Carl August André

Familie André, Nr. 3; auch Karl August André; * 15. Juni 1806 in Offenbach am Main; † 15. Februar 1887 in Frankfurt am Main. Deutscher Musikalienhändler, Musikverleger, Klavierfabrikant, Instrumentenbauer, Unternehmer und Musikschriftsteller.

Überblick

Carl August André, auch Karl August André, war ein deutscher Musikalienhändler, Musikverleger, Klavierfabrikant, Instrumentenbauer, Unternehmer und Musikschriftsteller aus der Familie André. Er wurde am 15. Juni 1806 in Offenbach am Main geboren und starb am 15. Februar 1887 in Frankfurt am Main. Innerhalb der André-Familie bildet er die dritte wichtige Generation nach Johann André, dem Gründer des Offenbacher Musikverlags, und Johann Anton André, dem Erwerber des Mozart-Nachlasses.

Carl August André leitete die Frankfurter Filiale des Familienunternehmens, die sein Vater Johann Anton André 1828 gegründet hatte. Diese Filiale war nicht nur eine Verkaufsstelle für Noten. Sie verband Musikalienhandel, Musikalienleihanstalt, Instrumentenhandel, Klavierreparatur, Konzertdienstleistung, Pianofortebau und später auch die öffentliche Präsentation von Mozart-Quellen. Damit steht Carl August André für eine Phase der Musikgeschichte, in der sich der traditionelle Musikverlag in ein umfassenderes musikalisches Handels- und Dienstleistungsunternehmen verwandelte.

Besonders wichtig ist seine Tätigkeit im Pianofortebau. 1839 errichtete er in Frankfurt eine Pianofortefabrik. In ihr entwickelte und verbesserte er die Mechanik des sogenannten Mozartflügels, also eines Instrumententyps, der den Namen Mozart mit einer bestimmten historischen Klang- und Bauvorstellung verband. Ab 1853 wird in der lexikalischen Überlieferung eine „Mozartflügel“-Serie genannt. Carl August André gehört damit zu denjenigen Musikunternehmern des 19. Jahrhunderts, die Notenhandel, Instrumentenbau und musikhistorische Erinnerung miteinander verbanden.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Pflege des Mozart-Nachlasses. 1839 eröffnete André in seinem Haus am Schaumaintor ein Mozart-Museum mit Originalpartituren Wolfgang Amadeus Mozarts. Seit 1844 befand sich dieses Museum im „Haus Mozart“ auf der Frankfurter Zeil. Die Sammlung war jedoch nicht dauerhaft geschlossen gesichert: Bereits 1855 wurden Teile verkauft, und 1873 erwarb die Königliche Bibliothek Berlin den restlichen Mozart-Nachlass. Carl August André steht daher an einer entscheidenden Schwelle zwischen privatem Familienbesitz, öffentlicher Mozart-Verehrung, musealer Präsentation und späterer staatlicher Quellenbewahrung.

Kurzdaten

Name Carl August André; auch Karl August André; bibliographisch häufig André, Carl August oder André, Karl August.
Familienzuordnung Familie André, Nr. 3; Sohn von Johann Anton André und Enkel von Johann André.
Geburtsdatum 15. Juni 1806.
Geburtsort Offenbach am Main.
Sterbedatum 15. Februar 1887.
Sterbeort Frankfurt am Main.
Beruf Musikalienhändler, Musikverleger, Klavierfabrikant, Instrumentenbauer, Klavier- und Cembalobauer, Unternehmer, Musikschriftsteller, Leiter der Frankfurter André-Filiale und Bewahrer beziehungsweise Präsentator von Mozart-Quellen.
Vater Johann Anton André, Musikverleger, Komponist, Mozart-Forscher und Erwerber des handschriftlichen Mozart-Nachlasses.
Großvater Johann André, auch Jean André, Komponist, Singspielautor, Musikverleger und Gründer des Musikverlags Johann André in Offenbach.
Frankfurter Filiale Die Frankfurter Filiale des André-Unternehmens wurde 1828 von Johann Anton André gegründet und 1835 von Carl August André übernommen.
Musikalienhandlung Carl August André leitete die Frankfurter Musikalienhandlung des Hauses André und erweiterte sie um Instrumentenhandel, Musikalienleihanstalt, Reparaturwerkstatt und pianistische Dienstleistungen.
Pianofortefabrik 1839 errichtete André in Frankfurt am Main eine Pianofortefabrik.
Mozartflügel André verbesserte die Mechanik des Mozart-Flügels; ab 1853 wird eine Mozartflügel-Serie genannt.
Mozart-Museum 1839 eröffnete er im Haus am Schaumaintor ein Mozart-Museum mit Originalpartituren Mozarts; seit 1844 befand es sich im „Haus Mozart“ auf der Zeil.
Schrift Der Klavierbau in seiner Geschichte und seiner technischen und musikalischen Bedeutung, Frankfurt am Main 1855.
Söhne Carl August Johann André und Gustav Adolf André übernahmen 1880 den Frankfurter Verlag beziehungsweise die Frankfurter Unternehmung und führten später die Vereinigung der Firmensitze herbei.
Kulturgeschichtlicher Rang Wichtige Übergangsfigur zwischen Musikverlag, Musikalienhandel, Instrumentenbau, Mozart-Erinnerung, Frankfurter Konzertleben und bürgerlicher Musikkultur des 19. Jahrhunderts.

Name und Familienkontext

Der Name erscheint in den Quellen in zwei gleichwertigen Schreibformen: Carl August André und Karl August André. Die ältere und in mehreren Musiklexika verbreitete Form Carl wird hier als Hauptlemma verwendet, weil sie dem vom Nutzer vorgegebenen Namen entspricht und im Frankfurter Personenlexikon ausdrücklich mit der Variante Karl verbunden wird. Für Kataloge, Normdaten und interne Register müssen beide Formen berücksichtigt werden.

Die Dateibezeichnung folgt der Personenregel des Kulturlexikons: andre-carl-august.shtml. Das Akzentzeichen in André wird im Dateinamen nicht gesetzt, um eine stabile, einfache URL-Form zu erhalten. Im sichtbaren Text bleibt die korrekte Namensform André erhalten.

Der Familienkontext ist bei Carl August André unverzichtbar. Er gehört nicht nur als Einzelperson in die Musikgeschichte, sondern als Glied einer mehrgenerationellen Verleger- und Musikerfamilie. Sein Großvater Johann André gründete 1774 den Offenbacher Musikverlag. Sein Vater Johann Anton André erwarb 1799 den Mozart-Nachlass, veröffentlichte zahlreiche Mozart-Erstdrucke und machte Offenbach zu einem Zentrum der Mozart-Überlieferung. Carl August André verlagerte einen Teil dieses Familienerbes nach Frankfurt, verband es dort mit Musikalienhandel, Pianofortebau und musealer Mozart-Präsentation und gab die Unternehmung später an seine Söhne weiter.

Leben

Carl August André wurde am 15. Juni 1806 in Offenbach am Main geboren. Er wuchs in einer Familie auf, deren kultureller Rang bereits fest etabliert war. Der Großvater Johann André hatte aus einer hugenottisch geprägten Offenbacher Unternehmerfamilie heraus den Musikverlag Johann André gegründet; der Vater Johann Anton André hatte den Verlag durch den Mozart-Nachlass, die Lithographie, Editionen, Musiktheorie und eigenes Komponieren erheblich erweitert. Carl August André übernahm somit kein kleines Privatgeschäft, sondern ein Familienunternehmen mit europäischer Musikgeltung.

Die Quellen über seine frühe Ausbildung sind knapper als bei Johann Anton André. Sicher ist jedoch, dass er in einem hoch musikalischen und verlegerisch geprägten Umfeld aufwuchs. In einem solchen Haushalt waren Noten, Drucke, Autographe, Kundenkontakte, Instrumente, Kataloge, Korrespondenzen, Musikerbesuche und Werkkenntnis Teil des täglichen Lebens. Carl August André wurde daher weniger als Komponist im engeren Sinn berühmt als vielmehr als Musikunternehmer und Instrumentenfachmann.

Die Frankfurter Filiale des André-Unternehmens wurde 1828 von Johann Anton André gegründet. Sie lag im wirtschaftlich und kulturell stark wachsenden Frankfurt am Main und war als Musikalienhandlung angelegt. Frankfurt war im 19. Jahrhundert ein wichtiges Zentrum bürgerlicher Musik, privater Konzertinitiativen, reisender Virtuosen, Musikalienhandel, Bankierskultur, Verlagsverkehr und häuslicher Musikpflege. Für die André-Familie bot die Stadt andere Möglichkeiten als Offenbach: mehr Kundschaft, mehr Konzertleben, mehr internationale Durchreise, mehr instrumentaler Bedarf und eine stärkere Verbindung zur großstädtischen Öffentlichkeit.

1835 übernahm Carl August André die Leitung dieser Frankfurter Filiale. Damit wurde er zum wichtigsten Vertreter der André-Familie in Frankfurt. Er führte die Musikalienhandlung nicht nur als Verkaufsstelle für Noten weiter, sondern entwickelte sie zu einem umfassenderen musikalischen Geschäft. Die Verbindung von Musikalienverkauf, Notenleihhandel, Instrumentenhandel, Klavierreparatur und später Klavierproduktion entsprach den Bedürfnissen einer bürgerlichen Musikkultur, die nicht nur Noten kaufte, sondern Instrumente benötigte, Konzerte organisierte, Unterricht nahm und Repertoire auslieh.

1839 erweiterte André die Frankfurter Unternehmung um eine Pianofortefabrik. Dieser Schritt war konsequent. Das Klavier wurde im 19. Jahrhundert zum zentralen Instrument bürgerlicher Musikkultur. Es war Soloinstrument, Begleitinstrument, Hausinstrument, Unterrichtsinstrument, Opernersatz, Kammermusikpartner und gesellschaftliches Statussymbol. Wer Musikalien verkaufte, konnte zugleich Instrumente verkaufen, stimmen, reparieren, verleihen und verbessern.

Besondere Aufmerksamkeit galt dem sogenannten Mozartflügel. André gelang es nach der lexikalischen Überlieferung, dessen Mechanik zu verbessern. Der Begriff Mozartflügel ist kulturgeschichtlich auffällig, weil er technische Instrumentenkonstruktion mit Erinnerungskultur verbindet. Das Instrument verweist nicht nur auf Klang, Mechanik und Spielart, sondern zugleich auf Mozart als musikhistorische Autorität. In der André-Familie war dieser Bezug besonders naheliegend, weil der Mozart-Nachlass seit 1799 im Familienbesitz gewesen war.

1839 eröffnete Carl August André in seinem Haus am Schaumaintor ein Mozart-Museum, in dem Originalpartituren Mozarts gezeigt wurden. Seit 1844 befand sich dieses Museum im „Haus Mozart“ auf der Frankfurter Zeil. Diese Einrichtung ist ein frühes Beispiel musealer Musikverehrung. Notenhandschriften wurden nicht mehr nur als Quellen für Drucke und Forschung verstanden, sondern als Objekte öffentlicher Bewunderung. André machte aus dem Familienbesitz ein Element städtischer Musikrepräsentation.

Die Geschichte dieses Museums war jedoch auch von Verlust und Zerstreuung geprägt. Bereits 1855 wurden Teile der Sammlung verkauft. 1873 erwarb die Königliche Bibliothek Berlin den restlichen Mozart-Nachlass. Damit endete die unmittelbare private Bewahrung des großen Nachlasskomplexes durch die Frankfurter Linie in wesentlichen Teilen. Aus heutiger Sicht markiert Carl August André deshalb eine Übergangsphase: von der familienunternehmerischen Sammlung zur öffentlichen und staatlichen Quellenbewahrung.

1880 übernahmen Carl August Andrés Söhne Carl August Johann André und Gustav Adolf André die Frankfurter Unternehmung. In der späteren Familiengeschichte kam es zur Vereinigung der Frankfurter und Offenbacher Firmensitze. Carl August André starb am 15. Februar 1887 in Frankfurt am Main. Seine Lebensleistung liegt vor allem in der Ausweitung des André-Unternehmens in den Frankfurter Musikmarkt, in der Verbindung von Musikalienhandel und Pianofortebau sowie in der öffentlichen Präsentation des Mozart-Erbes.

Kulturüberblick

Carl August André gehört in die Musikkultur des 19. Jahrhunderts, in der sich der Musikmarkt stark ausdifferenzierte. Der klassische Musikverlag blieb wichtig, aber er wurde um neue Geschäftsbereiche ergänzt: Musikalienhandel, Leihbibliothek, Instrumentenverkauf, Instrumentenreparatur, Konzertservice, Kartenvertrieb, Musikantiquariat, pädagogische Literatur, Porträts, Büsten, Zubehör und später mechanische Musikinstrumente. Musik war nicht mehr allein ein Werkbestand, sondern ein umfassender kultureller Dienstleistungsbereich.

Der Frankfurter André-Betrieb ist ein Beispiel dieser Entwicklung. Eine Musikalienhandlung konnte Noten verkaufen und verleihen, Instrumente vermitteln, Klaviere reparieren, Konzertflügel bereitstellen und dadurch in die praktische Organisation des Konzertwesens eingreifen. Die spätere Forschung zur Geschichte des deutschen Buch- und Musikalienhandels nennt gerade die Firma Carl August André als Beispiel dafür, wie einer Musikalienhandlung eine Musikalienleihanstalt, ein Instrumentenhandel und eine Klavierreparaturwerkstatt angegliedert werden konnten.

Diese Geschäftsform passt zur bürgerlichen Musikpraxis. Das 19. Jahrhundert war ein Zeitalter der Klavierkultur. Bürgerliche Haushalte kauften Klaviere, Jugendliche erhielten Klavierunterricht, Opern wurden am Klavier nachvollzogen, Kammermusik wurde im Salon gespielt, Sängerinnen und Sänger benötigten Begleitung, Konzertveranstalter brauchten Instrumente, reisende Virtuosen verlangten zuverlässige Flügel. Ein Geschäft wie das von Carl August André konnte all diese Bedürfnisse bedienen.

Frankfurt am Main war dafür ein besonders geeigneter Ort. Die Stadt besaß eine wohlhabende bürgerliche Schicht, ein intensives Musikleben, reisende Künstler, Verbindungen zu Leipzig, Wien, Paris, London und Berlin sowie eine hohe Dichte kultureller Vereine und privater Initiativen. Carl August André wirkte in einem Musikmarkt, der zwischen lokaler Kundschaft und internationalem Austausch stand.

Die Mozart-Pflege der André-Familie gehört ebenfalls in diese bürgerliche Kultur des 19. Jahrhunderts. Mozart wurde nicht nur aufgeführt und gedruckt, sondern gesammelt, ausgestellt, verehrt, katalogisiert und historisiert. Carl August Andrés Mozart-Museum zeigt, dass Musikgeschichte nun auch museal wurde. Das Autograph, die Originalpartitur und der Name Mozart erhielten auratische Bedeutung. Der Musikverleger wurde damit auch zum Hüter kultureller Erinnerung.

Frankfurter Musikalienhandlung

Die 1828 von Johann Anton André gegründete Frankfurter Filiale war ein strategischer Schritt. Offenbach blieb das historische Zentrum des Familienverlags, doch Frankfurt bot als Handels- und Kulturstadt andere Möglichkeiten. Die Zeil, das Schaumaintor und die Frankfurter Innenstadt waren Orte bürgerlicher Öffentlichkeit. Eine Musikalienhandlung in Frankfurt konnte direkt mit Musikern, Lehrern, Vereinen, Konzertveranstaltern und wohlhabenden Privatkunden arbeiten.

Carl August André übernahm die Leitung der Filiale 1835. Die Quellen nennen ihn als Musikalienhändler, Musikverleger und Klavierfabrikant. Diese Berufsbezeichnungen zeigen, dass seine Tätigkeit nicht auf eine Funktion reduziert werden kann. Er war Händler, aber auch Produzent; Verleger, aber auch Instrumentenbauer; Unternehmer, aber auch musikgeschichtlicher Vermittler.

Die Frankfurter Filiale war außerdem eine Musikalienleihanstalt. Solche Einrichtungen waren im 19. Jahrhundert wichtig, weil nicht alle Kunden Noten kaufen konnten oder wollten. Durch Leihbestände konnten Hausmusiker, Gesangvereine, Lehrer, Schülerinnen, Kammermusikgruppen und Konzertveranstalter rasch auf Repertoire zugreifen. Die Leihpraxis machte Musikalienhandlungen zu aktiven Vermittlern des Repertoires.

Der Handel mit Instrumenten und die Reparaturwerkstatt erweiterten diese Funktion. Musikgeschäfte des 19. Jahrhunderts waren häufig technische und soziale Kontaktstellen zugleich. Dort wurden Instrumente gekauft, gestimmt, geliehen, repariert, bewertet und empfohlen. Lehrer, Händler und Hersteller arbeiteten eng zusammen; Empfehlungen von Musiklehrern konnten Kaufentscheidungen stark beeinflussen.

Die spätere Anfrage Clara Schumanns nach einem brillanten Konzertflügel aus dem André-Bestand zeigt, dass die Frankfurter Unternehmung in den praktischen Konzertbetrieb eingebunden war. Der Musikhandel stellte nicht nur Waren bereit, sondern ermöglichte Aufführungen. Ein hochwertiger Konzertflügel war ein logistisches, technisches und künstlerisches Element des Konzertlebens.

Klavierbau, Mozartflügel und Instrumentenhandel

Die Pianofortefabrik von Carl August André wurde 1839 gegründet. Sie steht in einer Zeit, in der der Klavierbau technisch stark in Bewegung war. Mechanik, Hammerbau, Saitenspannung, Gehäusekonstruktion, Resonanzboden, Dämpfung, Pedale, Tonumfang und Spielart entwickelten sich im 19. Jahrhundert erheblich weiter. Zwischen dem leichteren Hammerflügel der Mozartzeit und dem kräftigeren Konzertflügel der späteren Romantik lagen zahlreiche technische Zwischenformen.

Andrés Beschäftigung mit dem Mozartflügel zeigt ein besonderes Interesse an historisch markierter Klangkultur. Der Mozartflügel war nicht einfach irgendein Flügel, sondern ein Instrument, dessen Name eine Nähe zu Mozart suggerierte. In der Familie André war diese Verbindung besonders glaubwürdig, weil der Mozart-Nachlass und zahlreiche Mozart-Erstdrucke zum Kern der Familiengeschichte gehörten. Der Instrumentenbau wurde dadurch mit musikalischer Erinnerung aufgeladen.

Die Verbesserung der Mechanik des Mozartflügels ist in den Quellen ausdrücklich hervorgehoben. Technisch bedeutet eine solche Verbesserung, dass Anschlag, Repetition, Kraftübertragung, Spielgefühl oder Klangansprache verändert wurden. Kulturgeschichtlich bedeutet sie, dass André nicht nur historisierend konservierte, sondern historisches Klangideal und technische Gegenwart miteinander verbinden wollte.

Ab 1853 wird eine Mozartflügel-Serie genannt. Diese Serienbezeichnung zeigt, dass André den Mozart-Namen nicht nur museal, sondern auch produktbezogen verwendete. Der Mozartflügel wurde zu einem Instrumententyp innerhalb eines Marktes, in dem Klangvorstellungen, Markenname, historische Legitimation und technische Qualität zusammenwirkten.

Mit seiner Schrift Der Klavierbau in seiner Geschichte und seiner technischen und musikalischen Bedeutung von 1855 trat André auch als Musikschriftsteller hervor. Der Titel macht deutlich, dass er Klavierbau nicht bloß handwerklich betrachtete. Er sah die Geschichte, die Technik und die musikalische Bedeutung des Instruments zusammen. Das entspricht seinem Lebensprofil: Musikalienhandel, Instrumentenbau, Mozart-Erinnerung und Musikgeschichte waren bei ihm keine getrennten Bereiche.

Mozart-Museum und Mozart-Nachlass

Die Geschichte des Mozart-Nachlasses ist für die André-Familie zentral. Johann Anton André hatte den Bestand 1799 von Constanze Mozart erworben. Dieser Nachlass enthielt zahlreiche Originalhandschriften Wolfgang Amadeus Mozarts und wurde zur Grundlage von Offenbacher Mozart-Erstdrucken, Katalogisierung und späterer Forschung. Carl August André erbte nicht einfach ein geschäftliches Kapital, sondern einen musikhistorisch einmaligen Quellenbestand.

1839 eröffnete Carl August André in seinem Haus am Schaumaintor ein Mozart-Museum. Dieses Museum präsentierte Originalpartituren Mozarts und machte damit Quellen sichtbar, die zuvor vor allem in verlegerischer und editorischer Funktion wichtig gewesen waren. Die Einrichtung war ein frühes Beispiel für die öffentliche Musealisierung musikalischer Autographe. Mozart wurde nicht nur gehört, sondern angeschaut; seine Handschrift wurde zum Erinnerungsobjekt.

Seit 1844 befand sich das Museum im „Haus Mozart“ auf der Zeil. Diese Verlagerung erhöhte die öffentliche Sichtbarkeit. Die Zeil war eine prominente Frankfurter Lage; ein Mozart-Museum an diesem Ort verband städtische Repräsentation, Musikverehrung, Familiengeschichte und Handelsadresse. Die Grenze zwischen Geschäft, Museum und kultureller Erinnerung war dabei durchlässig.

Die Sammlung blieb jedoch nicht unversehrt. Bereits 1855 wurden Teile verkauft. 1873 ging der restliche Mozart-Nachlass an die Königliche Bibliothek Berlin. Diese Entwicklung lässt sich nicht nur als Verlust der Familie André betrachten, sondern auch als Übergang in eine neue Epoche der Quellenbewahrung. Musikautographe wurden zunehmend Gegenstand öffentlicher Bibliotheken, wissenschaftlicher Editionen und staatlicher Kulturinstitutionen.

Carl August André nimmt in diesem Prozess eine Zwischenstellung ein. Er war noch ein privater Unternehmer und Familienerbe, aber er handelte bereits in einer Öffentlichkeit, die Musikquellen museal und historisch wahrnahm. Sein Mozart-Museum gehört deshalb zur Frühgeschichte musikalischer Erinnerungskultur.

Schriften-, Unternehmens- und Werkverzeichnis

Carl August André war nicht in erster Linie Komponist im Sinne eines umfangreich überlieferten Opuswerks. Sein „Werk“ besteht vor allem aus der Leitung der Frankfurter Musikalienhandlung, der Gründung und Führung einer Pianofortefabrik, dem Mozart-Museum, der Beschäftigung mit dem Mozartflügel, seinem Beitrag zur André-Unternehmensgeschichte und seiner Schrift zum Klavierbau. Das folgende Verzeichnis erfasst daher Schriften, Unternehmensleistungen, technische Arbeiten, Sammlungs- und Verlagskomplexe.

Leitung der Frankfurter Musikalienhandlung C. A. André Seit 1835 leitete Carl August André die von seinem Vater Johann Anton André 1828 gegründete Frankfurter Filiale des André-Unternehmens. Diese Leitung ist sein wichtigster beruflicher Wirkungsbereich.
Musikalienleihanstalt Die Frankfurter Unternehmung war mit einer Musikalienleihanstalt verbunden. Dadurch konnten Notenbestände für Hausmusik, Unterricht, Kammermusik, Gesangvereine und Konzertpraxis ausgeliehen werden.
Instrumentenhandel Zur Frankfurter André-Unternehmung gehörte ein Handel mit Musikinstrumenten. Dieser Bereich ergänzte den Notenhandel und entsprach dem Bedarf des bürgerlichen Musikmarktes.
Klavierreparaturwerkstatt Die Musikalienhandlung wurde um eine Reparaturwerkstatt für Klaviere erweitert. Damit verband André Handel, Technik, Service und Konzertpraxis.
Pianofortefabrik Frankfurt am Main 1839 errichtete Carl August André eine Pianofortefabrik. Sie wurde zu seinem wichtigsten technischen und instrumentenbauerischen Arbeitsfeld.
C. A. André’sche Pianoforte- und Mozartflügel-Fabrik Unternehmensform beziehungsweise Betriebsbezeichnung im Zusammenhang des Frankfurter Pianofortebaus. Die Firma verband Pianofortebau und Mozartflügel-Produktion.
Verbesserung der Mechanik des Mozartflügels Technisch-instrumentenbauerische Leistung, die in der lexikalischen Überlieferung besonders hervorgehoben wird. Sie betrifft die Spielart, Klangansprache und Bauentwicklung eines historisch markierten Flügeltyps.
Mozartflügel-Serie ab 1853 Instrumentenserie beziehungsweise Produktlinie, die den Namen Mozart mit Klavierbau, Familienerbe und musikalischer Erinnerung verband.
Entwurf der Orgel für die Frankfurter Paulskirche Carl August André entwarf nach Frankfurter Quellen die Orgel für die 1833 eingeweihte Paulskirche in Frankfurt am Main. Dieser Vorgang zeigt seine technische Kompetenz über den Klavierbau hinaus.
Mozart-Museum am Schaumaintor 1839 eröffnete André in seinem Haus am Schaumaintor ein Mozart-Museum mit Originalpartituren Mozarts. Die Einrichtung gehört zur Frühgeschichte der musealen Musikverehrung.
Mozart-Museum im Haus Mozart auf der Zeil Seit 1844 befand sich das Mozart-Museum im „Haus Mozart“ auf der Frankfurter Zeil. Dadurch wurde der Mozart-Nachlass in einem prominenten städtischen Umfeld präsentiert.
Bewahrung und Präsentation des Mozart-Nachlasses Als Erbe des von Johann Anton André erworbenen Mozart-Nachlasses war Carl August André an der öffentlichen und geschäftlichen Fortführung der Mozart-Überlieferung beteiligt.
Verkauf von Teilen des Mozart-Nachlasses 1855 wurden Teile der Sammlung verkauft. Dieser Vorgang markiert den Beginn der späteren Zerstreuung beziehungsweise Verlagerung der Quellenbestände aus dem Familienbesitz.
Übergang des restlichen Mozart-Nachlasses an die Königliche Bibliothek Berlin 1873 erwarb die Königliche Bibliothek Berlin den restlichen Mozart-Nachlass aus dem André-Zusammenhang. Damit wurde die private Familienüberlieferung in eine öffentliche Quelleninstitution überführt.
Der Klavierbau in seiner Geschichte und seiner technischen und musikalischen Bedeutung Schrift von Carl August André, erschienen 1855. Das Werk behandelt den Klavierbau in historischer, technischer und musikalischer Perspektive und ist sein wichtigster schriftstellerischer Beitrag.
Konzertflügel- und Instrumentenbereitstellung Die Frankfurter André-Unternehmung stellte Instrumente für Konzertzwecke bereit. Die spätere Anfrage Clara Schumanns nach einem „brillanten Concert-Flügel“ zeigt die Einbindung des Geschäfts in das Konzertleben.
Musikalienhandel auf der Zeil Die Frankfurter Adresse auf der Zeil verband Handel, Mozart-Erinnerung, städtische Öffentlichkeit und bürgerliche Kundschaft.
Übergabe an Carl August Johann André und Gustav Adolf André 1880 übernahmen die Söhne Carl August Johann André und Gustav Adolf André die Frankfurter Linie beziehungsweise den Verlagsteil. Später kam es unter ihnen zur Vereinigung der Frankfurter und Offenbacher Firmensitze.
Familienunternehmerische Weiterführung des André-Hauses Carl August André trug dazu bei, dass aus dem Offenbacher Verlag ein vielgliedriges Familienunternehmen mit Frankfurter Filiale, Instrumentenhandel, Pianofortebau und Mozart-Erinnerung wurde.
Kompositorische Zuschreibung Die Deutsche Biographie führt Carl August André auch als Komponisten. Ein breit gesichertes kompositorisches Werkverzeichnis ist jedoch in den zugänglichen Standardquellen nicht nachweisbar; der Schwerpunkt seiner überlieferten Leistung liegt im Handel, Klavierbau, in der Schrift und in der Sammlungspräsentation.

Rezeption und Bedeutung

Carl August André steht im Schatten seines Großvaters Johann André und seines Vaters Johann Anton André. Der Großvater begründete den Verlag, der Vater erwarb den Mozart-Nachlass und wurde zu einer Schlüsselfigur der Mozart-Forschung. Carl August André hatte eine andere, weniger editorisch-kanonische, aber kulturgeschichtlich ebenfalls wichtige Aufgabe: Er führte das Familienunternehmen in die Frankfurter Musiköffentlichkeit und verband Verlag, Handel, Instrumentenbau und Erinnerungskultur.

Seine Bedeutung liegt besonders in der Verbindung von Musikhandel und Klavierbau. Die Musik des 19. Jahrhunderts wurde im bürgerlichen Alltag wesentlich durch das Klavier getragen. Ein Unternehmer, der Noten verkaufte, Klaviere baute, Instrumente reparierte und Konzertflügel bereitstellte, wirkte unmittelbar auf die praktische Musikkultur. Carl August André war daher kein bloßer Händler, sondern ein Vermittler musikalischer Praxis.

Der Mozartflügel zeigt, wie eng Technik und Erinnerung miteinander verbunden sein konnten. Durch die Verbesserung der Mechanik und die Produktion historisch benannter Flügel verband André das Prestige Mozarts mit dem Bedarf des zeitgenössischen Marktes. Er übersetzte Mozart-Erbe nicht nur in Drucke oder Museumsobjekte, sondern auch in Instrumentenbau.

Das Mozart-Museum macht ihn zudem zu einer Figur der frühen musikalischen Musealisierung. Originalpartituren wurden unter seiner Leitung sichtbar und öffentlich präsentierbar. Damit steht er in einer Entwicklung, die später zu Musikmuseen, Komponistenhäusern, Autographensammlungen und wissenschaftlichen Musikarchiven führte. Zugleich zeigt der spätere Verkauf der Quellen, wie unsicher solche privaten Sammlungen im 19. Jahrhundert noch waren.

Seine Schrift Der Klavierbau in seiner Geschichte und seiner technischen und musikalischen Bedeutung zeigt schließlich, dass André seinen Beruf theoretisch reflektierte. Er verstand Klavierbau nicht bloß als Werkstattpraxis, sondern als historisch und musikalisch relevantes Feld. Gerade diese Verbindung aus Praxis, Technik und Geschichte macht ihn für ein Kulturlexikon bedeutsam.

Sekundärliteratur

  • André, A.: Zur Geschichte der Familie André, Offenbach am Main 1962.
  • André, Ute-Margrit und André, Hans-Jörg (Hg.): 225 Jahre Musikverlag Johann André. Festschrift zum Jubiläum, Offenbach am Main 1999.
  • Constapel, Britta: Der Musikverlag Johann André in Offenbach am Main. Studien zur Verlagstätigkeit von Johann Anton André und Verzeichnis der Musikalien von 1800 bis 1840, Tutzing 1998.
  • Hock, Sabine: Artikel André, Carl August, in: Frankfurter Biographie, Bd. 1, Frankfurt am Main 1994, S. 24; online im Frankfurter Personenlexikon.
  • Matthäus, Wolfgang: Johann André. Musikverlag zu Offenbach am Main. Verlagsgeschichte und Bibliographie 1772–1800, Tutzing 1973.
  • Neue Deutsche Biographie: Helmut Wirth, Artikel André, Karl August, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 1, Berlin 1953, S. 277.
  • RISM Editorial Center: Beiträge zur Geschichte und Quellenerschließung des Musikverlags Johann André in Offenbach und Frankfurt am Main.
  • Studien zur Geschichte des deutschen Musikalienhandels im 19. Jahrhundert mit Hinweisen auf C. A. André, Musikalienleihanstalt, Instrumentenhandel, Reparaturwerkstatt und Konzertflügelverleih.
  • Weber-Gesamtausgabe: Institutionsgeschichtliche Informationen zum Verlag Johann André, Offenbach und Frankfurt am Main.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Carl August Johann André Sohn Carl August Andrés und späterer Mitinhaber der Frankfurter beziehungsweise wiedervereinigten André-Unternehmung.
  • Gustav Adolf André Sohn Carl August Andrés und Mitträger der späteren Geschäftsfortführung des André-Hauses.
  • Johann André Großvater Carl August Andrés, Komponist, Singspielautor und Gründer des Musikverlags Johann André in Offenbach.
  • Johann Anton André Vater Carl August Andrés, Musikverleger, Komponist und Erwerber des Mozart-Nachlasses.
  • Johann August André Bruder Carl August Andrés und Fortführer des Offenbacher Verlagssitzes.
  • Julius André Bruder Carl August Andrés, Organist, Pianist und Komponist.
  • Bürgerliche Hausmusik Kultureller Gebrauchszusammenhang von Notenhandel, Klavierbau, Musikalienleihverkehr und Familienmusik im 19. Jahrhundert.
  • C. A. André, Frankfurt am Main Frankfurter Musikalienhandlung, Verlagsteil, Instrumentenhandel und Pianofortefabrik unter Carl August André.
  • Clara Schumann Pianistin, deren Anfrage nach einem Konzertflügel aus dem André-Geschäft die praktische Bedeutung des Frankfurter Instrumentenhandels zeigt.
  • Familie André Offenbacher und Frankfurter Musikverleger-, Musiker- und Instrumentenbauerfamilie vom 18. bis ins 20. Jahrhundert.
  • Frankfurt am Main Wirkungs- und Sterbeort Carl August Andrés sowie Standort der Frankfurter André-Filiale.
  • Frankfurter Paulskirche Kirchen- und Versammlungsort, für den Carl August André nach Frankfurter Überlieferung die Orgel entwarf.
  • Haus Mozart, Frankfurt am Main Frankfurter Ort auf der Zeil, an dem Carl August Andrés Mozart-Museum seit 1844 untergebracht war.
  • Instrumentenhandel Geschäftsbereich, den Carl August André mit Musikalienhandel, Klavierbau und Konzertdienstleistung verband.
  • Klavierbau Technisches und musikalisches Feld, über das Carl August André 1855 eine eigene Schrift veröffentlichte.
  • Königliche Bibliothek Berlin Institution, die 1873 den restlichen Mozart-Nachlass aus dem André-Zusammenhang erwarb.
  • Konzertflügel Instrumententyp, der im 19. Jahrhundert für Virtuosenkonzerte, Instrumentenverleih und Musikhandel zentrale Bedeutung gewann.
  • Mozartflügel Historisch benannter Flügeltyp, dessen Mechanik Carl August André verbesserte und den er in Frankfurt produzierte.
  • Mozart-Museum Frankfurt Von Carl August André 1839 gegründete Präsentation von Mozart-Originalpartituren, später im Haus Mozart auf der Zeil.
  • Mozart-Nachlass Handschriftlicher Bestand aus dem Besitz der Familie André, der in Carl August Andrés Frankfurter Museum öffentlich präsentiert und später verkauft wurde.
  • Wolfgang Amadeus Mozart Komponist, dessen Nachlass, Autographe, Erstdrucke und Erinnerungskultur die Geschichte der Familie André maßgeblich prägten.
  • Musikalienhandel Geschäftsform des 19. Jahrhunderts, in der Notenverkauf, Notenleihe, Instrumentenhandel und Konzertservice zusammenwirkten.
  • Musikalienleihanstalt Einrichtung zur Ausleihe von Noten, wichtig für Hausmusik, Unterricht, Vereine und Konzertpraxis.
  • Musikarchiv Überlieferungsform musikalischer Quellen, bei der Familie André besonders mit dem Mozart-Nachlass verbunden.
  • Musikgeschäft Umfassender Handels- und Dienstleistungsort für Noten, Instrumente, Zubehör, Reparatur, Leihe und Konzertpraxis.
  • Musikverlag Johann André 1774 gegründeter Offenbacher Verlag, aus dem die Frankfurter Filiale unter Carl August André hervorging.
  • Notendruck Mediengeschichtlicher Kernbereich des André-Unternehmens und Voraussetzung des Musikalienhandels.
  • Offenbach am Main Geburtsort Carl August Andrés und historisches Zentrum des Musikverlags Johann André.
  • Pianoforte Klavierinstrument des 18. und 19. Jahrhunderts, dessen Bau und Vertrieb bei Carl August André zentrale Bedeutung hatten.
  • Pianofortefabrik Produktionsform des Klavierbaus, die Carl August André 1839 in Frankfurt am Main aufbaute.
  • Zeil, Frankfurt am Main Prominente Frankfurter Geschäftsstraße, auf der sich seit 1844 Andrés Mozart-Museum im „Haus Mozart“ befand.