Giovanni Filippo Apolloni

Giovanni Filippo Apolloni, auch Appolloni oder Apollonio, * zwischen 1620 und 1630 in Arezzo, † im Mai 1688 ebenda, war ein italienischer Librettist, Dichter, Hofpoet und Autor von Texten für Oper, Oratorium, Serenata, Kantate, Prolog und Intermezzo. Er gehört zu den wichtigen Textdichtern der italienischen Barockoper zwischen Innsbruck, Florenz, Rom, Ariccia und Arezzo.

Überblick

Giovanni Filippo Apolloni ist eine zentrale, lange eher spezialistisch behandelte Figur der italienischen Opern- und Librettogeschichte des 17. Jahrhunderts. Er stammt aus Arezzo, wirkte zunächst im toskanisch-florentinischen Gelehrten- und Theatermilieu, dann am Hof Erzherzog Ferdinand Karls in Innsbruck und später im römisch-sienesischen Umfeld der Chigi. Seine Texte wurden von Komponisten wie Antonio Cesti, Alessandro Stradella, Alessandro Melani, Bernardo Pasquini, Pietro Simone Agostini, Antonio Masini und weiteren Musikern vertont.

Apolloni ist besonders durch die Libretti zu L’Argia und La Dori für Antonio Cesti bekannt. Beide Werke gehören zu jenen Opern des mittleren 17. Jahrhunderts, in denen höfische Repräsentation, venezianische Operndramaturgie, Verkleidungsspiel, Liebesintrige, politische Legitimation und komisch-tragische Mischform ineinandergreifen. La Dori wurde zu einem der erfolgreicheren Opernstoffe des 17. Jahrhunderts und zirkulierte weit über den ursprünglichen Innsbrucker Aufführungskontext hinaus. Apollonis Bedeutung liegt daher nicht nur in einzelnen Texten, sondern in der Vermittlung zwischen höfischer Festkultur und überregionaler Opernökonomie.

Eine zweite Wirkungslinie führt nach Rom. Dort bewegte sich Apolloni im aristokratischen Patronagefeld der Familien Chigi, Colonna und ihrer Theaternetzwerke. Besonders wichtig ist seine Zusammenarbeit mit Filippo Acciaiuoli. Gemeinsam beziehungsweise arbeitsteilig waren sie an mehreren Opern- und Bearbeitungsprojekten beteiligt, darunter Il Girello, L’empio punito, Il novello Giasone, Il Tirinto und L’Adalinda. L’empio punito, 1669 mit Musik von Alessandro Melani aufgeführt, gilt als die erste opernhafte Bearbeitung des Don-Juan-Stoffs und macht Apolloni zu einer Schlüsselfigur in der langen Vorgeschichte von Mozarts Don Giovanni.

Kurzdaten

Name Giovanni Filippo Apolloni.
Namensformen Giovanni Filippo Apolloni, Giovanni Filippo Appolloni, Giovanni Filippo Apollonio, Gio. Filippo Apolloni, G. F. Apolloni.
Geboren Zwischen 1620 und 1630 in Arezzo; in Teilen der Forschung auch um 1635 datiert.
Gestorben Im Mai 1688 in Arezzo; vielfach wird der 15. Mai 1688 genannt.
Beruf Librettist, Dichter, Hofpoet, Theaterautor und Verfasser von Opern-, Oratorien-, Serenaten-, Kantaten-, Prolog- und Intermezzotexten.
Herkunft Aretiner Dichter aus dem toskanischen Kulturraum.
Wirkungsorte Arezzo, Florenz, Innsbruck, Rom, Ariccia, Siena und das weitere Chigi- und Colonna-Netzwerk.
Akademisches Umfeld Accademia dei Percossi in Florenz, ein literarisch-künstlerischer Kreis um Salvator Rosa.
Hofdienst Ab 1653 im Dienst Erzherzog Ferdinand Karls von Österreich in Innsbruck; später im Umfeld von Kardinal Volumnio Bandinelli und der Familie Chigi.
Wichtige Komponisten Antonio Cesti, Alessandro Stradella, Alessandro Melani, Bernardo Pasquini, Pietro Simone Agostini, Antonio Masini, Paolo Petti, Jacopo Melani und weitere.
Hauptwerke L’Argia, Marte placato, La Dori, L’empio punito, Il novello Giasone, Il Tirinto, L’Adalinda, L’Alcasta, La Circe und La forza d’amore.
Kulturgeschichtliche Bedeutung Apolloni verbindet höfische Festoper, römische Aristokratenoper, venezianische Librettotradition, Chigi-Patronage, Don-Juan-Rezeption und das Textrepertoire der italienischen Barockoper.

Name, Datierung und Abgrenzung

Der Name Giovanni Filippo Apolloni erscheint in der Forschung und in Katalogen auch in den Schreibungen Appolloni und Apollonio. Diese Varianten sind für die Librettoüberlieferung des 17. Jahrhunderts nicht ungewöhnlich. Drucker, Kopisten, Impresari und spätere Bibliographen normalisierten Namen nicht einheitlich. Für die Datei und die sichtbare Lemmaform ist die heute gebräuchliche Form Giovanni Filippo Apolloni vorzuziehen; Such- und Quellenverweise sollten jedoch die Varianten Appolloni und Apollonio mitführen.

Die Lebensdaten sind nicht ganz einheitlich überliefert. Die hier gewählte Angabe zwischen 1620 und 1630 in Arezzo folgt der vorsichtigen Datierung des Lemmas. Mehrere moderne englisch- und italienischsprachige Nachweise nennen dagegen etwa 1635. Diese spätere Datierung ist in der Forschung diskutiert worden, weil Apolloni bereits in den 1650er Jahren als etablierter Hofpoet und Librettist erscheint. Der Tod ist sicherer zu fassen: Apolloni starb im Mai 1688 in Arezzo, häufig präzisiert auf den 15. Mai.

Wichtig ist die Abgrenzung vom älteren Aretiner Giovanni Apolloni, dem Madrigalisten um 1600. Beide tragen denselben Familiennamen, beide sind mit Arezzo verbunden, beide gehören in den weiteren Musikbereich, doch ihre Funktionen und Epochen unterscheiden sich. Giovanni Apolloni war Madrigalist und zeitweiliger Domkapellleiter; Giovanni Filippo Apolloni war Librettist und Dichter der Opern-, Oratorien- und Kantatenkultur des mittleren und späteren 17. Jahrhunderts.

Biographische Grundlinien

Giovanni Filippo Apolloni wurde in Arezzo geboren, einer toskanischen Stadt mit starker humanistischer, kirchlicher und musikalischer Tradition. Über seine frühe Ausbildung ist nur wenig Sicheres bekannt. Seine spätere Tätigkeit zeigt jedoch, dass er über eine solide literarische Bildung, sichere Kenntnis der italienischen Verssprache, dramatische Erfahrung und Zugang zu adeligen Netzwerken verfügte. Der Eintritt in die Accademia dei Percossi in Florenz verbindet ihn mit einem Kreis, in dem Dichtung, Satire, Musik, Malerei und Theater eng zusammenwirkten.

Die Accademia dei Percossi war mit Salvator Rosa verbunden und versammelte Künstler, Dichter und Musiker aus dem florentinisch-römischen Kulturraum. Zu ihrem weiteren Umfeld gehörten Figuren wie Giacinto Andrea Cicognini, Antonio Cesti, Antonio Abati und Lorenzo Lippi. Für Apolloni war dieses Umfeld entscheidend, weil hier jene Mischung aus gelehrter Literatur, Theaterwitz, höfischem Kontakt und dramatischer Praxis entstand, die sein späteres Librettoschaffen prägt.

1653 gelangte Apolloni an den Hof Erzherzog Ferdinand Karls von Österreich in Innsbruck. Die Empfehlung soll über hochrangige toskanische und mediceische Kontakte vermittelt worden sein. In Innsbruck arbeitete er als Hofpoet und schrieb für Antonio Cesti mehrere zentrale Texte: L’Argia, Marte placato beziehungsweise Mars und Adonis, die Innsbrucker Bearbeitung von Orontea und La Dori. Diese Werke entstanden in einem höfischen Rahmen, in dem Oper nicht bloß Unterhaltung war, sondern Repräsentation, Festkultur, dynastische Selbstdarstellung und diplomatisches Ereignis.

Nach seiner Innsbrucker Zeit kehrte Apolloni nach Italien zurück. Er trat in den Dienst von Kardinal Volumnio Bandinelli und später in das Umfeld der Familie Chigi. Die Chigi gehörten zu den bedeutendsten römischen und sienesischen Adelsfamilien des 17. Jahrhunderts. Ihr Netzwerk verband Kardinäle, Fürsten, Theaterliebhaber, Musiker, Dichter, Sänger und Impresari. Apolloni arbeitete nun in einem Milieu, in dem höfische Oper, private Palastaufführung, römisches Theater, venezianische Librettoimporte und aristokratische Patronage ineinandergriffen.

In Rom und Ariccia begegnet besonders die Zusammenarbeit mit Filippo Acciaiuoli. Acciaiuoli war Librettist, Theaterorganisator, Maschinenkundiger und Vermittler zwischen venezianischer Oper, römischem Adel und der Theaterkultur um Königin Christina von Schweden. Apolloni und Acciaiuoli bildeten zeitweise ein arbeitsteiliges Autorengespann: Der eine lieferte Sujet, Bearbeitung oder theatralische Anlage, der andere versifizierte, glättete, ergänzte oder dramatisch formte. Diese Arbeitsweise entspricht der Opernpraxis des 17. Jahrhunderts, in der Librettoautorschaft häufig kollaborativ, adaptierend und situationsbezogen war.

Apolloni blieb bis zu seinem Tod mit dem Chigi-Umfeld verbunden. Er starb im Mai 1688 in Arezzo. Sein Nachruhm beruht vor allem auf den Texten für Cesti, Melani, Stradella und Pasquini sowie auf seiner Stellung in der römisch-internationalen Opernwelt der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Ausführlicher Kulturüberblick

Apollonis Werk gehört in eine Phase, in der die italienische Oper ihre Formen, Stoffe und Produktionsweisen rasch ausweitete. Seit der Eröffnung öffentlicher Opernhäuser in Venedig ab 1637 war Oper nicht mehr allein höfisches Experiment, sondern auch kommerziell organisierte Theaterkunst. Gleichzeitig blieb die höfische Festoper in Städten wie Innsbruck, Florenz, Wien, Rom, Parma und Mantua weiterhin ein wichtiges Medium politischer Repräsentation. Apolloni steht genau zwischen diesen Welten: Seine Texte konnten höfische Feste tragen, aber auch in Formen übergehen, die auf Wiederaufnahme, Bearbeitung und überregionale Zirkulation angelegt waren.

Das Libretto des 17. Jahrhunderts war kein bloßer Textträger für Musik. Es war ein eigenständiges, gedrucktes, verkäufliches und erinnerbares Kulturmedium. Libretti wurden vor, während oder nach Aufführungen gelesen, gesammelt, verschenkt und archiviert. Sie enthielten Widmungen, Argumente, Szenenübersichten, Rollenlisten, Prologe und manchmal Hinweise auf die Aufführungssituation. Ein Librettist wie Apolloni war daher nicht nur ein Lieferant singbarer Verse, sondern ein Dramaturg, Rhetoriker, politischer Vermittler und Autor im Schnittfeld von Bühne, Musik, Druck und Patronage.

Apollonis Texte zeigen die typischen dramaturgischen Verfahren der barocken Oper: Verkleidung, falsche Identität, verschobene Liebesbeziehungen, gekreuzte Paare, Intrige, Herrschermilde, Konflikt zwischen Pflicht und Affekt, komische Nebenhandlung, exotische oder antikische Schauplätze, Prologe mit allegorischen Figuren und eine starke Neigung zur episodischen, zugleich kunstvoll verschränkten Handlung. Diese Verfahren wirkten nicht als bloße Konvention, sondern als soziale und theatralische Maschine. Sie ermöglichten, politische Ordnung, Liebeschaos und musikalische Affektdarstellung zugleich auf die Bühne zu bringen.

Kulturgeschichtlich besonders bedeutend ist die räumliche Bewegung seiner Karriere. Arezzo und Florenz stehen für die toskanische Akademie- und Dichterkultur, Innsbruck für den habsburgisch-mediceischen Hofraum, Rom und Ariccia für die aristokratische Opernpatronage der Chigi, Colonna und ihrer Verbündeten. Apolloni ist daher nicht als rein lokaler Autor zu verstehen. Er gehört zu einem mobilen italienischen Kulturtypus: dem höfisch vernetzten Librettisten, dessen Texte durch Musik, Druck, Hof, Theater und Adelskommunikation verschiedene Städte und politische Räume verbinden.

Im weiteren Sinn steht Apolloni auch für die Professionalisierung des Operntextes. Frühere Opernlibretti waren oft stark an konkrete höfische Anlässe gebunden. Im mittleren 17. Jahrhundert entstand ein Repertoire von Stoffen, Textmodellen und dramatischen Mustern, die wiederverwendet, bearbeitet, gekürzt, ergänzt und neu vertont werden konnten. Apollonis La Dori, L’Argia, seine Bearbeitung von Orontea und die Acciaiuoli-Apolloni-Projekte gehören in diese Kultur der Wiederaufnahme und Transformation.

Innsbruck, Cesti und höfische Festoper

Apollonis Innsbrucker Tätigkeit ist der erste große Abschnitt seines bekannten Schaffens. Der Hof Erzherzog Ferdinand Karls war in den 1650er Jahren ein wichtiger Ort italienisch geprägter Opernkultur nördlich der Alpen. Mit Antonio Cesti stand dort einer der bedeutendsten Opernkomponisten des Jahrhunderts zur Verfügung. Apolloni lieferte für ihn Texte, die höfische Repräsentation und venezianisch beeinflusste Dramatik miteinander verbanden.

L’Argia wurde 1655 in Innsbruck aufgeführt. Das Werk gehört in den Festkontext um den Durchzug beziehungsweise die Reise Königin Christinas von Schweden nach Rom. Solche Aufführungen waren nicht nur musikalische Ereignisse, sondern politische Bilder. Sie zeigten die Macht, Kunstliebe und kosmopolitische Reichweite des Hofes. Apollonis Libretto musste daher mehrere Aufgaben zugleich erfüllen: Es sollte unterhalten, glänzen, allegorisch wirken, eine komplexe Handlung tragen und musikalische Affekte ermöglichen.

Marte placato beziehungsweise Mars und Adonis ist ebenfalls mit dem Innsbrucker Festkontext verbunden. Der mythologische Stoff erlaubte die Verbindung von Liebe, Krieg, Friedenssymbolik und höfischer Allegorie. Die Bearbeitung von Orontea zeigt eine andere Seite Apollonis: Er war nicht nur Originalautor, sondern auch Bearbeiter. Er übernahm einen bereits erfolgreichen Stoff von Giacinto Andrea Cicognini, passte ihn an den Innsbrucker Kontext an und versah ihn mit einem neuen Prolog. Diese Fähigkeit zur situationsbezogenen Umarbeitung war für den Librettisten des 17. Jahrhunderts entscheidend.

La Dori von 1657 wurde zu Apollonis dauerhaft wirkungsmächtigstem Text. Die Handlung arbeitet mit Verkleidungen, Geschlechtermaskierungen, verschobenen Identitäten und Liebesverwirrungen. Gerade diese Mischung aus hoher Intrige und komisch-flexibler Bühnenlogik machte das Werk aufführungsfähig und wiederverwendbar. Dass La Dori später mehrfach aufgeführt und bearbeitet wurde, zeigt, dass Apolloni hier einen Stofftypus fand, der über den einmaligen Hofanlass hinaus funktionierte.

Rom, Chigi, Colonna und Acciaiuoli

Nach Innsbruck rückte Apolloni in das römische und sienesische Umfeld der Chigi ein. Dort arbeitete er in einem aristokratischen Netzwerk, in dem Kardinäle, Fürsten, Sänger, Impresari, Dichter und Komponisten Oper als soziale und politische Kunstform pflegten. Die Chigi und die Colonna waren dabei eng mit den kulturellen Ambitionen Roms verbunden. Christina von Schweden, die nach ihrer Abdankung und Konversion in Rom lebte, verstärkte diese Theaterkultur zusätzlich.

In diesem Milieu arbeitete Apolloni mit Filippo Acciaiuoli zusammen. Die Zusammenarbeit ist für das Verständnis der römischen Oper besonders wichtig, weil sie nicht dem modernen Ideal eines einzelnen Autors folgt. Libretti wurden aus älteren Stoffen, spanischen Komödien, venezianischen Erfolgsopern, antiken Sujets und höfischen Anforderungen zusammengesetzt. Acciaiuoli konnte als Theaterpraktiker, Bearbeiter und Maschinenkundiger wirken; Apolloni konnte die poetische, metrische und dramatische Ausformung übernehmen. Das Ergebnis war eine flexible Werkstatt der Operntextproduktion.

Die Accademia degli Sfaccendati, die 1672 im Chigi-Umfeld entstand, bildet den institutionellen Höhepunkt dieser privaten Theaterkultur. Sie sollte Opern für den Chigi-Palast in Ariccia hervorbringen. Apolloni war an diesem Kreis beteiligt, und gemeinsam mit Acciaiuoli entstanden dort Projekte wie Il Tirinto und L’Adalinda. Solche sogenannten Landhausopern zeigen, wie stark Oper im 17. Jahrhundert nicht nur an öffentliche Theater, sondern auch an aristokratische Villen, Paläste und saisonale Festzusammenhänge gebunden war.

Libretto, Dramaturgie und barocke Textkunst

Apollonis Librettokunst beruht auf einer präzisen Beherrschung barocker Bühnentechnik. Seine Texte nutzen klare metrische Gliederungen, rasche Szenenwechsel, affektreiche Arienanlässe, dialogische Zuspitzungen und komplizierte Vorhandlungen. Gerade die langen Vorreden und Argumente mancher Libretti zeigen, dass der barocke Zuschauer häufig in eine bereits komplexe Vorgeschichte eingeführt werden musste. Oper begann nicht erst mit dem ersten Auftritt, sondern mit einer gedruckten Lektüre, die die Bühne vorbereitete.

Ein wichtiges Verfahren ist das Spiel mit Identität. Figuren erscheinen unter falschem Namen, in anderer Kleidung, mit verschwiegenen Beziehungen oder in Verkennung der eigenen Lage. Diese Identitätsdramaturgie ist nicht bloß komisch. Sie erlaubt, die barocke Frage nach Schein und Sein, Rolle und Wahrheit, Liebe und Staatsräson theatralisch auszuspielen. Musik verstärkt diese Logik, weil Rezitativ, Arie, Ensemble und instrumentale Begleitung jeweils andere Schichten der Figur sichtbar machen können.

Apolloni gehört zu den Librettisten, die die Oper als Kunst der vermittelten Affekte verstehen. Ein guter Operntext muss nicht nur erzählen, sondern musikalische Momente erzeugen. Er muss Situationen schaffen, in denen Liebe, Zorn, Eifersucht, Schlaf, Traum, Gefangenschaft, Wahnsinn, Treue, Verstellung und Erkenntnis singbar werden. Darin liegt seine Nähe zu Cesti und Stradella: Beide Komponisten brauchten Texte, die musikalische Empfindung nicht hemmen, sondern freisetzen.

L’empio punito und die frühe Don-Juan-Oper

L’empio punito nimmt in Apollonis Werk eine Sonderstellung ein. Das 1669 in Rom aufgeführte dramma musicale mit Musik von Alessandro Melani gilt als erste Opernbearbeitung des Don-Juan-Stoffs. Der Stoff geht auf die spanische Tradition um Tirso de Molinas El burlador de Sevilla y convidado de piedra zurück, gelangte aber über verschiedene italienische Fassungen, commedia-dell’arte-nahe Überlieferungen und Bearbeitungen in den römischen Opernkontext.

Das Werk entstand in Zusammenarbeit mit Filippo Acciaiuoli. Die Quellenlage beschreibt häufig eine Arbeitsteilung, bei der Acciaiuoli den Stoff beziehungsweise die theatrale Grundlage lieferte und Apolloni die versifizierte Librettoform ausarbeitete. Entscheidend ist, dass der Don-Juan-Mythos hier noch nicht in der später bekannten Form erscheint. Die Handlung ist in eine pseudoantike Welt verlegt, die Figuren tragen andere Namen, und die Oper verbindet moralische Bestrafung, Liebesverwicklungen, komische Elemente und spektakuläre Erscheinungen.

Für die Kulturgeschichte ist L’empio punito wichtig, weil es die spätere europäische Don-Juan-Tradition vor Mozart und Da Ponte dokumentiert. Die Oper zeigt, dass Don Juan nicht erst im 18. Jahrhundert musikalisch wurde. Schon im römischen Barocktheater wurde der Stoff an die Bedingungen der Oper angepasst: Er erhielt Arien, Rezitative, Bühnenmaschinen, Affektkontraste, moralische Schlusspointe und ein Geflecht aus Nebenfiguren. Apollonis Anteil macht ihn damit zu einem frühen Textzeugen einer der langlebigsten europäischen Bühnenmythen.

Oratorium, Serenata, Kantate und kleinere Formen

Apollonis Werk beschränkt sich nicht auf Opernlibretti. Die Forschung verweist ausdrücklich auf Texte für kleinere Formen, Kantaten, Prologe, Intermezzi, Oratorien und Opern. Diese Breite ist typisch für den barocken Dichter im Dienst von Höfen und aristokratischen Haushalten. Er musste nicht nur große Dreiakter liefern, sondern auch Gelegenheitsdichtungen, musikalische Begrüßungen, allegorische Prologe, geistliche Stoffe und kleinere dialogische Texte.

Die Serenata stand zwischen Oper, Kantate und festlicher Huldigung. Sie eignete sich für Villen, Paläste, Geburtstage, Hochzeiten, diplomatische Empfänge und geistlich-weltliche Festkontexte. La Circe, von Alessandro Stradella vertont, gehört in diesen Bereich. Solche Werke waren oft kürzer und konzentrierter als Opern, konnten aber allegorisch und musikalisch sehr anspruchsvoll sein.

Das Oratorium verlangte eine andere Textökonomie. Hier ging es um biblische oder geistliche Stoffe, die ohne szenische Inszenierung, aber mit dramatischem Dialog, Erzähllogik und Affektdarstellung musikalisch gestaltet wurden. Apollonis Oratorientexte wie Caino e Abele, Iefte, Il sacrificio d’Abramo und L’Assalonne zeigen, dass er auch die geistliche Dramaturgie beherrschte. Die Grenze zwischen Oper und Oratorium war im 17. Jahrhundert nicht absolut: Beide Formen arbeiteten mit Rollen, Konflikt, Affekt, Rezitativ und Arie, unterschieden sich aber in Aufführungssituation, Stoffwahl und theatralischer Sichtbarkeit.

Rezeption und Wirkung

Apollonis unmittelbare Wirkung zeigt sich an der Wiederverwendung seiner Texte. La Dori und L’Argia wurden im 17. Jahrhundert weitergespielt, bearbeitet und neu kontextualisiert. La Dori blieb besonders erfolgreich und wurde noch nach Apollonis Tod in neuen musikalischen Zusammenhängen aufgegriffen. Diese Zirkulation ist für die Operngeschichte wichtiger als eine moderne Autorvorstellung, die jedes Libretto nur an eine einzige Vertonung bindet. Im 17. Jahrhundert konnten Opernstoffe wandern, sich verwandeln und in neuen Städten neue Funktionen übernehmen.

In der modernen Forschung ist Apolloni vor allem dort wieder stärker sichtbar geworden, wo Opernpatronage, römische Aristokratenoper, Chigi-Netzwerke, Don-Juan-Rezeption, Cesti-Forschung und Stradella-Forschung zusammenkommen. Er erscheint nicht mehr nur als Name auf einem Titelblatt, sondern als Akteur eines dichten kulturellen Systems. Dieses System verband höfische Diplomatie, private Theaterakademien, öffentliche Opernhäuser, Sängerkarrieren, Librettodruck, Korrespondenz und musikalische Wiederverwendung.

Für ein Kulturlexikon ist Apolloni deshalb ein besonders geeignetes Lemma. Er zeigt, dass die Barockoper nicht allein durch Komponisten zu verstehen ist. Ohne Librettisten, Impresari, Mäzene, Drucker, Sänger und akademische Kreise wäre die Oper des 17. Jahrhunderts nicht denkbar. Apolloni steht exemplarisch für die literarische Seite einer Gattung, die im Zusammenspiel von Text, Musik, Bühne und sozialer Repräsentation entsteht.

Werkverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis ist als Libretto- und Textverzeichnis angelegt. Es nennt Opern, Bearbeitungen, Prologe, Intermezzi, Serenaten, Oratorien, Kantaten und kleinere Formen, soweit sie in der herangezogenen Forschung und in digitalen Fachquellen greifbar sind. Bei Apolloni ist zu beachten, dass die Autorschaft häufig kollaborativ ist: Manche Texte sind Bearbeitungen älterer Libretti, manche entstanden gemeinsam mit Filippo Acciaiuoli, manche wurden von verschiedenen Komponisten erneut vertont oder in späteren Aufführungskontexten umgearbeitet.

L’Argia 1655; Oper beziehungsweise dramma per musica in Prolog und drei Akten; Musik von Antonio Cesti; Innsbruck. Das Libretto gehört zu Apollonis zentralen Innsbrucker Hoftexten und entstand im festlichen Umfeld des habsburgisch-mediceischen Opernbetriebs.
Marte placato / Mars und Adonis 1655; azione teatrale beziehungsweise höfische Festform; Musik von Antonio Cesti; Innsbruck. Der mythologische Stoff verbindet Krieg, Liebe und höfische Friedensallegorie.
Orontea 1656; Innsbrucker Bearbeitung und neuer Prolog zu einem Libretto von Giacinto Andrea Cicognini; Musik von Antonio Cesti. Apollonis Anteil liegt in der Adaption, Umarbeitung und Kontextualisierung für den Innsbrucker Hof.
La Dori / Lo schiavo regio 1657; dramma per musica in Prolog und drei Akten; Musik von Antonio Cesti; Innsbruck. Das Werk wurde eines der erfolgreichsten Apolloni-Libretti und zirkulierte in mehreren Aufführungs- und Bearbeitungskontexten.
Il Girello 1668; dramma musicale burlesco beziehungsweise Oper in Prolog und drei Akten; Text von Filippo Acciaiuoli, von Giovanni Filippo Apolloni überarbeitet oder mitgestaltet; Musik von Jacopo Melani, Prolog von Alessandro Stradella; Rom. Das Werk gehört in das römische Theatermilieu um Colonna, Chigi und Christina von Schweden.
La Circe 1668; Serenata beziehungsweise musikalische Festform; Text von Giovanni Filippo Apolloni; Musik von Alessandro Stradella; Frascati, Villa Aldobrandini. Das Werk gehört zu Apollonis Zusammenarbeit mit Stradella und zur aristokratischen Festkultur des römischen Umlands.
L’empio punito 1669; dramma musicale in drei Akten; Libretto von Giovanni Filippo Apolloni auf Grundlage beziehungsweise in Zusammenarbeit mit Filippo Acciaiuoli nach dem Don-Juan-Stoff; Musik von Alessandro Melani; Rom, Teatro di Palazzo Colonna. Das Werk gilt als erste Opernbearbeitung des Don-Juan-Mythos.
Il novello Giasone 1671; Bearbeitung von Giacinto Andrea Cicogninis Giasone für den römischen Kontext; Mitarbeit beziehungsweise Umarbeitung durch Giovanni Filippo Apolloni und Filippo Acciaiuoli; Musikgrundlage Francesco Cavalli, ergänzt beziehungsweise bearbeitet im Umfeld von Alessandro Stradella. Das Werk zeigt Apollonis Rolle in der Adaption venezianischer Erfolgsopern für Rom.
Scipione affricano 1671; römische Wiederaufnahme beziehungsweise Bearbeitung eines venezianischen Opernstoffs; Apolloni wird im Zusammenhang mit Prolog und Intermezzi genannt, darunter der Prolog Fermate, ormai, fermate sowie Intermezzi im Tordinona-Kontext. Der Zusammenhang zeigt seine Mitarbeit an römischen Opernimporten und Aufführungsanpassungen.
Caino e Abele 1671; Oratorium beziehungsweise geistlicher dramatischer Text; Musik von Bernardo Pasquini. Das Werk zeigt Apollonis Tätigkeit im Bereich biblischer und geistlicher Dramaturgie.
L’Alcasta 1673; Oper beziehungsweise dramma per musica; Libretto von Giovanni Filippo Apolloni; Musik von Bernardo Pasquini; römisch-chigianischer Aufführungskontext. Das Werk ist für die Forschung zur Opernpatronage zwischen Rom und Venedig besonders wichtig.
Il Tirinto 1672 beziehungsweise 1673; Oper in drei Akten; Libretto von Giovanni Filippo Apolloni und Filippo Acciaiuoli; Aufführung im Chigi-Palast beziehungsweise im Ariccia-Kontext der Accademia degli Sfaccendati. Das Werk steht exemplarisch für die privaten aristokratischen Landhausopern der Chigi.
L’Adalinda 1673; Oper in drei Akten; Libretto von Giovanni Filippo Apolloni und Filippo Acciaiuoli; Musik von Pietro Simone Agostini; Ariccia. Das Werk gilt als eine der letzten aufwendigeren Produktionen der Chigi-Landhausoper in diesem Rahmen.
Iefte 1675; Oratorium beziehungsweise geistliches Libretto; Musik von Antonio Masini; später auch von Giovan Battista Tomasi vertont. Der Stoff gehört zur alttestamentlichen Opfer- und Gelübdedramatik, die im römischen Oratorium besonders geeignet war.
Il sacrificio d’Abramo 1675; Oratorium beziehungsweise geistliches Libretto; Musik von Antonio Masini. Der Abraham-Isaak-Stoff erlaubt eine dramatische Verbindung von Gehorsam, Opfer, Vater-Sohn-Konflikt und göttlicher Prüfung.
La forza d’amore 1679; Oper beziehungsweise pastorales Bühnenwerk in drei Akten; Libretto von Giovanni Filippo Apolloni; Musik von Bernardo Pasquini; Florenz, Villa di Pratolino. Das Werk gehört zu Apollonis spätem Opernschaffen und reduziert den großen Opernapparat auf eine intimere pastorale Form.
L’Assalonne 1681; Oratorium beziehungsweise geistlicher dramatischer Text; Musik von Paolo Petti. Der Absalom-Stoff verbindet biblische Familienkatastrophe, Aufruhr, Königsmacht und Affektdramatik.
Kantatentexte für Antonio Cesti Innsbrucker und späterer Zusammenhang; Apolloni verfasste beziehungsweise lieferte Texte für kleinere vokale Formen, die von Cesti vertont wurden. Die genaue Titelkonkordanz ist in Spezialverzeichnissen und Handschriftenkatalogen zu prüfen.
Kantatentexte für Alessandro Stradella Römischer und aristokratischer Zusammenhang; Apollonis Texte wurden von Stradella auch außerhalb großer Bühnenwerke vertont. Dazu gehört das weitere Feld weltlicher Kantaten, Serenaten und festlicher Kammerdramaturgie.
Prologe und Intermezzi Apolloni arbeitete an Prologen, Intermezzi und einleitenden allegorischen Formen, besonders in Bearbeitungs- und Wiederaufführungskontexten. Diese Texte dienten der Anpassung vorhandener Opern an neue Orte, neue Mäzene und neue politische Situationen.
Kleine Formen und Gelegenheitsdichtungen Die Forschung verweist auf Texte für kleine Formen, Kantaten, Prologe und Intermezzi. Sie sind für Apollonis Funktion als Hofpoet wichtig, weil sie zeigen, dass seine Arbeit nicht auf große Opernlibretti beschränkt war.
Autobiographisch gefärbte Gedichte Ein Teil der Forschung rekonstruiert Apollonis Leben auch anhand einzelner ausdrücklich autobiographisch lesbarer Gedichte. Diese Texte sind für die Biographie wichtig, doch ihre genaue Auflistung bedarf der Spezialbibliographie.
Gedruckte Libretti und Wiederaufnahmen Mehrere Apolloni-Libretti wurden gedruckt, wiederaufgeführt, bearbeitet oder neu vertont. Besonders La Dori, L’Argia, L’Alcasta und L’empio punito sind für die Druck-, Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte der Barockoper von besonderer Bedeutung.

Sekundärliteratur

  • Bianconi, Lorenzo: Il Seicento. Turin 1982. Grundlegender Überblick zur italienischen Musik und Oper des 17. Jahrhunderts, wichtig für Apollonis Gattungsumfeld.
  • Bianconi, Lorenzo und Thomas Walker: Production, Consumption and Political Function of Seventeenth-Century Opera. In: Early Music History, 4, 1984. Grundlegende Studie zur politischen, sozialen und ökonomischen Funktion der Oper im 17. Jahrhundert.
  • De Lucca, Valeria: Opera e mecenatismo tra Roma e Venezia nella seconda metà del Seicento. In: La musique à Rome au XVIIe siècle. Rom 2012. Wichtige Studie zur Opernpatronage zwischen Rom und Venedig, mit besonderer Bedeutung für L’Alcasta und die Chigi-Colonna-Netzwerke.
  • Gianturco, Carolyn: Alessandro Stradella, 1639–1682: His Life and Music. Oxford 1994. Grundlegende Stradella-Monographie, wichtig für Apollonis römische Texte und seine Zusammenarbeit mit Stradella.
  • Glixon, Beth L. und Jonathan E. Glixon: Inventing the Business of Opera: The Impresario and His World in Seventeenth-Century Venice. Oxford 2006. Kontextwerk zur Opernproduktion, zum Librettodruck, zu Impresari und zur Theaterökonomie des 17. Jahrhunderts.
  • Heckendorff, Nastasia: Review zu Luca Della Liberas Edition von L’empio punito. In: Journal of Seventeenth-Century Music, 30/1, 2024. Neuere wissenschaftliche Einordnung von L’empio punito, Don-Juan-Rezeption und römischer Operndramaturgie.
  • Kimbell, David R. B.: Italian Opera. Cambridge 1991. Breite Darstellung der italienischen Operngeschichte mit wichtigem Kontext zu Cesti, venezianischer Dramaturgie und Librettoformen.
  • Murata, Margaret: Studien zur römischen Kantate, Serenata und Oper im 17. Jahrhundert. Wichtiger Forschungsrahmen für Apollonis Tätigkeit in Rom, im Chigi-Umfeld und in kleineren musikalischen Formen.
  • Piperno, Franco: Arbeiten zu Opernproduktion, Mäzenatentum und Aufführungspraxis bis 1780. Grundlegend für die soziale und institutionelle Einordnung von Apollonis Theatertexten.
  • Reardon, Colleen: A Sociable Moment: Opera and Festive Culture in Baroque Siena. Oxford 2016. Kontextualisiert die Fest-, Hof- und Gesellschaftskultur, in der Apolloni als Dichter des Chigi- und toskanischen Umfelds verstanden werden kann.
  • Rosand, Ellen: Opera in Seventeenth-Century Venice: The Creation of a Genre. Berkeley 1991. Standardwerk zur Entstehung der venezianischen Oper, deren Stoff- und Librettomodelle Apollonis römische und Innsbrucker Arbeit berühren.
  • Walker, Thomas: Apolloni, Giovanni Filippo. In: Grove Music Online. Fachlexikalischer Kernartikel zu Biographie, Datierung, Werken und Apollonis Stellung als Librettist.
  • Walker, Thomas: Studien zu italienischen Opernlibretti des 17. Jahrhunderts. Wichtige Forschungsgrundlage zur Dramaturgie, Librettozirkulation und Textpraxis der Barockoper.
  • Weaver, Robert Lamar und Norma Wright Weaver: Arbeiten zu Cesti, Innsbruck und der italienischen Hofoper. Hilfreich für Apollonis Innsbrucker Phase und die Aufführungskontexte von L’Argia und La Dori.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Filippo Acciaiuoli Librettist, Theaterorganisator und enger Mitarbeiter Apollonis in mehreren römischen Opernprojekten.
  • Accademia degli Sfaccendati Chigi-nahe Theaterakademie, in deren Umfeld Apolloni und Acciaiuoli Landhausopern für Ariccia schufen.
  • Accademia dei Percossi Florentinischer Kreis um Salvator Rosa, in dem Apolloni literarisch und künstlerisch vernetzt war.
  • Pietro Simone Agostini Komponist, der im Umfeld der Chigi-Oper mit Apolloni-Texten verbunden ist.
  • Giovanni Apolloni Aretiner Madrigalist um 1600, vom späteren Librettisten Giovanni Filippo Apolloni zu unterscheiden.
  • Arezzo Geburts- und Sterbeort Giovanni Filippo Apollonis sowie Herkunftsort mehrerer Musiker und Dichter gleichen Namensumfelds.
  • Ariccia Chigi-Residenz und Aufführungsort privater aristokratischer Opernprojekte der 1670er Jahre.
  • Barockoper Gattungskontext, in dem Apollonis Texte zwischen höfischem Fest, öffentlichem Theater und aristokratischer Privatoper stehen.
  • Volumnio Bandinelli Kardinal und Patron, in dessen Dienst Apolloni nach der Innsbrucker Zeit trat.
  • Antonio Cesti Komponist von L’Argia, La Dori und weiteren Apolloni-Texten im Innsbrucker Hofkontext.
  • Chigi Römisch-sienesische Adelsfamilie, deren Patronage für Apollonis spätere Laufbahn entscheidend wurde.
  • Flavio Chigi Kardinal und zentraler Patron des römischen Theater- und Musiklebens, in dessen Umfeld Apolloni wirkte.
  • Christina von Schweden Königin und römische Mäzenin, deren kulturelles Umfeld für L’Argia, L’empio punito und die römische Oper wichtig ist.
  • Giacinto Andrea Cicognini Librettist von Orontea und Giasone, dessen Texte Apolloni bearbeitete oder in neuen Kontexten weiterführte.
  • Colonna Römische Adelsfamilie, deren Palast- und Theaterkontext für L’empio punito bedeutsam war.
  • Don Juan Europäischer Bühnenmythos, dessen erste Opernbearbeitung mit L’empio punito und Apolloni verbunden ist.
  • Dramma per musica Barocke Opernform, in der Apollonis wichtigste Libretti entstanden.
  • Ferdinand Karl von Österreich Erzherzog und Innsbrucker Hofherr, in dessen Dienst Apolloni ab 1653 wirkte.
  • Innsbruck Hof- und Opernzentrum, an dem Apolloni seine wichtigsten frühen Libretti für Antonio Cesti schrieb.
  • Intermezzo Kurze theatralisch-musikalische Zwischenform, zu der Apolloni im Bearbeitungs- und Aufführungskontext beitrug.
  • La Dori Opernlibretto Apollonis für Antonio Cesti und eines der erfolgreichsten Werke seiner Textproduktion.
  • L’Argia Innsbrucker Opernlibretto Apollonis für Antonio Cesti aus dem höfischen Festkontext von 1655.
  • L’empio punito Dramma musicale von Alessandro Melani auf ein Libretto von Apolloni und Acciaiuoli, erste Opernbearbeitung des Don-Juan-Stoffs.
  • Libretto Gedruckter und gesungener Operntext, dessen dramaturgische und literarische Funktion Apollonis Werk exemplarisch zeigt.
  • Alessandro Melani Komponist von L’empio punito, dessen Libretto mit Apolloni und Acciaiuoli verbunden ist.
  • Oper Hauptgattung Apollonis, verstanden als Verbindung von Libretto, Musik, Bühne, Patronage und Druck.
  • Oratorium Geistliche dramatische Gattung, für die Apolloni mehrere biblische Stoffe bearbeitete.
  • Orontea Opernstoff von Cicognini, den Apolloni für den Innsbrucker Hof bearbeitete.
  • Bernardo Pasquini Komponist von Apolloni-Texten wie Caino e Abele, L’Alcasta und La forza d’amore.
  • Prolog Allegorische Eröffnungsform der Barockoper, die Apolloni in mehreren Bearbeitungskontexten gestaltete.
  • Salvator Rosa Maler, Dichter und Zentrum der Accademia dei Percossi, zu deren Umfeld Apolloni gehörte.
  • Rom Zentrum von Apollonis späterem Wirken im Umfeld von Chigi, Colonna, Acciaiuoli und Christina von Schweden.
  • Serenata Festliche musikalisch-dramatische Form zwischen Kantate und Oper, die Apolloni in La Circe vertrat.
  • Alessandro Stradella Komponist mehrerer Apolloni-Texte und zentrale Figur der römischen und italienischen Barockmusik.
  • Teatro Tordinona Römisches Operntheater, dessen Umfeld für die Adaption venezianischer Opern und Apollonis Arbeit wichtig war.
  • Tirso de Molina Spanischer Dramatiker, dessen Don-Juan-Stoff über Bearbeitungen in L’empio punito einging.