Aalgleich

Lexikon

aalgleich ist ein deutsches Adjektiv mit der Grundbedeutung „einem Aal gleichend, einem Aal ähnlich, wie ein Aal“. Das Wort bezeichnet eine Ähnlichkeit mit einem Aal und kann sich grundsätzlich auf Gestalt, Bewegung, Biegsamkeit, Glätte oder andere auffällige Eigenschaften des Tieres beziehen. Im tatsächlich belegten literarischen und allgemeinsprachlichen Gebrauch steht besonders häufig die gleitende, schlängelnde, wendige und sich durch enge Zwischenräume hindurchbewegende Art der Fortbewegung im Vordergrund.

Das Wort wird als Adjektiv kleingeschrieben: aalgleich. Die Worttrennung lautet aal|gleich. Die standarddeutsche Aussprache kann als [ˈaːlˌɡlaɪ̯ç] wiedergegeben werden. Attributiv wird das Adjektiv regulär flektiert: ein aalgleicher Körper, eine aalgleiche Bewegung, ein aalgleiches Tier, aalgleiche Bewegungen. Prädikativ und adverbial bleibt es unflektiert: Der Körper wirkt aalgleich; sie glitt aalgleich durch die Menge.

Morphologisch besteht aalgleich aus dem Substantiv Aal und dem Vergleichselement -gleich. Die Zusammensetzung drückt eine Ähnlichkeitsrelation aus: Ein Gegenstand, Lebewesen oder Bewegungsablauf ist in einer bestimmten Hinsicht dem Aal gleich. Die Wortbildungsbedeutung entspricht somit unmittelbar einer syntaktischen Vergleichskonstruktion wie einem Aal gleich.

Das Hinterglied -gleich ist in vergleichenden Adjektivbildungen produktiv beziehungsweise historisch produktiv. Es verweist nicht auf numerische oder logische Identität, sondern kann eine wahrgenommene Ähnlichkeit ausdrücken. Bei aalgleich bedeutet gleich daher nicht, dass das bezeichnete Lebewesen oder Objekt mit einem Aal identisch wäre, sondern dass es diesem hinsichtlich eines relevanten Merkmals gleicht.

Die semantische Grundstruktur lässt sich entsprechend formulieren:

Aal + gleich → aalgleich = einem Aal hinsichtlich Gestalt, Bewegung oder Beschaffenheit ähnlich.

Die Bedeutung ist grundsätzlich weiter als eine rein zoologische Beschreibung. Ein Fisch kann aalgleich aussehen, ein Mensch kann aalgleich durch eine Menschenmenge gleiten, ein Gegenstand kann sich aalgleich winden und ein langer flexibler Körper kann aalgleich erscheinen. Entscheidend ist jeweils, dass ein wahrgenommenes Merkmal an den Aal erinnert.

Als Vergleichsprototyp eignet sich der Aal besonders durch seine charakteristische Kombination aus langgestrecktem Körper, hoher Biegsamkeit, schlängelnder Fortbewegung und glatter beziehungsweise schlüpfriger Körperoberfläche. Nicht jeder Gebrauch des Wortes aktiviert alle diese Eigenschaften gleichzeitig. In einem Ausdruck wie aalgleicher Körper steht vor allem die Form im Vordergrund; in aalgleich schlüpfen dagegen Bewegung und Wendigkeit.

Die tatsächliche historische Verwendung zeigt eine auffällige Konzentration auf die Bewegungsbedeutung. Besonders häufig wird aalgleich adverbial zu Verben wie schlüpfen, gleiten, sich winden, sich entziehen oder ähnlichen Bewegungsverben gebraucht. Das Wort schildert dann keine statische Körperform, sondern einen Bewegungsablauf, der wegen seiner Geschmeidigkeit und Richtungswechsel an einen Aal erinnert.

Einer der wichtigsten frühen literarischen Belege findet sich in Johann Wolfgang von Goethes Faust. Der Tragödie zweiter Teil, erschienen 1832. In der Szene des großen Maskenzugs beziehungsweise karnevalistischen Treibens heißt es von den Pulcinellen, sie könnten durch „Drang und Menge“ „aalgleich zu schlüpfen“. Der Vergleich charakterisiert hier das schnelle und geschmeidige Hindurchkommen durch eine dichte Menschenmenge.

Goethes Verwendung ist für die Wortbedeutung besonders aufschlussreich. Das Vergleichsmerkmal ist nicht primär die äußerliche Form eines Menschen. Gemeint ist vielmehr eine bewegungsbezogene Analogie: Die Figuren finden wie ein glatter, biegsamer Aal einen Weg durch Zwischenräume und entziehen sich dabei festen Hindernissen.

Ein weiterer gut dokumentierter Beleg steht in Gustav Freytags Roman Soll und Haben von 1855. Dort bewegt sich eine Figur auf einem dicht belegten Marktplatz zwischen Wagen, Knechten, Pferdeköpfen und Heubündeln hindurch und „windet sich aalgleich“ durch das Gedränge. Auch hier bezeichnet das Wort vor allem die geschmeidige Navigation durch einen engen, unübersichtlichen Raum.

Bei Felix Dahn findet sich später eine ähnliche Konstruktion: Eine junge Frau drängt sich durch dicht stehende Menschen und gleitet aalgleich vorwärts. Die verschiedenen literarischen Belege zeigen damit ein relativ stabiles Gebrauchsmuster: aalgleich ist besonders geeignet, eine fließende, geschmeidige, schwer aufzuhaltende Bewegung durch Hindernisse zu beschreiben.

Das Digitale Wörterbuch der deutschen Einwortbildungen dokumentiert darüber hinaus einen Beleg von 1912, in dem eine schlanke Gestalt den Fäusten von Angreifern aalgleich entgleitet. Hier verbindet sich das Bewegungsmerkmal stärker mit dem Motiv des Entkommens. Der Aalvergleich bezeichnet nicht nur Geschmeidigkeit, sondern auch die Schwierigkeit, jemanden festzuhalten.

Noch 1983 findet sich in einer Zeitungsquelle eine morphologisch beschreibende Verwendung: Unterernährte Fische werden aufgrund ihrer ungewöhnlich schlanken Gestalt als aalgleich charakterisiert. Dieser Beleg zeigt, dass das Adjektiv keineswegs ausschließlich auf Bewegung beschränkt ist. Es kann auch unmittelbar eine langgestreckte, stark verschmälerte Körperform beschreiben.

Damit lassen sich mindestens drei eng verbundene Bedeutungsnuancen unterscheiden: aalgleich in der Gestalt, also lang und schlank; aalgleich in der Bewegung, also gleitend, schlängelnd und wendig; sowie aalgleich im Entgleiten, also schwer festzuhalten oder aufzuhalten. Diese Nuancen beruhen auf demselben Vergleichsbild und bilden keine voneinander unabhängigen Bedeutungen.

Wichtig ist die Abgrenzung zu aalartig. Beide Wörter können „einem Aal ähnlich“ bedeuten und sind deshalb in vielen Zusammenhängen austauschbar. Aalartig wirkt jedoch stärker als allgemeines beschreibendes Ähnlichkeitsadjektiv und kann insbesondere in zoologischen und morphologischen Texten verwendet werden. Aalgleich besitzt dagegen einen stärker bildhaften, literarischen und vergleichenden Charakter.

Ein aalartiger Fisch ist im naturwissenschaftlichen Stil eine unauffällige Beschreibung eines langgestreckten Körperbaus. Ein aalgleicher Fisch ist grammatisch ebenso möglich, wirkt aber stilistisch stärker als unmittelbarer Vergleich mit einem Aal. In moderner zoologischer Fachsprache wird deshalb gewöhnlich aalartig, aalförmig oder fachsprachlich anguilliform bevorzugt.

Von aalförmig unterscheidet sich aalgleich dadurch, dass aalförmig vor allem die äußere Form bezeichnet. Ein aalförmiger Körper besitzt ungefähr die Gestalt eines Aals. Aalgleich kann darüber hinaus Bewegungsweise, Geschmeidigkeit und Verhalten des sich bewegenden Körpers einschließen.

Gerade die historischen Belege zeigen, dass aalgleich sogar häufig dort gebraucht wird, wo die betreffende Person selbstverständlich nicht die Körperform eines Aals besitzt. Entscheidend ist dann ausschließlich die Art, wie sie sich bewegt. Dadurch ist aalgleich semantisch flexibler als das stärker geometrisch verstandene aalförmig.

Besonders wichtig ist außerdem die Abgrenzung von aalglatt. Aalglatt bedeutet konkret „außerordentlich glatt beziehungsweise schlüpfrig“ und besitzt eine fest entwickelte übertragene, meist abwertende Bedeutung für Menschen, die schwer zu fassen, ausweichend, opportunistisch oder übermäßig gewandt erscheinen.

Aalgleich besitzt diese feste negative Charakterbedeutung nicht im gleichen Maß. Das Wort kann in einer konkreten Situation durchaus Beweglichkeit, Entgleiten oder geschicktes Ausweichen schildern, ist lexikographisch aber zunächst wertneutral: Es bedeutet lediglich „wie ein Aal“ beziehungsweise „einem Aal gleichend“.

Deshalb wäre es ungenau, aalgleich allgemein mit „opportunistisch“, „falsch“ oder „verlogen“ gleichzusetzen. Solche Bewertungen können durch einen konkreten literarischen Kontext entstehen, gehören aber nicht zur stabilen Kernbedeutung des Wortes. Gerade darin liegt ein wichtiger Unterschied zu aalglatt.

Auch von Aalglätte ist das Wort entsprechend zu unterscheiden. Aalglätte ist historisch als abstrakte Bezeichnung für schwer greifbare, undurchsichtige Gewandtheit belegt. Aalgleich kann dagegen ganz ohne solche moralische oder soziale Wertung verwendet werden, etwa für eine Bewegung, Körperform oder rein physische Ähnlichkeit.

Das Wort aalgleich ist daher besonders als Vergleichsadjektiv zu verstehen. Es ordnet einen Gegenstand nicht einer zoologischen Kategorie zu, sondern stellt eine wahrgenommene Ähnlichkeit her. Ein aalgleiches Tier muss kein Aal und nicht einmal ein Fisch sein.

So können beispielsweise Aalmolche, Schleimaale, Neunaugen oder andere langgestreckte Tiere hinsichtlich ihrer Form oder Bewegung aalgleich erscheinen, obwohl sie systematisch ganz anderen Tiergruppen angehören. Der Ausdruck enthält keinerlei Aussage über stammesgeschichtliche Verwandtschaft.

Dasselbe gilt für unbelebte Gegenstände. Ein langes flexibles Kabel, ein beweglicher Schlauch, ein Unterwasserroboter oder eine andere geschmeidig und schlängelnd bewegte Konstruktion könnte bildhaft aalgleich genannt werden. Das Wort ist nicht auf Organismen beschränkt, solange die Vergleichsrelation verständlich bleibt.

In solchen technischen Zusammenhängen konkurriert es allerdings mit präziseren Ausdrücken wie schlangenförmig, wellenförmig, flexibel, anguilliform oder undulierend. Aalgleich bleibt stärker anschaulich und bildsprachlich.

Die zoologische Grundlage des Vergleichs liegt vor allem im Körperbau echter Aale. Arten der Gattung Anguilla besitzen einen stark verlängerten Rumpf, und Rücken-, Schwanz- und Afterflosse bilden einen langen Flossensaum. Bauchflossen fehlen. Beim Schwimmen werden seitliche Körperwellen entlang eines großen Teils des Rumpfes nach hinten weitergegeben.

Diese Art der Fortbewegung wird in der modernen Biomechanik als anguilliformes Schwimmen bezeichnet. Sie findet sich nicht nur bei echten Aalen, sondern auch bei anderen langgestreckten aquatischen Tieren. Das deutsche aalgleich kann eine solche Bewegung anschaulich beschreiben, ist jedoch kein enger biomechanischer Fachterminus.

Zum Vergleichsbild gehört außerdem die Glätte der Körperoberfläche. Beim Europäischen Aal erzeugt insbesondere eine reichliche Schleimschicht den bekannten schlüpfrigen Eindruck. Kleine Schuppen sind zwar vorhanden, liegen jedoch tief in der Haut und bestimmen den unmittelbaren Tastsinn wesentlich weniger als die schleimbedeckte Oberfläche.

Gerade die Verbindung aus gleitfähiger Haut und einem hochgradig biegsamen Körper erklärt die kulturell besonders starke Vorstellung des Aals als Tier, das einem Griff entkommt. Diese Vorstellung bildet die Grundlage zahlreicher deutscher Wörter und Redewendungen aus derselben semantischen Familie.

Neben aalgleich gehören dazu aalartig, aalförmig, aalglatt, Aalglätte, Aalgeschmeidigkeit und verschiedene freie Vergleiche mit dem Aal. Die Wörter teilen dasselbe Ausgangsbild, haben sich semantisch jedoch unterschiedlich spezialisiert.

Aalförmig konzentriert sich auf die Gestalt. Aalartig bezeichnet allgemeine Ähnlichkeit und ist auch naturwissenschaftlich verwendbar. Aalglatt betont Glätte und schweres Festhalten und besitzt eine stark entwickelte figurative Personenbedeutung. Aalgleich bewahrt am deutlichsten den unmittelbaren Vergleich „wie ein Aal“ und wird besonders gern auf Bewegung angewandt.

Auch schlangenartig kann in manchen Zusammenhängen bedeutungsnah sein. Eine langgestreckte schlängelnde Bewegung lässt sowohl an einen Aal als auch an eine Schlange denken. Der Unterschied liegt vor allem in den kulturellen und räumlichen Assoziationen: aalgleich legt eine gleitende, aquatisch wirkende, besonders geschmeidige Bewegung nahe; schlangenartig kann stärker an Kriechen, Windungen und eine beinlose Landbewegung erinnern.

Wurmförmig wiederum beschreibt hauptsächlich eine längliche, dünne Körperform und enthält gewöhnlich nicht dieselbe Vorstellung von schneller Geschmeidigkeit und Entgleiten. Die verschiedenen Vergleichswörter überschneiden sich, setzen aber unterschiedliche Wahrnehmungsschwerpunkte.

Grammatisch ist aalgleich ein vollständig flektierbares Adjektiv. Möglich sind beispielsweise aalgleicher, aalgleiche, aalgleiches, aalgleichen, aalgleichem und aalgleicher. Die jeweilige Form richtet sich nach Genus, Kasus, Numerus und Deklinationsart des Bezugswortes.

Prädikativ kann die unveränderte Grundform stehen: Die Bewegung war aalgleich. Deutlich charakteristischer ist jedoch der adverbiale Gebrauch: Sie schlüpfte aalgleich durch die Menge; er wand sich aalgleich zwischen den Hindernissen hindurch. Gerade diese Konstruktion entspricht mehreren der bekannten historischen Literaturbelege.

Eine regelmäßige Steigerung wird gewöhnlich nicht gebildet. Vergleichsadjektive wie aalgleich bezeichnen eine relationale Ähnlichkeit und werden deshalb lexikographisch normalerweise als nicht steigerbar behandelt. Formen wie aalgleicher können dennoch auftreten, sind dann aber meist keine Komparative, sondern flektierte Formen, etwa in ein aalgleicher Körper.

Dieser Punkt ist grammatisch wichtig: In „ein aalgleicher Körper“ bedeutet die Endung -er nicht „mehr aalgleich als etwas anderes“. Sie ist lediglich die Flexionsendung des attributiven Adjektivs im Nominativ Singular Maskulinum.

Wenn ein tatsächlicher gradueller Vergleich erforderlich ist, sind Umschreibungen wie stärker einem Aal ähnlich, ausgeprägter aalgleich oder noch deutlicher aalartig stilistisch natürlicher als ein Komparativ aalgleicher im eigentlichen Steigerungssinn.

Die Orthographie ist eindeutig: aalgleich wird zusammengeschrieben. Eine Schreibweise Aal-gleich ist im gewöhnlichen Fließtext nicht erforderlich, und Aal gleich wäre als lexikalisiertes Adjektiv falsch. Nur wenn die freie syntaktische Wortgruppe tatsächlich gemeint ist, kann getrennt geschrieben werden, etwa dem Aal gleich.

Gerade dieser Gegensatz verdeutlicht die Entstehung des Wortes. Aus einer Vergleichsstruktur wie einem Aal gleich kann die kompakte adjektivische Bildung aalgleich verstanden werden. Die Zusammenschreibung signalisiert, dass der Vergleich zu einem eigenständigen Wort geworden ist.

Als Substantivierung ist beispielsweise etwas Aalgleiches möglich. Gemeint wäre dann „etwas, das einem Aal gleicht“. Diese Verwendung ist grammatisch regulär, aber deutlich seltener als das Adjektiv.

Aalgleich darf dabei nicht mit der zoologischen Bezeichnung Aalartige verwechselt werden. Die großgeschriebene Pluralform Aalartige bezeichnet fachsprachlich die Fischordnung Anguilliformes. Aalgleich ist dagegen lediglich ein beschreibendes Vergleichsadjektiv und besitzt keinerlei taxonomischen Rang.

Ein Zitteraal kann daher aalgleich beziehungsweise aalartig aussehen, obwohl er nicht zur Ordnung der Aalartigen gehört. Eine Muräne gehört dagegen zoologisch zu den Aalartigen und ist zugleich aufgrund ihrer Gestalt offensichtlich aalgleich. Solche Beispiele zeigen den Unterschied zwischen äußerer Ähnlichkeit und systematischer Zugehörigkeit.

Stilistisch gehört aalgleich heute zum eher seltenen Wortschatz. Duden kennzeichnet eine niedrige Gebrauchshäufigkeit. Das Wort ist dennoch ohne weiteres verständlich, weil seine beiden Bestandteile transparent sind. Es wirkt häufig literarischer, anschaulicher und bewusster bildhaft als das neutralere aalartig.

Gerade wegen dieser Seltenheit kann aalgleich stilistisch stärker hervortreten. Wer schreibt, jemand „bewege sich aalgleich durch die Menge“, verwendet nicht nur eine nüchterne Bewegungsbeschreibung, sondern erzeugt ein konkretes visuelles und körperliches Bild.

Das erklärt auch seine auffällige Präsenz in literarischen Texten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Goethe, Freytag und spätere Autoren konnten mit einem einzigen Wort zugleich Geschmeidigkeit, Schlängeln, räumliche Enge und müheloses Hindurchkommen veranschaulichen.

Die literarischen Belege dürfen allerdings nicht dazu verleiten, automatisch eine negative Charakterwertung anzunehmen. Bei Goethe und Freytag kann der jeweilige weitere Kontext zusätzliche soziale oder satirische Bedeutungen erzeugen; das Wort aalgleich selbst bedeutet jedoch zunächst lediglich „wie ein Aal“.

Dies ist besonders für die lexikographische Abgrenzung wichtig. Während aalglatt eine selbständige übertragene Personenbedeutung wie „schwer zu fassen, ausweichend“ entwickelt hat, bleibt aalgleich näher beim unmittelbaren Vergleich.

Seine semantische Struktur ist damit prototypisch und kontextabhängig. Der Aal stellt ein Bündel wahrnehmbarer Merkmale bereit, aus dem ein Text jeweils eines oder mehrere auswählt: Länge, Schlankheit, Biegsamkeit, schlängelnde Fortbewegung, Glätte, Gleitfähigkeit oder Entgleiten.

Welche Eigenschaft gemeint ist, lässt sich meist am Bezugswort oder am Verb erkennen. Aalgleicher Körper aktiviert Form; aalgleiche Windungen Form und Bewegung; aalgleich gleiten Geschmeidigkeit; aalgleich entschlüpfen zusätzlich die Vorstellung des schwer Festzuhaltenden.

Semantisch besonders typisch sind deshalb Kombinationen mit Bewegungsverben. Verbindungen wie aalgleich schlüpfen, aalgleich gleiten, sich aalgleich winden, aalgleich entgleiten entsprechen dem historisch am besten dokumentierten Gebrauch.

Eine präzise moderne Lexikondefinition lautet daher: aalgleich bedeutet „einem Aal in Gestalt, Bewegung oder Beschaffenheit gleich beziehungsweise ähnlich“; besonders häufig bezeichnet das Wort eine geschmeidige, schlängelnde oder gleitende Bewegung, mit der sich jemand oder etwas durch einen engen Raum hindurchbewegt oder einem Zugriff entzieht.

Übersetzungen

Englisch: eel-like, auch zusammengeschrieben eellike – einem Aal ähnlich; bei Bewegung like an eel, eel-like in movement, je nach Kontext auch slithering oder writhing like an eel. Fachsprachlich kann bei Körperform oder Bewegung anguilliform verwendet werden.

Französisch: semblable à une anguille – einem Aal ähnlich; comme une anguille – wie ein Aal; fachsprachlich anguilliforme für aalartige beziehungsweise aalförmige Gestalt. Bei gleitender Bewegung ist häufig eine verbale Umschreibung natürlicher.

Italienisch: simile a un’anguilla – einem Aal ähnlich; come un’anguilla – wie ein Aal; fachsprachlich anguilliforme – aalförmig, aalartig.

Spanisch: semejante a una anguila, parecido a una anguila – einem Aal ähnlich; como una anguila – wie ein Aal; fachsprachlich anguiliforme.

Portugiesisch: semelhante a uma enguia – einem Aal ähnlich; como uma enguia – wie ein Aal; fachsprachlich anguiliforme.

Niederländisch: aalachtig, aalvormig beziehungsweise als een aal – aalartig, aalförmig beziehungsweise wie ein Aal. Bei Bewegung ist als een aal meist die unmittelbarste Entsprechung.

Dänisch: åleagtig, ålelignende beziehungsweise som en ål – aalartig, aalähnlich, wie ein Aal.

Schwedisch: ållik, ålliknande, ålartad beziehungsweise som en ål – aalgleich beziehungsweise wie ein Aal.

Norwegisch Bokmål: ålelignende beziehungsweise som en ål – aalähnlich beziehungsweise wie ein Aal.

Polnisch: podobny do węgorza – einem Aal ähnlich; jak węgorz – wie ein Aal; morphologisch auch węgorzowaty – aalartig beziehungsweise aalförmig.

Ungarisch: angolnaszerű – aalartig, aalgleich; mint egy angolna – wie ein Aal.

Tschechisch: podobný úhoři – einem Aal ähnlich; jako úhoř – wie ein Aal; je nach morphologischem Zusammenhang auch úhořovitý.

Lateinisch: anguillae similis – einem Aal ähnlich beziehungsweise aalgleich; fachsprachlich-neulateinisch anguilliformis – aalförmig. Die beiden Ausdrücke unterscheiden sich ähnlich wie deutsches aalgleich und aalförmig.

Altgriechisch: beschreibend etwa ἐγχέλει ὅμοιος – einem Aal ähnlich. Ein festes antikes Einzelwort, das sämtliche modernen Nuancen des deutschen Adjektivs aalgleich deckt, ist nicht anzusetzen.

Bei Übersetzungen muss die jeweils aktivierte Vergleichseigenschaft berücksichtigt werden. Für eine körperliche Gestalt sind eel-like oder anguilliform geeignet; für Goethes aalgleich zu schlüpfen wäre dagegen eine bewegungsbezogene Formulierung wie to slip through like an eel semantisch genauer als ein bloßes attributives eel-like.

Web-links

Duden – aalgleich – Rechtschreibung, Wortart, Worttrennung und Grundbedeutung „einem Aal gleich, ähnlich; wie ein Aal“.

Digitales Wörterbuch der deutschen Einwortbildungen – Aal – ausführliche sprachgeschichtliche Dokumentation von aalgleich mit literarischen und journalistischen Belegen sowie verwandten Bildungen wie aalartig, aalförmig und aalglatt.

Wikisource – Goethe: Faust, Der Tragödie zweiter Teil – quellennahe digitale Ausgabe des 1832 veröffentlichten Werkes mit dem frühen Beleg „aalgleich zu schlüpfen“.

Wikisource – Faust II, Seite 30 – digitalisierte Originalseite mit dem Beleg „Aalgleich zu schlüpfen“.

Projekt Gutenberg – Goethe: Faust II – gut lesbare Volltextfassung der Passage mit aalgleich.

TextGrid Repository – Gustav Freytag: Soll und Haben – wissenschaftlich zugängliche digitale Textfassung des Romans von 1855 mit historischem Beleg für aalgleich.

Projekt Gutenberg – Gustav Freytag: Soll und Haben – Textstelle, in der sich eine Figur „aalgleich“ durch das Gedränge eines Marktes windet.

Wiktionary – aalgleich – Aussprache, Flexion, Nichtsteigerbarkeit, Grundbedeutung und historische Belegbeispiele.

Frühneuhochdeutsches Wörterbuch – gleichen – sprachgeschichtlicher Hintergrund zur Vergleichsbedeutung von gleichen und gleich.

Frühneuhochdeutsches Wörterbuch – gleich – historisches Bedeutungsspektrum von gleich mit Gleichheits- und Ähnlichkeitsrelationen.

weiterführende links

Aal

aalartig

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aalglatt

Aalglätte

Ähnlichkeit

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Bewegung

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Geschmeidigkeit

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Glätte

Metapher

Schlüpfrigkeit

schlangenartig

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