Girolamo Amati (II)

Cremoneser Geigenbauer, auch Jeronimo oder Hieronymus Amati; geboren am 26. Mai 1649 in Cremona, gestorben am 21. Februar 1740 ebenda; Schüler und Nachfolger seines Vaters Nicolò Amati.

Überblick

Girolamo Amati (II), auch Jeronimo Amati oder Hieronymus Amati, war ein Geigenbauer aus Cremona und der letzte bedeutende Vertreter der Amati-Familie. Er wurde am 26. Mai 1649 in Cremona geboren und starb dort am 21. Februar 1740. Als Sohn, Schüler und Nachfolger Nicolò Amatis stand er an der empfindlichsten Stelle der Dynastie: Er erbte einen der berühmtesten Namen des europäischen Cremoneser Geigenbaus, musste sich aber in einer Zeit behaupten, in der Antonio Stradivari, die Guarneri-Familie und die Rugeri die handwerkliche und klangliche Konkurrenz in Cremona verschärften.

Girolamo II wurde schon früh in die Werkstatt seines Vaters eingeführt. Ab etwa 1670 wird seine Mitarbeit an Instrumenten Nicolò Amatis stilistisch deutlicher. Nach Nicolòs Tod im Jahr 1684 übernahm er die Familienwerkstatt. Diese konnte jedoch nicht mehr jene Produktivität, Autorität und europäische Ausstrahlung erreichen, die sie unter Nicolò besessen hatte. Girolamo II war kein bloß schwacher Epigone, aber er arbeitete unter ungünstigen wirtschaftlichen, künstlerischen und sozialen Bedingungen.

Seine Bedeutung liegt in der späten Fortführung der Amati-Tradition. Er verband Elemente der väterlichen Schule mit Reaktionen auf Stradivari: vollere oder veränderte Wölbungen, teils flachere Modelle, ein zeitweise kräftigerer roter Lack und Instrumente, die spielpraktisch durchaus überzeugten. Zugleich markiert sein Tod 1740 das Ende der großen Amati-Dynastie als lebendige Geigenbauwerkstatt von europäischem Rang.

Kurzdaten

Name Girolamo Amati (II).
Weitere Namensformen Jeronimo Amati, Hieronymus Amati, Hieronymus Amatus, Girolamo Amati II, Hieronymus II Amati, Girolamo Amati der Jüngere, Amati, Girolamo II, Hieronimus Amatus.
Geboren 26. Mai 1649 in Cremona.
Gestorben 21. Februar 1740 in Cremona.
Beruf Geigenbauer, Lauten- und Instrumentenmacher, Cremoneser Meister, Schüler und Nachfolger Nicolò Amatis sowie letzter bedeutender Vertreter der Amati-Dynastie.
Familie Sohn Nicolò Amatis; Enkel Girolamo Amatis (I); Urenkel Andrea Amatis; letzter bedeutender Werkstattträger der Amati-Familie.
Ausbildung Schüler seines Vaters Nicolò Amati; vermutlich zusätzlich geprägt durch die Werkstattumgebung, in der Andrea Guarneri und andere Mitarbeiter beziehungsweise Schüler Nicolòs tätig waren.
Werkstattrolle vor 1684 Ab etwa 1670 in der väterlichen Werkstatt stilistisch deutlicher erkennbar; in den 1670er und 1680er Jahren wahrscheinlich an zahlreichen Instrumenten mit Nicolò-Etikett beteiligt.
Werkstattnachfolge Nach Nicolò Amatis Tod 1684 Leiter der Amati-Werkstatt in Cremona.
Krise 1697 beziehungsweise 1698 Verlassen Cremonas und Aufenthalt im Gebiet von Piacenza, wahrscheinlich wegen rechtlicher und finanzieller Schwierigkeiten.
Rückkehr Rückkehr nach Cremona um 1715/1716; spätere Produktion nur noch vereinzelt nachweisbar.
Instrumentengattungen Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass beziehungsweise große Bassinstrumente.
Hauptbedeutung Späte Fortführung der Amati-Werkstatt, Verbindung von Nicolò-Amati-Tradition und Stradivari-Reaktion, letzter großer Name der Amati-Dynastie und wichtiger Zeuge des Strukturwandels des Cremoneser Geigenbaus um 1700.
Dateiname amati-girolamo-ii.shtml

Quellenlage, Namensformen und Datierung

Girolamo Amati (II) ist quellenkundlich besser greifbar als die frühen Vertreter der Familie, aber seine Instrumente und Lebensumstände erfordern dennoch eine vorsichtige Darstellung. Die Lebensdaten 26. Mai 1649 und 21. Februar 1740 werden in der Fachliteratur und in Instrumentendatenbanken stabil geführt. Abweichende Tagesangaben in populären Zusammenfassungen sind meist sekundär oder ungenau.

Die Namensformen schwanken stark. In italienischen Kontexten erscheint Girolamo; in älteren, latinisierten oder internationalen Quellen begegnen Jeronimo, Hieronymus, Hieronimus und Hieronymus Amatus. Die Zählung (II) dient der klaren Abgrenzung von seinem Großvater Girolamo Amati (I), dem Sohn Andrea Amatis und Vater Nicolòs.

Bei den Instrumentenzuschreibungen ist zwischen mehreren Ebenen zu unterscheiden. Vor 1684 können Instrumente mit Nicolò-Etikett bereits Girolamos Mitarbeit zeigen. Nach 1684 sind Instrumente mit Girolamo-Etikett als Werkstattnachfolge zu behandeln, doch bleibt die Qualität uneinheitlich. Nach dem Weggang nach Piacenza und besonders nach seiner Rückkehr nach Cremona werden Instrumente selten; manche späte Zuschreibungen beruhen auf Auktions-, Provenienz- oder Expertisenüberlieferung und sind einzeln zu prüfen.

Biographie

Girolamo Amati (II) wurde am 26. Mai 1649 in Cremona geboren. Sein Vater Nicolò Amati war damals bereits ein reifer Meister und die zentrale Figur des Cremoneser Geigenbaus. Girolamo wuchs in einem Haus auf, das zugleich Familienort, Lehrwerkstatt, Produktionsstätte, Handelsraum und kultureller Treffpunkt war. Die Casa Amati war nicht nur eine private Wohnung, sondern ein Zentrum der europäischen Instrumentenbaukunst.

Als Kind erlebte Girolamo die stärkste Phase seines Vaters. In der Werkstatt wurden einige der berühmtesten Instrumente Nicolòs gebaut; zugleich wurden Schüler und Mitarbeiter ausgebildet, die später eigene Werkstätten gründeten. Für Girolamo bedeutete dies einerseits eine privilegierte Ausbildung, andererseits einen schweren Vergleich. Er musste nicht irgendeinen Vater beerben, sondern den angesehensten lebenden Vertreter der Cremoneser Violine.

Um 1662 war Girolamo alt genug, ernsthaft in das Handwerk einzutreten. Vermutlich arbeitete er zunächst an vorbereitenden Tätigkeiten, dann an Bauteilen, später an vollständigeren Instrumenten. Ab etwa 1670 wird seine Hand in der väterlichen Werkstatt deutlicher. Dies bedeutet nicht, dass alle Instrumente mit Nicolò-Etikett aus dieser Zeit Girolamo zuzuschreiben wären; wohl aber ist seine Mitarbeit zunehmend zu berücksichtigen.

Nach Nicolòs Tod 1684 übernahm Girolamo II die Amati-Werkstatt. Diese Nachfolge war historisch bedeutend, aber wirtschaftlich schwierig. Die Konkurrenz war stärker als je zuvor. Stradivari entwickelte eigene Modelle von enormer Wirkung; Guarneri und Rugeri besetzten weitere Bereiche des Cremoneser Marktes. Die Amati-Werkstatt war zwar weiterhin ein ehrwürdiger Name, aber nicht mehr unangefochtene Norm.

1697 beziehungsweise 1698 verließ Girolamo Cremona und hielt sich längere Zeit im Gebiet von Piacenza auf. Die Forschung bringt diesen Schritt mit rechtlichen und finanziellen Schwierigkeiten in Verbindung. Erst um 1715/1716 kehrte er nach Cremona zurück. Er starb dort am 21. Februar 1740, hochbetagt und in einer völlig veränderten Geigenbauwelt. Mit ihm endete die große Linie der Amati als bestimmende Werkstattdynastie.

Casa Amati und Ausbildung bei Nicolò

Die Ausbildung Girolamos fand in der Werkstatt Nicolò Amatis statt. Diese war im 17. Jahrhundert einer der wichtigsten Orte des europäischen Geigenbaus. Schüler und Mitarbeiter lernten dort nicht nur einzelne Techniken, sondern ein ganzes Formsystem: Innenform, Wölbung, Zargen, Ränder, Einlage, Schnecke, f-Schalllöcher, Lack und Einrichtung wurden als zusammenhängende handwerkliche Grammatik vermittelt.

Für Girolamo war die Nähe zu Nicolò zugleich Vorteil und Belastung. Er hatte unmittelbaren Zugang zu den Formen, Schablonen, Werkzeugen und Verfahren der berühmtesten Amati-Werkstatt. Zugleich wurde seine Arbeit stets am Ideal des Vaters gemessen. Gerade diese Spannung erklärt, warum die ältere Literatur ihn oft abwertend behandelt hat. Neuere Einschätzungen sind differenzierter: Er erreichte nicht Nicolòs Rang, war aber ein fähiger Geigenbauer mit eigenem Profil.

Die Casa Amati war zudem ein sozial dicht besetzter Ort. Neben der Familie lebten dort zeitweise Mitarbeiter, Schüler, Bedienstete und wechselnde Angehörige. Der Geigenbau war dadurch nicht die stille Arbeit eines isolierten Meisters, sondern ein häusliches und arbeitsteiliges System, in dem Wissen durch tägliche Praxis weitergegeben wurde.

Mitarbeit in der Werkstatt Nicolò Amatis

Die Mitarbeit Girolamos in der Werkstatt Nicolòs wird ab etwa 1670 zunehmend sichtbar. In dieser Zeit war Nicolò bereits ein alter Meister, während Girolamo in die Rolle des praktischen Nachfolgers hineinwuchs. Viele Instrumente, die Nicolòs Namen tragen, können daher zumindest teilweise in einem Werkstattkontext entstanden sein, in dem Girolamo wichtige Arbeitsschritte übernahm.

Für die Zuschreibung bedeutet dies eine besondere Schwierigkeit. Ein Instrumentenzettel mit Nicolòs Namen beweist nicht notwendig vollständige Eigenhändigkeit des Vaters. Umgekehrt darf nicht jedes spätere Nicolò-Instrument Girolamo zugeschrieben werden. Entscheidend sind Form, Wölbung, Schnecke, f-Schalllöcher, Lack, Maße, Holz, Arbeitscharakter und Provenienz.

Diese Übergangssituation ist für frühneuzeitliche Werkstätten typisch. Der alte Meister bewahrte Autorität, Modell und Kundenvertrauen; der Sohn übernahm zunehmend praktische Ausführung. Girolamo II steht daher bereits vor 1684 mitten in der Werkstattgeschichte, nicht erst nach dem Tod seines Vaters.

Nachfolge nach 1684

Mit Nicolò Amatis Tod 1684 ging die Werkstatt an Girolamo II über. Formal war dies die natürliche dynastische Fortsetzung. Inhaltlich bedeutete es jedoch eine erhebliche Herausforderung. Nicolò hatte die Amati-Werkstatt nach der Pest von 1630 zu neuer Blüte geführt, Schüler ausgebildet, das Grand-Amati-Modell entwickelt und einen Maßstab gesetzt, der kaum zu übertreffen war.

Girolamo übernahm also einen berühmten Namen, aber auch eine schwere Last. Die Werkstatt musste sich in einem Markt behaupten, der sich um 1680 grundlegend wandelte. Spieler verlangten stärkere, tragfähigere, modisch modernere Instrumente. Stradivari und Guarneri boten Modelle an, die stärker auf Projektion, andere Wölbungen, andere Lackwirkung und veränderte Klangideale zielten.

Die Amati-Werkstatt konnte unter Girolamo II nicht mehr die frühere Vormachtstellung zurückgewinnen. Dennoch entstanden Instrumente von beträchtlicher Qualität. Besonders in den Jahren vor seinem Weggang aus Cremona sind Violinen erhalten beziehungsweise dokumentiert, die seine Fähigkeiten klar zeigen.

Konkurrenz durch Stradivari, Guarneri und Rugeri

Girolamo II arbeitete in einer Konkurrenzsituation, die für keinen früheren Amati in dieser Schärfe bestanden hatte. Antonio Stradivari entwickelte in den 1680er und 1690er Jahren zunehmend eigene Modelle. Die Guarneri und die Rugeri erweiterten das Spektrum der Cremoneser Geigenbauproduktion. Der Name Amati blieb ehrwürdig, aber er war nicht mehr allein tonangebend.

Diese Konkurrenz wirkte auf Girolamos Stil zurück. Er blieb dem väterlichen Erbe verbunden, beobachtete aber Stradivaris Neuerungen. In der Fachliteratur wird betont, dass er hohe, stark zurückgebogene Wölbungen Nicolòs teilweise abflachte, rötlichere Lacktöne verwendete und in einzelnen Modellen auf modernere Klangforderungen reagierte.

Kulturgeschichtlich ist dies bedeutsam, weil Girolamo II nicht einfach als Schlussfigur einer erschöpften Dynastie zu sehen ist. Er ist vielmehr ein Geigenbauer in einer Übergangszeit. Sein Werk zeigt, wie eine alte Schule auf neue Klang- und Marktbedingungen reagiert, ohne den eigenen Namen vollständig aufzugeben.

Piacenza, finanzielle Krise und Rückkehr nach Cremona

1697 beziehungsweise 1698 verließ Girolamo Cremona und hielt sich über längere Zeit im Gebiet von Piacenza auf. Die Forschung bringt diesen Schritt mit Schulden, rechtlichen Schwierigkeiten und wirtschaftlichem Druck in Verbindung. Die Amati-Werkstatt war damit nicht mehr nur künstlerisch, sondern auch sozial und finanziell in die Krise geraten.

Der Aufenthalt in Piacenza fiel in eine bewegte politische Zeit. Der Spanische Erbfolgekrieg veränderte die norditalienischen Machtverhältnisse, Cremona ging vom spanischen in den österreichischen Herrschaftsbereich über. Girolamos Rückkehr nach Cremona um 1715/1716 erfolgte also in eine Stadt, die politisch und wirtschaftlich anders geworden war als die Stadt, die er verlassen hatte.

Nach seiner Rückkehr scheint Girolamo nur noch unregelmäßig Instrumente gebaut zu haben. Einige späte Stücke aus den 1710er und 1720er Jahren werden genannt; anekdotisch wird sogar ein Instrument aus seinem Todesjahr 1740 erwähnt. Insgesamt bleibt die späte Produktion jedoch selten und unsicher. Der alte Familienname überdauerte, aber die Werkstatt hatte ihre frühere Kraft verloren.

Stil, Bauweise, Lack und Klangideal

Girolamo Amati (II) wurde lange als schwächerer Nachfolger Nicolòs beurteilt. Diese Einschätzung ist teilweise verständlich, aber zu einseitig. Seine besten Instrumente zeigen eine eigenständige Verbindung von Amati-Eleganz und spätem Cremoneser Klangbewusstsein. Die Wölbungen sind häufig voller als bei Stradivari, aber teilweise weniger hoch und weniger stark zurückgebogen als beim Vater.

Der Lack ist nicht immer so leuchtend und transparent wie bei Nicolò. Dennoch besitzen viele Instrumente eine warme, goldbraune oder rötlichere Farbigkeit. Besonders die mittlere Werkphase kann mit kräftigeren roten Lacktönen verbunden werden, die eine Reaktion auf die veränderte Cremoneser Ästhetik um Stradivari erkennen lassen.

Klanglich gelten gute Instrumente Girolamos als ernstzunehmende Spielinstrumente. Sie können die Süße und Rundung der Amati-Schule mit stärkerer Tragfähigkeit verbinden. Ihre Qualität ist uneinheitlicher als bei Nicolò; gerade deshalb muss jedes Instrument einzeln bewertet werden. Die besten Stücke zeigen aber, dass Girolamo II keineswegs nur als dekadenter Nachfahre zu behandeln ist.

Instrumente: Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass

Girolamo II baute vor allem Violinen. Diese sind die wichtigste Gattung seines überlieferten Werkes. Daneben sind Celli, wenige Violen und ein bemerkenswerter Kontrabass beziehungsweise großes Bassinstrument genannt. Die geringe Zahl der Violen und die Seltenheit später Instrumente machen jede gesicherte Zuschreibung besonders wichtig.

Die Violinen aus den 1680er und 1690er Jahren stehen im Zentrum seiner Reputation. Sie zeigen die Phase, in der er nach Nicolòs Tod die Werkstatt tatsächlich trug und noch vor der Piacenza-Krise regelmäßig arbeitete. Instrumente um 1690, 1693, 1696 und um 1700 werden in modernen Archiven und Handelsdokumentationen immer wieder hervorgehoben.

Eine 1705 datierte Viola ist ein besonders wertvoller Nachweis, weil Violen Girolamos selten sind. Sie trägt ein Etikett mit der Formel Hieronymus Amatus Cremonen Nicolai filius fecit 1705 und zeigt die bewusste Bezugnahme auf Nicolò als Vater. Auch ein 1710 datiertes Instrument ist wegen der schwierigen Exil- und Rückkehrsituation für Girolamos späte Werkgeschichte wichtig.

Ausführlicher Kulturüberblick

Girolamo Amati (II) ist eine Figur des Übergangs. Er steht nicht am Beginn der Cremoneser Violine wie Andrea Amati, nicht im heroischen Wiederaufbau nach der Pest wie Nicolò, und nicht im goldenen Zeitalter des Stradivari-Modells. Seine Bedeutung liegt vielmehr darin, dass er die alte Amati-Dynastie in eine neue, härtere, stärker konkurrierende Geigenbauwelt hineinführt.

Die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts war für Cremona eine Zeit höchster handwerklicher Dichte. Mehrere Werkstätten arbeiteten nebeneinander. Die Nachfrage nach Streichinstrumenten wuchs, aber zugleich wurden die Ansprüche präziser. Spieler suchten mehr Klangstärke, schnellere Ansprache, größere Projektion und eine modernere Form. Das ältere Amati-Ideal der Süße, Eleganz und Rundung blieb geschätzt, musste sich aber gegen neue Klangästhetiken behaupten.

Girolamo II erbte diese Spannung. Sein Vater Nicolò war ein Meister der verfeinerten Linie, der schönen Wölbung, des eleganten f-Schalllochs und des kultivierten Klangs. Stradivari dagegen entwickelte zunehmend eine andere Klangarchitektur: flachere Wölbungen, stärkere Tonprojektion, neue Proportionen und eine visuelle Präsenz, die um 1700 zum Maßstab wurde. Girolamo reagierte darauf, ohne das Amati-Erbe völlig zu verlassen.

Seine Biographie zeigt außerdem, dass Geigenbau nicht nur Kunsthandwerk, sondern auch Ökonomie war. Ein berühmter Name garantierte nicht automatisch Erfolg. Schulden, Rechtsstreitigkeiten, Konkurrenz, politische Instabilität und Marktveränderungen konnten eine Werkstatt schwächen. Girolamos Weggang nach Piacenza macht sichtbar, dass selbst die Amati-Familie nicht außerhalb sozialer Risiken stand.

Die Casa Amati hatte über Generationen Werkstattwissen bewahrt: Innenformen, Schablonen, Maße, Lackvorstellungen, Holzauswahl, Arbeitsabläufe und ein familiäres Qualitätsbewusstsein. Doch dieses Wissen musste in jeder Generation neu produktiv werden. Bei Girolamo II gelang dies nur teilweise. Gerade diese Teilgelingen macht ihn kulturgeschichtlich interessant: Er zeigt nicht die Gründung oder Blüte einer Tradition, sondern ihre späte Behauptung unter Druck.

Sein Werk ist daher nicht nur als Nachklang zu lesen. In den besten Instrumenten verbindet sich das alte Amati-Ideal mit Elementen einer neuen Cremoneser Moderne. Der rote Lack, die flacheren Modelle, die Reaktion auf Stradivari und die gute Spielbarkeit zeigen, dass Girolamo II ein beobachtender, anpassungsfähiger und eigenständig arbeitender Meister sein konnte.

Mit seinem Tod 1740 endet die große Amati-Erzählung. Danach lebt der Name vor allem in Instrumenten, Sammlungen, Fachliteratur, Museen und der Wertgeschichte alter Geigen weiter. Die führenden Modelle des 18. Jahrhunderts sind nun Stradivari und Guarneri. Dennoch bleibt Girolamo II unverzichtbar, weil er das letzte reale Glied jener Familie ist, die die Form der Violine überhaupt erst dauerhaft geprägt hatte.

Wirkung, Sammlungen und Forschungsstand

Die Wirkung Girolamo Amatis (II) ist anders zu bewerten als die Wirkung Nicolòs. Er begründete keine neue Schule, hatte offenbar keine bedeutenden Schüler und konnte die Vorrangstellung der Amati-Werkstatt nicht bewahren. Trotzdem besitzt sein Werk hohe historische Bedeutung. Er zeigt, wie die Amati-Tradition in der Epoche Stradivaris weiterlebte und sich veränderte.

Seine Instrumente sind heute in Instrumentendatenbanken, Auktionsarchiven, privaten Sammlungen und Fachhandlungen nachweisbar. Sie werden nicht in derselben Kategorie wie die berühmtesten Nicolò-Amati- oder Stradivari-Instrumente bewertet, können aber beträchtliche Summen erreichen und sind für Spieler wie Forscher bedeutsam. Besonders gut erhaltene Violinen der 1680er und 1690er Jahre sowie seltene Violen und Celli sind wichtige Quellen.

Der Forschungsstand ist differenzierter geworden. Ältere Literatur neigte dazu, Girolamo II als schwachen letzten Vertreter einer großen Familie abzutun. Moderne Expertisen betonen stärker seine guten Instrumente, seine Reaktion auf Stradivari, seine Werkstattlage und die schwierigen sozialen Bedingungen. Für ein Kulturlexikon ist daher eine mittlere Linie angemessen: kein Gleichrang mit Nicolò, aber auch keine bloße Abwertung.

Werkstatt-, Instrumenten- und Quellenverzeichnis

Girolamo Amati (II) war Geigenbauer und kein Komponist. Ein „Werkverzeichnis“ ist daher als Werkstatt-, Instrumenten- und Quellenverzeichnis zu verstehen. Vollständigkeit im strengen Sinn ist bei historischen Instrumenten nur eingeschränkt möglich, weil viele Stücke verloren, umgebaut, neu etikettiert, in Privatbesitz verborgen, nur durch Expertisen überliefert oder in Auktionsarchiven nachgewiesen sind. Die folgende Übersicht trennt Werkphasen, Etikettenformen, Instrumentengattungen, wichtige Einzelinstrumente und Forschungskomplexe.

Werkphasen

1649–1660er Jahre: Kindheit in der Casa Amati Girolamo wurde 1649 in Cremona geboren und wuchs in der Werkstatt seines Vaters Nicolò Amati auf. Die Casa Amati war in dieser Zeit ein dicht besetzter Familien-, Werkstatt- und Ausbildungsort.
Um 1662: Beginn ernsthafter handwerklicher Ausbildung Um das zwölfte bis dreizehnte Lebensjahr war Girolamo alt genug, um das Handwerk systematisch zu erlernen. Die Ausbildung erfolgte in der Werkstatt Nicolòs, möglicherweise unter Mitwirkung erfahrener Mitarbeiter wie Andrea Guarneri.
Ab etwa 1670: sichtbare Mitarbeit Ab etwa 1670 wird Girolamos Hand in der väterlichen Werkstatt erkennbarer. Viele Instrumente mit Nicolò-Etikett aus den 1670er und 1680er Jahren können seine Mitarbeit zeigen.
1684–1697: Werkstattnachfolge in Cremona Nach Nicolòs Tod übernahm Girolamo II die Amati-Werkstatt. Diese Jahre bilden seine wichtigste eigene Schaffensphase.
1697/1698–1715/1716: Aufenthalt im Gebiet von Piacenza Girolamo verließ Cremona wahrscheinlich wegen finanzieller und rechtlicher Schwierigkeiten. Einige wenige Instrumente werden mit Piacenza oder der Exilzeit in Verbindung gebracht.
1715/1716–1740: Rückkehr nach Cremona und Spätzeit Nach der Rückkehr nach Cremona scheint Girolamo nur noch unregelmäßig gebaut zu haben. Späte Instrumente sind selten und quellenkritisch zu prüfen.
1740: Ende der Amati-Dynastie Mit Girolamos Tod am 21. Februar 1740 endete die große Geigenbaugeschichte der Amati-Familie als aktive Werkstattlinie von europäischem Rang.

Etiketten und Werkstattformeln

Hieronymus Amatus Cremonen. Lateinische Namensform, die Girolamo als Cremoneser Meister bezeichnet. Sie erscheint in Instrumentenzetteln und Expertisentraditionen.
Hieronymus Amatus Cremonen Nicolai filius fecit Etikettenform, die Girolamo ausdrücklich als Sohn Nicolò Amatis bezeichnet. Sie dient der dynastischen Legitimation und dem Anschluss an den berühmten Vater.
Hieronimus Amatus fecit Cremonae Weitere latinisierte Etikettenform, die in Fachliteratur und Instrumentennachweisen erscheint.
Nicolò-Etiketten mit Girolamo-Beteiligung Vor 1684 können Instrumente mit Nicolò-Etikett bereits Girolamos Mitarbeit zeigen. Solche Instrumente sind keine Girolamo-II-Alleinwerke, aber für seine frühe Hand wichtig.
Späte Etiketten nach 1700 Instrumente nach 1700 sind selten. Etiketten aus dieser Zeit müssen wegen der Exil-, Rückkehr- und Altersphase besonders sorgfältig geprüft werden.

Instrumentengattungen

Violine Hauptgattung Girolamo Amatis (II). Seine besten Violinen verbinden Amati-Tradition mit einzelnen Reaktionen auf Stradivaris modernere Form- und Klangvorstellungen.
Viola Violen Girolamos sind selten. Ein 1705 datiertes Instrument mit gut dokumentiertem Etikett ist besonders wichtig für die Kenntnis seiner Mittelstimmeninstrumente.
Violoncello Girolamo baute mehrere Celli beziehungsweise Bassinstrumente. Ein Cello um 1690 beziehungsweise um 1700 ist in modernen Fach- und Auktionskontexten nachweisbar.
Kontrabass Die Fachliteratur erwähnt einen hervorragenden Kontrabass beziehungsweise ein großes Bassinstrument. Solche Stücke zeigen, dass Girolamos Werkstatt nicht auf Violinen beschränkt war.
Werkstattinstrumente Besonders in der Übergangszeit vor und nach 1684 sind Instrumente als Werkstattarbeiten zu prüfen, bei denen Nicolò-Etikett, Girolamo-Hand und Familienmarke nicht vollständig deckungsgleich sind.

Ausgewählte bekannte Einzelinstrumente und Instrumentenkomplexe

Violine, Cremona 1671 Frühes Instrument beziehungsweise frühe Zuschreibung aus der Phase, in der Girolamos Hand in der Werkstatt Nicolòs sichtbar wird. Solche Stücke sind für die Abgrenzung von Nicolò- und Girolamo-Arbeit wichtig.
Violine, Cremona 1686 Instrument aus der frühen Nachfolgezeit nach Nicolòs Tod. Solche Violinen gehören zu Girolamos wichtigster eigener Werkstattphase.
Violine, Cremona 1690 Instrument aus der reifen eigenen Werkstattzeit vor dem Weggang aus Cremona. In modernen Auktions- und Facharchiven als Girolamo-II-Beispiel nachweisbar.
Violine, Cremona 1693 Mehrere Nachweise betreffen Violinen dieses Jahres beziehungsweise dieser Werkphase. Sie zeigen Girolamos Arbeit in einer Zeit starker Stradivari-Konkurrenz.
Violine, Cremona 1696 Instrumente um 1696 stehen unmittelbar vor der Piacenza-Krise. Sie sind für die Beurteilung seines späten Cremoneser Hauptwerks wichtig.
Ex-Corbett; ex-Bennett, Violine, um 1700 Bekannte Girolamo-II-Violine, die mit dem Geiger und Komponisten William Corbett in Verbindung gebracht wird. Sie ist für die spätere Besitz- und Spielgeschichte interessant.
Ex-Bonjour, Cello, um 1690 Cello beziehungsweise Bassinstrument aus der Girolamo-II-Überlieferung. Es belegt, dass die Werkstatt auch nach Nicolò hochwertige größere Instrumente fertigte.
Cello, Cremona, um 1700 In Fach- und Auktionsarchiven nachgewiesenes Cello Girolamos. Solche Stücke sind wegen späterer Umbauten und Expertisengeschichte einzeln zu prüfen.
Viola, Cremona 1705 Seltene Viola mit Etikett Hieronymus Amatus Cremonen Nicolai filius fecit 1705. Das Instrument besitzt eine goldbraune Lackbeschreibung und ist wegen der Seltenheit von Girolamo-II-Violen besonders wichtig.
Violine, 1710 Von Philip J. Kass besprochenes Instrument, das Girolamo in einer schwierigen Lebensphase stark zeigt. Es ist für die späte Werkstatt- und Exilgeschichte bedeutsam.
Instrumente der späten 1710er und 1720er Jahre Nach seiner Rückkehr nach Cremona sind nur wenige Instrumente genannt. Die Produktion scheint deutlich zurückgegangen zu sein.
Angebliche Violine von 1740 Anekdotisch wird ein Instrument aus Girolamos Todesjahr erwähnt, das für einen französischen Violinisten auf Wunsch Tartinis gefertigt worden sein soll. Es ist später aus der Überlieferung verschwunden und muss daher als unsicher gelten.

Form- und Stilmerkmale

Wölbung Girolamos Wölbungen sind oft voller als bei Stradivari, aber in der mittleren Phase teils flacher und weniger stark zurückgebogen als bei Nicolò. Sie zeigen eine Reaktion auf veränderte Klangideale.
Umriss Der Umriss bleibt dem Amati-Erbe verbunden, kann aber im Vergleich zu Nicolò weniger vollendet wirken. Gute Instrumente zeigen dennoch eine klare, elegante Cremoneser Linie.
f-Schalllöcher Die f-Schalllöcher orientieren sich an der Amati-Tradition, reagieren aber teilweise auf spätere Cremoneser Formen. Sie sind für Zuschreibungen wichtig.
Lack Der Lack ist nicht immer so berühmt wie bei Nicolò, kann aber goldbraun, warm oder in der mittleren Phase tiefer rötlich erscheinen. Die rötlichere Wirkung wird häufig als Reaktion auf Stradivari verstanden.
Schnecke Schnecken sind für die Zuschreibung besonders wichtig, müssen aber wegen späterer Umbauten und Ersatzteile einzeln geprüft werden.
Randarbeit Die Randarbeit kann in guten Instrumenten sorgfältig und elegant sein, erreicht jedoch nicht immer die idealisierte Präzision Nicolòs.
Klang Gute Instrumente Girolamos gelten als tragfähige Spielinstrumente, die Amati-Süße mit stärkerer moderner Projektion verbinden können.
Stradivari-Reaktion Einzelne Modelle zeigen flachere, modernere Tendenzen und lassen erkennen, dass Girolamo Stradivaris Entwicklung wahrnahm und teilweise produktiv verarbeitete.

Genealogische und werkstattgeschichtliche Einordnung

Andrea Amati (I) Urvater der Amati-Dynastie und formbildender Begründer der Cremoneser Violinfamilie.
Girolamo Amati (I) Großvater Girolamos II, Sohn Andrea Amatis und Vater Nicolòs; wichtige Übergangsfigur der zweiten Amati-Generation.
Nicolò Amati Vater, Lehrer und unmittelbarer Werkstattvorgänger Girolamos II; bedeutendster Meister der Amati-Familie.
Andrea Guarneri Wichtiger Schüler Nicolòs und möglicherweise prägend für Girolamos Ausbildung; Stammfigur der Guarneri-Linie.
Antonio Stradivari Wichtigster Konkurrent und Maßstab der Zeit Girolamos II. Dessen Aufstieg schwächte die frühere Vorrangstellung der Amati-Werkstatt.
Guarneri-Familie Cremoneser Geigenbauerfamilie aus dem Amati-Umfeld, die im späten 17. und 18. Jahrhundert an Bedeutung gewann.
Rugeri-Familie Weitere Cremoneser Geigenbauerfamilie, die den Wettbewerb um 1700 mitprägte.

Quellen- und Forschungskomplexe

MGG Fachlexikalischer Hauptnachweis zur Amati-Familie, zu Girolamo (II), seinen Namensformen, Lebensdaten und seiner Stellung als Schüler und Nachfolger Nicolò Amatis.
Tarisio Cozio Archive Instrumenten- und Meisterdatenbank mit biographischem Abriss, Preisgeschichte, Instrumentenlisten und Einzelbeiträgen zu Girolamo-II-Instrumenten.
Philip J. Kass Wichtiger Forscher zur Amati-Familie und Autor eines Fachbeitrags über eine Girolamo-II-Violine von 1710, in dem Exil, Rückkehr und Spätproduktion behandelt werden.
Ingles & Hayday Fachliche Handels- und Expertisenquelle mit differenzierter Einschätzung Girolamos als unterschätztem Schüler Nicolòs und als fähigem, aber historisch benachteiligtem Meister.
John Dilworth Wichtiger Autor zur Evolution des Geigenbaus und zur stilistischen Beurteilung Girolamo Amatis (II), insbesondere zu Wölbung, Lack und Stradivari-Reaktion.
Amati.com Online-Datenbank mit biographischen Notizen, Auktionspreisgeschichte und zusammenfassenden Fachtexten zu Hieronymus Amati (II).
Muziekinstrumentenfonds Niederländische Quelle mit kulturgeschichtlichem Überblick zur Casa Amati, zur Ausbildung und zum sozialen Umfeld Girolamos.
Lespets & Camden Essayistische Darstellung zu Girolamo Amati II, seinem späten Leben, der Krise der Werkstatt und dem Ende der Amati-Linie.
Tarisio-Einzelinstrumente Besonders die 1705 datierte Viola und die 1710 behandelte Violine sind wichtige konkrete Dokumente für Girolamos späte Werkphase.

Sekundärliteratur

  • Bonetti, Carlo: La genealogia degli Amati liutai e il primato della scuola liutistica cremonese. Cremona 1938. Ältere quellenkundliche Studie zur Amati-Familie und zur Cremoneser Werkstatttradition.
  • Cacciatori, Fausto: Il DNA degli Amati. Cremona 2006. Moderne archivalische und genealogische Untersuchung zur Familie Amati und ihrer Werkstattgeschichte.
  • Cacciatori, Fausto, Hrsg.: Andrea Amati Opera Omnia. Les Violons du Roi. Cremona 2007. Dokumentation zur älteren Amati-Tradition, die den genealogischen und handwerklichen Hintergrund Girolamos II bildet.
  • Chiesa, Carlo, und Kass, Philip J.: Arbeiten zur Amati-Familie und zur Cremoneser Werkstattgeschichte. Wichtige moderne Beiträge zur genealogischen und quellenkritischen Einordnung der Amati-Dynastie.
  • Dilworth, John: „The Evolution of Violin Making from 16th–20th Century“, besonders die Teile zur Amati-Dynastie und zur Entwicklung außerhalb und innerhalb Cremonas. Moderne Fachreihe zur Einordnung Girolamo Amatis (II) zwischen Amati-Erbe, Stradivari und späteren Schulen.
  • Dilworth, John: Beiträge zu Hieronymus Amati (II) in Fach- und Datenbankkontexten. Wichtig für die Einschätzung seiner Wölbungen, Lackentwicklung, Stradivari-Reaktion und späten Werkphase.
  • Drees, Stefan, Hrsg.: Lexikon der Violine. Laaber: Laaber-Verlag, 2004. Deutschsprachiges Fachlexikon zur Violine, historischen Instrumentenbauern und geigenbaugeschichtlichen Begriffen.
  • Faber, Toby: Stradivari’s Genius. Five Violins, One Cello, and Three Centuries of Enduring Perfection. New York: Random House, 2004. Darstellung zur Stradivari-Geschichte, hilfreich für die Konkurrenzsituation, in der Girolamo II arbeitete.
  • Hargrave, Roger: Aufsätze zur Amati-Familie und zur Cremoneser Werkstattpraxis. Wichtige Beiträge zu Form, Zuschreibung, Lack und Werkstattorganisation historischer Cremoneser Instrumente.
  • Henley, William: Universal Dictionary of Violin & Bow Makers. Brighton: Amati Publishing, 1973. Klassisches Nachschlagewerk zu Geigen- und Bogenmachern mit älterer Zuschreibungs- und Bewertungstradition.
  • Hill, W. Henry; Hill, Arthur F.; Hill, Alfred Ebsworth: Antonio Stradivari. His Life and Work. London: Macmillan, 1902. Historisches Standardwerk zu Stradivari, relevant für den Bedeutungswandel der Amati-Werkstatt um 1700.
  • Jalovec, Karel: Italian Violin Makers. London: Paul Hamlyn, 1964. Überblickswerk zu italienischen Geigenbauern, darunter Amati, Guarneri, Rugeri und Stradivari.
  • Kass, Philip J.: „Girolamo Amati II Violin, 1710“, Tarisio Cozio Carteggio, 2013. Fachbeitrag zu einem späten Instrument Girolamos, mit Hinweisen auf Exil, Rückkehr, Werkstattlage und Spätproduktion.
  • Kass, Philip J.: „Nicolò Amati: His Life and Times“, in: Journal of the Violin Society of America 15/2, 1996. Grundlegende Studie zu Nicolò Amati und damit zur unmittelbaren Werkstattvoraussetzung Girolamos II.
  • Kass, Philip J.: „The Stati d’Anime of S. Faustino in Cremona: Tracing the Amati Family 1641–1686“, in: Journal of the Violin Society of America. Genealogische und archivalische Studie zur Amati-Familie in der Zeit, in der Girolamo II aufwuchs.
  • Kolneder, Walter: Das Buch der Violine. Bau, Geschichte, Spiel, Pädagogik, Komposition. Zürich/Mainz: Atlantis Musikbuch / Schott, 1993. Deutschsprachiges Grundlagenwerk zur Violine und ihrer historischen Bauentwicklung.
  • Pollens, Stewart: Stradivari. Cambridge: Cambridge University Press, 2010. Studie zu Stradivari, wichtig zur Bewertung der Konkurrenz, auf die Girolamo II reagieren musste.
  • Sacconi, Simone F.: I segreti di Stradivari. Cremona: Libreria del Convegno, 1972. Werkstattstudie zum Cremoneser Geigenbau, deren stradivarischer Schwerpunkt die geigenbaugeschichtliche Konkurrenzsituation um 1700 erhellt.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Andrea Amati (I) Urahn Girolamos II und Begründer der Cremoneser Violinfamilie.
  • Antonio Amati Älterer Amati-Meister der zweiten Generation und Mitträger der Brüder-Amati-Werkstatt.
  • Amati-Familie Cremoneser Geigenbaudynastie von Andrea Amati bis Girolamo Amati (II).
  • Girolamo Amati (I) Großvater Girolamos II, Sohn Andrea Amatis und Vater Nicolò Amatis.
  • Nicolò Amati Vater und Lehrer Girolamos II sowie bedeutendster Meister der Amati-Dynastie.
  • Barockvioline Historische Spiel- und Bauform, deren späte Cremoneser Ausprägung Girolamo II mitprägte.
  • Casa Amati Familienhaus, Werkstatt- und Ausbildungsort der Amati-Dynastie in Cremona.
  • Cremona Lombardische Stadt und Zentrum des klassischen italienischen Geigenbaus.
  • Cremoneser Geigenbau Handwerks- und Klangtradition, die von Amati über Stradivari und Guarneri zu internationalem Rang gelangte.
  • f-Schallloch Charakteristische Deckenöffnung der Violine und wichtiges Zuschreibungsmerkmal historischer Instrumente.
  • Geigenbau Handwerkskunst des Baus von Violinen, Violen, Violoncelli und verwandten Streichinstrumenten.
  • Geigenbauer Beruf und Werkstattrolle, die Girolamo II in der späten Amati-Tradition verkörperte.
  • Grand Amati Größeres Modell Nicolò Amatis, dessen Erbe für Girolamo II wichtig blieb.
  • Andrea Guarneri Schüler Nicolò Amatis und mögliche prägende Figur im Ausbildungsumfeld Girolamos II.
  • Guarneri-Familie Cremoneser Geigenbauerfamilie, deren Aufstieg Girolamos Werkstattkonkurrenz verschärfte.
  • Hohlkehle im Geigenbau Vertiefte Randzone von Decke und Boden, wichtig für Amati- und Cremoneser Stilfragen.
  • Innenform Cremonesisches Werkstattmittel zur präzisen und reproduzierbaren Formung von Zargen und Umriss.
  • Instrumentenzettel Etikett im Inneren historischer Streichinstrumente, für Amati-Zuschreibungen besonders wichtig.
  • Kontrabass Großes Bassinstrument, das in Girolamo-Amati-II-Zusammenhängen selten, aber bemerkenswert genannt wird.
  • Lack im Geigenbau Oberflächenbehandlung, Schutzschicht und ästhetisches Erkennungsmerkmal Cremoneser Instrumente.
  • Museo del Violino Cremona Zentraler Museums- und Erinnerungsort des Cremoneser Geigenbaus.
  • Piacenza Stadt beziehungsweise Gebiet, in das Girolamo II nach 1697/1698 auswich.
  • Provenienz historischer Instrumente Herkunfts- und Besitzgeschichte, die für Amati-Instrumente und ihre Zuschreibung entscheidend ist.
  • Rugeri-Familie Cremoneser Geigenbauerfamilie im Umfeld und Wettbewerb der späten Amati-Werkstatt.
  • San Faustino in Cremona Stadtviertel und Familienumfeld der Amati-Werkstatt.
  • Schnecke im Geigenbau Wirbelkastenabschluss der Violine und wichtiges Stilmerkmal historischer Geigenbauer.
  • Spanischer Erbfolgekrieg Politischer Hintergrund der norditalienischen Umbrüche während Girolamos Piacenza-Zeit.
  • Antonio Stradivari Dominierender Cremoneser Meister, dessen Aufstieg Girolamos Werkstatt stark herausforderte.
  • Viola Mittelstimmeninstrument der Violinfamilie, von Girolamo II selten, aber bedeutend gebaut.
  • Violine Hauptinstrument der Violinfamilie und zentrale Gattung im Werk Girolamo Amatis (II).
  • Violinfamilie Instrumentengruppe aus Violine, Viola, Violoncello und verwandten Bassinstrumenten.
  • Violoncello Bassinstrument der Violinfamilie, auch in Girolamos Werkstatt überliefert.
  • Werkstatttradition Überlieferung von Formen, Werkzeugen, Techniken und Modellen innerhalb einer Familie oder Schule.
  • Wölbung im Geigenbau Form von Decke und Boden, bei Girolamo II wichtig für die Spannung zwischen Amati-Erbe und Stradivari-Reaktion.