Jakob Aall
Grundbedeutung
Jakob Aall bezeichnet in deutschsprachiger Namensform den norwegischen Unternehmer, Eisenwerks- und Gutsbesitzer, Politiker, Historiker, Schriftsteller und Übersetzer Jacob Aall (* 27. Juli 1773 in Porsgrunn; † 4. August 1844 auf Næs Jernverk in Holt bei Tvedestrand). Die historisch maßgebliche und in norwegischen Quellen gebrauchte Schreibung seines Vornamens lautet Jacob. Die Form Jakob Aall ist daher keine andere Person, sondern eine orthographisch an das Deutsche beziehungsweise an die moderne nordische Variante Jakob angeglichene Namensform.
Aall gehörte zu den 112 Abgeordneten der norwegischen Reichsversammlung von Eidsvoll im Frühjahr 1814 und vertrat dort das damalige Nedenes Amt. Als Mitglied der fünfzehnköpfigen Verfassungskommission wirkte er an den Beratungen mit, aus denen die norwegische Verfassung von 1814 hervorging. In der für die Reichsversammlung zentralen Frage, ob Norwegen seine vollständige Selbständigkeit behaupten könne oder eine Union mit Schweden akzeptieren müsse, gehörte er zu jener Minderheit, die in der historischen Literatur gewöhnlich als Unionspartei bezeichnet wird. Diese Bezeichnung meint keine moderne politische Partei, sondern eine lose politische Gruppierung innerhalb der Reichsversammlung.
Seine Bedeutung reicht erheblich über das Jahr 1814 hinaus. Aall leitete seit 1799 Næs Jernverk, eines der bedeutenden norwegischen Eisenwerke seiner Zeit, war in Schifffahrt und Holzhandel tätig, engagierte sich während der napoleonischen Kriegs- und Hungerjahre für die Versorgung der südostnorwegischen Bevölkerung mit Getreide und gehörte später über mehrere Wahlperioden dem Storting an. Daneben veröffentlichte er Schriften zu Wirtschafts-, Bildungs- und Bergwerksfragen, übersetzte altnordische Sagaliteratur und verfasste mit Erindringer som Bidrag til Norges Historie fra 1800 til 1815 ein bis heute bedeutendes Quellenwerk zur norwegischen Geschichte der Jahre um 1814.
Wortart
Jakob Aall beziehungsweise historisch Jacob Aall ist ein Personenname, genauer eine aus Vorname und Familienname bestehende zweigliedrige Anthroponymverbindung. Der Name bezeichnet in diesem Artikel eine bestimmte historische Person und fungiert deshalb als individueller Eigenname.
Der Bestandteil Jakob/Jacob ist ein männlicher Vorname biblisch-hebräischen Ursprungs. Aall ist ein norwegischer Familienname einer ursprünglich aus dem dänischen Jütland stammenden Familie. Im Deutschen wird der gesamte Personenname syntaktisch weitgehend unflektiert gebraucht; Besitz- und Zugehörigkeitsbeziehungen können durch einen Genitiv auf -s am Familiennamen ausgedrückt werden: Jakob Aalls politische Schriften, historisch präziser Jacob Aalls Erindringer.
Aussprache
Bei Orientierung an der norwegischen Aussprache ist die historische Namensform Jacob Aall ungefähr als [ˈjɑː.kɔb ˈoːl] wiederzugeben. Der Vorname Jacob wird im Norwegischen nicht nach englischem Muster mit einem anlautenden [dʒ]-Laut gesprochen, sondern mit [j]. Der Familienname Aall entspricht in seiner Lautung ungefähr norwegisch Ål und besitzt einen langen gerundeten Vokal [oː].
Für die deutsch normalisierte Form Jakob Aall ist im deutschen Kontext auch eine teilweise eingedeutschte Aussprache des Vornamens möglich. Bei einer historisch-biographischen Behandlung der norwegischen Person ist jedoch eine möglichst norwegische Aussprache vorzuziehen. Besonders zu vermeiden ist eine englische Aussprache von Jacob oder eine buchstabengetreue Aussprache von Aall als zweisilbiges Wort.
Grammatik
| Lemma | Jakob Aall |
|---|---|
| Historisch maßgebliche Namensform | Jacob Aall |
| Wortart | Eigenname; Personenname |
| Namentyp | Vorname + Familienname |
| Geschlecht des Referenten | männlich |
| Vorname | Jacob; modern beziehungsweise deutsch normalisiert Jakob |
| Familienname | Aall |
| Nominativ | Jakob Aall / Jacob Aall |
| Genitiv | Jakob Aalls / Jacob Aalls; daneben analytisch: die Schriften von Jacob Aall |
| Dativ | Jakob Aall / Jacob Aall |
| Akkusativ | Jakob Aall / Jacob Aall |
| Artikelgebrauch | gewöhnlich artikellos |
| Plural | für die bezeichnete Einzelperson nicht regulär; bei mehreren Namensträgern kontextuell die Jacob Aalls / die Aalls |
| Aussprache, norwegisch orientiert | [ˈjɑː.kɔb ˈoːl] |
| Lebensdaten | 27. Juli 1773 – 4. August 1844 |
| Nationaler Kontext | Norwegen |
Der Eigenname wird syntaktisch wie andere Personennamen behandelt. Im Deutschen erscheint kein bestimmter Artikel, sofern keine besondere pragmatische Konstruktion vorliegt: Jacob Aall nahm 1814 an der Reichsversammlung teil. Der Genitiv wird regelmäßig mit -s gebildet: Aalls politische Haltung, Jacob Aalls Übersetzung der Königssagas. Wegen der ungewöhnlichen graphischen Form des Familiennamens ist in wissenschaftlichen Texten die analytische Umschreibung mit von oft besonders transparent.
Orthographie
Die biographisch und historisch korrekte Originalschreibung lautet Jacob Aall. Sie erscheint in norwegischen Nachschlagewerken, historischen Editionen, Bibliothekskatalogen, Archiven, im Storting und in der Fachliteratur. Auch Aalls eigene Veröffentlichungen tragen die Form Jacob Aall.
Die Schreibung Jakob Aall ist als deutschsprachige beziehungsweise modernisierte Form des Vornamens verständlich, darf aber nicht mit einer historischen Eigenschreibweise verwechselt werden. Für bibliographische Angaben, Werktitel, Normdaten und Zitate ist Jacob Aall vorzuziehen.
Der Familienname Aall wird nicht zu Åll modernisiert. Obwohl die Buchstabenfolge Aa in älteren dänisch-norwegischen Schreibtraditionen häufig einem heutigen Å entspricht und der Familienname mit dem Ortsnamen Ål zusammenhängt, ist Aall ein feststehender Familienname. Eigennamen behalten ihre historisch etablierte Orthographie auch dann bei, wenn sich die allgemeinen Rechtschreibkonventionen verändern.
Gebrauch
Im deutschsprachigen historischen und biographischen Gebrauch begegnet überwiegend Jacob Aall. Die Form Jakob Aall kann insbesondere in Texten auftreten, die Vornamen bekannter historischer Personen eindeutschen oder orthographisch vereinheitlichen. Für einen wissenschaftlich orientierten Lexikonartikel empfiehlt sich, die vom Lemma verlangte Form Jakob Aall sichtbar zu führen, die originale Form Jacob Aall jedoch gleich zu Beginn als maßgeblich auszuweisen.
Der Familienname allein, Aall, kann in einem eindeutig hergestellten biographischen Kontext ebenfalls auf Jacob Aall verweisen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Familie mehrere politisch, wirtschaftlich und kulturell bedeutende Angehörige hervorgebracht hat, darunter seine Brüder Niels Aall und Jørgen Aall. In historischen Darstellungen ist deshalb die Verwendung des vollständigen Namens häufig vorzuziehen.
Bedeutungsbereich
Der Bedeutungsbereich des Namens ist zunächst biographisch: Er bezeichnet eine bestimmte Person des norwegischen späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts.
Politisch gehört der Name in den Zusammenhang der norwegischen Staats- und Verfassungsgeschichte von 1814, der Reichsversammlung von Eidsvoll, der norwegisch-schwedischen Union und der frühen Geschichte des Storting.
Wirtschaftsgeschichtlich gehört Aall in die Bereiche Eisenindustrie, Bergbau, Holzhandel, Schifffahrt, Getreideversorgung und Wirtschaftspolitik. Sein Wirken auf Næs Jernverk verbindet die politische Biographie mit der norwegischen Frühindustrialisierung.
Kulturgeschichtlich umfasst der Name die Bereiche Geschichtsschreibung, Sagaliteratur, Übersetzung, nationale Erinnerungskultur und Bildungsgeschichte. Aalls Übersetzungen altnordischer Texte und seine historischen Erinnerungen wirkten weit über seine eigentliche politische Tätigkeit hinaus.
Ein weiterer Bedeutungsbereich ist die norwegische Universitätsgeschichte. Aall trat früh für eine eigene norwegische Universität ein und gehörte zu den bedeutenden privaten Unterstützern des 1811 beschlossenen Königlichen Friedrichs-Universitäts, des späteren Universität Oslo.
Lexikon
Jacob Aall wurde am 27. Juli 1773 in Porsgrunn geboren. Er stammte aus einer wohlhabenden Kaufmanns- und Grundbesitzerfamilie. Sein Vater Nicolai Benjamin Aall war Holzhändler und Gutsbesitzer, seine Mutter Amborg Jørgensdatter Wesseltoft entstammte ebenfalls einer bedeutenden Kaufmannsfamilie. Jacob war unter anderem Bruder von Niels Aall und Jørgen Aall, die ebenfalls eine bedeutende Rolle in der norwegischen Politik des Jahres 1814 spielten. Eine ausführliche wissenschaftlich betreute biographische Darstellung bietet das Store norske leksikon.
Im Alter von fünfzehn Jahren wurde Aall zur Ausbildung nach Dänemark geschickt und besuchte die Lateinschule in Nyborg auf Fünen. 1791 bestand er das Examen artium an der Universität Kopenhagen. Auf Wunsch seines Vaters studierte er Theologie und legte 1795 die theologische Abschlussprüfung ab. Eine geistliche Laufbahn entsprach jedoch weder seinen Fähigkeiten noch seinen Interessen. Er wandte sich zunehmend den Naturwissenschaften zu und hörte in Kopenhagen Vorlesungen über Chemie, Physik und Mineralogie.
Von 1797 bis 1799 setzte Aall seine naturwissenschaftliche und bergbautechnische Ausbildung auf einer europäischen Studienreise fort. Er besuchte unter anderem Leipzig, Göttingen und die berühmte Bergakademie Freiberg in Sachsen. Zugleich lernte er Bergwerke und Eisenhütten kennen. Diese Ausbildung war für seine spätere Tätigkeit von unmittelbarer praktischer Bedeutung, denn er kehrte nicht als Geistlicher, sondern als naturwissenschaftlich und bergbautechnisch gebildeter Unternehmer nach Norwegen zurück.
Nach dem Tod seines Vaters verwendete Aall seinen Erbanteil zum Erwerb von Næs Jernverk bei Tvedestrand. Der Kauf erfolgte 1799; anschließend entwickelte er das zuvor wirtschaftlich schwierige Werk durch technische, organisatorische und soziale Reformen weiter. Unter seiner Leitung wurde Næs zu einem der bedeutenden norwegischen Eisenwerke. Die Geschichte des Werkes und Aalls Tätigkeit werden heute vom Næs Jernverksmuseum erforscht und vermittelt.
Am 6. Dezember 1799 heiratete Aall in Kopenhagen Lovise Andrea Stephansen. Næs Verk wurde zum Mittelpunkt seines familiären, wirtschaftlichen und geistigen Lebens. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor, und spätere Generationen der Familie führten das Unternehmen weiter. Der Firmenname Jacob Aall & Søn bewahrte den Namen des Gründers beziehungsweise prägenden Besitzers weit über dessen Lebenszeit hinaus.
Die guten wirtschaftlichen Jahre vor 1807 ermöglichten Aall erhebliche Investitionen. Neben dem Eisenwerk war er an Holzexport und Schifffahrt beteiligt. Mit dem Eintritt Dänemark-Norwegens in die napoleonischen Kriege verschlechterten sich die Bedingungen dramatisch. Die britische Seeblockade, militärische Konflikte, Missernten und unterbrochene Handelswege führten in Norwegen zu erheblichen Versorgungsproblemen.
Aall engagierte sich in diesen Jahren intensiv für die Versorgung der Bevölkerung in den Gebieten um Arendal, Risør und Tvedestrand. Er beschaffte auf eigenes wirtschaftliches Risiko Getreide, nahm Kredite auf und ließ Lebensmittel teilweise zu günstigen Bedingungen weitergeben. Gleichzeitig erlitt er durch Schiffsverluste und die wirtschaftliche Krise erhebliche Vermögenseinbußen. Diese Erfahrungen prägten seine spätere politische Einschätzung der norwegischen Handlungsmöglichkeiten.
Sein politisches Denken entwickelte sich zunächst innerhalb des dänisch-norwegischen Gesamtstaates. Aall stand Dänemark kulturell und persönlich nahe und lehnte noch 1809 Pläne für einen abrupten Bruch mit Dänemark ab. Gleichzeitig verlangte er jedoch stärkere norwegische Institutionen. In seiner Schrift Fædrelandske Ideer von 1809 forderte beziehungsweise diskutierte er unter anderem Verbesserungen des Bildungswesens, eine norwegische Bank und eine eigene Universität.
Die Forderung nach einer norwegischen Universität war für die damalige norwegische Bildungs- und Staatsentwicklung von großer Bedeutung. Als 1811 die Gründung des Königlichen Friedrichs-Universitäts beschlossen wurde, gehörte Aall zu den privaten Förderern des Vorhabens. Zeitgenössische und spätere universitätsgeschichtliche Darstellungen führen ihn als besonders bedeutenden privaten Geldgeber der nationalen Sammlung für das neue Universitätsprojekt.
1813 wurde Aall erneut stärker in politische und finanzpolitische Beratungen einbezogen. Prinz Christian Frederik, der damalige Statthalter in Norwegen, besuchte ihn auf Næs, um Fragen des Bankwesens zu erörtern. Aall nahm anschließend an Beratungen über eine Kredit- und Diskontordnung teil. Damit gehörte er bereits vor den dramatischen Ereignissen von 1814 zu einem Netzwerk wirtschaftlich und politisch einflussreicher norwegischer Persönlichkeiten.
Der Kieler Frieden vom Januar 1814 veränderte die politische Lage grundlegend. Der dänische König musste Norwegen an den schwedischen König abtreten. In Norwegen entwickelte sich unter Christian Frederik dagegen eine Bewegung zur staatlichen Selbständigkeit, die zur Einberufung einer verfassungsgebenden Reichsversammlung führte.
Aall wurde zum Vertreter des Nedenes Amt in die Reichsversammlung von Eidsvoll gewählt. Sein Wahlverfahren war ungewöhnlich, weil er sich zum Zeitpunkt der Wahl nicht im Amt aufhielt und damit nach enger Auslegung der Wahlregeln nicht ohne Weiteres wählbar war. Die Wahlmänner des Amtes entschieden sich dennoch einstimmig für ihn; die Wahl wurde mit Zustimmung des Prinzregenten anerkannt.
Die Reichsversammlung trat im April 1814 in Eidsvoll zusammen. Aall wurde in die aus fünfzehn Mitgliedern bestehende Verfassungskommission gewählt. Diese Kommission hatte die Aufgabe, die Grundlagen und anschließend den Entwurf der neuen Verfassung zu beraten. Dass Aall als Nichtbeamter in dieses zentrale Gremium gelangte, war bemerkenswert: Nach der Darstellung von Eidsvoll 1814 waren dreizehn der fünfzehn Mitglieder Beamte; die beiden Ausnahmen waren Herman Wedel Jarlsberg und Jacob Aall.
Die politischen Gegensätze der Reichsversammlung werden traditionell mit den Bezeichnungen Selbständigkeitspartei und Unionspartei beschrieben. Dabei handelte es sich nicht um Parteien im modernen organisatorischen Sinn. Die Mehrheit um Christian Magnus Falsen und Georg Sverdrup wollte die vollständige staatliche Selbständigkeit durchsetzen. Die Minderheit um Herman Wedel Jarlsberg bezweifelte angesichts der internationalen Machtlage, der langen Kriegsbelastung und der wirtschaftlichen Schwäche, dass eine dauerhafte völlige Unabhängigkeit gegen Schweden und die Großmächte durchzusetzen sei.
Aall schloss sich dieser Minderheit an. Seine Position war nicht Ausdruck einer einfachen Schwedenbegeisterung. Quellen wie sein Tagebuch und seine späteren Erinnerungen zeigen vielmehr eine von wirtschaftlichen und außenpolitischen Erwägungen bestimmte Haltung. Er war Dänemark eng verbunden und stand Schweden keineswegs vorbehaltlos gegenüber, hielt eine schwedisch-norwegische Verbindung aber unter bestimmten Bedingungen für einen möglichen Ausweg aus der militärischen und wirtschaftlichen Krise. Das Nasjonalarkivet hebt gerade diesen Zusammenhang zwischen Kriegserfahrung, Versorgungskrise und Aalls politischem Realismus hervor.
Am 21. April 1814 führte Aall nach der Überlieferung ein vertrauliches Gespräch mit Christian Frederik. Aall verwies dabei auf die Erschöpfung des Landes nach Krieg und Blockade und erklärte, eine Verbindung mit Schweden müsse zumindest als letzte Möglichkeit geprüft werden. Die Auseinandersetzung um diese Haltung war auf Eidsvoll scharf, und Aall empfand seine Stellung innerhalb der Minderheit persönlich als belastend.
Unabhängig von seiner Position in der Unionsfrage arbeitete Aall in der Verfassungskommission an jenem Verfahren mit, das zur Verfassung vom 17. Mai 1814 führte. Die Verfassung begründete ein konstitutionelles monarchisches System mit repräsentativer Gesetzgebung und Gewaltenteilung. Eine digitale Darstellung des Originaldokuments sowie der Beratungszusammenhänge bietet das Museum Eidsvoll 1814.
Nach der kurzen Selbständigkeitsphase kam es im Sommer 1814 zum schwedisch-norwegischen Krieg und anschließend zur Konvention von Moss. Im Herbst wurde die Verfassung für die Union mit Schweden geändert. Aall gehörte dem außerordentlichen Storting des Herbstes 1814 nicht an. Ein späteres Angebot, für ein Regierungsamt vorgeschlagen zu werden, nahm er nicht an.
Seit 1815 beteiligte sich Aall erneut regelmäßig an der parlamentarischen Arbeit. Die parlamentarische Datenbank PolSys/Sikt verzeichnet ihn als ordentlichen Vertreter für Nedenes in den Wahlperioden 1815–1817, 1821–1823, 1827–1829 und 1830–1832; für 1818–1820 und 1836–1838 erscheint er dort als Ersatzvertreter. Historische Darstellungen können Sitzungen, Wahlperioden und tatsächliche Teilnahme unterschiedlich zählen, weshalb pauschale Angaben über die Zahl seiner „Stortingsperioden“ gelegentlich voneinander abweichen.
Im Parlament beschäftigte sich Aall besonders intensiv mit Wirtschafts-, Bank-, Bergbau-, Forst- und Gewerbefragen. Seine praktische Erfahrung als Unternehmer und Eisenwerksbesitzer verschaffte ihm detaillierte Kenntnisse wirtschaftlicher Produktionsbedingungen. Er trat unter anderem für wirtschaftliche Liberalisierungen ein und beteiligte sich an Diskussionen über Bank- und Geldwesen, Bergwerksrecht und die Zukunft des Kongsberger Silberbergbaus.
Seine wirtschaftspolitischen Auffassungen weisen Einflüsse der politischen Ökonomie Adam Smiths auf, waren jedoch stark von praktischer Erfahrung geprägt. Aall war weder ein systematischer Theoretiker im späteren akademischen Sinn noch bloß Interessenvertreter eines einzelnen Unternehmens. In vielen Fragen verband er marktliberale Argumente mit Überlegungen zur staatlichen Verantwortung und zur wirtschaftlichen Stabilisierung des Landes.
Ein charakteristisches Beispiel war seine Stellung zu älteren Verpflichtungen von Waldbesitzern gegenüber Bergwerken. Obwohl er als Eisenwerksbesitzer selbst von bestimmten traditionellen Privilegien profitieren konnte, unterstützte er Reformen, die solche Bindungen lockern beziehungsweise beseitigen sollten. Damit stellte er in einzelnen wirtschaftspolitischen Fragen allgemeinere Prinzipien über den unmittelbaren Vorteil des eigenen Betriebes.
Aalls politische Rolle lässt sich deshalb nicht angemessen auf die Etiketten „Unionist“ oder „Gegner der Selbständigkeit“ reduzieren. Seine Tätigkeit nach 1814 spielte sich innerhalb des neuen norwegischen Verfassungsstaates ab. Er arbeitete im Storting an praktischen wirtschaftlichen, institutionellen und gesetzgeberischen Aufgaben mit und gehörte jener frühen politischen Elite an, die den neuen Staat nach den Verfassungsereignissen organisatorisch konsolidierte.
Parallel dazu führte Aall Næs Jernverk durch die wirtschaftlich schwierige Zeit nach den napoleonischen Kriegen. Der Verlust traditioneller Märkte und die veränderten Zollverhältnisse stellten das Werk vor erhebliche Herausforderungen. Dennoch gelang es, den Betrieb zu stabilisieren. Später konnte Aall einen Teil der täglichen Leitung an seine Söhne übertragen und mehr Zeit für wissenschaftliche und literarische Arbeit gewinnen.
Bereits seit seiner Jugend interessierte sich Aall für Geschichte und Literatur. Im frühen 19. Jahrhundert wandte er sich verstärkt dem Altnordischen zu und beschäftigte sich mit den isländischen Sagas. Er war an der Zeitschrift Saga beteiligt und veröffentlichte Übersetzungen altnordischer Texte. Damit gehörte er zu den frühen Vermittlern der mittelalterlichen nordischen Literatur an ein breiteres norwegisches Lesepublikum.
Besonders bedeutsam wurde seine Übersetzung von Snorri Sturlusons norwegischen Königssagas, die 1838–1839 in drei Bänden erschien. Aall finanzierte die Ausgabe selbst. Seine Arbeit stand am Übergang zwischen gelehrter Altertumsforschung, nationaler Geschichtskultur und der entstehenden norwegischen Nationalromantik. Das Norsk Oversetterleksikon hebt seine außergewöhnlich umfangreiche Tätigkeit als Sagaübersetzer in der Zeit zwischen 1814 und 1840 hervor.
Sein bedeutendstes historisches Werk sind die Erindringer som Bidrag til Norges Historie fra 1800 til 1815. Die umfangreiche Darstellung erschien 1844–1845 in drei Bänden. Aall verarbeitete darin persönliche Erfahrungen, Tagebuchaufzeichnungen, politische Beobachtungen und weiteres Material zu einer Geschichte der Jahre, die von den letzten Jahrzehnten des dänisch-norwegischen Gesamtstaates zur Verfassungsrevolution von 1814 führten.
Die Erindringer sind keine neutrale Chronik im modernen geschichtswissenschaftlichen Sinn. Aall war selbst Beteiligter vieler geschilderter Vorgänge und schrieb aus der Perspektive eines politischen Akteurs. Gerade deshalb besitzen seine Aufzeichnungen einen hohen Quellenwert: Sie dokumentieren Wahrnehmungen, Konflikte, Entscheidungsprozesse und Rechtfertigungen eines unmittelbar Beteiligten. Eine wissenschaftlich aufbereitete digitale Ausgabe ist über Bokselskap.no zugänglich.
Auch sein während der Reichsversammlung geführtes beziehungsweise unmittelbar danach ausgearbeitetes Tagebuch ist eine wichtige Quelle. Es ermöglicht den Vergleich zwischen Aalls unmittelbaren Reaktionen von 1814 und der späteren, stärker reflektierten Darstellung in den Erindringer. Historiker können dadurch untersuchen, wie sich persönliche Erinnerung, politische Selbstdeutung und zeitnahe Beobachtung voneinander unterscheiden.
Seine schriftstellerische Tätigkeit beschränkte sich nicht auf Geschichtsschreibung. Zu seinen Veröffentlichungen gehören Arbeiten über Eisenverhüttung, Getreidemangel, Sägewerksprivilegien, wirtschaftspolitische Fragen und allgemeine gesellschaftliche Probleme. Zwischen 1832 und 1836 veröffentlichte er die mehrbändige Reihe Nutid og Fortid, in der er wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Fragen behandelte.
Aall erhielt zu Lebzeiten mehrere Auszeichnungen. Er gehörte wissenschaftlichen Gesellschaften in Norwegen, Dänemark und Schweden an und wurde unter anderem mit der norwegischen Borgerdådsmedaljen ausgezeichnet. Außerdem war er Träger des Dannebrogordens sowie schwedischer Orden. Diese Ehrungen spiegeln seine Stellung in einem skandinavischen politischen und gelehrten Netzwerk wider, das nationale Grenzen trotz der politischen Konflikte der Epoche überschritt.
Nach 1830 zog sich Aall zunehmend aus der aktiven Politik zurück und konzentrierte sich stärker auf wissenschaftliche, historische und literarische Arbeiten. Der Tod seiner Frau Lovise Andrea im Jahr 1825 hatte ihn persönlich schwer getroffen. Hinzu kamen gesundheitliche Probleme, die sich in seinen späteren Lebensjahren verstärkten.
Jacob Aall starb am 4. August 1844 auf Næs Jernverk in Holt. Er wurde auf dem Friedhof von Holt beigesetzt. Sein Nachleben ist eng mit Næs Verk, der Erinnerung an die Eidsvollmänner und der norwegischen Verfassungs- und Industriegeschichte verbunden.
Im Storting befindet sich ein von Christian Krohg 1914 geschaffenes Porträt Aalls. Es gehört zum sogenannten Eidsvollsgalleri, das zum hundertjährigen Verfassungsjubiläum eingerichtet wurde. Damit wurde Aall dauerhaft in die visuelle staatliche Erinnerungskultur an die Reichsversammlung von 1814 aufgenommen.
Sein historischer Rang beruht somit auf einer ungewöhnlichen Verbindung mehrerer Tätigkeitsbereiche. Er war zugleich praktischer Unternehmer und Wirtschaftspublizist, Verfassungsabgeordneter und Parlamentarier, Bildungsförderer und Historiker, Übersetzer mittelalterlicher Literatur und Chronist der politischen Umbruchszeit. Gerade diese Verbindung macht Jacob Aall zu einer wichtigen Gestalt für das Verständnis der norwegischen Übergangsphase vom dänisch-norwegischen Gesamtstaat zum eigenständigen Verfassungsstaat des 19. Jahrhunderts.
Etymologie
| Lemma | Jakob Aall |
|---|---|
| Historische Form | Jacob Aall |
| Namentyp | Vorname + Familienname |
| Vorname | Jacob, Variante von Jakob |
| Sprachliche Herkunft des Vornamens | über griechisch Ἰάκωβος und lateinisch Iacobus aus hebräisch יַעֲקֹב |
| Traditionelle Namensdeutung | im Alten Testament mit „Ferse“ beziehungsweise „an der Ferse halten“ verbunden |
| Alternative wissenschaftliche Deutung | möglicherweise Kurzform eines theophoren Namens mit der Bedeutung „Gott möge schützen“ |
| Familienname | Aall |
| Herkunft der Familie Aall | Ål Sogn im damaligen Ribe Amt auf Jütland, Dänemark |
| Norwegischer Familienzweig | seit dem frühen 18. Jahrhundert in Porsgrunn etabliert |
| Aussprache von Aall | ungefähr [oːl] |
Der Vorname Jacob ist eine graphische Variante von Jakob. Beide Formen gehen letztlich auf den hebräischen Namen Yaʿaqov zurück. Die traditionelle biblische Deutung verbindet den Namen mit der Ferse des Zwillingsbruders Esau; in der modernen Namenforschung wird daneben eine ältere theophore Deutung im Sinn von „Gott möge schützen“ beziehungsweise „Gott beschütze“ diskutiert.
Der Familienname Aall gehört zu einer norwegischen Familie, deren ältere Herkunft nach der genealogischen Überlieferung im Ål Sogn des früheren Ribe Amts in Jütland liegt. Der norwegische Familienzweig wurde im frühen 18. Jahrhundert in Porsgrunn dauerhaft ansässig. Die Namensgeschichte des Familiennamens ist deshalb mit dänischer Herkunft, norwegischer Kaufmannsgeschichte und der älteren Schreibtradition Aa verbunden.
Wortgeschichte
Die Wortgeschichte des Lemmas ist im Wesentlichen eine Namensgeschichte. Der historische Namensträger selbst erscheint in zeitgenössischen Dokumenten und auf seinen Veröffentlichungen als Jacob Aall. Diese Schreibung blieb in norwegischer Historiographie, Bibliographie und Erinnerungskultur stabil.
Der Vorname Jacob gehört zu den traditionellen skandinavischen Schreibvarianten des biblischen Namens. Spätere norwegische Sprachentwicklung machte Jakob zu einer ebenfalls verbreiteten Form, ohne ältere Eigennamen rückwirkend zu verändern. Deshalb ist zwischen der allgemeinen Entwicklung des Vornamens und der individuellen historischen Namensform zu unterscheiden.
Der Familienname Aall blieb ebenfalls unverändert, obwohl die norwegische Rechtschreibung im 20. Jahrhundert in zahlreichen allgemeinen Wörtern und Ortsnamen älteres Aa durch Å ersetzte. Familiennamen unterliegen einer solchen Modernisierung nicht automatisch. Die historische Form besitzt genealogische und identitätsstiftende Kontinuität.
Nach Aalls Tod wurde sein Name zunehmend zu einem Erinnerungsnamen. Straßen, historische Darstellungen, Firmenbezeichnungen, Museumsarbeit und das parlamentarische Eidsvollsgalleri hielten ihn präsent. Dadurch erweiterte sich der Gebrauch vom unmittelbaren Personennamen zum Bestandteil norwegischer Erinnerungs- und Kulturgeschichte.
Historische Einordnung
Jacob Aalls Lebenszeit umfasst eine für Skandinavien grundlegende Umbruchphase. Bei seiner Geburt 1773 war Norwegen Teil des absolutistisch regierten dänisch-norwegischen Gesamtstaates. Als er 1844 starb, besaß Norwegen seit drei Jahrzehnten eine eigene Verfassung, ein eigenes Parlament und weitgehende innere Selbständigkeit innerhalb der Personalunion mit Schweden.
Seine Jugend fiel in die europäische Aufklärung und die Zeit der amerikanischen und französischen Revolution. Seine naturwissenschaftliche Ausbildung in Deutschland verband ihn mit jener europäischen Wissenskultur, in der Bergbau, Mineralogie, Chemie und ökonomische Modernisierung eng miteinander verbunden waren.
Die napoleonischen Kriege machten aus dem wirtschaftlich erfolgreichen Eisenwerksbesitzer einen politisch engagierten Akteur. Blockade, Hunger, Außenhandel und die militärische Abhängigkeit Norwegens waren für Aall keine abstrakten Fragen, sondern Erfahrungen aus seiner eigenen Unternehmertätigkeit und aus der Versorgungspolitik. Dies erklärt einen erheblichen Teil seiner späteren Vorsicht gegenüber einer militärisch kaum abgesicherten vollständigen Selbständigkeit.
1814 steht Aall innerhalb einer politischen Minderheit der Reichsversammlung. Diese Stellung darf nicht mit späteren Parteibegriffen überformt werden. Die sogenannte Unionspartei war kein institutionalisierter Parteiapparat, sondern eine Gruppe von Abgeordneten, die hinsichtlich der außenpolitischen Durchsetzbarkeit einer vollständigen norwegischen Selbständigkeit skeptischer waren als die Mehrheit.
Nach dem Abschluss der Union mit Schweden arbeitete Aall innerhalb des neuen Verfassungsstaates weiter. Seine parlamentarischen Aktivitäten zeigen damit einen Übergang von der verfassunggebenden Ausnahmesituation des Jahres 1814 zur institutionellen Alltagsarbeit eines jungen Parlaments.
Kulturgeschichtlich gehört seine spätere Beschäftigung mit Sagas und norwegischer Vergangenheit in die Phase, in der historische und sprachliche Quellen des Mittelalters zunehmend für die Ausbildung eines eigenständigen norwegischen Nationalbewusstseins genutzt wurden. Aalls Tätigkeit steht zeitlich vor der Hochphase der Nationalromantik, bereitete aber wichtige Texte und historische Wissensbestände für sie auf.
Antonyme
Der Personenname Jakob Aall besitzt kein lexikalisches Antonym. Individuelle Eigennamen bilden grundsätzlich keine regulären Gegensatzpaare.
Auch politische Gegenpositionen des Jahres 1814 sind keine Antonyme des Namens. Selbständigkeitspartei und Unionspartei bezeichnen historiographische politische Gruppierungen beziehungsweise Positionen, nicht sprachliche Gegensätze zu Jacob Aall.
Synonyme und bedeutungsverwandte Ausdrücke
Jacob Aall – historisch maßgebliche und in norwegischen Quellen übliche Namensform.
Jakob Aall – deutsch beziehungsweise modern orthographisch normalisierte Form des Vornamens.
Eidsvollsmann – norwegische historische Bezeichnung für einen Teilnehmer der Reichsversammlung von Eidsvoll 1814; auf Aall zutreffende Rollenbezeichnung, aber kein eigentliches Synonym.
Stortingsabgeordneter – politische Funktionsbezeichnung für Aall während mehrerer Wahlperioden.
Eisenwerksbesitzer – wirtschaftsgeschichtliche Rollenbezeichnung für Aall als Eigentümer von Næs Jernverk.
Historiker – bedeutungsverwandte Berufs- und Tätigkeitsbezeichnung für Aalls historische Arbeiten.
Sagaübersetzer – Bezeichnung seiner umfangreichen Übersetzungstätigkeit an altnordischen Texten.
Abgrenzung
Jacob Aall (1773–1844) ist zunächst von anderen Angehörigen der Familie Aall abzugrenzen. Besonders wichtig ist die Unterscheidung von seinem gleichnamigen Onkel Jacob Aall (1754–1826), einem norwegischen Kaufmann und Gutsbesitzer, sowie von Aalls eigenem Sohn Jacob Aall (1809–1879).
Er ist ferner nicht mit seinem Bruder Jørgen Aall (1771–1833) zu verwechseln. Jørgen Aall war ebenfalls Mitglied der Reichsversammlung von Eidsvoll, vertrat dort jedoch Porsgrunn und gehörte politisch eher zum Selbständigkeitslager.
Ebenso zu unterscheiden ist Jacob Aall von seinem Bruder Niels Aall (1769–1854), der 1814 Mitglied der norwegischen Regierung war und später an den Verhandlungen beteiligt war, die zur Konvention von Moss führten.
Die Bezeichnung Unionspartei darf bei Jacob Aall nicht im Sinn einer modernen Parteimitgliedschaft verstanden werden. Die politischen Gruppierungen der Eidsvollversammlung besaßen weder dauerhaft organisierte Mitgliedschaften noch Parteiprogramme im heutigen Sinn.
Schließlich ist Aall nicht ausschließlich als Politiker zu klassifizieren. Eine Reduktion auf seine Haltung in der Unionsfrage blendet seine jahrzehntelange wirtschaftliche Tätigkeit, seine parlamentarische Sacharbeit, seine Geschichtsschreibung, sein Bildungsengagement und seine Übersetzungen aus.
Kontext
Zum biographischen Kontext gehören Porsgrunn, Næs Jernverk, Holt, Tvedestrand, Kopenhagen, Nyborg, Leipzig, Göttingen und Freiberg.
Zum politischen Kontext gehören 1814, Reichsversammlung von Eidsvoll, norwegische Verfassung, Christian Frederik, Herman Wedel Jarlsberg, Selbständigkeitspartei, Unionspartei, Schweden, Dänemark, Storting und norwegisch-schwedische Union.
Zum wirtschaftsgeschichtlichen Kontext gehören Eisenwerk, Bergbau, Eisenverhüttung, Holzhandel, Schifffahrt, Getreidehandel, Napoleonische Kriege, Blockade, Hungerjahre, Bankwesen, Gewerbefreiheit und Kongsberg Silberbergwerk.
Zum kulturgeschichtlichen Kontext gehören Snorri Sturluson, Königssagas, altnordische Literatur, Sagaübersetzung, Geschichtsschreibung, Nationalromantik, historische Erinnerung und norwegische Universitätsgründung.
Kollokationen und Kookkurrenzen
Jacob Aall und Eidsvoll – besonders stabile historische Verbindung im Zusammenhang mit der Reichsversammlung von 1814.
Jacob Aall und Næs Jernverk – zentrale wirtschafts- und industriegeschichtliche Verbindung.
Jacob Aall 1814 – typische Such- und Darstellungskombination zur Verfassungsgeschichte.
Eidsvollsmann Jacob Aall – häufige biographische Charakterisierung.
Jacob Aalls Erindringer – feste Verbindung für sein historisches Hauptwerk.
Jacob Aalls Tagebuch – quellenhistorische Verbindung im Zusammenhang mit den Ereignissen von 1814.
Jacob Aalls Snorre-Übersetzung – literatur- und übersetzungsgeschichtlicher Zusammenhang.
Jacob Aall und Herman Wedel Jarlsberg – politische Kookkurrenz im Zusammenhang mit der Unionsfrage.
Jacob Aall und Christian Frederik – Zusammenhang der politischen und finanzpolitischen Beratungen von 1813 und 1814.
Jacob Aall und das norwegische Universitätsprojekt – bildungs- und institutionengeschichtliche Verbindung.
Oberbegriff
Lexikologisch lautet die Hierarchie: sprachliches Zeichen → Eigenname → Personenname → vollständiger Personenname → Jakob Aall / Jacob Aall.
Onomastisch: Anthroponym → Vorname-Familienname-Verbindung → historischer norwegischer Personenname → Jacob Aall.
Biographisch: Person → historische Person → Norweger → Persönlichkeit des frühen 19. Jahrhunderts → Jacob Aall.
Politisch: politischer Akteur → Verfassungsabgeordneter → Mitglied der Reichsversammlung von Eidsvoll 1814 → Jacob Aall.
Parlamentarisch: Abgeordneter → Stortingsabgeordneter → Vertreter des Nedenes Amt → Jacob Aall.
Wirtschaftsgeschichtlich: Unternehmer → Eisenwerksbesitzer → Eigentümer von Næs Jernverk → Jacob Aall.
Kulturgeschichtlich: Autor und Übersetzer → Historiker und Sagaübersetzer → Jacob Aall.
Unterbegriffe
Als individueller Personenname besitzt Jacob Aall keine echten lexikalischen Unterbegriffe. Ein Eigenname bezeichnet einen einzelnen Referenten und bildet daher normalerweise keine semantische Gattung mit Unterarten.
Innerhalb der biographischen Beschreibung lassen sich jedoch unterschiedliche Rollen desselben Referenten unterscheiden: Jacob Aall als Eisenwerksbesitzer, Jacob Aall als Eidsvoll-Abgeordneter, Jacob Aall als Stortingspolitiker, Jacob Aall als Wirtschaftspublizist, Jacob Aall als Historiker und Jacob Aall als Sagaübersetzer.
Diese Ausdrücke sind keine Unterbegriffe des Eigennamens im streng lexikologischen Sinn, sondern perspektivische Rollenbezeichnungen für ein und dieselbe Person.
Wortfamilie
Jacob – historische Schreibform des Vornamens.
Jakob – moderne und deutsche Schreibvariante desselben Vornamens.
Aall – Familienname der norwegischen Familie Aall.
Familie Aall – genealogischer Zusammenhang des Familiennamens.
Niels Aall – Bruder Jacob Aalls, norwegischer Politiker und Staatsrat.
Jørgen Aall – Bruder Jacob Aalls, Kaufmann, Eidsvoll-Abgeordneter und Stortingspolitiker.
Jacob Aall (1809–1879) – Sohn des hier behandelten Jacob Aall.
Jacob Aalls gate – nach Jacob Aall benannte Straße in Oslo.
Jacob Aall & Søn – Unternehmensname, der den Familiennamen wirtschaftsgeschichtlich fortführt.
Wortbildung
Der Name Jacob Aall ist keine Wortbildung im engeren Sinn der Kompositions- oder Derivationslehre. Er besteht aus zwei selbständigen onomastischen Elementen:
Jacob + Aall → Jacob Aall.
Das erste Element individualisiert die Person innerhalb der Familie durch den Vornamen, das zweite ordnet sie genealogisch der Familie Aall zu. Beide Bestandteile bleiben formal selbständig und werden durch ein Leerzeichen getrennt.
Die Variante Jakob Aall entsteht nicht durch morphologische Wortbildung, sondern durch orthographische Substitution der Vornamensvariante Jacob durch Jakob. Der Familienname bleibt davon unberührt.
Polysemie
Als vollständiger Eigenname ist Jacob Aall primär monoreferentiell: In einem entsprechend präzisierten historischen Kontext bezeichnet er den 1773 geborenen norwegischen Politiker und Unternehmer.
Eine gewisse Mehrdeutigkeit entsteht dadurch, dass innerhalb der Familie Aall mehrere Personen den Vornamen Jacob trugen. Ohne Lebensdaten oder Kontext kann Jacob Aall deshalb auf unterschiedliche historische Namensträger verweisen.
Außerdem kann der Name metonymisch vom Menschen auf sein Werk übergehen. Eine Formulierung wie „bei Aall findet sich eine ausführliche Darstellung der Ereignisse“ bezeichnet nicht den Menschen als körperliche Person, sondern seine Schriften.
In Firmennamen, Straßennamen und institutionsgeschichtlichen Bezeichnungen erscheint Jacob Aall ferner als erinnerungskultureller Namensbestandteil. Dabei bezeichnet der Name nicht unmittelbar die historische Person, sondern signalisiert eine Benennung nach ihr.
Homonyme und Homographe
Die wichtigste homographische Konkurrenz ergibt sich innerhalb der Familie selbst. Der Name Jacob Aall wurde von mehreren Personen getragen.
Jacob Aall (1754–1826) war ein älterer Verwandter und Onkel des Eidsvollmannes. Er war Kaufmann und Gutsbesitzer und darf nicht mit dem 1773 geborenen Politiker verwechselt werden.
Jacob Aall (1809–1879) war ein Sohn des hier behandelten Jacob Aall. In genealogischen und archivischen Zusammenhängen müssen daher Lebensdaten oder weitere Berufsangaben ergänzt werden.
Der Familienname Aall ist außerdem nicht mit dem deutschen Tiernamen Aal gleichzusetzen. Die lautliche Nähe ist zufällig beziehungsweise durch unterschiedliche sprachgeschichtliche Entwicklungen bedingt; beim Familiennamen handelt es sich um einen Eigennamen mit eigener genealogischer Geschichte.
Redewendungen und Sprichwörter
Mit dem Personennamen Jacob Aall sind keine allgemeinsprachlichen deutschen oder norwegischen Sprichwörter verbunden.
In der historischen Forschung können Formulierungen wie „nach Aall“, „Aall zufolge“, „Aall berichtet“ oder „in Aalls Erindringer“ wiederkehrend auftreten. Sie sind jedoch wissenschaftssprachliche Quellenformeln und keine Redewendungen.
Auch die Bezeichnung Eidsvollsmann ist keine Redewendung, sondern eine historisch etablierte Sammelbezeichnung für die Abgeordneten der Reichsversammlung von 1814.
Metaphern
Der Name Jacob Aall ist an sich nicht metaphorisch. In geschichtlichen Darstellungen kann Aall jedoch als Repräsentant größerer historischer Entwicklungen verwendet werden: als Beispiel für den Übergang vom aufgeklärten dänisch-norwegischen Wirtschaftsbürgertum zur politischen Elite des neuen norwegischen Verfassungsstaates.
Auch die Bezeichnung eines Eidsvollmannes als „Gründungsvater“ des modernen Norwegens wäre metaphorisch zu verstehen. Sie kann die Beteiligung an der Verfassungsgründung verdeutlichen, darf aber nicht den Eindruck erwecken, einzelne Abgeordnete hätten den Staat allein geschaffen.
In kulturgeschichtlicher Perspektive kann Aall ferner als Brückenfigur zwischen Aufklärung und Nationalromantik beschrieben werden. Gemeint ist damit keine wörtliche Eigenschaft, sondern seine Verbindung von naturwissenschaftlich-ökonomischem Aufklärungsdenken, historischem Quelleninteresse und der Wiederentdeckung altnordischer Literatur.
Metonymie
Besonders häufig ist die Autorenmetonymie. Aall kann für Aalls Texte stehen: „Aall beschreibt die Sitzung ausführlich“ bedeutet in einem wissenschaftlichen Kontext, dass die entsprechende Darstellung in einem seiner Werke oder Tagebücher zu finden ist.
Der Name kann außerdem metonymisch für eine politische Perspektive von 1814 stehen, wenn beispielsweise von Aalls Position oder Aalls Linie gesprochen wird. Dabei sollte jedoch vermieden werden, seine differenzierten Ansichten auf ein einziges Schlagwort wie „Unionismus“ zu reduzieren.
Im wirtschaftsgeschichtlichen Zusammenhang kann Aall für die Leitung oder Eigentümerfamilie von Næs Jernverk stehen. Im Firmennamen Jacob Aall & Søn ist diese Übertragung institutionell verfestigt.
Register und Sprachstufe
Jacob Aall ist als historischer Personenname stilistisch neutral. Die Form ist für wissenschaftliche, lexikographische, schulische, museale und allgemeinbildende Texte geeignet.
Jakob Aall wirkt im Deutschen orthographisch vertrauter, ist jedoch gegenüber der historischen Eigenschreibung sekundär. In populären Darstellungen kann sie verständlich sein; in Bibliographien, Zitaten und quellenbezogenen Arbeiten sollte die originale Form Jacob Aall verwendet werden.
Die Kurzform Aall gehört vor allem zur wissenschaftlichen und biographischen Darstellung, wenn der Referent zuvor eindeutig eingeführt wurde. In einem Kontext mit mehreren Mitgliedern der Familie Aall sollte sie vermieden oder durch Vorname und Lebensdaten präzisiert werden.
Regionale Varianten
Die wichtigste Variation betrifft den Vornamen: Jacob und Jakob sind in den skandinavischen Sprachen und im Deutschen etablierte Varianten desselben biblischen Namens. Für die historische Person ist Jacob die überlieferte Form.
Der Familienname besitzt keine reguläre regionale Variante. Insbesondere ist Aall nicht in Åll umzuschreiben. Historische Familiennamen werden durch die Einführung des Buchstabens Å in der allgemeinen norwegischen Orthographie nicht automatisch verändert.
In fremdsprachigen Darstellungen bleibt der Familienname stets erhalten. Manche Sprachen können den Vornamen theoretisch an ihre eigene Form von Jakob/Jacob angleichen; in der modernen wissenschaftlichen und bibliographischen Praxis wird jedoch überwiegend der vollständige historische Name Jacob Aall beibehalten.
Aktuelle Statistik
| Lemma | Jakob Aall |
|---|---|
| Historisch maßgebliche Form | Jacob Aall |
| Geburt | 27. Juli 1773, Porsgrunn |
| Tod | 4. August 1844, Næs Jernverk in Holt bei Tvedestrand |
| Lebensalter | 71 Jahre |
| Reichsversammlung | 1814, Vertreter des Nedenes Amt |
| Verfassungskommission 1814 | Mitglied der fünfzehnköpfigen Kommission |
| Ordentlicher Stortingsvertreter laut PolSys/Sikt | 1815–1817, 1821–1823, 1827–1829, 1830–1832 |
| Ersatzvertreter laut PolSys/Sikt | 1818–1820 und 1836–1838 |
| Næs Jernverk | von Aall 1799 erworben; über Jahrzehnte von ihm geleitet |
| Snorre-Übersetzung | 1838–1839 |
| Erindringer | Erstausgabe in drei Bänden 1844–1845 |
| GND | 116000252 |
| VIAF | 47502670 |
| Library of Congress | n85312498 |
| Norwegische Babynamenstatistik 2025 | Jakob/Jacob zusammen Rang 2 bei den Jungennamen: 413; davon Schreibform Jakob 297 und Jacob 116 |
| Familienname Aall in der SSB-Häufigkeitsliste 2025 | nicht unter den Nachnamen mit mehr als 200 registrierten Namensträgern geführt |
| Stand der statistischen Namensdaten | SSB-Veröffentlichung vom 28. Januar 2026 für das Jahr 2025 |
Die aktuellen Namenszahlen beziehen sich nicht auf die historische Person, sondern auf die gegenwärtige Verwendung ihrer Namensbestandteile in Norwegen. Nach Statistisk sentralbyrå war Jakob einschließlich der Schreibvariante Jacob 2025 der zweithäufigste vergebene Jungenname Norwegens. Von insgesamt 413 Vergaben entfielen 297 auf Jakob und 116 auf Jacob.
Der Familienname Aall gehört dagegen zu einem kleinen genealogischen Namensbestand. In der von SSB veröffentlichten Tabelle der Nachnamen mit mehr als 200 Trägern erscheint Aall für 2025 nicht. Daraus darf lediglich geschlossen werden, dass er nicht zu dieser Häufigkeitsklasse gehört; ohne eine gesonderte aktuelle Einzelauskunft sollte keine präzisere Trägerzahl konstruiert werden.
Häufigkeit und Statistik
| Lemma | Jakob Aall / Jacob Aall |
|---|---|
| Wortstatus | historischer Personenname |
| Allgemeinsprachliche Häufigkeit | gering |
| Historische Fachliteratur | regelmäßig im Zusammenhang mit Norwegen 1814 und der frühen Stortingsgeschichte |
| Industriegeschichtlicher Gebrauch | regelmäßig im Zusammenhang mit Næs Jernverk |
| Literatur- und Übersetzungsgeschichte | regelmäßig im Zusammenhang mit Sagaliteratur und Snorre-Übersetzungen |
| Quellenkundlicher Gebrauch | hoch im Zusammenhang mit den Erindringer und dem Eidsvoll-Tagebuch |
| Vorherrschende historische Schreibweise | Jacob Aall |
| Deutsch normalisierte Schreibweise | Jakob Aall |
| Exakte universelle Korpusfrequenz | ohne definiertes Referenzkorpus nicht seriös anzugeben |
Der vollständige Name Jacob Aall ist außerhalb historischer, politischer, literaturwissenschaftlicher und genealogischer Kontexte naturgemäß selten. Innerhalb der norwegischen Historiographie des Jahres 1814 gehört er dagegen zu den regelmäßig behandelten Namen.
Eine bloße Suchmaschinentrefferzahl wäre als sprachstatistische Frequenzangabe ungeeignet. Der Name erscheint vielfach in digitalisierten Büchern, Bibliothekskatalogen, genealogischen Datensätzen, Museumsseiten und Wiederholungen derselben biographischen Texte. Eine belastbare Frequenzanalyse müsste daher ein klar definiertes Korpus und eine eindeutige Disambiguierung der verschiedenen Namensträger verwenden.
Wortbildung als Erstglied
Der vollständige Personenname Jacob Aall ist als Erstglied nicht im gewöhnlichen morphologischen Sinn produktiv. Er kann jedoch in Benennungen auftreten, die eine institutionelle, räumliche oder erinnerungskulturelle Beziehung zur Person ausdrücken.
Jacob-Aall-Biographie – mögliche deutsche Bezeichnung einer Biographie über Jacob Aall.
Jacob-Aall-Forschung – mögliche Bezeichnung für Forschungen zu Person, Werk und Umfeld Aalls.
Jacob-Aall-Projekt – institutionelle oder wissenschaftliche Projektbezeichnung; das Næs Jernverksmuseum führte ein umfangreiches Jacob-Aall-Projekt zur Erforschung seiner Zeit durch.
Jacob-Aall-Sammlung – mögliche Bezeichnung eines Bestandes aus Briefen, Manuskripten oder Objekten mit Bezug zu Aall.
Jacob-Aall-Straße wäre eine deutsche beschreibende Form für eine nach ihm benannte Straße; in Oslo lautet der tatsächliche Name Jacob Aalls gate.
Wortbildung als Letztglied
-Aall ist kein Wortbildungssuffix, sondern ein Familienname. Es kann daher nicht als produktives Letztglied der deutschen Wortbildung behandelt werden.
Innerhalb der Familie treten zahlreiche vollständige Personennamen mit dem Familiennamen Aall auf, beispielsweise Niels Aall, Jørgen Aall, Jacob Aall und weitere Namensträger. Hier liegt jedoch Namenssyntax und Genealogie vor, keine Komposition im lexikologischen Sinn.
In Doppelnamen und genealogischen Namensverbindungen kann Aall außerdem als Bestandteil komplexerer Personennamen erscheinen. Auch diese Bildungen sind nach den Regeln der Personenbenennung und nicht nach den Regeln produktiver Lexembildung zu analysieren.
Übersetzungen
| Lemma | Jakob Aall; historisch Jacob Aall |
|---|---|
| Altgriechisch | kein historisches Äquivalent; bei moderner Transkription etwa Ἰάκομπ Ἄαλ, wissenschaftlich vorzugsweise Jacob Aall unverändert |
| Lateinisch | Jacob Aall; in neulateinischer Anpassung theoretisch Iacobus Aall, jedoch für die historische Person vorzugsweise Originalname |
| Italienisch | Jacob Aall; politico, imprenditore, storico e traduttore norvegese |
| Französisch | Jacob Aall; homme politique, industriel, historien et traducteur norvégien |
| Spanisch | Jacob Aall; político, industrial, historiador y traductor noruego |
| Englisch | Jacob Aall; Norwegian politician, ironworks owner, historian and translator |
| Polnisch | Jacob Aall; norweski polityk, przemysłowiec, historyk i tłumacz |
| Ungarisch | Jacob Aall; norvég politikus, vasgyártulajdonos, történész és műfordító |
| Niederländisch | Jacob Aall; Noors politicus, industrieel, historicus en vertaler |
| Dänisch | Jacob Aall; norsk politiker, jernværksejer, historiker og oversætter |
| Norwegisch Bokmål | Jacob Aall; norsk jernverks- og godseier, politiker, historiker og litterat |
| Norwegisch Nynorsk | Jacob Aall; norsk jernverkseigar, politikar, historikar og omsetjar |
| Schwedisch | Jacob Aall; norsk politiker, järnverksägare, historiker och översättare |
Bei historischen Personennamen ist grundsätzlich keine eigentliche lexikalische Übersetzung erforderlich. In wissenschaftlichen und bibliographischen Texten sollte daher auch in anderen Sprachen die historische Form Jacob Aall beibehalten werden.
Die fremdsprachigen Angaben in der Tabelle sind überwiegend funktionale Erläuterungen der Tätigkeiten Aalls. Eine Übersetzung des Vornamens in die jeweilige nationale Variante – etwa deutsch Jakob, polnisch Jakub oder lateinisch Iacobus – ist sprachlich möglich, sollte bei einer realen historischen Person aber nicht ohne besonderen Grund an die Stelle ihrer überlieferten Namensform treten.