher und sollte nicht durch eine unbelegte Erklärung ersetzt werden.