Aalbutt

Grundbedeutung

Aalbutt ist eine deutsche Bezeichnung für die Hundszunge, den nordatlantischen Plattfisch Glyptocephalus cynoglossus. Weitere deutsche Namen dieser Art sind Rotzunge und Zungenbutt. Die Art gehört zur Familie der Schollen, Pleuronectidae, innerhalb der Plattfische.

Der Name Aalbutt ist anschaulich gebildet. Das Grundwort Butt gehört zum norddeutschen Wortschatz für Plattfische. Das Bestimmungswort Aal bezieht sich wahrscheinlich auf die für einen Plattfisch auffällig langgestreckte, schmale Körperform der Hundszunge. Ein Aalbutt ist jedoch zoologisch kein Aal und steht mit den eigentlichen Aalen der Ordnung Anguilliformes nicht näher in Beziehung.

Die Hundszunge ist ein rechtsäugiger Plattfisch: Im Verlauf der Jugendentwicklung wandert das ursprünglich auf der linken Körperseite befindliche Auge auf die rechte Seite. Das erwachsene Tier liegt gewöhnlich mit seiner helleren Blindseite auf dem Boden, während beide Augen auf der pigmentierten rechten Körperseite liegen.

Daneben existiert eine historische und regional begrenzte lexikographische Nebenbedeutung. In der bairischen Dialektlexikographie wird Aalbutt auch für die Quappe beziehungsweise Rutte, Lota lota, angegeben. Der zitierte historische Beleg verwendet allerdings die Form Aalputte. Diese Nebenüberlieferung ist daher sorgfältig von der überregionalen Plattfischbedeutung zu unterscheiden.

Wortart

Aalbutt ist ein maskulines Substantiv: der Aalbutt. Der reguläre Plural lautet die Aalbutte.

Das Wort ist morphologisch ein substantivisches Determinativkompositum aus Aal und Butt. Das Grundwort bestimmt Wortart und Genus, weshalb die Zusammensetzung wie Butt maskulin ist.

Semantisch bezeichnet das Erstglied eine charakteristische Ähnlichkeit beziehungsweise Formeigenschaft. Der Aalbutt ist kein „Butt des Aals“, sondern ein besonders langgestreckter Plattfisch, dessen Gestalt gegenüber vielen anderen Schollenfischen vergleichsweise schmal wirkt.

Aussprache

Die standarddeutsche Aussprache lautet [ˈaːlˌbʊt]. Die Hauptbetonung liegt auf dem ersten Bestandteil Aal-; das Grundwort -butt kann eine Nebenbetonung tragen.

Der Anfangsvokal ist lang [aː]. Das u in Butt ist kurz und offen beziehungsweise zentralisiert als [ʊ]. Der Schlusskonsonant wird als stimmloses [t] realisiert.

Die Worttrennung lautet Aal·butt, im Plural Aal·but·te.

Grammatik

Lemma Aalbutt
Wortart Substantiv
Genus Maskulinum
Artikel der
Nominativ Singular der Aalbutt
Genitiv Singular des Aalbutts; auch des Aalbuttes
Dativ Singular dem Aalbutt; älter auch dem Aalbutte
Akkusativ Singular den Aalbutt
Nominativ Plural die Aalbutte
Genitiv Plural der Aalbutte
Dativ Plural den Aalbutten
Akkusativ Plural die Aalbutte
Wortbildung Aal + Butt
Hauptbedeutung Hundszunge, Glyptocephalus cynoglossus
Historische regionale Nebenbedeutung Rutte beziehungsweise Quappe, Lota lota

Die Flexion entspricht weitgehend derjenigen des Grundwortes Butt. Beim Genitiv sind sowohl die kurze Form des Aalbutts als auch die erweiterte Form des Aalbuttes möglich. Im heutigen Sprachgebrauch ist Aalbutts gewöhnlich natürlicher.

Der Plural Aalbutte tritt aufgrund der geringen allgemeinen Häufigkeit des Tiernamens nur selten auf, ist aber grammatisch regulär: mehrere Aalbutte, die Bestände der Aalbutte, Fänge mit Aalbutten.

Orthographie

Die standardsprachliche Schreibung lautet Aalbutt. Die Bestandteile werden zusammengeschrieben, da ein reguläres deutsches Substantivkompositum vorliegt. Ein Fugenelement steht nicht zwischen Aal und Butt.

Die Bindestrichform Aal-Butt ist im normalen Fließtext nicht erforderlich. Sie kann allenfalls in einer ausdrücklich morphologischen Darstellung verwendet werden, wenn die Wortbestandteile hervorgehoben werden sollen.

Von Aalbutt ist die historische Form Aalputte zu unterscheiden. Aalputte ist als Name der Quappe beziehungsweise Rutte überliefert. Dass die bairische Dialektlexikographie den Eintrag Aalbutt ebenfalls auf die Rutte bezieht, darf nicht dazu führen, Aalbutt und Aalputte in allen historischen Zusammenhängen als identisch anzusehen.

Gebrauch

Aalbutt ist heute eine seltene fischkundliche beziehungsweise lexikographische Bezeichnung. In der deutschsprachigen Gegenwartssprache sind Hundszunge und insbesondere im Handel Rotzunge geläufiger.

Die Europäische Union führt für Deutschland als zulässige Handelsbezeichnung von Glyptocephalus cynoglossus gegenwärtig Rotzunge. Aalbutt ist damit zwar ein korrekter deutscher Trivialname, aber nicht die maßgebliche aktuelle deutsche Handelsbezeichnung.

Typische Verwendungen sind: Der Aalbutt gehört zur Familie der Schollen. – Aalbutt ist ein anderer Name für die Hundszunge. – Der langgestreckte Aalbutt lebt auf weichen Meeresböden. – Historische Wörterbücher unterscheiden nicht immer konsequent zwischen Aalbutt und Aalputte.

In fischereibiologischen Texten wird zur Vermeidung von Mehrdeutigkeiten häufig der wissenschaftliche Name Glyptocephalus cynoglossus verwendet.

Bedeutungsbereich

Das Wort gehört zu den Bereichen Ichthyologie, Meeresbiologie, Fischerei, Fischhandel, historische Tiernamenkunde und Lexikographie.

Als Tiername bezeichnet Aalbutt einen bodenlebenden Meeresfisch kalter bis gemäßigter Regionen des Nordatlantiks. Die Art lebt überwiegend auf weichen Schlamm- und Schlickböden in größerer Tiefe und ernährt sich vor allem von bodenlebenden wirbellosen Tieren.

Sprachgeschichtlich gehört das Wort außerdem in das norddeutsche Namensfeld von Butt, einem alten niederdeutschen Namen für Plattfische. Zusammensetzungen wie Steinbutt, Heilbutt, Glattbutt und Aalbutt zeigen die hohe historische Produktivität dieses Grundwortes.

Lexikon

Der Aalbutt ist die Hundszunge, Glyptocephalus cynoglossus, ein Meeresfisch aus der Familie Pleuronectidae. Er gehört zu den rechtsäugigen Plattfischen und lebt im nördlichen Atlantik sowie in angrenzenden arktischen Gewässern.

Der deutsche Name ist spätestens seit dem 19. Jahrhundert schriftlich sicher belegt. Eine naturkundliche Quelle von 1882 verwendet Aalbutt ausdrücklich für Pleuronectes cynoglossus, die damalige wissenschaftliche Bezeichnung der heutigen Hundszunge. Meyers Großes Konversations-Lexikon nennt 1909 „Hundszunge (Aalbutt, Pole, P. cynoglossus L.)“.

Damit ist die Hauptbedeutung historisch eindeutig. Der Ausdruck ist keine moderne Erfindung und auch keine bloß theoretisch mögliche Zusammensetzung aus Aal und Butt.

Carl von Linné beschrieb die Art 1758 in der zehnten Auflage des Systema Naturae als Pleuronectes cynoglossus. Dieser Name ist das Basionym des heute akzeptierten wissenschaftlichen Namens.

Die heutige Kombination lautet Glyptocephalus cynoglossus (Linnaeus, 1758). Die Klammern um den Namen des Erstbeschreibers zeigen, dass die Art später aus Linnés ursprünglicher Gattung Pleuronectes in eine andere Gattung überführt wurde.

Die Gattung Glyptocephalus wurde 1835 von Gottsche aufgestellt. Der Gattungsname setzt sich aus griechischen Bestandteilen zusammen, die sich auf Kopf beziehungsweise Form beziehen. Das Art-Epitheton cynoglossus enthält die griechischen Wörter für „Hund“ und „Zunge“ und entspricht damit inhaltlich der deutschen Bezeichnung Hundszunge.

Die Art gehört zur Familie Pleuronectidae, den rechtsäugigen Schollenverwandten. Sie darf nicht mit der Fischfamilie Cynoglossidae verwechselt werden, die auf Deutsch ebenfalls als Hundszungen bezeichnet wird. Die deutsche Bezeichnung Hundszunge ist in diesem Fall also zugleich ein Artname und Bestandteil eines Namens einer anderen Plattfischfamilie.

Wie bei anderen Plattfischen beginnt das Leben des Aalbutts zunächst mit einer annähernd symmetrischen Körpergestalt. Die Larve besitzt zunächst je ein Auge auf jeder Kopfseite und schwimmt frei im Wasser.

Während der Metamorphose verändert sich der Körper grundlegend. Ein Auge wandert auf die andere Kopfseite; bei Glyptocephalus cynoglossus liegen beim fertigen Bodenfisch beide Augen auf der rechten Körperseite. Gleichzeitig wird der Körper asymmetrisch und geht zur bodennahen Lebensweise über.

Die Hundszunge ist innerhalb der Plattfische vergleichsweise langgestreckt. Der Körper kann etwa drei- bis viermal so lang wie hoch sein. Gerade diese schlanke Gestalt liefert eine plausible Erklärung für das Bestimmungswort Aal in Aalbutt.

Die Augen befinden sich auf der rechten Körperseite. Die Augenseite ist gewöhnlich graubraun, rötlichbraun oder ähnlich gedeckt gefärbt, während die Blindseite heller ist.

Die Seitenlinie ist vollständig und im Gegensatz zu manchen anderen Plattfischen auffallend gerade. Dieses Merkmal ist für die Bestimmung der Art wichtig.

Der Kopf ist vergleichsweise klein. Auch das Maul ist relativ klein. Die Brustflosse der Augenseite ist kürzer als der Kopf und besitzt am äußeren beziehungsweise hinteren Bereich eine charakteristische dunkle Färbung.

Auf der Blindseite des Kopfes befinden sich auffällige Schleimporen. Die Schuppen fühlen sich vergleichsweise rau an. Zusammen mit Körperproportionen, Seitenlinie und Flossenmerkmalen helfen diese Eigenschaften, die Art von anderen Schollenfischen zu unterscheiden.

Die maximale in FishBase angegebene Standardlänge beträgt ungefähr 60 Zentimeter. Als höchstes publiziertes Gewicht werden etwa 2,5 Kilogramm angegeben.

Die meisten gefangenen Tiere bleiben deutlich kleiner. In skandinavischen Gewässern liegen viele Exemplare unter 40 Zentimetern. Besonders große und alte Tiere sind entsprechend seltener.

Als maximales dokumentiertes Alter werden ungefähr 25 Jahre angegeben. Die Art kann damit für einen mittelgroßen Plattfisch vergleichsweise langlebig sein.

Die Hundszunge ist ein demersaler Fisch. Sie lebt überwiegend unmittelbar über oder auf dem Meeresboden und gehört damit ökologisch zur Grundfischfauna.

Bevorzugt werden feine, weiche Sedimente, besonders Schlamm- und Schlickböden. Die Tiere können sich teilweise in den weichen Untergrund eingraben beziehungsweise eng an ihn anschmiegen.

Der dokumentierte Tiefenbereich ist außerordentlich groß und reicht ungefähr von 18 bis über 1500 Metern. Besonders häufig wird die Art jedoch in deutlich engeren mittleren Tiefenbereichen von etwa 45 bis 366 Metern gefunden.

Im nordöstlichen Atlantik kommt die Hundszunge insbesondere in tieferen Bereichen der Nordsee, des Skagerraks und des Kattegats vor. In der südöstlichen Nordsee ist sie deutlich seltener.

Auch in der westlichen beziehungsweise südwestlichen Ostsee kann sie auftreten. Wegen der dort geringeren Salinität und geringeren Tiefen gehört sie jedoch nicht überall zu den typischen häufigen Plattfischarten.

Das gesamte Verbreitungsgebiet umfasst beide Seiten des Nordatlantiks. Im westlichen Atlantik reicht das Areal von Labrador und Grönland südwärts bis in den Bereich von North Carolina.

Im östlichen Atlantik kommt die Art von arktisch-nordatlantischen Gebieten über norwegische Gewässer bis in die Nordsee und angrenzende europäische Meeresgebiete vor.

Die Art bevorzugt kaltes Wasser. FishBase nennt einen typischen Temperaturbereich von ungefähr zwei bis sechs Grad Celsius für viele ihrer Lebensräume.

Diese Temperaturpräferenz erklärt teilweise, weshalb die Hundszunge vor allem in tieferen Bereichen der Nordsee verbreitet ist und in wärmeren flachen Gewässern weniger häufig auftritt.

Die Nahrung besteht vor allem aus bodenbewohnenden wirbellosen Tieren. Besonders wichtig sind Borstenwürmer, kleine Krebstiere und Schlangensterne.

Daneben werden weitere benthische Wirbellose und gelegentlich kleinere Fische gefressen. Das kleine Maul passt zu dieser überwiegend auf kleinere Bodentiere ausgerichteten Ernährungsweise.

Die Nahrungssuche findet direkt am oder im Sediment statt. Die Hundszunge ist daher stark mit der ökologischen Struktur weicher Meeresböden verbunden.

Die Fortpflanzungszeit unterscheidet sich regional. Für skandinavische beziehungsweise nordeuropäische Bestände werden Laichzeiten vom Frühjahr bis in den Sommer beziehungsweise Frühherbst beschrieben.

Die Eier werden nicht am Boden befestigt, sondern entwickeln sich pelagisch im freien Wasser. Auch die frühen Larven leben zunächst planktonisch.

Erst nach der typischen Plattfischmetamorphose gehen die Jungtiere zum Bodenleben über. Eine Darstellung des norwegischen Havforskningsinstituttet gibt an, dass Jungtiere bei ungefähr fünf bis sechs Zentimetern Länge zum Bodenleben übergehen.

Die Entwicklungsbiologie zeigt besonders deutlich, weshalb die Bezeichnung „Plattfisch“ keine ursprüngliche Larvenform beschreibt. Die charakteristische Asymmetrie entsteht erst während der Individualentwicklung.

Wirtschaftlich ist Glyptocephalus cynoglossus ein kommerziell genutzter Speisefisch. Er wird überwiegend mit Grundschleppnetzen gefangen und gelangt sowohl frisch als auch gefroren in den Handel.

Die wirtschaftliche Bedeutung unterscheidet sich regional erheblich. In Deutschland ist die Art als eigenständiger Speisefisch wenig bekannt, während sie beispielsweise in Dänemark und anderen nordatlantischen Fischereinationen stärker genutzt wird.

Das Fleisch gilt als weiß, mager und mild. Der relativ flache Körper führt jedoch im Verhältnis zur Gesamtkörpergröße zu einem begrenzten Filetertrag.

Die Europäische Union führt für die Art den FAO-Dreilettercode WIT. Dieser Code wird in Fangstatistiken und fischereilichen Regelungen verwendet.

Als deutsche Handelsbezeichnung wird in der entsprechenden EU-Datenbank Rotzunge angegeben. Das ist sprachlich problematisch, weil Rotzunge im allgemeinen deutschen Fischwortschatz ebenfalls die Limande, Microstomus kitt, bezeichnen kann.

Gerade bei Handelsnamen ist deshalb der wissenschaftliche Artname besonders wichtig. Rotzunge ohne wissenschaftliche Ergänzung ist nicht in jedem deutschsprachigen Kontext eindeutig.

Hundszunge ist ebenfalls potenziell missverständlich. Die Art Glyptocephalus cynoglossus gehört nicht zur Familie der Hundszungen, Cynoglossidae.

Zungenbutt ist als weiterer deutscher Name transparent, aber ebenfalls nicht vollkommen eindeutig, weil das Element „Zunge“ in den Namen zahlreicher unterschiedlich verwandter Plattfische vorkommt.

Aalbutt hat gegenüber diesen Namen den Vorteil, dass die charakteristische schmale Körperform besonders deutlich hervorgehoben wird. Der Name blieb jedoch vergleichsweise selten.

Globale und regionale Gefährdungseinstufungen müssen voneinander getrennt werden. Die globale IUCN-Bewertung führt Glyptocephalus cynoglossus gegenwärtig als Vulnerable, also gefährdet.

Die zugrunde liegende globale Bewertung stammt vom 12. Februar 2021 und wird in aktuellen Artendatenbanken weiterhin als gültige Einstufung geführt.

Für die deutschen Meeresgewässer ergibt sich ein anderes Bild. Die deutsche Rote Liste der Meeresfische und Neunaugen von 2025 bewertet die Hundszunge als ungefährdet.

Gleichzeitig bezeichnet die deutsche Rote Liste die aktuelle Bestandssituation innerhalb des deutschen Bewertungsraums als sehr selten. Ein geringer regionaler Bestand bedeutet also nicht automatisch eine Gefährdungskategorie, wenn andere Bewertungskriterien eine solche nicht ergeben.

Der kurzfristige deutsche Bestandstrend wird dort als deutliche Zunahme eingeschätzt, während für den langfristigen Trend unzureichende Daten vorliegen.

Diese nationale Einschätzung darf nicht gegen die globale IUCN-Einstufung ausgespielt werden. Beide Bewertungen beziehen sich auf unterschiedliche räumliche Populationen und Bewertungsmaßstäbe.

Auch einzelne Fischereibestände werden gesondert beurteilt. Der Internationale Rat für Meeresforschung behandelt beispielsweise einen Bestand der Hundszunge in Nordsee, Skagerrak, Kattegat und östlichem Ärmelkanal als eigene Managementeinheit.

Für diese Einheit veröffentlichte ICES 2026 eine auf dem MSY-Ansatz beruhende Empfehlung, nach der die Fänge im Jahr 2027 höchstens 1996 Tonnen betragen sollten. Eine solche Fangempfehlung ist weder eine globale Populationsgröße noch eine allgemeine Gefährdungskategorie, sondern ein fischereiwissenschaftlicher Managementwert für einen definierten Bestand.

Die Hundszunge ist somit gleichzeitig ein biologisch gut definierter Plattfisch, ein wirtschaftlich genutzter Fischereibestand und Träger einer ungewöhnlich vielfältigen deutschen Namenlandschaft.

Für Aalbutt kommt eine zusätzliche historische Schwierigkeit hinzu. Bayerns Dialekte Online führt einen inzwischen historischen Eintrag Aalbutt in der Bedeutung Rutte beziehungsweise Quappe, Lota lota.

Der dort zitierte Beleg aus Josef Carl Webers Abbildungen der Fische, welche in den Flüssen und Seen von Bayern vorkommen von 1851 lautet jedoch „die Aalputte“. Die zugrunde liegende historische Form ist damit Aalputte.

Aalputte ist als Name der Quappe wesentlich breiter historisch dokumentiert. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert begegnet es neben Aalquappe, Aalraupe, Aalruppe, Aalrutte, Rutte, Ruppe und Trüsche.

Der bairische Eintrag Aalbutt sollte deshalb als regionale beziehungsweise lexikographisch normalisierte Nebenüberlieferung betrachtet und nicht mit dem nordatlantischen Plattfisch vermischt werden.

Zwischen Glyptocephalus cynoglossus und Lota lota besteht keine nahe zoologische Verwandtschaft. Die Quappe ist ein dorschartiger Süßwasserfisch, während die Hundszunge ein mariner Plattfisch ist.

Für historische Texte ist daher der Kontext entscheidend. Ein norddeutscher beziehungsweise meeresfischkundlicher Text kann mit Aalbutt die Hundszunge meinen; ein bairischer historischer Beleg im Umfeld von Rutte und Quappe kann dagegen auf die regionale Überlieferung Aalputte/Aalbutt verweisen.

Diese doppelte Beleglage macht Aalbutt lexikographisch interessanter, als die einfache moderne Gleichung „Aalbutt = Hundszunge“ zunächst vermuten lässt.

Etymologie

Lemma Aalbutt
Bildung Aal + Butt
Wortbildungsart Determinativkompositum
Bestimmungswort Aal
Grundwort Butt
Genus Maskulinum
Benennungsmotiv des Erstglieds wahrscheinlich die auffällig langgestreckte, aalähnliche Körperform
Bedeutung des Grundworts norddeutsche Bezeichnung für einen Plattfisch
Herkunft von Butt niederdeutsch; zu butt „stumpf, plump“ gestellt
Früher hier sicher nachgewiesener Hauptbeleg 1882
Historische regionale Nebenform Aalputte beziehungsweise dialektlexikographisch Aalbutt für Lota lota

Aalbutt ist synchron ohne Schwierigkeiten als Zusammensetzung aus Aal und Butt zu erkennen.

Das Grundwort Butt stammt aus dem Niederdeutschen und bezeichnet dort beziehungsweise im norddeutschen Sprachraum verschiedene Plattfische. Seine Herkunft wird gewöhnlich mit niederdeutsch butt „stumpf, plump“ verbunden. Der Name dürfte ursprünglich die gedrungene beziehungsweise stumpfe Gestalt bestimmter Plattfische charakterisiert haben.

Im Deutschen wurde Butt zu einem produktiven Element von Fischnamen. Dazu gehören Steinbutt, Heilbutt, Glattbutt, Flügelbutt, Goldbutt und Aalbutt.

Das Bestimmungswort Aal- bezeichnet beim Aalbutt keine zoologische Abstammung. Die Hundszunge ist innerhalb der Plattfische ungewöhnlich schlank und langgezogen. Deshalb liegt eine gestaltvergleichende Benennung nahe: ein „aalartig langgestreckter Butt“.

Diese Motivierung entspricht einem häufigen Muster deutscher Tiernamen. Das Erstglied eines Kompositums kann eine äußere Ähnlichkeit ausdrücken, ohne dass zwischen den bezeichneten Tiergruppen eine systematische Verwandtschaft besteht.

Von dieser transparenten Bildung ist die historische Aalputte für Lota lota zu unterscheiden. Da der bairische Dialekteintrag Aalbutt mit einem Beleg Aalputte dokumentiert wird, sollte für diese Nebenbedeutung keine vorschnelle identische Etymologie vorausgesetzt werden.

Wortgeschichte

Die Hauptbedeutung Aalbutt = Glyptocephalus cynoglossus ist spätestens für das späte 19. Jahrhundert sicher belegt.

Eine Quelle von 1882 nennt den „Aalbutt (Pleuronectes cynoglossus)“. Damit ist sowohl der deutsche Name als auch die zoologische Referenz eindeutig.

1909 führt Meyers Großes Konversations-Lexikon bei den Schollen die „Hundszunge (Aalbutt, Pole, P. cynoglossus L.)“ auf. Die Bezeichnung war damit zumindest in zoologischen und enzyklopädischen Fachtexten etabliert.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurde Hundszunge als deutscher Artname häufiger. Im Fischhandel etablierte sich außerdem Rotzunge.

Dadurch verlor Aalbutt an Gebrauchshäufigkeit, ohne vollständig zu verschwinden. Moderne Wörterbücher, Fischlexika und mehrsprachige Fachwörterbücher führen den Namen weiterhin.

Eine zweite Wortgeschichte betrifft die Quappe. Aalputte ist für Lota lota bereits 1786 belegt und im 19. Jahrhundert mehrfach dokumentiert.

Das Digitale Wörterbuch der deutschen Wortbildungselemente führt Aalputte zusammen mit Aalquappe, Aalraupe, Aalruppe und weiteren Namen als Bezeichnung der Quappe auf.

Die bairische Dialektlexikographie besitzt daneben einen historischen Eintrag Aalbutt mit derselben Bedeutung. Ihr eigener Beleg von 1851 hat jedoch die Form Aalputte.

Damit treffen unter der modernen Zeichenfolge Aalbutt zwei historische Namenstraditionen aufeinander: die überregionale Plattfischbezeichnung und eine regionale quappenbezogene Überlieferung.

Historische Einordnung

Die Geschichte des Wortes gehört zur Entwicklung der europäischen Fischkunde und der allmählichen Vereinheitlichung von Tiernamen.

Vor der konsequenten Verwendung wissenschaftlicher Binomina besaßen viele Fische zahlreiche regionale Namen. Fischer, Händler und Naturkundler bezeichneten dieselbe Art abhängig von Landschaft, äußerem Eindruck, Fangweise oder wirtschaftlicher Nutzung unterschiedlich.

Plattfische sind dafür besonders charakteristisch. Wörter wie Butt, Scholle, Flunder, Zunge und Platte wurden historisch regional unterschiedlich weit verwendet.

Die wissenschaftliche Nomenklatur reduzierte diese Mehrdeutigkeit. Glyptocephalus cynoglossus bezeichnet heute unabhängig von regionalen Trivialnamen eine bestimmte biologische Art.

Die deutsche Benennung blieb jedoch vielfältig. Aalbutt, Hundszunge, Rotzunge und Zungenbutt bezeichnen beziehungsweise bezeichneten denselben Fisch.

Gleichzeitig ist gerade Rotzunge wiederum mehrdeutig, weil derselbe Name auch für Microstomus kitt verwendet wird. Historische und kommerzielle Fischbezeichnungen bleiben daher selbst im Zeitalter wissenschaftlicher Taxonomie erklärungsbedürftig.

Antonyme

Ein Tiername wie Aalbutt besitzt kein eigentliches lexikalisches Antonym.

Sachliche Kontraste können beispielsweise zwischen Plattfisch und Rundfisch, Meeresfisch und Süßwasserfisch, Bodenfisch und Freiwasserfisch oder rechtsäugigem und linksäugigem Plattfisch gebildet werden. Diese sind jedoch keine sprachlichen Antonyme des Lemmas.

Auch Aal bildet keinen Gegensatz zum Aalbutt. Der Bestandteil Aal dient lediglich der Benennung nach äußerer Ähnlichkeit.

Synonyme und bedeutungsverwandte Ausdrücke

Hundszunge – heute gebräuchlicher deutscher Artname von Glyptocephalus cynoglossus.

Rotzunge – deutsche Handels- und Trivialbezeichnung; mehrdeutig, da auch Microstomus kitt so genannt wird.

Zungenbutt – weiteres deutsches Synonym der Hundszunge.

Witch flounder – englischer Standardname.

Witch – verkürzter englischer Fischereiname.

Grey sole/gray sole – nordamerikanische englische Bezeichnungen.

Plie cynoglosse – französische Bezeichnung.

Plie grise – weitere französische Bezeichnung.

Skærising – dänische Bezeichnung.

Rödtunga – schwedische Bezeichnung.

Smørflyndre – norwegische Bezeichnung.

Aalputte – kein Synonym der Hauptbedeutung, sondern historischer Name der Quappe; wegen der regionalen Nebenüberlieferung von Aalbutt lexikographisch relevant.

Abgrenzung

Vom Aal, insbesondere vom Europäischen Aal Anguilla anguilla, ist der Aalbutt grundlegend zu unterscheiden. Der Aal ist ein langgestreckter Rundfisch aus der Ordnung Anguilliformes; der Aalbutt ist ein asymmetrischer Plattfisch.

Von der Limande, Microstomus kitt, ist der Aalbutt ebenfalls zu trennen. Beide Arten können deutsch Rotzunge genannt werden. Die wissenschaftlichen Namen beseitigen diese Mehrdeutigkeit.

Die Limande besitzt einen anderen Körperbau, andere Flossen- und Schuppenmerkmale und gehört einer anderen Gattung an. Sie bleibt gewöhnlich kleiner als große Hundszungen.

Von der eigentlichen Seezunge, Solea solea, unterscheidet sich der Aalbutt ebenfalls deutlich. Die Seezunge gehört zur Familie Soleidae und besitzt eine stärker zungenartige Körperform.

Vom Steinbutt ist die Art durch Gestalt und Systematik leicht zu unterscheiden. Der Steinbutt ist wesentlich breiter und annähernd rundlich beziehungsweise rhombisch.

Der Heilbutt, Hippoglossus hippoglossus, gehört zwar ebenfalls zu den rechtsäugigen Schollenfischen, erreicht jedoch erheblich größere Körpermaße.

Die Flunder, Platichthys flesus, ist ein häufigerer küstennaher und brackwassertoleranter Plattfisch. Sie lebt im Durchschnitt deutlich flacher als die Hundszunge.

Besonders wichtig ist die Abgrenzung von der Quappe, Lota lota. Diese ist kein Plattfisch, sondern ein dorschartiger Süßwasserfisch. Nur die historische regionale Nebenüberlieferung verbindet sie mit der Bezeichnung Aalbutt beziehungsweise Aalputte.

Kontext

Typische moderne Sachkontexte sind Hundszunge, Rotzunge, Zungenbutt, Plattfisch, Scholle, Nordatlantik, Nordsee, Skagerrak, Kattegat, Grundfisch, Schlammgrund, Schleppnetz und Speisefisch.

Beispiele: Der Aalbutt lebt bevorzugt auf weichem Meeresboden. – Die Hundszunge wird auch Aalbutt genannt. – Der Aalbutt besitzt eine auffällig langgestreckte Körperform. – Beide Augen des erwachsenen Aalbutts liegen auf der rechten Körperseite.

Historische Kontexte umfassen Pleuronectes cynoglossus, Hundszunge, Pole, Aalputte, Rutte und Quappe.

Weitere Beispiele: Die Bezeichnung Aalbutt ist im 19. Jahrhundert zoologisch belegt. – Bei einem bairischen historischen Beleg muss geprüft werden, ob tatsächlich die Quappe gemeint ist.

Kollokationen und Kookkurrenzen

Typische Verbindungen sind der Aalbutt, ein Aalbutt, Aalbutt beziehungsweise Hundszunge, Aalbutt als Speisefisch, Fang von Aalbutt, Aalbutt aus dem Nordatlantik, Aalbutt auf Schlammgrund und Filet vom Aalbutt.

Typische Kookkurrenzen sind Hundszunge, Rotzunge, Zungenbutt, Scholle, Plattfisch, Nordsee, Atlantik, Schleppnetz, Grundfisch, Schlamm, Fischfang, Filet und Fischhandel.

In wissenschaftlichen Texten treten besonders Glyptocephalus cynoglossus, Pleuronectidae, Pleuronectiformes, demersal, benthisch, pelagische Eier und Metamorphose hinzu.

Oberbegriff

Lebewesen

→ Tier

→ Wirbeltier

→ Fisch

→ Knochenfisch

→ Strahlenflosser

→ Plattfisch

→ Ordnung Pleuronectiformes

→ Familie Pleuronectidae

→ Gattung Glyptocephalus

→ Art Glyptocephalus cynoglossus

→ Hundszunge

→ Aalbutt als deutscher Trivialname

Sprachsystematisch:

Name

→ Tiername

→ Fischname

→ Trivialname

→ deutscher Plattfischname

→ Aalbutt

Unterbegriffe

Aalbutt bezeichnet in der Hauptbedeutung eine einzelne biologische Art. Es bestehen daher keine etablierten taxonomischen Unterbegriffe des deutschen Lemmas.

Sachlich lassen sich verschiedene Lebensstadien unterscheiden:

Aalbutt-Ei – pelagisches Ei von Glyptocephalus cynoglossus.

Aalbutt-Larve – zunächst bilateral symmetrische, frei im Wasser lebende Larve.

juveniler Aalbutt – Jungfisch nach beziehungsweise während der Metamorphose zum bodenlebenden Plattfisch.

adulter Aalbutt – geschlechtsreifes Tier.

Diese Bezeichnungen sind sachliche Entwicklungsstadien und keine eigenständigen Wörterbuchunterbegriffe.

Wortfamilie

Zum Wortfeld des Erstglieds gehören Aal, aalartig, aalförmig, Aalbarsch, Aalquappe, Aalraupe, Aalgroppe und zahlreiche weitere Tiernamen, in denen Aal- eine tatsächliche, vermeintliche oder lediglich äußerliche Beziehung zum Aal bezeichnet.

Zum Wortfeld des Grundworts gehören Butt, Steinbutt, Heilbutt, Glattbutt, Goldbutt, Flügelbutt, Zungenbutt und Zwergbutt.

Zum sachlichen Namensfeld gehören Hundszunge, Rotzunge, Zungenbutt und Glyptocephalus cynoglossus.

Für die regionale Nebenbedeutung gehören außerdem Aalputte, Aalquappe, Aalraupe, Aalruppe, Aalrutte, Rutte und Quappe in das historische Umfeld.

Wortbildung

Aalbutt ist ein Determinativkompositum nach dem Schema Substantiv + Substantiv.

Das Grundwort Butt ordnet den bezeichneten Fisch zunächst in die volkssprachliche Gruppe der Plattfische ein. Das Bestimmungswort Aal- differenziert ihn von anderen Butten.

Semantisch liegt wahrscheinlich eine Ähnlichkeitsbeziehung vor: Der Aalbutt ist unter den Schollenfischen relativ schmal und langgezogen und erinnert dadurch stärker als viele andere Plattfische an die gestreckte Gestalt eines Aals.

Vergleichbare Tiernamen entstehen häufig aus einem bekannten Vergleichstier und einem taxonomisch oder volkstümlich verstandenen Grundwort. Eine tatsächliche nahe Verwandtschaft der beiden Namensbestandteile ist dafür nicht erforderlich.

Das Kompositum bedeutet daher nicht „Butt, der Aale frisst“. Die Hauptnahrung besteht überwiegend aus kleineren Bodenwirbellosen.

Polysemie

Aalbutt besitzt mindestens zwei historisch dokumentierte beziehungsweise lexikographisch erfasste Referenzmöglichkeiten.

1. Hauptbedeutung: Hundszunge, Glyptocephalus cynoglossus, ein rechtsäugiger nordatlantischer Plattfisch aus der Familie Pleuronectidae.

2. Historische regionale Bedeutung: Rutte beziehungsweise Quappe, Lota lota, in der bairischen Dialektlexikographie.

Die zweite Bedeutung ist mit besonderer Vorsicht zu behandeln, weil der ausdrücklich angeführte historische Beleg Aalputte und nicht Aalbutt schreibt. Es handelt sich somit möglicherweise um eine lexikographische Zusammenführung beziehungsweise lautliche oder graphische Annäherung zweier Namensformen.

Die beiden biologischen Referenten sind vollkommen verschieden. Glyptocephalus cynoglossus ist ein mariner Plattfisch, Lota lota ein dorschartiger Süßwasserfisch.

Homonyme und Homographe

Die beiden zoologischen Verwendungen können synchron als homographische beziehungsweise stark polyseme Tiernamen behandelt werden, weil dieselbe normalisierte Zeichenfolge Aalbutt zwei völlig verschiedene Fischarten bezeichnet.

Historisch ist die Situation komplizierter. Die Quappenbedeutung steht offensichtlich in enger Beziehung zur Form Aalputte. Deshalb sollte sie nicht ohne Weiteres als unabhängig entstandenes echtes Homonym analysiert werden.

Für die Wörterbuchpraxis ist eine getrennte Kennzeichnung sinnvoll:

Aalbutt 1 – Hundszunge, Glyptocephalus cynoglossus.

Aalbutt 2 – historisch-regional für Rutte beziehungsweise Quappe, Lota lota; Belegform Aalputte.

Eine weitere Homonymie ist nicht allgemein etabliert.

Redewendungen und Sprichwörter

Mit Aalbutt sind keine allgemein verbreiteten deutschen Redewendungen oder Sprichwörter verbunden.

Das Wort blieb überwiegend auf Fischkunde, Fischerei und Tierbenennung beschränkt.

Sprichwörtliche oder bildliche Wendungen mit Aal beziehungsweise Butt gehören nicht automatisch zum Lemma Aalbutt.

Metaphern

Die Wortbildung besitzt eine vergleichende Komponente. Das Erstglied Aal- überträgt die Vorstellung eines besonders langgestreckten Fischkörpers auf einen Plattfisch.

Diese Benennungsweise kann als lexikalisierter Gestaltvergleich verstanden werden. Der Aal dient als Prototyp eines langen, schmalen Fisches.

Eine sekundäre metaphorische Verwendung von Aalbutt für Menschen, Gegenstände oder Situationen ist nicht allgemein lexikalisiert.

Metonymie

Wie bei Speisefischnamen üblich, kann Aalbutt metonymisch sowohl das lebende Tier als auch den gefangenen beziehungsweise zum Lebensmittel verarbeiteten Fisch bezeichnen.

Der Aalbutt lebt auf tiefem Schlammgrund bezeichnet die biologische Art. Der Händler bietet Aalbutt an bezeichnet dagegen den Fisch als Handels- und Lebensmittelprodukt.

Auch Aalbuttfang kann sowohl die Fangtätigkeit als auch die gefangene Menge bezeichnen.

Register und Sprachstufe

Aalbutt ist sachsprachlich beziehungsweise fischkundlich und heute eher selten. Der Ausdruck ist weder umgangssprachlich noch abwertend.

Im gegenwärtigen deutschen Fischhandel wird gewöhnlich Rotzunge verwendet. In zoologischen Texten ist Hundszunge verbreitet.

Aalbutt eignet sich besonders für lexikographische, historische und synonymische Darstellungen. Als alleinige Bezeichnung in einem aktuellen wissenschaftlichen Text sollte zusätzlich Glyptocephalus cynoglossus angegeben werden.

Die regionale Quappenbedeutung ist historisch-dialektal und für die heutige Allgemeinsprache nicht produktiv.

Regionale Varianten

Die Hauptbedeutung Aalbutt = Hundszunge gehört vor allem in einen norddeutsch-meeresfischkundlichen Wortzusammenhang, was bereits durch das niederdeutsche Grundwort Butt nahegelegt wird.

Andere deutsche Namen derselben Art sind Hundszunge, Rotzunge und Zungenbutt.

Im bairischen Dialektwortschatz wird dagegen historisch Aalbutt als Rutte angegeben. Der zugehörige Beleg hat die Form Aalputte.

Skandinavische Namen zeigen ebenfalls eine erhebliche regionale Vielfalt: dänisch skærising, schwedisch rödtunga, norwegisch smørflyndre, daneben norwegisch mareflyndre, hundetunge und sleiptunge.

Im Niederländischen sind hondstong und witje belegt. Im Englischen dominieren witch flounder, witch und in Nordamerika grey solegray sole.

Aktuelle Statistik

Lemma Aalbutt
Stand September 2026
Heutiger Hauptreferent Hundszunge
Wissenschaftlicher Name Glyptocephalus cynoglossus (Linnaeus, 1758)
Basionym Pleuronectes cynoglossus Linnaeus, 1758
Familie Pleuronectidae
Ordnung Pleuronectiformes
FAO-Code WIT
Lebensweise marin, demersal, bodenlebend
Dokumentierter Tiefenbereich etwa 18–1570 m
Häufiger Tiefenbereich etwa 45–366 m
Maximale dokumentierte Standardlänge etwa 60 cm
Maximales publiziertes Gewicht etwa 2,5 kg
Maximal dokumentiertes Alter etwa 25 Jahre
Globale Gefährdungseinstufung Vulnerable; IUCN-Bewertung vom 12.02.2021, aktuell weiterhin geführt
Deutsche Rote Liste 2025 ungefährdet
Aktuelle deutsche Bestandssituation sehr selten
Kurzfristiger Trend in Deutschland deutliche Zunahme
Deutsche EU-Handelsbezeichnung Rotzunge
ICES-Bestand 2026 Nordsee, Skagerrak, Kattegat und östlicher Ärmelkanal als eigene Managementeinheit
ICES-Empfehlung für 2027 höchstens 1996 t Fang für diese Managementeinheit nach MSY-Ansatz
Historische Nebenbedeutung Rutte beziehungsweise Quappe, Lota lota

Die Gefährdungsangaben sind räumlich zu unterscheiden. Die globale Kategorie Vulnerable und die deutsche Kategorie ungefährdet widersprechen sich nicht, weil sie verschiedene Bezugsräume bewerten.

Ebenso ist die ICES-Fangempfehlung keine globale Bestandszahl. Sie bezieht sich auf eine klar definierte fischereiliche Managementeinheit des nordöstlichen Atlantiks.

Häufigkeit und Statistik

Lemma Aalbutt
Allgemeinsprachliche Häufigkeit sehr gering
Ichthyologischer Gebrauch belegt, jedoch gegenüber Hundszunge und Rotzunge selten
Historischer Hauptbeleg mindestens seit 1882 sicher für Glyptocephalus cynoglossus
Lexikonbeleg Meyers 1909
Aktuelle deutsche Handelsnomenklatur Rotzunge bevorzugt
Regionale Quappenbedeutung historisch in der bairischen Dialektlexikographie
Morphologische Transparenz hoch: Aal + Butt
Absolute aktuelle Wortfrequenz ohne definiertes Referenzkorpus nicht belastbar anzugeben

Eine Internet-Trefferzahl wäre für die lexikographische Häufigkeit wenig aussagekräftig. Fischlexika, Wörterbuchspiegel, Kreuzworträtselseiten und automatisch erzeugte Synonymlisten vervielfachen den Ausdruck, ohne seinen tatsächlichen Gebrauch in natürlicher Sprache abzubilden.

Qualitativ ist Aalbutt daher als seltener, aber weiterhin verständlicher deutscher Fischname einzustufen.

Wortbildung als Erstglied

Aalbutt- ist aufgrund der geringen Häufigkeit des Tiernamens nur schwach produktiv. In Fischerei, Handel und Fachprosa sind jedoch transparente Gelegenheitsbildungen möglich.

Aalbuttfilet – Filet der Hundszunge.

Aalbuttfang – Fang von Aalbutten beziehungsweise gefangene Menge.

Aalbuttfischerei – auf den Aalbutt gerichtete oder ihn einschließende Fischerei.

Aalbuttbestand – Bestand beziehungsweise Population von Glyptocephalus cynoglossus.

Aalbuttlarve – Larve der Art.

Aalbuttvorkommen – geographisches beziehungsweise ökologisches Vorkommen.

Aalbuttbestandserfassung – Erfassung eines Bestandes in wissenschaftlichem Kontext.

In modernen Fachtexten sind entsprechende Zusammensetzungen mit Hundszungen-, Rotzungen- oder unmittelbar mit dem wissenschaftlichen Namen oftmals eindeutiger.

Wortbildung als Letztglied

Das Grundwort -butt ist besonders im norddeutschen Fischwortschatz produktiv und erscheint in zahlreichen Namen von Plattfischen.

Aalbutt – Hundszunge, Glyptocephalus cynoglossus.

Steinbutt – Scophthalmus maximus.

Heilbutt – insbesondere Atlantischer Heilbutt, Hippoglossus hippoglossus.

Glattbutt – Scophthalmus rhombus.

Goldbutt – regional beziehungsweise historisch für bestimmte Plattfische verwendet.

Flügelbutt – Fischname mit dem Grundelement -butt.

Zungenbutt – Synonym beziehungsweise verwandter Name der Hundszunge.

Zwergbutt – Bezeichnung kleiner Plattfischarten.

Die Namen auf -butt bilden keine einheitliche moderne zoologische Familie. Das historische Grundwort kann auf Plattfische unterschiedlicher Gattungen und Familien angewendet werden.

Übersetzungen

Bei der Übersetzung ist die biologische Art Glyptocephalus cynoglossus zugrunde zu legen. Eine wörtliche Übertragung von Aalbutt als „Aal + Butt“ wäre in den meisten Sprachen kein gebräuchlicher Tiername.

Altgriechisch: keine antike, taxonomisch sicher deckungsgleiche Bezeichnung. Für moderne wissenschaftliche Texte ist Glyptocephalus cynoglossus zu verwenden. Der wissenschaftliche Name enthält griechische Wortbestandteile; cynoglossus entspricht etymologisch ungefähr „Hundszunge“.

Lateinisch: wissenschaftlich Glyptocephalus cynoglossus; ursprüngliche linnéische Kombination Pleuronectes cynoglossus.

Italienisch: passera atlantica als heutige EU-Handelsbezeichnung; außerdem passera lingua di cane.

Französisch: plie cynoglosse; außerdem plie grise.

Spanisch: mendo; regional außerdem coreano und gallo inglés.

Dänisch: skærising; auch almindelig skærising.

Schwedisch: rödtunga.

Norwegisch: smørflyndre; daneben mareflyndre, hundetunge und sleiptunge.

Finnisch: mustaeväkampela.

Polnisch: szkarłacica.

Litauisch: eine eindeutig standardisierte litauische Einwortbezeichnung ist in den herangezogenen aktuellen europäischen Handelsnamenlisten nicht ausgewiesen; für wissenschaftliche Eindeutigkeit Glyptocephalus cynoglossus.

Estnisch: harilik pikklest.

Lettisch: sarkanā plekste.

Slowenisch: sivi jezik.

Slowakisch: platesa červená.

Rumänisch: cambulă cenuşie.

Bulgarisch: писия червена; in älteren amtlichen Listen daneben камбала.

Russisch: камбала длинная (красная) атлантическая; verkürzt je nach Kontext auch entsprechende Formen mit камбала.

weitere Sprachen: Englisch witch flounder, witch, nordamerikanisch grey sole/gray sole; Niederländisch hondstong und witje; Tschechisch platýs protažený beziehungsweise platýs šedohnědý; Portugiesisch solhão; Irisch leathóg bhán.

Die Übersetzungen machen deutlich, dass unterschiedliche Sprachen ganz verschiedene Merkmale der Art hervorheben. Während Deutsch Hundszunge und Italienisch lingua di cane den zungenartigen beziehungsweise namensgeschichtlich „hundszungenartigen“ Charakter betonen, verweist Norwegisch smørflyndre auf eine andere volkstümliche Benennungstradition und Englisch witch flounder auf einen vollständig anders motivierten Trivialnamen.

Web-links

Digitales Wörterbuch der deutschen Wortbildungselemente – Aal: Aalbutt mit historischen Belegen von 1882 und 1909

Bayerns Dialekte Online – historischer Eintrag Aalbutt in der Bedeutung Rutte, mit Belegform Aalputte

World Register of Marine Species – Glyptocephalus cynoglossus und Gattung Glyptocephalus

NCBI Taxonomy – Glyptocephalus cynoglossus; Basionym Pleuronectes cynoglossus

FishBase – Glyptocephalus cynoglossus: Systematik, Größe, Alter, Verbreitung, Lebensraum und Gefährdungsstatus

Europäische Kommission – Glyptocephalus cynoglossus: deutsche und europäische Handelsbezeichnungen, FAO-Code und Taxonomie

Rote-Liste-Zentrum – Hundszunge: deutsche Gefährdungseinstufung 2025

International Council for the Exploration of the Sea – Bestandsberatung 2026 für Witch/Hundszunge in Nordsee, Skagerrak, Kattegat und östlichem Ärmelkanal

NOAA Fisheries – Witch flounder: Biologie, Metamorphose und Verbreitung im westlichen Nordatlantik

NOAA Fisheries – Altersbestimmung und Lebensraum von Glyptocephalus cynoglossus

Havforskningsinstituttet Norwegen – Smørflyndre: Lebensweise, Größe, Nahrung, Fortpflanzung und Fischerei

Artsdatabanken Norwegen – Glyptocephalus cynoglossus: Taxonomie und norwegischer Name Smørflyndre

Schwedische Havs- och vattenmyndigheten – Rödtunga: Biologie und Vorkommen in Nordsee, Skagerrak und Kattegat

Duden – Butt: Bedeutung, Grammatik und niederdeutsche Herkunft

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