Aalartig
Lexikon
aalartig ist ein deutsches Adjektiv mit der Grundbedeutung „einem Aal ähnlich; Eigenschaften eines Aals aufweisend“. Die Ähnlichkeit kann sich auf unterschiedliche Merkmale beziehen: besonders auf einen langen und schmalen Körper, eine schlängelnde oder wellenförmige Bewegung, große Biegsamkeit, Glätte oder auf die Fähigkeit, sich durch enge Zwischenräume hindurchzuwinden. Welche dieser Eigenschaften gemeint ist, ergibt sich aus dem jeweiligen Zusammenhang. Ein aalartiger Körper ist vor allem langgestreckt; eine aalartige Bewegung ist dagegen schlängelnd beziehungsweise undulierend.
Das Wort wird standardsprachlich kleingeschrieben, sofern es als Adjektiv verwendet wird: aalartig, ein aalartiger Fisch, eine aalartige Bewegung, der Körper ist aalartig. Die Worttrennung lautet aal|ar|tig. Phonetisch lässt sich die standarddeutsche Aussprache ungefähr als [ˈaːlˌʔaːɐ̯tɪç] wiedergeben; in Regionen mit auslautender Verhärtung beziehungsweise entsprechender Realisierung kann die Endung phonetisch auch stärker in Richtung [ɪk] ausgesprochen werden.
Morphologisch ist aalartig eine Ableitung aus dem Substantiv Aal und dem adjektivbildenden Element -artig. Das Suffix beziehungsweise Wortbildungselement -artig bildet vor allem aus Substantiven Adjektive mit der Bedeutung „mit etwas vergleichbar“, „in der Art von etwas“, „so beschaffen wie etwas“. Vergleichbare Bildungen sind fadenartig, wurmartig, schlangenartig, netzartig, kugelartig und gelatineartig.
Die semantische Struktur ist daher:
Aal + -artig → aalartig = in irgendeiner charakteristischen Hinsicht einem Aal ähnlich.
Das Wort behauptet nicht, dass der bezeichnete Gegenstand zoologisch ein Aal ist oder mit Aalen verwandt sein muss. Gerade diese Unterscheidung ist für den naturwissenschaftlichen Gebrauch wesentlich. Ein Tier kann aalartig aussehen, ohne zur zoologischen Ordnung der Aalartigen zu gehören. Umgekehrt sind sämtliche echten Aalartigen aufgrund ihres charakteristischen Körperbaus in einem allgemeinen morphologischen Sinn aalartig.
Der Vergleich beruht auf dem besonders auffälligen Erscheinungsbild eines Aals. Typische Aale besitzen einen außergewöhnlich verlängerten Körper, bei dem die Längsachse gegenüber dem Körperdurchmesser stark dominiert. Die Körperform ist annähernd zylindrisch oder seitlich etwas abgeflacht und geht ohne deutlich abgesetzte Schwanzregion in einen langen hinteren Körperabschnitt über. Diese Gestalt bildet die prototypische Grundlage für Wörter wie aalartig, aalähnlich und aalförmig.
aalartig ist jedoch semantisch weiter als aalförmig. Das Adjektiv aalförmig bezieht sich besonders eindeutig auf die äußere Form: Etwas besitzt ungefähr die Gestalt eines Aals. Aalartig kann dagegen neben der Form auch Bewegung, Biegsamkeit, Glätte, Verhalten oder einen allgemeinen visuellen Eindruck bezeichnen. Ein Tier kann daher aalartig schwimmen, selbst wenn seine Körpergestalt nicht in jedem Merkmal der eines Aals entspricht.
Auch aalähnlich ist ein sehr enger bedeutungsverwandter Ausdruck. Aalähnlich macht den Vergleich sprachlich besonders explizit: etwas ähnelt einem Aal. Aalartig kann dagegen stärker den Eindruck einer typischen Beschaffenheit ausdrücken. Im gewöhnlichen Sprachgebrauch überschneiden sich beide Wörter weitgehend.
Von aalglatt ist das Adjektiv genauer abzugrenzen. Zwar wird aalglatt lexikographisch auch als bedeutungsverwandt zu aalartig genannt, doch besteht keine vollständige Synonymie. Aalglatt hebt primär die glatte, schlüpfrige und schwer festzuhaltende Oberfläche beziehungsweise in übertragener Bedeutung die schwer greifbare Haltung einer Person hervor. Ein langgestrecktes Tier kann aalartig sein, ohne deshalb aalglatt genannt zu werden.
In der Zoologie dient aalartig vor allem als morphologisch beschreibendes Adjektiv. Es charakterisiert Tiere, deren Körper durch starke Verlängerung, verhältnismäßig geringen Durchmesser und häufig reduzierte oder wenig auffällige Extremitäten beziehungsweise Flossen an einen Aal erinnert. Der Ausdruck ist dabei zunächst eine Beschreibung des Körperbaus und kein taxonomischer Rang.
Gerade in der Zoologie muss deshalb zwischen aalartig und Aalartige unterschieden werden. Die großgeschriebene substantivierte Pluralform Aalartige ist eine deutsche Bezeichnung für die Fischordnung Anguilliformes. Zu dieser Ordnung gehören unter anderem die eigentlichen Flussaale der Familie Anguillidae, Meeraale, Muränen, Schlangenaale und mehrere weitere Familien. FishBase führt die Anguilliformes gegenwärtig als eigene Ordnung der Teleostei und unterscheidet innerhalb dieser Systematik sechzehn Familien.
Die wissenschaftliche Bezeichnung Anguilliformes enthält dieselbe Vorstellung wie das deutsche aalartig: lateinisch anguilla bedeutet „Aal“, während -formis „-förmig“ beziehungsweise „von der Gestalt eines …“ bedeutet. Anguilliformes lässt sich dem Wortaufbau nach ungefähr als „Aalförmige“ wiedergeben.
Zu den typischen anatomischen Merkmalen der Anguilliformes gehört ein ausgesprochen langer Körper. Bauchflossen und deren Skelett fehlen bei den heutigen Vertretern; Brustflossen können vorhanden oder bei einzelnen Gruppen ebenfalls reduziert sein. Rücken- und Afterflosse gehen bei vielen Arten in einen langgezogenen Flossensaum über. Schuppen fehlen häufig oder sind klein und in die Haut eingebettet. Diese Kombination erzeugt den klassischen aalartigen Habitus.
Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) ist somit nicht lediglich aalartig, sondern selbst eines der Tiere, an deren Erscheinungsbild die Bedeutung des Adjektivs orientiert ist. Er bildet gewissermaßen den sprachlichen Prototyp des Vergleichs. Seine Körperform, Hautbeschaffenheit und Fortbewegung liefern unterschiedliche Eigenschaften, die auf andere Tiere oder Gegenstände übertragen werden können.
Nicht jedes im Deutschen als aalartig beschriebene Tier gehört jedoch zu den Anguilliformes. Besonders deutlich wird dies bei sogenannten Aalnamen, die aufgrund äußerlicher Ähnlichkeit auf zoologisch weit entfernte Organismen übertragen wurden. Der deutsche Tierwortschatz enthält zahlreiche derartige Namen.
Ein Beispiel sind die Älchen beziehungsweise bestimmte Nematoden. Ihr fadenförmig langgestreckter Körper kann an einen winzigen Aal erinnern, obwohl Fadenwürmer phylogenetisch mit Fischen nicht näher verwandt sind. Die Ähnlichkeit beschränkt sich vollständig auf einen allgemeinen Formeindruck und teilweise auf schlängelnde Bewegungen.
Auch Schleimaale besitzen einen langgestreckten, äußerlich aalähnlichen Körper. Sie gehören jedoch nicht zu den Anguilliformes, sondern zu einer sehr alten Linie kieferloser Wirbeltiere. Die Bezeichnung Aal in ihrem deutschen Namen beschreibt daher ebenfalls primär eine äußere Ähnlichkeit.
Ähnliches gilt für Neunaugen. Sie besitzen einen langen, schlanken Körper und bewegen sich teilweise in einer Weise, die an einen Aal erinnert. Systematisch sind sie jedoch kieferlose Wirbeltiere und keine echten Aale. Ein Neunauge kann somit morphologisch und hinsichtlich seiner Bewegung aalartig genannt werden, ohne ein Aalartiger im taxonomischen Sinn zu sein.
Unter den Knochenfischen hat sich eine aalartige Gestalt mehrfach unabhängig entwickelt. Zu den bekannten Beispielen gehören die sogenannten Zitteraale Südamerikas. Trotz ihres deutschen Namens sind Zitteraale keine Angehörigen der Anguilliformes. Sie gehören zu den südamerikanischen Messerfischen der Ordnung Gymnotiformes. Der Namensbestandteil -aal beruht vor allem auf ihrer langen, aalähnlichen Körpergestalt.
Auch die Stachelaale der Familie Mastacembelidae sind keine echten Aale. Sie gehören innerhalb moderner Fischsystematik zu einer anderen Entwicklungslinie der Knochenfische. Ihre starke Körperverlängerung hat jedoch einen ähnlichen Habitus hervorgebracht. Die Bezeichnung aalartig ist bei ihnen deshalb morphologisch zutreffend, taxonomisch aber nicht mit Anguilliformes gleichzusetzen.
Dasselbe Prinzip lässt sich auf sogenannte Sumpf- beziehungsweise Kiemenschlitzaale und weitere langgestreckte Fischgruppen anwenden. Der aalartige Körperbau hat sich in der Evolution aquatischer Wirbeltiere wiederholt unabhängig entwickelt. Eine solche unabhängige Entstehung ähnlicher Merkmale bei nicht unmittelbar verwandten Gruppen wird als Konvergenz bezeichnet.
Die aalartige Gestalt besitzt mehrere funktionelle Vorteile. Ein langer, schmaler und hochgradig biegsamer Körper eignet sich besonders dazu, sich durch enge Spalten, Höhlen, Pflanzenbestände oder lockeres Sediment zu bewegen. Bei vielen langgestreckten Fischen hängt die Körperform deshalb mit einer bodennahen, versteckten oder grabenden Lebensweise zusammen.
Untersuchungen langgestreckter Fische zeigen, dass eine aalartige Körperform nicht nur beim Schwimmen, sondern auch beim Eindringen in Sedimente vorteilhaft sein kann. Der Körper kann starke seitliche Biegungen ausführen, während die geringe Querschnittsfläche das Eindringen in schmale Zwischenräume erleichtert. Aalartige Morphologie ist damit nicht lediglich eine optische Besonderheit, sondern kann unmittelbar funktionelle Konsequenzen besitzen.
Besonders wichtig ist die Verbindung mit einer charakteristischen Form der Fortbewegung im Wasser. In der Biomechanik wird von anguilliformem Schwimmen beziehungsweise anguilliformer Lokomotion gesprochen. Dabei läuft eine seitliche Körperwelle über einen großen Teil oder nahezu die gesamte Körperlänge nach hinten. Der Körper selbst trägt somit wesentlich zur Erzeugung des Vortriebs bei.
Die Bezeichnung anguilliform wurde für diesen Schwimmtyp nach dem Aal beziehungsweise den Anguillidae geprägt. Sie bezeichnet einen der klassischen Grundtypen der schwimmmechanischen Einteilung von Fischen. Neben dem anguilliformen Typ werden beispielsweise subcarangiforme, carangiforme und thunniforme Schwimmweisen unterschieden, bei denen die Körperbewegungen zunehmend stärker auf den hinteren Körperabschnitt beziehungsweise die Schwanzflosse konzentriert sind.
Beim ausgeprägt anguilliformen Schwimmen breitet sich dagegen eine deutliche Undulationswelle entlang des Körpers aus. Die seitliche Ausschlagsweite nimmt gewöhnlich in Richtung Schwanz zu. Ein erheblicher Teil der Körperoberfläche wirkt dadurch auf das umgebende Wasser ein und erzeugt Vortrieb. Die Methode ermöglicht große Wendigkeit und funktioniert besonders gut bei langgestreckten, biegsamen Körpern.
Eine moderne Übersichtsstudie von 2024 zeigt, dass anguilliformes Schwimmen keineswegs auf echte Aale beschränkt ist. Entsprechende Bewegungsmuster finden sich bei verschiedenen Fischen, aber auch bei Neunaugen, Schleimaalen, Salamandern, aquatischen Schlangen und sogar Blutegeln. Der biomechanische Terminus beschreibt folglich eine Fortbewegungsweise und keine taxonomische Zugehörigkeit.
Hier zeigt sich besonders deutlich die semantische Leistungsfähigkeit des deutschen Adjektivs aalartig. Eine Bewegung kann aalartig sein, ohne dass das sich bewegende Lebewesen äußerlich vollständig einem Aal gleicht. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang die fortschreitende wellenförmige Krümmung des Körpers.
Unter den Amphibien liefern die Aalmolche der Gattung Amphiuma ein besonders anschauliches Beispiel für einen aalartigen Körperbau außerhalb der Fische. Ihre Körper sind stark verlängert, während die vier Gliedmaßen extrem klein sind. Trotz ihrer äußerlichen Ähnlichkeit mit Aalen handelt es sich um Schwanzlurche und damit um Amphibien.
Auch mehrere andere Schwanzlurche können eine langgestreckte, aalartige Gestalt aufweisen. Bei aquatischen Formen können Körperverlängerung und schlängelnde Schwimmbewegungen funktionell ähnliche Lösungen hervorbringen wie bei langgestreckten Fischen. Die äußere Übereinstimmung sagt deshalb allein wenig über die Verwandtschaft aus.
Bei Reptilien liegt der Vergleich mit einem Aal besonders bei langgestreckten, beinlosen oder stark gliedmaßenreduzierten Formen nahe. In solchen Fällen konkurriert aalartig allerdings häufig mit schlangenartig. Welcher Vergleich gewählt wird, hängt von Lebensraum, Bewegung und dem Gesamteindruck ab. Bei einem aquatischen, glatten, schlängelnden Organismus ist aalartig besonders naheliegend; bei einem terrestrischen beinlosen Reptil meist schlangenartig.
Auch außerhalb der Zoologie kann aalartig die Gestalt eines Gegenstands charakterisieren. Denkbar sind etwa aalartige Rohre, Fortsätze, Gebilde oder Strukturen, wenn diese auffallend lang, schmal und gebogen sind. In wissenschaftlichen Beschreibungen ist allerdings häufig das neutralere langgestreckt, fadenförmig, wurmförmig oder serpentiform genauer, sofern die spezifische Aalähnlichkeit nicht wesentlich ist.
Eine zweite große Bedeutungsdimension betrifft die Bewegung. Ein Gegenstand, Fahrzeug, Tier oder Mensch kann sich aalartig winden, aalartig hindurchbewegen oder aalartig entschlüpfen. Hier tritt die Körperform in den Hintergrund; entscheidend ist eine geschmeidige, kurvenreiche, rasche und schwer aufzuhaltende Bewegung.
Diese Bewegungsbedeutung ist bereits früh historisch belegt. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Einwortbildungen dokumentiert für aalartig einen Beleg aus E. T. A. Hoffmanns Die Irrungen von 1820: Eine Figur entzieht sich in „aalartigen Krümmungen und Windungen“. Damit ist die metaphorische Verwendung des Adjektivs bereits im frühen 19. Jahrhundert nachweisbar.
Ein weiterer anschaulicher Beleg findet sich 1853 in der Zeitschrift Die Gartenlaube. Dort werden Londoner zweirädrige Droschken beschrieben, die sich leicht und schnell aalartig durch die mit Fuhrwerken gefüllten Straßen winden. Die Eigenschaft wird hier vollständig von einem Tier auf ein Fahrzeug übertragen: Nicht dessen Form, sondern die wendige Bewegung motiviert den Vergleich.
1858 erscheint in derselben Zeitschrift erneut eine übertragene Verwendung für Menschen, die sich blitzschnell und aalartig durch eine Menschenmenge bewegen. Auch dies zeigt, dass aalartig früh nicht auf zoologische Beschreibungen beschränkt war. Das Wort gehörte ebenso zur bildhaften Sprache der Bewegung.
Ein zoologisch beschreibender Beleg findet sich 1859 in Pierers Universal-Lexikon. Dort wird eine Grundelgattung mit aalartigem Körper beschrieben. Der Ausdruck fungiert hier bereits als naturkundliches morphologisches Adjektiv. Sprachgeschichtlich sind damit im 19. Jahrhundert sowohl fachsprachliche als auch metaphorische Verwendungen gut belegt.
Die ursprüngliche Wortbildungsbedeutung ist dabei stets erkennbar. Anders als bei stark lexikalisierten Adjektiven muss ein Sprecher die Bedeutung von aalartig kaum eigens erlernen, sofern die Wörter Aal und -artig bekannt sind. Das Wort ist semantisch weitgehend transparent und lässt sich auch spontan auf neue Vergleichsobjekte anwenden.
Das Element -artig ist in solchen Bildungen produktiv. Es bedeutet nicht dasselbe wie das selbständige Adjektiv artig im Sinn von „brav“ oder „folgsam“. Ein aalartiges Tier ist selbstverständlich kein „braver Aal“. Das Wortbildungselement geht semantisch auf Art im Sinn von Beschaffenheit beziehungsweise Wesen zurück und drückt Ähnlichkeit oder Vergleichbarkeit aus.
Die Schreibung erfolgt grundsätzlich zusammen: aalartig. Die Form Aal-artig ist in gewöhnlichem Text nicht erforderlich. Auch eine Getrenntschreibung Aal artig wäre in dieser Bedeutung falsch. Lediglich bei besonderen typographischen Hervorhebungen oder metasprachlichen Zerlegungen kann ein Bindestrich sichtbar gemacht werden.
Als flektierbares Adjektiv passt sich aalartig an Kasus, Numerus und Genus des Bezugswortes an: ein aalartiger Fisch, eine aalartige Bewegung, ein aalartiges Tier, mit aalartigen Körpern. Prädikativ bleibt es unflektiert: Der Körper ist aalartig. Adverbial ist ebenfalls die Grundform üblich: Das Tier bewegt sich aalartig.
Eine Steigerung ist semantisch gewöhnlich nicht erforderlich. Lexikographisch wird aalartig vielfach als nicht gesteigert behandelt, weil die Bezeichnung primär eine Ähnlichkeitsrelation ausdrückt. Kontextuell kann eine vergleichende Umschreibung wie stärker aalartig, ausgeprägter aalartig oder mehr einem Aal ähnelnd sinnvoller sein als künstliche Formen wie aalartiger und am aalartigsten.
Die Großschreibung Aalartig ist nur zu Beginn eines Satzes möglich. Die Form Aalartige kann dagegen als substantiviertes Adjektiv großgeschrieben werden: etwas Aalartiges. In diesem allgemeinen Sinn bezeichnet sie „etwas, das einem Aal ähnelt“. Davon zu unterscheiden ist wiederum die fachsprachliche Pluralbezeichnung die Aalartigen für die taxonomische Ordnung Anguilliformes.
Die Form etwas Aalartiges ist semantisch offen. Sie kann einen unbekannten Organismus, einen Gegenstand oder sogar eine Bewegungserscheinung bezeichnen, die der Sprecher zunächst nur durch den Aalvergleich charakterisieren kann. Solche substantivierten Vergleichsadjektive sind besonders nützlich, wenn eine genauere Klassifikation noch fehlt.
Die taxonomische Form Aalartige ist dagegen terminologisch festgelegt. Sie verweist nicht auf sämtliche Lebewesen mit aalähnlichem Habitus, sondern auf eine stammesgeschichtlich definierte Fischgruppe. Diese Differenz lässt sich mit einem einfachen Beispiel verdeutlichen: Ein Aalmolch ist aalartig, gehört aber nicht zu den Aalartigen; eine Muräne gehört dagegen zu den Aalartigen, obwohl sie im Deutschen nicht einfach „Aal“ heißt.
Ähnlich verhält es sich mit dem Zitteraal: Er ist äußerlich aalartig und trägt sogar Aal im deutschen Namen, gehört aber nicht zu den Anguilliformes. Solche Beispiele zeigen, warum morphologische Adjektive niemals ohne Weiteres als taxonomische Aussagen interpretiert werden dürfen.
Der wissenschaftliche Ausdruck anguilliform beziehungsweise deutsch anguilliform steht dem Wort aalartig sehr nahe, ist aber stärker fachsprachlich geprägt. In Morphologie und Biomechanik bedeutet anguilliform „aalförmig“ oder „nach Art eines Aals“. Besonders fest ist die Verbindung anguilliforme Lokomotion beziehungsweise anguilliformes Schwimmen.
Der Begriff anguilliform sollte wiederum nicht automatisch mit der taxonomischen Bezeichnung Anguilliformes verwechselt werden. Ein Salamander oder eine Wasserschlange kann sich anguilliform fortbewegen, ohne ein Angehöriger der Fischordnung Anguilliformes zu sein. Die wissenschaftliche Terminologie reproduziert damit dieselbe Unterscheidung wie das Deutsche zwischen aalartig und Aalartige.
In der Bewegungsforschung ist diese Unterscheidung besonders produktiv geworden. Anguilliformes Schwimmen wird inzwischen nicht nur biologisch untersucht, sondern dient auch als Vorbild für Unterwasserrobotik und Bionik. Flexible Roboterkörper können durch seitlich fortschreitende Wellen angetrieben werden und dadurch Bewegungsmuster nachbilden, die bei Aalen und anderen langgestreckten Schwimmern vorkommen.
Damit erhält aalartig indirekt auch eine technische Dimension. Eine „aalartige“ Maschine kann nicht nur äußerlich langgestreckt sein, sondern bewusst eine Bewegungsstrategie biologischer Vorbilder übernehmen. In solchen Fällen steht weniger die bloße visuelle Ähnlichkeit als die funktionelle Analogie im Vordergrund.
Semantisch lassen sich daher mindestens vier eng miteinander verbundene Bereiche unterscheiden: aalartig in der Form, also langgestreckt und schmal; aalartig in der Bewegung, also schlängelnd oder undulierend; aalartig in der Oberflächenwirkung, also glatt und schwer zu greifen; und aalartig im übertragenen Verhalten, also wendig, ausweichend oder schwer festzuhalten. Nicht jeder Gebrauch aktiviert alle vier Merkmale gleichzeitig.
Bei Personen kann eine solche Übertragung wertend werden. Wird jemand als aalartig beschrieben, kann dies Geschmeidigkeit und Wendigkeit meinen, aber auch Ausweichen, schweres Festzulegen oder eine unangenehme Glätte suggerieren. Diese figurative Personenbeschreibung ist stark kontextabhängig und wesentlich seltener als feste Bildungen wie aalglatt.
Aalartig ist insgesamt ein vergleichsweise seltenes, aber vollständig verständliches deutsches Adjektiv. Duden kennzeichnet seine Gebrauchshäufigkeit als gering. Seine geringe absolute Frequenz bedeutet jedoch nicht, dass das Wort veraltet wäre. Es bleibt produktiv einsetzbar und ist insbesondere in zoologischen, naturkundlichen und bildhaften Beschreibungen ohne Weiteres verständlich.
Die begriffliche Präzision hängt wesentlich vom Substantiv ab, das das Adjektiv begleitet. Aalartiger Körper bezeichnet typischerweise Morphologie, aalartige Bewegung Kinematik, aalartige Glätte eine Oberflächeneigenschaft und aalartige Wendigkeit ein Bewegungs- oder Verhaltensmerkmal. Das Adjektiv besitzt deshalb keine einzige naturwissenschaftlich messbare Eigenschaft als Bedeutungskern, sondern organisiert ein Bündel prototypischer Merkmale des Aals.
Lexikologisch handelt es sich damit um ein typisches Ähnlichkeitsadjektiv. Der Aal fungiert als Vergleichsprototyp, von dem einzelne wahrnehmbare Eigenschaften auf andere Referenten übertragen werden. Gerade deshalb reicht der Gebrauch vom streng zoologischen Körpervergleich über die biomechanische Fachsprache bis zur literarischen Metapher.
Eine präzise Kurzdefinition lautet: aalartig bedeutet „einem Aal in Gestalt, Bewegung oder einer anderen charakteristischen Eigenschaft ähnlich“. In zoologischen Texten bezeichnet es meist einen langgestreckten, schlanken, häufig schlangenförmig wirkenden Körperbau; in der Bewegungsbeschreibung eine schlängelnde beziehungsweise wellenförmige Fortbewegung. Das Adjektiv ist von der substantivierten taxonomischen Bezeichnung Aalartige für die Ordnung Anguilliformes zu unterscheiden.
Übersetzungen
Englisch: eel-like, eellike – allgemeine Entsprechung für „einem Aal ähnlich“; fachsprachlich anguilliform, besonders für aalartige Körperform und Fortbewegung.
Französisch: anguilliforme – aalförmig, aalartig; daneben beschreibend semblable à une anguille „einem Aal ähnlich“. Das Adjektiv anguilliforme wird sowohl morphologisch als auch für entsprechende Bewegungsformen verwendet.
Italienisch: anguilliforme – „aalartig, aalförmig“; auch übertragen für etwas Geschmeidiges, Ausweichendes oder schwer Greifbares möglich; beschreibend simile a un’anguilla.
Spanisch: anguiliforme – aalförmig beziehungsweise aalartig; beschreibend parecido a una anguila beziehungsweise semejante a una anguila.
Portugiesisch: anguiliforme beziehungsweise beschreibend semelhante a uma enguia – einem Aal ähnlich.
Niederländisch: aalachtig, aalvormig – aalartig beziehungsweise aalförmig; je nach Zusammenhang auch beschreibend als een aal.
Dänisch: åleagtig, åleformet – aalartig beziehungsweise aalförmig.
Schwedisch: ålartad, ålformig, ålliknande – aalartig, aalförmig, aalähnlich.
Norwegisch Bokmål: ålelignende, åleformet – einem Aal ähnlich beziehungsweise aalförmig.
Polnisch: węgorzowaty – aalartig, aalförmig; beschreibend podobny do węgorza „einem Aal ähnlich“.
Ungarisch: angolnaszerű – aalartig beziehungsweise einem Aal ähnlich.
Tschechisch: beschreibend úhořovitý beziehungsweise podobný úhoři – aalartig beziehungsweise einem Aal ähnlich.
Lateinisch: anguilliformis – aalförmig, von der Gestalt eines Aals; die wissenschaftliche Neubildung steht auch hinter der zoologischen Ordnungsbezeichnung Anguilliformes.
Bei Übersetzungen muss zwischen der gewöhnlichen Ähnlichkeitsbedeutung und dem zoologischen Terminus unterschieden werden. Englisch eel-like entspricht dem deutschen Alltagsadjektiv besonders unmittelbar; anguilliform ist dagegen in Morphologie, Ichthyologie, Biomechanik und Bewegungsforschung die präzisere fachsprachliche Entsprechung.
Web-links
Duden – aalartig – Rechtschreibung, Wortart, Worttrennung und Grundbedeutung „einem Aal ähnlich; wie ein Aal“.
Digitales Wörterbuch der deutschen Einwortbildungen – Aal – historische und lexikographische Dokumentation von aalartig und verwandten Bildungen; enthält unter anderem Belege von 1820 und 1859.
Duden – -artig – Bedeutung und Funktion des produktiven adjektivischen Wortbildungselements -artig.
Wikisource – Die Gartenlaube 1853, Heft 10 – historischer Beleg für die übertragene Bewegungsbedeutung von aalartig.
Spektrum Lexikon der Biologie – Aalartige Fische – zoologische Erläuterung der Aalartigen beziehungsweise Anguilliformes und ihrer charakteristischen Morphologie.
Spektrum Lexikon der Biologie – Aale – Beschreibung von Körperbau, Flossensaum, Schuppen, Beweglichkeit und Lebensweise der Aale.
FishBase – Anguilliformes – aktuelle systematische Übersicht zur Ordnung der Aalartigen mit Angaben zu Familien, Morphologie, Lebensräumen und taxonomischer Stellung.
World Register of Marine Species – Anguillidae – aktueller taxonomischer Datensatz zur Familie der Flussaale innerhalb der Anguilliformes.
Biological Reviews – Form and function of anguilliform swimming – umfassende wissenschaftliche Übersicht von 2024 zur Anatomie, Kinematik und Hydrodynamik des anguilliformen Schwimmens.
PubMed – Form and function of anguilliform swimming – bibliographischer und wissenschaftlicher Nachweis der aktuellen Übersicht zum anguilliformen Schwimmtyp.
PLoS Computational Biology / PubMed Central – Disentangling the Functional Roles of Morphology and Motion in the Swimming of Fish – Untersuchung zum Zusammenhang zwischen langgestreckter Körperform, anguilliformer Bewegung und Hydrodynamik.
Journal of Experimental Biology / PubMed – Burrowing and subsurface locomotion in anguilliform fish – Untersuchung der funktionellen Vorteile langgestreckter aalartiger Körper beim Graben und bei der Fortbewegung im Sediment.
Treccani – anguilliforme – italienischer Wörterbucheintrag zur morphologischen und übertragenen Bedeutung des entsprechenden Adjektivs.