Aasee
Der Aasee ist ein künstlich angelegter Stausee der Münsterschen Aa im südwestlichen innerstädtischen Bereich von Münster in Westfalen. Mit einer Wasserfläche von rund 40 Hektar bildet er zusammen mit den weitläufigen Aaseewiesen und Parkanlagen den bedeutendsten zusammenhängenden innerstädtischen Naherholungsraum Münsters. Der heutige See entstand in zwei großen Entwicklungsphasen: Der ältere Aasee wurde seit 1924 angelegt und in den frühen 1930er Jahren fertiggestellt; von 1972 bis 1976 wurde die Wasserfläche südwestwärts erheblich erweitert. Der See ist nur wenig tief, wird von der Münsterschen Aa durchströmt und erfüllt neben Freizeit-, Landschafts- und Stadtklimafunktionen auch wasserwirtschaftliche und ökologische Aufgaben. Grammatisch ist Aasee ein maskulines Substantiv und ein Gewässername: der Aasee.
Lexikon
Der Aasee liegt unmittelbar südwestlich der Innenstadt von Münster. Sein nordöstliches Ende reicht bis nahe an den historischen Stadtkern heran; vom Prinzipalmarkt lässt sich der See zu Fuß in vergleichsweise kurzer Zeit erreichen. Nach Südwesten zieht sich die Wasserfläche in Richtung Sentruper Höhe, Zoo und Mühlenhof. Dadurch bildet sie einen langgestreckten Übergangsraum zwischen dichter Innenstadtbebauung und den westlichen Grün- und Freiflächen der Stadt.
Hydrologisch ist der Aasee kein eigenständiges natürliches Stillgewässer, sondern ein aufgestauter Abschnitt der Münsterschen Aa. Der Fluss kommt aus dem westlich von Münster gelegenen Raum der Baumberge, erreicht das Stadtgebiet von Westen und fließt in den Aasee ein. Nach dem Durchströmen des Sees verlässt die Aa ihn an seinem nordöstlichen Ende, zieht anschließend durch die Innenstadt und mündet nördlich von Münster beziehungsweise bei Greven in die Ems.
Der Aasee ist damit Bestandteil eines größeren Flusssystems. Sein Wasser gelangt über die Münstersche Aa in die Ems und von dort in die Nordsee. Obwohl der Aasee im Stadtbild wie ein eigenständiger See erscheint, bleibt er hydrologisch unmittelbar in den Lauf der Aa eingebunden.
Die Wasserfläche beträgt heute ungefähr 40 Hektar. Der See ist langgestreckt und insgesamt etwa 2,3 Kilometer lang. Seine Tiefe ist gering und liegt überwiegend unter zwei Metern. Gerade diese geringe Gewässertiefe ist für seine Ökologie von großer Bedeutung, weil sich das Wasser bei warmem Wetter vergleichsweise schnell aufheizen kann.
Der Aasee befindet sich in der ehemaligen Aue der Münsterschen Aa. Vor seiner Anlage war dieser Bereich eine feuchte Niederungslandschaft, in der der Fluss regelmäßig über seine Ufer treten konnte. Die natürliche beziehungsweise historisch landwirtschaftlich genutzte Auenlandschaft wurde durch die Aufstauung grundlegend umgestaltet.
Die Vorgeschichte des Sees reicht erheblich weiter zurück als seine tatsächliche Bauzeit. Bereits im späten 19. Jahrhundert entwickelte der münsterische Zoologe und Museumsdirektor Hermann Landois die Idee, die Münstersche Aa südwestlich der Stadt zu einem See aufzustauen. Eine entsprechende Vorstellung ist bereits für das Jahr 1883 nachweisbar.
Landois verband mit diesem Plan mehrere Ziele. Einerseits sollte zusätzliches Wasser für Zeiten sommerlicher Wasserknappheit zurückgehalten werden; andererseits sollte ein Stauraum die regelmäßig auftretenden winterlichen Hochwasser der Aa abmildern. Der spätere Aasee hatte somit von Beginn an nicht ausschließlich eine ästhetische oder touristische Funktion, sondern einen deutlichen wasserwirtschaftlichen Hintergrund.
Die Hochwasserproblematik war für Münster historisch besonders relevant. Die Stadt entwickelte sich unmittelbar an der Münsterschen Aa, deren Niederung bei starken und lang anhaltenden Niederschlägen überschwemmt werden konnte. Eine künstliche Aufweitung und Aufstauung des Flusses oberhalb des innerstädtischen Abschnittes versprach, einen Teil dieser Wassermengen zeitweise zurückzuhalten.
Zwischen der ersten Idee und ihrer Umsetzung lagen jedoch mehrere Jahrzehnte. Erst in den 1920er Jahren wurden die Planungen konkret. Der städtische Freiflächenplan von 1920 bezog die Niederung der Aa ausdrücklich in die künftige Stadt- und Grünplanung ein und sah ihre Umgestaltung zu einem landschaftlich attraktiven Erholungsraum vor.
Damit verbanden sich wasserbauliche und städtebauliche Zielsetzungen. Das Flusstal sollte nicht lediglich technisch reguliert, sondern zugleich als öffentlicher Grünraum erschlossen werden. Diese Kombination aus Hochwasserschutz, Landschaftsgestaltung und Naherholung wurde für die spätere Entwicklung des Aasees prägend.
1924 begann der eigentliche Bau des älteren Aasees. Die Arbeiten verliefen nicht ohne Unterbrechungen. Erdreich musste ausgehoben, Flusslauf und Ufer mussten umgestaltet und Einrichtungen zur Regulierung des Wasserstandes geschaffen werden.
Im November 1928 wurde der erste Teil des neuen Sees geflutet. Damit erschien erstmals eine größere dauerhafte Wasserfläche in der früheren Aa-Niederung. Der damals entstandene See war jedoch noch deutlich kleiner als der heutige Aasee.
Im Dezember 1931 wurde durch einen sogenannten Durchstich die Verbindung zum zweiten Bauabschnitt hergestellt und ein zwischen den Bereichen verbliebener Damm beseitigt. Dadurch entstand eine zusammenhängende Wasserfläche von ungefähr elf Hektar.
Die Arbeiten am älteren Aasee wurden in der ersten Hälfte der 1930er Jahre abgeschlossen; als Fertigstellungsjahr wird 1934 angegeben. Damit verfügte Münster erstmals über einen größeren künstlichen innerstädtischen See.
Schon dieser ältere Aasee veränderte das Stadtbild erheblich. Aus einer feuchten Flussniederung war eine bewusst gestaltete Stadtlandschaft geworden. Der See bildete zugleich einen räumlichen Abschluss der damaligen südwestlichen Stadtentwicklung und einen Ausgangspunkt für neue Grünanlagen.
Der ursprüngliche See entsprach allerdings nur einem Teil der heutigen Wasserfläche. Mit dem starken Wachstum Münsters nach dem Zweiten Weltkrieg stiegen die Ansprüche an öffentliche Grün- und Erholungsflächen. Die Stadt dehnte sich zunehmend nach Westen und Südwesten aus, während Universität, Wohngebiete und Freizeiteinrichtungen den Raum um den Aasee stärker in das städtische Gefüge einbanden.
Zwischen 1972 und 1976 wurde der Aasee deshalb erheblich erweitert. Südwestlich des älteren Gewässers entstand der sogenannte neue Aasee. Dadurch wuchs die Wasserfläche auf annähernd ihre heutige Größe von rund 40 Hektar.
Mit dieser Erweiterung änderte sich die Dimension des gesamten Landschaftsraums. Der Aasee war nun nicht mehr lediglich ein kleinerer stadtnaher Stausee, sondern das Zentrum einer ausgedehnten Grün- und Freizeitachse, die weit aus der Innenstadt in Richtung Sentruper Höhe reicht.
Der Übergang zwischen altem und neuem See ist im heutigen Landschaftsbild für Besucher nicht immer unmittelbar erkennbar, weil beide Wasserflächen als zusammenhängendes Gewässer wahrgenommen werden. Straßen- und Brückenverbindungen gliedern den langgestreckten See jedoch in unterschiedliche Abschnitte.
Eine wichtige Querung ist die Torminbrücke. Weitere Straßen-, Fuß- und Radwegverbindungen überqueren beziehungsweise begleiten das Gewässer. Dadurch bleibt der See trotz seiner beträchtlichen Länge eng in das städtische Verkehrsnetz eingebunden.
Rund um den Aasee verlaufen durchgehende Fußwege und Radwege. Zusammen mit den angrenzenden Aaseewiesen bilden sie einen stark genutzten Freizeitbereich für Spaziergänger, Läufer und Radfahrer. Die gesamte Parklandschaft umfasst wesentlich mehr Fläche als der eigentliche See.
Der Aaseeraum ist zugleich Bestandteil einer bedeutenden städtischen Frischluftschneise. Offene Wasser-, Wiesen- und Gehölzflächen können sich gegenüber dicht bebauten innerstädtischen Bereichen anders aufheizen und abkühlen und tragen dadurch zum lokalen Stadtklima bei.
Die Bedeutung solcher Grünachsen nimmt bei zunehmender sommerlicher Hitze in Städten zu. Der Aasee ist deshalb nicht nur eine Freizeitanlage, sondern zugleich Bestandteil der städtischen Klima- und Freiraumstruktur.
Auf dem See selbst sind verschiedene Freizeitnutzungen möglich. Dazu gehören insbesondere Segeln, Rudern und Tretbootfahren. Segelschulen und Segelvereine nutzen das Gewässer regelmäßig.
Das Baden ist dagegen grundsätzlich nicht zugelassen. Der Aasee ist kein offiziell nach den entsprechenden europäischen Anforderungen ausgewiesenes Badegewässer. Seine intensive Nutzung als Freizeitlandschaft darf deshalb nicht mit der Funktion eines Badesees gleichgesetzt werden.
Ein besonderes Verkehrsmittel auf dem See ist das solarbetriebene Fahrgastschiff SOLAARIS. Es verbindet während seiner Betriebssaison verschiedene Ziele am Aasee und ermöglicht unter anderem die Fahrt in Richtung Zoo und Mühlenhof. Damit wird der See selbst als Verkehrsweg innerhalb des Freizeitgebietes genutzt.
Im südwestlichen Umfeld liegen mehrere bedeutende Freizeit- und Kultureinrichtungen. Dazu gehören der Allwetterzoo Münster, das Mühlenhof-Freilichtmuseum und das LWL-Museum für Naturkunde. Ihre räumliche Konzentration verstärkt die Bedeutung des Aaseeraums als überregional besuchtes Freizeitgebiet.
Der Aasee ist zugleich eng mit der modernen Kunst im öffentlichen Raum Münsters verbunden. Seit den ersten Skulptur Projekte Münster von 1977 entstanden im Umfeld des Sees mehrere international bekannte Arbeiten.
Besonders bekannt sind die Giant Pool Balls von Claes Oldenburg. Die drei 1977 geschaffenen Betonkugeln besitzen einen Durchmesser von jeweils etwa 3,5 Metern und liegen wie überdimensionierte Billardkugeln auf den Aaseewiesen beziehungsweise im Bereich der Aaseeterrassen.
Die Skulptur reagiert unmittelbar auf ihren räumlichen Kontext. Durch die extreme Vergrößerung alltäglicher Billardkugeln wird die Landschaft metaphorisch zu einer Spielfläche. Die im lokalen Sprachgebrauch häufig als Aaseekugeln bezeichneten Objekte gehören inzwischen zu den bekanntesten visuellen Zeichen Münsters.
Ebenfalls für die Skulptur Projekte 1977 schuf Donald Judd zwei ineinandergesetzte Betonringe auf den Aaseewiesen. Die Arbeit ist ausdrücklich auf die Fläche des Sees und die leichte Geländeneigung der Wiese abgestimmt und macht damit Landschaft selbst zum Bestandteil des Kunstwerks.
1997 entstand der Pier von Jorge Pardo. Das Werk verbindet die Gestalt eines Steges beziehungsweise einer Aufenthaltsplattform mit dem Charakter einer Skulptur. Es zeigt besonders deutlich, wie am Aasee die Grenzen zwischen Kunstwerk, Architektur, Landschaftsgestaltung und alltäglicher Nutzung ineinandergreifen.
Diese Kunstwerke machen den Aasee zu einem wichtigen Schauplatz der kulturellen Identität Münsters. Er ist nicht lediglich Hintergrund der Skulpturen, sondern wurde von den Künstlern bewusst als räumlicher und sozialer Kontext einbezogen.
Der See ist dadurch zugleich Teil der internationalen Wahrnehmung der Skulptur Projekte Münster. Die seit 1977 in größeren zeitlichen Abständen veranstaltete Ausstellung hat zahlreiche dauerhafte Werke im öffentlichen Stadtraum hinterlassen.
Neben seiner kulturellen und sozialen Bedeutung besitzt der Aasee eine komplexe Gewässerökologie. Seine geringe Tiefe, das große Einzugsgebiet und seine Lage innerhalb beziehungsweise unterhalb landwirtschaftlich genutzter Räume führen dazu, dass vergleichsweise viele Nährstoffe in das Gewässer gelangen können.
Zusätzliche Einträge erfolgen durch städtische Regenwassereinleitungen. Phosphor- und Stickstoffverbindungen können das Wachstum von Algen und Cyanobakterien fördern. Ein solches übermäßiges Nährstoffangebot wird als Eutrophierung bezeichnet.
Die geringe Tiefe des Aasees verstärkt bestimmte Folgen dieser Nährstoffbelastung. Bei längeren sommerlichen Hitzeperioden erwärmt sich der Wasserkörper rasch. Warmes Wasser kann weniger gelösten Sauerstoff aufnehmen als kaltes Wasser, während der Sauerstoffbedarf vieler Wasserorganismen gleichzeitig steigt.
Bei günstigen Bedingungen können Cyanobakterien, umgangssprachlich häufig als Blaualgen bezeichnet, massenhaft auftreten. Solche Blüten verändern die Wasserqualität und können teilweise Stoffe bilden, die für Menschen und Tiere problematisch sind.
Besonders dramatisch wurde diese ökologische Empfindlichkeit im heißen Sommer 2018 sichtbar. Eine lang anhaltende Wärmeperiode führte zu sehr hohen Wassertemperaturen. Nach dem Zusammenbruch einer ausgeprägten Blaualgenblüte wurde beim Abbau der organischen Masse sehr viel Sauerstoff verbraucht.
Der Sauerstoffhaushalt des Aasees brach schließlich zusammen. Tausende Fische starben. Das Ereignis wurde zu einem entscheidenden Ausgangspunkt für eine grundlegende Neubewertung der ökologischen Bewirtschaftung des Gewässers.
Nach Untersuchungen spielte neben Hitze und Algenblüte auch ein außergewöhnlich hoher Fischbestand eine Rolle. Eine sehr große Fischbiomasse erhöht den Sauerstoffbedarf des Gewässers und kann das ökologische Gleichgewicht zusätzlich belasten.
Die Stadt Münster entwickelte deshalb eine langfristige Resilienzstrategie für den Aasee. Ziel ist nicht die Herstellung eines völlig natürlichen Gewässers – dies wäre bei einem künstlichen innerstädtischen Stausee unrealistisch –, sondern eine größere Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitze, Nährstoffbelastung, Sauerstoffmangel und anderen Belastungen.
Zu den Maßnahmen gehören die Verringerung von Nährstoffeinträgen, eine gezieltere Steuerung des Fischbestandes, Verbesserungen an Ufer- und Pflanzenstrukturen sowie technische Überwachung des Gewässers. Ein Frühwarnsystem soll kritische Entwicklungen von Temperatur und Sauerstoffgehalt rechtzeitig erkennbar machen.
Weiterhin werden Möglichkeiten einer zusätzlichen Belüftung einzelner Bereiche geprüft beziehungsweise entwickelt. Durch zusätzlichen Sauerstoff sollen insbesondere ungünstige Prozesse im schlammigen Gewässerboden beeinflusst und die ökologische Stabilität verbessert werden.
Schwimmende Pflanzenzonen und ökologisch aufgewertete Ufer können zusätzliche Lebens-, Laich- und Rückzugsräume schaffen. Damit verändert sich die Gewässerbewirtschaftung von einer rein technischen Unterhaltung zunehmend in Richtung eines integrierten Gewässermanagements.
Der Aasee zeigt damit exemplarisch die Schwierigkeiten künstlicher flacher Stadtgewässer. Sie sollen gleichzeitig ästhetisch attraktiv, für Freizeit nutzbar, ökologisch funktionsfähig und wasserwirtschaftlich leistungsfähig sein. Diese Anforderungen können einander ergänzen, aber auch in Konflikt geraten.
Eine intensive Freizeitnutzung erfordert gut zugängliche Ufer und offene Wasserflächen. Ökologisch wertvolle Flachwasser- und Röhrichtbereiche benötigen dagegen Ruhe und strukturreiche Ufer. Wasserwirtschaftliche Anforderungen können wiederum Wasserstände und Abflüsse beeinflussen.
Auch die ursprüngliche Funktion als Hochwasserrückhalteraum ist historisch eng mit dem See verbunden. Die Niederung der Münsterschen Aa war vor dem Bau ein natürlicher Überflutungsraum. Durch die Anlage des Sees wurde ein Teil dieses Raums technisch neu geordnet.
Allerdings kann der Aasee Hochwasserprobleme im Einzugsgebiet nicht vollständig beseitigen. Extreme Niederschlagsereignisse können die Kapazität eines künstlichen Speichers überschreiten, und auch oberhalb des Sees gelegene Auenbereiche übernehmen weiterhin wichtige Retentionsfunktionen.
Die Münstersche Aa selbst besitzt für die Stadt eine weit ältere Bedeutung als der Aasee. Münster entstand an einem Übergang über den Fluss. Die Aa durchquert den historischen Stadtraum und gehört damit zu den grundlegenden naturräumlichen Voraussetzungen der Stadtentwicklung.
Der Aasee ist dagegen ein vergleichsweise junges Element. Das heute selbstverständlich wirkende Gewässer existiert erst seit dem 20. Jahrhundert. Fotografien und Karten aus der Zeit vor seinem Bau zeigen an seiner Stelle eine Niederungs- und Wiesenlandschaft.
Diese Tatsache ist für die Wahrnehmung moderner Kulturlandschaften wichtig. Ein Gewässer kann bereits nach wenigen Generationen als scheinbar natürlicher Bestandteil einer Stadt erscheinen, obwohl es vollständig durch menschliche Planung entstanden ist.
Der Aasee ist daher weder ausschließlich Naturraum noch ausschließlich technisches Bauwerk. Er ist eine hybride Landschaft aus aufgestautem Fließgewässer, Wasserbau, Parkgestaltung, Freizeitnutzung, Kunst, Verkehr und urbaner Ökologie.
Seine große Bedeutung für Münster zeigt sich auch in zahlreichen abgeleiteten Namen. Dazu gehören Aaseestadt, Aaseewiesen, Aaseeterrassen und weitere Orts- und Einrichtungsbezeichnungen. Der Gewässername wurde damit zu einem produktiven Bestandteil der lokalen Toponymie.
Die Aaseestadt ist ein südlich beziehungsweise südöstlich des Sees entstandenes Wohngebiet. Ihr Name ist sekundär vom Aasee abgeleitet. Die Benennungsrichtung verläuft also vom Fluss Aa über den See zum Stadtquartier.
Auch der alltägliche Sprachgebrauch zeigt, dass Aasee häufig mehr als nur die eigentliche Wasserfläche bezeichnet. Wendungen wie „am Aasee“, „zum Aasee fahren“ oder „ein Nachmittag am Aasee“ können den gesamten umgebenden Park-, Freizeit- und Kulturraum einschließen.
Sprachwissenschaftlich handelt es sich dabei um eine Form der Metonymie: Der Name eines zentralen geographischen Elements wird auf einen größeren funktional zusammengehörigen Raum übertragen.
Als Eigenname wird Aasee gewöhnlich mit bestimmtem Artikel verwendet: der Aasee. Der Genitiv lautet des Aasees, der Dativ dem Aasee und der Akkusativ den Aasee.
Ein Plural Aaseen ist grammatisch möglich, wenn mehrere verschiedene Seen dieses Namens oder mehrere aus Aa und See gebildete Gewässernamen gemeinsam bezeichnet werden. Beim münsterischen Eigennamen wird im normalen Gebrauch ausschließlich der Singular verwendet.
Der Münsteraner Aasee darf nicht allein aufgrund seines Namens mit anderen Gewässern namens Aasee gleichgesetzt werden. Da Aa in Nordwestdeutschland und anderen germanischen Sprachräumen ein häufiger Gewässername beziehungsweise Namensbestandteil ist, konnte die Bildung Aasee
Für das vorliegende Lemma ist deshalb die geographische Bestimmung Münster, Westfalen entscheidend. Gemeint ist der große innerstädtische Stausee der Münsterschen Aa und nicht ein anderes gleichnamiges Gewässer.
Insgesamt ist der Aasee eines der deutlichsten Beispiele der modernen Stadtlandschaft Münsters. Seine Geschichte reicht von wasserwirtschaftlichen Planungen des späten 19. Jahrhunderts über den ersten Ausbau der 1920er und 1930er Jahre und die große Erweiterung der 1970er Jahre bis zur heutigen Verbindung von Erholung, Kunst, Stadtklima und Gewässerökologie. Gerade weil er künstlich geschaffen wurde und dennoch heute als selbstverständlicher Teil des Stadtbildes erscheint, dokumentiert er besonders anschaulich, wie stark urbane Landschaften innerhalb eines Jahrhunderts verändert werden können.
Etymologie
Der Name Aasee ist eine transparente deutsche Zusammensetzung aus dem Gewässernamen Aa und dem Grundwort See. Im konkreten Fall bedeutet der Name „See der Aa“, genauer „See der Münsterschen Aa“. Der Name beschreibt damit unmittelbar die Entstehung und hydrologische Lage des Gewässers: Die Aa wird zu einem See aufgestaut.
Die morphologische Struktur lautet Aa + See → Aasee. Zwischen den beiden Bestandteilen steht kein Fugenelement. Das erste s des Gesamtwortes ist bereits der Anfang des Grundwortes See.
Das Grundwort See bestimmt sowohl die allgemeine Bedeutung als auch das grammatische Genus. Da ein Binnengewässer im Deutschen der See heißt, lautet auch der Eigenname der Aasee.
Das Wort See geht auf althochdeutsch sēo und mittelhochdeutsch sē zurück. Historisch konnte es sowohl größere Binnengewässer als auch Meereswasser bezeichnen. Im heutigen Standarddeutschen hat sich eine Genusunterscheidung ausgebildet: der See bezeichnet normalerweise ein Binnengewässer, die See vor allem das Meer.
Sprachgeschichtlich interessanter ist das erste Glied Aa. Der Name der Münsterschen Aa gehört zu einer alten germanischen Wortfamilie für „Wasser, Gewässer, Flusslauf“.
Für Westfalen wird Aa auf altsächsisch aha „Fließgewässer“ zurückgeführt. Entsprechende Formen begegnen auch im Althochdeutschen als aha und im Mittelhochdeutschen als ahe beziehungsweise verwandte Formen.
Die germanische Grundform wird als *ahwō rekonstruiert. Zu derselben weiteren indogermanischen Wortfamilie gehört lateinisch aqua „Wasser“. Die Ähnlichkeit ist daher nicht zufällig, sondern beruht auf einer sehr alten sprachgeschichtlichen Verwandtschaft.
Das alte germanische Wasserwort ist im neuhochdeutschen allgemeinen Wortschatz weitgehend verschwunden, lebt jedoch in zahlreichen Gewässernamen fort. Besonders im westfälischen Raum begegnen zahlreiche Flüsse und Bäche namens Aa.
In anderen Gebieten erscheinen verwandte Formen wie Ach, Ache, Aach, Au oder in skandinavischen Sprachen å. Solche Formen gehen nicht notwendig auf denselben individuellen Flussnamen zurück, sondern auf ein ehemals allgemeines Wort für Wasserlauf.
Auch die Münstersche Aa heißt deshalb ursprünglich sinngemäß schlicht „Wasserlauf“ beziehungsweise „Fluss“. Die Ergänzung Münstersche unterscheidet sie von den zahlreichen anderen Gewässern namens Aa.
Die Benennung Aasee entstand sekundär aus diesem Flussnamen. Da der im 20. Jahrhundert künstlich angelegte See aus einem Aufstau der Münsterschen Aa hervorging, lag eine unmittelbar beschreibende Benennung als Aasee nahe.
Synchron lässt sich der Name deshalb einfach als „See an beziehungsweise aus der Aa“ verstehen. Historisch betrachtet enthält er jedoch gewissermaßen zwei alte Wasserbezeichnungen: Aa geht auf ein Wort für „Wasserlauf“ zurück, während See ein weiteres altes germanisches Gewässerwort ist.
Eine wörtliche Übersetzung des Gesamtwortes als „Wassersee“ wäre dennoch irreführend. Zum Zeitpunkt der modernen Namensbildung war Aa längst kein produktives allgemeines Substantiv mehr, sondern ein Eigenname des Flusses. Für die Sprecher bedeutete Aasee deshalb konkret „See der Aa“ und nicht abstrakt „Wasser-See“.
Der Name ist auch nicht als Aas + See zu gliedern. Das Substantiv Aas bezeichnet einen toten Tierkörper beziehungsweise einen Kadaver und gehört zu einer völlig anderen Wortfamilie.
Die korrekte Gliederung lautet Aa + See. Weil Aa auf a endet und See mit s beginnt, entsteht durch einfache Zusammenschreibung die Buchstabenfolge Aasee. Das s gehört vollständig zum Grundwort See.
Damit ähnelt die orthographische Situation derjenigen bei Aaschlucht. Auch dort lautet die Gliederung Aa + Schlucht und nicht Aas + Schlucht. Beide Wörter können ohne Kenntnis des Flussnamens Aa leicht falsch analysiert werden.
Eine mögliche volksetymologische Verbindung des Münsteraner Aasees mit Aas wäre deshalb vollständig falsch. Weder Tierkadaver noch das Verb aasen haben etwas mit der Benennung des Sees zu tun.
Ebenso ist die Aa von der schweizerischen Aare zu unterscheiden. Die ähnliche Schreibung bedeutet nicht, dass Aasee „Aaresee“ wäre oder dass der Münsteraner See in irgendeiner geographischen Beziehung zur Aare steht.
Auch Aar in der älteren und dichterischen Bedeutung „Adler“ gehört einer anderen Wortgeschichte an. Aa, Aar, Aare und Aas liegen alphabetisch eng beieinander, müssen etymologisch jedoch strikt unterschieden werden.
Mit dem Familiennamen Aall besteht ebenfalls kein etymologischer Zusammenhang. Gleiches gilt für Eigennamen wie Jakob Aall. Ähnliche Anfangsbuchstaben erlauben keine Rückschlüsse auf gemeinsame Herkunft.
Die Bezeichnung Münstersche Aa ist ihrerseits eine differenzierende Zusammensetzung beziehungsweise Namengruppe. Das Adjektiv Münstersche stellt den geographischen Bezug zu Münster her, während Aa der eigentliche alte Gewässername ist.
Von diesem Flussnamen gingen mehrere sekundäre Bezeichnungen aus. Der wichtigste davon ist Aasee. Von diesem wurden wiederum Namen wie Aaseestadt, Aaseewiesen und Aaseeterrassen gebildet.
Es entsteht damit eine mehrstufige Namenfolge: Das alte Gewässerwort Aa wurde zum Namen der Münsterschen Aa; nach der künstlichen Aufstauung entstand daraus Aasee; und der Name des Sees wurde seinerseits zum Ausgangspunkt weiterer moderner Stadt- und Landschaftsbezeichnungen.
Bei Aaseestadt ist diese Entwicklung besonders deutlich. Die Bezeichnung des später entstandenen Wohnquartiers enthält bereits den vollständigen Gewässernamen Aasee als Bestimmungswort. Die Wortbildungsfolge lautet damit Aa → Aasee → Aaseestadt.
Die Schreibweise mit drei aufeinanderfolgenden Vokalen tritt bei Aasee nicht auf, weil der zweite Bestandteil mit einem Konsonanten beginnt. Das Wort besitzt vielmehr die graphisch auffällige Folge Aa-s-. Die beiden a gehören vollständig zum Flussnamen.
Die Aussprache des Erstgliedes enthält einen langen a-Laut. Die Zusammensetzung wird entsprechend als Verbindung von Aa und See gesprochen und nicht nach dem Substantiv Aas umgedeutet.
Das Wort Aasee ist außerdem keine ausschließlich münsterische Wortbildung. Da mehrere Flüsse Aa heißen, können unabhängig voneinander weitere Seen oder Stauseen als Aasee bezeichnet werden. Der Eigenname benötigt deshalb außerhalb des lokalen Zusammenhangs gegebenenfalls einen geographischen Zusatz.
Im Lemma Aasee, Münster bezeichnet das Wort eindeutig den künstlichen See der Münsterschen Aa in Westfalen. Seine heutige Gestalt ist zwar erst im 20. Jahrhundert geschaffen worden, sein erster Namensbestandteil bewahrt jedoch ein sehr altes germanisches Wort für einen Wasserlauf.
Die Etymologie verbindet damit zwei sehr unterschiedliche Zeitschichten: Aa gehört zu einer jahrtausendealten germanischen Gewässerwortfamilie; Aasee als konkreter Münsteraner Gewässername entstand erst mit dem modernen wasserbaulichen Projekt. Der Name bedeutet sachlich und wortbildungsmäßig schlicht „See der Münsterschen Aa“.