Aasee

Der Aasee in Ibbenbüren ist ein künstlich angelegter Stausee und ein Hochwasserrückhaltebecken der Ibbenbürener Aa im Tecklenburger Land im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen. Das rund 15 Hektar große und nur etwa zwei Meter tiefe Gewässer entstand in den 1970er Jahren im Zusammenhang mit dem Ausbau der Bundesautobahn 30. Es wurde zugleich als wasserwirtschaftlicher Rückhalteraum und als städtisches Naherholungsgebiet angelegt. Die Ibbenbürener Aa durchfließt den See von Südosten nach Nordwesten. Heute bilden Wasserfläche, Rundweg, Grünanlagen, Sport- und Freizeitangebote einen wichtigen Erholungsraum unmittelbar am südöstlichen Rand der Ibbenbürener Innenstadt. Grammatisch ist Aasee ein maskulines Substantiv und ein Gewässername: der Aasee.

Lexikon

Der Ibbenbürener Aasee liegt südöstlich des Zentrums von Ibbenbüren in einer landschaftlichen Übergangszone zwischen der städtischen Bebauung und den südlich anschließenden Bereichen des Teutoburger Waldes. Im Norden beziehungsweise Nordosten erhebt sich der Raum des Schafbergs, während südlich und südöstlich die Höhenzüge des Teutoburger Waldes das Landschaftsbild prägen. Der See liegt damit in jener vergleichsweise niedrigen Ibbenbürener Tallage, durch welche die Ibbenbürener Aa westwärts beziehungsweise nordwestwärts fließt.

Der Aasee ist kein natürlich entstandener See. Er wurde in den 1970er Jahren künstlich geschaffen und gehört funktional zum Gewässersystem der Ibbenbürener Aa. Der Fluss tritt an der südöstlichen Seite in das Gewässer ein, durchströmt den See und verlässt ihn anschließend wieder. Der Aasee ist deshalb zugleich Stillgewässer und Bestandteil eines durchgehenden Fließgewässersystems.

Die Ibbenbürener Aa bildet einen Abschnitt eines längeren Gewässerlaufes. Oberhalb des Stadtgebietes trägt das Gewässer zunächst den Namen Ledder Mühlenbach. Im Bereich von Ledde beziehungsweise auf dem weiteren Weg nach Ibbenbüren wird daraus die Ibbenbürener Aa. Weiter flussabwärts begegnet die Bezeichnung Hörsteler Aa. Der gesamte Lauf gehört zum Gewässersystem der Speller Aa, der Großen Aa und schließlich der Ems.

Damit gehört auch das Wasser des Aasees letztlich zum Einzugsgebiet der Nordsee. Der See ist also hydrologisch kein abgeschlossenes Becken, sondern eine künstliche Aufweitung eines natürlichen Wasserlaufes.

Die Entstehung des Aasees ist eng mit einem der größten Verkehrsbauprojekte der Region in den 1970er Jahren verbunden: dem Ausbau der A30. Für den Bau der Autobahn wurden große Mengen an Boden- und Sandmaterial benötigt. Im Bereich des späteren Aasees wurde Material gewonnen, während zugleich durch Flurbereinigung und wasserwirtschaftliche Planung neue Flächenstrukturen geschaffen wurden.

Der See entstand daher nicht ausschließlich aufgrund eines isolierten Freizeitprojektes. Autobahnbau, Flurbereinigung, Hochwasserschutz, Materialgewinnung und städtische Grünplanung wirkten miteinander zusammen. Die Stadt bezeichnet den See rückblickend entsprechend auch als ein Nebenprodukt des Autobahnbaus, das anschließend zu einem eigenständigen bedeutenden Landschafts- und Freizeitraum entwickelt wurde.

Der erste Spatenstich für den Bau erfolgte am 12. September 1974. Bereits 1975 wurde der Ibbenbürener Aasee fertiggestellt. Ein während der Bauarbeiten am Tecklenburger Damm eingerichtetes Spülbecken führte im Juli 1975 zu einem Zwischenfall, als dessen Damm brach und Wasser beziehungsweise aufgespültes Material in angrenzende Bereiche gelangte.

Die zeitliche Nähe zum Autobahnbau ist deutlich: Der Abschnitt der A30 von Ibbenbüren nach Lotte wurde im Juli 1976 für den Verkehr freigegeben. See und Autobahn gehören daher zu derselben grundlegenden Umgestaltung der Ibbenbürener Landschaft in der Mitte der 1970er Jahre.

Von Beginn an besaß der Aasee eine doppelte Funktion. Einerseits sollte er als Regen- und Hochwasserrückhalteraum dienen, andererseits als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung. Diese Verbindung technischer und sozialer Funktionen prägt den See bis heute.

Bei starken Niederschlägen führt die Ibbenbürener Aa erheblich größere Wassermengen als bei normaler Witterung. Ein Rückhaltebecken ermöglicht es, einen Teil dieses Wassers vorübergehend aufzunehmen und die Abflussspitze zeitlich zu strecken. Dadurch kann der nachfolgende Gewässerabschnitt entlastet werden.

Der Aasee ist daher nicht nur eine künstliche Wasserfläche zur Landschaftsgestaltung. Ein wesentliches Element seines ursprünglichen Zwecks liegt in der Wasserwirtschaft. Die Fähigkeit, zusätzliche Wassermengen zurückzuhalten, war bereits bei seiner Anlage Bestandteil der Planung.

Die Wasserfläche beträgt ungefähr 15 Hektar. Der Umfang der eigentlichen Uferlinie wird mit rund 2,6 Kilometern angegeben. Der See ist relativ flach; die maximale Wassertiefe beträgt ungefähr zwei Meter.

Diese geringe Tiefe beeinflusst sowohl den wasserwirtschaftlichen Betrieb als auch die Gewässerökologie. Flache Seen erwärmen sich im Sommer vergleichsweise schnell, und Wind kann große Teile des Wasserkörpers durchmischen. Gleichzeitig können Nährstoff- und Sedimenteinträge bei einem kleinen Wasservolumen relativ starke Auswirkungen haben.

Von besonderer Bedeutung ist der Eintrag von Sedimenten durch die Ibbenbürener Aa. Fließgewässer transportieren Sand, Schluff, organisches Material und andere Partikel. Sobald die Strömung beim Eintritt in einen See langsamer wird, sinkt ein Teil dieses Materials auf den Gewässergrund.

Dadurch kann ein künstlicher, flacher See langfristig verlanden. Die Wassertiefe nimmt ab, und im Einlaufbereich können sich zunehmend Sand- und Schlammablagerungen bilden. Genau dieses Problem war am Ibbenbürener Aasee wiederholt Gegenstand wasserwirtschaftlicher Maßnahmen.

In den 2000er Jahren wurden größere Mengen an abgelagertem Schlamm aus dem See entfernt. Frühere Versuche der Entschlammung waren technisch problematisch; später konnten Ablagerungen durch Nassbaggerarbeiten entfernt werden. Solche Arbeiten sind bei künstlichen Rückhalte- und Stadtseen ein typisches Element langfristiger Unterhaltung.

Auch gegenwärtig spielt der Sedimenteintrag eine wichtige Rolle in der Planung. Unmittelbar südöstlich des Sees befindet sich im Lauf der Ibbenbürener Aa ein technisch angelegter Sandfang. Dort soll mitgeführtes gröberes Material abgeschieden werden, bevor es in den Aasee gelangt.

Die Stadt Ibbenbüren plant eine grundlegende naturnahe Umgestaltung dieses Bereiches. Der vorhandene technische Sandfang und ein Sohlabsturz sollen zurückgebaut beziehungsweise ersetzt werden. Stattdessen ist ein naturnäherer Gewässerabschnitt mit mäandrierendem Verlauf vorgesehen.

Das Projektgebiet umfasst ungefähr 9,1 Hektar zwischen dem Ostring und dem Aasee. Geplant ist die Entwicklung einer Sekundäraue, in der sich Fluss, Ufer und angrenzende Flächen wieder stärker nach natürlichen Prozessen entwickeln können.

Der neue naturnahe Sandfang soll insbesondere den Eintrag von Sand in den Aasee vermindern. Gleichzeitig soll die verlängerte und mäandrierende Gewässerstrecke Wasser bei Starkregen besser zurückhalten. Damit verbindet das Vorhaben Gewässerschutz, Klimaanpassung, Hochwasservorsorge und Biodiversität.

Ein Teil des Gebietes soll weitgehend einer natürlichen Entwicklung überlassen werden. In anderen Bereichen sind Wege beziehungsweise ein Naturlehrpfad vorgesehen, durch den die umgestaltete Aa für Besucher zugänglich und erfahrbar gemacht werden soll.

Nach dem derzeitigen Planungsstand begann die Projektförderung im Oktober 2024. Die wasserrechtliche Genehmigung ist für 2026 vorgesehen; Bauleistungen sollen nach bisherigem Zeitplan 2027 vergeben und die eigentlichen Bauarbeiten zwischen 2027 und 2028 durchgeführt werden. Ein anschließendes Monitoring ist bis 2029 vorgesehen.

Diese Entwicklung zeigt einen Wandel des wasserwirtschaftlichen Leitbildes. Während der Aasee selbst in den 1970er Jahren als stark technisch gestaltetes Rückhaltegewässer entstand, sollen heutige Maßnahmen stärker natürliche Gewässerstrukturen, Auen, Mäander und biologische Vielfalt einbeziehen.

Der See erfüllt zugleich eine ausgeprägte Funktion als städtischer Freiraum. Bereits bei seiner Anlage war vorgesehen, das neu entstandene Gewässer nicht lediglich technisch zu nutzen, sondern der Bevölkerung als Erholungsgebiet zugänglich zu machen.

Heute führt ein etwa 2,7 Kilometer langer Rundweg um den Aasee. Bei seiner Modernisierung wurde ein ungefähr drei Kilometer langer Abschnitt des Fuß- und Radwegenetzes erneuert. Die unterschiedlichen Zahlen beziehen sich darauf, ob der eigentliche See-Rundweg oder die gesamte ausgebaute Wegstrecke betrachtet wird.

Der Weg wird von Spaziergängern, Läufern, Radfahrern, Menschen mit Rollatoren und weiteren Besuchergruppen genutzt. Bei der jüngeren Umgestaltung wurde besonderes Gewicht auf Barrierefreiheit beziehungsweise möglichst hindernisarme Nutzbarkeit gelegt.

Der Aasee gehört dadurch zu den wichtigsten wohnungsnahen Erholungsräumen Ibbenbürens. Anders als ein entferntes Naturgebiet ist er aus großen Teilen der Stadt rasch erreichbar und verbindet Alltag, Freizeit und landschaftliche Erfahrung.

Das Umfeld wurde seit den späten 2010er und frühen 2020er Jahren im Rahmen eines integrierten Handlungskonzeptes umfassend weiterentwickelt. Dabei wurden Wege erneuert, Sichtachsen auf die Wasserfläche geschaffen, Aufenthaltsbereiche verbessert und neue Freizeitangebote eingerichtet.

Ein bedeutender Bestandteil ist der Outdoorpark am nordöstlichen beziehungsweise nördlichen Aaseebereich. Er entwickelte ältere Skate- und Dirtbike-Angebote zu einem größeren, öffentlich nutzbaren Sportbereich weiter. Skateboard-, BMX-, Bike- und weitere Bewegungsangebote richten sich an unterschiedliche Alters- und Nutzergruppen.

Hinzu kommen Spielplätze, Liege- und Aufenthaltsflächen sowie Bereiche für Veranstaltungen. Die Stadt verfolgt dabei das Ziel, den Aasee nicht nur als Wasserfläche, sondern als vielseitiges und möglichst inklusives innerstädtisches Naherholungsgebiet zu gestalten.

Am beziehungsweise nahe dem Südufer bestehen gastronomische und freizeitorientierte Einrichtungen. Ein künstlich gestalteter Strand- beziehungsweise Beach-Bereich verstärkt den Charakter des Sees als sommerliches Freizeitgebiet, obwohl der eigentliche Aasee kein regulärer Badesee ist.

Nach der geltenden Aasee-Verordnung gilt der See ausdrücklich als zum Baden nicht geeignet. Freizeitnutzung am Wasser und Baden im Gewässer müssen daher klar unterschieden werden.

Das in unmittelbarer Umgebung gelegene Aaseebad war ein eigenständiges Hallenfreizeitbad und nicht mit dem Baden im Aasee selbst gleichzusetzen. Der Betrieb dieses Bades wurde 2025 dauerhaft eingestellt. Die Namensgleichheit bezeichnet lediglich seine Lage am Aasee.

Auf der Wasserfläche selbst besitzt der Bootsverkehr eine lange Tradition. Die städtische Aasee-Verordnung erlaubt unter bestimmten Voraussetzungen insbesondere Ruder-, Paddel-, Tret- und Segelboote. Für ihre Nutzung gelten Zulassungs- und Sicherheitsregeln.

Die Verordnung begrenzt die Zahl gleichzeitig zugelassener kleiner Fahrzeuge und sieht besondere Bereiche für das Einsetzen und Anlegen von Booten vor. Motorboote sind grundsätzlich verboten; Ausnahmen können insbesondere für Rettungszwecke beziehungsweise mit besonderer Genehmigung bestehen.

Diese Regelung zeigt, dass der Aasee zugleich Freizeitgewässer und wasserwirtschaftliche Anlage ist. Eine uneingeschränkte Nutzung wie auf einem großen natürlichen See wäre mit seiner Größe, geringen Tiefe und den Sicherheitsanforderungen nicht vereinbar.

Auch Angeln gehört zu den traditionellen Nutzungen. Der See weist unterschiedliche Ufer- und Bodenstrukturen auf und besitzt Bestände verschiedener Fischarten. Genannt werden unter anderem Aal, Barsch, Brasse, Forelle, Hecht, Karpfen, Rotauge, Schleie und Zander.

Fischerei und Bootsnutzung müssen räumlich und zeitlich aufeinander abgestimmt werden. Bestimmte Bereiche, etwa Bootsanlagen, Laichzonen oder technische Ein- und Auslaufbereiche, können von der Fischerei beziehungsweise Befahrung ausgenommen sein.

Ökologisch ist der Aasee ein vom Menschen stark geprägtes Ökosystem. Seine heutige Tier- und Pflanzenwelt hat sich erst nach der Anlage in den 1970er Jahren entwickelt. Wasservögel, Fische, Insekten und Uferpflanzen nutzen inzwischen Lebensräume, die an dieser Stelle zuvor in dieser Form nicht vorhanden waren.

Damit zeigt der See, dass auch ein künstliches Gewässer im Laufe der Zeit ökologische Funktionen übernehmen kann. Dies macht ihn jedoch nicht zu einem natürlichen See. Wasserstände, Ein- und Auslauf, Sedimenthaushalt, Uferstrukturen und Freizeitnutzung werden in erheblichem Maß durch menschliche Planung beeinflusst.

Die geplante Renaturierung des Aa-Zulaufes soll diese ökologische Funktion weiter verbessern. Insbesondere naturnähere Flachwasser-, Auen- und Uferstrukturen können zusätzliche Lebensräume schaffen und zugleich den Stoff- und Sedimenteintrag in den See verändern.

Für die Stadtentwicklung besitzt das Gewässer ebenfalls Bedeutung. In seinem Umfeld entstanden Wohngebiete und freizeitorientierte Nutzungen, deren Lagequalität stark vom Blick auf den See und von den angrenzenden Grünflächen bestimmt wird.

Ein künstliches Rückhaltebecken wurde damit innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem identitätsprägenden Element des Stadtbildes. Der Name Aasee bezeichnet im örtlichen Sprachgebrauch daher häufig nicht nur die reine Wasserfläche, sondern den gesamten Freizeit- und Grünraum um den See.

Dieser Bedeutungsübergang ist eine Form der Metonymie. Wer „zum Aasee“ fährt, kann damit einen Spaziergang auf dem Rundweg, einen Aufenthalt im Outdoorpark, Gastronomie, Angeln, Segeln oder einfach den Aufenthalt auf den Grünflächen meinen.

Der Ibbenbürener Aasee darf nicht mit dem wesentlich größeren Aasee in Münster verwechselt werden. Beide Seen liegen in Westfalen, beide sind künstlich angelegt und beide werden von einem Fluss namens Aa gespeist. Dennoch handelt es sich um vollständig unterschiedliche Gewässer.

Der Münsteraner Aasee wird von der Münsterschen Aa durchströmt und entstand in mehreren Bauphasen seit den 1920er Jahren. Der Ibbenbürener Aasee liegt an der Ibbenbürener Aa und wurde erst 1974/75 im Zusammenhang mit dem Autobahnbau geschaffen.

Ein weiterer gleichnamiger See befindet sich in Bocholt. Auch dort leitet sich der Name von einer Aa, der Bocholter Aa, ab. Aasee ist somit kein ausschließlich einem einzigen Ort vorbehaltener Eigenname, sondern eine an mehreren Orten unabhängig entstandene Zusammensetzung.

Für eine eindeutige lexikographische Zuordnung empfiehlt sich deshalb eine Ergänzung wie Aasee (Ibbenbüren), Aasee (Münster) beziehungsweise Aasee (Bocholt). Der eigentliche örtliche Name lautet jedoch jeweils schlicht Aasee.

Grammatisch ist das Wort maskulin: der Aasee, des Aasees, dem Aasee, den Aasee. Das Genus richtet sich nach dem Grundwort See in der Bedeutung „Binnengewässer“.

Die Aussprache lässt sich als [ˈaːˌzeː] wiedergeben. Beide Bestandteile bleiben lautlich gut erkennbar: langes ā im Gewässernamen Aa und See mit stimmhaftem Anlaut [z].

Der Ibbenbürener Aasee ist damit ein Beispiel für die Entwicklung eines ursprünglich wasserbaulich und verkehrsplanerisch entstandenen Gewässers zu einem vielschichtigen städtischen Landschaftsraum. Hochwasserrückhalt, Gewässerökologie, Freizeit, Sport, Fischerei, Stadtentwicklung und heutige Renaturierungsplanung überlagern sich an demselben Ort.

Etymologie

Aasee ist ein deutsches Determinativkompositum aus dem Gewässernamen Aa und dem Grundwort See. Im Fall von Ibbenbüren bedeutet der Name unmittelbar „See der Ibbenbürener Aa“.

Die morphologische Struktur lautet Aa + See → Aasee. Zwischen den beiden Bestandteilen befindet sich kein zusätzliches Fugenelement. Das s gehört bereits zum Grundwort See.

Das Grundwort See bestimmt die grammatische und semantische Grundklasse der Zusammensetzung. Der Aasee ist ein See; entsprechend lautet das grammatische Genus maskulin: der Aasee.

See geht auf mittelhochdeutsch sē und althochdeutsch sēo zurück und gehört zum alten germanischen Wortschatz. Im heutigen Deutschen besteht eine charakteristische Genusunterscheidung: der See bezeichnet gewöhnlich ein Binnengewässer, während die See in erster Linie das Meer beziehungsweise ein Meeresgebiet bezeichnet.

Der für das Lemma besonders wichtige erste Bestandteil Aa ist ein sehr alter Gewässername. Aa begegnet besonders häufig als Name von Bächen und kleineren Flüssen in Westfalen, im niederländisch-nordwestdeutschen Raum und in Teilen der Schweiz.

Das Wort geht auf althochdeutsch beziehungsweise altsächsisch aha „Wasserlauf, Fluss, Strom“ zurück. Das Etymologische Wörterbuch des Althochdeutschen führt aha als feminines Substantiv mit der Bedeutung „Wasserlauf, Fluss, Strom“.

Dem althochdeutschen Wort liegt eine germanische Form *ahwō zugrunde. Verwandte Formen finden sich in anderen alten germanischen Sprachen, darunter gotisch ahwa, altenglisch ēa und altnordisch á.

Außergermanisch besteht eine alte Verwandtschaft mit lateinisch aqua „Wasser“. Wörter wie Aquarium und Aquarell bewahren im Deutschen über lateinische beziehungsweise romanische Vermittlung dieselbe sehr alte indogermanische Wortfamilie.

Das ursprüngliche aha war kein individueller Eigenname, sondern ein gewöhnliches Wort für einen Wasserlauf. Erst im Laufe der Sprachgeschichte wurde es in zahlreichen Regionen als allgemeines Substantiv aufgegeben, während es in Gewässernamen weiterlebte.

Die unterschiedlichen modernen Formen zeigen verschiedene lautgeschichtliche Entwicklungen. In süddeutschen und alpinen Gebieten begegnen Formen wie Ach und Ache; im nordwestdeutschen Raum erscheint häufig Aa; im skandinavischen Sprachraum lebt ein entsprechendes Wort als å weiter.

Westfalen besitzt besonders zahlreiche Gewässer mit dem Namen oder Namenglied Aa. Dazu gehören unter anderem die Münstersche Aa, die Ibbenbürener Aa, die Bocholter Aa und weitere Wasserläufe.

Die Zusätze Münstersche, Ibbenbürener und Bocholter dienen der Unterscheidung. Historisch betrachtet bedeutet Ibbenbürener Aa somit ungefähr „der Wasserlauf bei beziehungsweise von Ibbenbüren“.

Der Name Aasee ist gegenüber dem Flussnamen sekundär. Erst nachdem die Ibbenbürener Aa in den 1970er Jahren künstlich zu einer größeren Wasserfläche aufgestaut beziehungsweise aufgeweitet worden war, erhielt das neue Gewässer die unmittelbar verständliche Bezeichnung Aasee.

Der Name ist damit erheblich jünger als das Wort Aa. Sein erster Bestandteil reicht sprachgeschichtlich bis in den germanischen und letztlich indogermanischen Wortschatz zurück; die konkrete Zusammensetzung Aasee in Ibbenbüren bezeichnet dagegen ein erst 1974/75 geschaffenes Gewässer.

Die Wortbildung enthält dadurch zwei zeitlich sehr unterschiedliche Schichten: ein archaisches Gewässerwort und eine moderne Benennung eines technischen Landschaftsbauwerks.

Synchron bedeutet der Name einfach „See an der Aa“ beziehungsweise „See, den die Aa durchfließt“. Eine Übersetzung des historischen Erstgliedes als „Wassersee“ wäre dagegen irreführend, weil Aa zum Zeitpunkt der Namensbildung längst als Eigenname des Flusses verstanden wurde.

Besonders wichtig ist die korrekte Wortgliederung. Aasee besteht nicht aus Aas und See. Das Wort Aas „Kadaver, toter Tierkörper“ gehört zu einer vollständig anderen Wortfamilie.

Die optische Ähnlichkeit entsteht ausschließlich durch die Zusammenschreibung. Der Flussname Aa endet auf a, das Wort See beginnt mit s; zusammen ergibt sich die Buchstabenfolge Aasee.

Eine vermeintliche Deutung als „See mit Aas“ oder „Aas-See“ wäre deshalb eine Volksetymologie. Weder die Entstehung des Gewässers noch sein Name haben etwas mit Tierkadavern zu tun.

Entsprechend besteht auch kein unmittelbarer Zusammenhang mit dem Verb aasen „verschwenderisch umgehen“. Dieses Verb gehört über Aas zu einer alten Wortfamilie aus dem Bereich Nahrung und Fressen, während Aa ein altes Wort für einen Wasserlauf ist.

Von der schweizerischen Aare ist der Name ebenfalls zu unterscheiden. Obwohl Aa und Aare beide Gewässernamen sind und graphisch ähnlich erscheinen, dürfen ihre konkreten historischen Namenentwicklungen nicht einfach gleichgesetzt werden.

Ebenso besteht kein Zusammenhang mit Aar „Adler“. Die Wörter Aa, Aar, Aare und Aas stehen zwar im Alphabet unmittelbar nebeneinander, gehören aber unterschiedlichen Wort- und Namengeschichten an.

Mit dem Familiennamen Aall besteht ebenfalls kein etymologischer Zusammenhang. Die ähnliche Anfangsfolge ist rein graphisch.

Dass mehrere Gewässer Aasee heißen, erklärt sich aus der großen Zahl von Flüssen namens Aa. Wo ein solcher Fluss zu einem See aufgestaut oder erweitert wurde, konnte unabhängig dieselbe transparente Namensbildung entstehen.

So heißen sowohl der See in Ibbenbüren als auch Gewässer in Münster und Bocholt Aasee. Es handelt sich dabei nicht um einen von einem Ursprungsort übertragenen Eigennamen, sondern jeweils um selbständige Benennungen nach dem örtlichen Fluss Aa.

Zur eindeutigen lexikographischen Unterscheidung ist deshalb die Form Aasee (Ibbenbüren) zweckmäßig. Die Wortgeschichte lässt sich knapp zusammenfassen als Aa + See: ein künstlicher See an beziehungsweise in der Ibbenbürener Aa, deren Name auf ein altes germanisches Wort für „Wasserlauf, Fluss“ zurückgeht.