Aaskrähe

Aaskrähe ist eine deutsche Vogelbezeichnung für mittelgroße Rabenvögel des Corvus-corone-Komplexes. Traditionell werden unter diesem Namen insbesondere die vollständig schwarze Rabenkrähe und die grau-schwarz gefärbte Nebelkrähe zusammengefasst. Je nach zugrunde gelegter zoologischer Taxonomie werden diese entweder als verschiedene Arten oder als geographisch und farblich unterschiedliche Formen beziehungsweise Unterarten einer einzigen Art Corvus corone behandelt. Der Name Aaskrähe verweist auf die regelmäßige Aufnahme von Aas, darf aber nicht dahin missverstanden werden, dass diese Krähen spezialisierte Aasfresser seien: Sie sind äußerst anpassungsfähige Allesfresser. Grammatisch ist Aaskrähe ein feminines Substantiv: die Aaskrähe, Genitiv der Aaskrähe, Plural die Aaskrähen.

Lexikon

Die Bezeichnung Aaskrähe besitzt einen ungewöhnlich beweglichen zoologischen Bedeutungsumfang. Im allgemeinen deutschen Wortschatz bezeichnet sie einen Rabenvogel, zu dessen Nahrung unter anderem Aas gehört; lexikographisch werden insbesondere Rabenkrähe und Nebelkrähe darunter zusammengefasst. In der Ornithologie hängt die genaue Bedeutung jedoch davon ab, welches taxonomische System verwendet wird. Das Wort kann eine Art, eine Artengruppe oder einen traditionellen Oberbegriff für zwei äußerlich deutlich verschiedene Krähenformen bezeichnen.

Dieser schwankende Gebrauch ist kein bloßes terminologisches Versehen, sondern spiegelt eine lange wissenschaftliche Diskussion wider. Die vollständig schwarze Rabenkrähe und die grau-schwarze Nebelkrähe sind einander in Körperbau, Stimme, Verhalten und Ökologie außerordentlich ähnlich. Wo ihre Verbreitungsgebiete zusammentreffen, können sie sich miteinander verpaaren und fruchtbare Nachkommen hervorbringen. Zugleich bleiben die charakteristischen Gefiederformen über große geographische Räume bemerkenswert stabil.

Carl von Linné beschrieb 1758 die beiden Formen zunächst als eigenständige Arten: die schwarze Form als Corvus corone und die grau-schwarze Form als Corvus cornix. Später wurden sie häufig zu einer einzigen Art zusammengeführt. In diesem Modell hieß die schwarze westliche Form Corvus corone corone, während die Nebelkrähe als Corvus corone cornix behandelt wurde.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts setzte sich in zahlreichen ornithologischen Listen erneut die Auffassung durch, Raben- und Nebelkrähe als zwei eigenständige Arten zu behandeln. Dabei hieß die schwarze Rabenkrähe Corvus corone, die Nebelkrähe Corvus cornix. Auch deutschsprachige Rote Listen, Vogelatlanten und Artenporträts wurden vielfach nach diesem System aufgebaut.

Mit der Veröffentlichung der global harmonisierten Vogelliste AviList im Jahr 2025 änderte sich die Situation erneut. Diese Taxonomie fasst die Nebelkrähe wieder mit der Rabenkrähe zu Corvus corone zusammen. Nach diesem Modell kann die traditionelle Bezeichnung Aaskrähe besonders treffend für die gesamte Art verwendet werden, innerhalb derer schwarze und grau-schwarze Formen beziehungsweise Unterarten unterschieden werden.

Für ein deutsches Lexikon ist es deshalb sinnvoll, nicht einfach eine einzige taxonomische Auffassung als zeitlos gültig darzustellen. Präziser ist die Feststellung, dass Aaskrähe traditionell den eng verwandten Komplex aus Rabenkrähe und Nebelkrähe bezeichnet und dass deren taxonomischer Rang im Laufe der Wissenschaftsgeschichte mehrfach verändert wurde.

Die beiden auffälligsten europäischen Formen lassen sich äußerlich leicht unterscheiden. Die Rabenkrähe besitzt ein vollständig schwarzes Gefieder. Bei günstigem Licht können die Federn einen schwachen blauen, grünen oder violetten Metallglanz zeigen. Schnabel, Beine und Füße sind ebenfalls schwarz, die Augen erwachsener Tiere dunkel.

Die Nebelkrähe besitzt grundsätzlich denselben Körperbau, ist aber zweifarbig. Kopf, Kehle, Brustlatz, Flügel, Schwanz und Teile der Beine beziehungsweise Schenkelregion erscheinen schwarz, während Rumpf, Rücken und große Bereiche der Unterseite grau bis aschgrau gefärbt sind.

Diese unterschiedliche Gefiederfärbung ist das auffälligste äußere Merkmal, das beide Formen voneinander trennt. Körpergröße, Proportionen, Schnabelform und Lautäußerungen stimmen dagegen weitgehend überein. Deshalb waren Raben- und Nebelkrähe für die biologische Diskussion über Artbegriffe, Hybridisierung und populationsgenetische Differenzierung von besonderem Interesse.

Aaskrähen erreichen ungefähr 45 bis 50 Zentimeter Körperlänge und wiegen häufig um 500 Gramm. Die Flügelspannweite kann sich einem Meter nähern. Männchen und Weibchen besitzen grundsätzlich dieselbe Gefiederzeichnung; die Männchen sind durchschnittlich etwas größer und schwerer, ohne dass sich das Geschlecht eines einzelnen Vogels allein anhand der Färbung zuverlässig bestimmen ließe.

Der kräftige Schnabel ist dunkel und an seiner Basis befiedert. Dieses Merkmal hilft insbesondere bei der Unterscheidung von der Saatkrähe. Erwachsene Saatkrähen besitzen um die Schnabelbasis eine auffällige helle, unbefiederte Hautpartie, während bei der Raben- beziehungsweise Aaskrähe die dunklen Federn bis an die Schnabelbasis reichen.

Auch vom Kolkraben unterscheidet sich die Aaskrähe deutlich. Der Kolkrabe ist größer und kräftiger, besitzt einen massiveren Schnabel, stärker zottelige Kehlfedern und im Flug einen eher keilförmigen Schwanz. Der Schwanz der Rabenkrähe wirkt dagegen stärker gerade beziehungsweise gerundet und nicht ausgeprägt keilförmig.

Die Dohle ist erheblich kleiner. Sie besitzt einen kürzeren Schnabel, einen grau wirkenden Hinterkopf beziehungsweise Nacken und bei erwachsenen Tieren auffallend helle Augen. Trotz ihrer ebenfalls überwiegend dunklen Färbung lässt sie sich bei guter Sicht deshalb zuverlässig von einer Aaskrähe unterscheiden.

Der Name Aaskrähe kann leicht den falschen Eindruck erwecken, Aas stelle den hauptsächlichen oder ausschließlichen Nahrungsbestandteil dar. Tatsächlich gehört die Art zu den ausgesprochen vielseitigen Omnivoren. Was gefressen wird, hängt stark von Jahreszeit, Lebensraum und verfügbarer Nahrung ab.

Zum Nahrungsspektrum gehören Insekten, deren Larven, Regenwürmer, Schnecken, andere wirbellose Tiere, kleine Säugetiere, Fische, Amphibien und gelegentlich andere kleine Wirbeltiere. Hinzu kommen Eier und Jungvögel, Getreide, Samen, Früchte, Nüsse, menschliche Speiseabfälle und eben Aas.

Der Vogel ist damit ein typischer Nahrungsopportunist. Er spezialisiert sich nicht dauerhaft auf eine einzige Ressource, sondern nutzt jene Nahrung, die sich mit vertretbarem Aufwand erreichen lässt. Gerade diese Flexibilität gehört zu den wichtigsten Gründen für seinen Erfolg in stark vom Menschen veränderten Landschaften.

Auf landwirtschaftlichen Flächen suchen Aaskrähen häufig zu Fuß nach Nahrung. Sie schreiten über Äcker, gemähte Wiesen und Viehweiden und lesen Insekten, Würmer, Samen und andere Nahrungsbestandteile vom Boden auf. Mit ihrem kräftigen Schnabel können sie im Boden, in Pflanzenresten oder unter lockerem Material suchen.

Nach landwirtschaftlichen Arbeiten können sie besonders zahlreich erscheinen. Pflügen, Mähen und Bodenbearbeitung machen zuvor verborgene Wirbellose und Kleintiere leichter erreichbar. Die Vögel lernen solche Zusammenhänge und können Maschinen beziehungsweise menschliche Tätigkeiten als Hinweis auf ein verbessertes Nahrungsangebot nutzen.

In Städten erschließen Aaskrähen andere Ressourcen. Sie untersuchen Abfallbehälter, Grünanlagen, Straßenränder, Parks und Plätze, nehmen weggeworfene Lebensmittel auf und nutzen Verkehrsopfer als Aas. Ihre Fähigkeit, neue Situationen zu beobachten und rasch mit Nahrung zu verbinden, erleichtert die Besiedlung urbaner Lebensräume.

Die Nutzung von Aas ist für einen Allesfresser energetisch günstig. Ein bereits totes Tier muss nicht verfolgt und überwältigt werden. Allerdings kann die Nutzung von Straßenopfern selbst gefährlich sein, weil die Krähe dabei in den Verkehrsraum gelangt.

Der Namensbestandteil Aas- beschreibt daher eine auffällige, aber keineswegs alleinige Ernährungsweise. Ein wissenschaftlich präziserer Ausdruck für die gesamte Ernährungsstrategie wäre Allesfresser.

Die Vorstellung, Aaskrähen seien hauptsächlich „Nestplünderer“, ist ebenfalls zu vereinfachend. Krähen nehmen tatsächlich Eier und Jungvögel anderer Vögel auf, wenn sich die Gelegenheit bietet. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass sie auf Landschaftsebene die Bestände gewöhnlicher Singvogelarten kontrollieren oder deren Rückgänge verursachen.

Bestandsentwicklungen von Vögeln werden von zahlreichen Faktoren bestimmt, darunter Lebensraumqualität, Nahrungsverfügbarkeit, landwirtschaftliche Nutzung, Witterung, Krankheit, Konkurrenz und verschiedene Formen der Prädation. Das gelegentliche Auffinden eines von Krähen geplünderten Nestes reicht deshalb nicht aus, um größere Populationsentwicklungen ursächlich zu erklären.

Auch ökologisch besitzt die Aasaufnahme positive Funktionen. Durch das Fressen kleiner Kadaver und Tierüberreste führen Krähen organische Stoffe wieder in lebende Nahrungsnetze zurück. Sie gehören damit neben spezialisierten Aasfressern, Säugetieren, Insekten und Mikroorganismen zur Gemeinschaft der Organismen, die tote Biomasse nutzen.

Die Lebensräume der Aaskrähe sind äußerst vielfältig. Bevorzugt werden offene und halboffene Landschaften mit einer Kombination aus geeigneten Nahrungsflächen und höheren Strukturen für Nestbau und Beobachtung. Dazu gehören Ackerlandschaften, Grünland, Feldgehölze, Waldränder, Flussauen, Küstengebiete, Parks, Dörfer und Städte.

Dichte geschlossene Wälder sind weniger charakteristisch, weil die Krähen einen großen Teil ihrer Nahrung am Boden offener Flächen suchen. Einzelne hohe Bäume, Baumgruppen, Gehölzränder und zunehmend auch menschliche Bauwerke bieten dagegen geeignete Standorte für Nester.

In urbanen Räumen können hohe Bäume in Parks, Friedhöfen, Alleen und Wohngebieten als Brutplätze dienen. Die unmittelbare Nähe zum Menschen wird toleriert, sofern Nahrung und geeignete Nistmöglichkeiten vorhanden sind.

Diese Fähigkeit zur Nutzung menschlicher Siedlungen macht die Aaskrähe zu einem typischen Beispiel für Synanthropie. Der Vogel ist nicht vom Menschen domestiziert und keineswegs ausschließlich an Städte gebunden, kann aber von bestimmten anthropogenen Landschaftsstrukturen erheblich profitieren.

Das europäische Verbreitungsmuster der schwarzen und grau-schwarzen Formen ist besonders bemerkenswert. Die Rabenkrähenform dominiert weite Teile West- und Südwesteuropas. Die Nebelkrähenform ist insbesondere in Nord-, Ost- und Südosteuropa verbreitet. Zwischen diesen Gebieten verlaufen vergleichsweise schmale Hybridzonen.

Deutschland wird von einer solchen Kontaktzone berührt beziehungsweise durchzogen. Vereinfacht wird häufig gesagt, westlich beziehungsweise südwestlich der Elbe dominiere die schwarze Rabenkrähe, östlich beziehungsweise nordöstlich die Nebelkrähe. Die tatsächliche Hybridzone ist jedoch kein exakt dem Flusslauf folgender Grenzstrich, sondern ein breiterer biologischer Übergangsraum.

In diesem Raum kommen rein schwarz gefärbte Vögel, typische Nebelkrähen und unterschiedlich gefärbte Hybriden vor. Mischformen können beispielsweise grau-schwarze Gefiedermuster zeigen, die nicht der klassischen Zeichnung einer Nebelkrähe entsprechen.

Die Hybridzonen erstrecken sich nicht nur durch Deutschland. Vergleichbare Kontaktgebiete bestehen beziehungsweise bestanden in verschiedenen Teilen Europas und Asiens. Sie entstanden wahrscheinlich dadurch, dass Populationen während eiszeitlicher Klimaphasen voneinander getrennt wurden und später erneut aufeinandertrafen.

Die Raben- und Nebelkrähen gehören deshalb zu den klassischen Modellsystemen der Evolutionsbiologie. An ihnen lässt sich untersuchen, wie sich Populationen trotz fortbestehenden Genflusses äußerlich voneinander unterscheiden können und welche Mechanismen solche Unterschiede erhalten.

Genetische Untersuchungen zeigen, dass die äußerlich auffällige Gefiederdifferenz nicht mit einer ebenso starken Trennung des gesamten Genoms einhergehen muss. Große Teile des Erbguts können zwischen den Populationen ausgetauscht werden, während vergleichsweise begrenzte genomische Regionen, die an der Pigmentierung beteiligt sind, stärkere Unterschiede aufweisen.

Unter den in diesem Zusammenhang untersuchten Faktoren befindet sich das Gen NDP, dessen Regulation mit Unterschieden der Melaninbildung im Gefieder verbunden ist. Die Krähen zeigen damit anschaulich, dass ein sehr auffälliger äußerer Unterschied biologisch mit relativ begrenzten genetischen Veränderungen verbunden sein kann.

Zusätzlich spielt assortative Paarung eine Rolle: Vögel wählen überdurchschnittlich häufig Partner, die dem eigenen Gefiedertyp ähneln. Eine vollständige Fortpflanzungsbarriere besteht jedoch nicht, denn Mischpaare und fruchtbare Hybriden kommen vor.

Gerade diese Kombination erklärt die wechselnde taxonomische Bewertung. Wer das Vorhandensein fruchtbarer Hybriden und erheblichen Genflusses betont, kann gute Gründe dafür sehen, Raben- und Nebelkrähe als Formen einer einzigen Art aufzufassen. Wer dagegen die über große Räume stabilen Gefiederformen, assortative Paarung und die relativ schmalen Kontaktzonen stärker gewichtet, kann eine Trennung in zwei Arten vertreten.

Die Bezeichnung Aaskrähe ist deshalb lexikographisch ausgesprochen nützlich, weil sie unabhängig von der jeweiligen taxonomischen Detailentscheidung auf den gesamten eng verwandten Formenkreis bezogen werden kann.

Außerhalb Europas existieren weitere Populationen des Corvus-corone-Komplexes. Je nach taxonomischem System werden auch ostasiatische schwarze Formen und weitere regionale Populationen als Unterarten, Artengruppen oder eigenständige Taxa behandelt. Die genaue Untergliederung hat sich ebenso wie die europäische Artgrenze im Verlauf der ornithologischen Forschung verändert.

Systematisch gehören Aaskrähen zur Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes), zur Gruppe der Singvögel und zur Familie der Rabenvögel (Corvidae). Dass eine Krähe biologisch ein Singvogel ist, wirkt wegen ihrer rauen Stimme zunächst überraschend, beruht aber auf anatomischen und stammesgeschichtlichen Merkmalen des Stimmapparates und der entsprechenden Verwandtschaftsgruppe.

Die Gattung Corvus umfasst Raben und Krähen verschiedener Kontinente. Zu ihr gehören neben dem Corvus-corone-Komplex unter anderem Kolkrabe, Saatkrähe und zahlreiche außereuropäische Arten.

Aaskrähen besitzen einen weithin bekannten rauen Ruf, der gewöhnlich mit „krah“, „kraa“ oder ähnlichen Lautfolgen wiedergegeben wird. Gerade dieser Ruf ist auch für die Wortgeschichte von Krähe wichtig, denn der Vogelname gilt als lautmalerisch.

Das Lautrepertoire ist jedoch umfangreicher als das weithin hörbare Krächzen. Je nach sozialem Zusammenhang äußern Krähen leisere Kontaktlaute, Warnrufe, Bettelrufe und verschieden strukturierte Lautfolgen. Auch die Fähigkeit zur Lautvariation und gelegentlichen Imitation gehört zum Verhaltensspektrum der Rabenvögel.

Die soziale Organisation verändert sich mit Alter und Fortpflanzungsstatus. Brutpaare besetzen und verteidigen Territorien. Nichtbrütende junge und erwachsene Tiere können sich dagegen in größeren Gruppen zusammenschließen und gemeinsam ergiebige Nahrungsplätze oder Schlafplätze nutzen.

Besonders außerhalb der Brutzeit entstehen mitunter große gemeinsame Schlafgemeinschaften. Der gemeinsame Aufenthalt kann Informationsgewinn, Schutz und soziale Interaktion ermöglichen, obwohl die genaue Funktion je nach Population und Situation unterschiedlich sein kann.

Innerhalb eines Brutreviers leben die Partner meist monogam. Paare können über mehrere Jahre zusammenbleiben und dasselbe Revier wiederholt nutzen. Geeignete Brutplätze und die Kenntnis lokaler Nahrungsquellen machen ein etabliertes Territorium wertvoll.

Die Balz wird in Mitteleuropa besonders im Frühjahr auffällig. Flugspiele, Rufe, gegenseitige Annäherung und Fütterungen gehören zum sozialen Verhalten eines Paares.

Das Nest ist ein kräftiger Bau aus Ästen und Zweigen. Es wird gewöhnlich hoch in einem Baum angelegt, kann aber je nach Landschaft auch auf Masten, Gebäuden, Felsen oder anderen erhöhten Strukturen entstehen. Innen wird es mit feineren Pflanzenbestandteilen, Haaren, Wolle und anderem weicherem Material ausgekleidet.

Das Gelege umfasst gewöhnlich mehrere Eier, häufig etwa drei bis sechs. Die Eier sind meist bläulich bis grünlich grundiert und dunkel gefleckt. Das Weibchen übernimmt den größten Teil beziehungsweise die eigentliche Brut, während das Männchen Nahrung heranschafft und das Revier mitverteidigt.

Die Brutdauer liegt ungefähr bei drei Wochen. Nach dem Schlupf bleiben die Jungvögel noch etwa einen Monat im Nest. Auch nach dem Ausfliegen sind sie zunächst weiterhin von den Eltern abhängig und werden noch mehrere Wochen gefüttert und geführt.

Unter günstigen Bedingungen ziehen Aaskrähen gewöhnlich eine Jahresbrut auf. Geht ein Gelege früh verloren, kann ein Ersatzgelege beziehungsweise eine Ersatzbrut folgen.

Die jungen Vögel besitzen zunächst matteres Gefieder und andere feine Merkmale als alte Tiere. Bei vollständig schwarzen Rabenkrähen ist das Gefieder junger Tiere häufig weniger glänzend, und auch die Augenfarbe kann sich während der Entwicklung verändern.

Rabenvögel gehören zu den kognitiv besonders leistungsfähigen Vogelgruppen. Auch Aaskrähen können komplexe Probleme lösen, individuelle Erfahrungen nutzen, Nahrung verstecken und deren Lage später wiederfinden sowie das Verhalten anderer Tiere aufmerksam beobachten.

Das Verstecken von Nahrung besitzt dabei eine wichtige Funktion. Überschüssige Nahrung kann in Boden, Vegetation oder anderen geeigneten Verstecken deponiert und später wieder aufgesucht werden. Solches Verhalten erfordert räumliches Gedächtnis und flexible Anpassung an mögliche Konkurrenten.

Rabenkrähen wurden außerdem dabei beobachtet, harte Nahrungsgegenstände wie Nüsse oder Muscheln fallenzulassen, um sie zu öffnen. In Städten können einzelne Tiere menschliche Infrastruktur in ihre Nahrungssuche einbeziehen. Solche Verhaltensweisen entstehen nicht als überall identische angeborene Programme, sondern können lokal gelernt und weitergegeben werden.

Die hohe Lernfähigkeit erklärt zum Teil den Erfolg in Städten. Ein Tier, das auf Veränderungen flexibel reagieren und zwischen gefährlichen und ungefährlichen menschlichen Situationen unterscheiden kann, besitzt dort Vorteile gegenüber stärker spezialisierten Arten.

Menschen und Krähen leben seit sehr langer Zeit in engem räumlichem Kontakt. Landwirtschaft erzeugte offene Nahrungsflächen, Siedlungen boten Abfälle und hohe Nistplätze, während menschliche Jagd und Verfolgung zugleich eine erhebliche Gefahr darstellten.

Diese widersprüchliche Beziehung prägt den kulturellen Ruf der Krähen. Einerseits gelten sie als außergewöhnlich klug, aufmerksam und anpassungsfähig; andererseits wurden sie mit Tod, Unglück, Aas und Verwüstung verbunden.

Der Bestandteil Aas- im Namen Aaskrähe verstärkt gerade diese kulturell negative Assoziation. Aus biologischer Sicht besitzt die Aufnahme eines Kadavers jedoch keinerlei negative Wertung. Sie ist lediglich eine energetisch sinnvolle Nutzung verfügbarer Nahrung.

Die Benennung unterscheidet sich insofern von Aasgeier oder Aasfresser. Bei spezialisierten Geiern kann Aas den wesentlichen Teil der Ernährung ausmachen. Die Aaskrähe dagegen ist ein ausgeprägter Allesfresser, dessen Nahrungsspektrum wesentlich breiter ist.

Die ökologische Anpassungsfähigkeit erklärt auch, warum Aaskrähen in intensiv genutzten Kulturlandschaften und Städten vergleichsweise gut bestehen können. Diese Robustheit bedeutet allerdings nicht, dass jede Population überall gleich dicht oder von Umweltveränderungen unbeeinflusst wäre.

Auch die häufig verwendete Vorstellung einer grenzenlosen Bestandszunahme muss regional geprüft werden. Bestände werden durch Nahrungsangebot, verfügbare Brutreviere, innerartliche Konkurrenz, Krankheiten, menschliche Verfolgung und zahlreiche weitere Faktoren begrenzt.

Territoriale Brutpaare können selbst eine hohe lokale Siedlungsdichte verhindern, indem sie andere fortpflanzungsfähige Tiere aus ihrem Revier vertreiben. Viele auffällige Krähenansammlungen bestehen daher aus Nichtbrütern und erlauben keinen unmittelbaren Rückschluss auf die Zahl der Brutpaare.

Das ist für die Wahrnehmung in Städten und Agrarlandschaften bedeutsam. Ein Schwarm von hundert Krähen kann spektakulär wirken, entspricht aber nicht hundert gleichzeitig brütenden Paaren. Sozialstruktur und Populationsstruktur müssen auseinandergehalten werden.

Die Rabenkrähe beziehungsweise der gesamte Corvus-corone-Komplex gilt international nicht als global bedroht. Regional können Schutzstatus und rechtliche Behandlung jedoch unterschiedlich sein. Naturschutzrecht, Jagdrecht und zulässige Eingriffe richten sich nach den jeweiligen nationalen und regionalen Vorschriften und sind deshalb nicht aus dem bloßen biologischen Namen abzuleiten.

Sprachlich ist Aaskrähe feminin. Die Formen lauten die Aaskrähe, der Aaskrähe, der Aaskrähe, die Aaskrähe; der Plural lautet Aaskrähen.

Die Worttrennung lautet Aas|krä|he. Beide Glieder bleiben semantisch deutlich erkennbar: Aas bezeichnet totes tierisches Material, Krähe den Rabenvogel.

Anders als bei Aasee oder Aaschlucht ist die Buchstabenfolge Aas- hier tatsächlich als das Substantiv Aas zu analysieren. Aasee besteht aus Aa + See und Aaschlucht aus Aa + Schlucht; Aaskrähe dagegen aus Aas + Krähe.

Mit der grönländischen Stadt Aasiaat besteht ebenfalls keinerlei sachlicher oder etymologischer Zusammenhang. Die Ähnlichkeit der Anfangsbuchstaben ist zufällig. Aasiaat ist ein grönländischer Ortsname; Aaskrähe eine deutsche Tierbezeichnung.

Auch mit dem Familiennamen Aall besteht keine sprachgeschichtliche Beziehung. Die alphabetische Nähe der Lemmen ist für ihre Herkunft bedeutungslos.

Für einen gegenwärtigen Lexikoneintrag lässt sich Aaskrähe somit am präzisesten als traditionelle und weiterhin gebräuchliche Bezeichnung für den Corvus-corone-Komplex erklären, insbesondere für die schwarze Rabenkrähe und die grau-schwarze Nebelkrähe. Je nach taxonomischer Konvention werden diese als Formen einer Art oder als eng verwandte Arten behandelt.

Etymologie

Aaskrähe ist ein transparentes deutsches Determinativkompositum aus Aas und Krähe. Die unmittelbare Wortbedeutung lautet „Krähe, die Aas frisst“.

Die morphologische Gliederung lautet Aas + Krähe → Aaskrähe. Das Grundwort Krähe bestimmt die Sachklasse und das grammatische Geschlecht: Eine Aaskrähe ist eine Krähe, und weil es die Krähe heißt, lautet auch das zusammengesetzte Wort die Aaskrähe.

Zwischen beiden Bestandteilen befindet sich kein besonderes Fugenelement. Das Substantiv Aas wird unmittelbar mit Krähe verbunden.

Der erste Bestandteil Aas besitzt eine weit zurückreichende Geschichte. Im heutigen Deutschen bezeichnet das Wort vor allem einen verendeten Tierkörper beziehungsweise totes tierisches Gewebe, das anderen Tieren als Nahrung dienen kann.

Historisch sind im neuhochdeutschen Aas ältere Formen aus dem Bedeutungsfeld „Essen, Speise, Futter, Fraß“ zusammengefallen. Althochdeutsch und mittelhochdeutsch āʒ bezeichnete Nahrung beziehungsweise Futter; daneben bestand mittelhochdeutsch ās für Fleisch, das insbesondere als Tierfutter verwendet wurde, und schließlich für Aas im engeren Sinn.

Die Wortfamilie steht in engem Zusammenhang mit essen. Die heutige Bedeutung „Kadaver eines Tieres“ ist damit das Ergebnis einer langen Bedeutungsverengung aus einem ursprünglich weiteren Nahrungswort.

Dieselben historischen Zusammenhänge erklären Wörter wie aasen, Aasaufnahme, Aasfresser, Aasgeier und Aasgeruch.

In Aaskrähe besitzt Aas eindeutig die zoologische Bedeutung eines toten Tieres beziehungsweise einer aus einem Kadaver stammenden Nahrungsressource. Anders als bei manchen anderen Wörtern des alphabetischen Umfeldes handelt es sich hier tatsächlich um das vollständige Wort Aas.

Das Grundwort Krähe ist ebenfalls sehr alt. Althochdeutsch sind seit dem 9. Jahrhundert Formen wie krâa, krâha und krâja belegt. Mittelhochdeutsch erscheinen unter anderem krâ, krâwe und verwandte Formen.

Die Bezeichnung gilt als lautmalerisch. Sie ahmt den charakteristischen rauen Ruf des Vogels nach. Die Krähe wäre damit wortgeschichtlich ungefähr die „Krächzerin“ beziehungsweise der Vogel, dessen Ruf als kra, krah oder ähnlich wahrgenommen wird.

Diese Lautnachahmung ist noch im heutigen deutschen Sprachgefühl nachvollziehbar. Der typische Ruf von Raben- und Nebelkrähe wird häufig schriftlich als krah, kraa oder kräh wiedergegeben.

Zur selben historischen lautmalerischen Wortfamilie gehört das Verb krähen. Althochdeutsch ist krāen, mittelhochdeutsch kræjen beziehungsweise kræn belegt. Ursprünglich war das Verb nicht ausschließlich auf den Ruf des Hahnes beschränkt.

Auch englisch crow und niederländisch kraai beziehungsweise kraaien gehören in denselben westgermanischen lautmalerischen Zusammenhang. Die Ähnlichkeit dieser Wörter spiegelt somit alte sprachgeschichtliche Verwandtschaft und die gemeinsame Nachahmung rauer Vogelrufe.

Die Gesamtbildung Aaskrähe charakterisiert den Vogel nach seiner Nahrung. Das Muster entspricht zahlreichen deutschen Tiernamen, bei denen das erste Glied einen typischen Nahrungsbestandteil bezeichnet, etwa Fischadler, Mäusebussard oder Insektenfresser.

Die Bezeichnung ist allerdings biologisch nicht als Aussage zu verstehen, dass Aas die ausschließliche oder auch nur notwendigerweise wichtigste Nahrung darstellt. Aaskrähen sind ausgeprägte Allesfresser. Die Namensbildung hebt lediglich eine für Menschen auffällige Verhaltensweise hervor.

Tiernamen bewahren häufig solche selektiven Beobachtungen. Ein einzelnes besonders auffälliges Verhalten kann zum Benennungsmotiv werden, obwohl es nur einen Teil der gesamten Biologie der Art beschreibt.

Das gilt auch für die englische Bezeichnung carrion crow. Carrion bezeichnet dort Aas beziehungsweise verwesendes Tierfleisch. Die deutsche und englische Benennung wirken daher semantisch sehr ähnlich, auch wenn ihre einzelnen Wörter unterschiedliche Sprachgeschichten besitzen.

Der wissenschaftliche Name Corvus corone enthält dagegen zwei alte klassische Vogelbezeichnungen. Lateinisch corvus bedeutet „Rabe“, während corone auf griechisch korōnē zurückgeht, ein Wort für eine Krähe beziehungsweise einen Rabenvogel.

Der wissenschaftliche Name kann daher sinngemäß als eine Verbindung aus „Rabe“ und „Krähe“ verstanden werden. Er sagt anders als Aaskrähe nichts unmittelbar über das Fressen von Aas aus.

Die Nebelkrähe wurde von Carl von Linné als Corvus cornix beschrieben. Lateinisch cornix bedeutet ebenfalls „Krähe“. Die wissenschaftliche Nomenklatur des Komplexes greift somit mehrfach auf klassische Wörter für Krähen und Raben zurück.

Der Bestandteil Aas- darf nicht mit dem Gewässernamen Aa verwechselt werden. In Aasee lautet die Wortgliederung Aa + See, in Aaschlucht Aa + Schlucht. Dort entsteht die Buchstabenfolge Aas- lediglich an der Grenze zweier Wortbestandteile.

Bei Aaskrähe lautet die Segmentierung dagegen zweifelsfrei Aas + Krähe. Das s gehört zum ersten Bestandteil und ist Teil des Substantivs Aas.

Mit dem grönländischen Ortsnamen Aasiaat besteht ebenfalls keinerlei Zusammenhang. Eine Interpretation der Aaskrähe als grönländischen Ortsnamen oder als Ableitung von Aasiaat wäre sprachgeschichtlich ausgeschlossen.

Die Wortgeschichte lässt sich damit präzise zusammenfassen: Aaskrähe ist eine reguläre deutsche Zusammensetzung aus dem alten Nahrungs- und Kadaverwort Aas und dem lautmalerisch entstandenen Vogelnamen Krähe. Die wörtliche Bedeutung lautet „Krähe, die Aas frisst“; zoologisch entwickelte sich daraus die traditionelle Bezeichnung für den eng verwandten Formenkomplex von Raben- und Nebelkrähe.

Synonyme

Rabenkrähe ist das wichtigste bedeutungsnahe Wort, aber nicht in jedem taxonomischen und historischen Kontext ein vollkommenes Synonym. In engerem Gebrauch bezeichnet Rabenkrähe speziell die vollständig schwarze Form des Corvus-corone-Komplexes. Wird Aaskrähe

Nebelkrähe ist keine uneingeschränkte Synonymbezeichnung, sondern bezeichnet die grau-schwarze Form. In Taxonomien, die Raben- und Nebelkrähe als Unterarten einer einzigen Aaskrähe behandeln, ist die Nebelkrähe ein Unterbegriff zu Aaskrähe. In Taxonomien mit zwei Arten steht sie als eng verwandte Schwesterart neben der Rabenkrähe.

Krähe ist ein weiter gefasster Oberbegriff. Er kann außer Aaskrähen auch andere Krähenarten wie die Saatkrähe bezeichnen und ist deshalb kein echtes Synonym.

Als ältere, regionale oder volkstümliche Bezeichnungen werden für die schwarze Raben- beziehungsweise Aaskrähe unter anderem Schwarzkrähe, Feldkrähe, Mittelkrähe und Hauskrähe genannt. Solche Namen sind regional und historisch unterschiedlich verteilt und sollten nicht ohne Kontext als wissenschaftlich exakte Synonyme behandelt werden.

Weitere volkstümliche Namen wie Krap und Ramm sind regional belegt. Sie gehören zum historischen und mundartlichen Wortschatz und spielen in der modernen ornithologischen Standardterminologie nur eine geringe Rolle.

Das englische carrion crow ist die unmittelbare englische Bezeichnung für Corvus corone. Semantisch entspricht sie dem deutschen Aaskrähe besonders eng, da englisch carrion „Aas“ bedeutet.

Das englische hooded crow bezeichnet dagegen speziell die Nebelkrähe beziehungsweise die grau-schwarze Form des Komplexes.

Aasvogel und Aasfresser sind lediglich bedeutungsverwandt. Sie umfassen wesentlich mehr Tierarten und können daher nicht als Synonyme von Aaskrähe verwendet werden.