Aarfeldspitz
Der Aarfeldspitz, auch Aarfeldspitze, ist ein 2.284 Meter hoher Berg in den Wölzer Tauern in der Steiermark in Österreich. Der Gipfel liegt südöstlich des Sölkpasses in einem langgestreckten alpinen Kamm zwischen dem nördlich gelegenen Sölktal und den südlich zur Mur entwässernden Tälern. Der Berg gehört zu einer Reihe von Zweitausendern, zu denen insbesondere die Hornfeldspitze, die Narrenspitze und der Ameiskopf zählen. Als geographischer Eigenname begegnet sowohl die maskuline Form der Aarfeldspitz als auch die feminine Variante die Aarfeldspitze.
Lexikon
Der Aarfeldspitz befindet sich im zentralen Bereich der Niederen Tauern, einer ausgedehnten Gebirgsgruppe der österreichischen Ostalpen. Innerhalb dieser Großlandschaft wird der Gipfel den Wölzer Tauern beziehungsweise in weiter gefassten Gliederungen den Rottenmanner und Wölzer Tauern zugerechnet. Diese Gebirgsgruppe erstreckt sich in der Steiermark zwischen dem Ennstal im Norden und dem Murtal im Süden und besteht aus zahlreichen überwiegend zwischen 2.000 und 2.500 Metern hohen Gipfeln, ausgedehnten alpinen Grasbergen, felsdurchsetzten Graten, Karen und hoch gelegenen Almflächen.
Der Aarfeldspitz liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des Sölkpasses, eines alten Übergangs über die Niederen Tauern. Der Pass verbindet das Sölktal im Norden mit dem Raum um Schöder und das obere Murtal im Süden. Seine Lage erklärt, weshalb die umliegenden Berge vergleichsweise gut aus den Tälern erreichbar sind. Zugleich bildet der Pass einen markanten Einschnitt innerhalb des Gebirgskammes, von dem mehrere Gipfeltouren ihren Ausgang nehmen.
Der Aarfeldspitz erhebt sich südöstlich beziehungsweise östlich dieses Übergangs. Sein Gipfel ist kein isolierter Bergstock, sondern Bestandteil eines zusammenhängenden Bergkammes. Nordwestlich liegt die etwa 2.277 Meter hohe Hornfeldspitze, südöstlich beziehungsweise östlich folgen weitere Erhebungen wie die Narrenspitze. Dadurch erscheint der Aarfeldspitz in der Landschaft weniger als alleinstehende Pyramide denn als markante Erhebung innerhalb eines langen Höhenzuges.
Diese Stellung im Kamm prägt auch seine bergsteigerische Wahrnehmung. Der Gipfel wird häufig nicht als ausschließliches Ziel einer eigenständigen Tour besucht, sondern im Rahmen einer Gratwanderung überschritten. Besonders bekannt ist die Verbindung vom Sölkpass zur Hornfeldspitze und von dort weiter über den Aarfeldspitz zur Narrenspitze und zum Ameiskopf. Die Höhenunterschiede zwischen diesen Gipfeln sind vergleichsweise gering, sodass sich mehrere Zweitausender innerhalb einer zusammenhängenden Tour verbinden lassen.
Vom Sölkpass führt zunächst ein markierter Bergweg zur Hornfeldspitze. Der weitere Übergang zum Aarfeldspitz verläuft dagegen teilweise auf schwächer ausgeprägten Steigspuren beziehungsweise unmittelbar entlang des Kammes. Das Gelände wird stellenweise steiler und felsdurchsetzt. Damit unterscheidet sich der Aarfeldspitz von einem vollständig durch breite Wanderwege erschlossenen Aussichtsgipfel. Für die Überschreitung sind sichere Orientierung und Trittsicherheit wichtiger als auf dem markierten Hauptanstieg zur Hornfeldspitze.
Die Kammlage eröffnet weite Ausblicke in zwei unterschiedliche große Entwässerungsräume. Nach Norden fällt das Gelände zum Sölktal und damit zum Einzugsgebiet der Enns ab. Nach Süden beziehungsweise Südwesten führen Täler und Bäche zur Mur. Damit liegt der Berg in einem Bereich der Niederen Tauern, in dem sich die großen Flusssysteme der nördlichen und südlichen Steiermark auf engem Raum gegenüberstehen.
Der nördliche Landschaftsraum wird besonders durch die Sölktäler geprägt. Sie gehören zu den vergleichsweise wenig verbauten alpinen Talräumen der Steiermark. Das Große und Kleine Sölktal mit ihren Seitentälern, Almen, Bergseen und Hochgebirgsflächen bilden einen großräumigen Natur- und Erholungsraum. Der Aarfeldspitz gehört zum Gebirgsrahmen dieser Landschaft und wird deshalb häufig im Zusammenhang mit dem Naturpark Sölktäler wahrgenommen.
Im Süden öffnet sich dagegen der Blick zu den Berglandschaften des Bezirks Murau und weiter zum Murtal. Die Lage des Gipfels macht besonders anschaulich, dass die Niederen Tauern eine ausgeprägte Wasserscheidenlandschaft darstellen. Niederschlagswasser, das nur wenige hundert Meter voneinander entfernt auf gegenüberliegenden Flanken fällt, kann über völlig unterschiedliche Bach- und Flusssysteme abfließen.
Das Relief des Aarfeldspitzes entspricht in weiten Teilen dem typischen Charakter der Wölzer Tauern. Unterhalb der Gipfelregion dominieren ausgedehnte alpine Rasenflächen und Matten, während an steileren Gratabschnitten Fels und Schutt hervortreten. Diese Mischung aus grasigen Rücken und felsigen Aufschwüngen unterscheidet große Teile der Niederen Tauern beispielsweise von den stark verkarsteten Kalkplateaus der weiter nördlich gelegenen Kalkalpen.
Geologisch gehören die Niederen Tauern zum zentralalpinen Kristallin. Ihre Gesteine wurden während der komplexen Entstehung der Alpen mehrfach umgewandelt, verfaltet und tektonisch beansprucht. Metamorphe Gesteine wie Glimmerschiefer, Gneise und amphibolitische Gesteine prägen große Teile der Gebirgsgruppe. Die heutige Oberflächenform ist jedoch nicht allein aus dem Gesteinsuntergrund zu erklären, sondern ebenso aus der späteren eiszeitlichen Überformung.
Während des Quartärs waren die Täler und Hochlagen der Niederen Tauern wiederholt vergletschert. Die Gletscher vertieften Täler, schliffen Felsoberflächen ab und hinterließen Moränen, Kare und andere glaziale Formen. Nach ihrem Rückzug wurden diese Landschaften durch Frostverwitterung, fließendes Wasser, Hangbewegungen und Vegetationsentwicklung weiter umgestaltet.
In der heutigen Gipfelregion wirken vor allem Frostverwitterung, Schwerkraft und Oberflächenabfluss auf das Relief. Wasser dringt in Klüfte des Gesteins ein, gefriert und kann vorhandene Risse erweitern. Abgelöste Gesteinsstücke sammeln sich in steileren Bereichen als Schutt. Auf weniger geneigten Flächen können sich dagegen alpine Böden und geschlossene Rasengesellschaften entwickeln.
Die Waldgrenze liegt deutlich unterhalb des Gipfels. Unter ihr dominieren in den umliegenden Tälern und Hängen vor allem Fichten, Lärchen und andere typische Baumarten des inneralpinen Bergwaldes. Oberhalb der geschlossenen Waldstufe folgen Zwergstrauchheiden, alpine Rasen und schließlich zunehmend vegetationsarme felsige Flächen. Der Aufstieg vom Tal bis zum Gipfel durchquert damit mehrere deutlich unterscheidbare Höhenstufen.
Diese Höhenstufung beeinflusst auch die Tierwelt. In den offenen Hochlagen der Wölzer Tauern kommen unter anderem Gämsen, Murmeltiere und verschiedene alpine Vogelarten vor. Gerade die wenig erschlossenen Gebirgsabschnitte zwischen den stärker begangenen Wegen besitzen als Rückzugsräume Bedeutung. Wandernde und bergsteigende Besucher bewegen sich deshalb in einer Landschaft, die zugleich Freizeit- und Lebensraum ist.
Die traditionelle menschliche Nutzung konzentrierte sich über Jahrhunderte weniger auf die Gipfel als auf die darunterliegenden Almen. Während der Sommermonate wurden höher gelegene Weideflächen zur Viehhaltung genutzt. Diese Form der Almwirtschaft prägte die Vegetation und das Landschaftsbild der Sölktäler erheblich. Viele der heute als besonders naturnah wahrgenommenen offenen Berglandschaften sind daher nicht ausschließlich Natur-, sondern zugleich alte Kulturlandschaften.
Der nahe Sölkpass besitzt ebenfalls eine lange Nutzungsgeschichte. Als Übergang zwischen Enns- und Murtal wurde er bereits vor dem modernen Straßenbau von Menschen, Vieh und Warenverkehr genutzt. Solche Alpenpässe verbanden Regionen, die durch die hohen Gebirgskämme voneinander getrennt erscheinen, wirtschaftlich und kulturell miteinander. Die Gipfel um den Pass bildeten dabei Orientierungspunkte, während die tatsächlichen Verkehrswege die niedrigeren Einschnitte nutzten.
Heute ist der Sölkpass vor allem eine saisonal befahrbare Hochgebirgsstraße. Wegen der Höhenlage und der winterlichen Schneeverhältnisse ist die Verbindung während eines erheblichen Teils des Jahres nicht durchgehend offen. Für den Sommertourismus bietet die Passhöhe einen hoch gelegenen Ausgangspunkt, von dem aus bereits ohne lange Talzustiege die alpine Höhenstufe erreicht werden kann.
Gerade deshalb gehört die Kombination von Hornfeldspitze, Aarfeldspitz und Narrenspitze zu den charakteristischen Bergwanderungen am Sölkpass. Die Passhöhe liegt bereits bei ungefähr 1.788 Metern. Bis zur Hornfeldspitze müssen daher weniger als 500 Höhenmeter überwunden werden; anschließend bewegt sich die Route großteils im Bereich von etwa 2.200 bis 2.300 Metern.
Die vergleichsweise geringe Höhendifferenz darf jedoch nicht mit völliger technischer Anspruchslosigkeit verwechselt werden. Oberhalb der Hornfeldspitze ist die Route nicht überall als breiter, markierter Wanderweg ausgebaut. Steile Grasflanken, schrofige Felspartien, loses Material und ausgesetztere Stellen verlangen Aufmerksamkeit. Besonders bei Nässe, Nebel, Altschnee oder Vereisung kann der Schwierigkeitsgrad erheblich zunehmen.
Der Aarfeldspitz wird auch im Winter beziehungsweise Frühjahr als Ziel von Skitouren aufgesucht. Die Bedingungen unterscheiden sich dann grundlegend von denen einer sommerlichen Gratwanderung. Steile Gipfelhänge und mögliche Triebschneeansammlungen machen eine eigenständige Beurteilung der Lawinengefahr erforderlich. Eine sommerliche Wegbeschreibung lässt sich deshalb nicht unmittelbar auf winterliche Verhältnisse übertragen.
Der Gipfel selbst ist gegenüber einigen benachbarten Bergen topographisch weniger dominant. Die Narrenspitze ist höher, und weiter westlich beziehungsweise nordwestlich erheben sich deutlich höhere Gipfel der Niederen Tauern. Dennoch besitzt der Aarfeldspitz als Bestandteil des Hornfeldkammes einen eigenen topographischen Namen und bildet eine klar erkennbare Erhebung innerhalb des Gratverlaufs.
Solche benannten Nebengipfel und Kammgipfel sind für die Oronymie, also die Namenkunde der Berge und Gebirgsformen, von besonderem Interesse. Ein Bergname setzt keine außergewöhnliche absolute Höhe voraus. Entscheidend kann vielmehr sein, dass eine Erhebung für Almwirtschaft, Jagd, Grenzziehung, Orientierung oder lokalen Verkehr als eigenständiges Landschaftselement wahrgenommen wurde.
Die Verwaltungsgeographie des Berges ist aufgrund seiner Grenzlage ebenfalls bemerkenswert. Der Aarfeldspitz liegt im Bereich verschiedener steirischer Gemeinde- und Bezirksgebiete. Nördliche Flanken gehören zum Raum der heutigen Gemeinde Sölk im Bezirk Liezen, während südlich angrenzende Landschaften zu Gemeinden des Bezirks Murau gehören. Bergkämme erfüllen hier somit nicht nur eine naturräumliche, sondern teilweise auch eine administrative Grenzfunktion.
Historisch sind solche Grenzen häufig älter als die heutigen Gemeinden. Hochgebirgskämme trennten Alm- und Jagdgebiete, Herrschaften, Gerichtsbezirke und später politische Gemeinden voneinander. Gleichzeitig waren sie keineswegs vollständig unzugängliche Barrieren. Übergänge wie der Sölkpass verbanden die beiderseitigen Täler und ermöglichten regelmäßigen Austausch.
Der Aarfeldspitz gehört nicht zu den großen alpinistischen Gipfeln Österreichs und besitzt keine mit berühmten Dreitausendern vergleichbare Besteigungsgeschichte. Seine Bedeutung liegt vielmehr im regionalen Zusammenhang. Er ist Teil einer charakteristischen, weitgehend unverbauten Berglandschaft der Niederen Tauern und ein typischer Aussichts- und Überschreitungsgipfel für Bergwanderer.
Von der Gipfelregion reicht der Blick bei geeigneter Sicht weit über die unmittelbaren Wölzer Tauern hinaus. Im Norden erscheinen Gebirgsgruppen am Rand des Ennstales und die nördlichen Kalkalpen; innerhalb der Niederen Tauern sind zahlreiche Gipfel der Schladminger und Wölzer Tauern sichtbar. Nach Süden öffnet sich die Landschaft zum Murtal und zu weiteren Gebirgsgruppen der Steiermark und Kärntens.
Der Unterschied zwischen Aarfeldspitz und Aarfeldspitze ist im Wesentlichen eine Frage der Namensform. In Karten, Gipfellisten und regionalen Quellen begegnet häufig die Form Aarfeldspitz; Bergsteiger verwenden daneben Aarfeldspitze. Vergleichbare Schwankungen zwischen -spitz und -spitze sind bei alpinen Bergnamen nicht ungewöhnlich. Für ein Lexikon sollte die gewählte Lemmaform beibehalten und die Variante ausdrücklich genannt werden.
Der Name darf nicht mit den schweizerischen Bezeichnungen Aare, Aarau, Aarberg oder Aarburg in einen geographischen Zusammenhang gebracht werden. Der Aarfeldspitz liegt in Österreich und gehört einer eigenständigen steirischen Bergnamenlandschaft an. Die Ähnlichkeit am Wortanfang reicht für eine gemeinsame etymologische Erklärung nicht aus.
Ebenso besteht kein nachweisbarer Zusammenhang mit den deutschen Flüssen Aar, Aar oder Aar. Bei geographischen Namen ist eine lautliche Übereinstimmung grundsätzlich nur ein erster Hinweis; entscheidend für eine tatsächliche Verwandtschaft wären historische Namensbelege und eine nachvollziehbare lautgeschichtliche Entwicklung.
In landschaftlicher Hinsicht lässt sich der Aarfeldspitz daher am treffendsten als regionaler Kammgipfel der Wölzer Tauern charakterisieren. Seine Lage unmittelbar beim Sölkpass macht ihn vergleichsweise gut erreichbar, während die unmarkierteren Gratpassagen zugleich einen alpinen Charakter bewahren. Der Berg verbindet damit typische Merkmale der Sölktäler: weite alpine Rasenflächen, wenig technische Erschließung, traditionelle Almwirtschaft, ausgeprägte Talgegensätze und eine weitläufige Gipfellandschaft.
Etymologie
Der Bergname Aarfeldspitz ist formal eine zusammengesetzte Bergbezeichnung. Er lässt sich synchron in die Bestandteile Aarfeld und Spitz gliedern. Während das zweite Element sprachlich ohne größere Schwierigkeiten erklärbar ist, lässt sich die historische Herkunft des ersten Bestandteils auf Grundlage der verfügbaren Belege nicht mit derselben Sicherheit bestimmen.
Das Grundwort Spitz beziehungsweise die Variante Spitze ist in der alpinen Bergnamengebung weit verbreitet. Es bezeichnet einen Gipfel, eine zugespitzte Erhebung oder einen markanten Vorsprung innerhalb eines Bergkammes. Vergleichbare Namen treten in den Ostalpen außerordentlich häufig auf und können sowohl deutlich pyramidenförmige Gipfel als auch weniger ausgeprägt zugespitzte Kammerhebungen bezeichnen.
Sprachgeschichtlich gehört Spitz zur Wortfamilie von spitz und Spitze. Gemeinsames semantisches Merkmal ist das zulaufende, hervortretende oder gipfelartige Ende einer Form. In Bergnamen wurde diese räumliche Vorstellung auf Erhebungen und Gipfelpunkte übertragen.
Die Varianten Aarfeldspitz und Aarfeldspitze sind daher morphologisch eng miteinander verbunden. Die Form auf -spitz entspricht einer in österreichischen und besonders alpinen Bergnamen häufigen substantivischen Verwendung von Spitz. Die Form auf -spitze gleicht den Namen stärker an das allgemeinsprachliche feminine Substantiv Spitze an.
Das Bestimmungswort Aarfeld- ist schwieriger zu beurteilen. Es liegt nahe, darin einen älteren Flur- oder Geländenamen Aarfeld zu vermuten, nach dem der darüber beziehungsweise daneben gelegene Gipfel benannt wurde. Eine solche Entwicklung wäre für alpine Bergnamen typisch: Häufig erhielten Gipfel ihre heute gebräuchlichen Namen sekundär nach Almen, Karen, Feldern, Weiden, Bächen oder anderen bereits benannten Geländeteilen.
Für eine sichere historische Deutung müssten jedoch ältere Karten, Kataster, Almbezeichnungen oder urkundliche Formen herangezogen werden, die erkennen lassen, seit wann Aarfeld beziehungsweise Aarfeldspitz gebraucht wurde und welche Lautformen ursprünglich vorlagen. Eine solche belastbare historische Belegreihe ist in den allgemein zugänglichen Quellen nicht ausreichend dokumentiert.
Der Bestandteil Feld ist als deutsches Wort grundsätzlich durchsichtig. Althochdeutsch feld und mittelhochdeutsch velt bezeichneten offenes, unbewaldetes Gelände, Ebene, Weideland oder landwirtschaftlich genutzte Fläche. In alpinen Flur- und Bergnamen muss Feld deshalb nicht notwendig einen Acker im modernen Sinn bedeuten. Es kann auch auf eine offene Grasfläche, eine Almweide oder einen auffälligen unbewaldeten Geländeabschnitt verweisen.
Gerade in den Wölzer Tauern mit ihren weitläufigen alpinen Rasen- und Weideflächen wäre eine solche topographische Verwendung grundsätzlich plausibel. Daraus allein lässt sich jedoch noch nicht bestimmen, was der Bestandteil Aar- ursprünglich bedeutete. Eine etymologische Erklärung muss deshalb zwischen dem durchsichtigen Element Feld und dem ungeklärten ersten Namenglied unterscheiden.
Eine unmittelbare Herleitung aus dem deutschen Wort Aar „Adler“ wäre zwar formal denkbar, ist ohne historische Namensbelege jedoch nicht nachgewiesen. Dass Aar in älterer und dichterischer deutscher Sprache „Adler“ bedeutet, genügt nicht, um jeden Orts- oder Flurnamen mit der Buchstabenfolge Aar- als „Adler-“ zu erklären. Eine solche Deutung wäre ohne zusätzliche Belege spekulativ.
Ebenso wenig darf das Namenglied ohne Nachweis auf die schweizerische Aare oder auf einen der deutschen Flüsse namens Aar zurückgeführt werden. Der Aarfeldspitz liegt weit entfernt von diesen Gewässern, und für eine hydronymische Beziehung fehlt eine historische Belegkette. Die bloße Übereinstimmung der modernen Schriftform besitzt keine ausreichende etymologische Beweiskraft.
Auch mit Namen wie Aarau, Aarberg, Aarburg oder Aarbergen besteht daher kein nachgewiesener sprachgeschichtlicher Zusammenhang. Diese Namen besitzen jeweils eigene historische Entwicklungen und beziehen sich teilweise auf verschiedene Gewässer beziehungsweise auf ganz andere Landschaftsräume.
Vom Familiennamen Aall und von Eigennamen wie Jakob Aall ist Aarfeldspitz ebenfalls vollständig zu trennen. Die alphabetische Nachbarschaft der Wörter ist für ihre historische Herkunft ohne Bedeutung.
Für eine lexikographisch vorsichtige Etymologie lässt sich deshalb festhalten: Aarfeldspitz ist ein alpiner Bergname mit dem klar verständlichen Grundwort Spitz „Gipfel, spitze Erhebung“. Das vorausgehende Aarfeld dürfte einen älteren Gelände- oder Flurnamen repräsentieren; der Bestandteil Feld kann dabei auf offenes beziehungsweise unbewaldetes Gelände verweisen. Die genauere Herkunft des Elements Aar- ist ohne ältere lokale Belege nicht zuverlässig zu bestimmen.
Diese Zurückhaltung ist in der Namenkunde methodisch wichtig. Gerade Berg- und Flurnamen wurden häufig über lange Zeit mündlich überliefert, bevor sie in Karten oder schriftlichen Verzeichnissen festgehalten wurden. Lautliche Umformungen, mundartliche Aussprache und spätere schriftsprachliche Anpassungen können die ursprüngliche Struktur eines Namens verdecken. Eine scheinbar naheliegende moderne Wortzerlegung muss daher nicht mit seiner tatsächlichen historischen Entstehung übereinstimmen.
Der Name Aarfeldspitz kann somit sicher als Bezeichnung eines 2.284 Meter hohen Gipfels der Wölzer Tauern erklärt und morphologisch als Bildung mit -spitz beschrieben werden. Eine weitergehende Deutung des Namensbestandteils Aarfeld- sollte dagegen erst vorgenommen werden, wenn historische Flur-, Kataster- oder Kartenbelege eine belastbare Grundlage dafür liefern.