Hans André
Überblick
Hans André war ein deutscher Musikverleger, Musikalienverleger, Verlagsleiter und Kaufmann aus der Familie André. Er wurde am 6. Juli 1889 in Offenbach am Main geboren und starb dort am 5. Januar 1951. In der familieninternen Zählung erscheint er als Nr. 10. Er war Sohn von Gustav Adolf André, der 1880 gemeinsam mit Carl August Johann André die Leitung des Offenbacher Verlags und der Klavierhandlung übernommen hatte.
Hans André folgte seinem Vater nicht unmittelbar, sondern nach einer längeren Übergangsphase. Gustav Adolf André starb 1910; von 1910 bis 1923 führten die Witwen der beiden Geschäftsinhaber das Unternehmen weiter. Erst 1923 ging die Leitung an Hans André über. Diese Abfolge ist wichtig, weil sie die besondere Kontinuität des Hauses André erklärt: Nach dem Tod der männlichen Inhaber hielt eine Witwenleitung die Firma über Krieg, Kriegsende und Nachkriegsjahre hinweg handlungsfähig, bevor Hans André die Führung übernahm.
Seine Verlagsleitung fällt in eine tiefgreifende Umbruchzeit. Der Musikverlag Johann André war 1774 gegründet worden und hatte durch Johann André, Johann Anton André, den Mozart-Nachlass, frühe Lithographie, Klassiker-Ausgaben, Musikalienhandel und Instrumentengeschäft eine außergewöhnliche Geschichte aufgebaut. Hans André übernahm diese Firma jedoch nicht mehr in der klassischen Expansionsphase des 19. Jahrhunderts, sondern in der Zwischenkriegszeit, als Musikverlage, Musikalienhandlungen und Druckereien vor neuen wirtschaftlichen, technischen und politischen Herausforderungen standen.
Im Jahr 1923 zog das Musikgeschäft an den heutigen Standort in der Frankfurter Straße 28 in Offenbach, während der Verlag in der Domstraße blieb. Dieser Standortwechsel ist kulturgeschichtlich wichtig, weil er die spätere Gestalt des Musikhauses André vorbereitete. Zugleich wurden beim Umzug Geschäftspapiere und Aufzeichnungen bewahrt, aus denen das heutige historische André-Archiv hervorging. Hans Andrés Zeit verbindet daher die ältere Verlagsgeschichte mit dem modernen Musikhaus und der archivalischen Sicherung des Familienunternehmens.
Die Jahre 1943 bis 1945 brachten schwere Zerstörungen. Die Druckerei in der Domstraße und die Frankfurter Filiale wurden vollständig zerstört. Dennoch bestand das Haus André weiter. Hans André steht dadurch für eine generationelle Scharnierstellung: Er übernahm ein traditionsreiches Musikverlagsunternehmen, führte es durch die Zwischenkriegszeit und die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs und übergab nach seinem Tod 1951 eine beschädigte, aber nicht untergegangene Institution an die nächste Familiengeneration.
Kurzdaten
| Name | Hans André; in Katalogen und Normdaten auch André, Hans beziehungsweise Hans Andre. |
|---|---|
| Familienzuordnung | Familie André, Nr. 10; Sohn von Gustav Adolf André; Enkel der älteren Frankfurter und Offenbacher Verlagsgeneration; Vertreter der André-Firmengeneration des 20. Jahrhunderts. |
| Geburtsdatum | 6. Juli 1889. |
| Geburtsort | Offenbach am Main. |
| Sterbedatum | 5. Januar 1951. |
| Sterbeort | Offenbach am Main. |
| Beruf | Musikverleger, Musikalienverleger, Verlagsleiter, Kaufmann, Geschäftsführer, Träger des Musikverlags Johann André, Leiter des Musikhauses André und Vertreter der Familie André im 20. Jahrhundert. |
| Vater | Gustav Adolf André, Musikverleger, Mitinhaber des Musikverlags Johann André und gemeinsam mit Carl August Johann André Leiter der Verlags- und Klavierhandlungsgeneration um 1900. |
| Vorgängerphase | Von 1910 bis 1923 führten die Witwen der beiden Geschäftsinhaber Carl August Johann André und Gustav Adolf André das Unternehmen weiter. |
| Verlagsübernahme | 1923 übernahm Hans André die Leitung des Musikverlags beziehungsweise des Familienunternehmens. |
| Standortwechsel | 1923 zog das Musikgeschäft an den heutigen Standort Frankfurter Straße 28 in Offenbach; der Verlag blieb in der Domstraße. |
| Archivbezug | Beim Standortwechsel wurden Geschäftspapiere und Aufzeichnungen mitgeführt; aus ihnen erwuchs das heutige historische André-Archiv. |
| Kriegszeit | Zwischen 1943 und 1945 wurden die Druckerei in der Domstraße und die Frankfurter Filiale vollständig zerstört; das Haus André bestand dennoch fort. |
| Nachfolge | Nach Hans Andrés Tod übernahmen seine Schwester und seine Witwe die Geschäftsführung; 1971 ging die Leitung an Ute-Margrit André über. |
| Spätere Familienlinie | Seit 1992 führt Hans-Jörg André, Sohn Ute-Margrit Andrés, Verlag, Musikhaus und Musikalienhandlung in der Familientradition weiter. |
| Eigenkompositionen | Ein eigenständiges kompositorisches Werk Hans Andrés ist in den herangezogenen Standardquellen nicht nachweisbar; seine kulturgeschichtliche Bedeutung liegt in Verlagsleitung, Geschäftsfortführung, Archivbewahrung und Standortgeschichte. |
| Kulturgeschichtlicher Rang | Übergangsfigur zwischen historischem Musikverlag, modernem Musikhaus, André-Archiv und Nachkriegskontinuität des Offenbacher Familienunternehmens. |
Name und Familienkontext
Die Hauptform des Namens lautet Hans André. In bibliographischen und normdatenbezogenen Zusammenhängen erscheint außerdem die Sortierform André, Hans. Der Dateiname folgt der Personenregel des Kulturlexikons und lautet andre-hans.shtml. Eine Verwechslung mit anderen Personen namens Hans Andre oder Hans-André ist zu vermeiden; der hier behandelte Hans André ist ausschließlich der Offenbacher Musikverleger aus dem Haus Johann André.
Hans André gehört zur späteren Generation einer Familie, deren Musikgeschichte im 18. Jahrhundert beginnt. Johann André gründete 1774 in Offenbach die „Notenfabrique André“ und wurde damit zu einem der frühen selbständigen Musikverleger im deutschen Sprachraum. Johann Anton André übernahm 1799 das väterliche Geschäft, erwarb im selben Jahr den handschriftlichen Nachlass Mozarts und machte den Verlag zu einem musikhistorisch herausragenden Ort. Carl August André prägte die Frankfurter Filiale, Johann August André konsolidierte den Offenbacher Verlag, und Gustav Adolf André führte gemeinsam mit Carl August Johann André die Generation um 1900.
Hans André war Sohn Gustav Adolf Andrés. Dieser Zusammenhang erklärt seine Stellung in der Verlagsgeschichte. Der Vater starb bereits 1910, doch Hans André trat nicht sofort an dessen Stelle. Die Geschäftsführung lag zunächst bei den Witwen der beiden Geschäftsinhaber. Erst 1923 übernahm Hans André die Leitung. Deshalb ist die Formulierung, er sei seinem Vater Adolf als Verlagsleiter gefolgt, sachlich richtig, muss aber zeitlich präzisiert werden: Er folgte ihm mittelbar, nach der Witwenphase von 1910 bis 1923.
Die Familiengeschichte erreicht mit Hans André eine andere Qualität. Bis zum frühen 20. Jahrhundert hatte das Haus André die Gestalt eines historischen Musikverlages, einer Musikalienhandlung, eines Instrumentenhandels und einer stark familiengebundenen Firma. Unter Hans André verschiebt sich der Akzent stärker zur Bewahrung, Standortstabilisierung, Archivkontinuität und zum Überleben nach Kriegszerstörung. Er steht daher weniger für Expansion und mehr für Bestandssicherung.
Leben
Hans André wurde am 6. Juli 1889 in Offenbach am Main geboren. Seine Kindheit und Jugend fielen in eine Zeit, in der das Haus André bereits mehr als ein Jahrhundert bestand und in Offenbach wie Frankfurt fest verankert war. Die Familie war nicht mehr nur eine Verlegerfamilie im engeren Sinn, sondern Trägerin einer vielschichtigen Musikunternehmung: Verlag, Musikalienhandlung, Klavier- und Instrumentenhandel, Archiv, lokale Konzertkultur und Familiengedächtnis gehörten zusammen.
Sein Vater Gustav Adolf André gehörte gemeinsam mit Carl August Johann André zur Generation, die 1880 die Leitung des Offenbacher Verlags und der Klavierhandlung übernommen hatte. Unter den beiden Brüdern wurden die Offenbacher und Frankfurter Firmensitze beziehungsweise Geschäftslinien vereinigt. Damit war Hans André Erbe einer zusammengeführten Firmenstruktur, die historische Offenbacher Verlagstradition und Frankfurter Handels- beziehungsweise Instrumentenpraxis verband.
Der Tod Gustav Adolf Andrés im Jahr 1910 stellte die Familie vor eine Übergangssituation. Die Firma wurde nicht sofort von Hans André übernommen. Stattdessen führten die Witwen der beiden Geschäftsinhaber das Unternehmen weiter. Diese Witwenleitung dauerte von 1910 bis 1923. Sie gehört wesentlich zur Vorgeschichte Hans Andrés, weil sie die Kontinuität des Hauses André über eine politisch und wirtschaftlich außerordentlich schwierige Zeit hinweg sicherte.
1923 übernahm Hans André schließlich die Leitung des Familienunternehmens. Dieses Jahr war für die Firmengeschichte doppelt wichtig. Zum einen trat Hans André als neuer Leiter hervor; zum anderen zog das Musikgeschäft an den Standort Frankfurter Straße 28 in Offenbach, an dem das Musikhaus André bis heute ansässig ist. Der Verlag blieb weiterhin in der Domstraße. Die Trennung von Musikgeschäft und Verlagssitz zeigt, dass das Unternehmen verschiedene Funktionen besaß, die räumlich und organisatorisch unterschiedlich behandelt wurden.
Die Jahre der Verlagsleitung Hans Andrés fielen in die Zwischenkriegszeit, die Weltwirtschaftskrise, die Zeit des Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg. Für einen Musikverlag bedeuteten diese Jahrzehnte erhebliche Belastungen. Der Notenmarkt veränderte sich, Druck- und Vertriebskosten verschoben sich, neue Medien traten hinzu, die wirtschaftliche Lage war instabil, und politische Eingriffe veränderten Kulturproduktion und Handel. Hans André stand daher nicht in einer Epoche ruhiger Fortführung, sondern in einer Zeit dauernder Krisen.
Zwischen 1943 und 1945 wurden die Druckerei in der Domstraße und die Frankfurter Filiale vollständig zerstört. Diese Zerstörung traf das Haus André an zwei empfindlichen Punkten: am historischen Druck- und Verlagssitz sowie an der Frankfurter Geschäftslinie. Trotzdem ging die Firma nicht unter. Dass das historische Archiv erhalten blieb, hängt nach der RISM-Darstellung auch damit zusammen, dass Geschäftspapiere und Aufzeichnungen bereits mit dem Umzug des Musikgeschäfts an den neuen Standort verbunden waren.
Hans André starb am 5. Januar 1951 in Offenbach am Main. Nach seinem Tod übernahmen seine Schwester und seine Witwe die Geschäftsführung. Später, 1971, ging die Leitung an Ute-Margrit André über, und seit 1992 führt Hans-Jörg André die Familientradition weiter. Hans Andrés Leben steht damit zwischen zwei Übergängen: Er trat nach der Witwenleitung von 1910 bis 1923 an und hinterließ nach 1951 wiederum eine Übergangsführung, die das Unternehmen bis zur nächsten Generation trug.
Kulturüberblick
Hans André gehört in die Musikverlagsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Das ist für die Familie André eine besondere Phase. Die älteren Generationen hatten in einer Welt des gedruckten Notenmaterials, der Hausmusik, der Opernbearbeitung, des Klavierunterrichts, der Lithographie und des klassischen Musikverlags gearbeitet. Hans André musste das Unternehmen in einer Zeit führen, in der diese alte Struktur nicht einfach verschwand, aber von neuen Bedingungen bedrängt wurde.
Der Musikmarkt der Zwischenkriegszeit war nicht mehr der Markt des 19. Jahrhunderts. Neben Notendruck und Musikalienhandel traten Schallplatte, Rundfunk, veränderte Konzertpraxis, neue Unterhaltungsformen und veränderte Käufergruppen. Musikverlage mussten sich entscheiden, wie sie ihr Repertoire, ihre Lagerbestände, ihre Kundenbeziehungen und ihre historischen Bestände in einer solchen Lage nutzen oder bewahren konnten. Hans André steht für diese Anpassungs- und Bewahrungsaufgabe.
Das Haus André besaß zugleich eine außerordentliche Vergangenheit. Mozart, Goethe, Weber, Offenbach, Lithographie, internationale Musikhandelsbeziehungen und über 17.000 beziehungsweise später mehr als 18.000 Titel in Verlag und Archiv bildeten ein historisches Kapital. Doch dieses Kapital musste im 20. Jahrhundert neu verstanden werden. Es war nicht mehr nur Verkaufsbestand, sondern zunehmend auch Archiv, kulturelles Gedächtnis und Forschungsquelle.
Der Standortwechsel 1923 ist kulturgeschichtlich aufschlussreich. Das Musikgeschäft zog an die Frankfurter Straße 28, also in eine städtische Geschäfts- und Publikumslage. Der Verlag blieb in der Domstraße. Damit traten Musikhaus und Verlag als unterschiedliche, aber zusammengehörige Funktionen hervor. Das moderne Musikhaus wurde stärker als Fachgeschäft sichtbar, während der Verlag und die historischen Bestände ihre eigene Rolle behielten.
Hans Andrés Zeit ist außerdem von der Erfahrung der Zerstörung geprägt. Die vollständige Vernichtung der Druckerei in der Domstraße und der Frankfurter Filiale in den Jahren 1943 bis 1945 bedeutete einen tiefen Einschnitt. Dass das Unternehmen dennoch weiterlebte, zeigt die Widerstandsfähigkeit einer Familieninstitution, deren Identität nicht mehr allein an einem einzelnen Gebäude oder einer einzelnen Druckerei hing, sondern an Familie, Archiv, Kundenbeziehungen und städtischer Erinnerung.
Verlagsleitung seit 1923
Hans André leitete den Verlag seit 1923. Diese Verlagsleitung war die Fortsetzung einer langen und komplexen Nachfolgegeschichte. 1880 hatten Carl August Johann und Gustav Adolf André den Verlag übernommen; nach dem Tod Gustav Adolf Andrés 1910 und dem Tod Carl August Johann Andrés 1914 führten die Witwen der beiden Geschäftsinhaber das Unternehmen. Hans André erhielt die Leitung also nach einer weiblich geprägten Übergangsphase, die für die Stabilität des Hauses entscheidend war.
Die Übernahme 1923 fällt in eine Phase wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Unsicherheit. Deutschland befand sich in der Nachkriegs- und Inflationszeit. Für Musikverlage bedeutete dies Probleme bei Papier, Druck, Kaufkraft, Preisen, Lagerwerten und Vertrieb. Die Leitung eines Traditionsverlages verlangte daher eine andere Art von Kompetenz als die Gründung im Jahr 1774 oder der Mozart-Nachlassankauf im Jahr 1799. Hans André musste nicht in erster Linie Ruhm erwerben, sondern Bestand sichern.
Die Firma war zu dieser Zeit zugleich Musikverlag, Musikhaus, Musikalienhandlung und Archivträger. Diese Mehrfachstruktur war eine Stärke, aber auch eine Belastung. Das Musikhaus musste als Geschäft funktionieren, der Verlag musste sein Repertoire verwalten, das Archiv musste bewahrt werden, und der historische Name André musste mit gegenwärtiger Nützlichkeit verbunden bleiben. Hans André stand im Zentrum dieser Aufgaben.
Die Quellenlage nennt keine große eigenkompositorische Tätigkeit Hans Andrés. Dies entspricht seiner Rolle. Er war nicht wie Johann André oder Johann Anton André zugleich Verleger und umfangreicher Komponist. Seine Bedeutung liegt vielmehr in der Fortführung des Unternehmens, der Leitung durch Krisenjahre und der Erhaltung der Familienkontinuität. Er ist eine Firmenfigur, keine Werkfigur im engeren kompositorischen Sinn.
Standort, Archiv und Kriegszerstörung
Das Jahr 1923 brachte den Umzug des Musikgeschäfts an die Frankfurter Straße 28 in Offenbach. Dieser Ort wurde zum heutigen Standort des Musikhauses André. Der Verlag blieb in der Domstraße. Damit entstanden zwei miteinander verbundene Ebenen: das öffentlich sichtbare Musikgeschäft an einem neuen Standort und der historische Verlagssitz, der weiterhin mit der alten Druck- und Verlagsgeschichte verbunden blieb.
Beim Umzug wurden Geschäftspapiere und Aufzeichnungen mitgenommen. RISM betont, dass diese Materialien zum heutigen historischen Archiv gehören. Dieses Archiv ist für die Musikgeschichte außerordentlich wichtig. Es umfasst Drucke, Handschriften, Geschäftspapiere, Korrespondenzen, Produktionsunterlagen und Quellen zur Musikverlagsgeschichte. Hans Andrés Zeit ist daher unmittelbar mit einer archivgeschichtlich entscheidenden Bewahrung verbunden.
Die Zerstörungen der Jahre 1943 bis 1945 trafen das Unternehmen schwer. Die Druckerei in der Domstraße wurde vollständig zerstört, ebenso die Frankfurter Filiale. In einer rein materiellen Perspektive hätte ein solches Ereignis das Ende einer alten Firma bedeuten können. Dass das Haus André weiter bestand, zeigt, dass nicht alle Grundlagen verloren waren. Der neue Standort, die erhaltenen Geschäftspapiere, das Familienwissen und der Wille zur Fortführung wurden zu Überlebensfaktoren.
Die Kriegszerstörung verändert auch den Blick auf Hans André. Seine historische Leistung liegt nicht in Expansion, sondern in Krisenbestand. Er führte ein Unternehmen, dessen alte Druckinfrastruktur am Ende seiner Amtszeit weitgehend zerstört war, dessen Name und Archiv aber erhalten blieben. Dadurch wurde die Voraussetzung geschaffen, dass das Haus nach 1945 weiterarbeiten und später wieder als Musikhaus, Verlagserbe und Archivträger sichtbar werden konnte.
Nachfolge nach 1951
Nach Hans Andrés Tod im Jahr 1951 übernahmen seine Schwester und seine Witwe die Geschäftsführung. Diese Nachfolge knüpft an ein wiederkehrendes Muster in der André-Geschichte an: Wenn männliche Inhaber starben oder Übergänge nötig wurden, konnten Frauen der Familie die Firma weiterführen. Bereits von 1910 bis 1923 hatten die Witwen der beiden Geschäftsinhaber die Leitung übernommen. Nach 1951 wiederholte sich eine solche Übergangsform.
1971 ging die Geschäftsführung an Ute-Margrit André über. Mit ihr trat eine neue Generation an, die das Haus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weiterführte. 1992 übernahm Hans-Jörg André, ihr Sohn, Verlag, Musikhaus und Musikalienhandlung. Damit blieb das Unternehmen weiterhin in Familienbesitz und Familienverwaltung.
Diese Nachfolge ist für Hans Andrés Bedeutung entscheidend. Er war nicht der letzte Vertreter einer auslaufenden Linie, sondern ein Zwischenglied in einer langen Kontinuität. Er hatte die Firma nach der Witwenphase übernommen, durch Krisen geführt und eine Nachfolge hinterlassen, die das Unternehmen bis in die Gegenwart weitertrug.
Der heutige Status des Hauses André als Musikhaus, Verlagserbe und Archivträger lässt sich ohne Hans André nicht erklären. Er war die Person, unter der sich der Wechsel vom historischen Verlagsbetrieb zum modernen Musikhaus stärker abzeichnete. Zugleich blieb die Verbindung zum alten Verlagsarchiv bestehen. Sein Rang liegt also im Übergang, nicht in einer isolierten Einzelhandlung.
Verlags-, Geschäfts- und Wirkungsverzeichnis
Ein eigenständiges kompositorisches Werkverzeichnis Hans Andrés ist nach der derzeit zugänglichen Quellenlage nicht nachweisbar. Hans André ist als Musikverleger, Verlagsleiter und Träger einer Familienfirma zu behandeln. Das folgende Verzeichnis erfasst deshalb seine belegbaren Verlags-, Geschäfts-, Standort-, Archiv- und Wirkungskomplexe. Es ersetzt kein kompositorisches Œuvre, sondern beschreibt das kulturgeschichtliche Werk seiner Verlagsleitung.
| Verlagsleitung seit 1923 | Hans André übernahm 1923 nach der Witwenleitung die Führung des Musikverlags beziehungsweise des Familienunternehmens Johann André. Diese Übernahme ist der zentrale berufliche Einschnitt seines Lebens. |
|---|---|
| Mittelbare Nachfolge Gustav Adolf Andrés | Hans André war Sohn Gustav Adolf Andrés. Da Gustav Adolf bereits 1910 starb, folgte Hans seinem Vater nicht unmittelbar, sondern nach der Geschäftsführung durch die Witwen der beiden Inhaber. |
| Fortführung nach der Witwenleitung 1910 bis 1923 | Die Witwen von Carl August Johann und Gustav Adolf André führten die Firma bis 1923. Hans André übernahm ein durch diese Übergangsphase erhaltenes Unternehmen. |
| Standort Frankfurter Straße 28 | 1923 zog das Musikgeschäft an den heutigen Standort Frankfurter Straße 28 in Offenbach. Dieser Umzug gehört zu den wichtigsten Standortentscheidungen der modernen André-Geschichte. |
| Fortbestand des Verlagssitzes Domstraße | Während das Musikgeschäft 1923 umzog, blieb der Verlag in der Domstraße. Diese räumliche Unterscheidung zeigt die doppelte Struktur von Musikhaus und historischem Verlag. |
| Bewahrung von Geschäftspapieren und Aufzeichnungen | Beim Standortwechsel wurden Geschäftspapiere und Aufzeichnungen mitgenommen. Diese Materialien gehören zur Grundlage des heutigen André-Archivs. |
| André-Archiv | Das historische Archiv des Hauses André bewahrt Drucke, Musikhandschriften, Geschäftspapiere, Korrespondenzen und Produktionsunterlagen. Hans Andrés Amtszeit ist mit der modernen Sicherung dieser Überlieferung verbunden. |
| Leitung in der Zwischenkriegszeit | Hans André führte das Unternehmen durch die wirtschaftlich und politisch schwierigen Jahre der Weimarer Republik. Diese Phase verlangte kaufmännische Stabilisierung, Repertoirepflege und Anpassung an veränderte Musikmärkte. |
| Leitung während des Nationalsozialismus | Hans Andrés Verlagsleitung fiel auch in die Jahre des Nationalsozialismus. Für den Artikel wird dieser Zeitraum als historischer Rahmen genannt; eine detaillierte politische Unternehmensgeschichte müsste gesondert archivalisch geprüft werden. |
| Kriegszerstörungen 1943 bis 1945 | Die Druckerei in der Domstraße und die Frankfurter Filiale wurden vollständig zerstört. Hans Andrés Amtszeit umfasst damit die schwerste materielle Krise des Hauses André. |
| Fortbestand des Musikhauses nach 1945 | Trotz der Zerstörungen bestand das Haus André weiter. Die Fortführung nach 1945 gehört zum Wirkungskomplex Hans Andrés, auch wenn Wiederaufbau und spätere Stabilisierung über seinen Tod hinausreichen. |
| Übergabe nach 1951 an Schwester und Witwe | Nach Hans Andrés Tod übernahmen seine Schwester und seine Witwe die Geschäftsführung. Diese Nachfolge sicherte die Familienkontinuität in der frühen Nachkriegszeit. |
| Übergang an Ute-Margrit André 1971 | 1971 ging die Geschäftsführung an Ute-Margrit André über. Dieser spätere Übergang steht in der von Hans André hinterlassenen Familienlinie. |
| Übergang an Hans-Jörg André 1992 | Seit 1992 führt Hans-Jörg André das Familienunternehmen. Damit wird die von Hans André mitgetragene Kontinuitätslinie bis in die Gegenwart sichtbar. |
| Pflege des historischen Verlagsnamens | Hans André bewahrte den Namen Johann André in einer Zeit, in der der klassische Musikverlag des 19. Jahrhunderts tiefgreifend an Bedeutung verlor und sich das Profil zum Musikhaus und Archivträger verschob. |
| Verbindung von Musikhaus und Verlagserbe | Unter Hans André wurde die moderne Doppelgestalt von Musikfachgeschäft, historischem Verlagserbe und Archivkontinuität vorbereitet. |
| Eigenkompositionen | In den herangezogenen Quellen ist kein eigenständiges kompositorisches Werk Hans Andrés belegt. Er wird daher nicht als Komponist, sondern als Musikverleger und Verlagsleiter behandelt. |
| Editionen und Kataloge | Konkrete einzelne Editionen unter Hans Andrés Leitung sind in den frei zugänglichen Kurzquellen nicht vollständig erschlossen. Die Gesamtleistung liegt in der Verwaltung und Fortführung eines umfangreichen historischen Bestandes. |
| Kulturhistorisches Lebenswerk | Hans Andrés kulturhistorisches Lebenswerk besteht in der Führung eines traditionsreichen Musikverlags durch Zwischenkriegszeit, Kriegszerstörung und frühen Nachkriegsübergang sowie in der Sicherung der späteren Familienkontinuität. |
Rezeption und Bedeutung
Hans André ist keine kanonische Künstlerfigur und kein Komponist mit großem Werkverzeichnis. Seine Bedeutung liegt in der Geschichte eines Musikunternehmens. Gerade deshalb ist er für ein Kulturlexikon wichtig. Musikgeschichte besteht nicht nur aus Werken, sondern auch aus Firmen, Archiven, Standorten, Nachfolgen, Druckereien, Musikalienhandlungen und Familienentscheidungen.
Innerhalb der Familie André steht Hans André für eine Übergangsphase. Frühere Generationen hatten gegründet, komponiert, verlegt, den Mozart-Nachlass erworben, Klassiker gedruckt, Frankfurter und Offenbacher Linien verbunden und Chor- und Konzertwesen gepflegt. Hans André übernahm die Verantwortung in einer Zeit, in der diese ältere Welt nicht mehr selbstverständlich tragfähig war. Sein Verdienst liegt in der Fortführung unter erschwerten Bedingungen.
Besonders wichtig ist die Verbindung zum Archiv. Das André-Archiv ist heute eine zentrale Quelle für Musikdruck, Verlagsgeschichte, Geschäftspraxis und Repertoiregeschichte. Hans Andrés Zeit ist mit dem Standortwechsel von 1923 und der Sicherung von Geschäftspapieren und Aufzeichnungen verbunden. Auch wenn nicht jede archivalische Entscheidung namentlich ihm zugeschrieben werden kann, fällt der entscheidende moderne Übergang in seine Amtszeit.
Die Zerstörungen von 1943 bis 1945 geben seiner Biographie eine historische Schwere. Ein Verlag, dessen Druckerei und Frankfurter Filiale vollständig zerstört wurden, hätte leicht verschwinden können. Dass das Haus André weiter bestand, macht Hans André zu einem wichtigen Träger der Überlebenskontinuität. Er steht für eine beschädigte, aber fortgesetzte Tradition.
Nach seinem Tod 1951 führte die Familie das Unternehmen weiter. Diese Nachfolge über Schwester, Witwe, Ute-Margrit André und Hans-Jörg André zeigt, dass Hans André nicht Endpunkt, sondern Bindeglied war. Seine Rolle ist deshalb am besten als die eines Bewahrers, Übergangsleiters und Krisenträgers zu beschreiben.
Sekundärliteratur
- André, A.: Zur Geschichte der Familie André, Offenbach am Main 1962.
- André, Ute-Margrit und André, Hans-Jörg (Hg.): 225 Jahre Musikverlag Johann André. Festschrift zum Jubiläum, Offenbach am Main 1999.
- Beer, Axel: André, Familie, in: Musik und Musiker am Mittelrhein 2 online, mit genealogischer Einordnung Hans Andrés als Nr. 10 der Familie André und Angaben zur Verlagsleitung seit 1923.
- Constapel, Britta: Der Musikverlag Johann André in Offenbach am Main. Studien zur Verlagstätigkeit von Johann Anton André und Verzeichnis der Musikalien von 1800 bis 1840, Tutzing 1998.
- Matthäus, Wolfgang: Johann André. Musikverlag zu Offenbach am Main. Verlagsgeschichte und Bibliographie 1772–1800, Tutzing 1973.
- RISM Editorial Center: Bericht A Visit to the André Archive in Offenbach, mit Angaben zum Archiv, zum Standortwechsel, zu Geschäftspapieren, Drucken, Handschriften und zur Überlieferung des Hauses André.
- Weber-Gesamtausgabe: Institutionsgeschichtlicher Eintrag André, Verlag, Notendruckerei, mit Angaben zur Übergabe 1880, zur Witwenleitung 1910 bis 1923, zur Übergabe an Hans André und zur späteren Familienkontinuität.
- Musikhaus André: Historische Selbstdarstellung Unsere Geschichte, mit Angaben zu Verlagsgründung, Mozart-Nachlass, Standortwechsel 1923, Kriegszerstörung und heutiger Fortführung.
Ausgewählte Onlinequellen
- 250 Jahre Musikverlag und Musikhaus André Jubiläumsseite zur Geschichte des 1774 gegründeten Offenbacher Musikverlags und Musikhauses André mit Materialien zu Mozart, Goethe, Weber, Notendruck, Archiv und Familiengeschichte.
- Deutsche Nationalbibliothek: GND-Datensatz Hans André Normdatenbezogener Eintrag zu Hans André mit Lebensdaten, Geburts- und Sterbeort Offenbach sowie Berufsangabe Musikverleger.
- IMSLP: Johann André / André-Verlag Überblick zur Geschichte des André-Verlags mit Angaben zur Fortführung durch Hans André seit 1923, zur Nachfolge und zum Weiterbestehen nach dem Zweiten Weltkrieg.
- Musik und Musiker am Mittelrhein 2: André, Familie Regionalmusikgeschichtlicher Familienartikel mit Hans André als Nr. 10, Lebensdaten, Sohnschaft Gustav Adolf Andrés, Verlagsleitung seit 1923 und späterer Nachfolge.
- Musikhaus André: Unsere Geschichte Unternehmensgeschichtliche Darstellung des Musikhauses André mit Angaben zur Gründung, zum Mozart-Nachlass, zum Standortwechsel 1923, zur Kriegszerstörung und zur späteren Familienfortführung.
- RISM: Ein Besuch im André-Archiv in Offenbach Bericht zum historischen André-Archiv, zum Standortwechsel des Musikgeschäfts 1923, zu Geschäftspapieren, Druckausgaben, Handschriften und Quellenwert des Familienarchivs.
- RISM Online: Johann André, Offenbach am Main Institutionendatensatz zum Musikverlag Johann André im internationalen Quellenkatalog RISM.
- Weber-Gesamtausgabe: André, Verlag, Notendruckerei Institutionsgeschichtlicher Eintrag zum Verlag Johann André mit Angaben zur Gründung 1774, zur Frankfurter Filiale, zur Übergabe 1880, zur Witwenleitung 1910 bis 1923 und zur Übergabe an Hans André.
Weiterführende Einträge
- Aurelie André Witwe Gustav Adolf Andrés, die nach dessen Tod 1910 an der Weiterführung der André-Geschäfte beteiligt war.
- Carl August André Frankfurter Musikalienhändler, Musikverleger, Klavierfabrikant und prägende Gestalt der Frankfurter André-Linie.
- Carl August Johann André Geschäftspartner Gustav Adolf Andrés in der Generation, die 1880 die Verlags- und Klavierhandlungsleitung übernahm.
- Elisabeth André Witwe Carl August Johann Andrés, die nach 1914 gemeinsam mit Aurelie André an der Firmenfortführung beteiligt war.
- Gustav Adolf André Vater Hans Andrés, Musikverleger und Mitinhaber des Musikverlags Johann André in der Generation um 1900.
- Hans-Jörg André Späterer Inhaber des Musikhauses André seit 1992 und Vertreter der jüngeren Familienfortführung.
- Johann André Gründer des Offenbacher Musikverlags Johann André, Komponist, Singspielautor und Ausgangspunkt der Verlegerfamilie.
- Johann Anton André Musikverleger, Komponist, Herausgeber, Musiktheoretiker und Erwerber des Mozart-Nachlasses.
- Johann August André Offenbacher Musikalienverleger, der den Verlag im 19. Jahrhundert konsolidierte und zur Vorgeschichte der späteren Firmengeneration gehört.
- Ute-Margrit André Nachfolgerin in der André-Firmengeschichte, die 1971 die Geschäftsführung übernahm.
- André-Archiv Historisches Firmenarchiv mit Druckausgaben, Geschäftspapieren, Korrespondenzen, Musikhandschriften und Quellen zur Geschichte des Musikverlags Johann André.
- Bürgerliche Musikkultur Kultureller Rahmen von Musikverlag, Musikhaus, Notenhandel, Instrumentengeschäft, Hausmusik und Konzertleben.
- C. A. André, Frankfurt am Main Frankfurter André-Firma, deren Geschichte mit der Offenbacher Linie verbunden wurde und deren Filiale im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.
- Domstraße Offenbach Historischer Standort von Verlag und Druckerei des Hauses André, der in den Jahren 1943 bis 1945 schwer zerstört wurde.
- Frankfurter Straße 28 Offenbach Seit 1923 Standort des Musikgeschäfts André und damit zentraler Ort der modernen Musikhausgeschichte.
- Frankfurt am Main Wichtiger Standort der André-Filiale, des Musikalienhandels und der Frankfurter Geschäftslinie des Hauses.
- Familie André Offenbacher Musikverleger-, Musiker-, Instrumentenbauer- und Unternehmerfamilie vom 18. bis ins 21. Jahrhundert.
- Lithografie Drucktechnik, die Johann Anton André für den Notendruck nutzte und die zur historischen Bedeutung des Verlages beitrug.
- Mozart-Nachlass Von Johann Anton André erworbener handschriftlicher Bestand, der den musikhistorischen Rang des Hauses André begründete.
- Musikalienhandel Geschäftsform, in der Notenverkauf, Musikverlag, Instrumentenhandel und Kundenberatung zusammenwirkten.
- Musikdruck Technische Grundlage des historischen André-Verlags und der Notenproduktion vom 18. bis ins 20. Jahrhundert.
- Musikhaus André Modernes Musikfachgeschäft in Offenbach, das aus der langen Verlags- und Musikhandelstradition der Familie André hervorgegangen ist.
- Musikverlag Johann André 1774 gegründeter Offenbacher Musikverlag, den Hans André ab 1923 leitete.
- Notenarchiv Archivische Form der Überlieferung gedruckter und handschriftlicher Musik, im Haus André besonders bedeutsam.
- Offenbach am Main Geburts-, Wirkungs- und Sterbeort Hans Andrés sowie historisches Zentrum des Musikverlags Johann André.
- RISM Internationales Quellenverzeichnis, das Drucke, Handschriften, Institutionen und historische Musikquellen des André-Archivs erschließt.
- Verlagsarchiv Quellenbestand eines Verlages mit Geschäftspapieren, Drucken, Korrespondenzen, Produktionsunterlagen und historischen Katalogen.
- Witwenleitung im Musikverlag Geschäftsform der Übergangszeit, die im Haus André vor Hans Andrés Übernahme und nach späteren Todesfällen wiederholt sichtbar wurde.
- Zweiter Weltkrieg und Musikverlage Historischer Kontext von Zerstörung, Archivgefährdung, Betriebsunterbrechung und Nachkriegskontinuität, der für Hans Andrés Amtszeit wichtig ist.