Genesis 1,23 – Abend und Morgen: der fünfte Tag

Bibel: Genesis / 1. Mose
Kapitel: 1
Vers: 23

23 Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag.

Hebräischer Text:

וַיְהִי־עֶרֶב וַיְהִי־בֹקֶר יוֹם חֲמִישִׁי׃

Transliteration:

wayəhî-ʿereḇ wayəhî-ḇōqer yôm ḥămîšî

Wortnahe Übersetzung: „Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein fünfter Tag.“

Einleitung

Genesis 1,23 beschließt den fünften Schöpfungstag mit der inzwischen vertrauten Tagesformel: וַיְהִי־עֶרֶב וַיְהִי־בֹקֶר יוֹם חֲמִישִׁי, „Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein fünfter Tag.“ Formal entspricht der Vers den Schlussformeln von Genesis 1,5, Genesis 1,8, Genesis 1,13 und Genesis 1,19. Inhaltlich steht er jedoch an einer neuen Schwelle: Zum ersten Mal endet ein Schöpfungstag, nachdem selbstbewegte Tiere erschaffen, als gut beurteilt und ausdrücklich von Gott gesegnet worden sind.

Der fünfte Tag begann in Genesis 1,20 mit dem göttlichen Befehl, dass die Wasser von lebenden Wesen wimmeln und Flugtiere über der Erde am Himmelsfirmament fliegen sollten. Genesis 1,21 berichtete die Schöpfung der großen Meerestiere, der gesamten bewegten Wasserwelt und der geflügelten Tiere nach ihren Arten. In Genesis 1,22 trat mit וַיְבָרֶךְ, „und er segnete“, der erste ausdrückliche göttliche Segen der Bibel hinzu: Die Tiere sollen fruchtbar sein, sich vermehren und ihre Lebensräume füllen. Erst nachdem Entstehung, Differenzierung, Gutheißung und Zukunftsfähigkeit des tierischen Lebens beschrieben worden sind, folgt die Tagesgrenze.

Genesis 1,23 besitzt damit mehr als eine bloß chronologische Funktion. Der Vers bestätigt literarisch, dass der fünfte Schöpfungsabschnitt vollständig ist. Die Lebensräume Wasser und Luftraum besitzen nun nicht nur Bewohner; ihre Bewohner sind auch mit der Fähigkeit zur generationenübergreifenden Fortdauer ausgestattet. Der nächste Schöpfungstag kann deshalb zu den Landtieren und schließlich zum Menschen übergehen.

Die traditionelle deutsche Form „Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag“ gibt die Funktion der Formel knapp wieder, entspricht aber nicht genau ihrer hebräischen Syntax. Im Hebräischen steht kein Ausdruck „aus Abend und Morgen“. Vielmehr wird zweimal dasselbe finite Verb verwendet: וַיְהִי־עֶרֶב, „und es wurde Abend“, und וַיְהִי־בֹקֶר, „und es wurde Morgen“. Danach folgt ohne eigenes Verb die nominale Zusammenfassung יוֹם חֲמִישִׁי, „ein fünfter Tag“.

Die Tagesformel verbindet damit zwei unterschiedliche Zeitmodelle. Abend und Morgen kehren zyklisch wieder; die Ordinalzahl schreitet dagegen linear voran. Die Schöpfung bewegt sich in Rhythmen, ohne im Kreis stehenzubleiben. Mit jedem neuen Morgen ist eine weitere Stufe der geordneten Welt erreicht.

Parallelstellen

Genesis 1,5 enthält die erste Abend-Morgen-Formel: וַיְהִי־עֶרֶב וַיְהִי־בֹקֶר יוֹם אֶחָד. Auffällig ist dort noch יוֹם אֶחָד, „ein Tag“ beziehungsweise „Tag eins“, statt einer regulären Ordinalzahl. Genesis 1,23 steht dagegen längst innerhalb der etablierten ordinalen Tageszählung.

Genesis 1,8 schließt den zweiten Tag mit יוֹם שֵׁנִי, „ein zweiter Tag“, ab. Dieser zweite Tag ist für Genesis 1,23 besonders wichtig, weil der fünfte Tag literarisch auf die dort geschaffenen Bereiche Wasser und Himmelsraum zurückgreift und sie mit Lebewesen füllt.

Genesis 1,13 beendet den dritten Tag mit יוֹם שְׁלִישִׁי. Auch dort geht dem Tagesabschluss eine Phase biologischer Fruchtbarkeit voraus, nämlich die Entstehung samen- und fruchttragender Vegetation. Der fünfte Tag steigert dieses Motiv durch selbstbewegte, ausdrücklich gesegnete Tierwelt.

Genesis 1,19 bildet die unmittelbar vorausgehende Tagesformel: יוֹם רְבִיעִי, „ein vierter Tag“. Der vierte Tag hatte die Himmelslichter eingerichtet; der fünfte füllt die Wasser- und Lufträume mit tierischem Leben.

Genesis 1,20 eröffnet den fünften Tag und bildet daher mit Genesis 1,23 eine klare Rahmung. Zwischen „Und Gott sprach“ und „Und es wurde Abend und Morgen“ liegt die gesamte Schöpfung der Wasser- und Flugtiere.

Genesis 1,21 berichtet die tatsächliche Schöpfung der Tiergruppen, ihre Ordnung nach Arten und die göttliche Bewertung als gut. Genesis 1,23 schließt diesen positiven Schöpfungsakt zeitlich ab.

Genesis 1,22 steht unmittelbar vor der Tagesformel und ist deshalb für deren theologischen Sinn besonders wichtig. Der fünfte Tag endet erst, nachdem Gott die Tiere gesegnet und ihnen Fruchtbarkeit, Vermehrung und Lebensraumfülle zugesprochen hat.

Genesis 1,31 wird den sechsten Tag mit einer erweiterten Bewertung „sehr gut“ und der Formel יוֹם הַשִּׁשִּׁי, „der sechste Tag“, beenden. Dort steht im Hebräischen erstmals in einer Tagesabschlussformel der bestimmte Artikel bei der Ordinalzahl. Genesis 1,23 besitzt diesen Artikel noch nicht.

Genesis 2,1 blickt auf die vollendete Gesamtheit von Himmel, Erde und ihrem ganzen Heer zurück. Genesis 1,23 ist eine Etappe auf dem Weg zu dieser Vollendung: Nach fünf Tagen sind bereits fast alle großen Lebensräume mit ihren Bewohnern versehen.

Genesis 2,2 führt die Tagesfolge zum siebten Tag und zum Ende des göttlichen Werkes. Dadurch wird erkennbar, dass die nummerierten Tagesabschlüsse nicht Selbstzweck sind, sondern auf die Sabbatstruktur zulaufen.

Exodus 20,11 nimmt die sechstägige Schöpfung und den siebten Ruhetag als Begründung des Sabbatgebots auf. Die Tageszählung von Genesis 1 erhält damit innerhalb des Pentateuchs eine kultisch-ethische Wirkung.

Exodus 31,17 greift erneut auf das Sechs-Tage-Schema der Schöpfung zurück. Die literarische Zeitordnung von Genesis wird damit zu einem Modell menschlicher Arbeits- und Ruhezeit.

Psalm 104,25 beschreibt die mit zahllosen Lebewesen gefüllte Meereswelt. Inhaltlich entspricht diese poetische Schöpfungsfülle dem Werk, dessen Abschluss Genesis 1,23 markiert.

Psalm 104,30 verbindet Gottes Geist mit der Schöpfung und Erneuerung lebender Wesen. Der Psalm entfaltet damit die fortdauernde Lebensdimension, die in Genesis 1,22 durch den Segen eröffnet und in Genesis 1,23 als vollendetes Tageswerk abgeschlossen wird.

Wortanalyse

וַיְהִי, wayəhî, ist Qal Wayyiqtol, 3. Person maskulin Singular, der Wurzel היה, „sein, werden, geschehen“. In der Tagesformel kann die Form idiomatisch als „und es wurde“ beziehungsweise „und es war“ übersetzt werden. Das Verb steht zweimal und markiert nacheinander Abend und Morgen.

עֶרֶב, ʿereḇ, bedeutet Abend, Abendzeit beziehungsweise den Übergang vom hellen Tagesabschnitt zur Nacht. Innerhalb der Schöpfungsformel markiert der Abend das Ende der vorausgehenden Tätigkeitsphase.

Das zweite וַיְהִי besitzt dieselbe Form und Bedeutung. Durch die Wiederholung entsteht der charakteristische parallele Rhythmus des Satzes.

בֹּקֶר, bōqer, bedeutet Morgen, Morgenzeit beziehungsweise den Übergang aus der Nacht in den hellen Tagesabschnitt. Der Morgen schließt den vollständigen Zyklus ab und öffnet erzählerisch zugleich auf den nächsten Schöpfungstag hin.

יוֹם, yôm, bedeutet Tag. Wie bereits in früheren Versen besitzt das Wort innerhalb von Genesis 1 verschiedene kontextuelle Reichweiten. Es kann den hellen Abschnitt im Gegensatz zur Nacht bezeichnen, aber in den Tagesabschlussformeln bezeichnet es die gezählte Einheit der Schöpfungswoche.

חֲמִישִׁי, ḥămîšî, ist die maskuline Singularform der Ordinalzahl „fünfter“. Sie gehört zur Zahlenwortfamilie von חָמֵשׁ, „fünf“, und stimmt grammatisch mit dem maskulinen יוֹם überein.

Ein bestimmter Artikel steht in יוֹם חֲמִישִׁי nicht. Eine sehr textnahe Wiedergabe lautet deshalb „ein fünfter Tag“. Im Deutschen ist „der fünfte Tag“ aufgrund der bereits fest etablierten Reihenfolge idiomatisch und eindeutig. Die traditionelle Übersetzung setzt die kontextuelle Bestimmtheit sprachlich um.

Grammatik und Syntax

Genesis 1,23 besitzt dieselbe dreigliedrige Grundstruktur wie die vorausgehenden Tagesabschlüsse: erstens וַיְהִי־עֶרֶב, zweitens וַיְהִי־בֹקֶר, drittens יוֹם חֲמִישִׁי. Die ersten beiden Glieder enthalten ein finites Verb; das dritte ist eine Nominalgruppe ohne ausgedrücktes Verb.

Die beiden Wayyiqtolformen sind erzählende Verbformen. Sie dürfen nicht mit dem jussivischen beziehungsweise auffordernden יְהִי, „es werde“, verwechselt werden, das etwa in Genesis 1,3 im göttlichen Befehl „Es werde Licht“ erscheint. Genesis 1,23 gibt keinen neuen Schöpfungsbefehl, sondern erzählt den Eintritt zweier Zeitphasen.

Die Nominalgruppe יוֹם חֲמִישִׁי funktioniert als zusammenfassendes Etikett für die abgeschlossene Einheit. Man könnte sinngemäß ergänzen: „Das war ein fünfter Tag.“ Das Hebräische benötigt ein solches zusätzliches Verb jedoch nicht.

Die traditionelle deutsche Form „Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag“ verändert die syntaktischen Verhältnisse. Sie verwendet ein einziges Verb „ward“ und verbindet Abend und Morgen durch „aus“. Dadurch kann der Eindruck entstehen, der Tag werde aus zwei Bestandteilen zusammengesetzt. Das Hebräische erzählt dagegen zwei aufeinanderfolgende Übergänge und benennt anschließend die vollständig durchlaufene Tagesstufe.

Grammatisch ist außerdem bemerkenswert, dass die Tageszählung nach יוֹם אֶחָד in Genesis 1,5 seit dem zweiten Tag mit regulären Ordinalzahlen erfolgt. חֲמִישִׁי steht damit innerhalb einer klaren Reihe: zweiter, dritter, vierter, fünfter. Die Syntax macht den gerichteten Fortschritt der Schöpfung sichtbar.

וַיְהִי – „und es wurde“

Die Wurzel היה gehört zum elementaren Vokabular des biblischen Hebräisch. Sie kann Existenz, Zustand, Veränderung oder das Eintreten eines Ereignisses ausdrücken. In Genesis 1,23 ist der Übergangscharakter besonders passend: Es wird Abend, anschließend wird Morgen.

Das zweimalige וַיְהִי erzeugt zugleich einen starken Erzählrhythmus. Der Vers vermittelt nicht bloß eine abstrakte Zeitangabe, sondern lässt den Zyklus sprachlich eintreten. Die Schöpfungstage werden erlebt beziehungsweise erzählt als eine Folge von Übergängen.

Diese Form macht die Zeit selbst zu einem Bestandteil der erzählten Schöpfungsordnung. Sie ist kein leerer Hintergrund, vor dem Dinge entstehen; die Erzählung strukturiert jedes Werk in zeitlich abgegrenzte Einheiten.

עֶרֶב – „Abend“

עֶרֶב bezeichnet den Abend und damit den Übergangsbereich vom hellen Tag zur Nacht. In Genesis 1 besitzt der Abend vor allem eine Grenzfunktion: Er beendet die Phase des vorausgehenden Schöpfungswerkes.

Beim fünften Tag ist dieser Abschluss besonders inhaltsreich. Vor dem Abend sind erstmals große Gruppen selbstbewegter Lebewesen vorhanden, nach Arten geordnet, als gut bewertet und mit einem Fortpflanzungssegen ausgestattet. Der Abend setzt dem göttlichen Werk dieses Tages eine Grenze.

Die Grenze bedeutet jedoch nicht Vernichtung oder Stillstand. Die gerade gesegneten Tiere bleiben lebendig und fruchtbar. Die Tagesgrenze betrifft Gottes erzählte Schöpfungstätigkeit, nicht das Ende der von ihm geschaffenen Lebensprozesse.

בֹּקֶר – „Morgen“

בֹּקֶר bezeichnet den Morgen. Innerhalb der Tagesformeln ist der Morgen zugleich Abschluss und Neubeginn: Er bestätigt, dass die Nachtphase durchlaufen wurde, und leitet erzählerisch zum folgenden Schöpfungstag über.

Nach dem fünften Morgen beginnt in Genesis 1,24 die Schöpfung der Landtiere. Der Übergang ist kompositorisch präzise. Wasser und Luftraum sind vollständig mit ihren Lebewesen versehen; nun rückt die Erde als Lebensraum in den Mittelpunkt.

Der Morgen hat damit eine narrative Vorwärtsfunktion. Die Schöpfung ruht noch nicht endgültig. Erst nach dem sechsten Tag wird der siebte Tag erreicht werden, an dem Gottes Schöpfungswerk abgeschlossen ist.

יוֹם – „Tag“

Das Substantiv יוֹם besitzt innerhalb von Genesis 1 mindestens zwei unmittelbar erkennbare Verwendungen. In Genesis 1,5 nennt Gott das Licht „Tag“ und die Finsternis „Nacht“. Dort bezeichnet יוֹם den hellen Zeitbereich. In der anschließenden Tagesabschlussformel bezeichnet dasselbe Wort die gesamte gezählte Schöpfungseinheit.

Genesis 1,23 verwendet eindeutig den zweiten Sinn. Der „fünfte Tag“ umfasst nicht nur die helle Phase, sondern die gesamte erzählerische Einheit, die mit dem göttlichen Schöpfungswort beginnt und durch Abend und Morgen abgeschlossen wird.

Diese Mehrdeutigkeit ist im normalen Sprachgebrauch keineswegs ungewöhnlich. Auch deutsche Wörter wie „Tag“ können je nach Zusammenhang den hellen Teil eines Tages oder eine kalendarische Gesamteinheit bezeichnen. Der Kontext entscheidet.

חֲמִישִׁי – „fünfter“

חֲמִישִׁי ordnet den abgeschlossenen Zyklus an die fünfte Position der Schöpfungswoche. Die Ordinalzahl besitzt dabei eine wichtige literarische Funktion: Jeder Tagesabschluss wiederholt dieselbe Grundformel, aber die Nummerierung verändert sich. Wiederholung und Fortschritt werden so miteinander verbunden.

Die Zahl fünf erhält in Genesis 1,23 selbst keine ausdrücklich symbolische Erklärung. Es wäre deshalb methodisch problematisch, aus der Ordinalzahl allein eine verborgene Zahlensymbolik abzuleiten. Ihre primäre Funktion ist chronologisch-kompositorisch: Nach dem vierten folgt der fünfte, und der sechste steht unmittelbar bevor.

Innerhalb der späteren hebräischen Wochentagsbezeichnungen wird יוֹם חֲמִישִׁי zur gewöhnlichen Bezeichnung des fünften Wochentages, also des heutigen Donnerstags. Diese Benennung bewahrt die biblische numerische Struktur, statt den Tag nach einer Gottheit oder einem Himmelskörper zu benennen.

Die Abend-Morgen-Formel

Die wiederholte Formel „Es wurde Abend, und es wurde Morgen“ gehört zu den stärksten literarischen Erkennungszeichen von Genesis 1. Sie gliedert die kosmische Entstehung in geordnete Zeiträume und verhindert, dass die einzelnen Schöpfungsakte zu einer ungegliederten Folge verschmelzen.

Die Formel besitzt zugleich refrainartigen Charakter. Ihr Wortlaut ist vorhersehbar, aber gerade diese Vorhersehbarkeit erzeugt Struktur. Wie ein wiederkehrender musikalischer Abschluss markiert sie das Ende einer größeren Einheit und bereitet die nächste vor.

Am fünften Tag entsteht durch den unmittelbaren Kontext eine besondere Spannung: In Vers 22 ist Zukunft durch Fortpflanzung eröffnet worden; Vers 23 setzt dennoch eine Grenze. Die Generationen der Tiere können weitergehen, obwohl der Schöpfungstag endet. Einmalige Schöpfungstätigkeit und fortdauernde Lebensgeschichte werden dadurch voneinander unterschieden.

Die Formel zeigt außerdem, dass eine gute und gesegnete Schöpfung Grenzen besitzt. Vollendung bedeutet nicht endlose Ausdehnung eines einzelnen Werkabschnitts. Jedes Werk erhält seine Zeit, und gerade diese zeitliche Begrenzung gehört zur Ordnung des Ganzen.

Genesis 1,20–23 als geschlossene Einheit

Der fünfte Schöpfungstag bildet eine besonders geschlossene literarische Einheit. Genesis 1,20 beginnt mit dem göttlichen Wort und nennt die beiden großen Lebensbereiche: Wasser und Luftraum. Genesis 1,21 erzählt die Erschaffung der entsprechenden Tiere, differenziert sie nach Arten und fügt die göttliche Gutheißung hinzu. Genesis 1,22 öffnet diese Lebensformen durch Segen auf Fortpflanzung und Zukunft. Genesis 1,23 setzt schließlich den zeitlichen Abschluss.

Die Struktur lässt sich damit als Bewegung von Schöpfungswort über Schöpfung und Gutheißung zu Segen und Tagesabschluss beschreiben. Der fünfte Tag ist der erste, an dem alle diese Elemente zusammen erscheinen.

Gerade der Segen macht die Einheit qualitativ neu. Die Schöpfung wird nicht nur fertiggestellt, sondern erhält eine eingebaute Fortsetzung. Wenn Vers 23 den Tag abschließt, endet deshalb nicht die Wirksamkeit des zuvor gesprochenen Segens.

Der Tagesabschluss nach dem ersten Tiersegen

Die Stellung von Genesis 1,23 unmittelbar nach Genesis 1,22 ist theologisch aussagekräftig. Der erste ausdrückliche Segen der Bibel wird durch eine Tagesgrenze abgeschlossen, nicht widerrufen. Gottes Schöpfungshandeln an dieser Tiergeneration ist vollendet; die durch den Segen eröffnete Fortpflanzungsfähigkeit bleibt bestehen.

Damit unterscheidet der Text zwischen Schöpfungsanfang und natürlicher Fortsetzung. Gott erschafft die Tiergruppen und setzt ihre lebensfördernde Ordnung ein. Von nun an sollen sie fruchtbar sein und sich vermehren. Der folgende Tag benötigt keine neue Erschaffung derselben Wasser- und Flugtiere.

Der Abend-Morgen-Zyklus bestätigt daher eine Welt, die nach dem göttlichen Schöpfungsakt eigene geschöpfliche Prozesse besitzt. Diese Prozesse stehen innerhalb des göttlichen Segens und nicht außerhalb der Schöpfungstheologie.

Zweiter und fünfter Schöpfungstag

Der fünfte Tag korrespondiert literarisch besonders mit dem zweiten. In Genesis 1,6 bis Genesis 1,8 wurde der Raqia geschaffen und wurden Wasserbereiche voneinander geschieden. Der zweite Tagesabschluss bestätigte damit eine räumliche Ordnung, deren Bereiche noch weitgehend unbewohnt waren.

Am fünften Tag werden gerade diese Bereiche mit Leben erfüllt. Die Wasser wimmeln von Geschöpfen, und die Flugtiere bewegen sich über der Erde vor der Himmelsfeste. Was am zweiten Tag strukturell vorbereitet wurde, erhält am fünften seine beweglichen Bewohner.

Die beiden Tagesabschlussformeln verstärken diese Korrespondenz. יוֹם שֵׁנִי und יוֹם חֲמִישִׁי schließen verwandte Schöpfungsbereiche auf zwei unterschiedlichen Entwicklungsstufen ab: zunächst Raumordnung, dann Lebensfülle.

Diese Beobachtung gehört zu dem häufig beschriebenen größeren Strukturmuster von Genesis 1: Tag 1 korrespondiert mit Tag 4, Tag 2 mit Tag 5 und Tag 3 mit Tag 6. Das Schema erklärt wichtige literarische Beziehungen, sollte jedoch nicht als vollkommen starres Raster behandelt werden. Genesis besitzt zusätzliche Überschneidungen und Besonderheiten.

Fortschritt der Schöpfungswoche

Mit dem Ende des fünften Tages ist die erzählte Welt bereits hochgradig differenziert. Licht und Finsternis sind geordnet, Himmel und Wasser geschieden, Land und Meer benannt, Pflanzen vorhanden, Himmelslichter eingesetzt und Wasser- sowie Lufträume mit tierischem Leben erfüllt.

Der sechste Tag wird diese Entwicklung auf der Erde fortsetzen. Landtiere und Menschen bilden die letzten großen Gruppen des eigentlichen Schöpfungswerkes. Genesis 1,23 steht daher unmittelbar vor dem anthropologisch zentralen Abschnitt des Kapitels.

Gleichzeitig verhindert die Stellung des Verses eine anthropozentrische Verkürzung. Bevor Menschen überhaupt auftreten, besitzt die Welt bereits eine lange erzählerische Vorgeschichte und eine Fülle gesegneten tierischen Lebens. Der Mensch tritt in eine weitgehend eingerichtete und belebte Welt ein.

Der fünfte Tagesabschluss unterstreicht deshalb den Eigenwert der vor-menschlichen Schöpfung. Wasserlebewesen und Vögel erhalten einen vollständigen Schöpfungstag, göttliche Gutheißung, Segen und einen eigenen Tagesabschluss.

Zyklische und lineare Zeit

Genesis 1,23 verbindet zwei unterschiedliche Zeitformen. Die Bewegung von Abend zu Morgen ist zyklisch: Sie wiederholt einen vertrauten Rhythmus. Die Bezeichnung „fünfter“ ist dagegen linear: Die Geschichte schreitet unwiederholbar von einer nummerierten Einheit zur nächsten.

Diese Kombination ist für die biblische Zeitvorstellung grundsätzlich wichtig. Wiederkehrende Rhythmen bedeuten keine ewige Wiederholung identischer Ereignisse. Jeder neue Tag steht innerhalb einer fortschreitenden Geschichte.

Dasselbe Grundmuster wird später die biblische Fest- und Sabbatzeit prägen. Sabbate und Feste wiederholen sich zyklisch, erinnern aber an konkrete geschichtliche und schöpfungstheologische Ereignisse. Wiederholung trägt Erinnerung und Fortschritt.

Genesis 1,23 stellt diese Zeitphilosophie nicht ausdrücklich theoretisch dar. Sie ergibt sich aus der literarischen Form: derselbe Refrain, eine neue Zahl, ein weiterentwickelter Kosmos.

Warum Abend und Morgen?

Die Reihenfolge Abend – Morgen wurde in jüdischer und christlicher Auslegung vielfach diskutiert. Im unmittelbaren Erzählzusammenhang lässt sie sich zunächst einfach verstehen: Auf die beschriebenen Schöpfungshandlungen folgt der Abend; nach der nächtlichen Phase kommt der Morgen, und damit ist der Zyklus abgeschlossen.

Die Formel sagt nicht ausdrücklich: „Der Tag begann am Abend.“ Sie kann zwar in der späteren jüdischen Wirkungsgeschichte mit der Abend-zu-Abend-Rechnung verbunden werden, ist aber allein keine vollständige halachische Definition des Tagesbeginns. Andere Texte wie Levitikus 23,32 formulieren die Zeitspanne „vom Abend bis zum Abend“ wesentlich ausdrücklicher.

Auch die genaue Dauer eines Schöpfungstages wird in Genesis 1,23 nicht in Stunden angegeben. Abend, Morgen und die ordinal nummerierte Tagesfolge ergeben eine konkrete zeitliche Erzählstruktur; eine moderne physikalische Definition liefert der Vers nicht.

Masoretische Abschnittsgrenze

Nach Genesis 1,23 steht in der masoretischen Texttradition eine פ-Markierung, eine sogenannte Petucha beziehungsweise offene Abschnittsgrenze. Sie signalisiert in der überlieferten Textgliederung einen deutlichen Einschnitt vor Genesis 1,24.

Diese masoretische Kennzeichnung gehört nicht als gesprochenes Wort zum Vers und ist historisch jünger als die ursprüngliche Komposition. Dennoch dokumentiert sie, wie die jüdische Textüberlieferung die literarische Struktur wahrgenommen hat: Mit „ein fünfter Tag“ ist eine vollständige Sinneinheit abgeschlossen.

Die Abschnittsgrenze unterstützt daher die inhaltlich ohnehin klare Tagesgliederung. Vers 24 beginnt nicht nur einen neuen Satz, sondern einen neuen Schöpfungstag und eine neue Gruppe von Lebewesen.

Literarische Funktion

Genesis 1,23 erfüllt mehrere literarische Aufgaben zugleich. Der Vers schließt erstens den fünften Tag; zweitens wiederholt er den Tagesrefrain; drittens nummeriert er den Fortschritt; viertens trennt er die Schöpfung der Wasser- und Flugtiere von der Schöpfung der Landtiere; fünftens setzt er nach dem ersten Segenswort eine klare zeitliche Grenze.

Die Kürze des Verses steht im Kontrast zur inhaltlichen Fülle der vorausgehenden Verse. Gerade dadurch gewinnt der Refrain seine Kraft. Nach großen Meerestieren, Artenvielfalt, Flugbewegung und Fruchtbarkeitssegen fällt die Sprache wieder in eine elementare, fast liturgische Ordnung zurück: Abend – Morgen – fünfter Tag.

Diese Rückkehr zur Formel macht deutlich, dass selbst außergewöhnliche Schöpfungsereignisse innerhalb einer übergeordneten Struktur stehen. Tierische Fülle sprengt die Ordnung nicht. Sie wird in den Rhythmus der Schöpfungswoche integriert.

Subtext

Ein erster Subtext besteht darin, dass lebendige Fülle und zeitliche Grenze miteinander vereinbar sind. Der fünfte Tag hat unüberschaubar viel tierisches Leben hervorgebracht, doch auch dieser Tag endet. Fülle bedeutet nicht Formlosigkeit oder Grenzenlosigkeit.

Ein zweiter Subtext liegt in der Fortdauer des Segens über die Tagesgrenze hinaus. Gottes Schöpfungshandlung ist zeitlich abgeschlossen, die Fortpflanzung der Tiere aber gerade erst eröffnet. Ein göttlicher Anfang ermöglicht geschöpfliche Zukunft.

Ein dritter Subtext betrifft die Eigenständigkeit nichtmenschlichen Lebens. Der fünfte Tag erhält einen vollständigen Abschluss, bevor der Mensch erscheint. Die Tierwelt ist damit nicht bloß Vorstufe eines eigentlich allein wichtigen Menschen, sondern besitzt eine eigene abgeschlossene Schöpfungseinheit.

Ein vierter Subtext besteht in der Verbindung von Ordnung und Dynamik. Wasser wimmelt, Vögel fliegen, Tiere vermehren sich – und dennoch bleibt die Welt zeitlich und räumlich strukturiert. Beweglichkeit ist Teil der Ordnung, nicht deren Gegenteil.

Ein fünfter Subtext liegt im Verhältnis von Individualität und Generation. Die ursprünglich geschaffenen Tiere sind nicht als unveränderliche Einzelwesen für alle Zukunft gedacht. Der Segen öffnet das Leben auf neue Generationen. Genesis 1,23 schließt deshalb den Tag, nicht die Geschichte dieser Geschöpfe.

Ein sechster Subtext betrifft die Begrenzung des Menschen. Noch bevor Menschen existieren, gibt es Abend, Morgen, Arten, Segen, Fortpflanzung und Lebensräume. Der Mensch wird in eine bereits funktionierende Welt eintreten und nicht deren erster Bezugspunkt sein.

Ein siebter Subtext liegt in der Wiederholung selbst. Der fünfte Tag ist völlig neu in seinem biologischen Inhalt und dennoch durch dieselbe Tagesformel wie die früheren Tage gerahmt. Neuheit wird innerhalb verlässlicher Ordnung möglich.

Ein achter Subtext besteht in der Zielgerichtetheit der Schöpfung. Der wiederkehrende Morgen führt nicht zurück zum Ausgangspunkt. Nach jedem Zyklus ist die Welt reichhaltiger. Der Schöpfungsbericht verbindet daher Rhythmus mit Richtung.

Historische Einordnung

Genesis 1,1–2,4a wird in der historisch-kritischen Forschung überwiegend als priesterlich geprägte Schöpfungserzählung verstanden. Die regelmäßigen Tagesformeln gehören zu ihren auffälligsten stilistischen Merkmalen. Sie strukturieren eine Welt, in der Trennung, Zuordnung, Klassifikation, Fruchtbarkeit und Zeitordnung zentral sind.

Die genaue Datierung der priesterlichen Überlieferung bleibt Gegenstand der Forschung; häufig wird ihre entscheidende literarische Ausprägung mit exilischer oder früher nachexilischer Zeit verbunden. Für die Interpretation von Genesis 1,23 ist wichtiger als eine punktgenaue Datierung, dass die Tagesfolge auf den siebten Tag zuläuft und dadurch eine deutliche Verbindung zwischen Kosmologie und Sabbat herstellt.

Die sechs nummerierten Arbeitstage schaffen ein göttliches Modell, das in Exodus 20 und 31 auf menschliche Arbeits- und Ruhezeiten übertragen wird. Tageszählung ist daher im Pentateuch nicht bloß kosmologische Dekoration. Sie besitzt eine kultische und soziale Wirkungsgeschichte.

Das bekannte Korrespondenzmodell der Tage unterstreicht die kompositorische Ordnung: Tag 1 und 4 betreffen Licht und Himmelslichter; Tag 2 und 5 Wasser/Himmel und deren Bewohner; Tag 3 und 6 Erde sowie ihre Bewohner. Diese Struktur ist als literarische Beobachtung hilfreich, ohne jede Einzelheit in ein starres Schema zwingen zu müssen.

Genesis 1,23 sollte nicht als naturwissenschaftliche Zeitmessung gelesen werden. Der Text gehört zu einer antiken theologischen Kosmologie. Seine Stärke liegt in der Darstellung einer zeitlich, räumlich und biologisch geordneten Welt, nicht in einer modernen physikalischen Rekonstruktion kosmischer Entstehungsprozesse.

Jüdische Rezeption

Die klassische jüdische Exegese konzentriert sich beim fünften Tag stärker auf die inhaltlich reicheren Verse Genesis 1,20 bis Genesis 1,22 als auf die weitgehend formelhafte Abschlusszeile selbst. Gerade dadurch ist Genesis 1,23 rezeptionsgeschichtlich interessant: Seine Bedeutung entsteht vor allem aus seiner Stellung als Grenze einer ausführlich ausgelegten Schöpfungseinheit.

Bereschit Rabbah entfaltet im Zusammenhang des fünften Tages ausführliche Reflexionen über die Entstehung von Lebewesen im Wasser, über Tierarten, die großen Meereswesen und den göttlichen Segen. Die Tagesabschlussformel schließt diese gesamte Welt von Bewegung, Vielfalt und Fruchtbarkeit zusammen.

Die spätere hebräische Wochenbezeichnung bewahrt darüber hinaus יוֹם חֲמִישִׁי als Namen des fünften Wochentages. Anders als deutsche Wochentagsnamen wie „Donnerstag“, die historisch auf Götter- beziehungsweise Planetennamen zurückgehen, bleibt das traditionelle Hebräische bei der schlichten Zählung in Beziehung zum Sabbat.

Damit wirkt die numerische Schöpfungsstruktur sprachlich bis in den jüdischen Alltag hinein. Der fünfte Tag ist nicht nur ein einmaliger Abschnitt der Urgeschichte, sondern zugleich Bestandteil einer wiederkehrenden Wochenordnung.

יוֹם חֲמִישִׁי als Bezeichnung des fünften Wochentages

יוֹם חֲמִישִׁי bedeutet im modernen und traditionellen Hebräisch auch „Donnerstag“, wörtlich weiterhin „fünfter Tag“. Die Bezeichnung zählt vom ersten Wochentag auf den Sabbat hin.

Diese sprachliche Kontinuität zeigt, wie stark die biblische Wochenstruktur die jüdische Zeitwahrnehmung geprägt hat. Der Tag erhält seine grundlegende Identität nicht durch einen Himmelskörper oder eine Gottheit, sondern durch seine Stellung innerhalb einer siebengliedrigen Ordnung.

Genesis 1,23 selbst ist noch keine Vorschrift zur Benennung späterer Wochentage. Rezeptionsgeschichtlich bildet die Schöpfungszählung jedoch den grundlegenden sprachlichen und theologischen Hintergrund dieser Praxis.

Bereschit Rabbah und der fünfte Tag

Bereschit Rabbah 7 behandelt den fünften Schöpfungstag als besondere Entfaltung göttlicher Lebenskraft. Die Wasser werden zum Schauplatz einer Lebensfülle, die menschliche Herstellungsmöglichkeiten übersteigt. Aus dem göttlichen Wort entsteht eine Vielzahl bewegter Geschöpfe.

Der Midrasch reflektiert außerdem den in Genesis 1,22 gegebenen Segen und die Fähigkeit der Tierwelt, trotz Tod, Fang und Verminderung fortzubestehen. Dadurch erhält der Tagesabschluss eine zusätzliche rezeptionsgeschichtliche Perspektive: „Ein fünfter Tag“ bezeichnet einen Schöpfungsabschnitt, dessen Ergebnis generationenübergreifend fortwirken soll.

Diese rabbinischen Deutungen gehören nicht zur unmittelbaren grammatischen Bedeutung von Genesis 1,23. Sie zeigen jedoch, dass der fünfte Tagesabschluss in einer größeren theologischen Einheit gelesen wurde und nicht als isolierte Zeitangabe.

Septuaginta

Die Septuaginta gibt Genesis 1,23 wieder:

καὶ ἐγένετο ἑσπέρα καὶ ἐγένετο πρωί, ἡμέρα πέμπτη.

καὶ ἐγένετο bedeutet „und es wurde“ beziehungsweise „und es geschah“ und entspricht dem zweimaligen וַיְהִי.

ἑσπέρα bezeichnet den Abend, πρωί den Morgen. Die griechische Fassung bewahrt damit die doppelte Verbstruktur des Hebräischen genauer als manche ältere deutsche Übersetzung.

ἡμέρα πέμπτη bedeutet „ein fünfter Tag“ beziehungsweise kontextuell „der fünfte Tag“. πέμπτη ist die feminine Ordinalzahl „fünfte“ und stimmt mit dem femininen Substantiv ἡμέρα, „Tag“, überein.

Die Septuaginta hält damit den rhythmischen Refrain des Genesistextes vollständig aufrecht. Nach dem ausführlichen Segen von Vers 22 fällt der griechische Text ebenso wie der hebräische in die knappe Tagesformel zurück.

Vulgata

Die lateinische Tradition lautet:

Et factum est vespere et mane, dies quintus.

Et factum est bedeutet „und es geschah“ beziehungsweise „und es wurde“. Die lateinische Fassung wiederholt das Verb nicht vor mane und ist dadurch knapper als Hebräisch und Griechisch.

vespere bezeichnet den Abend und mane den Morgen. dies quintus bedeutet „ein fünfter Tag“ beziehungsweise „der fünfte Tag“.

Die traditionelle deutsche Form „Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag“ steht strukturell der lateinischen Kürzung näher als dem zweimaligen hebräischen וַיְהִי. Die Übersetzungsgeschichte erklärt somit einen Teil der syntaktischen Differenz zwischen deutschem Traditionswortlaut und masoretischem Ausgangstext.

Christliche Rezeption

In der christlichen Hexaemeron-Tradition wird Genesis 1,23 gewöhnlich nicht isoliert, sondern als Abschluss des gesamten Werkes des fünften Tages behandelt. Die exegetische Aufmerksamkeit richtet sich auf die neu entstandenen Fische, Meerestiere und Vögel, ihre Lebensräume, Fortpflanzung und den ihnen zugesprochenen Segen.

Die Tagesformel erhält dabei eine ordnungstheologische Funktion. Sie zeigt, dass auch die von enormer Bewegung und biologischer Vielfalt geprägte Tierwelt in die geordnete Sechstagefolge eingebunden bleibt.

Patristische Autoren wie Basilius und Augustinus verwenden den fünften Tag zugleich als Ausgangspunkt umfassender Natur- und Allegoriedeutung. Die historischen naturkundlichen Einzelangaben sind nicht mit moderner Zoologie gleichzusetzen; ihre Wirkungsgeschichte zeigt jedoch, wie stark Genesis 1 als geordnetes Gesamtbild der Natur gelesen wurde.

Basilius von Caesarea

Basilius von Caesarea widmet dem Werk des fünften Tages einen erheblichen Teil seines Hexaemeron. In der siebten Homilie behandelt er die Entstehung bewegter Wasserlebewesen, ihre ungeheure Vielfalt, ihre Fortpflanzung und ihre unterschiedlichen Lebensräume. Das Meer erscheint ihm als Bereich, der nach Gottes Befehl mit einer fast unzählbaren Fülle lebender Wesen ausgestattet wird.

Basilius betont wiederholt, dass die Fortdauer der Arten aus einer von Gott gesetzten Ordnung hervorgeht. Die ursprüngliche Schöpfungsmacht wirkt für ihn in der regelmäßigen Natur weiter. Fortpflanzung ist insofern Ausdruck eines bleibenden göttlichen Gesetzes.

Der fünfte Tagesabschluss steht innerhalb dieser Interpretation für eine vollständig eingerichtete Lebensordnung: Nicht nur die ersten Tiere existieren, sondern ihre Lebensweise, ihre Fortpflanzung und ihre Zuordnung zu bestimmten Lebensräumen sind Teil der von Gott geordneten Welt.

Basilius verbindet seine Naturbeobachtungen häufig mit moralischen Anwendungen. Diese homiletischen Analogien gehören zur christlichen Wirkungsgeschichte; der unmittelbare hebräische Vers selbst formuliert lediglich den Tagesabschluss.

Augustinus

Augustinus interpretiert die Schöpfungstage auf mehreren Ebenen. Einerseits nimmt er die literarische Folge der sechs Tage ernst; andererseits entwickelt er insbesondere in De Genesi ad litteram und den Confessiones komplexe Überlegungen dazu, wie göttliche Schöpfung, Zeit und geschöpfliche Entwicklung zueinander stehen.

Die Wasserlebewesen und Vögel des fünften Tages erhalten in Confessiones XIII darüber hinaus allegorische Bedeutungen. Augustinus deutet die unterschiedlichen Geschöpfbereiche auf geistliche Wirklichkeiten. Der Tagesabschluss kann innerhalb dieser allegorischen Lesart entsprechend den Abschluss einer bestimmten Stufe geistlicher Ordnung markieren.

Diese Interpretation geht deutlich über den historischen Wortsinn von Genesis 1,23 hinaus. Für die Rezeptionsgeschichte ist sie dennoch wichtig, weil sie zeigt, wie die nummerierte Tagesfolge zu einem theologischen Modell geistlicher Ordnung werden konnte.

Grundsätzlich unterscheidet Augustinus außerdem Gottes ursprüngliches Schöpfungshandeln von der späteren Fortpflanzung und Entwicklung der Geschöpfe. Gerade der fünfte Tag mit seiner Verbindung von Erschaffung und Segnung bietet dafür einen wichtigen Ausgangspunkt.

Thomas von Aquin

Thomas von Aquin ordnet den fünften Tag in das scholastische Schema von Unterscheidungswerk und Ausschmückungswerk ein. Der zweite Tag richtet Wasser- und Himmelsbereiche ein; der fünfte versieht sie mit ihren beweglichen Bewohnern.

Genesis 1,23 bildet in diesem System den Abschluss der Ausstattung jener Bereiche. Wasser und Luftraum sind nach dem fünften Tag nicht mehr lediglich kosmische Räume, sondern belebte und fortpflanzungsfähige Lebenswelten.

Thomas übernimmt viele naturphilosophische Voraussetzungen seiner Zeit, die heute wissenschaftlich überholt sind. Seine kompositorische Beobachtung bleibt jedoch relevant: Die Tagesstruktur bildet ein geordnetes Verhältnis zwischen der Einrichtung von Bereichen und ihrer späteren Ausstattung.

Theologische Interpretation

Genesis 1,23 macht zunächst deutlich, dass auch eine durch Segen eröffnete Lebensfülle innerhalb einer geordneten Zeit steht. Der fünfte Tag war von Bewegung, Fruchtbarkeit und Vermehrung geprägt, doch er endet ebenso geordnet wie die früheren Tage. Dynamik und Grenze schließen einander nicht aus.

Eine zweite theologische Aussage liegt in der Unterscheidung zwischen Schöpfung und Fortdauer. Gottes unmittelbares Werk des fünften Tages ist abgeschlossen; die von ihm gesegneten Geschöpfe werden sich aber weiter vermehren. Die Welt erhält damit eine von Gott gewährte Fähigkeit zu eigener generationenübergreifender Geschichte.

Drittens zeigt der Vers, dass die Tierwelt eine vollständige Schöpfungseinheit besitzt, bevor der Mensch erscheint. Fische, große Meerestiere und Vögel haben eigene Lebensräume, Artenstruktur, Bewegung, göttliche Gutheißung und Segen. Nichtmenschliches Leben besitzt daher im Text einen von menschlicher Nutzung unabhängigen Platz.

Viertens verbindet der Tagesabschluss Fülle und Ordnung. Die Wasser sollen voller Leben sein, dennoch endet der Tag in derselben knappen Formel wie die anderen. Die gute Schöpfung ist weder leer noch chaotisch. Sie ist reich und gegliedert.

Fünftens macht die Ordinalzahl חֲמִישִׁי die Gerichtetheit der Schöpfung sichtbar. Der fünfte Tag ist nicht lediglich eine weitere Wiederholung von Abend und Morgen. Er führt unmittelbar zum sechsten und schließlich zum siebten Tag. Die Schöpfungszeit besitzt ein Ziel.

Sechstens verbindet Genesis damit zyklische und lineare Zeit. Abend und Morgen wiederholen sich, doch die Welt kehrt nicht zum ursprünglichen Zustand zurück. Jeder Zyklus trägt neue geschaffene Wirklichkeit in die Zukunft. Diese Struktur kann als Grundmodell biblischer Zeit verstanden werden: Wiederkehrende Rhythmen innerhalb einer gerichteten Geschichte.

Siebtens besitzt der Vers eine Theologie der Grenze. Auch ein göttlich gesegneter Schöpfungstag darf enden. Grenze ist nicht Zeichen eines Mangels, sondern Bestandteil der guten Ordnung. Diese Logik führt auf den siebten Tag hin, an dem sogar Gottes eigenes Schöpfungswerk in Ruhe übergeht.

Achtens zeigt der fünfte Tagesabschluss, dass Gottes Segen nicht von permanenter unmittelbarer Neuschöpfung abhängig ist. Die Tiere sind zur Fruchtbarkeit befähigt. Regelmäßige Fortpflanzung kann damit innerhalb des Textes als Wirkung ursprünglicher göttlicher Segenskraft verstanden werden.

Neuntens relativiert die Stellung des Verses einen radikalen Anthropozentrismus. Der Mensch wird erst am folgenden Tag geschaffen. Bis dahin besitzt die Welt bereits eine komplexe, gesegnete Tiergemeinschaft. Der Mensch ist spät hinzukommender Teilnehmer einer schon lebendigen Schöpfung.

Zehntens bereitet Genesis 1,23 gerade dadurch die menschliche Herrschaftsaussage von Genesis 1,26–28 vor. Der Mensch wird Herrschaft nicht über wertlose Dinge erhalten, sondern über Lebewesen, die Gott bereits geschaffen, gut genannt und gesegnet hat. Diese Reihenfolge setzt der späteren Herrschaft einen theologischen Rahmen.

Elftens besitzt der Tagesabschluss eine ökologische Dimension. Wasser und Luftraum sind nicht bloß physische Ressourcen; sie sind Lebensräume, die Gott mit vielfältigem Leben gefüllt und deren Bewohner er gesegnet hat. Der Abschluss des Tages bestätigt diese mehr-als-menschliche Lebensordnung als Teil des vollendeten Werkes.

Zwölftens zeigt der Vers eine Theologie der Verlässlichkeit. Wieder tritt Abend ein, wieder folgt Morgen. Gerade nachdem selbstbewegtes Leben die Welt dynamischer gemacht hat, bleibt der kosmische Rhythmus stabil. Mehr Komplexität bedeutet keinen Verlust von Ordnung.

Dreizehntens kann der fünfte Tag als Übergang von einer überwiegend eingerichteten Welt zu einer Welt selbstständiger Lebensprozesse verstanden werden. Die Tiere bewegen sich, vermehren sich und bevölkern Lebensräume. Der folgende sechste Tag wird diese Dynamik auf Landtiere und Menschen ausweiten.

Vierzehntens liegt eine wichtige Aussage darin, dass Vollendung nicht Stillstand bedeutet. Genesis 1,23 erklärt den fünften Tag für abgeschlossen, obwohl die zuvor gesegneten Tiere gerade zur Vermehrung bestimmt worden sind. Ein Schöpfungsabschnitt kann vollendet sein und dennoch Zukunft freisetzen.

Fünfzehntens verbindet der Vers dadurch Vollendung und Offenheit. Das Werk des fünften Tages ist vollständig; seine Folgen sind nicht abgeschlossen. Die gute Schöpfung besitzt die Fähigkeit, aus einem von Gott gesetzten Anfang weitere Geschichte hervorgehen zu lassen.

Grenzen der Aussage

Genesis 1,23 enthält keine moderne naturwissenschaftliche Definition der Länge eines Schöpfungstages. Der Text spricht von Abend, Morgen und einer nummerierten Tagesfolge, nicht von einer Messung in Sekunden oder Stunden.

Die Formel darf ebenso wenig automatisch als vollständige halachische Definition eines Tages von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang behandelt werden. Die spätere jüdische Tagesrechnung beruht auf einem größeren biblischen und rabbinischen Zusammenhang.

Die traditionelle deutsche Form „aus Abend und Morgen“ sollte nicht als wörtliche Übersetzung des Hebräischen verstanden werden. Das Hebräische verwendet zwei selbstständige Verbkonstruktionen.

Die Tatsache, dass יוֹם חֲמִישִׁי später auch „Donnerstag“ bezeichnet, gehört zur sprachlichen und religiösen Wirkungsgeschichte. Genesis 1,23 selbst spricht zunächst vom fünften Tag der erzählten Schöpfungswoche.

Die Korrespondenz zwischen zweitem und fünftem Tag ist eine starke literarische Beobachtung, aber kein mathematisch starres System, das jede Einzelheit des Textes vollständig erklären müsste.

Die masoretische פ-Markierung nach Vers 23 ist eine traditionelle Abschnittskennzeichnung und kein ursprünglich gesprochenes Wort der Erzählung.

Die klassischen jüdischen und christlichen Naturerklärungen zum fünften Tag spiegeln das Wissen ihrer jeweiligen Epochen. Sie sind rezeptionsgeschichtlich bedeutsam, aber keine moderne Zoologie oder Kosmologie.

Auch die theologische Rede von geschöpflicher „Eigenwirksamkeit“ ist eine systematische Interpretation der Verbindung von ursprünglicher Schöpfung und späterer Fortpflanzung. Genesis selbst entwickelt keine philosophische Kausalitätstheorie.

Schließlich sollte aus der positiven Lebensfülle des fünften Tages keine moderne Theorie unbegrenzten biologischen Wachstums abgeleitet werden. Genesis beschreibt die Füllung geschaffener Lebensräume innerhalb einer geordneten Welt.

Gesamtinterpretation

Genesis 1,23 schließt den fünften Schöpfungstag mit der Formel וַיְהִי־עֶרֶב וַיְהִי־בֹקֶר יוֹם חֲמִישִׁי: „Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein fünfter Tag.“ Die traditionelle deutsche Fassung „Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag“ gibt die Funktion des Satzes wieder, verdichtet jedoch die hebräische Parallelstruktur.

Die beiden Formen וַיְהִי sind Qal-Wayyiqtolformen von היה, „sein, werden, geschehen“. Der Vers erzählt zunächst den Eintritt des Abends und anschließend des Morgens. Erst danach wird die so durchlaufene Einheit als יוֹם חֲמִישִׁי, „ein fünfter Tag“, bezeichnet.

חֲמִישִׁי ist die maskuline Ordinalzahl „fünfter“ und stimmt mit dem maskulinen יוֹם überein. Anders als beim sechsten Tag in Genesis 1,31 steht hier kein bestimmter Artikel. Die textnahe Form „ein fünfter Tag“ entspricht deshalb der hebräischen Grammatik besonders gut.

Der Vers gewinnt seine eigentliche Bedeutung aus dem unmittelbar vorausgehenden Schöpfungswerk. Der fünfte Tag hat erstmals bewegtes tierisches Leben in großer Fülle hervorgebracht. Die Wasser wimmeln, Vögel fliegen, die Tiere existieren nach ihren Arten und werden von Gott als gut bewertet.

Noch wichtiger ist Genesis 1,22: Gott segnet die Tiere und gibt ihnen die Bestimmung „Seid fruchtbar und mehrt euch“. Der fünfte Tagesabschluss steht deshalb unmittelbar nach dem ersten ausdrücklichen Segen der Bibel.

Diese Abfolge unterscheidet einmaliges göttliches Schöpfungshandeln und fortdauernde geschöpfliche Lebensgeschichte. Der fünfte Tag kann enden, weil die Tiere nun die Fähigkeit besitzen, ihre Populationen über neue Generationen fortzuführen. Die Vollendung des Schöpfungsaktes beendet nicht seine lebensfördernden Folgen.

Literarisch entspricht der fünfte besonders dem zweiten Tag. Der zweite hatte Wasser und Himmelsraum geordnet; der fünfte füllt diese Räume mit Wasserlebewesen und Vögeln. Die beiden Tagesabschlussformeln rahmen damit zwei Stufen derselben kosmischen Architektur: Einrichtung des Raumes und Belebung des Raumes.

Diese Beziehung gehört zum größeren Kompositionsmuster von Genesis 1, in dem erster und vierter, zweiter und fünfter sowie dritter und sechster Tag deutliche Beziehungen aufweisen. Das Schema ist literarisch hilfreich, sollte jedoch nicht mechanisch über jede Einzelheit gelegt werden.

Der fünfte Tagesabschluss steht zugleich an einer entscheidenden Stelle des Gesamtverlaufs. Fast sämtliche großen kosmischen Bereiche sind nun eingerichtet und ein großer Teil der Tierwelt ist vorhanden. Der sechste Tag wird die Landtiere und schließlich den Menschen hervorbringen.

Gerade dadurch besitzt Genesis 1,23 eine anthropologisch wichtige Nebenbedeutung. Die Welt ist bereits reich an gesegnetem Leben, bevor Menschen auftreten. Der Mensch betritt keine leere Bühne, sondern eine strukturierte und biologisch aktive Mitwelt.

Die Abend-Morgen-Formel verbindet zyklische und lineare Zeit. Abend und Morgen wiederholen sich; die Ordinalzahl schreitet weiter. Die Schöpfung bewegt sich in stabilen Rhythmen und zugleich auf ein Ziel zu.

Dieses Ziel ist der siebte Tag. Die Tageszahlen von Genesis 1 laufen auf den Sabbat hin, der in Genesis 2,2–3 als Abschluss, Ruhe, Segnung und Heiligung erscheint. Die einzelne Tagesformel ist daher Bestandteil einer umfassenden theologischen Zeitarchitektur.

Die masoretische Tradition setzt nach Genesis 1,23 eine offene Abschnittsgrenze. Diese spätere Textgliederung bestätigt die bereits semantisch eindeutige Funktion des Verses: Der fünfte Tag ist abgeschlossen, und mit Genesis 1,24 beginnt eine neue Schöpfungseinheit.

Die Septuaginta bewahrt die Parallelstruktur genau: καὶ ἐγένετο ἑσπέρα καὶ ἐγένετο πρωί, ἡμέρα πέμπτη. Die lateinische Tradition formuliert knapper: Et factum est vespere et mane, dies quintus. Beide Übersetzungstraditionen machten den refrainartigen Charakter der Tagesformel zu einem Grundelement christlicher Hexaemeron-Auslegung.

In der jüdischen Rezeption steht die Abschlusszeile meist im Zusammenhang der inhaltlich reicheren Deutungen des fünften Tages: der Entstehung bewegten Lebens, der großen Meereswesen, der Artenvielfalt und vor allem des ersten Segens. Die Bedeutung des Verses ergibt sich daher stark aus seiner Position als Abschluss dieser ganzen Einheit.

Sprachlich wirkt die biblische Zählung außerdem bis in die hebräische Benennung der Wochentage fort. יוֹם חֲמִישִׁי bezeichnet weiterhin den fünften Wochentag. Der Schöpfungsrhythmus bleibt dadurch Teil alltäglicher Zeitbenennung.

Basilius von Caesarea entfaltet den fünften Tag zu einer umfassenden Betrachtung der Meeresfauna, ihrer Lebensräume und ihrer Fortpflanzung. Für ihn zeigt die bleibende Fähigkeit der Tiere zur Reproduktion, dass Gottes ursprüngliches Schöpfungswort in der Naturordnung fortwirkt.

Augustinus entwickelt aus den Tagen sowohl eine Schöpfungs- als auch eine geistliche Ordnung. Seine allegorischen Lesarten gehen über den unmittelbaren hebräischen Sinn hinaus, zeigen aber die enorme theologische Wirkungskraft der streng gegliederten Tagesfolge.

Thomas von Aquin versteht den fünften Tag als Ausschmückung jener Bereiche, die am zweiten Tag geordnet wurden. Genesis 1,23 bezeichnet in diesem Schema die Vollendung der Belebung von Wasser- und Luftraum.

Theologisch verbindet der Vers damit Grenze, Segen und Zukunft. Ein Werk kann abgeschlossen sein, ohne dass seine Wirkungen enden. Gott setzt eine Grenze um den fünften Schöpfungstag und hat zugleich durch seinen Segen eine offene Lebensgeschichte ermöglicht.

Der fünfte Tag ist deshalb zugleich vollendet und zukunftsoffen. Wasser und Himmel besitzen ihre Bewohner; diese Bewohner sind gut, gesegnet und zur Vermehrung befähigt. Was der Schöpfer an diesem Tag zu tun hatte, ist abgeschlossen – was das geschaffene Leben aus diesem Segen heraus tun wird, beginnt erst.

Genesis 1,23 ist somit trotz seiner Kürze kein inhaltsleerer Refrain. Der Vers fasst einen entscheidenden Übergang der Schöpfung zusammen: Aus eingerichteten Räumen sind Lebensräume geworden, aus erschaffenen Individuen generationenfähige Populationen, und aus einer statischen Welt zunehmend eine Geschichte lebendiger Geschöpfe. Es wird Abend, es wird Morgen – ein fünfter Tag.