Aalbarsch
Lexikon
Aalbarsch ist eine deutsche zoologische Bezeichnung für einen Fisch aus der Gruppe der Aalbarsche, wissenschaftlich Congrogadinae beziehungsweise in einer anderen taxonomischen Rangauffassung Congrogadidae. Kennzeichnend für diese tropischen Meeresfische ist vor allem ihr ungewöhnlich stark aalförmiger, langgestreckter Körper. Trotz des Namens sind Aalbarsche keine echten Aale und gehören nicht zur Ordnung der Aalartigen (Anguilliformes). Das Vorderglied Aal- beschreibt vielmehr die äußere Aalform, während das Hinterglied Barsch die traditionelle Einordnung als barschverwandter Knochenfisch widerspiegelt.
Der Singular Aalbarsch kann zunächst allgemein ein einzelnes Tier aus der Gruppe der Aalbarsche bezeichnen. Daneben wird er in deutschsprachigen Trivialnamensystemen auch enger für einzelne Arten gebraucht. So wird Haliophis diademus ohne zusätzliches Bestimmungswort als Aalbarsch bezeichnet; andere Arten tragen spezifizierte deutsche Namen wie Grüner Aalbarsch für Congrogadus subducens, Bali-Aalbarsch für Haliophis aethiopus oder Afrikanischer Aalbarsch für Haliophis guttatus. Ein isoliert gebrauchtes Aalbarsch kann deshalb je nach Quelle entweder einen Angehörigen der gesamten Gruppe oder eine bestimmte Art bezeichnen.
Für eine allgemeine Lexikondefinition ist die übergeordnete Bedeutung maßgeblich: Aalbarsch ist ein aalartig langgestreckter, barschverwandter tropischer Meeresfisch aus der Gruppe der Congrogadinae beziehungsweise Congrogadidae. Die Art Haliophis diademus bildet eine speziellere triviale Namensverwendung, die nicht mit dem gesamten Bedeutungsumfang des Wortes gleichgesetzt werden sollte.
Die wissenschaftliche Rangstufe der Aalbarsche wird in der zoologischen Literatur nicht vollkommen einheitlich behandelt. In einem verbreiteten taxonomischen System stehen die Congrogadinae als Unterfamilie innerhalb der Zwergbarsche (Pseudochromidae). Andere neuere phylogenetische Klassifikationen heben dieselbe Gruppe als selbständige Familie Congrogadidae hervor. Beide Bezeichnungen begegnen deshalb in gegenwärtiger zoologischer Literatur und in biologischen Datenbanken.
Dieser Unterschied betrifft den taxonomischen Rang, nicht die Identität der betreffenden Fischgruppe. Ein Aalbarsch wird nicht dadurch zu einem anderen Tier, dass eine Klassifikation die Gruppe als Familie und eine andere als Unterfamilie behandelt. Für einen lexikographischen Artikel ist es deshalb sachlich genauer, beide gegenwärtig anzutreffenden Systemstellungen zu erwähnen, als nur eine von ihnen als uneingeschränkt endgültig darzustellen.
In der als Congrogadinae innerhalb der Pseudochromidae behandelten Fassung umfasst die Gruppe acht Gattungen und gut zwei Dutzend Arten. Dazu gehören die Gattungen Blennodesmus, Congrogadus, Halidesmus, Halimuraena, Halimuraenoides, Haliophis, Natalichthys und Rusichthys. Die einzelnen Arten unterscheiden sich deutlich in Größe, Flossenbau, Färbung und Lebensraum, teilen jedoch einen auffällig verlängerten Grundbauplan.
Die Körpergröße reicht von sehr kleinen Arten von nur wenigen Zentimetern Länge bis zum Grünen Aalbarsch Congrogadus subducens, der eine Gesamtlänge von ungefähr 45 Zentimetern erreichen kann. Der deutsche Gruppenname darf deshalb nicht den Eindruck erwecken, sämtliche Aalbarsche seien große, aalähnliche Raubfische. Ein beträchtlicher Teil der Arten bleibt erheblich kleiner.
Das auffälligste gemeinsame Merkmal ist die starke Längsstreckung des Körpers. Aalbarsche unterscheiden sich dadurch deutlich von dem kompakteren Körperbild, das man gewöhnlich mit einem typischen Barsch verbindet. Der Rumpf ist lang und schmal, bei verschiedenen Arten mehr oder weniger seitlich zusammengedrückt und zum Schwanz hin verjüngt.
Gerade dieser Körperbau begründet das Erstglied Aal-. Ein Aalbarsch besitzt in seinem äußeren Habitus eine deutliche Aalähnlichkeit. Die Benennung sagt dabei nicht, dass sein Körper anatomisch in sämtlichen Einzelheiten dem eines Europäischen Aals entspricht. Sie beschreibt vielmehr den sofort sichtbaren Gesamteindruck eines langgestreckten, biegsamen Fisches.
Die Rückenflosse ist bei den Aalbarschen sehr lang und kann einen großen Teil des Rückens einnehmen. Auch die Afterflosse ist stark verlängert. Bei einigen Arten gehen Rücken-, Schwanz- und Afterflosse äußerlich nahezu ineinander über und bilden damit einen an echte Aale erinnernden kontinuierlichen Flossensaum; bei anderen Arten sind die einzelnen Flossen deutlicher voneinander abgesetzt.
Dieser Unterschied innerhalb der Gruppe zeigt, dass „aalförmig“ nicht mit einer einzigen starren Flossenkonstruktion gleichgesetzt werden darf. Die Aalähnlichkeit ergibt sich aus dem gesamten Körperplan und kann bei verschiedenen Gattungen unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Ein isoliert stehender Rückenflossenstachel kommt bei vielen Aalbarschen vor. Beim Grünen Aalbarsch Congrogadus subducens fehlt dieser isolierte Stachel. Die lange Rückenflosse selbst wird überwiegend von zahlreichen Weichstrahlen getragen.
Auch die Bauchflossen sind innerhalb der Gruppe variabel. Bei einem Teil der Arten sind kleine, weit vorn beziehungsweise kehlständig sitzende Bauchflossen vorhanden; bei anderen fehlen sie vollständig. Der Verlust oder die starke Verringerung paariger Flossen passt funktionell zu einer langgestreckten Körpergestalt, ist jedoch kein bei sämtlichen Aalbarschen identisch ausgeprägtes Merkmal.
Der Körper ist mit kleinen Rundschuppen bedeckt. Auch dieses Merkmal zeigt, weshalb eine oberflächliche Gegenüberstellung „Aalbarsch mit Schuppen – echter Aal ohne Schuppen“ falsch wäre. Auch echte Aale besitzen kleine, tief in der Haut liegende Schuppen, die äußerlich nur wenig auffallen. Die zoologische Trennung der Gruppen beruht deshalb nicht auf einem einzelnen sichtbaren Merkmal, sondern auf ihrer gesamten Anatomie und Abstammung.
Das Maul der Aalbarsche ist protraktil, kann also vorgestülpt werden. Diese Konstruktion ermöglicht ein schnelles Erfassen kleiner Beutetiere und gehört zu den funktionellen Merkmalen zahlreicher moderner Knochenfische.
Am oberen Bereich des Kiemendeckels befindet sich bei der Gruppe ein nach hinten gerichteter Stachel. Auch die Ausbildung des Seitenlinienorgans variiert. Je nach Gattung und Art können vollständige oder nur teilweise ausgebildete Seitenlinien vorhanden sein; bei einzelnen Formen bestehen mehrere Seitenlinien.
Die verlängerte Gestalt ermöglicht Aalbarschen, sich in engen Verstecken aufzuhalten. Viele Arten leben ausgesprochen verborgen zwischen Korallen, Steinen, Felsspalten, Geröll oder anderem strukturiertem Untergrund. Ihre schmale Körperform erlaubt es ihnen, Räume zu nutzen, in die höher gebaute Fische nur schwer eindringen können.
Die Gruppe ist vor allem im tropischen Indopazifik verbreitet. Vertreter kommen im Indischen Ozean und im westlichen Pazifik vor. Der Schwerpunkt liegt in warmen marinen Küstengebieten, besonders in und um Korallenriffe, felsigen Küstenhabitaten sowie auf sandigen oder schlammigen Böden.
Die verschiedenen Arten reichen von der Gezeitenzone bis in deutlich größere Tiefen. Für die Gruppe sind Vorkommen bis ungefähr 140 Meter Tiefe dokumentiert. Die Lebensräume sind damit breiter gefächert, als das Bild eines ausschließlich in flachen Korallenriffen lebenden Fisches vermuten lässt.
Einige Arten sind hochgradig versteckt lebend und werden deshalb nur selten beobachtet. Bei einer Art aus dem Golf von Carpentaria ist sogar das Leben im inneren Hohlraum von Schwämmen dokumentiert. Solche Lebensweisen zeigen, wie stark die aalförmige Gestalt für die Nutzung schmaler Hohlräume geeignet sein kann.
Andere Aalbarsche halten sich in Felsspalten oder zwischen Korallenbruch auf und verlassen ihre Verstecke zur Nahrungssuche. Die Körperform besitzt hier eine ähnliche funktionelle Bedeutung wie bei zahlreichen anderen langgestreckten Rifffischen: Sie ermöglicht hohe Beweglichkeit in räumlich komplexen Lebensräumen.
Die Aalbarsche sind überwiegend karnivor. Zum Nahrungsspektrum gehören kleine Krebstiere, andere wirbellose Tiere und bei größeren Arten auch kleinere Fische. Das genaue Nahrungsspektrum hängt von Körpergröße, Art und Lebensraum ab.
Ein Aalbarsch ist deshalb kein Pflanzenfresser allein aufgrund seines Aufenthalts zwischen Algen oder Korallen. Solche Strukturen dienen vor allem als Lebensraum, Deckung und Jagdgebiet. Die Tiere erbeuten dort kleinere Organismen.
Die versteckte Lebensweise und die längliche Gestalt haben außerdem Bedeutung für die Meerwasseraquaristik. Besonders Congrogadus subducens wird gelegentlich als Grüner Aalbarsch beziehungsweise Grüner Meeraal gehalten. Seine Größe und räuberische Lebensweise verlangen jedoch ein anderes Haltungskonzept als bei kleinen Zwergbarschen.
Der Grüne Aalbarsch kann kleine Fische und andere passende Beutetiere fressen. Seine äußerlich ruhige beziehungsweise versteckte Lebensweise darf deshalb nicht mit Harmlosigkeit gegenüber wesentlich kleineren Aquarienbewohnern verwechselt werden.
Auch Haliophis-Arten werden im deutschen aquaristischen Namensgebrauch als Aalbarsche bezeichnet. Dazu gehören beispielsweise der Bali-Aalbarsch Haliophis aethiopus und der schlicht als Aalbarsch bezeichnete Haliophis diademus.
Haliophis diademus ist eine kleine Art aus dem Bereich des Golfs von Oman. Sie erreicht nur ungefähr zehn Zentimeter Länge. Für sie wird der unmodifizierte deutsche Trivialname Aalbarsch verwendet. Diese engere Verwendung erklärt, warum derselbe deutsche Ausdruck in einer Artendatenbank scheinbar eine einzelne Art bezeichnet, während ein allgemeines zoologisches Lexikon damit auch ein Mitglied der gesamten Gruppe meinen kann.
Diese Art von Mehrdeutigkeit ist bei deutschen Tiernamen nicht ungewöhnlich. Ein Gruppenname im Plural kann gleichzeitig als Singularname einer bestimmten Art oder als Bestandteil genauerer Artnamen auftreten. Erst der wissenschaftliche Name beseitigt die Unsicherheit vollständig.
So ist:
Aalbarsch – allgemein ein einzelner Vertreter der Aalbarsche;
Aalbarsche – die gesamte Gruppe Congrogadinae/Congrogadidae;
Aalbarsch – in engerem Trivialnamengebrauch auch Haliophis diademus;
Grüner Aalbarsch – Congrogadus subducens.
Für wissenschaftlich eindeutige Texte ist deshalb die zusätzliche Angabe des wissenschaftlichen Namens empfehlenswert.
Besondere Bekanntheit besitzt Congrogadus subducens. Die Art wurde 1843 von John Richardson ursprünglich als Machaerium subducens wissenschaftlich beschrieben. Der Gattungsname Machaerium war jedoch bereits anderweitig vergeben.
Albert Günther führte deshalb 1862 den Gattungsnamen Congrogadus ein. Derselbe zoologische Namenskomplex bildet die Grundlage des Familien- beziehungsweise Unterfamiliennamens Congrogadidae/Congrogadinae.
Der Grüne Aalbarsch ist unter den bekannteren Vertretern der Gruppe besonders stark aalähnlich. Sein Körper ist sehr langgestreckt, die hinteren unpaarigen Flossen bilden einen weitgehend kontinuierlichen Saum, und Bauchflossen fehlen. Zugleich besitzt er einen kräftigen Kopf mit großem Maul, wodurch der Gesamteindruck keineswegs dem eines Europäischen Aals vollständig entspricht.
Die Art ist außerdem farblich ausgesprochen variabel. Individuen können grünlich, bräunlich, gelblich oder anders getönt erscheinen und besitzen häufig unregelmäßige Flecken beziehungsweise Muster. Der deutsche Artname Grüner Aalbarsch darf daher nicht so verstanden werden, als müsse jedes Exemplar einheitlich leuchtend grün sein.
Die Fähigkeit zu deutlicher Farbvariation beziehungsweise Farbänderung verbessert die Tarnung zwischen Algen, Korallen, Gestein und anderem Riffsubstrat. Bei einem Fisch, der viel Zeit in und an Verstecken verbringt, kann eine solche Anpassung erheblichen Schutz bieten und zugleich die Annäherung an Beutetiere erleichtern.
Congrogadus subducens kommt im Indo-Westpazifik vor und kann sowohl Meerwasser als auch Brackwasser nutzen. Er lebt besonders in flachen küstennahen Bereichen mit Riffen, Steinen, Korallenbruch und anderen Versteckmöglichkeiten.
Damit unterscheidet sich sein Lebenszyklus grundlegend vom Europäischen Aal (Anguilla anguilla). Der Europäische Aal ist ein katadromer Wanderfisch, der zwischen kontinentalen beziehungsweise küstennahen Wachstumsgebieten und einem weit entfernten ozeanischen Fortpflanzungsgebiet wandert. Für Aalbarsche ist ein solcher Lebenszyklus nicht charakteristisch.
Auch die Fortpflanzungsbiologie zeigt deutliche Unterschiede. Aalbarsche legen Eier; für die Gruppe sind auffällig strukturierte Eioberflächen bekannt. Die Eier besitzen Erhebungen beziehungsweise hakenartige Strukturen, durch die sie zu zusammenhängenden Eimassen verbunden werden können.
Bei Congrogadus subducens ist Brutpflege beobachtet worden. Das Männchen bewacht die in einem Versteck abgelegte Eimasse. Die Fortpflanzung ist damit grundsätzlich völlig anders organisiert als bei den echten Anguilla-Aalen mit ihrer pelagischen Fortpflanzung und den charakteristischen Leptocephaluslarven.
Die Gemeinsamkeit zwischen Aalbarsch und Aal liegt also in erster Linie in der äußeren Gestalt, nicht in Fortpflanzung, Wanderbiologie oder enger Verwandtschaft.
Diese Unterscheidung lässt sich systematisch besonders deutlich darstellen:
Europäischer Aal – Anguilla anguilla, Ordnung Anguilliformes;
Aalbarsch – Vertreter der Congrogadinae/Congrogadidae, barschverwandter beziehungsweise ovalentariischer Knochenfisch.
Die beiden Gruppen besitzen keine solche Nähe, dass der Aalbarsch als „Barsch-Aal“ oder Übergangsform zwischen Aalen und Barschen aufgefasst werden dürfte. Moderne Systematik kennt keine lineare Reihe, in der Aalbarsche zwischen zwei fertigen Tiergruppen stehen.
Der deutsche Name ist vielmehr ein typischer Trivialname, der eine auffällige Kombination von Eigenschaften sprachlich zusammenzieht: aalförmiger Körper + barschverwandter Fisch = Aalbarsch.
Genau deshalb ist der Name mit Wörtern wie Aaldorsch, Aalbutt oder anderen Tiernamen mit Aal- vergleichbar. Das Erstglied muss in solchen Bildungen keine wirkliche taxonomische Zugehörigkeit zum Aal anzeigen. Es kann bloß eine aalähnliche Gestalt markieren.
Das deutsche Tiernamensystem nutzt solche Vergleichsbildungen häufig. Zitteraal, Schleimaal, Aalkrähe, Aalmutter und andere Namen zeigen, dass das Element Aal sehr unterschiedliche Beziehungen ausdrücken kann. Bei Aalbarsch ist die Körperform die entscheidende Relation.
Auch das Hinterglied Barsch darf nicht zu eng verstanden werden. Ein Aalbarsch ist nicht deshalb ein Echter Barsch der Familie Percidae. Die heute als Barschverwandte beziehungsweise Percomorpha bezeichneten modernen Knochenfische bilden eine sehr viel größere und systematisch komplexere Gruppe.
Der deutsche Bestandteil -barsch wird in zahlreichen Fischtrivialnamen wesentlich weiter verwendet als ausschließlich für die Familie Percidae. Namen wie Zwergbarsch, Mirakelbarsch oder verschiedene Rifffischnamen beruhen auf traditionellen morphologischen und systematischen Benennungsgewohnheiten.
Deshalb wäre die Definition „Kreuzung aus Aal und Barsch“ doppelt falsch. Aalbarsche sind weder Hybriden noch direkte Mischformen zweier Fischgruppen. Aal- und -barsch dienen als beschreibende Bestandteile eines zoologischen Trivialnamens.
Auch die Definition „ein Aal aus der Familie der Barsche“ wäre falsch. Das Tier ist kein Aal. Treffender ist „aalförmiger Barschverwandter“.
Ein weiterer möglicher Irrtum entsteht durch englische Trivialnamen. Die Gruppe heißt im Englischen häufig eel blennies; Congrogadus subducens wird beispielsweise carpet eel-blenny genannt. Das Element eel entspricht auch dort der äußeren Aalähnlichkeit.
Englisch blenny und deutsch Schleimfisch sind jedoch ebenfalls keine Garantie für eine enge Zugehörigkeit zu sämtlichen traditionell so genannten Schleimfischen. Historische und volkssprachliche Fischnamen spiegeln häufig sichtbare Gestalt stärker wider als moderne phylogenetische Systematik.
Die wissenschaftliche Einordnung der Aalbarsche wurde mehrfach verändert. Sie wurden lange als Congrogadinae innerhalb der Pseudochromidae geführt. Phylogenetische Klassifikationen haben die Gruppe später teilweise als selbständige Familie Congrogadidae behandelt und innerhalb der großen modernen Fischgruppe Ovalentaria eingeordnet.
Andere aktuelle Standardwerke und Fischdatenbanken halten dagegen an Pseudochromidae: Congrogadinae fest. Diese unterschiedliche Rangbehandlung ist kein ungewöhnlicher Sonderfall. Mit neuen molekularen und morphologischen Daten können sich Grenzen und Rangstufen von Familien und Unterfamilien ändern.
Für den allgemeinen deutschen Namen Aalbarsch ist dieser taxonomische Wandel nur begrenzt relevant. Das Wort bleibt verständlich, unabhängig davon, ob Congrogadinae als Unterfamilie oder Congrogadidae als Familie geführt wird.
Die Gruppe lässt sich anatomisch nicht allein durch ihre Aalform definieren. Zahlreiche andere Fische sind ebenfalls aalförmig. Für eine wissenschaftliche Diagnose müssen deshalb weitere Merkmale des Skeletts, der Flossen, des Kiemendeckels, des Seitenliniensystems, der Bezahnung und der Eier berücksichtigt werden.
Die Aalform ist jedoch das Merkmal, das für die deutsche Benennung am auffälligsten war. Sie macht den Namen auch für Nichtfachleute unmittelbar verständlich.
Der Unterschied zwischen Aalbarsch und Aalform ist dabei grammatisch und semantisch klar:
Aalform bezeichnet einen Gestalttyp;
aalförmig bezeichnet die entsprechende Eigenschaft;
Aalbarsch bezeichnet einen Fisch, dessen Benennung unter anderem auf dieser Eigenschaft beruht.
Ein Aalbarsch besitzt typischerweise Aalform; aber nicht jedes Tier mit Aalform ist ein Aalbarsch.
So sind Schleimaale, Neunaugen und Zitteraale ebenfalls langgestreckt beziehungsweise aalähnlich, gehören aber zu vollständig anderen systematischen Gruppen.
Die Aalform stellt damit ein Beispiel für konvergente Evolution dar. Ein schmaler, beweglicher Körper kann sich bei verschiedenen Fischgruppen unabhängig entwickeln, wenn ähnliche Lebensweisen beziehungsweise Lebensräume einen solchen Körperbau begünstigen.
Bei Aalbarschen steht besonders die Nutzung enger Verstecke im Vordergrund. In Korallenriffen und Felsstrukturen kann ein langer schmaler Körper erhebliche Vorteile besitzen. Er ermöglicht es dem Fisch, tief in Spalten einzudringen, sich zwischen Korallenästen zu bewegen und dort sowohl Schutz als auch Beute zu finden.
Diese funktionelle Erklärung darf nicht in die Behauptung umgewandelt werden, jede Einzelheit der Aalbarschgestalt sei ausschließlich durch das Leben in Spalten entstanden. Körperformen sind Ergebnisse komplexer evolutionärer Geschichte und werden durch zahlreiche funktionelle und entwicklungsbiologische Faktoren beeinflusst.
Auch innerhalb der Gruppe bestehen unterschiedliche Spezialisierungen. Manche Arten sind stark verlängert und ausgesprochen aalförmig, andere erscheinen etwas kompakter. Einige besitzen Bauchflossen, andere nicht. Bei einigen sind Rücken-, Schwanz- und Afterflosse nahezu zusammengewachsen, bei anderen voneinander getrennt.
Der gemeinsame deutsche Name bezeichnet deshalb eine Gruppe variabler Formen und keinen völlig einheitlichen Körperbau.
Die Fortpflanzung liefert ein weiteres charakteristisches Gruppenmerkmal. Die Eier besitzen eine ungewöhnlich strukturierte Oberfläche mit kreuz- beziehungsweise hakenartigen Fortsätzen. Solche Strukturen können dazu führen, dass einzelne Eier aneinanderhaften und eine zusammenhängende Eimasse bilden.
Diese Eiermerkmale besitzen für die systematische Untersuchung eine wesentlich höhere Aussagekraft als der deutsche Name vermuten lässt. Während Aalbarsch die auffällige äußere Gestalt hervorhebt, können mikroskopische Merkmale der Eier zur Rekonstruktion von Verwandtschaftsbeziehungen beitragen.
Bei der Brutpflege kann das Männchen eine solche Eimasse in einem Versteck bewachen. Dieses Verhalten ist für Congrogadus subducens besonders gut bekannt. Es unterscheidet die Fortpflanzungsstrategie deutlich von derjenigen echter Aale.
Auch die frühe Entwicklung unterscheidet sich. Aalbarsche durchlaufen keine für Anguilla-Aale charakteristische lange Leptocephalusphase. Die Ähnlichkeit der erwachsenen Körperform darf deshalb nicht rückwirkend auf die gesamte Entwicklungsbiologie übertragen werden.
Der Vergleich mit echten Aalen ist trotzdem sprachlich sehr effektiv, weil die äußere Gestalt unmittelbar ins Auge fällt. Die deutsche Bezeichnung vermittelt innerhalb eines einzigen Wortes eine Vorstellung von einem langgestreckten, barschverwandten Fisch.
Beim Grünen Aalbarsch wird diese Benennungslogik durch die wissenschaftliche Gattung Congrogadus in interessanter Weise teilweise gespiegelt. Der Gattungsname enthält conger, die lateinische beziehungsweise latinisiert verwendete Bezeichnung für einen Meeraal, und gadus, einen alten Namen für einen dorschartigen Fisch.
Congrogadus verbindet also ebenfalls einen Hinweis auf die Aalgestalt mit einer anderen Fischbezeichnung. Die semantische Grundidee ähnelt insofern dem deutschen Aalbarsch: ein Fisch, dessen auffällige Erscheinung einen Vergleich mit einem Aal hervorruft.
Das deutsche Wort ist jedoch keine wörtliche Übersetzung von Congrogadus. Gadus bedeutet nicht „Barsch“, sondern ist der wissenschaftliche Gattungsname des Kabeljaus und historisch ein Name aus dem Bereich dorschartiger Fische. Die formale Übereinstimmung beschränkt sich daher auf das allgemeine Benennungsprinzip.
Auch der wissenschaftliche Name der Unterfamilie Congrogadinae beziehungsweise Familie Congrogadidae ist nicht aus dem deutschen Wort Aalbarsch entstanden. Er wurde nach der Gattung Congrogadus gebildet.
Die wissenschaftliche Namensgeschichte und die deutsche Wortbildung müssen deshalb getrennt behandelt werden:
Congrogadus → Congrogadinae/Congrogadidae – zoologische wissenschaftliche Nomenklatur;
Aal + Barsch → Aalbarsch – deutscher Trivialname nach Gestalt und systematischem beziehungsweise traditionellen Fischtyp.
Für den deutschen Ausdruck lässt sich aus den gegenwärtig zugänglichen lexikographischen Quellen kein belastbarer historischer Erstbeleg angeben, der mit derselben Sicherheit wie die wissenschaftlichen Namen von 1843 beziehungsweise 1862 datiert werden könnte. Die Bezeichnung ist als moderner deutscher zoologischer Name sicher dokumentiert; ein vermeintliches frühes Entstehungsjahr sollte ohne konkrete historische Fundstelle nicht konstruiert werden.
Damit unterscheidet sich die Beleglage von älteren deutschen Aal-Komposita wie aalreich oder Aalpastete, für die konkrete frühneuzeitliche beziehungsweise neuzeitliche Textstellen datiert werden können.
Beim Aalbarsch ist deshalb zwischen zwei sicheren chronologischen Ebenen zu unterscheiden: Die von dem Wort bezeichnete wissenschaftliche Fischgruppe ist seit dem 19. Jahrhundert taxonomisch bearbeitet; der genaue Beginn des deutschen Trivialnamens Aalbarsch ist damit aber nicht automatisch ebenfalls auf das 19. Jahrhundert zu datieren.
Die Art Congrogadus subducens ist seit 1843 wissenschaftlich beschrieben. Die Gattung Congrogadus und der entsprechende Familiengruppenname gehen auf 1862 und Albert Günther zurück. Diese Jahreszahlen betreffen die wissenschaftliche Nomenklatur, nicht den nachgewiesenen deutschen Wortgebrauch.
Die wissenschaftliche Systematik der Gruppe wurde im 20. und 21. Jahrhundert mehrfach revidiert. Besonders umfangreiche Arbeiten untersuchten die Arten der Congrogadinae anhand von Morphologie, Verbreitung und später auch phylogenetischen Zusammenhängen. Dadurch wurden Gattungsgrenzen und Rangstufen präzisiert beziehungsweise verändert.
Für ein allgemeines deutsches Lexikon ist deshalb die Formulierung „Aalbarsch, Vertreter der Congrogadinae/Congrogadidae“ besonders robust. Sie vermeidet die falsche Annahme, eine einzige aktuelle Rangstufe sei für sämtliche verwendeten taxonomischen Systeme verbindlich.
Der Ausdruck Aalbarsch sollte auch nicht mit Aaldorsch verwechselt werden. Beide Wörter kombinieren Aal- mit einer anderen Fischbezeichnung, meinen aber unterschiedliche zoologische Gruppen. Das gemeinsame Erstglied erklärt sich jeweils aus einer aalähnlichen Körpergestalt.
Ebenso wenig ist Aalbarsch ein Synonym von Grüner Aalbarsch. Der zweite Ausdruck ist spezifischer. Jeder Grüne Aalbarsch ist ein Aalbarsch im weiteren Gruppensinn; nicht jeder Aalbarsch ist ein Grüner Aalbarsch.
Die begriffliche Hierarchie lautet:
Aalbarsch – einzelner Vertreter der Aalbarsche;
Aalbarsche – Gruppenname für Congrogadinae/Congrogadidae;
Grüner Aalbarsch – speziell Congrogadus subducens.
Daneben kann Aalbarsch als spezieller deutscher Trivialname von Haliophis diademus auftreten, was die Notwendigkeit des wissenschaftlichen Namens bei präzisen Artangaben nochmals unterstreicht.
Auch der Ausdruck Meeraal ist nicht ohne Weiteres synonym. Congrogadus subducens wird zwar ebenfalls Grüner Meeraal genannt, doch Meeraal kann in anderen Zusammenhängen echte aalartige Fische, besonders Arten der Familie Congridae, bezeichnen. Ein Trivialname allein kann deshalb taxonomisch mehrdeutig sein.
Das ist gerade bei Congrogadus subducens bemerkenswert: Der Name Grüner Meeraal könnte eine Zugehörigkeit zu echten Meeraalen nahelegen, während Grüner Aalbarsch deutlicher macht, dass es sich um einen aalähnlichen Barschverwandten handelt.
Die deutsche Bildung Aalbarsch besitzt dadurch sogar einen gewissen erklärenden Vorteil. Das Vorderglied liefert die Gestalt, das Hinterglied signalisiert gleichzeitig, dass der Fisch gerade nicht einfach als echter Aal aufzufassen ist.
Dennoch ist auch Barsch keine moderne phylogenetisch exakte Familienzuweisung. Die Bezeichnung bleibt ein Trivialname und muss von wissenschaftlichen Taxonnamen unterschieden werden.
Lexikographisch lässt sich Aalbarsch daher am präzisesten definieren als aalförmiger tropischer Meeresfisch aus der Gruppe der Congrogadinae beziehungsweise Congrogadidae; im engeren Trivialnamengebrauch auch Bezeichnung einzelner Arten dieser Gruppe.
Etymologie
| Lemma | Aalbarsch |
|---|---|
| Wortbildung | Aal + Barsch |
| Wortart | Substantiv |
| Genus | Maskulinum |
| Singular | der Aalbarsch |
| Genitiv | des Aalbarschs, des Aalbarsches |
| Plural | die Aalbarsche |
| Bestimmungswort | Aal |
| Grundwort | Barsch |
| Fugenelement | kein Fugenelement |
| Bildungstyp | substantivisches Determinativkompositum mit Tierbezeichnung als Hinterglied |
| Semantische Relation | Gestalt- und Klassifikationsrelation |
| Grundbedeutung | aalförmiger barschverwandter Fisch |
| Zoologischer Bezug | Congrogadinae beziehungsweise Congrogadidae |
| Historischer Erstbeleg des deutschen Wortes | derzeit nicht hinreichend sicher bestimmt |
Die synchrone Wortbildungsstruktur lautet:
Aalbarsch ist ein substantivisches Determinativkompositum. Das Grundwort Barsch bestimmt Wortart, Genus und Flexion des Gesamtwortes. Das Bestimmungswort Aal kennzeichnet die auffällige Gestalt.
Die semantische Grundstruktur lautet somit:
Aalbarsch = Barsch beziehungsweise barschverwandter Fisch von aalähnlicher Gestalt.
Die Bildung bedeutet ausdrücklich nicht:
*Barsch, der ein Aal ist;
und auch nicht:
*Hybrid aus Aal und Barsch.
Das Erstglied besitzt eine Vergleichs- beziehungsweise Gestaltrelation. Es lässt sich sinngemäß durch das Adjektiv aalförmig ersetzen:
Aalbarsch ≈ aalförmiger Barschverwandter.
Diese Wortbildungsrelation ist mit Bildungen vergleichbar, in denen eine Tierbezeichnung im Erstglied nicht Abstammung, sondern äußerliche Ähnlichkeit ausdrückt.
Das grammatische Geschlecht richtet sich nach dem Grundwort:
der Barsch → der Aalbarsch.
Der Genitiv lautet des Aalbarschs beziehungsweise in erweiterter Form des Aalbarsches. Der regelmäßige Plural lautet die Aalbarsche.
Gerade der Plural Aalbarsche ist zoologisch besonders häufig, weil er als deutscher Gruppenname für die Congrogadinae/Congrogadidae verwendet wird.
Zwischen den beiden Wortbestandteilen steht kein Fugenelement:
Aal + Barsch → Aalbarsch.
Formen wie *Aalsbarsch, *Aalenbarsch oder *Aalesbarsch gehören nicht zur etablierten Bildung.
Das Erstglied Aal gehört zum alten germanischen Fischwortschatz. Althochdeutsch und mittelhochdeutsch ist āl belegt. Verwandte Formen erscheinen unter anderem in niederländisch aal, englisch eel, dänisch und schwedisch ål. Die weiter zurückreichende Herkunft des Wortes ist nicht abschließend geklärt.
Im Gesamtwort Aalbarsch wird Aal metaphorisch beziehungsweise vergleichend gebraucht. Das bezeichnete Tier ist kein Aal; der Aal liefert lediglich das bekannte Gestaltmodell.
Diese Verwendung entspricht dem produktiven Benennungsmuster, das auch hinter aalförmig, aalähnlich und aalartig steht. Der auffällige Körper eines Aals wird zum Vergleichsmaßstab für andere Lebewesen.
Das Grundwort Barsch ist ebenfalls sehr alt. Althochdeutsch und mittelhochdeutsch lautet die Form bars. Das Wort gehört zum westgermanischen Fischwortschatz; verwandt sind beispielsweise niederländisch baars und ältere englische Formen, die zum heutigen englischen bass gehören.
Die ältere Bedeutung wird etymologisch mit einer indogermanischen Wurzel aus dem Bedeutungsfeld „Spitze, Stachel, Borste, starr Hervorstehendes“ verbunden. Der Barsch ist demnach nach seinen auffälligen stacheligen Flossen benannt.
Die Bedeutungsentwicklung des Grundwortes lässt sich vereinfacht darstellen als:
Spitze/Stachel/Borste → der durch Stacheln auffällige Fisch → Barsch.
Zu demselben weiteren etymologischen Wortfeld gehören Borste und Bürste. Auch das Adjektiv barsch „schroff, unfreundlich“ steht historisch mit dem Bedeutungsbereich „scharf, rau, spitz“ in Verbindung.
Substantiv Barsch und Adjektiv barsch sind daher historisch miteinander verwandt, obwohl ihre modernen Bedeutungen stark auseinanderliegen.
Für das Kompositum Aalbarsch ist ausschließlich das Substantiv Barsch relevant. Das Wort bedeutet selbstverständlich nicht „aalartig und unfreundlich“.
Das Hinterglied besitzt in Tiernamen allerdings eine weitere Reichweite als die zoologische Art Flussbarsch beziehungsweise die Familie Percidae. Deutsche Fischnamen mit -barsch können auch Tiere bezeichnen, die nicht zu den Echten Barschen gehören.
Beim Aalbarsch ist das besonders wichtig. Die Bezeichnung darf nicht etymologisch überinterpretiert werden als:
Aal + Mitglied der Familie Percidae.
Die reale Wortbedeutung ist:
Aal + barschverwandter beziehungsweise traditionell als barschartig benannter Fisch.
Das Grundwort funktioniert hier also teilweise als Tiernamenelement innerhalb einer älteren beziehungsweise weiteren Fischbenennungstradition.
Die semantische Struktur verbindet dadurch zwei Beobachtungen:
Aal- → langgestreckte, aalförmige Erscheinung;
-barsch → barschverwandte systematische beziehungsweise traditionelle Einordnung.
Das gesamte Wort ist damit besonders anschaulich und informationsreich. Es bezeichnet nicht bloß irgendeinen langgestreckten Fisch, sondern ordnet ihn zugleich in einen anderen wahrgenommenen Fischtyp ein.
Die Bildung ist vergleichbar mit anderen zusammengesetzten deutschen Tiernamen, bei denen das erste Tier lediglich die äußere Ähnlichkeit und das zweite die eigentliche beziehungsweise angenommene Gruppenzugehörigkeit angibt.
Aus moderner taxonomischer Sicht ist diese Struktur allerdings nur teilweise exakt. Die Congrogadinae werden nicht in sämtlichen Systemen unmittelbar unter einem Taxon geführt, das auf Deutsch einfach Barsche heißt. Der Trivialname ist älter beziehungsweise sprachlich gröber als die hochauflösende moderne Phylogenetik.
Das beeinträchtigt seine lexikalische Gültigkeit nicht. Tiertrivialnamen bleiben häufig bestehen, auch wenn sich die wissenschaftliche Systematik verändert.
Ein anschauliches Beispiel dafür bietet gerade der Wechsel zwischen Congrogadinae und Congrogadidae. Der deutsche Gruppenname Aalbarsche bleibt in beiden Systemen derselbe, obwohl sich der taxonomische Rang ändert.
Die wissenschaftliche Namensgeschichte besitzt eine eigenständige Etymologie. Die für mehrere Aalbarsche zentrale Gattung Congrogadus wurde 1862 von Albert Günther aufgestellt.
Der Gattungsname verbindet conger, lateinisch beziehungsweise latinisiert für einen Meeraal, mit gadus, einer Fischbezeichnung aus dem Bereich der Dorsche beziehungsweise Kabeljaue.
Vereinfacht lautet die wissenschaftliche Namensstruktur:
conger „Meeraal“ + gadus „Dorsch/Kabeljau beziehungsweise entsprechender Fischname“ → Congrogadus.
Auch hier wird also eine Aalähnlichkeit mit einer anderen Fischbezeichnung kombiniert. Die strukturelle Ähnlichkeit zum deutschen Aalbarsch ist auffällig.
Dennoch handelt es sich nicht um eine wörtliche Lehnübersetzung:
Congrogadus ≠ Aalbarsch im etymologischen Wort-für-Wort-Sinn, weil gadus nicht „Barsch“ bedeutet.
Es ist daher vorsichtiger, von parallelen Benennungsmotiven zu sprechen. Sowohl die wissenschaftliche als auch die deutsche Bezeichnung greifen die Aalähnlichkeit auf und kombinieren sie mit einer zweiten Fischbezeichnung.
Der Familiengruppenname Congrogadinae ist sekundär aus der Gattung Congrogadus mit dem zoologischen Unterfamiliensuffix -inae gebildet. Congrogadidae verwendet entsprechend das Familiensuffix -idae.
Die morphologische Beziehung lautet:
Congrogadus → Congrogadinae – Unterfamilienname;
Congrogadus → Congrogadidae – Familienname.
Die unterschiedliche Endung bezeichnet daher die taxonomische Rangstufe und nicht zwei völlig verschiedene Fischgruppen.
Historisch geht die Gattung auf einen noch älteren Artnamen zurück. John Richardson beschrieb 1843 Machaerium subducens. Weil Machaerium bereits anderweitig als Gattungsname verwendet worden war, führte Albert Günther 1862 Congrogadus ein.
Die Art heißt heute Congrogadus subducens und wird auf Deutsch unter anderem Grüner Aalbarsch genannt.
Diese wissenschaftlichen Jahreszahlen dürfen nicht als Erstbelege des deutschen Wortes behandelt werden. Die Aussage
„Aalbarsch ist seit 1862 belegt“
wäre allein aufgrund der Einführung von Congrogadus nicht gerechtfertigt.
Wissenschaftlicher Taxonname und deutscher Trivialname haben unterschiedliche Überlieferungsgeschichten. Ein deutscher Name kann viel später geprägt worden sein oder bereits früher unabhängig existiert haben.
In den hier geprüften lexikographischen und zoologischen Quellen lässt sich für das genaue deutsche Kompositum Aalbarsch kein belastbarer historischer Erstbeleg ermitteln, der eine frühe Datierung rechtfertigen würde. Deshalb ist es sachlich besser, das Entstehungsdatum offen zu lassen.
Das Digitale Wörterbuch der deutschen Etymologie dokumentiert Aalbarsch als zoologische Zusammensetzung und erläutert ihn sinngemäß als Vertreter der Congrogadidae beziehungsweise als Barschverwandten. Damit ist die moderne lexikographische Existenz des Wortes gesichert, ohne dass daraus ein historischer Erstbeleg folgt.
Die Wortbildung selbst ist so transparent, dass eine spätere deutsche Neubildung jederzeit ohne besondere Entlehnung möglich war:
aalförmiger barschverwandter Fisch → Aalbarsch.
Ein fremdsprachliches Vorbild ist für das Verständnis der deutschen Bildung nicht erforderlich.
Englisch eel blenny besitzt allerdings eine semantisch vergleichbare Struktur:
eel „Aal“ + blenny „Schleimfisch“ → eel blenny.
Auch hier wird das aalähnliche Aussehen mit einer zweiten Fischbezeichnung kombiniert.
Für Congrogadus subducens begegnet entsprechend carpet eel-blenny. Der deutsche Name Grüner Aalbarsch und der englische Name beschreiben denselben Fisch mit unterschiedlichen zweiten Vergleichs- beziehungsweise Gruppenelementen.
Die Wortgeschichte des deutschen Aalbarschs ist deshalb weniger durch einen tiefgreifenden Bedeutungswandel als durch die taxonomische Entwicklung geprägt. Der anschauliche Benennungskern „aalförmiger barschverwandter Fisch“ blieb stabil, während die wissenschaftliche Rangstellung zwischen Unterfamilie und Familie unterschiedlich behandelt wurde.
Die moderne lexikalische Struktur lässt sich abschließend hierarchisch darstellen:
Aal – Vergleichstier hinsichtlich der Körpergestalt;
Barsch – Grundwort und traditionelle systematisch-morphologische Fischbezeichnung;
Aalbarsch – einzelner aalartig langgestreckter Vertreter der Congrogadinae/Congrogadidae;
Aalbarsche – deutscher Gruppenname;
Grüner Aalbarsch – spezifischer Artname für Congrogadus subducens.
Die etymologische Gesamtentwicklung lässt sich damit zusammenfassen:
Aal, althochdeutsch und mittelhochdeutsch āl + Barsch, althochdeutsch und mittelhochdeutsch bars, ursprünglich im Bedeutungsfeld „der Stachelige“ → Aalbarsch „aalförmiger barschverwandter Fisch; Vertreter der Congrogadinae beziehungsweise Congrogadidae“. Ein sicher datierbarer früher Erstbeleg des deutschen Kompositums ist derzeit nicht hinreichend gesichert.