Aalgang
Grundbedeutung
Ein Aalgang ist ein besonderer Fischpass beziehungsweise eine Fischwanderhilfe, die darauf ausgerichtet ist, Aalen die Überwindung künstlicher oder natürlicher Hindernisse in einem Gewässer zu ermöglichen. Historisch bezeichnet das Wort vor allem eine Einrichtung für den Aufstieg junger Aale über Wehre, Staustufen, Schleusen, Mühlenanlagen oder andere Querbauwerke. Synonym beziehungsweise bedeutungsnah werden Aalleiter, Aalbrutleiter, Aaltreppe und Aalpass verwendet.
Der Aalgang unterscheidet sich konstruktiv häufig von einer für kräftig schwimmende Fischarten ausgelegten gewöhnlichen Fischtreppe. Junge Aale, insbesondere Glasaale und kleine Steigaale, besitzen nur eine begrenzte Fähigkeit, starke Strömungen und größere Höhensprünge schwimmend zu überwinden. Aalaufstiegshilfen nutzen deshalb häufig flache beziehungsweise mäßig geneigte Rinnen, Röhren oder Rampen mit rauen, strukturierten Oberflächen. Zwischen Reisig, Bürsten, Borsten, Steinen, Matten oder anderen Substraten können die Tiere sich abstützen und teilweise eher kriechend beziehungsweise schlängelnd als frei schwimmend aufwärtsbewegen.
Das Wort Aalgang bezeichnet somit primär einen Gang beziehungsweise Durchgang für Aale und nicht den Vorgang des Wanderns selbst. Für die Bewegung der Tiere stehen Wörter wie Aalwanderung, Aalaufstieg und Aalabstieg zur Verfügung.
Wortart
Aalgang ist ein maskulines Substantiv: der Aalgang. Der Plural lautet die Aalgänge. Die grammatischen Eigenschaften folgen dem Grundwort Gang.
Morphologisch handelt es sich um ein substantivisches Determinativkompositum aus Aal und Gang. Das Grundwort bezeichnet einen Weg, Durchgang beziehungsweise eine Passage; das Bestimmungswort legt fest, für welches Tier dieser Durchgang vorgesehen ist. Die transparente Bedeutungsparaphrase lautet daher „Gang beziehungsweise Passage für Aale“.
Das Wort gehört fachsprachlich in die Bereiche Fischerei, Wasserbau und Gewässerökologie. Obwohl es nach den Regeln der deutschen Wortbildung unmittelbar verständlich ist, handelt es sich nicht lediglich um eine theoretisch mögliche Neubildung, sondern um ein seit dem 19. Jahrhundert belegtes Fachwort.
Aussprache
Die standarddeutsche Aussprache lautet [ˈaːlˌɡaŋ]. Die Hauptbetonung liegt auf dem Bestimmungswort Aal-; das Grundwort -gang kann eine Nebenbetonung tragen.
Der Vokal des Erstgliedes ist lang [aː]. Das g im Grundwort wird als [ɡ] gesprochen; die Buchstabenfolge ng entspricht im Wortauslaut dem velaren Nasal [ŋ]. Ein zusätzlich gesprochenes [ɡ] nach [ŋ] gehört nicht zur üblichen standarddeutschen Lautung des Wortes Gang.
Im Plural Aalgänge tritt Umlaut ein; die Aussprache lautet entsprechend ungefähr [ˈaːlˌɡɛŋə]. Die orthographische Gliederung lautet Aal·gang beziehungsweise Aal·gän·ge.
Grammatik
| Lemma | Aalgang |
|---|---|
| Wortart | Substantiv |
| Genus | maskulin |
| Artikel | der |
| Nominativ Singular | der Aalgang |
| Genitiv Singular | des Aalgangs; auch des Aalganges |
| Dativ Singular | dem Aalgang; älter auch dem Aalgange |
| Akkusativ Singular | den Aalgang |
| Nominativ Plural | die Aalgänge |
| Genitiv Plural | der Aalgänge |
| Dativ Plural | den Aalgängen |
| Akkusativ Plural | die Aalgänge |
| Pluralbildung | Umlaut + -e |
| Wortbildung | Aal + Gang |
| Fachsprachlicher Oberbegriff | Fischpass; Fischaufstiegsanlage; Fischwanderhilfe |
Die Flexion folgt dem Grundwort Gang. Neben der heute gewöhnlichen Genitivform des Aalgangs ist des Aalganges möglich. In älteren technischen Texten kann entsprechend der heute seltene Dativ auf -e erscheinen: im Aalgange.
Der Plural Aalgänge ist historisch tatsächlich belegt. Bereits im 19. Jahrhundert wurde von an Wehren angelegten „Aalgängen“ gesprochen.
Orthographie
Die standardsprachliche Schreibung lautet Aalgang. Das Wort wird zusammengeschrieben und als Substantiv großgeschrieben. Zwischen den Bestandteilen Aal und Gang steht kein Fugenelement.
Der Plural lautet Aalgänge. Die Umlautung des Grundwortes entspricht Gang – Gänge. Schreibungen wie Aal-Gang oder Aal Gang sind in gewöhnlichem Fließtext nicht erforderlich beziehungsweise nicht standardmäßig.
Von der Zusammensetzung sind jüngere beziehungsweise konkurrierende Fachwörter wie Aalleiter, Aalpass, Aaltreppe und Aalbrutleiter zu unterscheiden. Diese sind keine bloßen orthographischen Varianten, sondern eigenständige, weitgehend synonyme beziehungsweise technisch spezifizierbare Bildungen.
Gebrauch
Aalgang gehört heute zu den seltenen Fachwörtern der Fischerei- und Wasserbaugeschichte. In moderner Gewässerplanung werden wesentlich häufiger Aalleiter, Aalpass, Aalbrutleiter, Aalrinne oder allgemein Fischaufstiegsanlage verwendet.
Das Wort ist dennoch nicht vollständig außer Gebrauch geraten. Es kann weiterhin in historischen technischen Beschreibungen, Denkmallisten, wasserbaugeschichtlichen Untersuchungen oder bei der Benennung älterer Anlagen erscheinen. So wird in einer aktuellen Denkmalliste Schleswig-Holsteins an der Rantzauer Papiermühle ausdrücklich ein „Aalgang“ als Bestandteil einer historischen Wehr- und Mühlenanlage bezeichnet.
Typische Verbindungen sind einen Aalgang anlegen, einen Aalgang bauen, der Aalgang am Wehr, Aale durch den Aalgang aufsteigen lassen, der historische Aalgang, ein mit Reisig ausgelegter Aalgang, der Aalgang über die Wehrkrone und die Funktionsfähigkeit des Aalgangs.
Bedeutungsbereich
Der Bedeutungsbereich umfasst Fischerei, Wasserbau, Gewässerökologie, Fischwanderung, Gewässerdurchgängigkeit, Artenschutz, historische Mühlentechnik und ökologische Sanierung von Querbauwerken.
Der Aalgang ist technisch dem Bereich der Fischwanderhilfen zuzuordnen. Innerhalb dieser Gruppe nimmt er eine Sonderstellung ein, weil seine Konstruktion an die besondere Fortbewegungsweise und das geringe Schwimmvermögen junger Aale angepasst werden kann.
Historisch stand stärker die wirtschaftliche Sicherung der Aalfischerei im Vordergrund. Wenn Staustufen und Wehre den Aufstieg junger Aale in produktive Binnengewässer verhinderten, konnten zukünftige Aalbestände und damit Fangerträge sinken. Aalaufstiegshilfen besaßen deshalb sowohl ökologische als auch unmittelbar fischereiwirtschaftliche Bedeutung.
Heute tritt stärker die Wiederherstellung der Gewässerdurchgängigkeit in den Vordergrund. Der Aalgang beziehungsweise sein moderner Nachfolger, der Aalpass, wird daher als Teil eines umfassenden Systems von Maßnahmen zur Wiedervernetzung fragmentierter Flusssysteme betrachtet.
Lexikon
Der Aalgang ist eine besondere Form des Fischpasses, die ursprünglich vor allem den Aufstieg junger Aale über künstliche Gewässerhindernisse ermöglichen sollte. Das Wort ist mindestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts fachsprachlich belegt und steht damit am Beginn einer langen technischen Entwicklung von einfachen rauen Rinnen und Reisigbahnen bis zu heutigen konstruierten Aalpässen mit Bürstensubstraten und kontrollierter Wasserführung.
Ein besonders früher eindeutiger Beleg stammt aus dem Jahr 1865. In den Annalen der Landwirtschaft in den Königlich Preussischen Staaten wird berichtet, dass für die Lachs- und Aalfischerei an Wehren neben Schiffsschleusen Lachsleitern und Aalgänge angelegt worden seien. Bereits dieser Beleg zeigt deutlich, dass Aalgang nicht den natürlichen Wanderzug des Aals bezeichnet, sondern ein wasserbauliches Bauwerk.
Der Ausdruck steht dabei parallel zu Lachsleiter. Unterschiedliche wandernde Fischarten benötigten bereits nach damaliger Erkenntnis verschiedene technische Lösungen, weil Schwimmleistung, Körperform und Wanderverhalten voneinander abweichen.
Ein weiterer bedeutender Beleg stammt aus der Allgemeinen Fischerei-Zeitung von 1922. Dort wird ein von Gebhardt entworfener Aalgang beschrieben, der von der Oberwassersohle über die Wehrkrone zum Unterwasser führte. Dieser Hinweis zeigt, dass unter Aalgang bereits ein bewusst konstruiertes Passagesystem verstanden wurde, dessen Verlauf sich über beziehungsweise entlang eines Wehrs erstreckte.
Der technische Hintergrund des Aalgangs ergibt sich aus der besonderen Biologie des Europäischen Aals, Anguilla anguilla. Die Art besitzt einen außergewöhnlichen Lebenszyklus und ist katadrom: Sie reproduziert sich im Meer, während ein großer Teil des Wachstums in Küsten-, Brack- und Binnengewässern erfolgt.
Die Larven entstehen im atlantischen Raum des Sargassomeeres und gelangen mit Meeresströmungen in Richtung der europäischen und nordafrikanischen Küsten. Während ihrer Metamorphose entwickeln sie sich zu durchsichtigen Glasaalen.
Ein Teil dieser Jungtiere steigt in Flussmündungen und Flüsse auf. Mit fortschreitender Pigmentierung werden sie als Steigaale beziehungsweise junge Gelbaale bezeichnet. Sie können im Verlauf ihrer Wanderung weit in Flusssysteme und angeschlossene Seen vordringen.
Gerade diese aufsteigenden Jugendstadien wurden durch die zunehmende Errichtung von Mühlenwehren, Schleusen, Staustufen, Kanälen und später Wasserkraftanlagen behindert. Ein für Menschen relativ geringer Höhenunterschied kann für kleine Aale aufgrund hoher Strömungsgeschwindigkeiten oder glatter senkrechter Flächen praktisch unüberwindbar sein.
Gewöhnliche Fischtreppen wurden historisch vielfach für kräftig schwimmende Arten wie Lachse oder größere Flussfische entworfen. Junge Aale unterscheiden sich jedoch in ihrer Fortbewegung erheblich. Sie können zwar schwimmen, nutzen an Hindernissen aber auch Bodenkontakt, Randzonen und strukturierte feuchte Oberflächen, an denen sie sich schlängelnd beziehungsweise kriechend vorarbeiten.
Genau hier setzt der Aalgang an. Statt große Wassermengen mit hohen Geschwindigkeiten über Becken und Schwellen zu führen, kann eine Aalaufstiegshilfe aus einer relativ schmalen, schwach überströmten Rinne oder geneigten Fläche bestehen. Raues Material ermöglicht den Tieren, ihre Körpermuskulatur gegen Widerstände abzustützen.
Historisch wurden unter anderem Reisig, Faschinen, Steine, raue Bretter, Ketten und andere strukturierte Materialien eingesetzt. In modernen Anlagen kommen zusätzlich Bürstenelemente, Kunststoffborsten, Noppenplatten, Geotextilien und speziell entwickelte Substrate zum Einsatz.
Eine gewässerökologische Studie zur Elbe beschreibt beispielsweise eine einfache Aalleiter als schwach überströmte geneigte Ebene, auf der Reisig oder langborstige Besenelemente befestigt werden können. Auch große Steine beziehungsweise Steinschüttungen können geeignete Zwischenräume bieten, gegen die Aale ihre Körpermuskulatur abstützen.
Der Aufstieg ist dabei nicht mit dem Steigen eines Menschen auf einer Leiter gleichzusetzen. Der Ausdruck Aalleiter ist technisch-bildlich. Die Aale bewegen sich zwischen beziehungsweise über den Strukturen durch eine Kombination aus Schwimmen, Schlängeln und kriechähnlichem Vorwärtsschieben.
Moderne Bürsten-Aalpässe nutzen dieses Verhalten gezielt. Vertikale oder schräg angeordnete Borsten bilden ein dreidimensionales Widerstandsfeld. Zwischen ihnen entstehen Bereiche mit geringer Strömungsgeschwindigkeit, in denen kleine Tiere vorankommen können.
Die Strömung ist für die Funktionsfähigkeit dennoch unverzichtbar. Ein Aalgang muss nicht nur passierbar, sondern auch auffindbar sein. Eine geringe Lockströmung kann wandernde Aale zum Eingang der Anlage führen. Ist der Eingang ungünstig positioniert, kann selbst ein konstruktiv gut passierbarer Aalgang wirkungslos bleiben.
Die Position am Hindernis ist deshalb ein wesentliches Planungskriterium. Junge Aale wandern häufig ufernah und suchen Bereiche mit relativ geringer Strömung. Aalpassagen werden daher vielfach an einer Gewässerseite beziehungsweise nahe einer Randzone angeordnet.
Auch Wasserstandsschwankungen müssen berücksichtigt werden. Ein Aalgang, dessen Eingang bei verändertem Unterwasserstand trockenliegt oder dessen Substrat bei Hochwasser vollständig überströmt wird, kann zeitweise seine Funktion verlieren.
Dies zeigt sich beispielsweise an Untersuchungen des Aalaufstiegs an der Ems. Dort wurde festgestellt, dass der Erfolg einer Aalleiter stark von Tide und Wasserstand abhängen kann. Ist eine Rinne bei auflaufender Tide vollständig überstaut, ändern sich Strömungsverhältnisse und Funktionsweise erheblich.
Der Aufstieg junger Aale erfolgt vielfach überwiegend nachts. Untersuchungen und historische Beobachtungen zeigen, dass Glasaale und Steigaale in der Dunkelheit besonders aktiv stromaufwärts wandern können. Tide, Wassertemperatur, Abfluss, Mondphase und andere Umweltbedingungen beeinflussen den zeitlichen Verlauf.
Eine Aalaufstiegshilfe kann zugleich als Monitoring-Einrichtung verwendet werden. Werden die aufsteigenden Tiere in einer Fang- oder Zählvorrichtung gesammelt, können Zahl, Körperlänge, Pigmentierungszustand und zeitlicher Verlauf der Wanderung erfasst werden.
Solche Anlagen besitzen deshalb nicht nur eine unmittelbare Durchgängigkeitsfunktion, sondern können wichtige Daten zur Entwicklung des Aalbestands liefern. An historischen Aalfangstationen wie Herbrum an der Ems wurde der Aufstieg von Glasaalen über Jahrzehnte beobachtet.
Der Aalgang ist nicht mit einem Aalfang zu verwechseln. Ein Aalfang ist eine Fangvorrichtung beziehungsweise die Tätigkeit des Fangens; ein Aalgang soll dem Tier grundsätzlich die Passage ermöglichen.
Ebenso deutlich ist die Abgrenzung vom Aalwehr. Das Aalwehr ist historisch eine Fang- und Leiteinrichtung, die wandernde Aale zu einem Fanggerät führt. Der Aalgang verfolgt dagegen das gegenteilige technische Prinzip: Er ermöglicht beziehungsweise erleichtert die Überwindung eines Hindernisses.
Diese Gegenüberstellung ist kulturgeschichtlich bemerkenswert. An demselben Wasserbauwerk konnten Fischfang und Fischdurchgängigkeit nebeneinander bestehen. Ein Wehr konnte einerseits Fangmöglichkeiten schaffen, andererseits den natürlichen Aufstieg beeinträchtigen und dadurch den Einbau eines Aalgangs erforderlich machen.
Auch von einer normalen Fischtreppe ist der Aalgang abzugrenzen. Ein Beckenpass oder Schlitzpass soll einer möglichst großen Zahl von Fischarten eine schwimmende Passage ermöglichen. Ein spezieller Aalgang kann dagegen auf die besonderen Bedürfnisse kleiner Aale optimiert sein.
Eine moderne Fischaufstiegsanlage und ein Aalpass können allerdings miteinander kombiniert werden. An größeren Querbauwerken werden allgemeine Fischpässe teilweise durch gesonderte Aalrinnen oder Bürstenbahnen ergänzt.
Die moderne deutsche wasserwirtschaftliche Klassifikation verwendet häufiger die Wörter Aalleiter und Aalpass. In einer aktuellen Codeliste der Bundesanstalt für Gewässerkunde werden „Aalleiter; Aalpass (Eel ladder)“ als eigener Typ innerhalb der Fischaufstiegsanlagen geführt. Das ältere Wort Aalgang erscheint dort nicht als bevorzugte technische Benennung.
Diese terminologische Verschiebung erklärt, weshalb Aalgang heute selten wirkt, obwohl das bezeichnete technische Prinzip keineswegs verschwunden ist. Die Sache besteht fort, der bevorzugte Fachwortschatz hat sich verändert.
In der Denkmalsprache kann das historische Wort dagegen bewusst erhalten bleiben. Die Denkmalliste des Kreises Plön führt bei der Rantzauer Papiermühle noch 2026 ein „Wehr mit Staustufe, Aalgang und Mühlenwehr“. Hier bezeichnet Aalgang einen konkreten historischen Bestandteil eines wasserbaulichen Ensembles.
Damit ist das Wort zugleich für die Technikdenkmalpflege relevant. Ein alter Aalgang dokumentiert nicht nur Fischereitechnik, sondern auch die historische Erkenntnis, dass Wasserbauwerke Wanderwege aquatischer Tiere unterbrechen können und deshalb besondere Passagen erforderlich sind.
In den Niederlanden und Flandern sind entsprechende Bauformen unter Wörtern wie aalgoot, aalpijp und palingpassage bis heute gebräuchlich. Eine aalgoot wird dort als Rinne oder Rohr definiert, das Höhenunterschiede an Schleusen, Pumpwerken oder Wehren überbrückt und dadurch Aalen beziehungsweise Glasaalen eine sichere Passage ermöglicht.
In Frankreich ist passe à anguilles eine gebräuchliche moderne Fachbezeichnung. Solche Anlagen besitzen ebenfalls geneigte Flächen mit besonderen Kriechsubstraten und einer geeigneten Wasserzuführung.
Englisch eel pass beziehungsweise eel ladder bezeichnet denselben technischen Grundtyp. Besonders eel ladder entspricht semantisch den deutschen Wörtern Aalleiter und Aaltreppe.
Die Entwicklung solcher Anlagen ist heute besonders bedeutsam, weil der Europäische Aal einen kritischen Bestand aufweist. Die Wiederherstellung der Verbindung zwischen Küstengewässern und Binnenlebensräumen gehört zu den möglichen Maßnahmen zur Verbesserung seiner Lebensbedingungen.
Der Internationale Rat für Meeresforschung weist darauf hin, dass neben fischereilicher Mortalität auch nichtfischereiliche anthropogene Belastungen reduziert und Menge, Qualität sowie Konnektivität der Aalhabitate verbessert werden sollten. Querbauwerke und ungeeignete Wasserkraftanlagen gehören daher zu den zentralen Problemen des Aalmanagements.
Der Aalgang betrifft allerdings vor allem die Aufwärtswanderung. Für die spätere Abwanderung erwachsener Blankaale in Richtung Meer entstehen andere technische Anforderungen. Turbinen, Pumpwerke und Rechenanlagen können erhebliche Risiken darstellen.
Ein Aufstiegs-Aalgang allein gewährleistet daher noch keine vollständige ökologische Durchgängigkeit eines Gewässers. Ein modernes Gesamtkonzept muss sowohl den Aalaufstieg als auch den Aalabstieg berücksichtigen.
Für abwandernde Tiere können Fischschutzrechen, Leitvorrichtungen, Bypass-Systeme, geeignete Betriebsweisen von Wasserkraftanlagen und andere Fischabstiegsmaßnahmen erforderlich sein. Diese sind funktional vom klassischen Aalgang zu unterscheiden.
Der Lebenszyklus erklärt diese doppelte Anforderung. Junge Aale wandern aus Küstenbereichen in Binnengewässer hinein; nach mehreren Jahren beziehungsweise Jahrzehnten wandern die geschlechtsreifen Blankaale in umgekehrter Richtung wieder zum Meer.
Ein Gewässersystem ist für den Aal daher nur dann langfristig funktional vernetzt, wenn beide Wanderungsrichtungen möglichst sicher möglich sind.
Der historische Aalgang steht somit am Beginn einer Entwicklung von einer primär fischereiwirtschaftlich motivierten Aufstiegshilfe zu modernen Konzepten der ökologischen Durchgängigkeit. Seine Grundidee – einen künstlich unterbrochenen Wanderweg durch eine speziell an den Aal angepasste Passage wiederherzustellen – ist bis heute aktuell.
Etymologie
| Lemma | Aalgang |
|---|---|
| Bildung | Aal + Gang |
| Wortbildungsart | Determinativkompositum |
| Bestimmungswort | Aal |
| Grundwort | Gang |
| Genus | maskulin |
| Historische Grundbedeutung | Gang beziehungsweise Passage für den Aufstieg von Aalen |
| Althochdeutsch zum Grundwort | gang |
| Mittelhochdeutsch | ganc |
| Alte Bedeutungen des Grundwortes | Gang, Gehen, Bewegung, Schritt, Weg, Durchgang |
| Früher sicherer Fachbeleg | 1865 |
Aalgang ist etymologisch transparent aus Aal und Gang zusammengesetzt. Das Bestimmungswort nennt den begünstigten beziehungsweise den Gang nutzenden Fisch; das Grundwort bezeichnet einen Weg oder Durchgang.
Das Substantiv Gang gehört zum ältesten germanischen Wortschatz. Althochdeutsch gang ist bereits seit dem 8. Jahrhundert mit Bedeutungen wie „Gang“, „Gehen“, „Bewegung“, „Schritt“, „Weg“ und „Durchgang“ belegt. Mittelhochdeutsch lautet die entsprechende Form ganc.
Für Aalgang ist besonders die Bedeutung „Weg, Passage, Durchgang“ relevant. Das Kompositum ist daher semantisch mit Wörtern wie Durchgang, Fischweg und Fischpass verwandt.
Die Deutung „Gang der Aale“ im Sinn ihrer Wanderbewegung wäre morphologisch zwar theoretisch möglich, entspricht aber nicht der etablierten fachsprachlichen Lexikalisierung. Die dokumentierte Hauptbedeutung bezeichnet eine technische Passage für Aale.
Wortgeschichte
Die bisher gut dokumentierte Fachwortgeschichte reicht mindestens in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Ein eindeutiger Beleg von 1865 nennt Aalgänge gemeinsam mit Lachsleitern als Einrichtungen an Wehren.
Damit entstand das Wort in einer Epoche, in der Flüsse zunehmend durch Mühlen, Staustufen, Kanalisierung und industrielle Wasserbauten verändert wurden. Gleichzeitig entwickelte sich ein stärker technisch und wissenschaftlich orientiertes Fischereiwesen.
Die Erkenntnis, dass Wehre Fischwanderungen unterbrechen, war keineswegs neu. Im 19. Jahrhundert wurden jedoch zunehmend systematische Lösungen entwickelt, um bestimmte Fischarten über solche Hindernisse zu führen.
Die Parallelbildung Lachsleiter – Aalgang zeigt, dass Konstruktionen bereits artspezifisch differenziert wurden. Ein Aal besitzt andere Fähigkeiten und Verhaltensweisen als ein Lachs.
Um 1890 und im frühen 20. Jahrhundert etablierte sich daneben zunehmend das Wort Aalleiter. Technische Fachaufsätze beschäftigten sich ausdrücklich mit „Aalleitern und Aalpässen“.
1922 ist Aalgang weiterhin fachsprachlich belegt. Die Beschreibung eines von Gebhardt entworfenen Aalgangs über eine Wehrkrone zeigt, dass der Begriff damals für konkrete technische Entwürfe verwendet wurde.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Aalleiter, Aalpass und Aaltreppe zunehmend geläufiger. Aalgang blieb verständlich, verlor aber seine Stellung als bevorzugte Fachbezeichnung.
Im 21. Jahrhundert erscheint das Wort vor allem in historischen Quellen, Fachwortsammlungen, Wörterbüchern und bei der Bezeichnung erhaltener historischer Wasserbauanlagen.
Historische Einordnung
Die Entstehung des Aalgangs ist eng mit der technischen Umgestaltung europäischer Flüsse verbunden. Mühlenwehre gab es bereits seit dem Mittelalter; im 18. und vor allem 19. Jahrhundert nahm die Zahl und Größe wasserbaulicher Hindernisse durch Industrialisierung, Schifffahrtsausbau und Wasserkraftnutzung erheblich zu.
Für wandernde Fische konnten solche Bauwerke ganze Flusssysteme in voneinander getrennte Lebensräume zerlegen. Besonders problematisch war dies für Arten, die während ihres Lebenszyklus zwischen unterschiedlichen Gewässerabschnitten wechseln müssen.
Beim Aal hatte die Behinderung des Jugendaufstiegs unmittelbare wirtschaftliche Folgen. Gelangten weniger junge Tiere in Seen und Flüsse, standen später entsprechend weniger erwachsene Aale für die Fischerei zur Verfügung.
Die frühen Aalgänge waren daher nicht primär moderne Naturschutzmaßnahmen. Sie dienten vielfach ausdrücklich der Erhaltung und Verbesserung des Fischereiertrags.
Mit der Entwicklung der Fischökologie veränderte sich die Begründung. Heute wird eine aalgeeignete Passage stärker als Bestandteil einer ökologisch funktionsfähigen Gewässervernetzung betrachtet.
Historische Aalgang-Anlagen besitzen deshalb einen doppelten Quellenwert. Sie dokumentieren sowohl ältere Fischereiwirtschaft als auch frühe technische Reaktionen auf die ökologischen Folgen des Wasserbaus.
Antonyme
Ein eigentliches lexikalisches Antonym zu Aalgang existiert nicht. Das Wort bezeichnet ein technisches Bauwerk und bildet kein natürliches sprachliches Gegensatzpaar.
Funktional lässt sich ihm jedoch ein unüberwindbares Wanderhindernis gegenüberstellen. Ein Aalgang schafft Durchgängigkeit; eine vollständig unpassierbare Staustufe unterbricht sie.
Weitere sachliche Gegenüberstellungen sind Fischpass – Fischbarriere, Durchgängigkeit – Fragmentierung, Aufstiegshilfe – Aufstiegshindernis und freie Passage – Sperrbauwerk.
Diese Beziehungen sind fachsystematische Oppositionen und keine Wörterbuchantonyme.
Synonyme und bedeutungsverwandte Ausdrücke
Aalleiter – heute verbreitete Bezeichnung einer besonderen Aufstiegshilfe für Aale.
Aalbrutleiter – Aalleiter, die besonders auf Glasaale und junge Steigaale ausgerichtet ist.
Aaltreppe – weitgehend synonym verwendete Bezeichnung.
Aalpass – moderne technische Bezeichnung einer Aalpassage.
Aalpassage – beschreibender Ober- beziehungsweise Parallelbegriff.
Aalrinne – rinnenförmige Passage für Aale; nicht in jedem technischen Kontext vollständig synonym.
Aalgoot – besonders im niederländisch-flämischen Sprachraum verwendete entsprechende Fachbezeichnung.
Aalpijp – niederländische Bezeichnung einer röhren- beziehungsweise rinnenförmigen Aalpassage.
Fischpass – allgemeiner Oberbegriff.
Fischweg – allgemeiner Weg zur Überwindung eines Hindernisses durch Fische.
Fischwanderhilfe – funktionaler Oberbegriff.
Fischaufstiegsanlage – moderner wasserbaulicher Oberbegriff für Aufstiegshilfen.
Englisch eel ladder beziehungsweise eel pass – internationale fachliche Entsprechungen.
Französisch passe à anguilles beziehungsweise échelle à anguilles – französische Fachbezeichnungen.
Abgrenzung
Vom Aalaufstieg ist der Aalgang klar zu unterscheiden. Der Aalaufstieg ist ein biologischer Vorgang; der Aalgang ist eine technische Einrichtung, die diesen Vorgang ermöglicht beziehungsweise erleichtert.
Ebenso bezeichnet Aalwanderung die natürliche räumliche Bewegung der Tiere und nicht das Bauwerk.
Ein Aalwehr ist historisch eine Einrichtung zum Fang von Aalen. Seine Leitwirkung konzentriert Tiere an einer Fangstelle. Ein Aalgang verfolgt dagegen grundsätzlich den Zweck der Passage.
Der Aalfang bezeichnet entweder die Fangtätigkeit oder eine Fangvorrichtung. Auch er ist kein Synonym des Aalgangs.
Eine allgemeine Fischtreppe kann für Aale nutzbar sein, muss aber nicht für kleine Aale geeignet sein. Hohe Strömungsgeschwindigkeiten, glatte Oberflächen oder große Höhensprünge können ihre Passage verhindern.
Ein spezieller Aalgang ist dagegen auf die besonderen Fähigkeiten der Tiere abgestimmt.
Von einer Fischabstiegsanlage ist der klassische Aalgang ebenfalls zu unterscheiden. Letztere soll vor allem abwärts wandernde Tiere sicher an Turbinen, Pumpen und anderen Gefahrenstellen vorbeiführen.
Kontext
Typische historische Kontexte sind Wehr, Mühle, Mühlenwehr, Staustufe, Lachsleiter, Fischerei, Aalbestand, Aalfischerei und Fischereiwirtschaft.
Moderne Kontexte sind Gewässerdurchgängigkeit, Aalaufstieg, Glasaal, Steigaal, Fischpass, Aalpass, Bürstensubstrat, Lockströmung, Wasserkraft, Querbauwerk, Fischschutz und Monitoring.
Beispiele: Am Wehr wurde ein Aalgang angelegt. – Junge Aale konnten über den Aalgang das Oberwasser erreichen. – Der historische Aalgang verlief über die Wehrkrone. – Der Aalgang war mit rauem Material ausgelegt. – Bei der Restaurierung wurde der ehemalige Aalgang dokumentiert.
Weitere Beispiele: Der Eingang des Aalgangs muss für wandernde Tiere auffindbar sein. – Eine geringe Lockströmung führte die Aale zur Passage. – Moderne Aalleitern übernehmen die Funktion früherer Aalgänge.
Kollokationen und Kookkurrenzen
Typische Verbindungen sind einen Aalgang anlegen, einen Aalgang bauen, den Aalgang benutzen, den Aalgang passieren, durch den Aalgang aufsteigen, der Aalgang am Wehr, der historische Aalgang, ein künstlicher Aalgang, der Aalgang über die Wehrkrone und die Funktionsfähigkeit des Aalgangs.
Typische Kookkurrenzen sind Aal, Glasaal, Steigaal, Aalbrut, Wehr, Staustufe, Mühle, Oberwasser, Unterwasser, Wehrkrone, Fischpass, Leiter, Rinne, Reisig, Bürsten, Steine, Strömung, Passage und Wanderung.
In gegenwärtiger Gewässerökologie treten zusätzlich die Wörter Konnektivität, Durchgängigkeit, Habitat, Querbauwerk, Wasserkraft, Monitoring, Fischaufstieg und Fischabstieg auf.
Oberbegriff
Gegenstand
→ technische Einrichtung
→ wasserbauliche Einrichtung
→ Einrichtung an einem Gewässer
→ artspezifische beziehungsweise gruppenspezifische Fischaufstiegsanlage
→ Aalpass beziehungsweise Aalleiter
→ Aalgang
Eine zweite funktionale Hierarchie lautet:
Maßnahme der Gewässerentwicklung
→ Maßnahme zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit
→ Maßnahme zur Unterstützung von Fischwanderungen
→ Maßnahme für den Aalaufstieg
→ Aalgang
Unterbegriffe
Eine feste historische Systematik von Unterarten des Aalgangs besteht nicht. Nach Konstruktion und Material lassen sich jedoch unterschiedliche Formen unterscheiden.
Rinnenaalgang – beschreibende Bezeichnung für einen Aalgang in Form einer schmalen, geneigten Rinne.
Rohraalgang – Passage, die überwiegend in einer Röhre verläuft; technisch nahe dem niederländischen Begriff aalpijp.
Reisig-Aalgang – mit Zweigen beziehungsweise Reisig strukturiertes Gerinne.
Bürsten-Aalgang – moderne beziehungsweise modernisierte Form mit künstlichen Borsten oder Bürstenelementen.
Stein-Aalgang – Passage mit grober Steinstruktur als Widerstands- und Kletteruntergrund.
Aalgang über die Wehrkrone – historisch belegte Konstruktion, die das Höhenhindernis eines Wehrs überbrückt.
Uferseitiger Aalgang – Passage im Randbereich eines Gewässers, angepasst an das häufig ufernahe Wanderverhalten junger Aale.
Diese Bezeichnungen dienen überwiegend der sachlichen Typisierung; sie sind nicht sämtlich als selbständige Wörterbuchlemmata lexikalisiert.
Wortfamilie
Zum Wortfeld des Bestimmungswortes gehören Aal, Aalbrut, Glasaal, Steigaal, Blankaal, Aalaufstieg, Aalabstieg, Aalwanderung, Aalleiter, Aalpass, Aaltreppe und Aalbrutleiter.
Zum Wortfeld des Grundwortes gehören Gang, Durchgang, Übergang, Zugang, Abgang, Aufgang, Seitengang und Verbindungsgang.
Semantisch eng verwandt sind Fischweg, Fischpass, Fischtreppe, Fischleiter, Fischaufstieg, Fischwanderhilfe und Durchgängigkeitsbauwerk.
Wortbildung
Aalgang ist ein substantivisches Determinativkompositum nach dem Schema Substantiv + Substantiv. Das Grundwort Gang bestimmt Wortart und Genus, weshalb es der Aalgang heißt.
Das Verhältnis der Bestandteile ist funktional beziehungsweise destinativ: Der Gang ist für Aale bestimmt. Vergleichbare deutsche Bildungen sind Fischweg, Wilddurchlass, Fußgängertunnel oder Tierpassage.
Das Erstglied bezeichnet hier weder Material noch Besitzer noch Bestandteil des Grundwortes. Der Aal „besitzt“ den Gang nicht; vielmehr wird das Bauwerk für seine Passage eingerichtet.
Die Wortbildung erlaubt deshalb die Paraphrase „Gang für Aale“ wesentlich besser als „Gang eines Aals“.
Polysemie
Die etablierte fachsprachliche Hauptbedeutung von Aalgang ist eindeutig: Passage beziehungsweise Fischwanderhilfe für Aale.
Die Zusammensetzung wäre rein sprachsystematisch auch als „Gang beziehungsweise Wanderung eines Aals“ interpretierbar. Für diese Bedeutung stehen jedoch eigenständige Wörter wie Aalwanderung und Aalaufstieg zur Verfügung, während die lexikographischen Belege Aalgang als technische Anlage dokumentieren.
Eine sekundäre Eigennamenverwendung kommt vor. Aalgang ist beispielsweise auch als Straßenname belegt. Diese Verwendung beruht wahrscheinlich auf örtlicher Fischerei- beziehungsweise Gewässergeschichte und ist von der allgemeinen lexikalischen Bedeutung als Fischpass zu unterscheiden.
Homonyme und Homographe
Ein völlig unabhängiges allgemeinsprachliches Homonym Aalgang ist nicht etabliert.
Als Eigenname kann Aalgang jedoch auftreten. In Salzbergen im Emsland existiert beispielsweise eine Straße dieses Namens. Solche Straßennamen sind Eigennamen und keine zusätzliche gewöhnliche Sachbedeutung des Wortes.
Ebenso kann ein bestimmter historischer Aalgang als individueller Bestandteil einer denkmalgeschützten Anlage bezeichnet werden. Auch hierbei bleibt die technische Grundbedeutung erhalten.
Mit Aalgang nicht zu verwechseln sind Aalfang, Abgang, Aufgang und ähnlich geschriebene Wörter.
Redewendungen und Sprichwörter
Für Aalgang sind keine allgemein etablierten deutschen Redewendungen oder Sprichwörter bekannt. Das Wort blieb an seinen technischen und fischereilichen Bedeutungsbereich gebunden.
Allgemeine Wendungen mit Gang, beispielsweise etwas in Gang bringen, im Gange sein oder einen Gang zurückschalten, gehören nicht zum Lemma Aalgang.
Ebenso sind Redewendungen mit Aal wie glatt wie ein Aal nicht mit dem technischen Ausdruck verbunden.
Metaphern
Die Bezeichnung Aalgang ist in ihrer Grundbedeutung nur schwach metaphorisch. Ein technisches Gerinne beziehungsweise eine Passage wird als Gang bezeichnet, obwohl es sich nicht notwendig um einen baulich geschlossenen Gang im architektonischen Sinn handelt.
Das Grundwort überträgt damit die menschliche Vorstellung eines begehbaren Durchgangs auf einen Wanderweg für Fische. Ein Aal „geht“ den Gang nicht im menschlichen Sinn, sondern schwimmt beziehungsweise schlängelt sich hindurch.
Eine weitergehende allgemeinsprachliche metaphorische Bedeutung des gesamten Wortes hat sich nicht etabliert.
Metonymie
Metonymisch kann Aalgang nicht nur die bauliche Struktur selbst, sondern die gesamte Funktion beziehungsweise Wanderroute an einem Wehr bezeichnen. Formulierungen wie der Aalgang ist unterbrochen können sowohl einen baulichen Defekt als auch die fehlende Passierbarkeit meinen.
Bei historischen Anlagen kann der Name außerdem vom eigentlichen Gerinne auf einen größeren wasserbaulichen Teilbereich übergehen, beispielsweise auf eine aus Zulauf, Rinne, Wehröffnung und Auslauf bestehende Gesamteinrichtung.
Register und Sprachstufe
Aalgang ist fachsprachlich, technisch und heute teilweise historisch markiert. Der Ausdruck gehört nicht zum allgemeinen Grundwortschatz.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war er innerhalb wasserbau- und fischereitechnischer Texte eine normale Fachbezeichnung. Heute werden häufiger Aalleiter und Aalpass verwendet.
In technikgeschichtlichen und denkmalpflegerischen Texten kann Aalgang weiterhin die präziseste Bezeichnung sein, insbesondere wenn eine historische Anlage selbst so bezeichnet wurde.
Das Wort ist weder umgangssprachlich noch abwertend. Seine Markierung ergibt sich aus fachlicher Spezialisierung und dem Wandel der Terminologie.
Regionale Varianten
Eine ausgeprägte dialektale Variation des deutschen Wortes Aalgang ist nicht so umfassend dokumentiert wie bei manchen traditionellen Fanggeräten. Größer ist die Variation der sachlich entsprechenden technischen Bezeichnungen.
Im deutschen Sprachraum konkurrieren Aalleiter, Aalpass, Aaltreppe, Aalbrutleiter, Aalrinne und regional beziehungsweise historisch Aalgang.
Im Niederländischen finden sich aalgoot, aalpijp und aalpassage. Aalgoot bedeutet wörtlich ungefähr „Aalrinne“.
Im Flämischen wird außerdem palingpassage verwendet; paling ist dort die gewöhnliche Bezeichnung für Aal.
Französisch verwendet passe à anguilles beziehungsweise échelle à anguilles.
Englisch unterscheidet je nach Anlage unter anderem eel pass, eel ladder und elver pass, wobei elver einen jungen Aal bezeichnet.
Aktuelle Statistik
| Lemma | Aalgang |
|---|---|
| Stand | September 2026 |
| Wortart | maskulines Substantiv |
| Plural | Aalgänge |
| Kernbedeutung | spezieller Fischpass für Aale |
| Früher sicher nachgewiesener Fachbeleg | 1865 |
| Technischer Beleg | 1922: Aalgang über eine Wehrkrone |
| Heutiger Sprachstatus | selten, fachsprachlich und teilweise historisch |
| Heute bevorzugte Fachwörter | Aalleiter, Aalpass, Aalbrutleiter |
| Amtliche wasserwirtschaftliche Typbezeichnung | Aalleiter; Aalpass |
| Gegenwärtiger denkmalpflegerischer Beleg | Rantzauer Papiermühle, Denkmalliste Kreis Plön 2026 |
| Primäre Zielgruppe historischer Anlagen | aufsteigende junge Aale |
| Moderner biologischer Kontext | Europäischer Aal, Anguilla anguilla |
| Erhaltungszustand des Europäischen Aals | kritisch; international als Critically Endangered bewertet |
| ICES-Empfehlung für 2026 | Nullfang in allen Habitaten nach dem Vorsorgeansatz empfohlen |
| Absolute aktuelle Wortfrequenz | ohne definiertes Referenzkorpus nicht belastbar anzugeben |
Die Statistik muss zwischen dem Wort Aalgang und der Sache Aalpassage unterscheiden. Das Wort selbst ist heute selten, während entsprechende technische Einrichtungen weiterhin geplant, gebaut und überwacht werden.
Die moderne wasserwirtschaftliche Standardisierung bevorzugt Aalleiter und Aalpass. Dass Aalgang dennoch in aktuellen Denkmaldokumenten erscheint, zeigt seinen fortbestehenden Wert als historischer Fachterminus.
Häufigkeit und Statistik
| Lemma | Aalgang |
|---|---|
| Allgemeinsprachliche Häufigkeit | äußerst gering |
| Historische Fischereisprache | eindeutig belegt |
| Historischer Wasserbau | fachsprachlich belegt |
| Moderner Wasserbau | durch Aalleiter und Aalpass weitgehend verdrängt |
| Denkmalpflege | weiterhin punktuell verwendet |
| Semantische Stabilität | hoch |
| Technische Variabilität | hoch; unterschiedliche Rinnen-, Rampen- und Substratkonstruktionen |
| Wichtigstes heutiges Synonym | Aalleiter beziehungsweise Aalpass |
| Internationaler Fachausdruck | eel ladder; eel pass |
Die geringe heutige Wortfrequenz bedeutet nicht, dass der Aalgang lediglich ein lexikalisches Kuriosum wäre. Vielmehr ist das zugrunde liegende Konzept einer artspezifischen Fischwanderhilfe im modernen Wasserbau weiterhin relevant.
Quantitative Internet-Trefferzahlen wären wenig aussagekräftig, weil Aalgang zusätzlich als Straßenname, Bezeichnung historischer Bauwerke und in digitalisierten Alttexten vorkommt. Außerdem würden Wörterbuchspiegel und automatisch vervielfältigte Einträge die Häufigkeit verzerren.
Wortbildung als Erstglied
Aalgang- ist als Erstglied wenig produktiv. In wasserbauhistorischen, denkmalpflegerischen und technischen Texten sind jedoch transparente Gelegenheitsbildungen möglich.
Aalgangsanlage – Gesamtheit der baulichen Einrichtungen eines Aalgangs.
Aalgangsbau – Errichtung beziehungsweise Konstruktion eines Aalgangs.
Aalgangsrinne – rinnenförmiger Hauptbestandteil.
Aalgangseingang – unterwasserseitiger Eintrittsbereich der Passage.
Aalgangsauslauf – oberwasserseitiges Ende des Passes.
Aalgangssubstrat – strukturiertes Material, an dem sich Aale beim Aufstieg abstützen.
Aalgangsrest – erhaltener Teil einer historischen Anlage.
Aalgangsmonitoring – Überwachung der Nutzung eines Aalgangs.
Die meisten dieser Bildungen sind keine dauerhaft lexikalisierten Wörter, sondern regelhaft verständliche Fachkomposita.
Wortbildung als Letztglied
Das Grundwort -gang ist im Deutschen außerordentlich produktiv. Es kann Wege, Bewegungen, Prozesse, räumliche Passagen und zahlreiche technische Zusammenhänge bezeichnen.
Aalgang – Passage für Aale.
Durchgang – Weg beziehungsweise Öffnung, durch die etwas oder jemand hindurchgelangen kann.
Zugang – Weg beziehungsweise Möglichkeit des Hineingelangens.
Ausgang – Weg beziehungsweise Öffnung zum Verlassen eines Bereiches.
Aufgang – nach oben führender Weg beziehungsweise Treppenbereich.
Niedergang – nach unten führender Gang beziehungsweise im Seewesen Zugang zu tiefer liegenden Bereichen.
Seitengang – seitlich abzweigender Gang.
Wassergang – je nach Fachsprache unterschiedlich definierte wasserbezogene Passage beziehungsweise Linie.
Bei Aalgang ist die räumlich-technische Bedeutung „Passage“ maßgeblich und nicht primär die ebenfalls mögliche Bedeutung „Bewegungsvorgang“ des Grundwortes.
Übersetzungen
Bei Übersetzungen sollte Aalgang nicht wörtlich als bloßer „Gang des Aals“ wiedergegeben werden. Gemeint ist eine technische Fischwanderhilfe. Die Übersetzung muss deshalb den Begriff Aalpass/Aalleiter ausdrücken.
Altgriechisch: keine historische deckungsgleiche technische Entsprechung. Für einen modernen Sachtext ist eine beschreibende Übersetzung im Sinn einer künstlichen Passage für den Aufstieg von Aalen erforderlich.
Lateinisch: kein historisch etablierter klassischer Fachterminus für die moderne Anlage; beschreibend etwa transitus anguillarum beziehungsweise eine Umschreibung als Durchgang für Aale.
Italienisch: beschreibend passaggio per anguille, passaggio di risalita per anguille beziehungsweise fachlich eine entsprechende Aalaufstiegsanlage.
Französisch: passe à anguilles; daneben échelle à anguilles. Dies sind etablierte moderne Fachbezeichnungen.
Spanisch: beschreibend paso para anguilas, paso de anguilas beziehungsweise escala para anguilas, abhängig von Konstruktion und Fachtradition.
Dänisch: ålepassage beziehungsweise eine technische Bezeichnung im Sinn einer Passage beziehungsweise Aufstiegshilfe für Aale.
Schwedisch: beschreibend ålpassage beziehungsweise åltrappa, wenn eine leiter- beziehungsweise rampenartige Aufstiegshilfe gemeint ist.
Norwegisch: beschreibend ålepassasje beziehungsweise åletrapp.
Finnisch: beschreibend eine ankeriaan nousuväylä beziehungsweise Passage oder Aufstiegshilfe für Aale; je nach Fachkontext ist eine technische Umschreibung vorzuziehen.
Polnisch: przepławka dla węgorzy, also eine Fischpassage speziell für Aale.
Litauisch: beschreibend ungurių pralaida beziehungsweise eine Passage für wandernde Aale.
Estnisch: beschreibend angerjapääs beziehungsweise eine spezielle Fischpassage für Aale.
Lettisch: beschreibend eine Passage beziehungsweise Aufstiegshilfe für zutis „Aal“; im technischen Kontext ist eine Umschreibung sinnvoll.
Slowenisch: beschreibend prehod za jegulje beziehungsweise eine Fischpassage für Aale.
Slowakisch: beschreibend priechod pre úhory beziehungsweise eine spezielle rybovodartige Passage für Aale.
Rumänisch: beschreibend pasaj pentru anghile.
Bulgarisch: beschreibend проход за змиорки.
Russisch: beschreibend угреход beziehungsweise рыбопропускное сооружение для угрей; je nach technischer Fachsprache ist die ausführliche Form eindeutiger.
Englisch: eel ladder, eel pass; für speziell auf Jungtiere ausgerichtete Anlagen auch elver pass. Eel ladder ist die gebräuchlichste direkte technische Entsprechung.
Niederländisch: aalgoot, aalpijp, aalpassage; in Teilen des niederländischsprachigen Raumes auch palingpassage. Aalgoot bezeichnet besonders eine rinnenförmige Aalpassage.
Tschechisch: beschreibend rybí přechod pro úhoře beziehungsweise eine spezielle Passage für Aale.
Ungarisch: beschreibend angolnaátjáró beziehungsweise eine Fischpassage für Aale.
Portugiesisch: beschreibend passagem para enguias beziehungsweise escada para enguias.
Katalanisch: beschreibend pas per a anguiles.
Ukrainisch: beschreibend прохід для вугрів beziehungsweise eine Fischpassage für Aale.
Kroatisch: beschreibend prolaz za jegulje.
Serbisch: beschreibend пролаз за јегуље.
Türkisch: beschreibend yılan balığı geçidi.
Japanisch: beschreibend eine technische ウナギ用魚道, also einen Fischweg beziehungsweise Fischpass für Aale.
Chinesisch: beschreibend eine 鳗鱼通道 beziehungsweise traditionell 鰻魚通道, also eine Passage für Aale; für wasserbauliche Texte ist eine ausführlichere Bezeichnung als spezielle Fischaufstiegsanlage möglich.
Koreanisch: beschreibend eine spezielle Fischpassage beziehungsweise Aufstiegshilfe für Aale; die konkrete Fachbezeichnung sollte nach nationaler wasserbaulicher Terminologie gewählt werden.
Bei allen Übersetzungen ist zwischen einem allgemeinen Fischpass und einer speziell für Aale eingerichteten Passage zu unterscheiden. Wo eine Zielsprache keinen fest etablierten Einzelbegriff besitzt, ist eine sachlich genaue Umschreibung besser als eine wörtliche Nachbildung des deutschen Wortes.
Web-links
Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen – gang: Geschichte und Bedeutungen des Grundwortes
Landesfischereiverband Bayern – Angellexikon: Aalgang als Fischpass und Wanderhilfe
Flussgebietsgemeinschaft Elbe – gewässerökologische Studie mit Beschreibung spezieller Aalleitern
LAVES Niedersachsen – Glas- und Steigaalmonitoring und Untersuchung von Aalleitern
Landesfischereiverband Weser-Ems – Aalmonitoring und moderne mobile Aalleiter in Herbrum
Aquo-Standard Niederlande – aalpijp/aalgoot als Passage für Glasaale
Waterschap Hunze en Aa's – Definition und Funktion einer Aalgoot
Office français de la biodiversité – technische Elemente einer passe à anguilles
Europäische Kommission – European eel: Lebenszyklus, Wanderung, Gefährdung und Bewirtschaftung
IUCN – Europäische Süßwasserfische und kritischer Gefährdungsstatus des Europäischen Aals