aalen
Grundbedeutung
aalen bedeutet in der heutigen deutschen Standardsprache in seiner geläufigsten Verwendung sich behaglich ausstrecken, sich rekeln und in entspannter Körperhaltung ausruhen. Das Verb wird normalerweise reflexiv als sich aalen gebraucht. Besonders typisch ist die Verbindung mit Wärme und Sonne: sich in der Sonne aalen, sich am Strand aalen, sich auf einer Liege aalen. Die Vorstellung verbindet körperliches Ausstrecken mit Wohlgefühl, Müßiggang, Wärme und dem zeitweiligen Verzicht auf Anstrengung.
Die Bedeutung überschneidet sich stark mit sich rekeln, ist aber nicht völlig deckungsgleich. Sich rekeln hebt stärker das Strecken und Dehnen des Körpers hervor; sich aalen bezeichnet häufig einen länger andauernden Zustand behaglichen Liegens beziehungsweise Ruhens. Ein Mensch kann sich kurz im Bett rekeln; wer sich dagegen eine Stunde auf einer Sonnenliege aalt, befindet sich typischerweise längere Zeit in einer entspannten Lage.
Die heutige Bedeutung enthält außerdem eine deutlich positive oder lustbetonte Komponente. Wer sich aalt, ruht nicht lediglich, sondern genießt die Situation. Deshalb sind Verbindungen wie sich wohlig aalen, sich genüsslich aalen, sich in der Wärme aalen oder sich in der Sonne aalen semantisch besonders naheliegend.
Historisch geht diese Bedeutung auf den Aal zurück. Das Verb bezeichnete ursprünglich beziehungsweise bildlich ein Sich-Winden und Sich-Dehnen wie ein Aal. Die als schlangenartig wahrgenommenen Bewegungen des Fisches wurden auf menschliche Körperbewegungen übertragen. Im späteren Sprachgebrauch trat das eigentliche Winden in den Hintergrund, während das wohlig-langgestreckte Liegen zur Kernbedeutung wurde.
Daneben existieren ältere, heute weitgehend verschwundene Bedeutungen von aalen: Das Verb konnte „Aale fangen“ bedeuten und wurde in einem historischen technischen Spezialgebrauch für das Reinigen beziehungsweise Lüften einer verschlammten Rohrleitung mithilfe eines hindurchgelassenen lebenden Aals verwendet. Diese Bedeutungen sind vom modernen reflexiven sich aalen zu unterscheiden.
Wortart
aalen ist ein Verb. In der hier behandelten modernen Hauptbedeutung wird es überwiegend reflexiv verwendet: ich aale mich, du aalst dich, sie aalt sich.
Grammatisch handelt es sich um ein schwaches beziehungsweise regelmäßiges Verb. Das Präteritum wird mit dem Dentalsuffix -t- gebildet: aalte. Das Partizip II lautet geaalt. Das Perfekt wird mit dem Hilfsverb haben gebildet: ich habe mich geaalt.
Der reflexive Gebrauch ist für die heutige Bedeutung so charakteristisch, dass Wörterbücher das Verb häufig unmittelbar als sich aalen ansetzen. Das Reflexivpronomen steht dabei im Akkusativ: ich aale mich, wir aalen uns.
Historische Bedeutungen besitzen andere syntaktische Eigenschaften. aalen im Sinne von „Aale fangen“ ist intransitiv verwendbar; der technische historische Gebrauch „ein Rohr aalen“ war transitiv. Die verschiedenen Konstruktionen spiegeln damit unterschiedliche Bedeutungsschichten desselben formal identischen Verbs wider.
Aussprache
Die standarddeutsche Aussprache von aalen lautet [ˈaːlən]. Der Hauptakzent liegt auf der ersten Silbe. Das Wort ist zweisilbig: aa-len.
Das anlautende aa bezeichnet einen langen offenen beziehungsweise zentralen deutschen Vokal [aː], wie im Substantiv Aal. Die zweite Silbe -len ist unbetont; das geschriebene e wird im Standarddeutschen typischerweise als Schwa [ə] realisiert oder in schneller Rede reduziert.
Die Flexionsformen bewahren den langen Stammvokal: aale, aalst, aalt, aalte. Im Partizip geaalt liegt eine morphologische Grenze zwischen dem Präfix ge- und dem vokalisch beginnenden Stamm vor; standardsprachlich kann dort ein Glottisverschluss hörbar werden.
Die Aussprache ist klar von allen mit kurzem Vokal und von Ahlen beziehungsweise entsprechenden Eigennamen zu unterscheiden.
Grammatik
| Lemma | aalen |
|---|---|
| Hauptgebrauch | sich aalen |
| Wortart | Verb |
| Verbklasse | schwaches, regelmäßiges Verb |
| Valenz der Hauptbedeutung | reflexiv mit Akkusativpronomen |
| Hilfsverb | haben |
| Infinitiv | sich aalen |
| Infinitiv mit zu | sich zu aalen |
| 1. Person Singular Präsens | ich aale mich |
| 2. Person Singular Präsens | du aalst dich |
| 3. Person Singular Präsens | er/sie/es aalt sich |
| 1. Person Plural Präsens | wir aalen uns |
| 2. Person Plural Präsens | ihr aalt euch |
| 3. Person Plural Präsens | sie aalen sich |
| Präteritum | aalte sich |
| Partizip I | aalend |
| Partizip II | geaalt |
| Perfekt | hat sich geaalt |
| Plusquamperfekt | hatte sich geaalt |
| Futur I | wird sich aalen |
| Konjunktiv II | aalte sich; häufiger: würde sich aalen |
| Imperativ Singular | aal dich!; aale dich! |
| Imperativ Plural | aalt euch! |
| Worttrennung | aa|len |
| Aussprache | [ˈaːlən] |
Das heutige sich aalen enthält ein obligatorisches beziehungsweise stark lexikalisiertes Reflexivpronomen. In der prototypischen Verwendung sagt man sie aalt sich in der Sonne, nicht einfach *sie aalt in der Sonne.
Das Verb kann mit verschiedenen Lokal- und Umstandsangaben kombiniert werden: sich am Strand aalen, sich auf dem Sofa aalen, sich in der Sonne aalen, sich auf warmen Steinen aalen. Besonders produktiv ist eine Präpositionalgruppe mit in + Dativ: in der Sonne, in der Wärme, figurativ auch in Aufmerksamkeit, in Bewunderung.
Ein reguläres Passiv der modernen reflexiven Bedeutung ist nicht möglich: Aus er aalt sich kann kein gewöhnliches persönliches Passiv *er wird geaalt gebildet werden. Der historische transitive technische Gebrauch ein Rohr aalen war grammatisch dagegen grundsätzlich passivierbar.
Orthographie
Die normgerechte Schreibung lautet aalen. Das Wort beginnt mit zwei a, weil es unmittelbar vom Substantiv Aal abgeleitet ist und dessen Stammschreibung bewahrt.
Die Worttrennung lautet aa|len. Die beiden geschriebenen a gehören zur ersten Silbe und werden nicht getrennt ausgesprochen.
Als Verb wird aalen grundsätzlich kleingeschrieben: Wir aalen uns in der Sonne. Großschreibung tritt bei Substantivierung auf: Das Aalen in der Sonne dauerte den ganzen Nachmittag.
Das Partizip II lautet geaalt. Formen wie *gealt oder *geahlt entsprechen nicht der Standardorthographie.
Von der Stadt Aalen unterscheidet sich das Verb im Schriftbild nur durch die Großschreibung am Wortanfang. Am Satzanfang kann diese Unterscheidung graphisch verschwinden und muss aus dem Kontext erschlossen werden.
Gebrauch
Sich aalen gehört nach gegenwärtiger Wörterbuchklassifikation zur Umgangssprache. Das Verb ist allgemein verständlich, wirkt aber anschaulicher und stärker wertend beziehungsweise expressiv als die neutralen Verben liegen, ruhen oder sich ausruhen.
Die prototypische Situation umfasst eine Person oder ein Tier, das lang ausgestreckt an einem angenehmen, meist warmen Ort liegt. Besonders häufig tritt das Verb mit Sonne auf: Urlauber aalen sich in der Sonne, Robben aalen sich auf den warmen Felsen.
Das Subjekt muss daher nicht menschlich sein. Auch Tiere können sich sprachlich „aalen“, wenn sie entspannt oder ausgestreckt in Wärme oder Sonne liegen. Die ursprüngliche Ableitung vom Aal wird dabei im gegenwärtigen Gebrauch normalerweise nicht bewusst mitgedacht.
Das Verb kann eine leicht ironische oder kritisch-distanzierende Färbung besitzen. Wer sagt, andere „aalten sich den ganzen Tag am Pool“, kann deren Müßiggang hervorheben. Dieselbe Formulierung kann aber vollständig positiv und neidlos gemeint sein.
Eine wichtige übertragene Konstruktion lautet sich in etwas aalen: sich in Bewunderung aalen, sich im Erfolg aalen, sich in seiner Opferrolle aalen. Hier liegt keine konkrete Körperhaltung mehr vor. Gemeint ist, dass jemand einen angenehmen, selbstbestätigenden oder emotional befriedigenden Zustand auskostet.
Bedeutungsbereich
Der primäre Bedeutungsbereich ist die Körperhaltung: Der Körper wird ausgestreckt, gedehnt oder bequem gelagert.
Ein zweiter Bereich ist die Ruhe und Erholung. Aalen setzt gewöhnlich eine Situation voraus, in der keine unmittelbare körperliche Arbeit verrichtet wird.
Ein dritter Bereich ist das körperliche Wohlgefühl. Die Tätigkeit wird als angenehm, wohlig oder genussvoll dargestellt.
Ein vierter Bereich ist Sonne und Wärme. Diese Umstände sind nicht zwingend notwendig, aber prototypisch.
Ein fünfter Bereich ist Müßiggang und Faulenzen. Je nach Sprecherhaltung kann das Verb neutral, positiv oder leicht kritisch verwendet werden.
Ein sechster Bereich ist die metaphorische Selbstzufriedenheit. In abstrakten Verbindungen kann man sich in Anerkennung, Aufmerksamkeit, Erfolg oder einer bevorzugten Rolle „aalen“.
Historisch gehören außerdem Aalfang und ein spezielles Verfahren der Rohrreinigung zum Bedeutungsbereich des formal identischen Verbs.
Lexikon
aalen gehört zu einer Gruppe deutscher Verben, bei denen der Name eines Tieres auf eine charakteristische menschliche Bewegung oder Haltung übertragen wird. Vergleichbare Bildungen beziehungsweise semantische Muster finden sich bei schlängeln, robben, watscheln oder teilweise rekeln. Beim Aalen bildet die charakteristische Beweglichkeit des Aals den historischen Ausgangspunkt.
Duden definiert die heutige reflexive Bedeutung als sich behaglich ausgestreckt ausruhen und nennt als typische Kontexte Strand und Sonne. Zugleich wird die Herkunft mit der ursprünglichen Vorstellung „sich winden wie ein Aal“ erklärt.
Damit enthält die Wortgeschichte einen bemerkenswerten semantischen Richtungswechsel. Der Aal ist ein ausgesprochen bewegliches, sich windendes Tier. Das heutige sich aalen beschreibt dagegen meistens gerade keine intensive Bewegung, sondern einen Zustand weitgehender körperlicher Ruhe.
Die vermittelnde Vorstellung dürfte im Dehnen, Winden und langgestreckten Bewegen des Körpers liegen. Die Bewegung eines Aals wurde nicht nur als hektisches Sich-Winden wahrgenommen, sondern konnte als geschmeidiges, lustbetontes Sich-Dehnen interpretiert werden.
In der älteren volkskundlichen und lexikographischen Literatur wird außerdem auf die Vorstellung verwiesen, Aale gingen nachts auf feuchte Wiesen und würden dort gelegentlich von der Sonne überrascht. Daraus entwickelte sich beziehungsweise damit verband sich die volkstümliche Vorstellung eines Aals, der sich in der Sonne „aale“.
Diese Erklärung gehört zur traditionellen Wort- und Volkskunde. Der sichere sprachliche Kern besteht darin, dass das Verb vom Tiernamen Aal abgeleitet und das Sich-Winden beziehungsweise Sich-Dehnen des Tieres auf den Menschen übertragen wurde.
Etymologische Wörterbücher datieren das reflexive sich aalen in das 19. Jahrhundert. Kluge behandelt es als jüngere denominale Bildung zu Aal und deutet die Ausgangsbedeutung ungefähr als „sich wohlig dehnen, winden“.
Traditionelle Untersuchungen lokalisieren die frühe Ausbreitung besonders im ost- beziehungsweise ostmitteldeutschen Sprachraum. Trübners Deutsches Wörterbuch bezeichnet die Bedeutung als besonders ostmitteldeutsch geprägt, während sie später in der deutschen Umgangssprache weit verbreitet wurde.
Röhrich setzt die weitere Verbreitung der Wendung sich aalen in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts und beschreibt die semantische Entwicklung vom Sich-Winden des Fisches zur lustbetonten Bewegung beziehungsweise zum behaglichen Ausruhen.
Die heutige Verbreitung ist deutlich größer als dieses historische Ausgangsgebiet. Duden versieht das Verb nicht mit einer regionalen Markierung, sondern lediglich mit der Gebrauchsinformation umgangssprachlich.
Auch Dialektwörterbücher aus unterschiedlichen Regionen zeigen die weitere Verbreitung. Bayerns Dialekte Online dokumentiert sich aalen etwa im Raum Bamberg, Ostheim vor der Rhön, Stockheim, Kupferberg und Neunkirchen mit Bedeutungen wie „faul die Glieder strecken“, „sich wohl fühlen“ und „faulenzen“.
Im ostfriesischen Niederdeutsch existiert entsprechend sük alen für „sich aalen“. Die Verwandtschaft der regionalen Formen bestätigt, dass die Bildung heute keineswegs auf ihr mutmaßliches historisches Ausgangsgebiet beschränkt ist.
Semantisch ist die moderne Bedeutung stärker zustandsorientiert als bewegungsorientiert. Das zeigt nicht nur die Wörterbuchdefinition, sondern auch Korpusforschung.
Eine Untersuchung zu Bewegungskonstruktionen des Deutschen wertete für das Suchwort aalen im DWDS-Korpus WebXL insgesamt 2061 Treffer aus dem Zeitraum 1995 bis 2021 als Ausgangsmenge aus. Bei einer zufälligen Stichprobe von 50 Treffern fand sich kein Beispiel für eine eigentliche Bewegungskonstruktion; sämtliche geprüften Belege beschrieben vielmehr eine Lokalisation beziehungsweise ein Verweilen an einem Ort.
Dieser Befund ist für die heutige Semantik besonders aufschlussreich. Obwohl die Etymologie über eine Bewegung des Aals führt, ist sich aalen synchron primär ein Positions- und Ruhezustandsverb: Jemand aalt sich auf einer Wiese, am Strand, auf dem Sofa, am Pool, auf einem Felsen.
Die typische Körperhaltung ist ausgestreckt oder zumindest entspannt. Sie muss jedoch nicht genau beschrieben werden. Wer sagt Sie aalte sich am Pool, behauptet nicht zwingend, dass die Person vollkommen ausgestreckt lag; entscheidend ist der Gesamteindruck entspannten, genüsslichen Verweilens.
Gerade darin unterscheidet sich das Verb von sich strecken. Strecken bezeichnet eine konkrete körperliche Bewegung. Aalen kann eine solche Bewegung einschließen, beschreibt aber typischerweise einen länger anhaltenden Zustand nach oder während des Streckens.
Auch gegenüber sich rekeln besteht ein Bedeutungsunterschied. Rekeln legt stärker den Vorgang des wiederholten Dehnens, Drehens und Streckens nahe. Aalen rückt dagegen Genuss, Ruhe und das bequeme Verweilen stärker in den Vordergrund.
Faulenzen wiederum bezeichnet primär Nichtstun beziehungsweise das Unterlassen von Arbeit und enthält nicht notwendig eine bestimmte Körperhaltung. Man kann im Café faulenzen, ohne sich zu aalen. Wer sich aalt, faulenzt häufig gleichzeitig, doch das körperlich-räumliche Moment bleibt beim Aalen stärker.
Sich sonnen ist ebenfalls nicht vollkommen synonym. Man kann sich in der Sonne aalen, aber auch auf einem warmen Sofa, vor einem Kamin oder in einem Liegestuhl im Schatten. Sonne ist eine prototypische, keine zwingende Bedingung.
Auch die Kombination sich wohlig ausstrecken trifft nur einen Teil der Bedeutung. Das Adverb wohlig erfasst das positive Empfinden, während ausstrecken die Körperhaltung beschreibt. Zusammengenommen kommen beide Elemente der Bedeutung von sich aalen besonders nahe.
Lexikographisch interessant ist außerdem die Verbindung mit einer Präpositionalgruppe in + Dativ. Konkret heißt es sich in der Sonne aalen oder sich in der Wärme aalen. Aus dieser Struktur entwickelte sich beziehungsweise ergibt sich leicht ein metaphorischer Gebrauch mit abstrakten Substantiven.
So kann jemand sich in Bewunderung, Anerkennung oder Aufmerksamkeit aalen. Die angenehme Wärme der Sonne wird dabei metaphorisch durch eine psychisch oder sozial angenehme Situation ersetzt.
Das Digitale Wörterbuch der deutschen Wortfamilien dokumentiert beispielsweise einen modernen Beleg, in dem sich ein politisches Regime in seiner bevorzugten Rolle „aalt“, sowie einen Beleg bei Tucholsky aus dem Jahr 1920, in dem Menschen sich „in den alten Formen“ aalen.
In dieser übertragenen Bedeutung heißt sich aalen ungefähr sich selbstgefällig oder genüsslich in einem Zustand gefallen. Der Gebrauch kann dabei deutlich kritischer klingen als das konkrete Aalen in der Sonne.
Wer sich „in Bewunderung aalt“, genießt die Bewunderung möglicherweise in einem Maß, das der Sprecher als selbstzufrieden wahrnimmt. Englisches to bask in admiration zeigt eine sehr ähnliche metaphorische Entwicklung.
Auch das deutsche Verb kann daher zwischen rein körperlichem Genuss und psychologisch-sozialer Selbstzufriedenheit vermitteln.
Historisch existiert daneben ein wesentlich älteres aalen mit der Bedeutung „Aale fangen“. Adelung verzeichnete Ende des 18. Jahrhunderts ausdrücklich Aalen, Aale fangen und bezeichnete diese Verwendung als nur in gemeinen Sprecharten üblich.
Diese Bedeutung ist eine vollkommen transparente denominale Verbbildung nach dem Muster fischen: Wer „aalt“, betreibt Aalfang. Im heutigen Standarddeutschen ist sie weitgehend veraltet beziehungsweise regional-fachsprachlich.
Noch ungewöhnlicher ist ein historischer technischer Gebrauch. Das Deutsche Wörterbuch dokumentiert aalen als Kunstwort der Röhrenmeister. Eine verschlämmte beziehungsweise verstopfte Röhre sollte dadurch gelüftet oder gereinigt werden, dass man einen lebenden Aal hindurchschlüpfen ließ.
Die Vorstellung war, dass der bewegliche Fisch einen Weg durch die Verschlammung fand und dadurch das Hindurchziehen beziehungsweise Einbringen weiterer Reinigungsmittel oder eine Öffnung der Leitung ermöglichte.
Dieser technische Gebrauch ist heute vollständig historisch. Ohne Erklärung würde ein Satz wie die Leitung wurde geaalt von modernen Sprechern kaum verstanden.
Die drei wichtigsten historischen Bedeutungen können deshalb klar getrennt werden:
1. aalen = Aale fangen – ältere denominale Berufs- beziehungsweise Tätigkeitssprache.
2. etwas aalen = eine Rohrleitung mithilfe eines Aals reinigen – historischer technischer Spezialgebrauch.
3. sich aalen = sich wie ein Aal dehnen beziehungsweise winden und daraus: sich behaglich ausgestreckt ausruhen – seit dem 19. Jahrhundert belegt und heute die einzige allgemein geläufige Bedeutung.
Gerade die dritte Bedeutung zeigt eine ungewöhnliche semantische Entwicklung von einem Tierbewegungsverb zu einem Ausdruck menschlicher Entspannung.
Der Aal war im deutschen Sprachbild schon lange vor der Entstehung von sich aalen ein produktiver Vergleichsträger. Seine schlüpfrige Haut und seine windenden Bewegungen führten zu Wendungen wie sich winden wie ein Aal und zum Adjektiv aalglatt.
Bereits bei Walther von der Vogelweide erscheint das Sich-Entwinden eines Menschen aus der Hand im Vergleich mit einem Aal. Auch in späterer Literatur bleibt der Aal ein Bild für etwas, das sich windet, entgleitet oder schwer festhalten lässt.
Beim modernen sich aalen wurde aus dieser Vorstellung des Windens jedoch keine negative Eigenschaft wie bei aalglatt, sondern ein positiv bewertetes Bewegungs- beziehungsweise Ruhebild.
Diese Aufspaltung innerhalb derselben Wortfamilie ist semantisch bemerkenswert. aalglatt kann einen schwer greifbaren, ausweichenden Menschen abwertend charakterisieren; sich aalen beschreibt dagegen Entspannung und Genuss.
Das Verb ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, dass metaphorische Tierübertragungen verschiedene Eigenschaften desselben Tieres selektieren und unterschiedlich bewerten können.
Eine weitere Besonderheit liegt darin, dass die aktuelle Bedeutung kaum noch unmittelbare Kenntnis des etymologischen Bildes voraussetzt. Moderne Sprecher können sich aalen korrekt verwenden, ohne daran zu denken, wie ein Aal sich bewegt.
Das Verb ist damit weitgehend lexikalisiert. Die ursprüngliche Bildhaftigkeit bleibt zwar rekonstruierbar, ist aber für das alltägliche Verständnis nicht mehr notwendig.
Gleichzeitig besitzt das Wort noch eine gewisse Anschaulichkeit. Im Vergleich zu sich ausruhen ruft sich aalen leichter das Bild eines lang ausgestreckten, körperlich entspannten Wesens hervor.
Diese Verbindung von Lexikalisierung und noch spürbarer Bildhaftigkeit erklärt, weshalb das Verb in journalistischen, literarischen und erzählenden Texten attraktiv bleibt, obwohl es laut Duden insgesamt nicht zu den häufigen Wörtern gehört.
Etymologie
| Lemma | aalen |
|---|---|
| Moderne Hauptform | sich aalen |
| Ableitungsbasis | Aal |
| Wortbildung | denominales schwaches Verb |
| Grundvorstellung | sich bewegen, winden oder dehnen wie ein Aal |
| Spätere Bedeutungsentwicklung | sich wohlig dehnen → sich behaglich ausgestreckt ausruhen |
| Belegzeit der modernen reflexiven Bedeutung | 19. Jahrhundert; weitere Verbreitung besonders seit dessen zweiter Hälfte |
| Traditionell angenommenes frühes Verbreitungsgebiet | besonders ost- beziehungsweise ostmitteldeutscher Raum |
| Ältere selbständige Bedeutung | aalen = Aale fangen |
| Beleg dieser älteren Bedeutung | spätestens 18. Jahrhundert; Adelung 1793–1801 |
| Historische technische Bedeutung | eine verschlämmte Rohrleitung mithilfe eines lebenden Aals reinigen beziehungsweise lüften |
| Aussprache | [ˈaːlən] |
Das moderne reflexive sich aalen ist ein denominales Verb, also ein Verb, das aus einem Substantiv gebildet wurde. Die Ableitungsbasis ist Aal.
Der Wortbildungsweg kann vereinfacht dargestellt werden als:
Aal → aalen → sich aalen.
Die ursprüngliche semantische Relation lautet ungefähr „sich wie ein Aal bewegen“. Duden paraphrasiert den historischen Ausgangspunkt mit „sich winden wie ein Aal“.
Kluge deutet die Bildung vergleichbar und setzt sie in Beziehung zu Verben, deren Bedeutung aus einer charakteristischen Tierbewegung hervorgegangen ist. Das Sich-Winden beziehungsweise Sich-Dehnen des Aals wurde auf den menschlichen Körper übertragen.
Der entscheidende semantische Schritt bestand darin, die Bewegung nicht mehr als Flucht- oder Abwehrbewegung, sondern als wohlige, entspannte Körperbewegung zu interpretieren. Daraus entstand die moderne Bedeutung „sich behaglich ausstrecken und ausruhen“.
Die traditionelle Wortkunde bringt diese Entwicklung zusätzlich mit dem Volksglauben in Verbindung, Aale kämen nachts auf feuchte Wiesen und würden dort gelegentlich von der Sonne überrascht, sodass man ihnen ein vermeintliches „Sonnen“ zuschrieb. Ob diese Vorstellung für die Entstehung des Verbs tatsächlich entscheidend war, lässt sich historisch weniger sicher bestimmen als die unmittelbare Ableitung vom Tiernamen.
Der Tiername Aal selbst ist wesentlich älter. Er ist bereits althochdeutsch als āl und mittelhochdeutsch als āl belegt und gehört zum alten germanischen Wortschatz. Die tiefere Herkunft des Tiernamens ist nicht abschließend geklärt.
Vom heutigen reflexiven Verb sind die älteren Bedeutungen aalen = Aale fangen und technisches aalen = ein Rohr mit Hilfe eines Aals reinigen etymologisch zu unterscheiden: Sie gehen zwar ebenfalls unmittelbar auf den Tiernamen zurück, beruhen aber auf anderen semantischen Relationen.
Wortgeschichte
Die älteste der hier relevanten Verbverwendungen ist nicht das heutige sich aalen, sondern aalen „Aale fangen“. Diese Bildung ist bereits im älteren Neuhochdeutschen bezeugt.
Adelungs Wörterbuch von 1793–1801 führt Aalen, Aale fangen und kennzeichnet den Ausdruck als in „gemeinen Sprecharten“ üblich. Das Verb funktionierte damit ähnlich wie andere aus Tier- oder Fangobjektbezeichnungen gebildete Tätigkeitsverben.
Auch der technische Gebrauch der Röhrenmeister ist historisch früh belegt. Das Verfahren beruhte auf einem realen Aal, der durch eine verstopfte beziehungsweise verschlammte Rohrleitung geschickt wurde.
Das heute geläufige reflexive sich aalen ist jünger. Etymologische Wörterbücher datieren es ins 19. Jahrhundert; die weitere Verbreitung wird häufig in dessen zweite Hälfte gesetzt.
Traditionell wird als Ausgangsraum besonders Ost- beziehungsweise Ostmitteldeutschland angenommen. Von dort verbreitete sich die Wendung über regionale und umgangssprachliche Kommunikation weiter.
Um 1900 und im frühen 20. Jahrhundert ist die moderne Bedeutung bereits sicher in schriftlichen Quellen fassbar. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Wortfamilien dokumentiert etwa 1909 den Gebrauch im Sinne von bequemem Liegen.
Bei Tucholsky erscheint 1920 bereits der abstrakt-metaphorische Gebrauch sich in etwas aalen. Damit war die konkrete Körperbedeutung zu diesem Zeitpunkt semantisch produktiv genug, um auf psychische und gesellschaftliche Zustände übertragen zu werden.
Im späteren 20. und 21. Jahrhundert etablierte sich besonders die Verbindung sich in der Sonne aalen als prototypische Kollokation.
Die historische Bewegungsbedeutung „sich winden“ trat dabei immer stärker zurück. Im gegenwärtigen Sprachgebrauch wird normalerweise ein Zustand entspannter Lokalisation verstanden.
Historische Einordnung
Wortgeschichtlich gehört sich aalen zu einer größeren Entwicklung, in der Tierbezeichnungen zur Beschreibung menschlicher Körperbewegungen und Charaktereigenschaften dienen.
Beim Aal standen traditionell zwei Eigenschaften im Vordergrund: seine Schlüpfrigkeit und sein windender, langgestreckter Körper.
Die Schlüpfrigkeit führte zu Bildungen wie aalglatt und zu Vergleichen, in denen sich ein Mensch einer Festlegung oder einem Zugriff „wie ein Aal“ entzieht.
Die Bewegung führte dagegen zu sich aalen. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde das Bewegungsbild positiv umgedeutet und mit wohligem Strecken verbunden.
Das Wort gehört deshalb zugleich zur Geschichte der Tiermetaphorik und zur Geschichte umgangssprachlicher Körperverben.
Die regionale Herkunft in Ostmitteldeutschland ist als traditionelle lexikographische Einordnung zu verstehen. Die heutige Standardsprache behandelt sich aalen nicht mehr als regional beschränkten Ausdruck.
Antonyme
aalen besitzt kein einzelnes vollständig lexikalisiertes Antonym. Je nach hervorgehobener Bedeutung ergeben sich unterschiedliche funktionale Gegenbegriffe.
arbeiten – Gegensatz zum müßigen beziehungsweise untätigen Aspekt des Aalens.
sich anstrengen – Gegensatz zur körperlichen Entspannung.
sich abmühen – stark kontrastierender Ausdruck für anstrengende Tätigkeit.
aufstehen – situationsbezogener Gegensatz zum ausgestreckten Liegen.
sich aufrichten – körperlicher Kontrast zu einer ausgestreckten Ruheposition.
sich beeilen – pragmatischer Gegensatz zum gemächlichen Verweilen.
Keiner dieser Ausdrücke ist jedoch ein lexikalisches Antonym in demselben Sinn, wie etwa öffnen und schließen ein Gegensatzpaar bilden.
Synonyme und bedeutungsverwandte Ausdrücke
sich rekeln – sich genüsslich dehnen und strecken; dem Aalen besonders nahe.
sich räkeln – orthographische beziehungsweise lexikalische Variante von sich rekeln.
sich ausstrecken – den Körper in eine längere, gestreckte Lage bringen.
sich dehnen – Körper oder Glieder strecken; stärker bewegungsbezogen.
sich ausruhen – eine Tätigkeit unterbrechen, um Kräfte zurückzugewinnen; weniger bildhaft.
ruhen – sich in einem Zustand körperlicher Ruhe befinden.
faulenzen – untätig sein und sich Ruhe gönnen; Körperhaltung nicht festgelegt.
langliegen – umgangssprachlich ausgestreckt liegen.
sich lümmeln – nachlässig und bequem sitzen oder liegen; häufig etwas negativer oder salopper.
sich sonnen – sich der Sonne aussetzen; besonders häufig mit aalen verbunden, aber nicht bedeutungsgleich.
daliegen – sich liegend an einem Ort befinden; ohne notwendigen Genussaspekt.
sich entspannen – körperlich oder psychisch Spannung abbauen; semantisch weiter.
schwelgen – bei der übertragenen Bedeutung „sich in etwas aalen“: einen angenehmen Zustand intensiv genießen.
Abgrenzung
sich aalen ist von sich rekeln abzugrenzen. Rekeln bezeichnet stärker den Vorgang des Dehnens und Streckens; Aalen kann den daraus entstehenden länger anhaltenden Ruhezustand bezeichnen.
sich sonnen setzt Sonnenlicht beziehungsweise Sonnenwärme voraus. Aalen ist auch ohne Sonne möglich: Man kann sich auf dem Sofa, vor dem Kamin oder in einem warmen Bett aalen.
faulenzen beschreibt in erster Linie Untätigkeit. Ein Mensch kann im Sitzen, beim Fernsehen oder in einem Café faulenzen. Aalen enthält dagegen typischerweise eine entspannte Körperlage.
sich lümmeln kann eine nachlässige, wenig kultivierte Haltung bezeichnen und ist häufiger negativ konnotiert. Aalen hat im konkreten Gebrauch meistens einen positiveren Genusswert.
liegen ist vollkommen neutral und bezeichnet lediglich eine Körperposition. Aalen fügt die Bedeutungsmerkmale Behaglichkeit, Ausstrecken und Genuss hinzu.
sich winden entspricht historisch der Ausgangsvorstellung, ist synchron aber nicht mehr synonym. Wer sich vor Schmerzen windet, aalt sich nicht.
Vom älteren aalen „Aale fangen“ ist die moderne reflexive Bedeutung grammatisch und semantisch zu unterscheiden.
Ebenso ist das historische technische ein Rohr aalen keine Variante von „sich rekeln“, sondern ein eigener ehemaliger Fachgebrauch.
Kontext
Zum körperlichen Kontext gehören liegen, strecken, dehnen, rekeln, entspannen, ruhen, faulenzen, Wärme und Behaglichkeit.
Zum räumlichen Kontext gehören Strand, Sonne, Liegestuhl, Sofa, Bett, Wiese, Pool, Terrasse, Felsen und Garten.
Zum zeitlichen Kontext gehören Urlaub, Ferien, Freizeit, Wochenende, Mittagspause und Sommer.
Zum emotionalen Kontext gehören Wohlgefühl, Genuss, Entspannung, Zufriedenheit, Behaglichkeit und gelegentlich Selbstzufriedenheit.
Zum metaphorischen Kontext gehören Erfolg, Anerkennung, Bewunderung, Aufmerksamkeit, Lob, Luxus, Selbstgefälligkeit und Rolle.
Zum historischen Kontext gehören Aal, Aalfang, Röhrenmeister, Rohrleitung, Tiervergleich und ostmitteldeutsche Umgangssprache.
Kollokationen und Kookkurrenzen
sich in der Sonne aalen – prototypische und besonders häufige Verbindung.
sich am Strand aalen – typische Urlaubskollokation.
sich auf dem Sofa aalen – häusliche Ruheposition.
sich auf einer Liege aalen – Verbindung mit entspannter Körperhaltung.
sich am Pool aalen – typische touristische Verwendung.
sich auf warmen Felsen aalen – häufig auch auf Tiere bezogen.
sich in der Wärme aalen – allgemeiner als die Sonnenverbindung.
sich wohlig aalen – hebt das körperliche Wohlgefühl hervor.
sich genüsslich aalen – betont bewusstes Auskosten der Situation.
sich faul aalen – hebt Müßiggang hervor.
sich stundenlang aalen – betont Dauer und Passivität.
sich in Bewunderung aalen – übertragener Gebrauch.
sich im Erfolg aalen – metaphorisch: Erfolg genüsslich auskosten.
sich in Aufmerksamkeit aalen – metaphorischer, häufig leicht kritischer Gebrauch.
sich in einer Rolle aalen – eine soziale oder symbolische Rolle selbstgefällig genießen.
Oberbegriff
Grammatisch lautet die Hierarchie: Wort → Verb → schwaches Verb → reflexiv verwendetes Verb → sich aalen.
Semantisch kann gegliedert werden: Tätigkeits- beziehungsweise Zustandsverb → Körperhaltungsverb → Ruhe- und Entspannungsverb → sich aalen.
Pragmatisch ergibt sich: Verhaltensbezeichnung → Freizeit- und Erholungsverhalten → genüssliches ausgestrecktes Ruhen → sich aalen.
Wortbildungsgeschichtlich lautet die Hierarchie: denominales Verb → Tiernamenableitung → von Aal gebildetes Bewegungs-/Haltungsverb → aalen.
In der übertragenen Verwendung kann die Hierarchie lauten: Genussverb → einen Zustand auskosten → sich in etwas gefallen beziehungsweise aalen.
Unterbegriffe
Da aalen selbst ein Verb und kein taxonomischer Gattungsbegriff ist, besitzt es keine Unterbegriffe im streng logischen Sinn. Es lassen sich jedoch verschiedene Gebrauchstypen unterscheiden.
Körperliches Aalen – entspanntes, ausgestrecktes Liegen beziehungsweise Ruhen.
Sonnen-Aalen – Aalen in direktem Sonnenlicht; prototypische Variante.
Wärme-Aalen – Genuss einer warmen Umgebung ohne notwendige Sonneneinstrahlung.
Tierisches Aalen – übertragene Anwendung auf Tiere, die entspannt auf warmem Untergrund oder in der Sonne liegen.
Metaphorisches Aalen – genüssliches Verweilen in einem abstrakten Zustand wie Anerkennung, Erfolg oder Selbstzufriedenheit.
Historisches Fang-Aalen – Aale fangen; heute veraltet beziehungsweise regional.
Historisches technisches Aalen – Reinigung einer Rohrleitung mithilfe eines Aals; heute obsolet.
Wortfamilie
Aal – Tiername und unmittelbare Ableitungsbasis des Verbs.
Aale – regulärer Plural des Tiernamens.
Älchen – Verkleinerungsbildung zu Aal beziehungsweise historisch auch Bezeichnung kleiner aalähnlicher Tiere.
aalartig – einem Aal ähnlich.
aalförmig – von langgestreckter, aalähnlicher Form.
aalglatt – ursprünglich überaus glatt; übertragen schwer zu fassen beziehungsweise ausweichend.
Aalfang – das Fangen von Aalen.
Aalfischerei – Fischerei auf Aale.
Aalreuse – Fanggerät für Aale.
aalen – historische Verbverwendung „Aale fangen“.
sich aalen gehört damit zur umfangreichen Wortfamilie des Substantivs Aal, unterscheidet sich aber semantisch von den meisten unmittelbar fischereibezogenen Ableitungen.
Wortbildung
aalen ist ein denominales Verb, also eine Verbbildung auf der Basis des Substantivs Aal.
Das formale Bildungsschema lautet:
Aal + verbalisierende Flexionsstruktur → aalen.
Ein sichtbares Ableitungssuffix außer der regulären Infinitivendung -en tritt nicht auf. Der nominale Stamm Aal- wird unmittelbar verbalisiert.
Semantisch können bei derselben formalen Ableitung verschiedene Relationen entstehen. Historisches aalen „Aale fangen“ bedeutet ungefähr „eine Tätigkeit mit Aalen beziehungsweise auf Aale ausüben“.
Technisches ein Rohr aalen bedeutet „mithilfe eines Aals behandeln beziehungsweise reinigen“.
Reflexives sich aalen bedeutet dagegen ursprünglich „sich wie ein Aal bewegen“.
Damit zeigt ein einziges denominales Verb drei unterschiedliche semantische Beziehungen zu demselben Ausgangssubstantiv: Objektbeziehung, Instrumentbeziehung und Vergleichs-/Ähnlichkeitsbeziehung.
Die moderne reflexive Konstruktion ist anschließend weiter lexikalisiert worden, sodass das ursprüngliche Vergleichsmoment nicht mehr notwendig bewusst ist.
Polysemie
aalen besitzt historisch mehrere Bedeutungen, die unterschiedlich eng miteinander verbunden sind.
Die gegenwärtige Hauptbedeutung lautet sich behaglich ausgestreckt ausruhen. Diese Bedeutung ist reflexiv und umgangssprachlich.
Innerhalb dieser Hauptbedeutung existiert eine konkrete Lesart: sich körperlich an einem angenehmen Ort ausstrecken.
Daneben steht eine metaphorische Lesart: sich in einem angenehmen oder selbstbestätigenden abstrakten Zustand gefallen, beispielsweise sich in Bewunderung aalen.
Die historische Bedeutung Aale fangen ist formal dasselbe Verb, aber semantisch nicht aus der heutigen Ruhe- und Rekelbedeutung abzuleiten. Beide gehen unabhängig auf das Substantiv Aal zurück.
Auch der historische technische Gebrauch ein Rohr aalen bildet eine eigene semantische Linie. Der Aal fungiert dort als Werkzeug beziehungsweise Hilfsmittel.
Lexikographisch kann daher je nach theoretischem Ansatz von Polysemie eines denominalen Verbs oder von mehreren gleichgebildeten homonymen Verbansätzen gesprochen werden. Für ein historisches Lexikon ist die Darstellung mehrerer Bedeutungszweige besonders transparent.
Homonyme und Homographe
Das wichtigste Homograph ist Aalen, die Stadt Aalen im Ostalbkreis in Baden-Württemberg. Bei gewöhnlicher Schreibung ist der Unterschied durch die Großschreibung sichtbar: aalen als Verb, Aalen als Ortsname.
Am Satzanfang verschwindet dieser graphische Unterschied: Aalen wir uns heute in der Sonne? und Aalen liegt in Baden-Württemberg beginnen beide mit derselben Buchstabenfolge.
Aalen ist außerdem eine Flexionsform des Substantivs Aal, nämlich der Dativ Plural: mit den Aalen.
In geologischer Fachsprache steht Aalen beziehungsweise historisch Aalen-Stufe im Umfeld des Aaleniums, einer chronostratigraphischen Stufe des Mittleren Jura. Diese Bezeichnung geht auf die Stadt Aalen zurück und besitzt keine etymologische Beziehung zum Verb.
Innerhalb des Verbs selbst sind das moderne reflexive sich aalen, historisches aalen „Aale fangen“ und technisches ein Rohr aalen formal identisch, aber semantisch verschieden.
Auch Ahlen, die westfälische Stadt, ist lediglich ähnlich geschrieben beziehungsweise in manchen Aussprachen ähnlich klingend und etymologisch unabhängig.
Redewendungen und Sprichwörter
Die feste beziehungsweise stark konventionalisierte Verbindung sich in der Sonne aalen gehört zu den charakteristischsten Verwendungen des Verbs. Sie ist keine klassische sprichwörtliche Redensart, aber eine sehr stabile Kollokation.
sich am Strand aalen bildet eine ähnlich feste Alltagseinheit und verbindet das Verb mit Urlaub, Sommer und Freizeit.
Historisch steht hinter dem Verb die ältere Vergleichsformel sich winden wie ein Aal. Diese bedeutet heute allerdings nicht „sich behaglich ausruhen“, sondern sich körperlich winden oder übertragen versuchen, einer unangenehmen Lage beziehungsweise Festlegung zu entkommen.
Die Wendung glatt wie ein Aal beziehungsweise das Adjektiv aalglatt gehört zur gleichen traditionellen Aalmetaphorik, bezieht sich aber auf die Schlüpfrigkeit des Tieres und nicht auf das entspannte Ausstrecken.
sich in etwas aalen kann als produktives metaphorisches Muster gelten: sich in Lob aalen, sich in Aufmerksamkeit aalen, sich in Erfolg aalen. Die konkrete Ergänzung ist dabei variabel.
Metaphern
Die gesamte moderne Bedeutung von sich aalen beruht historisch auf einer Tiermetapher. Die Körperbewegung des Menschen wird mit der Bewegung eines Aals verglichen.
Das Ausgangsschema lautet:
Aal windet/dehnt seinen Körper → Mensch bewegt beziehungsweise dehnt sich ähnlich → Mensch aalt sich.
Im Verlauf der Lexikalisierung verlor die Form den unmittelbaren Charakter eines Vergleichs. Moderne Sprecher sagen nicht *er aalt sich wie ein Aal, sondern verwenden aalen als selbständiges Verb.
Eine zweite metaphorische Stufe entsteht in Verbindungen wie sich in Bewunderung aalen. Hier wird das körperliche Wohlgefühl in Sonne oder Wärme auf einen psychischen beziehungsweise sozialen Zustand übertragen.
Das zugrunde liegende Schema lautet:
in angenehmer Wärme liegen → einen angenehmen emotionalen Zustand genießen.
So kann Lob metaphorisch zu einer Art Wärme beziehungsweise Umgebung werden, in der sich jemand „aalt“.
Diese übertragene Verwendung besitzt häufig eine leicht kritische Komponente, weil sie selbstzufriedenen Genuss nahelegen kann.
Metonymie
Beim Verb aalen dominiert historisch die Metapher stärker als die Metonymie. Dennoch lassen sich metonymische Beziehungen erkennen.
Das Tier Aal steht in der denominalen Verbbildung nicht für seine Gesamtheit, sondern für eine besonders auffällige Eigenschaft seines Verhaltens: seine Körperbewegung. Der Tiername aktiviert damit ein charakteristisches Verhaltensmerkmal.
Im Ausdruck sich in der Sonne aalen kann „Sonne“ zugleich für die von ihr erzeugte Wärme und angenehme Bestrahlung stehen. Die Person liegt nicht buchstäblich „in“ dem Himmelskörper, sondern im Sonnenlicht beziehungsweise in seiner Wärme.
In der übertragenen Verwendung sich im Erfolg aalen bezeichnet „Erfolg“ metonymisch beziehungsweise metaphorisch den aus ihm resultierenden Zustand von Anerkennung, Zufriedenheit oder Selbstbestätigung.
Eine streng eindeutige Trennung von Metapher und Metonymie ist bei solchen abstrakten Konstruktionen nicht immer möglich; der zentrale lexikalische Bedeutungswandel des Verbs ist jedoch eindeutig metaphorisch motiviert.
Register und Sprachstufe
Duden kennzeichnet aalen in der modernen reflexiven Bedeutung als umgangssprachlich.
Das Verb ist dennoch vollständig standardsprachlich verständlich und keineswegs auf Dialekt oder saloppe Jugendsprache beschränkt. Es kann ohne Weiteres in Zeitungstexten, Reportagen, Reisebeschreibungen und literarischer Prosa vorkommen.
Gegenüber sich ausruhen wirkt es anschaulicher und informeller. Gegenüber rumliegen ist es dagegen weniger salopp und meist positiver konnotiert.
Die übertragene Form sich in etwas aalen kann journalistisch und rhetorisch markiert wirken. Sie eignet sich besonders für kritische oder bildhafte Beschreibungen.
Historisches aalen „Aale fangen“ ist aus heutiger Sicht veraltet beziehungsweise regional. Der technische Röhrenmeistergebrauch ist historisch-obsolet.
Regionale Varianten
Die moderne Bedeutung wird heute überregional verstanden. Historische Wörterbuchforschung hat ihre frühe Verbreitung jedoch besonders mit dem ost- beziehungsweise ostmitteldeutschen Raum verbunden.
Trübners Deutsches Wörterbuch charakterisiert den Gebrauch als vor allem ostmitteldeutsch verbreitet und verbindet ihn mit volkstümlichen Vorstellungen über Aale auf feuchten Wiesen.
Für den bairisch-fränkischen Raum dokumentiert Bayerns Dialekte Online mehrere Belege von sich aalen beziehungsweise dialektalen Lautformen mit Bedeutungen wie „faul die Glieder strecken“, „sich wohl fühlen“ und „faulenzen“.
Im ostfriesischen Niederdeutsch findet sich sük alen als unmittelbare Entsprechung von „sich aalen“.
Regionale Lautformen können den langen Stammvokal und die Endsilbe unterschiedlich realisieren. Die standarddeutsche Form [ˈaːlən] ist davon unabhängig.
Die heutige Wörterbuchsprache versieht sich aalen nicht mehr mit einer regionalen Markierung. Historische Regionalität und gegenwärtige überregionale Verwendbarkeit sind deshalb auseinanderzuhalten.
Aktuelle Statistik
| Lemma | aalen |
|---|---|
| Hauptform | sich aalen |
| Wortart | schwaches Verb |
| Gebrauchsmarkierung Duden | umgangssprachlich |
| Duden-Häufigkeitsanzeige | niedrigste der fünf dargestellten Häufigkeitsstufen |
| Aussprache | [ˈaːlən] |
| Buchstaben | 5 |
| Silben | 2 |
| Präsens 3. Person Singular | aalt sich |
| Präteritum | aalte sich |
| Partizip II | geaalt |
| Hilfsverb | haben |
| Heute dominante Bedeutung | sich behaglich ausgestreckt ausruhen |
| Typische Kollokation | sich in der Sonne aalen |
| Historischer Ausgangspunkt | sich winden beziehungsweise dehnen wie ein Aal |
| Historische Nebenbedeutungen | Aale fangen; ein Rohr mithilfe eines Aals reinigen |
| Stand | September 2026 |
Die Duden-Häufigkeitsanzeige ordnet aalen aktuell in die niedrigste dargestellte Häufigkeitsstufe ein. Das bedeutet, dass das Verb im Vergleich zum allgemeinen Kernwortschatz relativ selten ist. Diese grafische Einstufung ist jedoch keine absolute Korpusfrequenz.
Die Seltenheit erklärt sich teilweise daraus, dass das Verb einen relativ spezifischen Sachverhalt bezeichnet. In vielen Kontexten werden allgemeinere Wörter wie liegen, ausruhen, entspannen oder sonnen verwendet.
Gleichzeitig ist sich aalen trotz geringer Gesamtfrequenz lexikographisch fest etabliert und ohne Weiteres standardsprachlich verständlich.
Häufigkeit und Statistik
| Lemma | aalen |
|---|---|
| DWDS-WebXL-Suchmenge einer 2022 ausgewerteten Untersuchung | 2061 Treffer |
| Zeitraum des dort verwendeten WebXL-Korpus | 1995–2021 |
| Zufällig geprüfte Belege in der Untersuchung | 50 |
| Belege für eigentliche Bewegungskonstruktionen in dieser Stichprobe | 0 |
| Semantisches Muster der 50 geprüften Belege | Lokalisierung beziehungsweise Verweilen an einem Ort |
| Duden-Gesamthäufigkeit | niedrig |
| Universelle aktuelle Frequenz pro Million Wörter | ohne festgelegtes Referenzkorpus nicht seriös anzugeben |
| Typischer moderner Gebrauch | reflexiv |
| Typische Konstruktion | sich + Lokal-/Präpositionalangabe aalen |
Die Zahl von 2061 WebXL-Treffern stammt aus einer wissenschaftlichen Untersuchung, deren DWDS-Abfrage 2022 vorgenommen wurde und das WebXL-Material von 1995 bis 2021 umfasste. Sie darf deshalb nicht als aktuelle Gesamtzahl sämtlicher Verwendungen im Deutschen oder als Frequenzwert für September 2026 ausgegeben werden.
Besonders aussagekräftig ist weniger die absolute Zahl als die qualitative Stichprobe: Die 50 zufällig kontrollierten Treffer zeigten ausschließlich Verwendungen, bei denen sich das Subjekt an einem Ort befindet, nicht Bewegungen von einem Ort zu einem anderen.
Der Befund bestätigt den synchronen Bedeutungswandel: aalen ist heute primär ein Ruhe- und Lokalisierungsverb, obwohl seine historische Bildquelle eine Bewegung ist.
Für eine exakte Gegenwartsfrequenz müsste ein bestimmtes, zeitlich abgegrenztes Referenzkorpus definiert und zwischen dem Verb aalen, dem Ortsnamen Aalen, Flexionsformen des Substantivs Aal und weiteren Homographen disambiguiert werden.
Wortbildung als Erstglied
Der vollständige Infinitiv aalen- ist kein produktives Erstglied gewöhnlicher deutscher Komposita. Verben fungieren im Deutschen nur eingeschränkt in dieser Form als Kompositionsglieder.
Produktiv sind dagegen substantivierte beziehungsweise partizipiale Bildungen. Möglich ist beispielsweise das Aalen: das stundenlange Aalen in der Sonne.
Auch aalend kann attributiv verwendet werden: die sich am Strand aalenden Urlauber, auf den Felsen aalende Robben.
Gelegenheitsbildungen wie Aalverhalten oder Aalbewegung beziehen sich dagegen auf den Tiernamen Aal und nicht auf das Verb aalen.
Ein mögliches umgangssprachliches Präfixverb wie herumaalen wäre spontan verständlich, ist aber nicht als zentraler standardsprachlicher Wortbildungsableger des Lemmas anzusetzen.
Wortbildung als Letztglied
-aalen ist kein produktives deutsches Verbalsuffix und bildet kein reguläres Letztgliedsystem.
Die Form kann innerhalb flexivischer oder syntaktischer Verbgruppen auftreten, beispielsweise weiter aalen, herum aalen, ohne dadurch zu einem Wortbildungssuffix zu werden.
Präfigierte fest lexikalisierte Standardverben auf -aalen sind im heutigen Kernwortschatz nicht etabliert.
Das Verb ist deshalb wortbildungsmorphologisch vor allem als direkte Ableitung von Aal interessant, nicht als Ausgangspunkt einer umfangreichen Familie weiterer Verben.
Übersetzungen
| Lemma | sich aalen |
|---|---|
| Altgriechisch | kein exakt deckungsgleiches Einzelverb; sinngemäß ἀναπαύεσθαι „sich ausruhen“, bei Sonnenkontext beschreibend „in der Sonne ruhen“ |
| Lateinisch | aprīcārī „sich sonnen, sich in der Sonne wärmen“; allgemein auch requiescere „sich ausruhen“ |
| Italienisch | crogiolarsi; bei Sonnenkontext crogiolarsi al sole |
| Französisch | se prélasser; in der Sonne: se prélasser au soleil, familiär lézarder |
| Spanisch | tumbarse y relajarse; in der Sonne: tumbarse al sol, disfrutar del sol |
| Englisch | to bask; to stretch out; to laze around; übertragen to bask in |
| Niederländisch | zich uitstrekken; zich koesteren; in der Sonne: zich in de zon koesteren |
| Finnisch | lekotella |
| Norwegisch | strekke på seg; ligge og late seg |
Eine einzige Übersetzung deckt nicht sämtliche Bedeutungsnuancen von sich aalen ab. Entscheidend ist der Kontext.
Englisches to bask ist besonders bei Sonne und Wärme die engste Entsprechung: to bask in the sun. To lounge beziehungsweise to laze around hebt stärker das untätige Entspannen hervor, to stretch out die Körperhaltung.
Auch die metaphorische Konstruktion entspricht auffällig gut dem Englischen: sich in Bewunderung aalen kann mit to bask in admiration wiedergegeben werden.
Französisch se prélasser deckt den behaglich-genüsslichen Charakter sehr gut ab. Für Sonnenkontexte kommen außerdem lézarder und die bildhafte Verbindung faire le lézard in Betracht.
Italienisch crogiolarsi bezeichnet ebenfalls das behagliche Genießen von Wärme beziehungsweise übertragen das selbstzufriedene Verweilen in einem Zustand und kommt dem deutschen Verb deshalb semantisch besonders nahe.
Lateinisch aprīcārī ist für den häufigsten Sonnenkontext eine sehr genaue funktionale Entsprechung: Das deponentische Verb bedeutet „sich sonnen, sich in der Sonne wärmen“.
Für das Altgriechische sollte dagegen kein angeblich vollkommen äquivalentes Einzelverb konstruiert werden. Je nach gemeinter Teilbedeutung sind Verben für Ausruhen, Liegen oder Sich-Sonnen beziehungsweise beschreibende Wendungen erforderlich. Die moderne deutsche Kombination aus Rekeln, Behaglichkeit und Müßiggang besitzt keine notwendige eins-zu-eins-Entsprechung.