Girolamo Amati (I)

Cremoneser Geigenbauer, auch Ieronimo oder Hieronymus Amati; geboren um 1550 beziehungsweise nach Bonetti 1561 in Cremona, gestorben 1630 ebenda; Sohn Andrea Amatis, Bruder Antonio Amatis und Vater Nicolò Amatis.

Überblick

Girolamo Amati (I), auch Ieronimo Amati oder Hieronymus Amati, war einer der wichtigsten Geigenbauer der zweiten Generation der Amati-Familie. Er wurde um 1550 in Cremona geboren; Bonetti nennt 1561. Er starb 1630 in Cremona, nach einem Teil der Forschung am 2. November, nach Chiesa und Kass bereits im September. Als Sohn Andrea Amatis, Bruder Antonio Amatis und Vater Nicolò Amatis steht er im Zentrum der genealogischen und werkstattgeschichtlichen Kontinuität des Cremoneser Geigenbaus.

Girolamo arbeitete zunächst sicher als Schüler und Mitarbeiter seines Vaters. Nach Andrea Amatis Tod 1577 führte er die Werkstatt mit seinem älteren Bruder Antonio weiter. Diese gemeinsame Phase ist unter der Bezeichnung Brüder Amati beziehungsweise Antonio & Girolamo Amati bekannt. Ihre Instrumente entwickelten die väterlichen Modelle weiter und trugen entscheidend dazu bei, dass die Violinfamilie als präzise, elegante und weithin vorbildliche Instrumentenfamilie wahrgenommen wurde.

Nach der Teilung von 1588 wurde Girolamo zur wichtigsten Trägerfigur der Amati-Werkstatt. Obwohl die Instrumentenzettel weiterhin häufig beide Brüder nennen, wird ein großer Teil der zwischen 1588 und Girolamos Tod 1630 entstandenen Instrumente in der neueren Zuschreibungspraxis eher Girolamos Werkstatt zugeordnet. Durch seinen Sohn Nicolò blieb die Amati-Tradition nach der Pest von 1630 erhalten und wurde im 17. Jahrhundert zum Ausgangspunkt für die spätere Blüte der Cremoneser Schule mit Antonio Stradivari und der Guarneri-Familie.

Kurzdaten

Name Girolamo Amati (I).
Weitere Namensformen Ieronimo Amati, Hieronymus Amati, Hieronymus Amatus, Girolamo Amati I, Girolamo Amati der Ältere, Amati, Girolamo, Antonio & Girolamo Amati, Antonius & Hieronymus Amati.
Geboren Um 1550 in Cremona; nach Bonetti 1938: 1561.
Gestorben 1630 in Cremona; häufig 2. November 1630, nach Chiesa/Kass 1996: September 1630.
Beruf Geigenbauer, Lauten- und Instrumentenmacher, Cremoneser Meister, Werkstattnachfolger, Vater Nicolò Amatis und Hauptträger der Amati-Werkstatt nach 1588.
Familie Sohn Andrea Amatis, jüngerer Bruder Antonio Amatis, Vater Nicolò Amatis.
Ausbildung Zunächst sicher Schüler und Mitarbeiter seines Vaters Andrea Amati in der Cremoneser Familienwerkstatt.
Werkstattphase mit Antonio Nach Andrea Amatis Tod 1577 gemeinsame Weiterführung der Werkstatt mit Antonio Amati; gemeinsame Überlieferung als „Brüder Amati“.
Teilung von 1588 Antonio übertrug seinen Anteil an Haus und Werkstatt an Girolamo; danach wurde Girolamo faktisch zur dominierenden Werkstattfigur.
Etikettenproblem Girolamo verwendete nach der Trennung und nach Antonios Tod weiterhin häufig die Brüderformel Antonius & Hieronymus Amati, weshalb viele Zuschreibungen quellenkritisch zu behandeln sind.
Instrumentengattungen Violine, kleine Violine, Viola, Tenorviola, Violoncello und Bassinstrumente der Violinfamilie; besonders bemerkenswert ist die Überlieferung eines frühen fünfsaitigen Violoncellos beziehungsweise Amati-Cellos.
Hauptbedeutung Weiterführung und Verfeinerung der Andrea-Amati-Modelle, Stabilisierung der Amati-Werkstatt nach 1588, Vorbereitung der Nicolò-Amati-Generation und Sicherung der Cremoneser Tradition durch die Krisenzeit um 1630.
Dateiname amati-girolamo.shtml

Quellenlage, Datierung und Namensformen

Die Quellenlage zu Girolamo Amati ist durch die enge Verbindung mit seinem Bruder Antonio und durch die Etikettenpraxis der Werkstatt erschwert. Der Vorname erscheint in italienischer Form als Girolamo, in älteren oder lateinischen Quellen als Ieronimo, Hieronymus oder Hieronymus Amatus. Die lateinische Etikettenform Antonius & Hieronymus Amati ist für die Instrumentenüberlieferung besonders wichtig, weil sie nicht immer eine echte gleichzeitige Handarbeit beider Brüder beweist.

Die Geburt wird in der neueren Literatur meist um 1550 oder um 1561/1562 angesetzt. Die von Bonetti 1938 genannte Jahreszahl 1561 steht neben breiteren Schätzungen um 1550. Da Girolamo zunächst als Schüler und Mitarbeiter Andrea Amatis zu betrachten ist und nach 1577 mit Antonio die Werkstatt übernahm, ist eine Datierung in die Jahre um die Mitte des 16. Jahrhunderts plausibel; exakte Sicherheit besteht aber nicht.

Auch das Todesdatum ist nicht völlig einheitlich überliefert. Häufig wird der 2. November 1630 genannt, während Chiesa und Kass 1996 den September 1630 ansetzen. Sicher ist die Einordnung in das Pestjahr 1630, das für Cremona und die norditalienische Instrumentenbaukultur einen massiven Einschnitt bedeutete. Nach Girolamos Tod blieb die Werkstatt in den Händen seines Sohnes Nicolò, der die Amati-Tradition nicht nur bewahrte, sondern zu neuer Höhe führte.

Biographie

Girolamo Amati wurde in Cremona geboren, einer Stadt, die im 16. und 17. Jahrhundert zum europäischen Zentrum des Geigenbaus aufstieg. Als Sohn Andrea Amatis wuchs er in einer Werkstatt auf, die bereits an der Formierung der modernen Violine, Viola und Bassinstrumente der Violinfamilie beteiligt war. Seine Ausbildung vollzog sich daher nicht in einer beliebigen handwerklichen Umgebung, sondern im eigentlichen Ursprungskern der Cremoneser Geigenbaukunst.

Über Girolamos Kindheit und frühe Lehrzeit sind keine detaillierten biographischen Nachrichten erhalten. Dass er sicher Schüler und Mitarbeiter seines Vaters war, ergibt sich aus der Werkstattkontinuität und aus der späteren gemeinsamen Nachfolge mit Antonio. Er lernte in einer Umgebung, in der Formen, Schablonen, Innenformen, Lacke, Zargenbau, Wölbungen, f-Schalllöcher und Proportionen nicht theoretisch abstrakt, sondern täglich praktisch weitergegeben wurden.

Nach dem Tod Andrea Amatis im Jahr 1577 trat Girolamo mit Antonio in die Nachfolge der väterlichen Werkstatt ein. Diese Phase wird in der Instrumentenkunde als die Zeit der „Brüder Amati“ bezeichnet. Die beiden Brüder waren nicht bloß Verwalter eines Erbes, sondern entwickelten die Modelle ihres Vaters weiter. Ihre Instrumente wurden für eine wachsende europäische Nachfrage nach hochwertigen Streichinstrumenten wichtig.

1588 kam es zu einer Besitz- und Werkstattveränderung. Antonio gab seinen Anteil an Haus und Werkstatt an Girolamo ab. Die Gründe sind nicht vollständig geklärt; in der Literatur wird teils von wirtschaftlichen Differenzen oder einem Zerwürfnis gesprochen. Sicher ist, dass Girolamo danach die zentrale Werkstattfigur wurde und die Produktion der Amati-Instrumente bis zu seinem Tod fortführte.

Girolamo war der Vater Nicolò Amatis. Dieser Sohn ist für die weitere Musikgeschichte von außerordentlicher Bedeutung. Nicolò übernahm nach der Pest von 1630 die Werkstatt und wurde zum berühmtesten Amati-Meister des 17. Jahrhunderts. Damit ist Girolamo nicht nur als Bruder Antonio Amatis, sondern vor allem als Bindeglied zwischen Andrea und Nicolò zu verstehen.

Schüler und Mitarbeiter Andrea Amatis

Die Werkstatt Andrea Amatis war für Girolamo die prägende Schule. Andrea hatte die frühe Violinfamilie in eine Form gebracht, die von späteren Generationen kaum grundsätzlich verändert wurde. Girolamo lernte daher nicht an fertigen, seit Jahrhunderten stabilen Normen, sondern an einem noch jungen, aber bereits außergewöhnlich ausgereiften Modell.

Die Ausbildung in einer solchen Werkstatt umfasste nicht nur Schnitzen, Hobeln, Leimen und Lackieren. Sie bedeutete auch das Erlernen eines Denkens in Proportionen. Die Violine ist ein kleines, hochkomplexes Objekt, bei dem Umriss, Wölbung, Stärkeverteilung, Holzqualität, Schalllöcher, Halswinkel, Steg, Bassbalken, Stimme und Lack miteinander zusammenhängen. Girolamo übernahm dieses System aus der Werkstatt seines Vaters.

Wahrscheinlich arbeitete Girolamo schon vor 1577 an Instrumenten mit, die unter Andrea Amatis Werkstattnamen liefen. Eine sichere Trennung einzelner Hände ist für diese frühe Phase nicht möglich. Dennoch ist anzunehmen, dass die Söhne allmählich immer stärker an der Produktion beteiligt waren und nach dem Tod des Vaters auf ein bereits eingeübtes Werkstattwissen zurückgreifen konnten.

Die gemeinsame Werkstatt mit Antonio Amati

Die gemeinsame Werkstatt von Antonio und Girolamo Amati bildete die zweite Generation der Amati-Dynastie. Sie wird oft als Werkstatt der Brüder Amati bezeichnet. Diese Bezeichnung ist sachlich berechtigt, solange man sie nicht als zwingenden Nachweis einer gleichmäßigen Beteiligung beider Brüder an jedem einzelnen Instrument missversteht.

Die Brüder übernahmen die Modelle Andrea Amatis und veränderten sie in Richtung größerer stilistischer Sicherheit. Ihre Instrumente gelten als besonders elegant, ausgewogen und klanglich warm. In der Formgebung zeigen sie eine verfeinerte Behandlung von Umriss, Hohlkehle und f-Schalllöchern. Die Werkstatt blieb damit nicht in der väterlichen Erfindungsphase stehen, sondern führte die Violine in eine reifere, reproduzierbare und europaweit nachahmungsfähige Gestalt.

Diese zweite Generation ist für die Geschichte des Geigenbaus zentral, weil eine neue Instrumentenform erst dann dauerhaft wirksam wird, wenn sie über eine einzelne Gründerfigur hinaus in einer Werkstatttradition Bestand hat. Andrea Amati hatte die Grundform geschaffen; Antonio und Girolamo machten sie zu einem fortführbaren Familienmodell.

Trennung von 1588 und Weiterführung der Brüderetiketten

Die Trennung von 1588 ist einer der wichtigsten Punkte der Girolamo-Amati-Forschung. Antonio gab seinen Anteil an Haus und Werkstatt an Girolamo ab. Dadurch wurde Girolamo zum entscheidenden Eigentümer beziehungsweise Träger der Werkstatt. Die praktische Konsequenz war, dass viele Instrumente nach 1588, auch wenn sie weiterhin unter der Brüderformel firmieren, wohl stärker oder ausschließlich aus Girolamos Werkstatt hervorgingen.

Die Etikettenlage bleibt schwierig. Instrumentenzettel sind im historischen Geigenbau nicht einfach moderne Urkunden. Sie können Werkstattmarken, Herkunftszeichen, Familienformeln, spätere Ersatzetiketten oder auch bewusste Traditionsformeln sein. Wenn ein Instrument Antonius & Hieronymus Amati nennt, bedeutet dies nicht automatisch, dass Antonio und Girolamo gemeinsam daran gearbeitet haben.

Gerade deshalb muss die Kulturlexikon-Seite zwischen drei Ebenen unterscheiden: erstens der realen gemeinsamen Werkstattzeit nach Andrea Amatis Tod, zweitens der durch die Teilung von 1588 dominierten Girolamo-Werkstatt und drittens der späteren Etiketten- und Zuschreibungsgeschichte, in der die Brüderformel weiterlebte. Diese Unterscheidung verhindert eine schematische und irreführende Werkzuweisung.

Girolamos eigene Werkstattphase nach 1588

Nach 1588 wurde Girolamo Amati zur wichtigsten Gestalt der Familienwerkstatt. Seine Arbeit war nicht bloß Fortsetzung, sondern Konsolidierung. Während Andrea Amati für die Gründung steht und Antonio als früh belegter älterer Sohn erscheint, wurde Girolamo zum eigentlichen Träger der langen Werkstattphase zwischen väterlichem Erbe und Nicolò-Amati-Blüte.

Die Instrumente dieser Zeit zeigen ein weiterentwickeltes Amati-Ideal: feine Linien, klare Wölbung, sorgfältige Randarbeit, präzise f-Schalllöcher, eine charakteristische Hohlkehle und ein warmes, kultiviertes Klangbild. Moderne Expertinnen und Experten sehen in vielen Instrumenten dieser Jahrzehnte Girolamos Hand oder zumindest seine Werkstattorganisation.

Diese Phase ist auch deshalb bedeutend, weil sie in eine Zeit zunehmender europäischer Nachfrage nach hochwertigen Streichinstrumenten fällt. Cremona wurde immer stärker mit Geigenbauqualität identifiziert. Girolamos Werkstatt war über Jahrzehnte ein Zentrum dieser Reputation.

Nicolò Amati und die Nachfolge

Girolamos größter Beitrag zur langen Amati-Geschichte war neben seiner eigenen Werkstattarbeit die Weitergabe des Handwerks an seinen Sohn Nicolò Amati. Nicolò wurde 1596 geboren und wuchs wie sein Vater in der Werkstatt auf. Er dürfte bereits in jungen Jahren praktische Aufgaben übernommen haben und wurde spätestens in den 1620er Jahren zu einer wichtigen Kraft des Betriebs.

Nach Girolamos Tod im Pestjahr 1630 übernahm Nicolò die Werkstatt. Der Übergang war nicht selbstverständlich. Die Pest zerstörte Familien, Werkstätten, Kundennetze, Städte und Märkte. Dass die Amati-Tradition diesen Einschnitt überstand, gehört zu den entscheidenden Voraussetzungen der späteren Cremoneser Geigenbaugeschichte.

Nicolò Amati verfeinerte die Modelle der Familie weiter und wurde zum Lehrer beziehungsweise Vorbild für eine ganze Generation von Geigenbauern. Ohne Girolamos Bewahrung der Werkstatt bis 1630 wäre diese spätere Entwicklung kaum denkbar. Girolamo ist daher nicht nur als Handwerker, sondern als Traditionsvermittler zu verstehen.

Stil, Bauweise und klangliches Profil

Girolamos Instrumente und die Instrumente seiner Werkstatt zeigen die typische Eleganz der Amati-Schule. Die Umrisse sind ausgewogen, die Ränder präzise, die Einlagen fein gesetzt und die Wölbung kontrolliert. Besonders wichtig ist die Hohlkehle im Randbereich, die bei Instrumenten der Brüder-Amati-Tradition häufig als charakteristisches Merkmal beschrieben wird.

Die f-Schalllöcher gehören zu den stilistisch entscheidenden Elementen. Sie sind nicht nur technische Öffnungen, sondern auch Ausdruck einer Werkstattästhetik. Ihre Lage, Länge, Neigung, Rundung und Kerbung geben Hinweise auf Modell, Zeitstellung und Werkstattnähe. In der Amati-Tradition werden sie zunehmend eleganter und sicherer geformt.

Der Klang der Amati-Instrumente wird häufig als warm, klar, silbrig, edel und kultiviert beschrieben. Im Vergleich zu späteren Stradivari- oder Guarneri-Instrumenten wirkt der Amati-Klang oft weniger aggressiv und weniger auf maximale Projektion ausgerichtet, dafür besonders fein, ausgeglichen und gesanglich. Diese Charakterisierung darf nicht schematisch verwendet werden, hilft aber, die historische Stellung der Werkstatt zu verstehen.

Violine, Viola, kleine Violine und fünfsaitiges Violoncello

Girolamo Amati baute beziehungsweise verantwortete eine Werkstatt, in der verschiedene Instrumente der Violinfamilie entstanden. Die Violine war die Hauptgattung, doch sind auch kleine Violinen, Violen, Tenorinstrumente und Bassinstrumente zu berücksichtigen. Gerade die Vielfalt der Größen zeigt, dass die Normen der modernen Streicherfamilie um 1600 noch in Bewegung waren.

Besonders interessant sind kleine Violinen. Ein 1604 datiertes Instrument mit eigenem Girolamo-Etikett ist ein wichtiger Nachweis, weil es nicht die übliche Brüderformel trägt. Solche Instrumente sind für die Frage wichtig, wann und wie Girolamo eigene Etiketten verwendete und wie sich kleinere Modelle innerhalb der Werkstatt entwickelten.

Ein weiterer besonderer Komplex ist das fünfsaitige Violoncello beziehungsweise Bassinstrument im Amati-Kontext. Ein um 1610 datiertes fünfsaitiges Cello Girolamo Amatis beziehungsweise der Amati-Werkstatt wurde vom Metropolitan Museum erworben und gilt als außergewöhnlich seltenes Zeugnis einer frühen Bassinstrumentenform. Solche Instrumente zeigen, dass die spätere Standardform des vierseitigen Violoncellos das Ergebnis einer längeren Entwicklung war.

Die Pest von 1630 und der Einschnitt in Cremona

Die Pest von 1630 war für Norditalien eine Katastrophe. Sie traf auch Cremona und die Geigenbaukultur. Girolamo Amati starb in diesem Zusammenhang, ebenso in Brescia Giovanni Paolo Maggini, eine der wichtigsten Figuren der konkurrierenden Brescianer Tradition. Damit endete in kurzer Zeit eine ältere Generation bedeutender Instrumentenmacher.

Für die Amati-Werkstatt war die Pest zugleich Gefahr und Übergang. Sie bedrohte die Kontinuität des Familienbetriebs, hinterließ aber mit Nicolò Amati einen Nachfolger, der die Werkstatt nicht nur bewahren, sondern auf neue Höhe führen konnte. Die Krise von 1630 markiert daher eine Grenze zwischen der zweiten Amati-Generation und der klassischen Nicolò-Amati-Phase.

Kulturgeschichtlich zeigt dieser Einschnitt, dass Instrumentenbau nicht isoliert von Stadtgeschichte, Krankheit, Wirtschaft und Familienstruktur betrachtet werden kann. Eine Werkstatt überlebt nicht nur durch Modelle und Werkzeuge, sondern durch Menschen. Der Tod Girolamos hätte das Ende der Linie bedeuten können; durch Nicolò wurde er zum Übergang.

Ausführlicher Kulturüberblick

Girolamo Amati gehört in eine Epoche, in der die Violine endgültig aus der Frühphase in die europäische Hochkultur des Streichinstrumentenbaus übertrat. Andrea Amati hatte die entscheidenden Formen vorbereitet; Girolamo und Antonio machten daraus eine zweite Generation. Diese zweite Generation ist kulturgeschichtlich bedeutsam, weil sie aus einer möglichen Neuerung eine belastbare Tradition machte.

Der Geigenbau der Zeit war kein bloßes Handwerk im niederen Sinn. Er verband Materialwissen, Geometrie, Akustik, ästhetische Form, soziale Nachfrage und Familienorganisation. Eine Violine musste im Tanz, in der Kirche, im Hof, im städtischen Ensemble und später im zunehmend virtuosen Spiel funktionieren. Sie musste tragfähig, stabil, schön, reparierbar und wiedererkennbar sein. Die Amati-Werkstatt erfüllte diese Anforderungen mit einer bis dahin ungewöhnlichen Konsequenz.

Girolamo lebte in einer Werkstattkultur, in der Autorenschaft anders funktionierte als in der modernen Kunstwelt. Heute sucht man nach individuellen Händen, klaren Namen und eindeutig signierten Werken. Die Amati-Werkstatt arbeitete jedoch in Familienform. Modelle, Schablonen, Werkzeuge, Lackwissen, Maße und Handgriffe wurden gemeinsam genutzt. Deshalb können Instrumente zugleich Antonio und Girolamo nennen und doch stärker von Girolamo, von einem Werkstattgehilfen oder später von Nicolò geprägt sein.

Die Trennung von 1588 macht diesen Befund nicht einfacher, sondern noch interessanter. Obwohl Antonio seinen Anteil abgab, blieb die Brüderformel in der Etikettenpraxis lebendig. Dies zeigt, dass der Familienname selbst eine Marke war. Der Name „Amati“ garantierte Qualität, Herkunft, Modell und Prestige. Die Etikettenform war daher nicht nur eine Signatur, sondern ein kulturelles Kapital.

Cremona profitierte von dieser Markenbildung. Über mehrere Generationen wurde die Stadt mit dem Klang und der Form der Violine verbunden. Die Amati-Werkstatt war für diese Entwicklung grundlegend. Erst später wurden Stradivari und Guarneri zu Namen von noch größerer allgemeiner Bekanntheit; doch ohne die Amati-Tradition wäre ihre Arbeit nicht in derselben Weise denkbar.

Die musikalische Welt um 1600 war im Umbruch. Die ältere Vokalpolyphonie blieb wichtig, doch instrumentale Musik gewann an Eigenständigkeit. Frühbarocke Formen, Tanzsuiten, Opernanfänge, Kirchenkonzerte und höfische Repräsentationsmusik verlangten flexible Streicher. Die Violine war dafür besonders geeignet. Girolamos Werkstatt lieferte Instrumente für diese neue Welt.

Auch die Familie selbst ist ein Kulturmodell. Andrea begründete, Antonio und Girolamo stabilisierten, Nicolò entfaltete. Diese Reihenfolge zeigt, wie Innovation in der Frühen Neuzeit oft funktionierte: nicht als einmalige „Erfindung“, sondern als über Generationen verfeinerte Praxis. Girolamo ist in dieser Kette der entscheidende Bewahrer und Überleiter.

Sein Tod in der Pest von 1630 macht die Verletzlichkeit dieser Kultur sichtbar. Ein einziger Seuchenzug konnte Werkstätten auslöschen, Märkte abbrechen, Familien dezimieren und Traditionslinien beenden. Dass die Amati-Werkstatt überlebte, war kein Automatismus. Nicolò Amatis spätere Bedeutung ist daher auch als Antwort auf die Krise von 1630 zu verstehen.

Girolamo Amati ist somit mehr als eine genealogische Zwischenfigur. Er ist der Meister, der die Amati-Werkstatt durch die Jahrzehnte zwischen Andrea und Nicolò führte, die Modelle seines Vaters verfeinerte, die Brüdertradition in eine eigene Werkstattphase überführte und die Voraussetzungen für die spätere europäische Wirksamkeit der Cremoneser Violine schuf.

Wirkung, Sammlungen und Forschungsstand

Girolamo Amatis Wirkung liegt zunächst in der Bewahrung und Fortentwicklung des Amati-Modells. Er führte die väterliche Formensprache weiter und machte sie für die nächste Generation fruchtbar. Ohne seine Werkstattphase wäre Nicolò Amatis spätere Blüte nicht verständlich.

Seine Instrumente und die seiner Werkstatt sind heute in großen Sammlungen, Auktionsarchiven, musealen Beständen und privaten Sammlungen nachweisbar. Besonders wichtig sind Instrumente mit eigenem Girolamo-Etikett, weil sie in der allgemeinen Brüderetikettenlage seltene Orientierungspunkte bieten. Auch fünfsaitige Bassinstrumente und kleine Violinen sind für die Forschung besonders wertvoll.

Der Forschungsstand bleibt beweglich. Moderne Zuschreibung arbeitet mit Etikettenkritik, Provenienz, Dendrochronologie, Lackanalyse, Röntgen- und CT-Untersuchungen, Maßvergleich, Stilprüfung und Werkstattgeschichte. Gerade bei Girolamo ist Vorsicht notwendig, weil die historische Werkstattmarke und die individuelle Hand nicht immer deckungsgleich sind.

Werkstatt-, Instrumenten- und Quellenverzeichnis

Girolamo Amati war Geigenbauer und kein Komponist. Ein „Werkverzeichnis“ ist daher als Werkstatt-, Instrumenten- und Quellenverzeichnis zu verstehen. Vollständigkeit im strengen Sinn ist nicht möglich, weil viele Instrumente verloren, umgebaut, neu etikettiert, modernisiert oder nur über Provenienz- und Auktionsunterlagen bekannt sind. Die folgende Übersicht unterscheidet dokumentarische Nachweise, Werkstattphasen, Instrumentengattungen, wichtige Einzelinstrumente und Quellenkomplexe.

Dokumentarische Lebens- und Werkstattnachweise

Geburt in Cremona Girolamo Amati wurde um 1550 beziehungsweise nach Bonetti 1561 in Cremona geboren. Die exakte Jahreszahl bleibt unsicher, die Herkunft aus der Amati-Werkstatt Andrea Amatis ist jedoch unstrittig.
Schüler und Mitarbeiter Andrea Amatis Girolamo war zunächst sicher Schüler und Mitarbeiter seines Vaters. Diese Ausbildungsphase erklärt seine enge Bindung an die Andrea-Amati-Modelle.
1577: Tod Andrea Amatis Nach Andrea Amatis Tod übernahmen Antonio und Girolamo die Werkstatt. Damit begann die zweite Amati-Generation im engeren Sinn.
1580: Antonio und Girolamo als Erben Die Brüder werden als Erben des Vaters genannt. Der Nachweis bestätigt die rechtliche und werkstattgeschichtliche Kontinuität.
1588: Antonio überträgt seinen Anteil Antonio übergab beziehungsweise verkaufte seinen Anteil an Haus und Werkstatt an Girolamo. Danach wurde Girolamo zur dominierenden Werkstattfigur.
1607: Tod Antonio Amatis Nach Antonios Tod blieb Girolamo als ältester und wichtigster Werkstattträger der zweiten Generation zurück. Die Brüderetiketten wurden dennoch weiter verwendet.
1630: Tod Girolamos Girolamo starb im Pestjahr 1630 in Cremona, nach verbreiteter Angabe am 2. November, nach Chiesa/Kass im September. Danach übernahm Nicolò Amati die Werkstatt.

Etiketten und Werkstattformeln

Antonius & Hieronymus Amati Die wichtigste Brüderformel der Werkstatt. Sie nennt Antonio und Girolamo gemeinsam und wurde auch nach der Trennung beziehungsweise nach Antonios Tod weiterverwendet.
Andreae fil. Die Formel „Söhne Andreas“ legitimiert die Brüder über den Gründer Andrea Amati. Sie ist eine dynastische Herkunftsangabe und zugleich ein Qualitätszeichen.
Hieronymus Amatus Cremonensis Seltene Etikettenform, die Girolamo allein nennt. Besonders wichtig ist das 1604 datierte kleine Violin-Instrument mit eigenem Girolamo-Etikett.
Fratelli-Amati-Formel Werkstattformel, die die Brüder als gemeinsame Marke erscheinen lässt. Sie ist für Zuschreibung und Provenienz wichtig, darf aber nicht schematisch als gemeinsame Handarbeit verstanden werden.
Cremona / Cremonensis Ortsangabe der Werkstatt. Cremona wird im Etikett zum Herkunfts- und Qualitätsmerkmal der Amati-Instrumente.

Werkstattphasen

Bis 1577: väterliche Werkstatt Girolamo arbeitete in der Werkstatt Andrea Amatis. Die Instrumente dieser Phase sind nur schwer nach Händen zu trennen und stehen unter dem Namen Andrea Amatis beziehungsweise der väterlichen Werkstatt.
1577–1588: Brüderwerkstatt Antonio und Girolamo führten die Werkstatt gemeinsam. In dieser Zeit wurden Andrea Amatis Modelle übernommen, gefestigt und weiterentwickelt.
1588–1607: Girolamos dominierende Werkstattphase bei lebendem Antonio Nach der Teilung blieb Girolamo der zentrale Werkstattträger. Viele Instrumente mit Brüderetikett aus dieser Zeit werden heute eher in Girolamos Verantwortungsbereich gesehen.
1607–1630: Girolamo und der heranwachsende Nicolò Nach Antonio Amatis Tod führte Girolamo die Werkstatt fort. Nicolò Amati trat zunehmend als Mitarbeiter und später als Nachfolger hervor.
Nach 1630: Nicolò Amati Nach Girolamos Tod übernahm Nicolò die Werkstatt und entwickelte die Amati-Tradition zur höchsten Blüte des 17. Jahrhunderts weiter.

Instrumentengattungen

Violine Hauptinstrument der Werkstatt. Girolamos Violinen und die unter Brüderetikett überlieferten Instrumente zeichnen sich durch elegante Formen, feine Wölbung und kultivierten Klang aus.
Kleine Violine Kleinere Violinmodelle sind für die Größenvielfalt der frühen Violinfamilie wichtig. Ein 1604 datiertes kleines Instrument mit Girolamo-Etikett ist besonders bedeutsam.
Viola Die Amati-Werkstatt arbeitete an Mittelstimmeninstrumenten unterschiedlicher Größe. Violen der Brüder- und Girolamo-Tradition sind selten und für die Geschichte der modernen Viola besonders wichtig.
Tenorviola Großes Mittelstimmeninstrument der frühen Violinfamilie. Viele frühe Tenorinstrumente wurden später verkleinert oder gingen verloren, weshalb erhaltene Beispiele quellenkundlich besonders wertvoll sind.
Violoncello und Bassinstrumente Girolamos Werkstatt steht auch mit frühen Bassinstrumenten der Violinfamilie in Verbindung. Besondere Bedeutung hat die Überlieferung eines frühen fünfsaitigen Violoncellos beziehungsweise eines Amati-Bassinstrumentes um 1610.
Fünfsaitiges Violoncello Ein um 1610 datiertes fünfsaitiges Cello im Girolamo-Amati-Kontext zeigt die noch offene Entwicklung der Bassinstrumente vor der späteren Standardisierung auf vier Saiten.

Wichtige Einzelinstrumente und Instrumentenkomplexe

Kleine Violine, Girolamo Amati, Cremona 1604 Instrument mit originalem Etikett Hieronymus Amatus Cremonen. Andreae fil. F. 1604. Es ist besonders wichtig, weil es Girolamo allein nennt und nicht die übliche Brüderformel verwendet.
Violine, Antonio & Girolamo Amati, Cremona 1606 Beispiel einer Brüder-Amati-Zuschreibung aus der späten Antonio-Zeit. Solche Instrumente zeigen die Schwierigkeit, Etikettenformel, Werkstattrealität und individuelle Hand sauber zu trennen.
Violine, Antonio & Girolamo Amati, um 1620 Ein Beispiel für Instrumente, die zwar unter der Brüderbezeichnung firmieren, aber wegen der Entstehungszeit nach der Trennung und nach Antonio Amatis Tod faktisch Girolamos Werkstattphase zuzurechnen sind.
Amaryllis-Fleming-Cello, um 1610–1620 Fünfsaitiges Cello beziehungsweise Bassinstrument im Amati-Kontext. Es ist besonders wichtig für die Entwicklungsgeschichte des Violoncellos, weil es eine seltene frühe fünfsaitige Form dokumentiert.
Kleine Amati-Violinen im National Music Museum Mehrere kleine Amati-Instrumente im Vermillioner Sammlungsumfeld sind für Maßfragen, Originalzustand, Fingerbrett- und Saitenhalterformen sowie frühe Spielpraxis bedeutsam.
Brüder-Amati-Instrumente nach 1588 Große Gruppe von Violinen, Violen und Bassinstrumenten, die mit der Brüderformel überliefert sind. Die neuere Forschung bewertet viele davon als Girolamo-Werkstattarbeiten.
Instrumente um 1625 Bei Instrumenten der späten Girolamo-Zeit ist zusätzlich die Mitarbeit Nicolò Amatis zu prüfen. Viele spätere Instrumente können bereits von Nicolòs wachsender Werkstattrolle geprägt sein.

Form- und Stilmerkmale

Umriss Girolamos Werkstatt bewahrt die harmonische Amati-Form, entwickelt sie aber in Richtung größerer Sicherheit und Eleganz weiter.
Wölbung Die Wölbung ist fein kontrolliert und trägt zum warmen, kultivierten Klangbild der Amati-Instrumente bei.
f-Schalllöcher Die f-Schalllöcher werden in der zweiten Amati-Generation weiter verfeinert und sind ein wichtiges Zuschreibungsmerkmal.
Hohlkehle Die ausgearbeitete Hohlkehle im Randbereich ist für die Brüder-Amati- und Girolamo-Tradition charakteristisch.
Einlage Die Randeinlage ist sorgfältig und elegant gearbeitet. Sie ist zugleich funktionales Schutz- und dekoratives Präzisionselement.
Schnecke Die Schnecken der Amati-Tradition zeigen handwerkliche Kontrolle und stilistische Eleganz. Bei alten Instrumenten muss geprüft werden, ob Schnecke, Hals und Griffbrett original sind.
Lack Der Lack besitzt warme, transparente Qualitäten. Unterschiede in Farbe, Erhaltung und Restaurierungsgeschichte sind für die Zuschreibung relevant.
Innenform Die Cremoneser Innenformtradition ermöglichte reproduzierbare Modelle und erklärt die Werkstattkontinuität von Andrea über Girolamo bis Nicolò.

Genealogische und werkstattgeschichtliche Einordnung

Andrea Amati Vater Girolamos und Gründer der Amati-Werkstatt. Andrea schuf die Grundmodelle, die Girolamo weiterführte.
Antonio Amati Älterer Bruder Girolamos und zunächst Werkstattpartner. Nach der Teilung von 1588 trat Antonio werkstattgeschichtlich zurück.
Nicolò Amati Sohn Girolamos und bedeutendster Vertreter der späteren Amati-Werkstatt. Er übernahm nach der Pest von 1630 die Werkstatt und prägte die nächste Generation des Cremoneser Geigenbaus.
Girolamo II Amati Späterer Vertreter der Familie und letzter bedeutender Träger des Namens Amati im Geigenbau.
Stradivari und Guarneri Spätere Cremoneser Meister, deren Arbeit ohne die von Girolamo und Nicolò weitergeführte Amati-Tradition nicht angemessen zu verstehen ist.

Quellen- und Forschungskomplexe

MGG Online Fachlexikalischer Hauptnachweis zu Girolamo Amati mit Datierungsvarianten, Namensformen, Todesdatumsdiskussion und werkstattgeschichtlicher Einordnung.
Bonetti 1938 Ältere genealogische und quellenkundliche Grundlage zur Amati-Familie; wichtig wegen der von Bonetti genannten Geburtsdatierung 1561.
Chiesa und Kass 1996 Moderne Forschung zur Amati-Familie und zur Datierung von Girolamos Tod, mit abweichender Angabe September 1630.
Tarisio Cozio Archive Instrumenten- und Provenienzdatenbank mit Einträgen zu Antonio & Girolamo Amati, zu Girolamo-Einzelinstrumenten und zu Werkstattzuschreibungen.
National Music Museum Sammlung mit wichtigen Amati-Instrumenten, darunter die kleine Violine von 1604 mit eigenem Girolamo-Etikett.
Metropolitan Museum of Art Institutioneller Kontext zur Amati-Dynastie und zum Erwerb eines seltenen fünfsaitigen Cellos im Girolamo-Amati-Kontext.
Google Arts & Culture / Museo del Violino Überblick zur Cremoneser Geigenbaugeschichte, zur Etikettenpraxis der Andrea-Erben und zur Pestzäsur von 1630.
Ingles & Hayday Fachliche Handels- und Expertisenquelle zur Einschätzung, dass viele Instrumente zwischen 1588 und 1630 trotz Brüderetikett Girolamos Werkstatt zuzurechnen sind.
Roger Hargrave Wichtiger moderner Autor zur Frage der Brüder-Amati-Zuschreibungen und zur problematischen Beziehung von Etikett, Werkstatt und individueller Hand.
Fausto Cacciatori Wichtiger Forscher zur Amati-Genealogie, zur Cremoneser Quellenlage und zur Familiengeschichte der Werkstatt.

Sekundärliteratur

  • Bonetti, Carlo: La genealogia degli Amati liutai e il primato della scuola liutistica cremonese. Cremona 1938. Ältere quellenkundliche Arbeit zur Familie Amati mit wichtiger Datierungstradition zu Girolamo.
  • Cacciatori, Fausto: Il DNA degli Amati. Cremona 2006. Moderne archivalische Studie zur Amati-Familie, zu Werkstattverhältnissen und genealogischen Zusammenhängen.
  • Cacciatori, Fausto, Hrsg.: Andrea Amati Opera Omnia. Les Violons du Roi. Cremona 2007. Zentrale Dokumentation zur Andrea-Amati-Tradition und damit zum Werkstattfundament Girolamos.
  • Chiesa, Carlo, und Kass, Philip J.: Beiträge zur Amati-Familie und zur Datierung Girolamos in der modernen Geigenbauforschung. Wichtig für die abweichende Todesdatierung und die werkstattgeschichtliche Präzisierung.
  • Dilworth, John: „The Violin and Bow. Origins and Development“, in: Robin Stowell, Hrsg.: The Cambridge Companion to the Violin. Cambridge: Cambridge University Press, 1992, S. 1–29. Grundlegender Überblick zur Entwicklung der Violine und zur Stellung der Amati-Familie.
  • Dilworth, John: „Brothers Amati“, in: The Strad, Februar 2008. Spezialbeitrag zur Brüder-Amati-Werkstatt und zur Zuschreibungsproblematik.
  • Drees, Stefan, Hrsg.: Lexikon der Violine. Laaber: Laaber-Verlag, 2004. Deutschsprachiges Fachlexikon zu Violine, Geigenbau, Instrumentengeschichte und wichtigen Meistern.
  • Hargrave, Roger: „The Failure of Brotherly Love?“, in: The Strad, 1993. Wichtiger Beitrag zur Trennung von Antonio und Girolamo Amati sowie zur Etiketten- und Zuschreibungsfrage.
  • Henley, William: Universal Dictionary of Violin & Bow Makers. Brighton: Amati Publishing, 1973. Klassisches Nachschlagewerk zu Geigen- und Bogenmachern mit älteren Zuschreibungstraditionen.
  • Hill, W. Henry; Hill, Arthur F.; Hill, Alfred Ebsworth: Antonio Stradivari. His Life and Work. London: Macmillan, 1902. Historisches Standardwerk zu Stradivari mit Rückblick auf die Amati-Modelle und Cremoneser Werkstatttradition.
  • Jalovec, Karel: Italian Violin Makers. London: Paul Hamlyn, 1964. Überblickswerk zu italienischen Geigenbauern, darunter Amati, Guarneri, Stradivari und verwandte Schulen.
  • Kass, Philip J.: „Nicolò Amati: His Life and Times“, in: Journal of the Violin Society of America 15/2, 1996. Studie zur nachfolgenden Nicolò-Amati-Generation, wichtig für Girolamos Nachfolgegeschichte.
  • Kass, Philip J.: „The Stati d’Anime of S. Faustino in Cremona: Tracing the Amati Family 1641–1686“, in: Journal of the Violin Society of America, 1999. Genealogische und archivalische Studie zur Amati-Familie.
  • Kolneder, Walter: Das Buch der Violine. Bau, Geschichte, Spiel, Pädagogik, Komposition. Zürich/Mainz: Atlantis Musikbuch / Schott, 1993. Deutschsprachiges Grundlagenwerk zur Violine und ihrer historischen Bauentwicklung.
  • Pollens, Stewart: Stradivari. Cambridge: Cambridge University Press, 2010. Studie zu Stradivari, relevant wegen der von Amati geerbten Cremoneser Bauprinzipien.
  • Sacconi, Simone F.: I segreti di Stradivari. Cremona: Libreria del Convegno, 1972. Grundlegende Werkstattstudie zum Cremoneser Geigenbau, deren Voraussetzungen in der Amati-Tradition liegen.
  • Witten, Laurence C.: „The Surviving Instruments of Andrea Amati“, in: Early Music 10, 1982. Wichtige Untersuchung zur Andrea-Amati-Überlieferung und damit zum Werkstattfundament Girolamos.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Andrea Amati (I) Vater Girolamos, Begründer der Amati-Werkstatt und formbildende Ausgangsfigur des Cremoneser Geigenbaus.
  • Antonio Amati Älterer Bruder Girolamos und zunächst Mitträger der Brüder-Amati-Werkstatt.
  • Antonio & Girolamo Amati Gemeinsames Werkstattlemma zu den Brüdern Amati und ihrer schwer trennbaren Instrumentenproduktion.
  • Amati-Familie Cremoneser Geigenbaudynastie von Andrea über Antonio, Girolamo und Nicolò bis zur späten Familienlinie.
  • Nicolò Amati Sohn Girolamos und bedeutendster Vertreter der späteren Amati-Werkstatt.
  • Antonio Stradivari Späterer Cremoneser Meister, dessen Arbeit auf der Amati-Tradition aufbaut.
  • Barockvioline Historische Spiel- und Bauform der Violine, die aus der frühen Amati-Tradition hervorgeht.
  • Brüdermarke im Instrumentenbau Werkstatt- und Etikettenform, bei der mehrere Familienmitglieder gemeinsam auftreten.
  • Cremona Lombardische Stadt und Zentrum des klassischen italienischen Geigenbaus.
  • Cremoneser Geigenbau Handwerks- und Klangtradition, die durch die Amati-Familie begründet und später durch Stradivari und Guarneri berühmt wurde.
  • f-Schallloch Charakteristische Deckenöffnung der Violine, deren Form in der Amati-Tradition verfeinert wurde.
  • Fünfsaitiges Violoncello Frühe Bassinstrumentenform, die im Girolamo-Amati-Kontext besonders wichtig ist.
  • Geigenbau Handwerkskunst des Baus von Violinen, Violen, Violoncelli und verwandten Streichinstrumenten.
  • Geigenbauer Beruf und Werkstattrolle, die Girolamo Amati innerhalb der Cremoneser Tradition ausübte.
  • Girolamo II Amati Späterer Vertreter der Amati-Familie und letzter bedeutender Träger des Namens im Cremoneser Geigenbau.
  • Guarneri-Familie Cremoneser Geigenbauerfamilie, deren Entwicklung aus dem Amati-Umfeld heraus verständlich wird.
  • Hohlkehle im Geigenbau Vertiefte Randzone von Decke und Boden, die bei Amati-Instrumenten als wichtiges Stilmerkmal gilt.
  • Innenform Werkstattmittel des Cremoneser Geigenbaus zur reproduzierbaren Formung von Zargen und Umriss.
  • Instrumentenzettel Etikett im Inneren historischer Streichinstrumente, für Girolamo-Amati-Zuschreibungen besonders wichtig und problematisch.
  • Lack im Geigenbau Oberflächenbehandlung, Schutzschicht und ästhetisches Erkennungsmerkmal Cremoneser Instrumente.
  • Lautenbau Älterer Saiteninstrumentenbau, aus dessen handwerklichem Umfeld der frühe Geigenbau hervorging.
  • Museo del Violino Cremona Zentraler Museums- und Erinnerungsort des Cremoneser Geigenbaus.
  • National Music Museum Sammlung in Vermillion mit wichtigen Amati-Instrumenten, darunter eine kleine Girolamo-Amati-Violine von 1604.
  • Pest von 1630 Historischer Einschnitt, der Girolamos Tod und den Übergang zu Nicolò Amati markiert.
  • Provenienz historischer Instrumente Herkunfts- und Besitzgeschichte, die für Amati-Instrumente und ihre Zuschreibung entscheidend ist.
  • Rugeri-Familie Weitere Cremoneser Geigenbauerfamilie im Umfeld der Amati- und Stradivari-Tradition.
  • Schnecke im Geigenbau Wirbelkastenabschluss der Violine und wichtiges Stilmerkmal historischer Geigenbauer.
  • Viola Mittelstimmeninstrument der Violinfamilie, dessen frühe Formen in der Amati-Werkstatt weiterentwickelt wurden.
  • Violine Hauptinstrument der Violinfamilie und zentrales Produkt der Amati-Werkstatt.
  • Violinfamilie Instrumentengruppe aus Violine, Viola, Violoncello und verwandten Bassinstrumenten.
  • Violoncello Bassinstrument der Violinfamilie, dessen frühe Werkstattformen im Amati-Kontext besonders wichtig sind.
  • Werkstatttradition Überlieferung von Formen, Werkzeugen, Techniken und Modellen innerhalb einer Familie oder Schule.
  • Wölbung im Geigenbau Form von Decke und Boden, die bei Amati-Instrumenten für Klang und Zuschreibung wichtig ist.