Aasiaat
Aasiaat ist eine Stadt an der Westküste Grönlands am südlichen Ausgang der Diskobucht, grönländisch Qeqertarsuup Tunua. Sie liegt auf einer niedrigen, felsigen Insel in einem ausgedehnten Schärengebiet und ist Hauptort sowie administratives Zentrum der Kommune Qeqertalik. Im Juli 2026 hatte Aasiaat 2.891 Einwohner. Die Stadt ist ein regionales Zentrum für Fischerei, Verarbeitung von Fisch und Garnelen, Hafenverkehr, Verwaltung, Gesundheitsversorgung und Bildung. Historisch entstand die europäische Handelsstation unter dem dänischen Namen Egedesminde: Sie wurde 1759 zunächst weiter südlich gegründet und 1763 an den heutigen Standort verlegt. Der moderne offizielle Name Aasiaat ist grönländisch; für seine Bedeutung werden sowohl „die Spinnen“ beziehungsweise „Ort mit Spinnen“ als auch eine traditionelle Deutung als „Treffpunkt“ genannt.
Lexikon
Aasiaat gehört zu den größeren Städten Grönlands und bildet das wichtigste urbane Zentrum im südwestlichen Bereich der Diskobucht. Die Stadt befindet sich auf einer vergleichsweise flachen Insel, deren Gelände sich deutlich von den steil aufragenden Gebirgslandschaften vieler anderer grönländischer Orte unterscheidet. Die Insel ist ungefähr sieben Kilometer lang und etwa drei Kilometer breit; sie gehört zu einem weit verzweigten Archipel aus Inseln, Felsen, Schären, Meerengen und kleinen Buchten.
Diese Insellandschaft wird häufig als das „Land der tausend Inseln“ bezeichnet. Die Formulierung ist keine exakte geographische Zählung, sondern beschreibt den landschaftlichen Charakter des Gebietes. Vom Wasser aus erscheint die Umgebung als komplexes Geflecht aus niedrigen Felsinseln und geschützten Wasserwegen, die für Fischerei, Jagd und lokalen Verkehr seit Jahrhunderten von großer Bedeutung sind.
Die Stadt liegt am südlichen Eingang von Qeqertarsuup Tunua, der Diskobucht. Diese große Bucht gehört zu den markantesten Küstenräumen Westgrönlands. Von den zahlreichen kalbenden Gletschern des weiteren Gebietes gelangen Eisberge und kleinere Eisstücke ins Meer und können an Aasiaat vorbeidriften.
Anders als etwa Ilulissat, das unmittelbar mit einem sehr großen Eisfjord verbunden ist, liegt Aasiaat in einer stärker von Inseln und offenen Wasserwegen geprägten Landschaft. Die niedrige Topographie ermöglicht weite Horizonte über das Meer, während die zahlreichen Inseln viele geschützte Buchten und Fahrwasser bilden.
Der historische und gegenwärtige Siedlungsschwerpunkt liegt an der Westseite der Insel im Bereich eines natürlichen Hafens. Die ältesten Teile der Stadt konzentrieren sich entsprechend um den Hafen und die vorgelagerten beziehungsweise angrenzenden Inselbereiche. Von dort hat sich die Bebauung im Laufe des 20. Jahrhunderts insbesondere nach Osten und Südosten erweitert.
Die Stadtstruktur wird durch die felsige Landschaft bestimmt. Gebäude stehen auf freiliegendem Grundgestein oder auf kleinen ebenen Flächen zwischen Felsrücken. Die Straßen folgen häufig der natürlichen Geländestruktur und bilden kein regelmäßiges rechteckiges Straßennetz.
Typisch sind farbig gestrichene Holzhäuser, Reihenhäuser und mehrgeschossige Wohngebäude. Der Eindruck einer ausschließlich aus kleinen traditionellen Einzelhäusern bestehenden grönländischen Siedlung wäre jedoch unzutreffend. Aasiaat besitzt eine ausgeprägte moderne städtische Infrastruktur mit Schulen, Krankenhaus, Verwaltungsgebäuden, Hafenanlagen, Gewerbebetrieben, Wohnblöcken und Verkehrsflächen.
Die gegenwärtige Verwaltungseinheit Kommune Qeqertalik besteht seit dem 1. Januar 2018. Sie umfasst neben Aasiaat die Städte Kangaatsiaq, Qasigiannguit und Qeqertarsuaq sowie mehrere kleinere Siedlungen. Aasiaat ist innerhalb dieser Kommune der Hauptort und Sitz der zentralen Verwaltung.
Mit Aasiaat verbunden sind insbesondere die kleineren Siedlungen Akunnaaq, Kitsissuarsuit und Ikamiut. Die Beziehungen zwischen Stadt und umliegenden Siedlungen betreffen Verwaltung, Bildung, Versorgung, Transport und Handel.
Im Juli 2026 lebten in Aasiaat 2.891 Menschen. Die genaue Einwohnerzahl schwankt von Jahr zu Jahr durch Geburten, Sterbefälle und vor allem innergrönländische beziehungsweise internationale Zu- und Abwanderung. Bei einem Ort dieser Größenordnung können bereits vergleichsweise kleine absolute Veränderungen statistisch deutlich sichtbar werden.
Aasiaat ist kein erst mit der dänisch-norwegischen Kolonisierung entstandener Lebensraum. Archäologische Untersuchungen zeigen, dass Menschen die Umgebung bereits lange vor der Gründung der europäischen Handelsstation nutzten. Die Kommune verweist auf Siedlungsspuren, die bis in die Jahrhunderte vor Beginn unserer Zeitrechnung zurückreichen.
Für die Vorfahren der heutigen Inuit sind in der Region Siedlungs- und Nutzungsspuren seit ungefähr dem 12. Jahrhundert belegt. Die Bevölkerung war dabei nicht notwendig ganzjährig an einen einzigen Ort gebunden. Jagd, Fischfang, Meeressäugerjagd und saisonale Ressourcen führten zu unterschiedlichen Aufenthaltsorten im Jahreslauf.
Das Schärengebiet um Aasiaat bot für diese Lebensweise günstige Bedingungen. Die zahlreichen Inseln und Meerengen ermöglichten Kajakfahrten und Jagd auf Meeressäuger. Im Winter konnte Meereis bestimmte Jagdformen ermöglichen, während im Sommer offene Wasserwege Fischerei und Reisen zwischen Siedlungsplätzen erleichterten.
Schon vor der dauerhaften dänischen Niederlassung hielten sich auch europäische Walfänger in den Gewässern der Diskobucht auf. Besonders niederländische Walfänger nutzten verschiedene Anker- und Zerlegeplätze. Daraus entstanden Kontakte und Handelsbeziehungen mit der einheimischen Bevölkerung, zugleich aber Konkurrenz um den wirtschaftlichen Einfluss in der Region.
Die eigentliche Geschichte der europäischen Handelsstation beginnt 1759. Niels Egede, ein Sohn von Hans Egede, gründete damals eine Handelsstation mit dem Namen Egedesminde. Diese erste Niederlassung befand sich jedoch nicht am Standort der heutigen Stadt, sondern bei Eqalussuit nördlich von Nordre Strømfjord, südlich des späteren Kangaatsiaq.
Der ursprüngliche Standort erwies sich aus handelspolitischer Sicht als ungünstig, weil er am Rand des damaligen Einzugsgebietes lag. Das wesentlich dichter genutzte Schärengebiet am südlichen Eingang der Diskobucht bot dagegen bessere Voraussetzungen für Handel, Jagd und Schifffahrt.
Deshalb wurde die Handelsstation 1763 an den heutigen Standort verlegt. Der gewählte Platz besaß einen günstigen natürlichen Hafen und lag in einem Gebiet mit zahlreichen saisonalen Inuit-Siedlungen. Dadurch konnte die Handelsstation leichter mit der lokalen Bevölkerung und dem regionalen Fangwirtschaftssystem verbunden werden.
Der Name Egedesminde blieb dabei erhalten. Niels Egede hatte die Station nach seinem Vater Hans Egede benannt. Der dänische Bestandteil -minde bedeutet „Andenken, Erinnerung, Gedächtnis“, sodass der Name sinngemäß als „Andenken an Egede“ verstanden werden kann.
Hans Egede war eine zentrale Person der dänisch-norwegischen Missions- und Kolonialgeschichte Grönlands im 18. Jahrhundert. Der Name Egedesminde gehört daher zu einer Schicht kolonialzeitlicher dänischer Ortsnamen, die später zunehmend durch die grönländischen Ortsnamen ersetzt wurden.
Nach der Verlegung entwickelte sich Egedesminde zu einem wichtigen Handelsplatz im südlichen Bereich der Diskobucht. Die Lage am Eingang der Bucht erlaubte den Zugang zu einem großen Hinter- beziehungsweise Küstenraum mit mehreren Siedlungen und ergiebigen Jagd- und Fischereigebieten.
Im späten 18. Jahrhundert war insbesondere der Walfang wirtschaftlich wichtig. Europäische Walfänger arbeiteten in den umliegenden Gewässern und kamen mit Inuit-Jägern sowie den dänischen Handelsstationen in Kontakt und Konkurrenz.
1774 wurde die Handelsstation von der Königlichen Grönländischen Handelsverwaltung beziehungsweise dem später als Kongelige Grønlandske Handel bekannten Handelssystem übernommen. Aasiaat entwickelte sich dadurch zu einem bedeutenden Verwaltungs- und Handelszentrum für den südlichen Teil der Diskobucht.
Die koloniale Wirtschaftsstruktur beruhte über lange Zeit auf einer Verbindung von Jagd, Fischerei, Handel und staatlich regulierter Versorgung. Robbenprodukte, Fisch, Walprodukte und andere lokale Ressourcen wurden gehandelt, während importierte Waren über die Handelsstationen verteilt wurden.
Im 19. Jahrhundert wuchs die Siedlung langsam weiter. Neben dem Handel entstanden kirchliche, schulische und administrative Einrichtungen. Die Bebauung konzentrierte sich noch weitgehend im Hafenbereich, der bis heute den historischen Kern der Stadt bildet.
Die Entwicklung zur modernen Stadt beschleunigte sich im 20. Jahrhundert. Ein Krankenhaus wurde 1916 errichtet. Damit übernahm der Ort zunehmend Funktionen für einen größeren regionalen Einzugsbereich.
1928 entstand eine weiterführende Schule für Jungen, 1932 folgte eine entsprechende Einrichtung für Mädchen. Diese Entwicklung begründete früh die Funktion Aasiaats als Bildungszentrum, die für die Stadt bis heute charakteristisch ist.
In den 1930er Jahren gewann die Kabeljaufischerei beziehungsweise Dorschfischerei wirtschaftlich an Bedeutung. Höhere Einkommen ermöglichten es einem wachsenden Teil der Bevölkerung, traditionelle Torf- und Steinhäuser zu verlassen und in moderne Holzhäuser umzuziehen.
Der Wandel der Wohnformen war Teil eines umfassenderen wirtschaftlichen und sozialen Modernisierungsprozesses. Die Stadt entwickelte zunehmend eine dauerhafte technische Infrastruktur mit Versorgungseinrichtungen, Schulen, Gesundheitsdiensten und später moderner Energie- und Kommunikationsversorgung.
Während des Zweiten Weltkriegs erhielt Aasiaat zusätzliche strategische Bedeutung. Die Vereinigten Staaten richteten 1942 die Wetterstation Bluie West Five ein. Wetterdaten aus Grönland waren für den Flug- und Schiffsverkehr im Nordatlantik militärisch von erheblicher Bedeutung.
Die amerikanische Station brachte zeitweilig zusätzliche Arbeitsplätze und intensivere Kontakte zur Außenwelt. Ihre spätere Aufgabe führte dazu, dass die Stadt wirtschaftlich wieder stärker von Fischerei und Verarbeitung abhängig wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Grönlands Siedlungs- und Infrastrukturpolitik grundlegend verändert. In Aasiaat entstanden neue Wohngebiete, öffentliche Gebäude, Versorgungsanlagen und moderne Hafeninfrastruktur. Der frühere koloniale Handelsplatz entwickelte sich endgültig zu einer Stadt mit regionalen Funktionen.
Bereits in den frühen 1950er Jahren erhielt Aasiaat Hafenanlagen, die auch von größeren seegängigen Schiffen genutzt werden konnten. Dadurch verstärkte sich seine Bedeutung als Umschlagplatz für Güter in Richtung Nordgrönland.
Diese Funktion besteht grundsätzlich bis heute. Royal Arctic Line nutzt Aasiaat als Hafen und Umschlagpunkt für Container und Stückgut. Der maritime Transport besitzt in einem Land ohne Straßennetz zwischen den Städten eine wesentlich größere Bedeutung als in vielen kontinentaleuropäischen Regionen.
Der Hafen ist deshalb nicht lediglich ein lokaler Fischereihafen. Er ist Bestandteil der überregionalen grönländischen Versorgungsinfrastruktur. Lebensmittel, Baumaterialien, technische Güter und zahlreiche andere Waren erreichen die Stadt beziehungsweise werden von dort weiterverteilt.
Auch die Fischerei ist weiterhin ein wichtiger Wirtschaftszweig. Besonders Garnelen sowie verschiedene Fisch- und Schalentierarten werden gefangen beziehungsweise verarbeitet. Die konkrete Bedeutung einzelner Arten verändert sich mit Bestandsentwicklung, Marktbedingungen und Fangregulierung.
Die Modernisierung der Fisch- und Garnelenverarbeitung in den 1980er Jahren war für die wirtschaftliche Entwicklung wichtig. Industrielle Kühlung, Verarbeitung und Transport ermöglichten eine stärkere Einbindung der lokalen Fischerei in nationale und internationale Absatzketten.
Gleichzeitig ist die Wirtschaftsstruktur heute wesentlich breiter als die eines ausschließlich von Fischerei abhängigen Ortes. Öffentliche Verwaltung, Gesundheitswesen, Bildung, Handel, Transport, Bauwirtschaft und sonstige Dienstleistungen beschäftigen einen erheblichen Teil der Bevölkerung.
Aasiaat besitzt ein regionales Krankenhaus und verschiedene öffentliche Einrichtungen. Als Hauptort der Kommune ist die Stadt Sitz wichtiger Verwaltungsstellen. Dadurch entstehen Arbeitsplätze, die nicht unmittelbar an die Nutzung natürlicher Ressourcen gebunden sind.
Besonders charakteristisch ist die Rolle als Bildungsstadt. In Aasiaat befindet sich die gymnasiale Ausbildung Nordgrönlands. Jugendliche aus verschiedenen Orten des nördlichen und westlichen Grönlands kommen deshalb zum Schulbesuch in die Stadt und leben teilweise in Schülerwohnheimen.
Diese Funktion beeinflusst die Altersstruktur, den Alltag und das kulturelle Leben der Stadt. Aasiaat dient nicht nur seiner dauerhaft ansässigen Bevölkerung, sondern zeitweise auch zahlreichen jungen Menschen aus anderen Teilen Grönlands als Wohn- und Ausbildungsort.
Die Verbindung von Hafen, Schulen und Verwaltung macht Aasiaat zu einem regionalen Zentralort. Seine Bedeutung lässt sich daher nicht ausschließlich an der Einwohnerzahl messen. Bestimmte Dienstleistungen werden von Menschen aus einem erheblich größeren geographischen Raum genutzt.
Zum heutigen Verkehrsnetz gehört außerdem der Flughafen Aasiaat. Er befindet sich östlich des bebauten Stadtgebietes und verbindet die Stadt mit dem grönländischen Luftverkehrssystem. Der ICAO-Code lautet BGAA.
Der Flughafen ist besonders wichtig, weil es zwischen den grönländischen Städten keine durchgehenden Straßenverbindungen gibt. Reisen über größere Distanzen erfolgen deshalb im Wesentlichen mit Flugzeug, Hubschrauber oder Schiff.
Im regionalen Verkehr spielen außerdem kleinere Schiffe und Boote eine zentrale Rolle. Die zahlreichen Inseln und Siedlungen der Diskobucht sind historisch und gegenwärtig stark auf maritime Verbindungen ausgerichtet.
Aasiaat besitzt mit Aasiaat Radio zudem einen bedeutenden Namen innerhalb des grönländischen Küstenfunks. Die Küstenfunkdienste dienen unter anderem der Not- und Sicherheitskommunikation des Schiffsverkehrs in grönländischen Gewässern.
Das maritime Umfeld prägt entsprechend nicht nur die Wirtschaft, sondern auch den Alltag und die Kultur der Stadt. Kleine Boote liegen in großer Zahl in den Hafen- und Uferbereichen, und Fischerei, Jagd sowie Reisen zwischen den Inseln bleiben wichtige Bestandteile regionaler Lebensweisen.
Die moderne Stadt liegt in einer subarktischen beziehungsweise hochbreiten maritimen Umwelt. Die Lage nördlich des Polarkreises führt zu starken saisonalen Unterschieden des Tageslichts.
Im Sommer bleibt die Sonne während eines längeren Zeitraums durchgehend beziehungsweise nahezu durchgehend über dem Horizont. Die Mitternachtssonne ist deshalb ein charakteristisches Naturphänomen der Region.
Im Winter tritt dagegen eine Phase sehr kurzer Tage beziehungsweise der Polarnacht auf. Die jährliche Veränderung zwischen dauerndem Sommerlicht und langer winterlicher Dunkelheit hat erhebliche Auswirkungen auf Alltag, Arbeit, Verkehr und Freizeit.
Die Küstenlage mildert die Temperaturen gegenüber kontinentalen Gebieten gleicher geographischer Breite teilweise ab, zugleich bestimmen Meereis, Wind, Schnee und wechselnde Wetterlagen die natürlichen Bedingungen. Das lokale Klima ist daher eng mit den Verhältnissen der Diskobucht und der angrenzenden Labrador- und Baffin-Bay-Region verbunden.
Das Meereis besitzt sowohl historische als auch gegenwärtige Bedeutung. Früher bildete es im Winter eine wichtige Grundlage für Jagd und Reisen. Die Dauer, Dicke und Zuverlässigkeit der Eisdecke können jedoch von Jahr zu Jahr erheblich schwanken.
Die gegenwärtigen klimatischen Veränderungen in der Arktis beeinflussen Eisverhältnisse, marine Ökosysteme und traditionelle Nutzungsformen. Für Aasiaat betrifft dies insbesondere Fischerei, Jagd, Küstenverkehr und die Nutzbarkeit bestimmter Winterrouten.
Die Umgebung ist trotz ihres felsigen und vegetationsarmen Erscheinungsbildes biologisch vielfältig. Küstengewässer und Schären bieten Lebensräume für Fische, Meeressäuger und Seevögel. Besonders Wale gehören zu den auffälligen Tieren der Diskobucht.
Je nach Jahreszeit können verschiedene Walarten in der weiteren Region beobachtet werden. Walbeobachtung gehört deshalb auch zu den touristischen Angeboten Aasiaats. Die Tiere sind jedoch keine ständig an einem festen Punkt vorhandene Attraktion, sondern bewegen sich entsprechend Nahrung, Jahreszeit und Meeresbedingungen.
Der Tourismus besitzt gegenüber größeren grönländischen Destinationen wie Ilulissat eine geringere Größenordnung, hat aber an Bedeutung gewonnen. Besucher kommen insbesondere wegen der Schärenlandschaft, des Kajakfahrens, der Tierbeobachtung, des Hundeschlittenfahrens im Winter und der Kombination aus Stadtleben und arktischer Küstenlandschaft.
Eine Besonderheit besteht darin, dass Aasiaat keine dominierende hohe Bergkulisse besitzt. Das Landschaftserlebnis entsteht stärker aus horizontaler Weite, Wasser, niedrigem Fels, Inseln und dem wechselnden arktischen Licht.
Diese relativ niedrige Landschaft erleichtert an vielen Stellen den freien Blick über das Meer. Zugleich schaffen die Schären eine Vielzahl enger Passagen und geschützter Wasserflächen, deren Orientierung ohne Ortskenntnis anspruchsvoll sein kann.
Kulturell besitzt Aasiaat mehrere Einrichtungen, darunter das Aasiaat Museum. Das Museum nutzt historische Gebäude im älteren Stadtbereich und dokumentiert Aspekte der lokalen Geschichte, Kolonialzeit, Fischerei, Jagd und gesellschaftlichen Entwicklung.
Historische Holzbauten im Hafenbereich gehören zu den sichtbaren Spuren der kolonialen Stadtgeschichte. Sie stehen neben modernen Wohn- und Zweckbauten und machen die unterschiedlichen Entwicklungsphasen des Ortes räumlich erfahrbar.
Die Kirche bildet ebenfalls einen markanten Punkt im Stadtbild. Das heutige Kirchengebäude steht auf felsigem Gelände und ist durch seine dunkle Holzverkleidung und den weithin sichtbaren Turm charakteristisch.
Das kulturelle Leben ist zugleich von moderner grönländischer Musik, Kunst und Jugendkultur geprägt. In der Stadt finden regelmäßig Veranstaltungen statt; die Kommune nennt unter anderem den Nipiaa Rock Festival und den Midnight Sun Marathon als wiederkehrende Ereignisse.
Die Verbindung von traditioneller Jagd- und Fischereikultur mit moderner Ausbildung, Musik, Sport und Verwaltung zeigt, dass Aasiaat nicht sinnvoll als ausschließlich „traditionelle Inuit-Siedlung“ beschrieben werden kann. Es handelt sich um eine moderne grönländische Stadt mit historischen und gegenwärtigen kulturellen Schichten.
Auch sprachlich ist die Stadt durch die grönländische Sprache Kalaallisut geprägt. Dänisch spielt insbesondere in bestimmten Bildungs-, Verwaltungs- und historischen Kontexten ebenfalls eine Rolle.
Die offizielle Ortsbezeichnung lautet heute Aasiaat. Der frühere dänische Name Egedesminde ist vor allem historisch relevant und begegnet weiterhin in älterer Literatur, auf historischen Karten und in Quellen zur Kolonialzeit.
Bei der Interpretation älterer Texte ist deshalb zu beachten, dass Egedesminde und Aasiaat denselben heutigen Stadtort bezeichnen können. Für die Zeit zwischen 1759 und 1763 bezeichnet Egedesminde jedoch streng genommen zunächst die ursprüngliche Handelsstation an einem anderen Standort.
Diese Besonderheit ist historisch wichtig: Die Aussage „Egedesminde wurde 1759 gegründet“ und die Aussage „Aasiaat am heutigen Standort wurde 1763 gegründet“ widersprechen einander nicht. Die erste bezieht sich auf die Handelsstation als Institution, die zweite auf ihre Verlegung und damit auf die Entstehung des heutigen kolonialzeitlichen Stadtstandortes.
Ein vergleichbares Phänomen findet sich bei mehreren grönländischen Kolonialorten, deren erste europäische Niederlassungen verlegt wurden. Der Name konnte dabei mit der Institution beziehungsweise Handelsstation an den neuen Standort wandern.
Der Name Aasiaat bezeichnet heute sowohl die Stadt als auch die entsprechende Insel beziehungsweise den lokalen geographischen Raum. Je nach Kontext muss daher unterschieden werden, ob die Siedlung oder die Insel gemeint ist.
Als deutscher geographischer Eigenname wird Aasiaat gewöhnlich ohne Artikel gebraucht: Aasiaat liegt an der Diskobucht, in Aasiaat, nach Aasiaat reisen. Bei einer erläuternden Gattungsbezeichnung kann selbstverständlich ein Artikel erscheinen, etwa die Stadt Aasiaat.
Ein grammatisches Genus ist bei artikellos verwendeten Städtenamen im gewöhnlichen Sprachgebrauch nicht sichtbar. Wird der Name mit Stadt paraphrasiert, ist die Konstruktion wegen Stadt feminin; daraus folgt jedoch nicht, dass der Eigenname selbst regelmäßig mit dem Artikel die verwendet würde.
Der Name wird in deutscher Sprache normalerweise in der heutigen grönländischen Schreibweise Aasiaat übernommen. Eine Eindeutschung ist weder notwendig noch üblich.
Insgesamt steht Aasiaat für einen Ort, an dem mehrere historische Entwicklungen besonders deutlich zusammentreffen: eine lange indigene Nutzung des Schärenraums, europäischer Walfang, die Gründung und Verlegung einer kolonialen Handelsstation im 18. Jahrhundert, der Ausbau von Fischerei und Infrastruktur im 20. Jahrhundert sowie die heutige Funktion als Verwaltungs-, Bildungs-, Hafen- und Dienstleistungszentrum der Kommune Qeqertalik.
Etymologie
Der Name Aasiaat ist grönländisch. Für seine ursprüngliche Bedeutung existieren in der heutigen Literatur zwei überlieferte Erklärungen. Die verbreitetste setzt den Ortsnamen mit der Bedeutung „die Spinnen“ beziehungsweise „Ort mit Spinnen“ in Verbindung. Eine zweite traditionelle Erklärung versteht ihn als „Treffpunkt“ oder „Versammlungsort“.
Die erste Deutung wird unter anderem von der offiziellen grönländischen Tourismusdarstellung ausdrücklich als wörtliche Bedeutung „Spinnen“ angegeben. Bemerkenswert ist, dass der Ort nach dieser Erklärung nicht deshalb so heißt, weil dort auffällig mehr Spinnen vorkämen als anderswo in Grönland.
Auch ältere dänische Nachschlagewerke geben den historischen grönländischen Namen in der älteren Orthographie Ausiait wieder und glossieren ihn mit „die Spinnen“. Die heutige Schreibweise Aasiaat gehört zur modernen grönländischen Orthographie.
Die zweite Namensdeutung wird insbesondere in grönländisch orientierter topographischer Literatur überliefert. Danach könne der Name einen Ort des Zusammentreffens bezeichnen, an dem Menschen während ihrer saisonalen Sommerwanderungen beziehungsweise Reisen zeitweilig zusammenkamen.
Diese Erklärung passt grundsätzlich zur historischen Nutzung des weitläufigen Schärengebiets mit seinen zahlreichen saisonalen Siedlungsplätzen. Sie sollte jedoch nicht als sicher erwiesene Alternative dargestellt werden. Die einschlägigen Quellen geben ausdrücklich mehrere Deutungsmöglichkeiten an.
Lexikographisch ist deshalb eine vorsichtige Formulierung vorzuziehen: Aasiaat wird gewöhnlich als grönländisch „die Spinnen“ erklärt; daneben ist eine traditionelle Interpretation als „Treffpunkt“ beziehungsweise „Versammlungsort“ belegt.
Der Name gehört vollständig in die grönländische Sprach- und Namenwelt und ist nicht aus einem europäischen Personennamen entstanden. Dies unterscheidet ihn grundlegend vom historischen dänischen Namen Egedesminde.
Egedesminde ist eine dänische Gedenkbenennung. Das erste Glied ist der Familienname Egede; das zweite Glied dänisch minde bedeutet „Andenken, Erinnerung, Gedächtnis“.
Der Name wurde von Niels Egede zu Ehren seines Vaters Hans Egede gewählt. Sinngemäß bedeutet Egedesminde daher „Egedes Andenken“ beziehungsweise „Erinnerung an Egede“.
Das Genitiv-s zwischen Egede und minde entspricht der dänischen possessiven Konstruktion: Egedes minde bedeutet wörtlich „Egedes Andenken“. Der Ortsname wurde als feste Zusammensetzung beziehungsweise Namenfügung lexikalisiert.
Die Benennung verweist auf die koloniale Entstehungsgeschichte der europäischen Handelsstation. Hans Egede war im 18. Jahrhundert als Missionar und zentrale Gestalt der dänisch-norwegischen Missionierung und Kolonisierung Grönlands tätig.
Sein Sohn Niels Egede setzte diese Aktivitäten insbesondere in Handel und Mission fort. Durch die Benennung der neuen Handelsstation nach dem Vater wurde dessen Erinnerung ausdrücklich in die koloniale Ortsnamengebung eingeschrieben.
Die Entwicklung der beiden Namen veranschaulicht zwei unterschiedliche toponymische Traditionen. Aasiaat gehört zur grönländischen Ortsnamenlandschaft und verweist auf eine ältere lokale Benennung; Egedesminde ist ein im Zuge der europäischen Kolonialverwaltung geschaffener dänischer Erinnerungsname.
Über lange Zeit bestanden grönländische und dänische Ortsnamen parallel. In dänischsprachigen Verwaltungs- und Kartenwerken wurde der koloniale Name Egedesminde verwendet, während der grönländische Name in der lokalen Sprache fortbestand.
Mit der stärkeren institutionellen Stellung grönländischer Ortsnamen setzte sich schließlich Aasiaat als heutige offizielle Bezeichnung durch. Egedesminde wurde dadurch nicht etymologisch verändert, sondern als amtlicher beziehungsweise allgemein aktueller Name abgelöst.
Der ältere Schreibzustand Ausiait ist ebenfalls nicht als anderer Name im semantischen Sinn zu betrachten. Er repräsentiert die ältere grönländische Orthographie. Nach der Reform der grönländischen Rechtschreibung wurde die heutige Form Aasiaat etabliert.
Bei historischen Quellen können deshalb drei Formen begegnen: die moderne grönländische Form Aasiaat, die ältere grönländische Schreibform Ausiait und die dänische Kolonialbezeichnung Egedesminde. Sie müssen orthographisch und historisch unterschieden werden, können aber je nach Zeitraum denselben Ort bezeichnen.
Die Namensgeschichte darf außerdem nicht mit ähnlich geschriebenen deutschen Wörtern verbunden werden. Aasiaat hat keinen etymologischen Zusammenhang mit Aas, aasen, Aasfresser oder Aasgeruch.
Die auffällige Anfangsfolge Aas- ist lediglich ein Ergebnis der grönländischen Laut- und Schriftstruktur. Eine Segmentierung als deutsches Aas + iaat wäre sprachwissenschaftlich bedeutungslos.
Ebenso besteht kein Zusammenhang mit dem alten deutschen Wort Aar „Adler“, dem schweizerischen Flussnamen Aare oder Gewässernamen auf Aa.
Die Etymologie lässt sich daher zusammenfassen: Aasiaat ist der heutige grönländische Ortsname; seine verbreitetste Bedeutungserklärung lautet „die Spinnen“, daneben ist die Deutung „Treffpunkt/Versammlungsort“ überliefert. Der historische dänische Name Egedesminde bedeutet dagegen sinngemäß „Andenken an Egede“ und erinnert an Hans Egede.
Synonyme
Egedesminde ist die wichtigste historische Parallelbezeichnung für Aasiaat. Es handelt sich jedoch nicht um ein heutiges neutrales Synonym, sondern um den früheren dänischen Kolonialnamen der Handelsstation und Stadt. In historischen Quellen des 18., 19. und großen Teilen des 20. Jahrhunderts ist Egedesminde entsprechend häufig die gebräuchliche dänische Bezeichnung.
Ausiait ist eine ältere orthographische Form des grönländischen Namens. Sie begegnet in älteren Karten, Wörterbüchern und Verwaltungswerken. Inhaltlich bezeichnet sie denselben grönländischen Ortsnamen wie das heutige Aasiaat; der Unterschied beruht auf der veränderten grönländischen Rechtschreibung.
Aasiaat selbst ist die heutige offizielle und international übliche Ortsbezeichnung. In einem modernen geographischen oder lexikographischen Text sollte deshalb grundsätzlich diese Form verwendet werden.
Die Umschreibung „Egedesminde“ ist sinnvoll, wenn ausdrücklich auf die kolonialgeschichtliche Epoche oder auf historische Dokumente Bezug genommen wird. Eine unmarkierte Verwendung als moderner deutscher Ortsname wäre dagegen veraltet.
Die Bedeutungsübersetzung „die Spinnen“ ist kein Eigenname und daher kein eigentliches Synonym. Sie erläutert lediglich eine verbreitete etymologische Deutung von Aasiaat. Dasselbe gilt für die alternative Erklärung „Treffpunkt“ beziehungsweise „Versammlungsort“.