Aarburg

Aarburg ist eine historische Kleinstadt und politische Gemeinde im Bezirk Zofingen des Kantons Aargau in der Schweiz. Der Ort liegt an der Aare unmittelbar südlich von Olten an einem landschaftlich und verkehrsgeschichtlich markanten Engpass. Über dem mittelalterlichen Städtchen erhebt sich auf einem Felssporn die Festung Aarburg, eine der bedeutendsten historischen Befestigungsanlagen der Schweiz. Stadt, Flussübergang, Burg und später Festung bilden eine über Jahrhunderte gewachsene Einheit, aus der sich die politische, wirtschaftliche und strategische Bedeutung Aarburgs erklärt.

Lexikon

Aarburg liegt im südwestlichen Teil des Kantons Aargau im Bezirk Zofingen. Die Gemeinde befindet sich dort, wo die Aare zwischen steileren Geländeformen einen verhältnismäßig engen Durchgang bildet. Dieser natürliche Engpass wird als Klus bezeichnet und verlieh dem Ort seit dem Mittelalter eine besondere strategische Bedeutung. Wer den Durchgang und den Flussübergang kontrollierte, konnte eine wichtige Nord-Süd-Verbindung zwischen dem Raum Basel und Olten einerseits und der Zentralschweiz beziehungsweise Luzern andererseits überwachen.

Das historische Aarburg besteht aus mehreren deutlich unterscheidbaren räumlichen Elementen. Unmittelbar am Fluss liegt das alte Städtchen; darüber erhebt sich auf einem Felssporn die Burg- und Festungsanlage. Entlang der Aare entwickelte sich bereits im Mittelalter eine unbefestigte Vorstadt. Im 19. und 20. Jahrhundert kamen größere Wohn-, Gewerbe- und Industriequartiere hinzu. Das heutige Gemeindegebiet ist daher wesentlich ausgedehnter als der kleine historische Stadtkern.

Die älteste Geschichte des Ortes ist eng mit der Burg verbunden. Auf dem strategisch günstigen Felssporn bestand bereits im Mittelalter eine Befestigungsanlage. Die frühe Geschichte der Burg ist nicht in allen Einzelheiten eindeutig rekonstruierbar. Beziehungen zu den Grafen von Frohburg sind belegt beziehungsweise wahrscheinlich; später gehörten Burg und Herrschaft den Habsburgern. Entscheidend ist, dass die Burg älter ist als die ausdrücklich als Stadt belegte Siedlung an ihrem Fuß.

Die ältere Forschung nahm teilweise an, Aarburg sei bereits von den Frohburgern als Stadt gegründet worden. Neuere historische und archäologische Erkenntnisse sprechen dagegen für eine spätere Stadtentstehung. Ein für die Stadtanlage wichtiger Bau konnte auf das Jahr 1312 datiert werden, und erst 1330 wird Aarburg in den Quellen ausdrücklich als Stadt bezeichnet. In Darstellungen zur mittelalterlichen Stadtentwicklung des Aargaus wird Aarburg deshalb heute den habsburgischen Stadtgründungen nach 1300 zugerechnet.

Diese Unterscheidung zwischen Burg und Stadt ist für das Verständnis Aarburgs grundlegend. Die mittelalterliche Burg diente der territorialen Kontrolle, während das Städtchen am Fuß des Burgfelsens wirtschaftliche und verkehrsbezogene Funktionen übernahm. Aus der Verbindung beider Elemente entstand ein kleiner Herrschaftsmittelpunkt, dessen Bedeutung weit über die geringe Fläche der eigentlichen Stadt hinausreichte.

1299 verkauften die Frohburger die Burg Aarburg mit der zugehörigen Herrschaft an die Herzöge von Österreich. Unter habsburgischer Herrschaft wurde Aarburg zum Mittelpunkt eines Amtes. Das um 1300 entstandene habsburgische Urbar führt unter der Bezeichnung Officium Arburch Rechte in einer Reihe von Ortschaften auf. Die Herrschaft umfasste damit einen beträchtlichen Teil des späteren westlichen Bezirks Zofingen.

Die Habsburger besaßen in diesem Raum umfangreiche Hoheitsrechte, darunter Hoch- und Niedergericht. Die Burg war nicht nur militärischer Stützpunkt, sondern Mittelpunkt einer territorialen Verwaltungsstruktur. Zwischen 1330 und 1415 saß dort unter anderem das Dienstmannengeschlecht Kriech von Aarburg. Die Geschichte des Ortes ist damit eng mit der Herausbildung territorialer Herrschaft im spätmittelalterlichen Aargau verbunden.

Wirtschaftlich blieb Aarburg im Mittelalter vergleichsweise klein. Nur wenige Kilometer entfernt lagen mit Zofingen und Olten bereits bedeutendere städtische Zentren. Der wirtschaftliche Einzugsbereich Aarburgs war dadurch eingeschränkt. Das Städtchen entwickelte sich nicht zu einer größeren Marktstadt, sondern blieb über lange Zeit ein sehr kleiner urbaner Ort, dessen Bedeutung stärker aus der Verkehrslage, der Burg und der Verwaltung als aus einem ausgedehnten eigenen Marktgebiet hervorging.

Eine außergewöhnliche Rolle spielte dabei die Aare. Aarburg lag nicht einfach an einem Fluss, sondern an einem Punkt, an dem die besondere Strömungssituation einen natürlichen Umschlag- und Hafenplatz begünstigte. Südlich des Städtchens mündet der sogenannte Tych gegen die Fließrichtung in die Aare. Dadurch entsteht am Aareknie eine kreisende Wasserbewegung, die traditionell als Waage bezeichnet wird.

Diese Aarburger Waage bildet ein charakteristisches hydrologisches Phänomen. Das gegenläufig einströmende Wasser erzeugt im Uferbereich einen großen Wirbel beziehungsweise eine ruhigere kreisende Strömungszone. Unter den Bedingungen der vormodernen Binnenschifffahrt war eine solche Stelle von erheblichem praktischem Nutzen, weil Schiffe und Flöße dort vergleichsweise geschützt anlegen konnten.

Bereits 1361 ist in Aarburg ein Hafen bezeugt; 1431 wird eine Fähre beziehungsweise ein Fahr erwähnt. Der Ort wurde dadurch zu einem Umschlagplatz zwischen Wasser- und Landverkehr. Besonders Wein und Salz wurden hier umgeladen und durch das Wiggertal in Richtung Luzern weitertransportiert. Holz aus den waldreichen Gebieten südlich der Aare wurde bei Aarburg zu Flößen zusammengebunden.

Die Aareschifffahrt erreichte zwischen etwa 1600 und 1750 eine besondere wirtschaftliche Bedeutung. Für schwere und umfangreiche Güter waren Flüsse vor dem Eisenbahnzeitalter wesentlich leistungsfähigere Transportwege als viele Landstraßen. Aarburg profitierte von der Verbindung zwischen dem schiffbaren Fluss und dem Straßennetz in Richtung Zentralschweiz.

Die Lage am überregionalen Verkehrsweg hatte eine wesentlich ältere Vorgeschichte. Bereits in römischer Zeit verlief eine Straße aus dem Gebiet von Olten in Richtung Zentralschweiz durch den Raum Aarburg. Römische Münzfunde, darunter ein Depotfund des 3. Jahrhunderts, bezeugen die Nutzung des Gebietes. Die mittelalterliche und frühneuzeitliche Verkehrsachse Basel–Olten–Luzern knüpfte damit an eine seit langer Zeit günstige natürliche Durchgangslage an.

1415 änderten sich die politischen Verhältnisse grundlegend. Im Zuge der eidgenössischen Eroberung des Aargaus wurde Aarburg nach kurzer Belagerung von Bern übernommen. Bereits 1416 wurde die Burg zum Sitz eines bernischen Landvogts. Aus der früheren habsburgischen Herrschaft entstand ein bernisches Oberamt.

Damit wurde Aarburg Teil des ausgedehnten bernischen Territoriums im Unteraargau. Der Landvogt verwaltete von der Burg aus nicht nur das kleine Städtchen, sondern ein größeres ländliches Gebiet. Die hoch über der Aare gelegene Anlage erhielt dadurch eine administrative Funktion, die ihre ältere militärische und herrschaftliche Bedeutung fortsetzte.

Die Festung, die heute das Erscheinungsbild Aarburgs beherrscht, entstand im Wesentlichen erst in der frühen Neuzeit. Nach dem Schweizer Bauernkrieg von 1653 und dem Ersten Villmergerkrieg von 1656 entschloss sich Bern zu einer umfassenden Verstärkung der Anlage. Zwischen 1659 und 1673 wurde unter Leitung von Simon Erismann ein groß angelegtes Festungswerk errichtet.

Die Befestigungen erstreckten sich in mehreren gestaffelten Werken über den gesamten Grat. Es entstanden beziehungsweise wurden erweitert Zeughäuser, Kasernen, Befestigungsmauern, Batteriestellungen, Kapellen- und Schlossbereiche sowie militärische Nebengebäude. Auf der Westseite gehörten dazu die Hohe Batterie und das sogenannte Rosseisen. Weitere Erweiterungen folgten noch im 18. Jahrhundert.

Die Festung Aarburg war Bestandteil der bernischen militärischen Sicherung des Unteraargaus. Ihre Lage beherrschte den Flussübergang und eine zentrale Verkehrsachse zwischen dem schweizerischen Mittelland und der Zentralschweiz. Der militärische Wert beruhte damit nicht ausschließlich auf den Mauern selbst, sondern auf der geographischen Schlüsselstellung des Burgfelsens.

1798 endete die bernische Herrschaft. Beim Einmarsch französischer Truppen im Zuge der revolutionären Umgestaltung der Schweiz wurde die Festung am 10. März kampflos übergeben. Die politischen Strukturen der alten Eidgenossenschaft brachen zusammen, und Aarburg wurde Teil der Helvetischen Republik.

Mit der Mediationsakte von 1803 entstand der moderne Kanton Aargau. Aarburg wurde diesem neuen Kanton zugeteilt und gehört seither zum Bezirk Zofingen. Damit verschwand die frühere Funktion der Burg als bernischer Landvogteisitz endgültig.

Der Kanton Aargau übernahm 1804 die Burg- und Festungsanlage. Sie wurde zunächst als kantonales Zeughaus und später auch als Strafanstalt genutzt. Diese Umnutzung ist charakteristisch für zahlreiche frühneuzeitliche Festungsanlagen: Mit dem Verlust ihrer ursprünglichen strategischen Aufgabe wurden die massiven Gebäude für Verwaltungs-, Lager- oder Gefängniszwecke verwendet.

Eine einschneidende Katastrophe traf das Städtchen im Jahr 1840. Ein großer Stadtbrand zerstörte beträchtliche Teile der eng zwischen Burgfelsen und Aare liegenden Bebauung. Der anschließende Wiederaufbau prägte das heutige Erscheinungsbild der Altstadt wesentlich. Der mittelalterliche Grundriss blieb in Grundzügen bestehen, doch zahlreiche Gebäude erhielten ihre heutige Gestalt erst nach diesem Ereignis.

Auch die Kirche wurde 1840 zerstört. An ihrer Stelle entstand zwischen 1842 und 1845 eine neue neugotische Saalkirche mit charakteristischer Doppelturmfassade. Sie steht am Aufstieg zur Festung auf beziehungsweise nahe dem Gelände einer älteren Burgkapelle. Kirche, Festung und Burgfelsen bilden heute gemeinsam die markanteste Silhouette Aarburgs.

Kirchlich hatte Aarburg bis 1484 zur Großpfarrei Zofingen gehört. Danach bildete der Ort ein eigenes Kirchspiel. Auch daran wird die schrittweise institutionelle Verselbständigung des ursprünglich sehr kleinen Burg- und Verkehrsplatzes sichtbar.

Das 19. Jahrhundert brachte einen fundamentalen Wandel der Verkehrsverhältnisse. Die traditionelle Aareschifffahrt verlor mit dem Ausbau moderner Straßen und vor allem der Eisenbahn ihre frühere Bedeutung. Seit 1856 führte auch die Bahnverbindung der wichtigen Nord-Süd-Achse durch beziehungsweise unmittelbar an Aarburg vorbei.

Der Eisenbahnbau verstärkte die Einbindung des Ortes in den Wirtschaftsraum Olten–Zofingen und förderte die Industrialisierung. Während der historische Kern räumlich klein blieb, entstanden außerhalb der alten Stadt zunehmend Gewerbe- und Industriequartiere. Das moderne Aarburg entwickelte sich dadurch weit über den Bereich des mittelalterlichen Städtchens hinaus.

Die Lage unmittelbar südlich von Olten und an wichtigen Bahn- und Straßenachsen führte langfristig zu einer engen funktionalen Verflechtung mit den umliegenden Gemeinden. Aarburg ist heute Bestandteil eines dicht besiedelten Verkehrs- und Wirtschaftsraumes, der sich entlang des Aare- und Wiggertals entwickelt hat. Historische Kleinstadt und moderne Agglomerationsgemeinde überlagern sich dadurch innerhalb desselben Ortes.

Die Aare blieb trotz des Bedeutungsverlustes der Schifffahrt ein prägendes Landschaftselement. Die Altstadt liegt unmittelbar am Fluss, und der Blick auf Festung, Kirche, Fels und Wasser gehört zu den charakteristischsten Ortsbildern des Aargaus. Die topographische Enge macht unmittelbar sichtbar, weshalb gerade hier eine Burg und später eine Festung errichtet wurden.

Besondere Bedeutung besitzt weiterhin die Waage. Sie ist nicht nur ein hydrologisches Phänomen, sondern ein historisches Zeugnis für die enge Beziehung zwischen Flussnatur und Wirtschaftsgeschichte. Ohne diese besondere Strömungssituation hätte sich an dieser Stelle kaum in gleicher Weise ein geschützter Umschlagplatz für die Aareschifffahrt entwickeln können.

Die Festung selbst gehört zu den bedeutendsten Baudenkmälern des Kantons Aargau und ist als Kulturgut von nationaler Bedeutung eingestuft. Ihre heutige Nutzung unterscheidet sich grundlegend von der ursprünglichen militärischen Funktion. Seit 1893 befindet sich dort eine Institution für den Vollzug beziehungsweise die Betreuung und Erziehung Jugendlicher.

Der Kanton Aargau beschloss 1891, auf der Festung eine entsprechende Anstalt einzurichten; 1893 nahm sie ihren Betrieb auf. Die pädagogischen Vorstellungen und institutionellen Bezeichnungen wandelten sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts erheblich. Aus der ursprünglichen Zwangserziehungsanstalt wurde zunächst eine Erziehungsanstalt, später ein Erziehungsheim und schließlich das heutige Jugendheim Aarburg.

Damit besitzt die Festung eine ungewöhnlich kontinuierliche institutionelle Nutzungsgeschichte: mittelalterliche Burg, frühneuzeitliche Festung, bernischer Landvogteisitz, kantonales Zeug- und Gefängnisgebäude sowie schließlich Jugendheim. Die baulichen Veränderungen verschiedener Epochen sind entsprechend eng mit wechselnden Vorstellungen von Herrschaft, Verteidigung, Strafvollzug und Erziehung verbunden.

Die historische Festungsanlage kann wegen ihrer heutigen institutionellen Nutzung nicht vollständig wie ein gewöhnliches Museum frei betreten werden. Öffentliche Führungen ermöglichen jedoch die Besichtigung wesentlicher Außenbereiche und vermitteln die Bau- und Nutzungsgeschichte. Dadurch bleibt die Anlage trotz ihrer besonderen gegenwärtigen Funktion ein wichtiger Bestandteil der historischen Öffentlichkeit Aarburgs.

Der alte Stadtkern unterhalb der Festung ist vergleichsweise klein. Gerade diese räumliche Enge gehört jedoch zu seinen charakteristischen Qualitäten. Zwischen steilem Burgfelsen und Aare blieb nur wenig Raum für die historische Bebauung. Dadurch entstand eine langgestreckte beziehungsweise keilförmige Stadtstruktur, die sich deutlich von großzügiger geplanten mittelalterlichen Marktstädten unterscheidet.

Die mittelalterliche Vorstadt entlang der Aare blieb unbefestigt. Diese Trennung zwischen kleinem befestigtem Kern beziehungsweise Burgbereich und offener Vorstadtsiedlung zeigt, dass der Ort funktional schon früh über seine engsten Befestigungsgrenzen hinauswuchs. Wirtschaftliche Einrichtungen, Verkehr und Schifffahrt benötigten Flächen unmittelbar am Wasser, die sich nicht vollständig in den befestigten Kern integrieren ließen.

Die wirtschaftliche Entwicklung des 19. und 20. Jahrhunderts verstärkte diese Tendenz. Industrieanlagen und Arbeiterwohngebiete beanspruchten wesentlich größere Flächen als das alte Städtchen bereitstellen konnte. Die moderne Siedlung entwickelte sich deshalb vor allem außerhalb des historischen Zentrums.

Die heutige Gemeinde gehört zum Bezirk Zofingen. Der Bezirk bildet den südwestlichen Teil des Kantons Aargau und umfasst einen Raum, dessen historische Entwicklung stark durch die Verkehrsachsen des Wigger- und Aaretals geprägt wurde. Aarburg nimmt darin aufgrund seiner Grenz- und Verkehrslage unmittelbar bei Olten eine besondere Position ein.

Mit dem benachbarten Oftringen ist Aarburg heute siedlungsräumlich eng verbunden. Der Bahnhof trägt die Bezeichnung Aarburg-Oftringen und dokumentiert diese funktionale Verflechtung unmittelbar. Die moderne Verkehrsgeographie überschreitet damit die historischen Gemeindegrenzen, während die mittelalterlichen Ortskerne ihre eigenen Identitäten bewahrt haben.

Aus kulturgeschichtlicher Sicht vereinigt Aarburg auf engem Raum verschiedene Schichten der Schweizer Geschichte. Der mittelalterliche Burgplatz verweist auf adelige Territorialherrschaft, die habsburgische Zeit auf die politische Ordnung des spätmittelalterlichen Aargaus, die Festung auf den bernischen Territorialstaat, die Ereignisse von 1798 auf den revolutionären Umbruch und die Industriebauten des 19. Jahrhunderts auf die Entstehung der modernen Wirtschafts- und Verkehrsgesellschaft.

Die Aare bildet dabei die konstante geographische Grundlage. Herrschaftswechsel, Stadtbrand, Festungsbau, Eisenbahn und Industrialisierung veränderten den Ort tiefgreifend; der Flussengpass und der Felssporn blieben jedoch die bestimmenden Elemente seiner Lage. Der Name Aarburg fasst diese Verbindung von Gewässer und befestigtem Herrschaftssitz bereits sprachlich zusammen.

Als Toponym wird Aarburg im Deutschen gewöhnlich ohne bestimmten Artikel gebraucht: „Aarburg liegt im Bezirk Zofingen“, „nach Aarburg fahren“, „in Aarburg wohnen“. Bei attributiver Charakterisierung kann ein neutrales Genus sichtbar werden, etwa in „das mittelalterliche Aarburg“ oder „das Aarburg des 18. Jahrhunderts“. Der Ortsname selbst ist jedoch ein Eigenname und wird nicht wie ein gewöhnliches Appellativ flektiert.

Von Aarberg im Kanton Bern ist Aarburg trotz der auffälligen Ähnlichkeit eindeutig zu unterscheiden. Beide schweizerischen Ortsnamen beziehen sich auf die Aare, ihre zweiten Bestandteile sind jedoch verschieden. Aarberg enthält -berg, das im mittelalterlichen Namen eine burgbezogene Bedeutung besitzen kann, während Aarburg unmittelbar mit dem Grundwort Burg gebildet ist.

Auch mit Aarbergen in Hessen besteht kein historischer Zusammenhang. Aarbergen ist ein moderner deutscher Gemeindename des 20. Jahrhunderts und bezieht sich auf die deutsche Aar. Aarburg dagegen ist ein mittelalterlicher schweizerischer Name, dessen Bestimmungswort die schweizerische Aare bezeichnet.

Die besondere Bedeutung Aarburgs lässt sich daher aus der Verbindung von Topographie, Verkehr und Herrschaft erklären. Eine strategisch günstige Engstelle der Aare führte zur Anlage einer Burg; die Burg wurde zum Mittelpunkt einer Herrschaft; am Flussübergang entwickelte sich ein kleines Städtchen; die besondere Strömung ermöglichte einen Hafen; und die verkehrspolitische Schlüsselstellung führte schließlich zum Ausbau der Burg zu einer großen Festung. Die heutige Ortsgestalt ist das Ergebnis dieser über viele Jahrhunderte fortwirkenden Verbindung.

Etymologie

Der Name Aarburg ist ein mittelalterlicher Orts- und Burgname und bedeutet ursprünglich „Burg an der Aare“. Die schweizerische Namenforschung rekonstruiert als Grundform althochdeutsch *Ara-burc. Der Name ist damit eine transparente Zusammensetzung aus dem alten Gewässernamen Aare und dem althochdeutschen Gattungswort burc „Burg“.

Die ältesten zuverlässigen historischen Formen zeigen die Zusammensetzung bereits deutlich. 1183 erscheint ein Ulricus de Arburch, 1201 ein Heinricus de Arburc, 1224 ist Adelheidis de Aarburg bezeugt und 1238 begegnet Cuono von Aarburc. 1261 erscheint die Form actum in castro Arburk, die den Namen unmittelbar mit einer Burg verbindet. 1322 ist schließlich ze Arburg überliefert.

Bei vermeintlich noch älteren Belegen ist Vorsicht erforderlich. Eine in älterer Literatur herangezogene Nennung eines Adelbero comes de Areburg aus dem frühen 12. Jahrhundert gilt in der modernen Ortsnamenforschung nicht als verlässlicher Erstbeleg: Die betreffende Überlieferung ist eine spätere Fälschung und die problematische Form wird zudem als Froburc gelesen. Für eine wissenschaftlich saubere Etymologie sollte deshalb die gesicherte Belegreihe ab dem späten 12. Jahrhundert zugrunde gelegt werden.

Das Bestimmungswort Aar- bezieht sich auf die Aare. Der Flussname ist erheblich älter als Burg und Siedlung und gehört zu einer alten europäischen Gewässernamenschicht. Seine eigene Etymologie reicht damit in eine wesentlich frühere Sprachstufe zurück als die mittelalterliche Zusammensetzung Aarburg.

Für die Bildung des Ortsnamens genügt die Feststellung, dass der Fluss zur Zeit der mittelalterlichen Burgbenennung bereits einen Vorläufer seines heutigen Namens trug. Althochdeutsch wird für das Kompositum eine Form *Ara-burc angesetzt. Durch Abschwächung und Wegfall unbetonter Laute entwickelten sich daraus Formen wie Areburc, Arburc, Arburch und schließlich Aarburg.

Das Grundwort Burg geht auf althochdeutsch burg beziehungsweise burc und mittelhochdeutsch burc zurück. Es bezeichnete eine befestigte Anlage, einen geschützten Platz beziehungsweise einen befestigten Herrschaftssitz. Das Wort gehört zu einer alten germanischen Wortfamilie, deren Bedeutungsbereich Schutz, Befestigung und befestigte Siedlung umfasst.

Im Namen Aarburg besitzt das Grundwort seine konkrete mittelalterliche Bedeutung. Der Name bezeichnete zunächst den befestigten Herrschaftssitz an der Aare und wurde anschließend auf die am Fuß der Burg entstehende Siedlung übertragen. Damit handelt es sich um einen typischen Fall sekundärer Siedlungsbenennung: Ein bereits bestehender Burgname wird zum Namen des zugehörigen Ortes.

Diese Reihenfolge erklärt zugleich, weshalb die Geschichte des Namens älter ist als die ausdrückliche urkundliche Bezeichnung Aarburgs als Stadt. Personen konnten bereits im 12. und 13. Jahrhundert nach der Burg von Aarburg genannt werden, obwohl die Siedlung am Fuß des Felsens erst später sicher als Stadt fassbar wird. Burgname, Personenname und Stadtname müssen daher chronologisch auseinandergehalten werden.

Die historischen Schreibformen mit Ar- statt Aar- stellen keine anderen Namen dar. Mittelalterliche Urkunden besaßen keine einheitliche moderne Orthographie, und die Länge eines Vokals wurde nicht regelmäßig durch Buchstabenverdoppelung gekennzeichnet. Die heutige Schreibung Aar- ist eine später stabilisierte graphische Form.

Auch die Varianten -burc, -burch, -burk und -burg spiegeln historische Schreib- und Lautverhältnisse wider. Das mittelalterliche Grundwort konnte wegen der Auslautverhärtung am Wortende mit einem stimmlosen Verschlusslaut gesprochen und entsprechend unterschiedlich geschrieben werden. Die heutige Form -burg entspricht der neuhochdeutschen Standardorthographie.

Der Ortsname ist semantisch daher ausgesprochen klar strukturiert: Aare + Burg bedeutet „Burg an der Aare“. Diese Deutung stimmt unmittelbar mit der Topographie überein. Die Burg steht auf einem beherrschenden Felssporn über der Aare und kontrollierte den Flussengpass sowie die daran vorbeiführenden Verkehrswege.

Bemerkenswert ist dagegen die heraldische Umdeutung des Namens. Im Aarburger Wappen erscheint ein Adler. Diese Darstellung beruht auf einer volksetymologischen Verbindung des Namenselements Aar- mit dem deutschen Wort Aar „Adler“. Sprachgeschichtlich ist diese Gleichsetzung jedoch falsch.

Das dichterisch beziehungsweise altertümlich gebrauchte deutsche Substantiv Aar „Adler“ geht auf althochdeutsch aro zurück und gehört zu einer germanischen Vogelbezeichnung. Das Erstglied des Ortsnamens Aarburg bezeichnet dagegen den Fluss Aare. Der Adler im Wappen ist damit ein sogenanntes redendes Wappen, das auf einer nachträglichen lautlichen Umdeutung des Namens beruht.

Eine strukturelle Parallele besteht zu anderen schweizerischen Namen, die den Flussnamen Aare enthalten. Aarau verbindet ihn mit althochdeutsch ouwa „Au, wassergeprägtes Land“, Aargau mit Gau, und Aarberg mit Berg. Diese Namen teilen das Gewässer als geographischen Bezugspunkt, entstanden jedoch in unterschiedlichen historischen Zusammenhängen.

Von Aarberg ist Aarburg etymologisch trotz der großen Ähnlichkeit nicht einfach als bloße Schreibvariante zu behandeln. Die Namen besitzen unterschiedliche Grundwörter. Bei Aarburg ist burc bereits in den ältesten Belegen eindeutig vorhanden; der Name bezeichnet ausdrücklich die Burg an der Aare.

Mit Aarbergen besteht ebenfalls kein unmittelbarer etymologischer Zusammenhang. Der hessische Gemeindename wurde erst im 20. Jahrhundert geschaffen und bezieht sich auf ein anderes Gewässer namens Aar. Gleichlautende oder ähnliche Bestandteile in modernen Namen dürfen deshalb nicht ohne historische Belege miteinander gleichgesetzt werden.

Ebenso wenig gehört der Familienname Aall zu derselben Wortfamilie. Eigennamen wie Jakob Aall besitzen eine eigenständige skandinavische Namenüberlieferung. Die alphabetische Nähe von Aall, Aar, Aare, Aarberg und Aarburg hat keine etymologische Beweiskraft.

Die Geschichte des Namens Aarburg lässt sich damit vergleichsweise präzise fassen. Ausgangspunkt war eine mittelalterliche Burg an der Aare. Der daraus gebildete Burgname wurde auf Herrschaftsträger, Herrschaftsgebiet und schließlich auf die Siedlung übertragen. Die moderne Ortsbezeichnung bewahrt deshalb unmittelbar die geographische und politische Ausgangssituation des mittelalterlichen Ortes: einen befestigten Herrschaftssitz über dem strategisch wichtigen Aareübergang.