Aalglippe
Lexikon
Die Aalglippe ist ein historisches beziehungsweise traditionelles Fischfanggerät, das vor allem zum Fang von Aalen in flachen, bewachsenen Gewässerbereichen verwendet wurde. Sie gehört nicht zu den passiv ausgelegten Fanggeräten wie Aalreuse, Aalhamen oder Aalkorb, sondern zu einem aktiv bedienten Fangsystem: Ein Fischer hält beziehungsweise führt die Glippe am Gewässergrund, während ein zweiter Fischer die zwischen Wasserpflanzen oder unmittelbar über dem Boden befindlichen Fische aufscheucht und in die offene Fangvorrichtung treibt. Die damit verbundene Fangmethode heißt regional Tängen oder Glippen; entsprechend ist Täng beziehungsweise Tänge eine traditionelle Parallelbezeichnung für das Fanggerät.
Das Digitale Wörterbuch der deutschen Etymologie definiert Aalglippe knapp als „Fangvorrichtung für den Aalfang“. Ein ausführlicher historischer Beleg aus den Amtlichen Berichten über die Internationale Fischerei-Ausstellung zu Berlin beschreibt die Glippe 1881 als ein aus Latten gebildetes, liegendes, dreiseitiges und mit Netzwand bezogenes Prisma. Die Vorderseite war bis auf einen unteren Abschnitt geöffnet; in der Mitte befand sich eine lange Handhabe. Diese Beschreibung dokumentiert eine für die schleswig-holsteinische Fischerei charakteristische Bauform und zeigt, dass Aalglippe spätestens im späten 19. Jahrhundert als fachsprachliche Gerätebezeichnung etabliert war.
Die Grundkonstruktion lässt sich als länglicher, ungefähr prismatischer beziehungsweise dachförmiger Fangkorb beschreiben. Ein Rahmen aus Latten beziehungsweise Holzleisten bildet das tragende Gerüst. Darüber wird ein Netz, Maschendraht oder eine vergleichbare netzartige Bespannung gespannt. Mindestens eine Seite bleibt teilweise offen und dient als Eingang für die aufgescheuchten Fische. Eine lange Stange beziehungsweise Handhabe erlaubt es dem Fischer, die relativ breite Fangöffnung vom Boot oder vom flachen Wasser aus unmittelbar auf den Gewässergrund zu drücken.
Die genaue Gestalt war nicht überall vollkommen gleich. Historische Quellen und spätere Beschreibungen zeigen unterschiedliche Rahmengrößen, Netzmaterialien und Ausführungen der Fangöffnung. Das wesentliche konstruktive Merkmal besteht deshalb nicht in einem auf Zentimeter festgelegten Normalmaß, sondern in der Kombination aus starrem Rahmen, netzartiger Fangfläche, offener Eintriebseite und langer Bedienungsstange. Dadurch unterscheidet sich die Aalglippe von einer gewöhnlichen losen Netzwand ebenso wie von einer röhrenförmigen Reuse.
Für die Fischerei an der Schlei sind beispielsweise Geräte von ungefähr zweieinhalb Metern Breite und etwa achtzig Zentimetern Höhe beschrieben. Derartige Abmessungen zeigen, dass die Glippe trotz des einfachen Bauprinzips kein kleines Handnetz war. Sie bildete vielmehr eine verhältnismäßig breite Barriere beziehungsweise Auffangfläche, in die die am Grund befindlichen Fische hineingetrieben wurden.
Das Fangverfahren erforderte gewöhnlich mindestens zwei Personen. Ein Fischer positionierte die Aalglippe mit ihrer offenen Seite in Richtung des zu befischenden Gewässerabschnitts und drückte das Fanggerät auf den Grund. Der zweite Fischer bewegte sich in einiger Entfernung davor und bearbeitete Pflanzenbestand und Bodenzone mit einem langstieligen Scheuchgerät. Dieses Gerät wird unter anderem als Plümper, Pulscher oder Plümperstock bezeichnet.
Der Plümper beziehungsweise Pulscher besaß am unteren Ende typischerweise ein Querbrett oder eine T-förmige Konstruktion. Mit dieser wurde durch Wasserpflanzen, Tang und bodennahe Vegetation gestrichen, gestoßen beziehungsweise gefegt. Die dort ruhenden oder versteckten Aale wurden dadurch aufgeschreckt und bewegten sich vom Störreiz weg. Der Fischer richtete diese Scheuchbewegung so aus, dass die Tiere in Richtung der bereitstehenden Aalglippe flüchteten.
Das Verfahren beruhte somit nicht auf einem Köder. Die Fische wurden aktiv aus ihrem Aufenthaltsraum verdrängt. Auch eine selbsttätige Fangwirkung wie bei einer Reuse stand nicht im Mittelpunkt. Die Aalglippe funktionierte vielmehr als bewegliches Auffanggerät am Ende einer vom Menschen erzeugten Fluchtbewegung.
Die traditionelle Technik konnte mit zwei Booten ausgeführt werden. Bei der Fischerei auf der Schlei wurden die Boote teilweise parallel geführt beziehungsweise durch eine lange Stange in einem bestimmten Abstand gehalten. Von einem Boot aus wurde die Glippe auf dem Grund positioniert, während vom anderen Boot aus mit dem Pulscher gearbeitet wurde. Auf sehr flachem Wasser konnten die Fischer auch waten und das Verfahren ohne Boote durchführen.
Besonders geeignet waren flache Gewässerabschnitte mit dichter Unterwasservegetation und einem Übergang zwischen bewachsenem Uferbereich und tieferem beziehungsweise schlickigem Wasser. Dort konnten sich Aale tagsüber beziehungsweise bei bestimmten Witterungsbedingungen zwischen Pflanzen und unmittelbar am Grund aufhalten. Gerade diese Verstecke wurden durch den Pulscher systematisch gestört.
Obwohl das Fanggerät Aalglippe heißt, wurden damit nicht ausschließlich Aale gefangen. Historische und regionalgeschichtliche Beschreibungen nennen neben Aalen auch andere bodennah oder zwischen Pflanzen lebende Fische, beispielsweise Barsche, Plötzen, Hechte und Aalmuttern. Das Bestimmungswort Aal- bezeichnet daher die wichtigste beziehungsweise charakteristische Zielart, nicht eine technisch absolute Beschränkung auf diese Fischart.
Dieser Umstand ist für die lexikographische Einordnung wichtig. Aalglippe bedeutet nicht „Fanggerät, in das ausschließlich Aale gelangen können“, sondern „Glippe, die insbesondere zum Aalfang verwendet wird“. Die Wortbildung folgt damit demselben Prinzip wie zahlreiche traditionelle Fischereibezeichnungen, bei denen die Hauptzielart den Namen eines grundsätzlich auch andere Tiere erfassenden Geräts bestimmt.
Nach dem Eintrieb wurde die Glippe angehoben. Die Fische blieben dabei im netzbespannten Bereich beziehungsweise im Fangraum zurück und konnten anschließend entnommen oder in andere Netze beziehungsweise Behälter umgesetzt werden. Der Fangvorgang war daher unmittelbar vom koordinierten Handeln der beteiligten Fischer abhängig.
Die Fangtechnik wird als Tängen beziehungsweise Glippen bezeichnet. Die Gerätebezeichnung Täng oder Tänge steht regional neben Glippe. In der historischen Schlei-Fischerei bilden die Begriffe deshalb ein enges Wortfeld: Täng/Glippe bezeichnet das Fanggerät, tängen/glippen die zugehörige Fanghandlung.
Der heutige Gebrauch dieser Fangmethode ist stark zurückgegangen. Regionalgeschichtliche Darstellungen der Schleifischerei beschreiben das Tängen als eine ehemals erfolgreiche und weit verbreitete Form des mobilen Aalfangs, die heute nur noch selten beziehungsweise von einzelnen Gelegenheitsfischern betrieben wird. Damit gehört die Aalglippe inzwischen vor allem zum Wortschatz der historischen Fischerei, der Volkskunde und regionalen Sachkultur.
Im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert war die Situation anders. Die Aalglippe erscheint in systematischen Beschreibungen deutscher Fischereigeräte und wurde als charakteristisches Fanginstrument der schleswig-holsteinischen Küsten- und Binnengewässer dokumentiert. Eine Quelle von 1904 erwähnt ausdrücklich die Verwendung der Aalglippe in seichtem Wasser.
Die Amtlichen Berichte über die Internationale Fischerei-Ausstellung zu Berlin von 1881 enthalten eine besonders wichtige frühe Beschreibung. Dort heißt es zugleich, dass Glippe in Ostpreußen ein „ganz anderes Gerät“ bezeichne. Diese Bemerkung ist sprachgeschichtlich bedeutsam: Das Wort Glippe war keine im gesamten deutschen Sprachraum technisch vollkommen einheitliche Gerätebezeichnung. Seine konkrete Bedeutung konnte regional wechseln.
Dadurch erklärt sich, warum Aalglippe als zusammengesetzte Bezeichnung besonders zweckmäßig war. Das Bestimmungswort Aal- engte die allgemeinere beziehungsweise regional mehrdeutige Fischereibezeichnung Glippe ein. In einem konkreten schleswig-holsteinischen Zusammenhang konnte zwar schon Glippe genügen; außerhalb dieses lokalen Wortschatzes war Aalglippe eindeutiger.
Auch die moderne Beschreibung als eine besondere Form des Setzhamens beziehungsweise als rahmengehaltenes Netzgerät muss mit Blick auf die historischen Bauvarianten verstanden werden. Gemeinsam ist den Beschreibungen die durch einen festen Rahmen offen gehaltene Fangöffnung und die aktive Verwendung eines Scheuchgeräts. Eine schematische Gleichsetzung mit jedem beliebigen Hamen wäre dagegen zu weit.
Von der Aalreuse unterscheidet sich die Aalglippe vor allem im Fangprinzip. Eine Reuse wird gewöhnlich so gestellt, dass ein Fisch selbständig durch eine trichterförmige Kehle in einen Fangraum schwimmt, aus dem er nur schwer wieder entkommt. Die Glippe wird dagegen während des eigentlichen Fangvorgangs aktiv am Grund positioniert und mit dem gezielten Eintrieb der aufgescheuchten Tiere kombiniert.
Vom Aalhamen unterscheidet sie sich ebenfalls durch ihre charakteristische Rahmenkonstruktion und das Tängen. Historische Terminologie kann jedoch Überschneidungen aufweisen, weil Fanggeräte nicht in allen Regionen nach demselben fachlichen Klassifikationssystem benannt wurden.
Die Aalgabel beziehungsweise das Aaleisen arbeitet nach einem grundsätzlich anderen Prinzip. Mit diesen Geräten werden Aale durch Zinken, Spitzen oder Klemmteile unmittelbar erfasst beziehungsweise verletzt. Die Aalglippe besitzt dagegen eine netzartige Fangfläche und soll den aufgescheuchten Fisch aufnehmen. Sie gehört damit nicht zur gleichen Gruppe der Stechfanggeräte.
Auch von einer Aalwade ist die Aalglippe zu unterscheiden. Eine Wade ist ein Zugnetz, das über eine größere Fläche durch das Wasser beziehungsweise über den Grund gezogen wird. Die Glippe wird hingegen an einer bestimmten Stelle positioniert und bildet eine relativ kompakte, vom Fischer an einer Stange geführte Fangvorrichtung.
Die Geräteform lässt sich funktional als Verbindung von Fangnetz, Rahmen und Fangkorb verstehen. Das prismatische Lattengerüst sorgt dafür, dass die Fangvorrichtung auch unter Wasser ihre Gestalt behält. Die Netzbespannung verhindert, dass die eingetriebenen Tiere durch die Seiten entkommen, während die offene Fläche als Eintrieb dient.
Die lange Bedienungsstange ist ebenfalls konstruktiv wesentlich. Ohne sie könnte die großflächige Glippe vom Boot aus nicht gezielt am Grund gehalten werden. Sie verleiht dem Fischer Hebelwirkung und Abstand zum Fanggerät. Gleichzeitig kann die Glippe nach dem erfolgreichen Eintrieb angehoben werden.
Der Einsatz zweier verschiedener Geräte – Glippe und Pulscher – macht das Tängen zu einem arbeitsteiligen Fangverfahren. Der Fangkorb allein genügt nicht; ebenso wenig führt das bloße Aufscheuchen der Fische zum Fang. Erst die koordinierte Kombination aus Scheuchen und Auffangen bildet die eigentliche Methode.
Diese Arbeitsteilung erklärt auch den häufigen Einsatz von zwei Fischern. Einer übernimmt die Kontrolle des Fanggeräts, der andere die Treibarbeit. Bei der Bootsfischerei kommt zusätzlich die Aufgabe hinzu, beide Fahrzeuge so zu manövrieren, dass Fangöffnung und Treibrichtung aufeinander abgestimmt bleiben.
Die Aalglippe gehört damit zu einer vergleichsweise spezialisierten traditionellen Fangtechnik. Sie setzt genaue Kenntnisse des Gewässers, der Vegetation und des Aufenthaltsverhaltens der Fische voraus. Der Fischer muss wissen, in welchen Bereichen sich Aale wahrscheinlich aufhalten und aus welcher Richtung sie sinnvoll in das Fanggerät getrieben werden können.
Für die Geschichte der Schleifischerei ist die Glippe besonders gut dokumentiert. Die dortige Fischerei entwickelte zahlreiche an Bodengestalt, Wasserpflanzen, Wassertiefe und Zielarten angepasste Fanggeräte. Das Tängen beziehungsweise Glippen gehörte zu den mobilen Verfahren des Aalfangs und wurde teilweise noch im 20. Jahrhundert ausgeübt.
Die Aalglippe ist deshalb nicht lediglich ein veraltetes Werkzeug, sondern ein Sachzeugnis einer regionalen Fischereikultur. Konstruktion, Bedienung und Terminologie spiegeln eine Wirtschaftsform wider, in der Fanggeräte häufig lokal gebaut, an konkrete Gewässer angepasst und durch praktische Erfahrung über Generationen weiterentwickelt wurden.
Der Ausdruck ist zugleich ein Beispiel dafür, wie regionale Fachwörter durch Zusammensetzung präzisiert werden. Das Grundwort Glippe besitzt eine ältere niederdeutsche beziehungsweise nordseegermanische Wortgeschichte und konnte verschiedene netzartige Fanggeräte bezeichnen. Durch Aal- wird die fischereiliche Funktion spezifiziert.
Lexikographisch lässt sich Aalglippe deshalb zusammenfassend definieren als traditionelles, an einer Stange geführtes, rahmen- und netzartiges Fanggerät, in das vor allem bodennah zwischen Pflanzen lebende Aale mit einem besonderen Scheuchstock hineingetrieben werden.
Etymologie
Die Wortbildungsstruktur lautet:
Aalglippe ist ein substantivisches Determinativkompositum. Das Bestimmungswort Aal bezeichnet die charakteristische Zielart des Fanggeräts; das Grundwort Glippe bezeichnet den Typ der Fangvorrichtung. Die Gesamtbedeutung lautet daher unmittelbar „Glippe für den Aalfang“.
Das Genus wird vom Grundwort bestimmt: die Aalglippe. Entsprechend lautet der reguläre Plural die Aalglippen. Das Wort wird ohne Fugenelement gebildet. Eine Form wie *Aalsglippe oder *Aalenglippe entspricht nicht der etablierten Wortbildung.
Das Erstglied Aal gehört zum alten germanischen Fischwortschatz. Althochdeutsch und mittelhochdeutsch ist bereits āl belegt. Entsprechende Wörter stehen unter anderem in niederländisch aal, englisch eel, dänisch ål, schwedisch ål und weiteren germanischen Sprachen. Die weiter zurückreichende Herkunft des Fischnamens gilt als nicht abschließend geklärt.
Für die Etymologie des Gesamtwortes ist besonders das Grundwort Glippe aufschlussreich. Das Etymologische Wörterbuch des Althochdeutschen weist auf mittelniederdeutsch glepe, glippe mit der Bedeutung „Spalt, Ritze“ sowie auf neuere niederdeutsche Formen glipe, glippe für eine Zugreuse hin. Die Fischereibezeichnung wird dort ausdrücklich als nach der Öffnung des Fanggerätes benannt erklärt.
Damit gehört Glippe zu einer alten germanischen Wortfamilie, in der Bedeutungen wie schräg sein, einen Winkel bilden, offen stehen, Spalt, Ritze und Öffnung miteinander verbunden sind. Mittelniederländische und nordgermanische Entsprechungen besitzen ebenfalls Bedeutungen wie „Spalt“, „Öffnung“, „Schlund“ oder „Fischreuse“.
Das Etymologische Wörterbuch stellt diese Wortfamilie in Zusammenhang mit mittelhochdeutsch glîfen „schräg, abschüssig sein“ und verwandten Formen. Daraus entwickelte beziehungsweise differenzierte sich eine Wortgruppe, bei der die Vorstellung einer schräg oder winklig auseinanderstehenden Öffnung eine wichtige Rolle spielt. Eine solche Bedeutungsentwicklung ist für ein Fanggerät mit charakteristischer offener Fangseite unmittelbar nachvollziehbar.
Daneben steht die verwandte Wortfamilie um glippen „gleiten, entgleiten“. Beide Bereiche hängen historisch mit Formen zusammen, die Schrägstellung, Öffnung beziehungsweise gleitende Bewegung bezeichnen. Für die konkrete Fischereibezeichnung Glippe ist jedoch besonders die Bedeutung „Öffnung; Reuse mit Öffnung“ relevant.
Die semantische Entwicklung kann vereinfacht folgendermaßen dargestellt werden:
schräg beziehungsweise winklig stehen → Öffnung, Spalt → Fanggerät mit charakteristischer Öffnung → Glippe als Fischereigerät → Aalglippe als Glippe zum Aalfang.
Dieser Zusammenhang erklärt zugleich, warum die Bezeichnung nicht unmittelbar von einer bestimmten geometrischen Form wie „Dreieck“ oder „Prisma“ abgeleitet werden muss. Entscheidend für die ältere Benennung war offenbar die offene beziehungsweise fangende Struktur des Geräts.
Das Grundwort war regional nicht vollkommen eindeutig. Die fischereikundliche Beschreibung von 1881 hebt ausdrücklich hervor, dass Glippe in Ostpreußen ein anderes Gerät bezeichnete als die an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste beschriebene Aalglippe. Das Wort gehörte damit zu einer regional differenzierten Fischereiterminologie.
Gerade diese regionale Mehrdeutigkeit macht das Bestimmungswort Aal- semantisch funktional. Aalglippe legt fest, dass die für den Aalfang bestimmte beziehungsweise typischerweise dafür verwendete Form der Glippe gemeint ist.
Historisch ist die Zusammensetzung spätestens für das 19. Jahrhundert eindeutig belegt. Die Amtlichen Berichte über die Internationale Fischerei-Ausstellung zu Berlin beschreiben 1881 ausdrücklich die „Glippe – Aalglippe“. Der Beleg ist besonders wertvoll, weil er neben dem Wort zugleich Konstruktion und Fangverfahren ausführlich erläutert.
1904 erscheint Aalglippe erneut in einer fischereiwissenschaftlichen Darstellung. Dort wird vermerkt, dass sie in seichtem Wasser benutzt werde. Die Belegfolge zeigt, dass das Kompositum um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert Bestandteil des deutschen Fischereifachwortschatzes war.
Eine Schreib- beziehungsweise Lautvariante Aalgliepe ist ebenfalls in der jüngeren fischereilichen Lexikographie dokumentiert. Die Schwankung Glippe/Gliepe passt zum dialektalen und niederdeutschen Charakter des Grundwortes. Für das standardsprachliche Lemma ist jedoch Aalglippe die heute übliche Form.
Die Parallelbezeichnung Täng beziehungsweise Tänge gehört nicht etymologisch zu Glippe, sondern ist ein eigenständiges regionales Wort für dasselbe beziehungsweise ein sehr ähnliches Fanggerät. Aus ihm wurde die Tätigkeitsbezeichnung Tängen gebildet. Umgekehrt steht neben Glippe die Verbalbezeichnung Glippen.
Wortgeschichtlich ist somit zwischen der Etymologie des Gerätnamens und der regionalen Synonymie zu unterscheiden. Aalglippe ist morphologisch aus Aal + Glippe zusammengesetzt; Täng ist keine Verkürzung oder lautliche Entwicklung von Aalglippe, sondern eine parallele traditionelle Benennung.
Das Benennungsmotiv des Kompositums ist eine Zweck- beziehungsweise Zielobjektrelation. Das Erstglied bezeichnet den Fisch, für dessen Fang das Gerät hauptsächlich bestimmt ist. Vergleichbare Bildungen sind Aalreuse, Aalhamen, Aalkorb, Aalgabel und Aaleisen.
Im Unterschied zu den meisten dieser Bildungen ist das Grundwort Glippe heute außerhalb regionaler und historischer Fischereisprache kaum allgemein bekannt. Dadurch wirkt das Gesamtwort Aalglippe für moderne Sprecher weniger transparent als beispielsweise Aalkorb oder Aalgabel. Historisch war die Bildung in ihrem regionalen Sprachraum dagegen unmittelbar verständlich.
Die Etymologie lässt sich damit zusammenfassend auf die Formel bringen:
Aal „Fisch“ + Glippe „netzartiges Fanggerät, ursprünglich nach seiner Öffnung benannt“ → Aalglippe „Glippe zum Fang von Aalen“.