Aasen

aasen ist ein Verb des Deutschen mit der heutigen Hauptbedeutung „mit etwas verschwenderisch, sorglos oder unnötig großzügig umgehen; etwas vergeuden“. Typisch ist die Verbindung mit der Präposition mit und dem Dativ: mit Geld aasen, mit Lebensmitteln aasen, mit Energie aasen oder mit seinen Kräften aasen. Das Wort gehört heute nicht zum neutralen Kernwortschatz, sondern wirkt regional, umgangssprachlich oder salopp. Sprachgeschichtlich ist es von Aas abgeleitet und gehört damit letztlich in das alte Wortfeld von essen, Nahrung, Futter und Fraß. Neben der heutigen übertragenen Bedeutung existierten beziehungsweise existieren ältere fach- und landschaftssprachliche Verwendungen, darunter aasen für das Entfernen von Fleischresten von Tierhäuten sowie ältere Verwendungen für das Fressen oder das verschwenderische Umgehen mit Nahrung.

Lexikon

Das Verb aasen wird in der heutigen Standardsprache vor allem in einer übertragenen Bedeutung verwendet. Wer mit etwas aast, verbraucht eine vorhandene Ressource unnötig reichlich, achtlos oder verschwenderisch. Die Aussage enthält gewöhnlich eine negative Bewertung: Der Sprecher geht davon aus, dass das betreffende Gut geschont, vernünftig eingeteilt oder sparsamer verwendet werden sollte.

Typische Bezugsgrößen sind Geld, Lebensmittel, Energie, Material, Zeit, Kräfte oder die eigene Gesundheit. Sätze wie mit dem Geld aasen oder mit seinen Kräften aasen bedeuten daher nicht einfach „viel Geld ausgeben“ beziehungsweise „sich stark anstrengen“, sondern enthalten zusätzlich die Vorstellung mangelnder Sparsamkeit, fehlender Rücksicht auf begrenzte Ressourcen oder eines unnötig hohen Verbrauchs.

Das Verb steht in dieser Bedeutung gewöhnlich intransitiv und verbindet sich mit einer Präpositionalgruppe: mit etwas aasen. Dasjenige, was vergeudet wird, erscheint also typischerweise nicht als direktes Akkusativobjekt, sondern als Ergänzung mit mit: Sie aast mit dem Geld, ihr aast mit dem Heizmaterial, wir sollten nicht mit Lebensmitteln aasen.

Diese syntaktische Konstruktion unterscheidet aasen beispielsweise vom transitiven verschwenden. Man sagt standardsprachlich Geld verschwenden, aber gewöhnlich mit Geld aasen. Bedeutungsnah sind außerdem vergeuden, verschleudern, verprassen, vertun, verplempern und regional beziehungsweise salopp weitere Verben des Bedeutungsfeldes Verschwendung.

Zwischen diesen Synonymen bestehen jedoch stilistische und semantische Unterschiede. Vergeuden kann auch in formelleren Texten verwendet werden, während aasen wesentlich stärker umgangssprachlich beziehungsweise regional markiert ist. Verprassen bezieht sich besonders häufig auf Geld oder Vermögen und kann zusätzlich die Vorstellung lustbetonter Verschwendung enthalten. Aasen ist dagegen auch mit abstrakten oder körperlichen Ressourcen möglich, etwa mit Zeit, mit Kraft oder mit der Gesundheit aasen.

Das semantische Gegenfeld bilden Verben und Wendungen wie sparen, haushalten, schonen, sorgsam verwenden und wirtschaftlich umgehen. Der Gegensatz wird besonders deutlich in der Verbindung mit etwas haushalten: Wer mit seinen Kräften haushaltet, verwendet sie bewusst und sparsam; wer mit seinen Kräften aast, setzt sie unnötig oder unvernünftig ein.

Die heutige Bedeutung besitzt häufig eine starke pragmatische Komponente. Das Verb charakterisiert nicht nur eine objektiv große Verbrauchsmenge, sondern bewertet die Art des Umgangs. Ob jemand tatsächlich „aast“, hängt deshalb teilweise von der Perspektive des Sprechers ab. Was eine Person als angemessene Nutzung ansieht, kann eine andere bereits als Verschwendung bewerten.

Bei materiellen Gütern kann aasen einen sichtbar achtlosen Umgang beschreiben. Mit Lebensmitteln aasen kann beispielsweise bedeuten, größere Mengen unnötig wegzuwerfen, wesentlich mehr zuzubereiten als gebraucht wird oder mit vorhandenen Vorräten sorglos umzugehen. Der Schwerpunkt liegt nicht allein auf dem Verlust, sondern auf der vermeidbaren Verschwendung.

Bei Geld bezeichnet das Verb einen verschwenderischen Umgang mit finanziellen Mitteln. Dabei muss nicht notwendig vollständige wirtschaftliche Ruinierung gemeint sein. Bereits eine auffällig großzügige oder ineffiziente Verwendung kann als Aasen mit Geld bezeichnet werden.

Übertragen auf Energie oder Rohstoffe kann das Verb auch in modernen Zusammenhängen verwendet werden. Eine schlecht gedämmte Heizung, unnötig laufende Maschinen oder verschwenderischer Materialeinsatz können umgangssprachlich als Aasen mit Energie oder Aasen mit Ressourcen charakterisiert werden. Das historische Verb lässt sich dadurch ohne Bedeutungsbruch auf moderne Formen des Ressourcenverbrauchs übertragen.

In Wendungen wie mit seiner Gesundheit aasen oder mit seinen Kräften aasen wird die metaphorische Erweiterung besonders deutlich. Gesundheit und körperliche Leistungsfähigkeit werden dabei sprachlich als begrenzter Vorrat konzeptualisiert, mit dem jemand wirtschaften oder verschwenderisch umgehen kann. Das Verb überträgt also ein ursprünglich konkretes Verbrauchsschema auf immaterielle beziehungsweise körperliche Güter.

aasen ist ein schwaches Verb. Seine Formen werden regelmäßig gebildet. Im Präsens heißt es ich aase, du aast, er, sie, es aast, wir aasen, ihr aast, sie aasen. Das Präteritum lautet aaste, das Partizip II geaast.

Das Perfekt wird mit haben gebildet: er hat mit seinem Geld geaast. Die Stammform bleibt grundsätzlich aas-. Die lange Aussprache des Vokals wird orthographisch durch das Doppel-a gekennzeichnet.

Die Aussprache lautet ungefähr [ˈaːzn̩]. Das geschriebene s zwischen dem langen Vokal und der unbetonten Endsilbe wird stimmhaft als [z] gesprochen. Die Endung -en kann in normaler gesprochener Sprache zu einem silbischen [n̩] reduziert werden.

Die Worttrennung lautet aa|sen. Trotz des auffälligen Wortanfangs ist die Schreibung mit zwei a regelmäßig, weil das Verb unmittelbar zur Wortfamilie von Aas gehört. Formen wie asen oder eine Verwechslung mit äsen entsprechen nicht der heutigen standardsprachlichen Schreibung des Verbs in der Bedeutung „verschwenderisch umgehen“.

Vom Verb äsen ist aasen besonders sorgfältig zu unterscheiden. Äsen ist ein Ausdruck der Jägersprache und bedeutet bei bestimmten Wildarten „Nahrung aufnehmen, fressen, weiden“. Man sagt beispielsweise das Rotwild äst. Die Flexion lautet äst, äste, hat geäst.

Die lautliche Nähe von aasen und äsen ist historisch nicht völlig zufällig. Beide Wörter führen in einen alten Wortbereich zurück, in dem Nahrung, Fressen und essen miteinander verbunden sind. Ihre heutigen Bedeutungen und Schreibungen sind jedoch auseinandergetreten, sodass sie synchron als verschiedene Verben behandelt werden müssen.

Das Substantiv Aas bezeichnet heute in erster Linie eine verwesende Tierleiche beziehungsweise das Fleisch eines verendeten Tieres. Daneben wird es umgangssprachlich als abwertende oder gelegentlich scherzhaft-anerkennende Personenbezeichnung verwendet. Diese heutigen Bedeutungen verdecken, dass die Wortgeschichte ursprünglich wesentlich stärker mit „Speise“ und „Futter“ verbunden war.

Im älteren Deutschen bestanden nämlich zwei formal verschiedene, später zusammengefallene Wörter. Althochdeutsch und mittelhochdeutsch āʒ bezeichnete Essen, Speise oder Futter. Daneben stand mittelhochdeutsch ās für Fleisch, das insbesondere als Futter für Hunde und Beizvögel diente, und schließlich für Aas im modernen Sinn.

Durch lautliche und orthographische Entwicklungen fielen diese älteren Formen im späteren Deutschen zusammen. Dadurch vereinigte das Wortfeld Bedeutungen, die von neutraler „Nahrung“ bis zu „verwesendem Tierkörper“ reichten. Diese historische Überlagerung ist für die Erklärung von aasen und äsen zentral.

Eine ältere Bedeutung von aasen bezog sich unmittelbar auf Nahrung beziehungsweise das Fressen. Wörterbücher überliefern Verwendungen, in denen Tiere aasen, also Nahrung aufnehmen, fressen oder weiden. Diese Verwendung steht dem heutigen jagdsprachlichen äsen besonders nahe und ist im modernen Standarddeutschen weitgehend aufgegeben.

Daneben entwickelte sich eine Bedeutung des unordentlichen oder übermäßigen Umgangs mit Nahrung. Aasen konnte bedeuten, in einer Speise herumzuwühlen, sie zu verschmutzen, davon übermäßig zu nehmen oder sie zu vergeuden. In einem solchen Bedeutungsbereich liegen die Voraussetzungen für die heutige übertragene Bedeutung „verschwenderisch umgehen“.

Die semantische Entwicklung kann daher ungefähr von Nahrung beziehungsweise Fraß über einen unordentlichen oder verschwenderischen Umgang mit Nahrung zu einer allgemeineren Bedeutung „vergeuden, verschwenderisch verbrauchen“ geführt haben. Die heutige Verwendung ist nicht mehr auf Essbares beschränkt.

Die ältere Wortgeschichte erklärt zugleich den heute zunächst befremdlichen Zusammenhang mit Aas. Wer nur die moderne Bedeutung „Tierkadaver“ kennt, könnte vermuten, mit Geld aasen habe ursprünglich unmittelbar etwas mit verwesenden Tierkörpern zu tun. Tatsächlich ist das historische Bedeutungsfeld von Aas breiter und umfasst ältere Vorstellungen von Speise, Tierfutter und Fraß.

Daneben bestand ein besonderes handwerkliches aasen in der Gerberei und Kürschnerei. Dort konnte das Verb bedeuten, eine Haut oder ein Fell auf der Fleischseite zu bearbeiten und verbliebenes Fleisch beziehungsweise Fett abzuschaben. Bedeutungsnahe Fachwörter sind abfleischen und fleischen.

Bei der traditionellen Lederherstellung musste eine abgezogene Tierhaut vor weiteren Bearbeitungsschritten gründlich gereinigt werden. Auf der Innenseite haftende Fleisch-, Fett- und Bindegewebsreste wurden mit geeigneten Werkzeugen entfernt. Die Fleischseite einer Haut konnte selbst als Aas beziehungsweise mit verwandten Fachausdrücken bezeichnet werden; daraus erklärt sich die handwerkliche Verbbildung.

Diese gerberfachliche Bedeutung darf nicht mit dem heutigen mit etwas aasen gleichgesetzt werden. Beide Verwendungen gehören zwar zur Wortfamilie von Aas, bilden aber unterschiedliche fachliche beziehungsweise semantische Entwicklungslinien. Historische Wörterbücher behandeln das Gerberwort teilweise ausdrücklich als besondere Bildung.

Für die heutige Sprachverwendung ist die handwerkliche Bedeutung weitgehend veraltet. Moderne Fachsprache der Lederherstellung verwendet eher Bezeichnungen wie Entfleischen, Abfleischen oder entsprechende technische Termini. In historischen Handwerksbeschreibungen kann aasen dagegen gerade diese konkrete Tätigkeit meinen.

Die unterschiedlichen Bedeutungen zeigen, wie problematisch es wäre, jeden historischen Beleg allein aus der modernen Bedeutung zu interpretieren. Ein Satz des 18. Jahrhunderts über das Aasen einer Haut beschreibt keine Verschwendung, sondern einen Arbeitsschritt. Ein Satz über das Aasen mit Speisen kann dagegen bereits in Richtung „sudeln, verschwenden“ weisen.

Auch regional ist das Wort ungleich verbreitet. Die heutige Bedeutung „verschwenderisch umgehen“ wird in Wörterbüchern als landschaftlich beziehungsweise umgangssprachlich markiert. Dialektwörterbücher weisen entsprechende Verwendung unter anderem in Norddeutschland und punktuell in süddeutschen Gebieten nach.

Das Bayerische Wörterbuch dokumentiert etwa vereinzelte jüngere Verwendungen wie mit Geld aasen und mit Lebensmitteln aasen in Ober- und Niederbayern. Diese werden dort eher als jüngere Übernahmen aus dem schriftsprachlich-norddeutschen Wortgebrauch denn als ursprüngliche bairische Dialektformen beurteilt.

Im norddeutschen beziehungsweise niederdeutschen Raum ist die Bedeutung „vergeuden, verschwenden“ stärker traditionell verankert. Entsprechende Dialektwörterbücher führen aasen noch als regionale Bezeichnung für vergeuden oder verschwenden.

Die regionale Markierung bedeutet jedoch nicht, dass das Wort außerhalb dieser Gebiete unverständlich wäre. Durch Literatur, Umgangssprache und überregionale Wörterbücher ist aasen vielen Sprechern des Deutschen zumindest passiv bekannt. Seine aktive Verwendung hängt stärker von Region, Alter, Sprachstil und individueller Sprachgewohnheit ab.

Stilistisch besitzt das Wort einen plastischen, teilweise drastischen Charakter. Im Vergleich zum neutraleren verschwenden kann aasen größere Missbilligung, Sorglosigkeit oder Maßlosigkeit ausdrücken. Die alte lautliche Verbindung mit Aas kann für heutige Sprecher zusätzlich eine derbe Wirkung erzeugen, auch wenn diese Assoziation nicht die gesamte historische Bedeutungsentwicklung erklärt.

Die substantivierte Form das Aasen ist grammatisch problemlos möglich: das Aasen mit öffentlichen Mitteln, sein Aasen mit den Vorräten. Wie andere substantivierte Infinitive ist sie Neutrum und wird großgeschrieben.

Auch das Partizip I aasend kann attributiv oder adverbial verwendet werden, ist aber selten: ein mit seinen Ressourcen aasender Betrieb. Wesentlich natürlicher wirken im heutigen Deutschen häufig Umschreibungen mit verschwenderisch.

Das Partizip II geaast tritt besonders in Perfekt- und Passivkonstruktionen auf: Er hat mit dem Geld geaast. Bei der alten transitiven Gerberbedeutung war theoretisch auch ein Zustandspassiv wie die Haut ist geaast beziehungsweise eine entsprechende handwerkliche Verwendung möglich; im heutigen allgemeinen Sprachgebrauch ist dies ungebräuchlich.

Die Bedeutung von aasen ist außerdem von prassen zu unterscheiden. Prassen kann verschwenderisches Genießen, Essen, Trinken oder Geldausgeben bezeichnen und stellt stärker den luxuriösen oder lustvollen Konsum heraus. Aasen betont dagegen primär den sorglosen Verbrauch.

Ebenso ist aasen nicht völlig synonym mit verschwenden. Das neutralere verschwenden kann problemlos in wissenschaftlicher oder administrativer Sprache stehen, etwa Energie verschwenden. Mit Energie aasen erzeugt eine deutlich umgangssprachlichere und emotionalere Aussage.

Bei Zeit besteht eine ähnliche Nuance. Zeit verschwenden ist eine gewöhnliche standardsprachliche Verbindung. Mit seiner Zeit aasen charakterisiert dagegen einen auffällig sorglosen Umgang mit einem als wertvoll und begrenzt verstandenen Gut.

Das Verb gehört damit zu einer Gruppe deutscher Wörter, die wirtschaftliches Verhalten metaphorisch auf sehr unterschiedliche Lebensbereiche übertragen. Menschen können mit Geld, Zeit, Kraft, Material, Nahrung und sogar Gesundheit haushalten oder eben damit aasen. Hinter diesen Verwendungen steht die gemeinsame Vorstellung eines begrenzten Vorrates.

Aus lexikographischer Sicht ist deshalb eine gestufte Bedeutungsbeschreibung sinnvoll. Als heutige Hauptbedeutung ist „mit etwas verschwenderisch umgehen“ anzusetzen. Daneben gehören ältere beziehungsweise fachsprachliche Bedeutungen wie „eine Haut von Fleischresten reinigen“ und ältere tier- oder nahrungsbezogene Verwendungen zur Wortgeschichte.

Vom Eigennamen Aasen, der als skandinavischer Familienname und als Ortsname auftreten kann, ist das deutsche Verb aasen vollständig zu unterscheiden. Die bloße Gleichheit der Buchstabenfolge begründet keinen sprachgeschichtlichen Zusammenhang. Dasselbe gilt für den Familiennamen Aall und Eigennamen wie Jakob Aall.

Etymologie

aasen ist eine deutsche Ableitung zum Substantiv Aas. Formal besteht das Verb aus dem Wortstamm Aas- und der produktiven Verbendung -en. Die moderne Bildung ist seit der frühen Neuzeit beziehungsweise besonders seit dem 18. Jahrhundert in mehreren Bedeutungen belegt.

Die eigentliche Wortgeschichte reicht jedoch wesentlich weiter zurück, weil das zugrunde liegende Aas sehr alt ist. Im heutigen Wort sind zwei ältere germanische beziehungsweise deutsche Bildungen lautlich zusammengefallen, deren Bedeutungen eng miteinander verwandt waren, aber nicht völlig identisch.

Althochdeutsch und mittelhochdeutsch āʒ bedeutete „Essen, Speise, Nahrung, Futter“. Es gehört unmittelbar zur Wortfamilie von essen. Daneben bestand mittelhochdeutsch ās mit einer Bedeutung wie „Fleisch als Futter für Hunde und Falken; Tierfraß; Aas“.

Diese beiden älteren Wörter entwickelten sich lautgeschichtlich zu Formen, die im späteren Deutschen nicht mehr auseinandergehalten werden konnten. Im Neuhochdeutschen setzte sich beim Substantiv schließlich besonders die heute geläufige Bedeutung „Kadaver, Fleisch eines verendeten Tieres“ durch.

Die ältere Bedeutung „Speise, Futter“ verschwand jedoch nicht spurlos. Sie lebt in verwandten Wörtern und historischen Ableitungen weiter und ist insbesondere für das Verständnis von äsen wichtig. Das jagdsprachliche Verb bedeutet „Nahrung aufnehmen“ und geht auf mittelhochdeutsch æʒen zurück, eine Bildung zum älteren āʒ „Essen, Futter“.

aasen und äsen sind daher sprachgeschichtlich miteinander verwandt, aber nicht einfach bloße orthographische Varianten desselben modernen Verbs. Das heutige äsen wurde semantisch auf die Nahrungsaufnahme bestimmter Wildtiere spezialisiert; aasen entwickelte andere Bedeutungen, insbesondere die heutige Bedeutung „verschwenderisch umgehen“.

Die gesamte Wortfamilie gehört letztlich zur indogermanischen Wurzel *ed- „essen“. Dazu gehören neben deutsch essen zahlreiche verwandte Wörter anderer indogermanischer Sprachen. Auch lateinisch esca „Speise, Futter, Köder“ und entsprechende baltische und slawische Bildungen werden zu diesem alten Wortstamm gestellt.

Das moderne Wort Aas bedeutete also historisch nicht von Anfang an ausschließlich „verwesende Tierleiche“. Eine ältere Grundvorstellung war vielmehr etwas, das gegessen beziehungsweise als Futter verwendet wird. Erst durch Bedeutungsverengung und Bedeutungsverschiebung wurde daraus die spezielle Bezeichnung für totes Tierfleisch beziehungsweise einen Kadaver.

Diese Entwicklung erklärt die unterschiedlichen Bedeutungen des Verbs aasen besser als eine ausschließlich von der heutigen Kadaverbedeutung ausgehende Erklärung. Historische Verwendungen rund um Nahrung, Fressen und verschwenderischen Umgang mit Speisen konnten unmittelbar an ältere Bedeutungen der Wortfamilie anschließen.

Für die moderne Bedeutung „verschwenderisch umgehen“ wird eine Entwicklung über das unordentliche beziehungsweise maßlose Umgehen mit Nahrung angenommen. Ältere Wörterbuchbeschreibungen nennen Bedeutungen wie „in der Nahrung sudeln“ oder „in einer Speise herumwühlen und sie vergeuden“. Von konkreter Lebensmittelverschwendung konnte das Verb anschließend auf andere Güter übertragen werden.

Die Bedeutungsentwicklung lässt sich daher schematisch als Nahrung/Fraß → sorgloser beziehungsweise verschwenderischer Umgang mit Nahrung → allgemeines Vergeuden beschreiben. Eine solche Metaphorisierung erklärt, weshalb man heute mit Geld, Zeit, Energie oder Gesundheit aasen kann, obwohl diese Dinge selbstverständlich kein Aas und keine Nahrung sind.

Neben dieser Linie existiert die handwerkliche Bedeutung „eine Haut von Fleischresten reinigen“. Sie beruht auf Aas beziehungsweise verwandtem Fachwortgebrauch für Fleisch und die Fleischseite einer abgezogenen Tierhaut. In der traditionellen Gerberei bezeichnete das Verb entsprechend einen konkreten mechanischen Arbeitsvorgang.

Historische Wörterbücher weisen darauf hin, dass diese Gerberbedeutung als eigenständige Ableitung innerhalb derselben Wortfamilie zu betrachten ist. Sie muss deshalb nicht als Zwischenstufe der Bedeutung „verschwenden“ verstanden werden. Die beiden Linien können parallel aus unterschiedlichen Bedeutungen von Aas entstanden beziehungsweise weiterentwickelt worden sein.

Die heute verbreitete Schreibung mit aa entspricht dem Substantiv Aas und kennzeichnet den langen Vokal. Die Aussprache des Verbstammes enthält entsprechend langes [aː]. Die Endung -en folgt der gewöhnlichen deutschen Infinitivbildung.

Die Form äsen mit Umlaut beziehungsweise ä erklärt sich aus einer anderen historischen Ableitung. Sie darf orthographisch nicht auf aasen übertragen werden. Im heutigen Deutsch bestehen daher zwei äußerlich ähnliche, aber funktional getrennte Verben: aasen „verschwenderisch umgehen“ und äsen „als Wild Nahrung aufnehmen“.

Auch das heute seltene beziehungsweise historische tierbezogene aasen kann die Abgrenzung erschweren. Ältere Wörterbücher führen Verwendungen im Sinn von „fressen“ oder „Nahrung aufnehmen“. In solchen Belegen muss anhand von Zeit, Region und Kontext entschieden werden, ob aasen, äsen oder eine noch nicht vollständig standardisierte ältere Form vorliegt.

Der Bedeutungswandel von aasen ist zugleich ein Beispiel für Pejorisierung und semantische Spezialisierung innerhalb einer Wortfamilie. Ein ursprünglich neutraler Bereich „Essen, Nahrung“ entwickelte teilweise negative Vorstellungen wie Fraß, Kadaver, Sudeln und Verschwendung. Die heutige Bedeutung enthält entsprechend fast immer eine kritische Wertung.

Diese negative Färbung wird möglicherweise zusätzlich dadurch verstärkt, dass moderne Sprecher aasen spontan mit Aas im heutigen Sinn „verwesender Tierkörper“ verbinden. Die heutige Sprachwahrnehmung muss dabei nicht mit der tatsächlichen historischen Entstehungsfolge identisch sein.

Von dem skandinavischen Familiennamen Aasen ist das Verb etymologisch zu unterscheiden. Familiennamen wie derjenige von Ivar Aasen gehören zur norwegischen Namenkunde und sind nicht aus dem deutschen Verb aasen entstanden.

Auch zum Familiennamen Aall und zu Eigennamen wie Jakob Aall besteht kein sprachgeschichtlicher Zusammenhang. Die Nähe im Alphabet und ähnliche Vokalfolgen sind für die Etymologie ohne Aussagekraft.

Die Wortgeschichte lässt sich damit zusammenfassen: aasen ist eine Ableitung zu Aas, dessen ältere Bedeutungen „Speise, Futter“ und „Fleisch als Tierfutter, Aas“ letztlich zur indogermanischen Wortfamilie von essen gehören. Aus konkreten Bedeutungen rund um Nahrung, Tierfleisch und dessen Behandlung entwickelten sich mehrere Verwendungen des Verbs. Im heutigen allgemeinen Sprachgebrauch hat sich vor allem die übertragene Bedeutung „mit etwas verschwenderisch umgehen; etwas vergeuden“ erhalten.