Aalenium

Grundbedeutung

Aalenium ist in der internationalen geologischen Zeitskala die älteste chronostratigraphische Stufe des Mitteljura. Zugleich bezeichnet der Name geochronologisch das entsprechende Zeitintervall der Erdgeschichte. Das Aalenium folgt auf das Toarcium, die jüngste Stufe des Unterjura, und wird vom Bajocium abgelöst.

Nach dem gegenwärtigen Stand der International Commission on Stratigraphy beginnt das Aalenium ungefähr vor 174,7 ± 0,8 Millionen Jahren und endet ungefähr vor 170,9 ± 0,8 Millionen Jahren. Seine rechnerische Dauer beträgt damit rund 3,8 Millionen Jahre. Die Zahlen sind numerische Alterskalibrierungen geologischer Grenzhorizonte und können mit zukünftigen Verbesserungen der geologischen Zeitskala verändert werden; die formale Definition der Stufengrenzen beruht nicht auf einer bloßen Jahreszahl, sondern auf international festgelegten stratigraphischen Referenzpunkten.

Das Aalenium ist nach der baden-württembergischen Stadt Aalen benannt. Der Schweizer Geologe und Stratigraph Karl Mayer-Eymar führte die nach Aalen benannte Stufe 1864 in die geologische Fachliteratur ein. Die Bezeichnung hat damit keinerlei etymologische Beziehung zum Fisch Aal, obwohl beide Wörter mit Aal- beginnen.

Regional ist das Aalenium für Südwestdeutschland besonders bedeutsam, weil in der Umgebung Aalens typische Schichten des unteren und oberen Mitteljuras aufgeschlossen sind. Die Stadt gilt deshalb historisch als namensgebende Typlokalität der Stufe. Die heute international formalisierte Untergrenze des Aaleniums liegt jedoch nicht in Aalen, sondern im Referenzprofil von Fuentelsaz in Spanien.

Wortart

Aalenium ist ein neutrales Substantiv: das Aalenium.

Es handelt sich um einen fachsprachlichen Eigennamen beziehungsweise Terminus der Stratigraphie, Geochronologie, Geologie und Paläontologie.

Im üblichen geologischen Gebrauch besitzt das Wort keinen regulären Plural, da eine eindeutig definierte internationale chronostratigraphische Stufe beziehungsweise das entsprechende einmalige Zeitintervall bezeichnet wird.

Als deutsche Parallelbezeichnungen begegnen Aalenien und verkürzt Aalen. In internationaler englischer Terminologie heißt die Stufe Aalenian.

Adjektivisch können im Deutschen je nach Fachtradition Formulierungen wie aalenisch, aalenzeitlich, aaleniumzeitlich oder Konstruktionen mit des Aaleniums verwendet werden. In der Fachliteratur ist besonders häufig die attributive Verwendung des Substantivs anzutreffen, beispielsweise Aalenium-Ammoniten, Aalenium-Schichten oder Aalenium-Grenze.

Aussprache

Die standarddeutsche Aussprache lautet [aˈleːni̯ʊm].

Die Hauptbetonung liegt auf der zweiten Silbe -le-. Der Anfang wird daher nicht wie der Stadtname Aalen mit betontem langem [aː] gesprochen, sondern in der latinisierten geologischen Bildung mit unbetontem Anfangsvokal und betontem langen [eː].

Die Worttrennung lautet Aa·le·ni·um.

Die Aussprache unterscheidet das Fachwort deutlich vom Stadtnamen Aalen [ˈaːlən], obwohl der geologische Name etymologisch von diesem Ortsnamen abgeleitet ist.

Grammatik

Lemma Aalenium
Wortart Substantiv; geologischer Fachterminus
Genus Neutrum
Artikel das
Nominativ Singular das Aalenium
Genitiv Singular des Aaleniums
Dativ Singular dem Aalenium
Akkusativ Singular das Aalenium
Plural im geologischen Standardgebrauch nicht üblich
Worttrennung Aa·le·ni·um
Aussprache [aˈleːni̯ʊm]
Parallelbezeichnungen Aalenien, Aalen
Englische Form Aalenian
Chronostratigraphischer Rang Stufe
Geochronologischer Rang Alter

Die Flexion folgt der großen Gruppe geologischer Stufennamen auf -ium, beispielsweise Toarcium, Bajocium, Bathonium und Callovium.

Beispiele: Das Aalenium bildet die älteste Stufe des Mitteljuras. – Die Basis des Aaleniums ist durch einen internationalen Grenzstratotyp definiert. – Im Aalenium entwickelten sich charakteristische Ammonitenfaunen. – Die Schichten werden dem Aalenium zugeordnet.

Orthographie

Die reguläre deutsche Fachschreibung lautet Aalenium.

Das Wort beginnt entsprechend dem Ortsnamen Aalen mit Aa-. Formen wie Alenium oder Aalennium sind im heutigen deutschen Standard nicht korrekt.

Die historische und fremdsprachige Literatur kennt unterschiedliche Anpassungen. Mayer-Eymar verwendete im 19. Jahrhundert französisch geprägte beziehungsweise internationalisierende Formen aus dem Umfeld von Aalenien. Französisch ist heute Aalénien, Englisch Aalenian, Italienisch Aaleniano und Spanisch Aaleniense.

Die deutsche Form Aalenien ist als Parallelbezeichnung etabliert. Ebenso existiert die verkürzte geologische Bezeichnung Aalen. Für einen systematisch aufgebauten geologischen Lexikonartikel ist Aalenium jedoch die eindeutigste deutsche Hauptform.

Die Schreibweise darf nicht mit dem Verb aalen „sich behaglich ausstrecken“ oder mit dem Plural von Aal verwechselt werden.

Gebrauch

Aalenium gehört zur internationalen geologischen Fachsprache und wird insbesondere in Stratigraphie, Paläontologie, Sedimentologie, regionaler Geologie und geologischer Kartierung verwendet.

Typische Formulierungen sind Unter-Aalenium, Ober-Aalenium, Basis des Aaleniums, Aalenium/Bajocium-Grenze, Toarcium/Aalenium-Grenze, Aalenium-Ammoniten, Schichten des Aaleniums, aaleniumzeitliche Sedimente und Aalenium-Alter.

Im populärwissenschaftlichen Sprachgebrauch wird häufig vereinfachend gesagt, das Aalenium sei ein „Erdzeitalter“. Fachlich präziser ist die Unterscheidung zwischen einer chronostratigraphischen Stufe und dem korrespondierenden geochronologischen Alter.

In süddeutschen regionalgeologischen Darstellungen wird das Aalenium häufig mit älteren Begriffen wie Braunjura beziehungsweise Dogger in Beziehung gesetzt. Diese Bezeichnungen sind jedoch nicht deckungsgleich mit der modernen internationalen Chronostratigraphie.

Bedeutungsbereich

Das Lemma gehört in erster Linie zu Geologie, Erdgeschichte, Stratigraphie, Chronostratigraphie, Geochronologie, Biostratigraphie und Paläontologie.

Der Begriff bezeichnet weder ein bestimmtes Gestein noch eine einzelne Formation. Vielmehr handelt es sich um eine Zeiteinheit beziehungsweise chronostratigraphische Einheit, die regional durch ganz unterschiedliche Gesteinsfolgen repräsentiert sein kann.

Im süddeutschen Raum gehören beispielsweise Teile der Opalinuston-Formation, der Achdorf-Formation, der Eisensandstein-Formation und der Murchisonaeoolith-Formation in das Aalenium. Andere Regionen besitzen andere lithologische Einheiten desselben Alters.

Lexikon

Das Aalenium ist die erste und damit älteste der vier international anerkannten Stufen des Mitteljura. Die Abfolge lautet Aalenium – Bajocium – Bathonium – Callovium.

Es folgt unmittelbar auf das Toarcium, das die oberste Stufe des Unterjura bildet. Mit der Basis des Aaleniums beginnt chronostratigraphisch zugleich der Mitteljura.

Nach der gegenwärtigen internationalen Zeitskala liegt die Basis des Aaleniums bei ungefähr 174,7 ± 0,8 Millionen Jahren.

Die Basis des nachfolgenden Bajociums liegt bei ungefähr 170,9 ± 0,8 Millionen Jahren.

Das Aalenium umfasst damit nach den gegenwärtigen numerischen Kalibrierungen ungefähr 3,8 Millionen Jahre.

Diese Zahlen sind keine Definition der Stufe selbst.

In der modernen Chronostratigraphie werden Stufengrenzen durch konkrete Referenzpunkte in realen Gesteinsprofilen definiert.

Diese international festgelegten Grenzpunkte heißen Global Boundary Stratotype Section and Point, abgekürzt GSSP.

Der GSSP der Basis des Aaleniums befindet sich bei Fuentelsaz in der Provinz Guadalajara im zentralen Teil des Iberischen Gebirges in Spanien.

Er liegt ungefähr einen halben Kilometer nördlich des Ortes Fuentelsaz.

Die formale Grenze befindet sich an der Basis der Schicht FZ 107.

Der wichtigste biostratigraphische Marker ist das erste Auftreten einer charakteristischen Ammonitenvergesellschaftung mit Leioceras opalinum und Leioceras lineatum.

Das bedeutet nicht, dass weltweit exakt derselbe einzelne Fossilfund in jeder Sedimentfolge beobachtet werden muss.

Der GSSP dient vielmehr als internationaler Referenzpunkt, dessen Position mit einer Vielzahl biostratigraphischer, magnetostratigraphischer und weiterer Merkmale weltweit korreliert wird.

Als zusätzlicher Marker tritt am Grenzhorizont beispielsweise der kalkige Nannofossil-Taxon Hexalithus magharensis erstmals auf.

Die Grenze liegt außerdem in einem Bereich normaler magnetischer Polarität.

Der GSSP wurde im Jahr 2000 formal ratifiziert.

Damit wurde die lange Diskussion um eine weltweit korrelierbare Definition der Toarcium/Aalenium-Grenze international abgeschlossen.

Die Obergrenze des Aaleniums ist definitionsgemäß zugleich die Untergrenze des Bajociums.

Deren GSSP befindet sich an der Atlantikküste Portugals bei Cabo Mondego, genauer in der Murtinheira-Sektion.

Die Grenze liegt dort an der Basis der Schicht AB 11.

Sie wird durch das erste Auftreten einer Ammonitenvergesellschaftung mit Hyperlioceras mundum, Hyperlioceras furcatum, Braunsina aspera und Braunsina elegantula charakterisiert.

Auch hier ergänzen kalkige Nannofossilien und magnetostratigraphische Daten die biostratigraphische Korrelation.

Der GSSP der Bajocium-Basis wurde bereits 1996 ratifiziert.

Die aktuelle globale Definition des Aaleniums beruht damit auf zwei Grenzstratotypen in Spanien und Portugal.

Das ist für die Geschichte des Namens besonders interessant, denn das Aalenium trägt seinen Namen nach einer deutschen Stadt.

Aalen liegt am nordöstlichen Rand der Schwäbischen Alb in Baden-Württemberg.

Die Stadt und ihre Umgebung liegen in einem geologisch außerordentlich anschaulichen Abschnitt des Süddeutschen Schichtstufenlandes.

Hier treten Schwarzjura-, Braunjura- und Weißjura-Schichten in räumlicher Nähe zutage.

Besonders die mitteljurassischen Gesteine waren durch natürliche Aufschlüsse, Steinbrüche und den historischen Eisenerzbergbau gut zugänglich.

Der Schweizer Geologe Karl Mayer-Eymar griff diese regionalgeologische Bedeutung auf und schlug 1864 eine nach Aalen benannte Stufe vor.

Sein Tableau synchronistique des terrains jurassiques führte die neue Einheit in die stratigraphische Terminologie ein.

Historisch begegneten Formen wie Étage Aalenien, Aalenstufe beziehungsweise entsprechende internationalisierte Varianten.

Der Name wurde nicht sofort weltweit völlig einheitlich übernommen.

Die Stellung des Aaleniums an der Grenze zwischen Unter- und Mitteljura war lange Gegenstand stratigraphischer Diskussionen.

Einzelne ältere Systeme rechneten Teile des späteren Aaleniums noch zum Unterjura oder zum Bajocium.

Im modernen internationalen System ist die Stellung eindeutig: Das Aalenium bildet die Basis des Mitteljuras.

Die historische Namensregion um Aalen darf nicht mit dem modernen GSSP verwechselt werden.

Aalen ist die namensgebende historische Referenzregion beziehungsweise Typlokalität.

Die formal definierende internationale Untergrenze liegt dagegen in Fuentelsaz.

Diese Trennung ist in der modernen Stratigraphie häufig.

Historische Stufennamen wurden vielfach nach Städten, Landschaften oder Regionen eingeführt, bevor die International Commission on Stratigraphy das heutige GSSP-System entwickelte.

Später wurden möglichst vollständige, gut korrelierbare und wissenschaftlich zugängliche Referenzprofile ausgewählt, die nicht zwangsläufig in der namensgebenden Region liegen.

Biostratigraphisch ist das Aalenium besonders durch Ammoniten gegliedert.

Ammoniten entwickelten sich im Jura vergleichsweise schnell und waren geographisch weit verbreitet.

Dadurch eignen sie sich hervorragend als Leitfossilien.

Für die nordwesteuropäisch-tethyale Standardgliederung werden gewöhnlich vier wichtige Ammonitenzonen unterschieden.

Von unten nach oben sind dies die Opalinum-Zone, Murchisonae-Zone, Bradfordensis-Zone und Concavum-Zone.

Diese Zonen können weiter in Subzonen und feinere Ammonitenhorizonte untergliedert werden.

Die Opalinum-Zone bildet den ältesten Abschnitt.

Ihr namengebendes Fossil Leioceras opalinum besitzt für die Definition der Basis des Aaleniums besondere Bedeutung.

Darüber folgen Faunen mit Ludwigia und verwandten Graphoceratiden.

Die obere Stufe wird schließlich durch Graphoceras-reiche Faunen charakterisiert.

Die Zonengrenzen sind biostratigraphische Korrelationswerkzeuge und dürfen nicht mit lithostratigraphischen Formationsgrenzen gleichgesetzt werden.

Eine Gesteinsformation wird nach ihrem Gesteinsinhalt, ihrer Lagerung und kartierbaren Ausdehnung definiert.

Eine chronostratigraphische Stufe wird dagegen über Zeit beziehungsweise stratigraphische Grenzpunkte bestimmt.

Deshalb kann dieselbe Formation mehrere chronostratigraphische Einheiten umfassen, und dieselbe Stufe kann in verschiedenen Regionen durch ganz unterschiedliche Formationen vertreten sein.

Diese Unterscheidung ist für das süddeutsche Aalenium besonders wichtig.

Im Vorland der Schwäbischen Alb wird der untere Mitteljura wesentlich durch mächtige dunkle Ton- und Mergelsteine geprägt.

Die Opalinuston-Formation repräsentiert im Wesentlichen das Unter-Aalenium, insbesondere die Opalinum-Zone.

Ein Teil der basalen Opalinuston-Formation kann regional noch in das oberste Toarcium reichen.

Damit ist bereits ersichtlich, dass die Formation nicht exakt mit dem Aalenium beginnt.

Die darüber folgenden Achdorf-, Eisensandstein- und Murchisonaeoolith-Formationen repräsentieren in Baden-Württemberg große Teile des Ober-Aaleniums.

Sie reichen biostratigraphisch von der Murchisonae-Zone bis zur Concavum-Zone.

Besonders bekannt ist die Eisensandstein-Formation.

Sie enthält eisenreiche, teilweise oolithische Horizonte, die in der Region um Aalen und Wasseralfingen historisch bergmännisch genutzt wurden.

Diese Eisenerze beeinflussten die wirtschaftliche und industrielle Geschichte des Raumes erheblich.

Der Tiefe Stollen bei Aalen-Wasseralfingen erschließt heute als Besucherbergwerk einen Teil dieser Bergbaugeschichte.

Die dort anstehenden Schichten gehören in den oberen Teil des Aaleniums.

Die geologische Namensgebung nach Aalen besitzt dadurch eine ungewöhnlich anschauliche Verbindung von internationaler Stratigraphie und regionaler Wirtschafts- und Kulturgeschichte.

Die Opalinuston-Formation ist ihrerseits nicht nur für die Stratigraphie wichtig.

Sie besteht großenteils aus grauen bis dunkelgrauen Tonsteinen und Mergelsteinen, die in einem flachen epikontinentalen Meer abgelagert wurden.

Der Name geht auf den häufigen Ammoniten Leioceras opalinum zurück.

Fossilien können dort mit auffällig hellen, teilweise aragonitisch erhaltenen Schalen auftreten.

Neben Ammoniten finden sich Belemniten, Muscheln, Schnecken, Brachiopoden sowie Spurenfossilien.

Die Sedimentationsbedingungen des Aaleniums unterschieden sich regional erheblich.

Mitteleuropa war damals zu großen Teilen von einem flachen Epikontinentalmeer bedeckt.

Dieses Meer stand mit dem großen tethyalen Ozeansystem im Süden in Verbindung.

Festlandsgebiete und flache Schwellen beeinflussten Sedimentzufuhr, Wassertiefe und Meeresströmungen.

Tonige Sedimente gelangten aus umliegenden Landmassen in die Becken.

In anderen Regionen entstanden kalkige, sandige oder eisenoolithische Sedimente.

Die Gesteine des Aaleniums dokumentieren daher keine weltweit einheitliche Umwelt.

Vielmehr umfassen sie unterschiedlichste marine Sedimentationsräume innerhalb desselben Zeitabschnitts.

Die Eisenoolithe Süddeutschlands sind besonders auffällig.

Oolithe bestehen aus kleinen kugeligen bis ellipsoidischen Körnern, die durch konzentrische Anlagerung von Mineralmaterial entstanden.

Bei Eisenoolithen enthalten diese Körner eisenreiche Minerale.

Solche Horizonte konnten wirtschaftlich so stark angereichert sein, dass sie als Eisenerz genutzt wurden.

In der Umgebung von Aalen-Wasseralfingen sind diese Gesteine ein wesentlicher Bestandteil der regionalen Aalenium-Geschichte.

Paläontologisch wird das Aalenium vor allem durch marine Wirbellose charakterisiert.

Die Ammonitengattungen Leioceras, Ludwigia, Staufenia und Graphoceras gehören zu den wichtigsten stratigraphischen Gruppen.

Daneben treten Belemniten häufig auf.

Muscheln können lokal ganze Schilllagen bilden.

Auch Brachiopoden, Gastropoden, Serpeln, Bryozoen und verschiedene Spurenfossilien sind aus aaleniumzeitlichen Sedimenten bekannt.

Der Fossilinhalt hängt stark von Fazies, Sauerstoffversorgung, Wassertiefe, Sedimentationsgeschwindigkeit und Erhaltungsbedingungen ab.

Deshalb dürfen einzelne süddeutsche Fossilgesellschaften nicht als vollständiges globales Bild des Lebens im Aalenium verstanden werden.

Die Ammoniten besitzen eine Sonderstellung, weil sie nicht nur paläoökologische Information liefern, sondern vor allem der zeitlichen Korrelation dienen.

Das Erstauftreten bestimmter Formen kann in gut untersuchten Profilen auf relativ kurze Zeitintervalle eingegrenzt werden.

Dadurch lassen sich räumlich weit voneinander entfernte Gesteinsfolgen miteinander vergleichen.

Genau dieses Prinzip liegt auch der Definition des GSSP zugrunde.

Die Basis des Aaleniums ist nicht einfach „dort, wo Opalinuston beginnt“.

Sie liegt vielmehr an dem international festgelegten Ereignishorizont, der in Fuentelsaz durch das Auftreten von Leioceras opalinum und Leioceras lineatum charakterisiert wird.

Die Unterscheidung ist entscheidend, weil lithologische Änderungen regional diachron sein können.

Ein Wechsel von Tonstein zu Sandstein kann an verschiedenen Orten zu unterschiedlichen Zeiten stattgefunden haben.

Biostratigraphische und andere chronostratigraphische Marker ermöglichen dagegen eine überregionale zeitliche Korrelation.

Auch die numerischen Alterswerte des Aaleniums müssen in diesem Zusammenhang verstanden werden.

Angaben wie 174,7 oder 170,9 Millionen Jahre sind keine unveränderlichen mathematischen Konstanten.

Sie beruhen auf radiometrischen Datierungen, astronomischer Zyklostratigraphie, biostratigraphischer Korrelation und geochronologischen Modellen.

Mit verbesserten Daten können die Zahlen korrigiert werden.

Genau dies geschah bei der International Chronostratigraphic Chart mehrfach.

Die ICS aktualisierte 2022 die numerischen Alterswerte sämtlicher Jurastufen entsprechend neueren Kalibrierungen der geologischen Zeitskala.

Für die Basis des Aaleniums wurde dabei der Wert von 174,1 ± 1,0 Millionen Jahren auf 174,7 ± 0,8 Millionen Jahre geändert.

Für die Basis des Bajociums wurde der Wert von 170,3 ± 1,4 auf 170,9 ± 0,8 Millionen Jahre aktualisiert.

Ältere Lexika und Webseiten können deshalb andere Zahlen nennen, ohne dass der geologische Begriff selbst ein anderer wäre.

Bei wissenschaftlichen Angaben sollte immer angegeben beziehungsweise geprüft werden, welche Version der Zeitskala verwendet wurde.

Die 2026 aktualisierte internationale Zeittafel änderte andere Stufengrenzen, ließ die genannten Jurawerte jedoch unverändert.

Für ein gegenwärtiges Lexikon sind daher die Werte 174,7 ± 0,8 und 170,9 ± 0,8 Millionen Jahre die sachgerechten Referenzwerte.

Das Aalenium besitzt außerdem eine wichtige Stellung in der Geschichte der Juragliederung.

Im 19. Jahrhundert entwickelten verschiedene europäische Geologen unterschiedliche Systeme zur Unterteilung des Jura.

Alcide d'Orbigny hatte bereits das Bajocium nach Bayeux benannt.

Mayer-Eymars Einführung einer eigenständigen Aalen-Stufe gliederte den untersten Teil dessen, was teilweise zuvor anders dem Bajocium beziehungsweise Unterjura zugeordnet worden war, als eigene Einheit aus.

Diese Neuordnung war nicht nur eine Namensfrage.

Sie spiegelte die Erkenntnis wider, dass die entsprechenden Ammonitenfaunen einen eigenständigen Abschnitt der jurassischen Erdgeschichte repräsentieren.

In Deutschland existierte parallel die von Friedrich August Quenstedt geprägte Gliederung in Schwarzen, Braunen und Weißen Jura mit griechischen Buchstaben.

Der untere Mitteljura wurde dabei traditionell als Teile des Braunjura α und β erfasst.

Diese ältere regionale Gliederung besitzt bis heute historische und sammlungsgeschichtliche Bedeutung.

Für internationale chronostratigraphische Kommunikation ist sie jedoch nicht mit dem Aalenium gleichzusetzen.

Der Begriff Dogger wird ebenfalls häufig als ältere beziehungsweise regionale Bezeichnung für den Mitteljura verwendet.

Auch hier ist Vorsicht erforderlich.

Historische Definitionen von Dogger und Braunjura waren nicht in jeder Tradition exakt mit den heute formalisierten Grenzen des Mitteljuras identisch.

Die moderne internationale Folge Aalenium, Bajocium, Bathonium und Callovium ist daher terminologisch präziser.

Die regionale Gliederung Süddeutschlands zeigt zugleich, wie chronostratigraphische und lithostratigraphische Systeme nebeneinander funktionieren.

Das Unter-Aalenium wird im Bereich der Schwäbischen Alb wesentlich durch die Opalinum-Zone charakterisiert.

Das Ober-Aalenium umfasst die Murchisonae-, Bradfordensis- und Concavum-Zone.

Diese Unterteilung in Unter- und Ober-Aalenium ist regional beziehungsweise fachpraktisch verbreitet, besitzt jedoch nicht denselben global formalen Rang wie die international ratifizierte Stufe Aalenium selbst.

Ebenso sind die vier genannten Ammonitenzonen biostratigraphische Einheiten und keine selbständigen internationalen Stufen.

Eine weitere Besonderheit der Aalenium-Forschung ist das Verhältnis zwischen historischer Typlokalität und moderner Grenzdefinition.

Die Umgebung von Aalen bleibt wissenschafts- und namengeschichtlich fundamental.

Das Aalenium trägt den Stadtnamen dauerhaft in der internationalen geologischen Terminologie.

Die Definition der Basis musste jedoch weltweit korrelierbar sein.

Das spanische Profil von Fuentelsaz erwies sich hierfür als besonders geeignet.

Es enthält eine kontinuierliche Sedimentfolge über die Toarcium/Aalenium-Grenze.

Mergel und Kalksteinlagen wechseln dort rhythmisch miteinander.

Die fossilen Ammonitenfolgen erlauben eine detaillierte biostratigraphische Gliederung.

Zusätzlich stehen Nannofossilien und paläomagnetische Daten zur Verfügung.

Dadurch konnte eine Grenze festgelegt werden, die weit über die Region hinaus korrelierbar ist.

Die Aalenium/Bajocium-Grenze bei Cabo Mondego erfüllt eine entsprechende Funktion am oberen Ende der Stufe.

Auch dort wechseln Kalksteine und Mergel.

Ammoniten, Nannofossilien und Magnetostratigraphie ermöglichen die überregionale Korrelation.

Die Stufe ist damit heute auf beiden Seiten international formal begrenzt.

Die wissenschaftliche Bedeutung des Aaleniums beschränkt sich nicht auf Nomenklatur.

Seine Sedimente liefern Informationen über Meeresräume, Klima, Sedimentzufuhr, Faunenentwicklung und tektonische Entwicklung während eines frühen Abschnitts des Mitteljuras.

Tonige Beckenfüllungen dokumentieren den Eintrag feinkörnigen kontinentalen Materials.

Eisenoolithe spiegeln besondere chemische und sedimentologische Bedingungen wider.

Ammonitenfaunen erlauben Untersuchungen zur Evolution, Biogeographie und paläozeanographischen Verbindung verschiedener Meeresräume.

In der angewandten Geologie spielt insbesondere der Opalinuston eine Rolle.

Seine mächtigen Tonsteinfolgen beeinflussen Hangstabilität, Grundwasserverhältnisse, Rohstoffnutzung und ingenieurgeologische Fragestellungen.

Regional wurden die Tonsteine unter anderem als Rohstoff für keramische Produkte genutzt.

Damit reicht die Bedeutung aaleniumzeitlicher Gesteine von der Grundlagenforschung bis zur praktischen Geologie.

Für die Stadt Aalen besitzt der internationale Stufenname zusätzlich kulturgeschichtliche Bedeutung.

Die Verbindung von Stadtname, Fossilien, Eisenerzbergbau und internationaler geologischer Nomenklatur wird in lokalen geologischen Einrichtungen bewusst vermittelt.

Das Urweltmuseum Aalen, der Tiefe Stollen und weitere Geopark-Einrichtungen stellen den regionalen Jura und seine Fossilien vor.

Dadurch ist das Aalenium einer der seltenen internationalen geologischen Fachbegriffe, deren Namensgeschichte für Besucher unmittelbar an einer deutschen Stadt nachvollzogen werden kann.

Etymologie

Lemma Aalenium
Benennungsmotiv nach der Stadt Aalen in Baden-Württemberg
Namensgeber der Stufe Karl Mayer-Eymar
Einführung 1864
Historische Grundlage mitteljurassische Schichten in der Umgebung von Aalen
Grundform Ortsname Aalen
Fachsprachliche Bildung internationalisierte beziehungsweise latinisierte Stufenbezeichnung
Deutsche Varianten Aalenium, Aalenien, Aalen
Englisch Aalenian
Beziehung zu Aal „Fisch“ keine etymologische Beziehung

Aalenium ist ein deonymischer beziehungsweise toponymischer geologischer Name: Die Stufe wurde nach dem Ortsnamen Aalen gebildet.

Der Name wurde 1864 von Karl Mayer-Eymar in die stratigraphische Fachliteratur eingeführt.

Die Bildung gehört zu einer umfangreichen Tradition geologischer Stufennamen, die nach Städten und Landschaften benannt wurden. Vergleichbar sind Bajocium nach Bayeux, Bathonium nach Bath, Oxfordium nach Oxford und Callovium nach Kellaways.

Das deutsche Suffix -ium entspricht der internationalisierten nomenklatorischen Form zahlreicher geologischer Stufen.

Die Parallelform Aalenien zeigt stärker die französisch geprägte Tradition des 19. Jahrhunderts. Französisch lautet der Name noch heute Aalénien.

Das Wort besitzt keinen etymologischen Zusammenhang mit Aal. Die äußerliche Übereinstimmung des Anfangs Aal- ist zufällig beziehungsweise durch den zugrunde liegenden Ortsnamen bedingt.

Wortgeschichte

Die Wortgeschichte beginnt mit den stratigraphischen Gliederungsversuchen des 19. Jahrhunderts.

Mit der raschen Entwicklung von Geologie und Paläontologie wurde deutlich, dass sedimentäre Gesteinsfolgen über Fossilien großräumig miteinander korreliert werden konnten.

Die Juraperiode wurde deshalb zunehmend in feinere Stufen gegliedert.

Karl Mayer-Eymar schlug 1864 eine eigenständige nach Aalen benannte Einheit vor.

Die Wahl des Ortsnamens knüpfte an die gut bekannten mitteljurassischen Schichten und Fossilien des Schwäbischen Juras an.

Im weiteren Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts bestanden unterschiedliche Auffassungen über Umfang und Stellung der Stufe.

Insbesondere die Grenzziehung zwischen Toarcium und Aalenium sowie zwischen Aalenium und Bajocium wurde anhand immer genauerer Ammonitenfolgen diskutiert.

Der Name selbst setzte sich schließlich international durch.

Mit der Entwicklung moderner Chronostratigraphie verlagerte sich der Schwerpunkt von historischen Lokalprofilen zu formal definierten globalen Grenzstratotypen.

1996 wurde die Basis des Bajociums und damit die Obergrenze des Aaleniums bei Cabo Mondego ratifiziert.

2000 folgte die Ratifikation des GSSP für die Basis des Aaleniums bei Fuentelsaz.

Seitdem ist der Name weltweit formal in das System der International Commission on Stratigraphy eingebunden.

Historische Einordnung

Das Aalenium gehört in die Phase der Geschichte der Geologie, in der lokale europäische Schichtfolgen zur Grundlage internationaler Zeitskalen wurden.

Im 19. Jahrhundert bildeten Frankreich, England, Deutschland und die Schweiz wichtige Zentren der stratigraphischen Forschung.

Viele heute weltweit gültige Stufennamen stammen deshalb von europäischen Ortsnamen.

Die historische Bedeutung Aalens hängt eng mit der geologischen Erforschung des Schwäbischen Juras zusammen.

Fossilreiche Schichten, Eisensandsteine und Bergbauaufschlüsse ermöglichten detaillierte Beobachtungen.

Die Arbeiten von Geologen und Paläontologen wie Quenstedt schufen eine besonders fein ausgearbeitete regionale Juragliederung.

Mayer-Eymars Stufenbegriff setzte diese Schichten in einen überregionalen chronostratigraphischen Zusammenhang.

Historisch wichtig ist außerdem der Wandel vom Konzept einer „typischen Schichtenfolge“ zu einer präzisen internationalen Grenzdefinition.

Die heutige Stufe wird nicht mehr einfach dadurch definiert, dass ein Gestein den Schichten bei Aalen ähnelt.

Entscheidend sind die formal ratifizierten Grenzhorizonte und ihre überregionale Korrelation.

Antonyme

Ein chronostratigraphischer Eigenname wie Aalenium besitzt kein eigentliches lexikalisches Antonym.

Benachbarte Stufen können jedoch als zeitliche Gegen- beziehungsweise Nachbarbegriffe aufgeführt werden.

Toarcium – unmittelbar ältere Stufe.

Bajocium – unmittelbar jüngere Stufe.

Unterjura und Oberjura sind ebenfalls keine Antonyme, sondern hierarchisch und zeitlich benachbarte beziehungsweise übergeordnete geologische Einheiten.

Gegenwart wäre alltagssprachlich ein zeitlicher Gegenpol zu einem erdgeschichtlich weit zurückliegenden Intervall, aber kein fachsprachliches Antonym.

Synonyme und bedeutungsverwandte Ausdrücke

Aalenien – deutsche beziehungsweise international beeinflusste Parallelbezeichnung der Stufe.

Aalen – verkürzte deutsche geologische Bezeichnung; nicht mit der Stadt oder dem Verb aalen zu verwechseln.

Aalenian – englischer internationaler Fachname.

Aalen-Stufe – transparente beschreibende Bezeichnung.

unterster Mitteljura – beschreibende Einordnung, aber kein vollständiges terminologisches Synonym außerhalb des konkreten chronostratigraphischen Kontexts.

Braunjura – historisch-regionale süddeutsche Gliederungsbezeichnung; nicht exakt synonym.

Dogger – traditioneller Begriff für den Mitteljura beziehungsweise entsprechende Schichtfolgen; ebenfalls nicht exakt synonym.

Unter-Aalenium und Ober-Aalenium – regionale beziehungsweise biostratigraphische Untergliederungen der Stufe.

Abgrenzung

Das Aalenium ist zunächst vom Ortsnamen Aalen abzugrenzen. Die Stadt ist Namensgeberin, aber nicht mit der geologischen Stufe identisch.

Vom Fisch Aal besteht keinerlei sachlicher oder etymologischer Zusammenhang.

Vom Verb aalen „sich behaglich ausstrecken“ ist das geologische Fachwort ebenfalls vollständig unabhängig.

Vom Mitteljura ist das Aalenium hierarchisch zu unterscheiden. Der Mitteljura ist die übergeordnete Serie beziehungsweise Epoche; das Aalenium ist ihre älteste Stufe beziehungsweise ihr ältestes Alter.

Von der Opalinuston-Formation ist das Aalenium grundsätzlich zu unterscheiden. Die Opalinuston-Formation ist eine lithostratigraphische Gesteinseinheit, das Aalenium dagegen eine chronostratigraphische Zeiteinheit.

Vom Braunjura und Dogger ist die moderne internationale Bedeutung ebenfalls abzugrenzen, da ältere regionale Systeme nicht in allen Grenzziehungen exakt mit dem modernen Mitteljura übereinstimmen.

Kontext

Typische Fachkontexte sind Jura, Mitteljura, Toarcium, Bajocium, Chronostratigraphie, Geochronologie, Ammoniten, GSSP, Fuentelsaz, Cabo Mondego, Opalinum-Zone und Schwäbische Alb.

Regionale süddeutsche Kontexte sind Aalen, Wasseralfingen, Opalinuston, Eisensandstein, Eisenoolith, Braunjura, Albvorland und Tiefer Stollen.

Beispiele: Das Aalenium bildet die älteste Stufe des Mitteljuras.

Beispiele: Die Basis des Aaleniums liegt nach heutiger numerischer Kalibrierung bei ungefähr 174,7 Millionen Jahren.

Beispiele: Das Aalenium folgt auf das Toarcium.

Beispiele: Auf das Aalenium folgt das Bajocium.

Beispiele: Die Basis des Aaleniums ist am GSSP von Fuentelsaz definiert.

Beispiele: Leioceras opalinum besitzt große Bedeutung für die biostratigraphische Gliederung des unteren Aaleniums.

Beispiele: Die Opalinuston-Formation repräsentiert in Baden-Württemberg hauptsächlich das Unter-Aalenium.

Beispiele: Bei Aalen treten Gesteine des Aaleniums großflächig zutage.

Beispiele: Eisenreiche Schichten des Ober-Aaleniums wurden im Raum Wasseralfingen bergmännisch genutzt.

Beispiele: Aalen ist die namensgebende historische Typlokalität, nicht jedoch der heutige GSSP der Stufenbasis.

Kollokationen und Kookkurrenzen

Typische Kollokationen sind Basis des Aaleniums, Obergrenze des Aaleniums, Unter-Aalenium, Ober-Aalenium, Aalenium-Stufe, Aalenium-Ammoniten, Aalenium-Fauna, Aalenium-Sedimente, Aalenium-Schichten, Aalenium-Grenze, Toarcium/Aalenium-Grenze und Aalenium/Bajocium-Grenze.

Typische Kookkurrenzen sind Jura, Mitteljura, Dogger, Braunjura, Toarcium, Bajocium, Opalinum, Murchisonae, Bradfordensis, Concavum, Ammonit, Leioceras, Ludwigia, Graphoceras, Fuentelsaz, Cabo Mondego, Aalen, Opalinuston und Eisensandstein.

In wissenschaftlichen Texten treten außerdem GSSP, Biozone, Chronozone, Subzone, Magnetostratigraphie, Nannofossilien, Korrelation, Fazies und Lithostratigraphie auf.

Oberbegriff

Zeit beziehungsweise Gesteinszeitordnung

→ geologische Zeitskala

→ Äon Phanerozoikum

→ Ära Mesozoikum

→ Periode/System Jura

→ Epoche/Serie Mitteljura

→ Alter/Stufe

→ Aalenium

Chronostratigraphisch:

Chronostratigraphische Einheit

→ System Jura

→ Serie Mitteljura

→ Stufe Aalenium

Geochronologisch:

Geochronologische Einheit

→ Periode Jura

→ Epoche Mitteljura

→ Alter Aalenium

Unterbegriffe

Das Aalenium besitzt in der globalen ICS-Hierarchie keine allgemein formalisierten weltweiten Unterstufen mit demselben Rang wie die Stufe selbst. Regional und biostratigraphisch werden jedoch Untergliederungen verwendet.

Unter-Aalenium – umfasst im süddeutschen beziehungsweise nordwesteuropäischen Gebrauch im Wesentlichen die Opalinum-Zone.

Ober-Aalenium – umfasst die Murchisonae-, Bradfordensis- und Concavum-Zone.

Opalinum-Zone – unterste wichtige Ammonitenzone.

Murchisonae-Zone – nach Ludwigia murchisonae benannte Zone.

Bradfordensis-Zone – biostratigraphischer Abschnitt des Ober-Aaleniums.

Concavum-Zone – oberste Standardzone des Aaleniums unmittelbar unter der Bajocium-Grenze.

Innerhalb dieser Zonen existieren weitere Subzonen und Ammonitenhorizonte, deren genaue Benennung regional variieren kann.

Wortfamilie

Zum unmittelbaren onymischen Umfeld gehören Aalen, Aalenien, Aalenian, Aalen-Stufe, Unter-Aalenium und Ober-Aalenium.

Zum geologisch-systematischen Wortfeld gehören Toarcium, Bajocium, Bathonium, Callovium, Mitteljura, Chronostratigraphie, Geochronologie, Stufe und Alter.

Zum regionalgeologischen Umfeld gehören Opalinuston, Eisensandstein, Murchisonaeoolith, Braunjura, Dogger und Schwäbische Alb.

Der Fischname Aal, das Verb aalen und andere echte Aal-Komposita gehören trotz gleicher Buchstabenfolge nicht zur etymologischen Wortfamilie des geologischen Namens.

Wortbildung

Aalenium ist keine gewöhnliche deutsche Zusammensetzung aus selbständigen Lexemen, sondern eine wissenschaftliche Namensbildung auf der Grundlage des Ortsnamens Aalen.

Der Ortsname wurde durch ein in der stratigraphischen Nomenklatur übliches internationales Formbildungsmuster zu einem Stufennamen erweitert.

Die Bildung ist damit vergleichbar mit Bajocium nach Bayeux, Oxfordium nach Oxford und Bathonium nach Bath.

Synchron kann die Form als Stamm Aalen- plus geologisches Suffix -ium analysiert werden.

Diachron ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Einführung im 19. Jahrhundert aus einer mehrsprachigen wissenschaftlichen Nomenklatur hervorging und verschiedene Formen wie Aalenien beziehungsweise Aalenian parallel entstanden.

Polysemie

Aalenium weist eine fachlich wichtige Doppelperspektive auf, die streng genommen keine gewöhnliche alltagssprachliche Polysemie, sondern eine systematische Entsprechung zwischen Chronostratigraphie und Geochronologie darstellt.

1. Chronostratigraphisch: Aalenium bezeichnet die älteste Stufe der Mitteljura-Serie, also die Gesamtheit der Gesteine, die während dieses Zeitintervalls gebildet wurden und der definierten Stufe zugeordnet sind.

2. Geochronologisch: Aalenium bezeichnet das entsprechende Alter, also den Zeitraum, in dem diese Gesteine entstanden.

Im deutschen Fachgebrauch wird in beiden Fällen häufig dieselbe Namensform verwendet, sodass die konkrete Bedeutung aus dem Satz hervorgeht.

Schichten des Aaleniums betont die chronostratigraphische Seite.

Im Aalenium lebten ... betont das geochronologische Zeitintervall.

Homonyme und Homographe

Das Fachwort Aalenium besitzt kein etabliertes gleichlautendes deutsches Homonym.

Es steht jedoch in einem auffälligen formalen Beziehungsfeld zu mehreren Wörtern mit Aal-/Aalen-.

Aalen ist zunächst der Eigenname der baden-württembergischen Stadt und zugleich die etymologische Grundlage des geologischen Namens.

Aalen kann außerdem als verkürzte Bezeichnung für das Aalenium verwendet werden.

Aalen ist daneben eine flektierte Form des Substantivs Aal, etwa in mit Aalen.

aalen ist außerdem ein Verb mit Bedeutungen wie „sich behaglich ausstrecken“.

Diese Wörter sind semantisch und größtenteils etymologisch voneinander zu unterscheiden.

Das Aalenium selbst ist ausschließlich über den Ortsnamen Aalen mit diesem Formenkreis verbunden.

Redewendungen und Sprichwörter

Mit Aalenium ist keine allgemeinsprachliche Redewendung und kein traditionelles Sprichwort verbunden.

Das Wort gehört ausschließlich beziehungsweise fast ausschließlich zur wissenschaftlichen und wissenschaftsnahen Sprache.

Phraseologische Wendungen mit Aal, etwa glatt wie ein Aal, besitzen keinen Zusammenhang mit dem Aalenium.

Auch das Verb sich aalen steht in keiner phraseologischen Beziehung zur geologischen Stufe.

Metaphern

Die Bezeichnung Aalenium ist keine Metapher, sondern ein nach einer geographischen Örtlichkeit gebildeter wissenschaftlicher Eigenname.

Metaphorische Formulierungen können in populärwissenschaftlichen Texten entstehen, etwa wenn das Aalenium als „Kapitel der Erdgeschichte“ oder „Zeitfenster des Mitteljuras“ bezeichnet wird.

Solche Bilder gehören jedoch zur Erklärung des Zeitbegriffs und nicht zur lexikalischen Grundbedeutung des Lemmas.

Auch die Vorstellung einer „Aalen-Stufe“ darf nicht mit einer räumlichen Stufe oder Treppe verwechselt werden. Stufe ist hier ein terminologischer Rang der Chronostratigraphie.

Metonymie

Eine wichtige fachsprachliche Metonymie besteht zwischen Zeit und Gesteinen.

Wenn von „Aalenium-Schichten“ gesprochen wird, bezeichnet der Zeitname die Gesteine, die während dieses Zeitintervalls abgelagert wurden.

Umgekehrt kann in Formulierungen wie das Aalenium von Aalen ein regionales Schichtpaket stellvertretend für die chronostratigraphische Einheit stehen.

Auch Fossilien können nach dem Zeitintervall bezeichnet werden: Aalenium-Ammoniten sind Ammoniten aus Gesteinen dieses Alters.

Die Stadt Aalen steht namengebend metonymisch für die charakteristischen regionalen Schichten, aus deren wissenschaftlicher Untersuchung die Stufenbezeichnung hervorging.

Register und Sprachstufe

Aalenium ist ein neutraler wissenschaftlicher Fachausdruck.

Das Register ist geologisch, stratigraphisch und paläontologisch.

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist das Wort selten, da die genaue Untergliederung des Mitteljuras außerhalb geowissenschaftlicher Kontexte nur selten benötigt wird.

In Schulgeologie, Naturkundemuseen, Geoparks, Fossilienkunde und regionalen geologischen Veröffentlichungen kann der Ausdruck jedoch auch populärwissenschaftlich verwendet werden.

Die Kurzform Aalen wirkt stärker fachintern beziehungsweise lexikographisch und besitzt aufgrund der Homonymie mit Stadtname und anderen Wörtern größere Verwechslungsgefahr.

Für eindeutige moderne Fachtexte ist Aalenium daher vorzuziehen.

Regionale Varianten

Das Aalenium selbst ist heute eine globale chronostratigraphische Einheit und keine regionale Stufe.

Regional unterscheiden sich jedoch die lithostratigraphischen Einheiten und biostratigraphischen Detailgliederungen, mit denen Aalenium-Schichten beschrieben werden.

Im süddeutschen Raum werden Opalinuston-, Achdorf-, Eisensandstein- und Murchisonaeoolith-Formation verwendet.

In anderen europäischen Sedimentbecken bestehen andere Formationsnamen.

Auch die historische Terminologie variiert.

In Süddeutschland waren Braunjura α, Braunjura β, Dogger α und Dogger β beziehungsweise ähnliche Systeme gebräuchlich.

Frankreich verwendet Aalénien, Italien Aaleniano, Polen aalen und Russland ааленский ярус.

Die unterschiedliche nationale Benennung ändert nichts an der international einheitlichen chronostratigraphischen Einheit.

Aktuelle Statistik

Lemma Aalenium
Stand September 2026
Internationale englische Bezeichnung Aalenian
System/Periode Jura
Serie/Epoche Mitteljura
Rang Stufe beziehungsweise entsprechendes Alter
Position im Mitteljura älteste von vier Stufen
Unmittelbar ältere Stufe Toarcium
Unmittelbar jüngere Stufe Bajocium
Numerisches Alter der Basis ca. 174,7 ± 0,8 Millionen Jahre
Numerisches Alter der Obergrenze ca. 170,9 ± 0,8 Millionen Jahre
Ungefähre Dauer ca. 3,8 Millionen Jahre
GSSP der Basis Fuentelsaz, Spanien, Basis von Schicht FZ 107
Koordinaten des basalen GSSP ca. 41°10′15″ N, 1°50′ W
Primärer Basismarker Erstauftreten der Ammonitenvergesellschaftung mit Leioceras opalinum und Leioceras lineatum
Ratifikation der Basis 2000
GSSP der Obergrenze Murtinheira-Sektion, Cabo Mondego, Portugal
Primärer Marker der Obergrenze Erstauftreten einer Ammonitenvergesellschaftung mit Hyperlioceras mundum und verwandten Arten
Ratifikation der Bajocium-Basis 1996
Namensgeber Stadt Aalen, Baden-Württemberg
Einführung des Namens Karl Mayer-Eymar, 1864
Wichtige Ammonitenzonen Opalinum, Murchisonae, Bradfordensis, Concavum

Die Alterswerte entsprechen der aktuell von der International Commission on Stratigraphy verwendeten numerischen Kalibrierung. Sie sind von der formalen Grenzdefinition zu unterscheiden und können bei zukünftigen Überarbeitungen der geologischen Zeitskala verändert werden.

Ältere Quellen nennen beispielsweise ungefähr 174,1 bis 170,3 Millionen Jahre oder noch ältere Zahlen. Solche Abweichungen spiegeln meist frühere Zeitskalen und nicht eine andere Bedeutung des Wortes Aalenium wider.

Häufigkeit und Statistik

Lemma Aalenium
Allgemeinsprachliche Häufigkeit gering
Geologische Fachsprache etablierter internationaler Standardterminus
Stratigraphische Verwendung sehr etabliert
Populärwissenschaftliche Verwendung regelmäßig in Jura-, Fossilien- und Regionalgeologie
Deutsche Parallelform Aalenien belegt, aber gegenüber Aalenium weniger dominant
Kurzform Aalen fachsprachlich belegt, jedoch homonymieanfällig
Absolute Gegenwartsfrequenz ohne definiertes Referenzkorpus nicht belastbar anzugeben

Eine bloße Internetsuche liefert keine belastbare Häufigkeitsstatistik, weil wissenschaftliche Aufsätze, Fossilienbörsen, historische Bücher, Stadtseiten zu Aalen und automatisch vervielfältigte Lexikoneinträge miteinander vermischt werden.

Qualitativ ist der Status eindeutig: Aalenium ist innerhalb der geologischen Fachsprache ein vollständig etablierter internationaler Terminus, außerhalb geowissenschaftlicher Zusammenhänge jedoch selten.

Wortbildung als Erstglied

Aalenium- ist in der geologischen Fachsprache produktiv und bildet zahlreiche transparente Komposita.

Aalenium-Stufe – ausdrücklich als chronostratigraphische Stufe bezeichnetes Aalenium.

Aalenium-Grenze – Grenzhorizont des Aaleniums; je nach Kontext Unter- oder Obergrenze.

Aalenium-Basis – Untergrenze der Stufe.

Aalenium-Ammonit – Ammonit aus dem Aalenium.

Aalenium-Fauna – Fossilgesellschaft dieses Zeitintervalls.

Aalenium-Sediment – Sediment beziehungsweise Sedimentgestein aaleniumzeitlichen Alters.

Aalenium-Schicht – chronostratigraphisch dem Aalenium zugeordnete Schicht.

Aalenium-Profil – stratigraphisches Profil mit Gesteinen des Aaleniums.

Aalenium-Stratigraphie – Untersuchung und Gliederung der Stufe.

Aalenium-Ammonitenzone – Ammonitenzone innerhalb der Stufe.

Aalenium/Bajocium-Grenze – Grenze zum nachfolgenden Bajocium.

Toarcium/Aalenium-Grenze – Basis des Aaleniums und zugleich Grenze Unterjura/Mitteljura.

Wortbildung als Letztglied

Das Element -ium ist in der deutschen geologischen Stufennomenklatur außerordentlich produktiv.

Aalenium – nach Aalen benannte Stufe.

Toarcium – nach Thouars in Frankreich benannte Stufe.

Bajocium – nach Bayeux benannte Stufe.

Bathonium – nach Bath in England benannte Stufe.

Callovium – nach einer englischen Ortsbezeichnung gebildeter Stufenname.

Oxfordium – nach Oxford benannte Stufe.

Kimmeridgium – nach Kimmeridge benannte Stufe.

Tithonium – mythologisch benannter Stufenname.

Das Suffix beziehungsweise internationale Formelement zeigt im Deutschen häufig einen chronostratigraphischen Stufennamen an, ist aber nicht ausschließlich auf Ortsnamen beschränkt.

Übersetzungen

Da Aalenium eine international standardisierte chronostratigraphische Einheit bezeichnet, sollten in den jeweiligen Sprachen die etablierten geologischen Fachformen verwendet werden. Eine freie Übersetzung des Ortsnamens ist nicht sinnvoll.

Altgriechisch: keine historische antike Entsprechung; das chronostratigraphische Konzept entstand erst in der modernen Geologie. In neogräziser Fachsprache wird eine modern gebildete Form verwendet.

Lateinisch: keine klassische antike Bezeichnung; neulateinisch beziehungsweise beschreibend etwa Aalenianum oder stadium Aalenianum, doch für internationale Fachkommunikation ist Aalenian vorzuziehen.

Italienisch: Aaleniano.

Französisch: Aalénien.

Spanisch: Aaleniense; daneben Aaleniano in einzelnen allgemeinen Übersetzungstraditionen, wobei Aaleniense der ICS-Sprachform entspricht.

Dänisch: Aalenium beziehungsweise in stratigraphischem Kontext eine entsprechende dänische Fachform des Aalenian.

Schwedisch: aalenium.

Norwegisch: aalen beziehungsweise aalenium je nach Fachtradition; für internationale Tabellen häufig Aalenian.

Finnisch: Aalen beziehungsweise beschreibend Aalen-vaihe; in internationaler Fachliteratur häufig Aalenian.

Polnisch: aalen.

Litauisch: beschreibend beziehungsweise fachsprachlich die nationale Form zum internationalen Aalenian; bei fehlender sicherer standardisierter Kurzform ist Aalenian als internationale Referenz eindeutig.

Estnisch: Aaleni in entsprechenden fachsprachlichen Bildungen; international Aalenian.

Lettisch: fachsprachliche nationale Ableitung des internationalen Namens; international eindeutig Aalenian.

Slowenisch: aalenij beziehungsweise entsprechende slowenische stratigraphische Form.

Slowakisch: aalen.

Rumänisch: aalenian.

Bulgarisch: аален beziehungsweise ааленски етаж.

Russisch: ааленский ярус, verkürzt аален.

Chinesisch: 阿连阶 beziehungsweise in Varianten 阿倫階/阿伦阶; gemeint ist die Aalenian Stage.

Japanisch: アーレニアン beziehungsweise アーレニアン期.

weitere sprachen: Englisch Aalenian; Niederländisch Aalenien; Portugiesisch Aaleniano, brasilianisch auch aalênio; Katalanisch aalenià; Tschechisch aalen; Ukrainisch ааленський ярус; Türkisch Aaleniyen; Neugriechisch Ααλένιο. Die englische Form Aalenian ist die zentrale internationale Referenzbezeichnung der ICS.

Web-links

International Commission on Stratigraphy – GSSP der Basis des Aaleniums bei Fuentelsaz

International Commission on Stratigraphy – GSSP der Aalenium/Bajocium-Grenze bei Cabo Mondego

International Subcommission on Jurassic Stratigraphy – GSSPs und Definitionen der Jurastufen

International Commission on Stratigraphy – Aktualisierung der numerischen Juragrenzen 2022

International Commission on Stratigraphy – Aktualisierung der International Chronostratigraphic Chart 2026

International Commission on Stratigraphy – internationale Namensformen Aalenian, Aalénien und Aaleniense

LGRBwissen Baden-Württemberg – Unterer Mitteljura: Aalenium, Opalinuston und Ober-Aalenium

LGRBwissen Baden-Württemberg – Mitteljura und regionale Stratigraphie

LGRBwissen Baden-Württemberg – Opalinuston-Formation

Stadt Aalen – Die Geologie Aalens und die namensgebende Aalenium-Stufe

Stadt Aalen – englische Darstellung der Geologie und des Aalenian

Duden Aussprachewörterbuch – Aussprache von Aalenium und Aalenien

Brockhaus – Aalenium: geologischer Lexikoneintrag

International Commission on Stratigraphy – Übersicht der Global Boundary Stratotype Sections and Points

weiterführende links

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