Aarhus
Aarhus ist eine Stadt an der Ostküste der Halbinsel Jütland in Dänemark. Sie gehört zur Region Midtjylland und ist Hauptort der Aarhus Kommune. Aarhus ist nach Kopenhagen die zweitgrößte Stadt des Landes und eines der wichtigsten dänischen Zentren für Handel, Hafenwirtschaft, Bildung, Forschung und Kultur. Die Stadt liegt an der Aarhus Bucht des Kattegats an der Mündung der Aarhus Å. Ihre Entwicklung ist seit den frühesten Siedlungsphasen eng mit dieser Lage zwischen Flussmündung, geschütztem Küstenraum und überregionalen Verkehrswegen verbunden.
Lexikon
Aarhus liegt an der Ostküste Jütlands ungefähr in der Mitte der dänischen Halbinsel. Die Stadt öffnet sich nach Osten zur Aarhus Bucht, die ihrerseits Teil des Kattegats ist. Nach Westen erstreckt sich das Tal der Aarhus Å über Brabrand Sø und Årslev Engsø in das ostjütländische Binnenland. Diese Verbindung von Küste, Fluss und Hinterland bildet die geographische Grundlage der Stadtentwicklung und erklärt bereits die älteste Bedeutung des Ortsnamens als „Flussmündung“.
Die heutige Großstadt entwickelte sich aus einem verhältnismäßig kleinen Siedlungsplatz an der Mündung der Aarhus Å. Archäologische Untersuchungen führen die Anfänge einer dauerhafteren städtischen Siedlung bis in das 8. Jahrhundert zurück. Aarhus gehört damit zu den ältesten Städten Dänemarks. Die frühe Siedlung entstand nicht zufällig: Die Flussmündung bot Zugang vom Meer, einen geschützten Landungsplatz und zugleich eine Verbindung in das Hinterland.
Das Gebiet unterschied sich damals erheblich von der heutigen Innenstadt. Die Aarhus Å mündete in einen fjordartigen, brackwassergeprägten Küstenraum. Schiffe konnten in die Flussmündung und teilweise weiter landeinwärts gelangen. Dadurch lagen sie geschützter als an einer offenen Küste und konnten unmittelbar mit einer Siedlung verbunden werden, in der Waren umgeschlagen, verarbeitet und gehandelt wurden.
Diese Lage machte Aarhus bereits während der Wikingerzeit zu einem Handelsplatz. Handwerk, Schifffahrt und Warenaustausch bildeten grundlegende Funktionen. Archäologische Funde weisen unter anderem auf Textilverarbeitung, Kammherstellung, Perlenproduktion und Metallhandwerk hin. Die Siedlung war damit keine ausschließlich bäuerliche Niederlassung, sondern besaß früh deutlich urbane und gewerbliche Merkmale.
Im 10. Jahrhundert wurde der Ort durch einen mächtigen Wall und einen Graben befestigt. Diese Anlage umschloss den zentralen Siedlungsbereich nahe der Flussmündung. Der erhebliche Arbeitsaufwand, der für eine solche Befestigung erforderlich war, lässt auf die wirtschaftliche und möglicherweise auch militärische Bedeutung des Platzes schließen. Teile des historischen Straßenverlaufs orientieren sich noch heute an Strukturen, die auf die ältere befestigte Stadt zurückgehen.
Die frühe Bedeutung zeigt sich auch in der kirchlichen Geschichte. Auf der Synode von Ingelheim wurde 948 ein Bischof für Aarhus genannt. Ob dieser erste namentlich bekannte Bischof tatsächlich dauerhaft in der Stadt wirkte, wird in der Forschung vorsichtig beurteilt; die Nennung belegt jedoch, dass Aarhus bereits im 10. Jahrhundert in die kirchliche Organisation des sich christianisierenden Dänemarks einbezogen wurde.
Im 11. Jahrhundert ist Aarhus auch als königlicher Münzort nachweisbar. Münzen aus der Zeit König Hardeknuts tragen den Stadtnamen in Formen wie AROS. Diese Münzprägung ist für die Namenkunde besonders wichtig, weil sie eine frühe schriftliche Form des Ortsnamens unmittelbar dokumentiert.
Der mittelalterliche Aufstieg beruhte auf zwei eng miteinander verbundenen Funktionen: Aarhus war Hafen- und Handelsstadt und zugleich Bischofssitz. Während der Hafen die wirtschaftliche Verbindung mit anderen Teilen Dänemarks und dem Nordseeraum ermöglichte, verliehen Bischof, Domkapitel und kirchliche Institutionen der Stadt politische, kulturelle und administrative Bedeutung.
Ein besonders sichtbares Zeugnis dieser Entwicklung ist der Dom zu Aarhus, dänisch Aarhus Domkirke. Der Bau begann um 1200 zunächst in romanischen Formen. Nach Zerstörungen und Umbauten wurde die Kirche im späteren Mittelalter grundlegend erweitert und im 15. Jahrhundert weitgehend gotisch umgestaltet. Mit einer Länge von ungefähr 93 Metern gilt sie als längste Kirche Dänemarks.
Der Dom ist dem heiligen Clemens von Rom geweiht, der traditionell als Schutzheiliger der Seefahrer verehrt wurde. Dieses Patrozinium passt zur maritimen Prägung der Stadt. Der Dom steht nahe dem historischen Hafen- und Handelsbereich und bildet bis heute gemeinsam mit Store Torv, Bispetorvet und den umliegenden Straßen einen Mittelpunkt der Altstadt.
Eine noch ältere kirchliche Schicht bewahrt die Vor Frue Kirke. Unter der heutigen Kirche befindet sich eine steinerne Kryptenkirche aus dem 11. Jahrhundert. Sie gehört zu den ältesten erhaltenen steinernen Kirchenräumen Dänemarks und verweist auf die frühe Christianisierung und die Bedeutung Aarhus' als kirchliches Zentrum.
Im Mittelalter erstreckte sich die Stadt allmählich über die Grenzen des älteren Wallbereichs hinaus. Kaufleute und Handwerker siedelten entlang wichtiger Straßen, während kirchliche Einrichtungen beträchtliche Flächen einnahmen. Die Verbindung zwischen Fluss, Dom, Markt und Hafen bestimmte den städtischen Grundriss über Jahrhunderte.
Der heutige Bereich des Latinerkvarteret gehört zu den ältesten erhaltenen Stadtvierteln. Der Name ist jüngeren Datums, doch die engen Straßen und Parzellen gehen teilweise auf mittelalterliche Strukturen zurück. Das Viertel bildet heute einen charakteristischen Übergang zwischen historischer Bausubstanz und moderner innerstädtischer Nutzung.
Bis zur Reformation von 1536 spielte die Kirche eine besonders starke Rolle im städtischen Leben. Mit der Reformation wurden Klöster aufgehoben oder umgenutzt, kirchlicher Besitz neu geordnet und die institutionelle Stellung des Bischofs verändert. Zugleich gewannen Kaufleute und andere städtische Wirtschaftsträger relativ an Gewicht.
Aarhus blieb in der frühen Neuzeit eine wichtige dänische Handelsstadt, entwickelte sich zunächst jedoch nicht mit derselben Geschwindigkeit wie in der späteren Industrialisierungsphase. Der Handel mit dem landwirtschaftlich produktiven ostjütländischen Hinterland blieb ein wesentliches Element. Getreide, Vieh und andere Agrarprodukte wurden über die Stadt und ihren Hafen weitergeleitet.
Der alte Hafen lag ursprünglich innerhalb beziehungsweise unmittelbar an der Mündung der Aarhus Å. Mit dem Wachstum der Schiffe und der zunehmenden Bedeutung des Seehandels wurden diese Anlagen jedoch zu klein und zu flach. Größere Schiffe mussten zeitweise außerhalb des eigentlichen Flusshafens liegen und ihre Ladung mit kleineren Fahrzeugen umschlagen.
Im 19. Jahrhundert begann deshalb der Ausbau eines modernen Seehafens an der Küste. Besonders seit den 1840er Jahren entstanden neue Hafenbecken, Molen, Kais und Lageranlagen. Dadurch verlagerte sich der Hafen allmählich aus der alten Flussmündung an die offene Küste. Dieser Umbau gehört zu den entscheidenden Voraussetzungen des modernen Wachstums von Aarhus.
Die Hafenentwicklung fiel mit tiefgreifenden Veränderungen des internationalen Handels zusammen. Dänische Agrarprodukte fanden neue Absatzmärkte, insbesondere in Großbritannien. Dampfschifffahrt und größere Frachtschiffe veränderten die Transportbedingungen. Aarhus konnte aufgrund seiner Lage und seiner Hafeninvestitionen zu einem bedeutenden Umschlagplatz für das jütländische Hinterland werden.
Ein zweiter entscheidender Wachstumsschub ging von der Eisenbahn aus. 1862 wurde Aarhus an das dänische Eisenbahnnetz angeschlossen. Die erste Strecke verband die Stadt mit Randers; weitere Linien folgten. Aarhus entwickelte sich dadurch rasch zu einem der wichtigsten Eisenbahnknoten Jütlands.
Die Kombination von Hafen und Eisenbahn veränderte die Wirtschaftsgeographie grundlegend. Landwirtschaftliche Erzeugnisse konnten aus großen Teilen Jütlands nach Aarhus gebracht und dort verschifft werden. Umgekehrt gelangten importierte Rohstoffe und Fertigwaren über den Hafen in das Hinterland. Die Stadt wurde dadurch zu einem Verbindungsglied zwischen regionalem Landverkehr und internationaler Seeschifffahrt.
Das Bevölkerungswachstum in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war entsprechend stark. Um die Mitte des Jahrhunderts besaß Aarhus noch weniger als 10.000 Einwohner; um 1900 waren es bereits mehr als 50.000. Innerhalb weniger Jahrzehnte wandelte sich die alte Kaufmanns- und Bischofsstadt zu einer ausgeprägten Industrie-, Hafen- und Großstadt.
Neue Wohnviertel entstanden außerhalb des historischen Zentrums. Besonders Frederiksbjerg, Vesterbro und andere Quartiere nahmen zahlreiche neue Einwohner auf. Die mittelalterlichen Stadtgrenzen verloren endgültig ihre Bedeutung, und die bebaute Fläche dehnte sich in alle landwärtigen Richtungen aus.
Die neue Eisenbahnstation lag südlich des alten Stadtzentrums und erzeugte einen zweiten wirtschaftlichen Schwerpunkt. Zwischen dem traditionellen Zentrum um Dom und Store Torv und dem Bahnhof entwickelte sich eine neue Geschäftsachse. Der Bau der Sankt-Clemens-Brücke im Jahr 1884 verband diese Bereiche unmittelbar miteinander und trug zur Ausbildung der heutigen innerstädtischen Hauptgeschäftsachse bei.
Auch die Aarhus Å selbst wurde im Zuge der modernen Stadtentwicklung tiefgreifend verändert. Teile des Flusses wurden im 20. Jahrhundert überdeckt, weil Straßen- und Verkehrsflächen im dicht bebauten Zentrum benötigt wurden. Später änderte sich die stadtplanerische Auffassung grundlegend: Seit den 1990er Jahren wurden Abschnitte des Flusses wieder freigelegt und als innerstädtischer öffentlicher Raum gestaltet.
Heute bildet die wieder offene Aarhus Å mit Wegen, Cafés und öffentlichen Plätzen einen wichtigen Bestandteil des Stadtzentrums. Damit wurde jenes Gewässer, das bereits der Stadt ihren Namen gegeben hatte, erneut sichtbar in die urbane Landschaft einbezogen. Die Entwicklung vom natürlichen Fluss über den überdeckten Verkehrskanal zum bewusst gestalteten Stadtraum spiegelt unterschiedliche Phasen moderner Stadtplanung wider.
Der Hafen von Aarhus entwickelte sich parallel weiter. Durch wiederholte Aufschüttungen und Erweiterungen verlagerte sich die Küstenlinie weit nach Osten. Große Hafenflächen entstanden auf künstlich gewonnenem Land. Der moderne Hafen gehört heute zu den wichtigsten Wirtschaftsanlagen Dänemarks.
Aarhus besitzt gegenwärtig den größten Handelshafen Dänemarks und insbesondere den bedeutendsten dänischen Containerhafen. Ein großer Teil des dänischen Containerverkehrs wird dort abgewickelt. Hafen, Eisenbahn und das nahe Autobahnnetz verbinden Aarhus mit nationalen und internationalen Warenströmen.
Gleichzeitig verändert sich das Verhältnis zwischen Hafen und Stadt erneut. Ehemalige oder nicht mehr benötigte Hafenflächen nahe dem Zentrum werden zu Wohn-, Dienstleistungs- und Kulturquartieren umgestaltet. Besonders sichtbar ist dies im Stadtteil Aarhus Ø, der auf früheren Hafenarealen beziehungsweise künstlich erweiterten Flächen entstanden ist.
Aarhus Ø steht für die jüngste Phase der Stadterweiterung zur Bucht hin. Wohnhochhäuser, Kanäle, Promenaden und moderne öffentliche Räume bilden einen deutlichen Gegensatz zur mittelalterlichen Altstadt. Die Stadt wächst damit nicht mehr nur landeinwärts, sondern teilweise auf Flächen, die erst durch Hafen- und Küstenumbau geschaffen wurden.
Zu den bedeutendsten Bauwerken dieser neuen Wasserfront gehört Dokk1. Das 2015 eröffnete Gebäude beherbergt unter anderem die zentrale öffentliche Bibliothek und kommunale Dienstleistungen. Seine Lage unmittelbar am Hafen und an der Mündung der Aarhus Å verbindet den historischen Entstehungsort der Stadt mit modernen Kultur- und Verwaltungsfunktionen.
Ein weiterer entscheidender Entwicklungsschritt war die Gründung der Universität Aarhus. Am 11. September 1928 begann die sogenannte Universitätsundervisningen i Jylland mit zunächst wenigen Lehrkräften und Studenten. Daraus entwickelte sich die heutige Aarhus Universitet, eine der großen Forschungsuniversitäten Skandinaviens.
Der Aufbau einer Universität war für Aarhus von erheblicher stadtgeschichtlicher Bedeutung. Die Stadt erhielt damit neben Hafen, Handel und Industrie eine neue Funktion als Wissenschafts- und Bildungszentrum. Studenten, Wissenschaftler und universitätsnahe Einrichtungen beeinflussen seither Bevölkerungsstruktur, Arbeitsmarkt, Kulturleben und Stadtentwicklung.
Der ab den 1930er Jahren entstandene Universitätspark gehört zugleich zu den bedeutenden Ensembles moderner dänischer Architektur. Die charakteristischen gelben Backsteinbauten wurden nach einem einheitlichen städtebaulichen Konzept entwickelt. Architektur und Landschaftsgestaltung bilden dort eine bewusst zusammenhängende Universitätslandschaft.
Aarhus ist deshalb heute stark durch eine vergleichsweise junge Bevölkerung geprägt. Universität und zahlreiche weitere Bildungseinrichtungen ziehen Studierende aus Dänemark und dem Ausland an. Die Bezeichnung als Universitätsstadt beschreibt nicht nur eine einzelne Institution, sondern einen wesentlichen Teil der sozialen und wirtschaftlichen Struktur.
Neben Wissenschaft und Hafen besitzt Aarhus eine herausragende kulturelle Stellung. Das ARoS Aarhus Kunstmuseum gehört zu den bedeutendsten Kunstmuseen Dänemarks. Seine institutionellen Ursprünge reichen bis in das 19. Jahrhundert zurück; seit 2004 befindet es sich in einem modernen Museumsbau im Zentrum der Stadt.
Der Name ARoS greift bewusst die alte Namensform Aros von Aarhus auf. Zugleich kann die Buchstabenfolge als Anspielung auf lateinisch ars „Kunst“ verstanden werden. Damit wurde die mittelalterlich-wikingerzeitliche Namensgeschichte der Stadt gezielt für die moderne kulturelle Identität eines Museums verwendet.
Von ebenso großer kulturgeschichtlicher Bedeutung ist Den Gamle By. Das Freilichtmuseum zeigt historische Stadtgebäude aus verschiedenen Teilen Dänemarks, die dort zu vollständigen Straßenzügen und Stadtmilieus zusammengefügt wurden. Es vermittelt dadurch nicht ausschließlich die Geschichte Aarhus', sondern allgemein die Entwicklung dänischer Stadtkultur.
Südlich des eigentlichen Stadtzentrums liegt das Moesgaard Museum, das insbesondere für seine archäologischen und ethnographischen Sammlungen bekannt ist. Die Verbindung zwischen Museum, Universität und archäologischer Forschung hat wesentlich dazu beigetragen, die lange Vorgeschichte des Aarhusraumes wissenschaftlich zu erschließen.
2017 war Aarhus gemeinsam mit Paphos auf Zypern Europäische Kulturhauptstadt. Das Programm stand unter dem Leitmotiv Rethink und bezog nicht nur die Stadt, sondern die gesamte Region Midtjylland ein. Der Titel machte sichtbar, welche Bedeutung Kulturpolitik und kreative Wirtschaftsbereiche inzwischen für das Selbstverständnis der Stadt besitzen.
Verwaltungsmäßig ist zwischen Aarhus als Stadt, der Aarhus Kommune und der Region Midtjylland zu unterscheiden. Aarhus ist der Hauptort der gleichnamigen Kommune. Die Kommune gehört seit der dänischen Strukturreform von 2007 zur Region Midtjylland. Der Verwaltungssitz der Region befindet sich jedoch in Viborg.
Vor 2007 war Aarhus Sitz des damaligen Århus Amt. Die Abschaffung der dänischen Ämter und die Einführung der fünf Regionen veränderten die überkommunale Verwaltungsstruktur. Die heutige Bezeichnung Region Midtjylland darf deshalb nicht mit dem früheren Århus Amt gleichgesetzt werden.
Die heutige Aarhus Kommune umfasst neben der dicht bebauten Kernstadt zahlreiche Vororte und ehemals selbständige Siedlungen. Dazu gehören unter anderem Brabrand, Viby, Højbjerg, Risskov, Egå, Lystrup und weitere Orte. Die funktionale Großstadt reicht damit weit über den mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadtkern hinaus.
Verkehrsgeographisch gehört Aarhus zu den wichtigsten Knotenpunkten Jütlands. Die Stadt liegt an der ostjütländischen Eisenbahnhauptachse und besitzt Verbindungen nach Aalborg, Randers, Horsens, Vejle, Fredericia und weiter nach Fünen und Seeland. Regionale Bahnstrecken führen unter anderem in Richtung Grenaa und Odder.
Mit der Aarhus Letbane erhielt die Stadt zudem ein modernes Stadt- und Regionalbahnsystem. Es verbindet innerstädtische Strecken mit früheren Regionalbahnlinien und verdeutlicht die zunehmende räumliche Verflechtung zwischen Kernstadt und umliegenden Gemeinden.
Über Straßen ist Aarhus eng mit der E45 verbunden, der wichtigsten Nord-Süd-Autobahn Jütlands. Der Hafen bietet darüber hinaus Fähr-, Fracht- und internationale Seeverbindungen. Zusammengenommen bilden Schiene, Straße und Hafen ein Verkehrssystem, das wesentlich zum wirtschaftlichen Gewicht der Stadt beiträgt.
Naturräumlich besitzt Aarhus trotz seiner Größe eine enge Verbindung zu Wald, Strand und Wasser. Südlich der Stadt reichen die Marselisborg-Wälder bis an die Küste. Strände und bewaldete Steilhänge bilden dort einen unmittelbar an das Stadtgebiet anschließenden Erholungsraum.
Nach Norden setzen sich ebenfalls Küstenlandschaften und Wohngebiete entlang der Aarhus Bucht fort. Nach Westen folgen das Tal der Aarhus Å, Brabrand Sø und Årslev Engsø. Die Großstadt ist dadurch von sehr unterschiedlichen Landschaftsräumen umgeben: Küste, Flusstal, Seen, Wälder und intensiv landwirtschaftlich genutztes ostjütländisches Hügelland.
Die Aarhus Å ist ungefähr 32 Kilometer lang. Sie entspringt im Bereich des Solbjerg Sø, durchquert auf ihrem Weg Brabrand Sø und das westliche Stadtgebiet und mündet schließlich im Zentrum von Aarhus in den Hafen beziehungsweise die Aarhus Bucht. Obwohl sie im Verhältnis zur Größe der heutigen Stadt ein kleines Gewässer ist, besitzt sie aufgrund ihrer historischen Funktion außergewöhnliche Bedeutung.
Die Stadt ist somit ein Beispiel dafür, wie ein günstiger natürlicher Hafenplatz über mehr als ein Jahrtausend unterschiedliche Funktionen aufnehmen kann. Aus dem wikingerzeitlichen Handelsplatz an einer Flussmündung wurde ein mittelalterlicher Bischofssitz, daraus eine frühneuzeitliche Kaufmannsstadt und schließlich eine moderne Hafen-, Industrie-, Universitäts- und Kulturstadt.
Als Toponym wird Aarhus im Deutschen in der Regel ohne Artikel gebraucht: „Aarhus liegt in Jütland“, „nach Aarhus fahren“, „in Aarhus studieren“. Bei einer attributiven Charakterisierung kann das neutrale Genus hervortreten, etwa in „das mittelalterliche Aarhus“, „das moderne Aarhus“ oder „das Aarhus des 19. Jahrhunderts“.
Die Einwohner werden im Dänischen aarhusianere genannt. Im Deutschen sind Umschreibungen wie „Einwohner von Aarhus“ oder gelegentlich „Aarhuser“ möglich. Der Ortsname selbst wird im Deutschen gewöhnlich in der amtlichen dänischen Form Aarhus übernommen.
Von 1949 bis 2010 wurde die Stadt offiziell überwiegend Århus geschrieben. Diese Form hängt mit der dänischen Rechtschreibreform von 1948 zusammen, durch die der Buchstabe å weitgehend an die Stelle der älteren Buchstabenfolge aa trat. Der Aarhuser Stadtrat beschloss 2010, zum 1. Januar 2011 wieder die historische und international leichter verwendbare Schreibweise Aarhus einzuführen.
Die beiden Schreibweisen sind deshalb nicht mit zwei verschiedenen Städten oder unterschiedlichen historischen Ortsnamen zu verwechseln. Århus ist eine orthographisch modernisierte Form des 20. Jahrhunderts; Aarhus knüpft an die ältere Schreibtradition an und ist seit 2011 wieder die offizielle kommunale Form.
Auch von ähnlich beginnenden Namen wie Aare, Aarau, Aarberg, Aarburg oder Aargau ist Aarhus etymologisch vollständig zu unterscheiden. Die schweizerischen Namen enthalten den Gewässernamen Aare; der dänische Name Aarhus geht dagegen auf das altdänische Aros „Flussmündung“ zurück.
Ebenso besteht kein sprachgeschichtlicher Zusammenhang mit dem Familiennamen Aall oder mit Eigennamen wie Jakob Aall. Die alphabetische Nähe der Formen gehört allein der modernen Schriftordnung an und ist kein Beleg für gemeinsame Herkunft.
Die historische Identität Aarhus' lässt sich damit besonders eng an drei räumlichen Elementen ablesen: Fluss, Küste und Hafen. Der älteste Name bezeichnet bereits die Flussmündung; der wikingerzeitliche Ort entstand dort als geschützter Handelsplatz; der mittelalterliche Bischofssitz wuchs unmittelbar daneben; und der moderne Hafen entwickelte sich aus derselben maritimen Ausgangslage. Trotz der tiefgreifenden Verwandlung zur Großstadt bleibt die ursprüngliche geographische Situation dadurch sowohl im Stadtraum als auch im Namen erhalten.
Etymologie
Der Name Aarhus gehört zu den sehr alten skandinavischen Ortsnamen, ist in seiner heutigen Schriftform jedoch das Ergebnis einer erheblichen lautlichen und graphischen Umgestaltung. Die älteste rekonstruierbare beziehungsweise überlieferte Namensgestalt lautet altnordisch Áróss beziehungsweise altdänisch Aros oder Ārōs. Der ursprüngliche Name bedeutet „Mündung des Flusses“ beziehungsweise „Flussmündung“.
Die Bildung besteht aus zwei alten nordgermanischen Elementen. Das erste ist der Genitiv eines Wortes für Bach beziehungsweise Fluss, altnordisch á, altdänisch ā. In der Zusammensetzung erscheint eine Form ár-. Das zweite Element ist altnordisch óss beziehungsweise altdänisch ōs mit der Bedeutung „Mündung“.
Die ursprüngliche Struktur kann daher schematisch als ār + ōs verstanden werden: „des Flusses Mündung“. Gemeint war konkret die Mündung der heutigen Aarhus Å in die Aarhus Bucht. Der Ortsname ist damit unmittelbar aus der geographischen Situation der frühmittelalterlichen Siedlung entstanden.
Das Grundwort óss/ōs gehört zu einem alten germanischen Wortschatz für Gewässerformen. Es bezeichnet insbesondere eine Öffnung oder Mündung, durch die ein Fluss oder Bach in ein größeres Gewässer eintritt. Bei Aarhus war diese Mündung wegen ihrer geschützten Lage zugleich Hafen- und Siedlungsplatz.
Frühe Schriftformen bestätigen die alte Namensstruktur. Auf Münzen aus dem 11. Jahrhundert erscheint der Name als AROS. Um 1040 begegnen daneben Formen wie Arosei, wobei zusätzliche Buchstaben wahrscheinlich keinen selbständigen Bestandteil des Namens darstellen. Im Valdemars Jordebog von 1231 erscheint die Form Arus.
Die historischen Formen Aros und Arus zeigen deutlich, dass das heutige Element -hus ursprünglich nicht vorhanden war. Der moderne Name ist deshalb etymologisch ausdrücklich nicht als Zusammensetzung aus einem ersten Bestandteil Aar- und dem dänischen Wort hus „Haus“ zu erklären.
Im Laufe des Mittelalters wurde das nicht mehr unmittelbar verständliche ältere Element -os beziehungsweise -us zunehmend als hus aufgefasst. An dieser Umdeutung waren wahrscheinlich niederdeutsche Schreiber und die starke niederdeutsche Sprachwirkung auf die dänischen Städte des Mittelalters beteiligt. Das Ergebnis war eine volksetymologische beziehungsweise sekundäre Umgestaltung des Namens.
Bei einer solchen Umdeutung wird ein sprachlich nicht mehr durchsichtiges Element an ein bekanntes Wort angeglichen. Sprecher beziehungsweise Schreiber verstanden den älteren Namen nicht mehr in seiner ursprünglichen Struktur und interpretierten die Endung unter dem Einfluss des geläufigen Wortes hus neu. Aus einer Form des Typs Aros entwickelte sich dadurch allmählich Aarhus.
Das heutige hus besitzt daher im Ortsnamen nur scheinbar die selbständige lexikalische Bedeutung „Haus“. Historisch bezeichnet Aarhus nicht etwa ein „Haus an der Aar“ oder eine entsprechende Gebäudebezeichnung. Die richtige etymologische Grundbedeutung bleibt „Flussmündung“.
Auch der erste Bestandteil Aar- darf nicht mit dem deutschen Wort Aar „Adler“ verbunden werden. Die graphische Übereinstimmung ist zufällig. Der dänische Name geht auf das nordgermanische Wort für einen Fluss beziehungsweise Bach zurück und gehört damit einer völlig anderen Wortfamilie an.
Ebenso besteht keine etymologische Beziehung zur schweizerischen Aare. Die Aare ist ein sehr alter mitteleuropäischer Gewässername, während das Erstglied von Aarhus aus einem nordgermanischen Appellativ für „Fluss, Bach“ hervorgegangen ist. Die moderne Ähnlichkeit der Schriftbilder darf daher nicht als gemeinsame Herkunft interpretiert werden.
Dasselbe gilt für Aarau, Aarberg, Aarburg und Aargau. Diese schweizerischen Namen enthalten beziehungsweise beziehen sich auf den Eigennamen Aare; Aarhus bezeichnet dagegen ursprünglich direkt eine Flussmündung und ist unabhängig davon entstanden.
Der Familienname Aall und Eigennamen wie Jakob Aall besitzen ebenfalls eine eigenständige skandinavische Namenüberlieferung. Eine gemeinsame Anfangsfolge von Buchstaben genügt auch hier nicht zur Annahme einer etymologischen Verwandtschaft.
Eine weitere Besonderheit des Namens betrifft die moderne Orthographie. Dänisch verwendete traditionell die Buchstabenfolge aa zur Wiedergabe eines langen beziehungsweise später als besonderen Laut entwickelten Vokals. Mit der dänischen Rechtschreibreform von 1948 wurde hierfür allgemein der Buchstabe å eingeführt.
Im Zuge dieser Reform wurde auch der Stadtname als Århus geschrieben. Der Aarhuser Stadtrat entschied 1949 zugunsten dieser Form, und sie blieb für mehrere Jahrzehnte die offizielle kommunale Schreibweise. Historische Namen, Unternehmensbezeichnungen und internationale Verwendungen konnten daneben weiterhin die Form Aarhus bewahren.
2010 beschloss der Stadtrat einen erneuten Wechsel. Seit dem 1. Januar 2011 verwendet die Stadt offiziell wieder die Schreibweise Aarhus. Damit kehrte die kommunale Namensform zur traditionellen Schreibung mit Aa zurück, ohne dass sich Aussprache oder Identität des Ortes dadurch grundsätzlich änderten.
Die Schreibungen Aarhus und Århus repräsentieren somit unterschiedliche orthographische Phasen desselben Ortsnamens. Sie sind nicht mit den erheblich älteren Namensformen Aros und Arus gleichzusetzen: Der Übergang von Aros zu Aarhus betrifft die mittelalterliche sprachgeschichtliche Umgestaltung des Namens, während der Wechsel zwischen Aarhus und Århus eine moderne orthographische Entscheidung darstellt.
Der alte Name Aros wird im heutigen Aarhus bewusst wieder aufgegriffen. Besonders sichtbar ist dies beim ARoS Aarhus Kunstmuseum. Die Bezeichnung erinnert an den wikingerzeitlichen und mittelalterlichen Stadtnamen und verbindet ihn zugleich mit dem lateinischen Wort ars „Kunst“.
Die Namensgeschichte bildet damit in ungewöhnlich anschaulicher Weise die gesamte Stadtgeschichte ab. Das ursprüngliche Áróss/Aros beschreibt die natürliche Lage an einer Flussmündung; die mittelalterliche Umdeutung zu Aarhus dokumentiert sprachlichen Wandel und niederdeutschen Einfluss; die moderne Konkurrenz zwischen Århus und Aarhus spiegelt die dänische Rechtschreibgeschichte; und die Wiederverwendung von ARoS zeigt, wie ein historischer Name in der heutigen kulturellen Identität neu interpretiert werden kann.
Etymologisch lässt sich Aarhus deshalb präzise zusammenfassen: Der Stadtname geht auf altnordisch Áróss beziehungsweise altdänisch Aros zurück und bezeichnete ursprünglich die „Mündung des Flusses“, konkret die Mündung der heutigen Aarhus Å. Das heutige -hus ist das Ergebnis einer mittelalterlichen sekundären Umdeutung und nicht das ursprüngliche Wort für „Haus“.