Francesco Antonelli
Überblick
Francesco Antonelli, in lateinischer Druckform F. Franciscus Antonellius Carmelita Fabricensis, war ein italienischer Karmelit, Komponist, Herausgeber und Kirchenmusiker aus der Familie Antonelli da Fabrica. Er war Bruder von Abondio Antonelli und Angelo Antonelli. Seine Lebensdaten sind unbekannt; gesichert ist sein Auftreten im Jahr 1629 durch den in Rom bei Giovanni Battista Robletti gedruckten Familienband Missa ac sacrarum cantionum binis, ternis et quaternis vocibus.
Francesco ist nicht wie sein Bruder Abondio durch ein Kapellmeisteramt an S. Giovanni in Laterano oder an der Kathedrale von Benevento greifbar. Sein Profil ist stärker durch Herausgeberschaft, Ordenszugehörigkeit, Familienrepräsentation und geistliche Kleinform bestimmt. Der Druck von 1629 nennt ihn in der Widmung als Karmeliten aus Fabrica und richtet sich an die Prioren und Konsultoren der Gemeinde Fabrica. Damit wird Francesco als Vermittler zwischen Familie, Orden, Herkunftsort, Musikdruck und kirchlicher Gebrauchsmusik sichtbar.
Der Familienband von 1629 ist zugleich das zentrale Werkdokument. Er trägt den Titel Missa ac sacrarum cantionum binis, ternis et quaternis vocibus. A trino fratrum germanorum Abundii, Francisci et Angeli Antonelliorum ingenio compositarum. Liber quartus. Die Formulierung stellt die Kompositionen ausdrücklich als Werk dreier leiblicher Brüder vor. Francesco ist darin mit vier eigenen Stücken vertreten: Diligam te Domine, Ascendo ad Patrem, Filiae Hierusalem und Ego autem in Domino gaudebo.
Besonders wichtig ist Ascendo ad Patrem, weil es im Katalog und in der Forschung als lateinischer Dialog zu zwei Sopranen erscheint. Damit wird Francesco in die Geschichte der geistlichen Dialogkompositionen des frühen 17. Jahrhunderts einbezogen, also in ein Feld zwischen Motette, liturgischer Szene, Evangelienbezug und frühoratorischer Dramatisierung. Sein Werk ist klein, aber gattungsgeschichtlich aussagekräftig.
Kulturgeschichtlich steht Francesco Antonelli für eine weniger prominente, aber sehr aufschlussreiche Schicht der römischen und lazischen Kirchenmusik: für den Ordensmann als Herausgeber, für die Musikerfamilie als Druckgemeinschaft, für die Gemeinde Fabrica als Patronatsadressatin und für die kleine geistliche Vokalmusik, die in der Frühbarockzeit liturgisch und devotional verwendbar war.
Kurzdaten
| Name | Francesco Antonelli. |
|---|---|
| Lateinische Namensform | F. Franciscus Antonellius Carmelita Fabricensis. |
| Weitere Namensformen | Franciscus Antonelli, Francesco Antonelli da Fabrica, Antonelli da Fabrica, Antonellio, Antinelli. |
| Familie | Familie Antonelli beziehungsweise Antonelli da Fabrica; Francesco war Bruder Abondio Antonellis und Angelo Antonellis. |
| Geburt | Unbekannt; vermutlich spätes 16. Jahrhundert oder frühes 17. Jahrhundert im Umfeld von Fabrica di Roma, doch ist ein genaues Datum nicht belegt. |
| Tod | Unbekannt. |
| Beruf | Karmelit, Komponist, Herausgeber, Kirchenmusiker und Vertreter der Familie Antonelli da Fabrica. |
| Herkunft | Fabrica di Roma beziehungsweise der Familienzusatz Fabricensis, der im Druck von 1629 ausdrücklich erscheint. |
| Ordenszugehörigkeit | Karmelit; der Druck von 1629 nennt ihn Carmelita Fabricensis. |
| Belegzeit | 1629 durch den Robletti-Druck Missa ac sacrarum cantionum, dessen Widmung Francesco verfasst und dessen Herausgabe ihm zuzuschreiben ist. |
| Hauptgattungen | Geistliche Motette, lateinischer Dialog, zwei-, drei- und vierstimmige Kirchenmusik. |
| Zentrale Stücke | Diligam te Domine, Ascendo ad Patrem, Filiae Hierusalem und Ego autem in Domino gaudebo. |
| Zentraler Druck | Missa ac sacrarum cantionum binis, ternis et quaternis vocibus, Rom, Giovanni Battista Robletti, 1629. |
| Datei | antonelli-francesco.shtml. |
Namensformen, Familie und Quellenlage
Die moderne Lemmaform lautet Francesco Antonelli. In der Drucküberlieferung von 1629 erscheint er als F. Franciscus Antonellius Carmelita Fabricensis. Das Kürzel F. ist im Kontext als Ordensbezeichnung beziehungsweise Frater-Form zu verstehen; Carmelita weist ihn als Karmeliten aus, und Fabricensis bindet ihn an Fabrica di Roma. Der Familienname kann in älteren Zusammenhängen als Antonelli, Antonellio oder Antinelli erscheinen.
Francescos Familienzugehörigkeit ist sicherer als seine Einzelbiographie. Der Titel des Robletti-Drucks nennt ausdrücklich drei leibliche Brüder: Abundio, Francesco und Angelo Antonelli. Damit ist Francesco nicht nur eine spätere Katalogfigur, sondern innerhalb einer zeitnahen, gedruckten Familienpublikation belegt. Der Druck ist daher die entscheidende Quelle für seine Existenz, Funktion und musikalische Beteiligung.
Die Quellenlage ist im Vergleich zu Abondio schmal. Für Abondio sind Lateranamt, Benevento, mehrere Drucke und eine musiktheoretische Kontroverse greifbar. Für Francesco gibt es keine sicher nachgewiesene Kapellmeisterlaufbahn und keine Reihe selbständiger Drucke. Seine Bedeutung liegt vielmehr im Familienband von 1629: Er verfasst die Widmung, gibt den Band heraus und trägt vier Stücke zum Inhalt bei.
Diese schmale Quellenlage verlangt eine vorsichtige Darstellung. Geburtsjahr, Sterbejahr, Geburtsort, genaue Ordenslaufbahn, Klosterzugehörigkeit und spätere Ämter sind nicht sicher zu bestimmen. Was sicher gesagt werden kann: Francesco war Karmelit, stammte aus beziehungsweise identifizierte sich mit Fabrica, war Bruder Abondios und Angelos, war musikalisch gebildet und ließ 1629 einen Familienband mit eigenen und brüderlichen Kompositionen drucken.
Leben und Nachweise
Über Francescos frühes Leben ist nichts Sicheres überliefert. Er gehört zur Familie Antonelli da Fabrica, deren wichtigster Vertreter Abondio Antonelli war. Da Francesco 1629 als Karmelit aus Fabrica auftritt, ist anzunehmen, dass seine Bildung im Umfeld von Orden, lateinischer Liturgie und kirchlicher Musik stattfand. Ein genauer Ausbildungsort ist jedoch nicht belegt.
Sein gesicherter biographischer Moment liegt im Jahr 1629. In diesem Jahr erschien in Rom bei Giovanni Battista Robletti der Band Missa ac sacrarum cantionum binis, ternis et quaternis vocibus. Francesco wird in der Widmung ausdrücklich genannt. Er richtet den Druck an die Prioren und Konsultoren der Gemeinde Fabrica und stellt die enthaltenen Kompositionen unter deren Schutz. Die Widmung ist mehr als ein formaler Text: Sie zeigt Francescos Selbstverständnis als Sohn beziehungsweise Angehöriger der Gemeinde Fabrica und als geistlicher Musiker, der Dankbarkeit, Patronat und Musikdruck verbindet.
Die Veröffentlichung von 1629 erfolgte zu einem quellenkritisch interessanten Zeitpunkt. Treccani betont, dass unbekannt bleibt, ob Abondio Antonelli damals noch lebte. Wenn Abondio bereits verstorben war, hätte Francesco eine memoriale, familienbewahrende Rolle übernommen. Wenn Abondio noch lebte, wäre der Druck eine gemeinsame Familienpublikation unter Francescos redaktioneller Federführung. In beiden Fällen ist Francesco die zentrale Herausgeberfigur.
Nach 1629 sind keine weiteren sicheren Nachrichten zu Francesco bekannt. Auch sein Todesdatum bleibt unbekannt. Diese Lücke sollte nicht durch Vermutung gefüllt werden. Für die Kulturgeschichte reicht der nachweisbare Punkt dennoch aus: Francesco steht als Ordensmann und Herausgeber an der Schnittstelle von Familie, Gemeinde, liturgischer Musik und römischem Druckwesen.
Abondio und Angelo Antonelli
Abondio Antonelli, auch Abbondio oder Abundio Antonelli, war der musikhistorisch wichtigste Bruder. Er wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Fabrica di Roma geboren, wirkte von 1611 bis 1613 als Kapellmeister an S. Giovanni in Laterano und ist 1614/1615 als Kapellmeister der Kathedrale von Benevento belegt. Seine Drucke von 1614 bis 1616 bilden den Hauptbestand der Antonelli-Überlieferung. Francesco steht zu ihm in einem Verhältnis der editorischen Bewahrung und familiären Fortführung.
Angelo Antonelli war ein weiterer Bruder. Treccani nennt ihn als Sängerknaben im Laterankontext während Abondios Amtszeit. Er ist außerdem mit eigenen Motetten im Druck von 1614 und mit zwei Stücken im Familienband von 1629 greifbar. Angelo ist damit der jüngere Sänger-Komponist, während Francesco als Ordensmann und Herausgeber auftritt.
Die drei Brüder bilden keine gleichgewichtige Komponistengruppe. Abondio war der professionelle Kapellmeister, Francesco der Karmelit und Herausgeber, Angelo der Sänger und Komponist einzelner Motetten. Der Familienband von 1629 ist jedoch gerade deshalb wichtig, weil er diese unterschiedlichen Rollen zusammenführt und den Namen Antonelli da Fabrica als musikalische Familienmarke präsentiert.
Kulturüberblick
Francesco Antonelli gehört in die römisch-laziale Kirchenmusik des frühen 17. Jahrhunderts. Diese Musiklandschaft war geprägt von großen römischen Basiliken, Kathedralen, Orden, Seminaren, Druckern, Bruderschaften und lokalen Patronatsbeziehungen. Musik war in diesem Milieu nicht nur Kunst, sondern auch Liturgie, Bildung, Frömmigkeit, Herkunftsrepräsentation und soziale Bindung.
Der Druck von 1629 zeigt, wie stark Musikdruck als kultureller Akt funktionieren konnte. Francesco veröffentlicht nicht einfach einzelne Stücke; er stellt eine Brüdergemeinschaft aus, bindet sie an Fabrica zurück und widmet die Musik den städtischen beziehungsweise kommunalen Autoritäten des Herkunftsorts. Damit wird die Druckseite zur sozialen Szene: Familie, Orden, Gemeinde, Musik und Patronat treten gemeinsam auf.
In musikalischer Hinsicht steht Francesco im Umfeld der kleinen geistlichen Vokalmusik. Die zweistimmigen, dreistimmigen und vierstimmigen Motetten des Familienbandes passen zu einer Praxis, in der nicht immer große Kapellen verfügbar waren. Gerade kleine Besetzungen konnten für klösterliche, kirchliche oder devotionale Zusammenhänge besonders brauchbar sein. Sie verbanden Textverständlichkeit, stimmliche Beweglichkeit und liturgische Funktion.
Sein Ascendo ad Patrem ist darüber hinaus im Zusammenhang der lateinischen Dialoge bedeutsam. Der lateinische Dialog war eine Form, in der biblische oder liturgische Rede szenisch, wechselnd oder personenhaft gestaltet werden konnte. Er steht zwischen Motette, geistlichem Drama und früher Oratoriengeschichte. Dass Francesco in diesem Feld genannt wird, hebt ihn aus dem bloßen Familienanhang heraus.
Fabrica di Roma, Karmeliten und Widmung
Der Herkunftszusatz Fabricensis ist bei Francesco besonders wichtig. Er bezeichnet nicht nur die geografische Herkunft, sondern die kulturelle Adressierung des Drucks. Die Widmung von 1629 richtet sich an die Prioren und Konsultoren der Gemeinde Fabrica. Damit wird der Band als Gabe an die Heimatgemeinde verstanden. Musik wird zur Form des Dankes und zur Rückbindung an den Ort, der die Familie hervorgebracht hat.
Die Bezeichnung Carmelita weist Francesco als Karmeliten aus. Diese Ordenszugehörigkeit ist für seine musikalische Funktion bedeutsam. Ordensleute waren im 17. Jahrhundert oft Träger liturgischer Bildung, Schreiber, Herausgeber, Sänger, Organisten oder Komponisten. Francesco ist nicht als höfischer Musiker, sondern als geistlicher und ordensgebundener Akteur zu verstehen.
Die Widmungssprache des Drucks spricht von Dankbarkeit, Schutz, Patronat und der Bitte um wohlwollende Aufnahme. Das entspricht der frühneuzeitlichen Druckkultur. Ein Musikdruck brauchte nicht nur Notentext, sondern einen sozialen Rahmen: Widmung, Patron, Drucker, Erlaubnis, Kosten, Herkunftsbezug und Schutz gegen Kritiker oder Rivalen. Francesco gestaltet diesen Rahmen ausdrücklich.
Der Familienband von 1629
Der vollständige Titel des Bandes lautet Missa ac sacrarum cantionum binis, ternis et quaternis vocibus. A trino fratrum germanorum Abundii, Francisci et Angeli Antonelliorum ingenio compositarum. Liber quartus. Der Druck erschien 1629 in Rom bei Giovanni Battista Robletti, auf Kosten von Giovanni Domenico Franzini. Schon der Titel macht deutlich, dass es sich um den vierten Band einer Antonelli-bezogenen Folge handelt und dass die Stücke als gemeinsames Werk dreier Brüder präsentiert werden.
Der Band enthält eine vierstimmige Missa brevis Abondios sowie geistliche Gesänge für zwei, drei und vier Stimmen. Die Binnenstruktur ist klar: Zuerst steht die Messe, dann folgen Motecta binis vocibus, anschließend dreistimmige und vierstimmige Stücke. Francescos Beiträge sind über den ganzen Aufbau verteilt: zwei zweistimmige Stücke, ein dreistimmiges Stück und ein vierstimmiges Stück.
Francescos vier Stücke sind Diligam te Domine für Canto und Basso, Ascendo ad Patrem als Dialog zu zwei Sopranen, Filiae Hierusalem für zwei Canti und Basso sowie Ego autem in Domino gaudebo für Canto, Alto, Tenore und Basso. Diese Verteilung zeigt kompositorische Flexibilität: Francesco schreibt für Zweistimmigkeit, Dialogbesetzung, kleine Dreistimmigkeit und reguläre Vierstimmigkeit.
Der Band ist außerdem quellenkritisch wichtig, weil er die Rolle Francescos als Herausgeber sichert. Während Abondio die ältere und prominentere Komponistenfigur ist, organisiert Francesco die späte Familienpublikation. Dadurch wird er zur Schlüsselfigur der Überlieferung: Ohne seinen Druck wären mehrere Antonelli-Stücke, auch seine eigenen und die Angelos, weit schwerer greifbar.
Stil, Besetzung und Gattungsprofil
Francescos erhaltenes Werk ist klein, aber besetzungsgeschichtlich aufschlussreich. Seine Stücke im Familienband umfassen zwei-, drei- und vierstimmige geistliche Musik. Diese Spannweite entspricht der frühbarocken Kirchenmusikpraxis, in der Vokalmusik nicht nur für große Kapellen, sondern auch für kleinere liturgische und klösterliche Situationen geschrieben wurde.
Diligam te Domine ist für Canto und Basso gesetzt. Diese Besetzung erlaubt eine klare Oberstimmenführung über einer unteren Stimme und eignet sich für eine textnahe, übersichtliche geistliche Motette. Ascendo ad Patrem ist als Dialog zu zwei Sopranen ausgewiesen. Der dialogische Charakter macht das Stück besonders interessant, weil hier nicht nur ein Text vertont, sondern ein Redevorgang musikalisch organisiert wird.
Filiae Hierusalem ist für zwei Canti und Basso bestimmt. Der Text verweist auf die Hohelied- und Passions- beziehungsweise Marientradition, die im 17. Jahrhundert häufig geistlich gedeutet wurde. Die Besetzung mit zwei hohen Stimmen und Bass kann einen dialogischen oder klanglich schwebenden Charakter erzeugen. Ego autem in Domino gaudebo schließlich ist vierstimmig gesetzt und steht stärker in der normalen Motetten- beziehungsweise Kirchenchorsatztradition.
Francescos Stil lässt sich mangels breiter Werküberlieferung nicht vollständig charakterisieren. Dennoch zeigt die Werkgruppe ein Profil: lateinische geistliche Texte, kleine Besetzungen, praktischer kirchlicher Gebrauch, dialogische Anlage, klare Stimmenordnung und Einbindung in eine Familienpublikation. Er steht damit im Umfeld der römischen Kirchenmusik nach 1600, die ältere Polyphonie, neue konzertierende Elemente und liturgische Brauchbarkeit verbindet.
Werkverzeichnis
Das Werkverzeichnis Francescos kann nach gegenwärtiger Quellenlage nur als Verzeichnis seiner im Robletti-Druck von 1629 belegten Beiträge und seiner Herausgeberschaft formuliert werden. Es ist kein selbständiger Druck ausschließlich unter seinem Namen bekannt. Der sichere Kern umfasst vier geistliche Stücke und die Herausgabe des Familienbandes.
Herausgabe
| Missa ac sacrarum cantionum binis, ternis et quaternis vocibus. Liber quartus | Rom, Giovanni Battista Robletti, 1629. Familienband mit Werken der drei Brüder Abundio, Francesco und Angelo Antonelli. Die Widmung ist von F. Franciscus Antonellius Carmelita Fabricensis an die Prioren und Konsultoren der Gemeinde Fabrica gerichtet. Der Druck enthält eine vierstimmige Messe Abondios sowie geistliche Motetten für zwei, drei und vier Stimmen. Francesco ist als Herausgeber und Komponist von vier Stücken beteiligt. |
|---|
Gesicherte Kompositionen Francescos
| Diligam te Domine | Motette für Canto und Basso im Familienband von 1629. Das Stück wird im Inhaltsverzeichnis F. Franciscus Antonellus zugeschrieben. Der Psalm- beziehungsweise Gebetston des Textbeginns verweist auf eine geistliche Liebes- und Lobpreisformel; die zweistimmige Besetzung deutet auf flexible liturgische oder klösterliche Verwendung. |
|---|---|
| Ascendo ad Patrem | Lateinischer Dialog zu zwei Sopranen im Familienband von 1629. Das Stück ist gattungsgeschichtlich besonders bedeutsam, weil es in der Forschung zur liturgischen Verwendung lateinischer Dialoge ausdrücklich als Dialogo a due Soprani genannt wird. Der Titel verweist auf den Christus- beziehungsweise Himmelfahrtskontext und verbindet motettische Form mit szenischer Rede. |
| Filiae Hierusalem | Motette für zwei Canti und Basso im Familienband von 1629. Der Textanfang gehört zur Hohelied- und Passionssprache, die in der frühneuzeitlichen geistlichen Musik häufig marianisch, christologisch oder kontemplativ gedeutet wurde. Die Besetzung mit zwei hohen Stimmen und Bass zeigt Francescos Fähigkeit zur kleinen, aber farbig differenzierten Vokalanlage. |
| Ego autem in Domino gaudebo | Motette für Canto, Alto, Tenore und Basso im Familienband von 1629. Das Stück wird F. Franciscus Antonellus zugeschrieben und gehört zur vierstimmigen Schlussgruppe des Drucks. Der Text betont Freude im Herrn und eignet sich für festliche oder allgemeine liturgische Verwendung. |
Werkgruppen und Kontext
| Zweistimmige geistliche Motette | Diligam te Domine zeigt Francesco in der kleinbesetzten Motettenpraxis für Canto und Basso. Diese Besetzung ist für den praktischen kirchlichen Gebrauch besonders geeignet. |
|---|---|
| Lateinischer Dialog | Ascendo ad Patrem gehört zur Geschichte des lateinischen geistlichen Dialogs und verbindet motettische Textvertonung mit dialogischer Anlage. |
| Dreistimmige geistliche Musik | Filiae Hierusalem zeigt eine Besetzung mit zwei hohen Stimmen und Bass, die zwischen Motette, Dialognähe und devotionalem Klang steht. |
| Vierstimmige Motette | Ego autem in Domino gaudebo führt Francesco in den Bereich regulärer vierstimmiger Kirchenmusik für Canto, Alto, Tenore und Basso. |
| Familienpublikation | Francescos Werke sind nicht isoliert, sondern im gemeinsamen Band mit Abondio und Angelo überliefert. Das Werkprofil ist daher zugleich individuelles Komponistenprofil und Teil einer Familienüberlieferung. |
| Nicht gesicherte Zuschreibungen | Weitere Stücke unter dem Namen Antonelli dürfen nicht ohne Quellenprüfung Francesco zugeschrieben werden. Die Antonelli-Überlieferung ist wegen Namensgleichheit und älterer Fehlzuschreibungen, besonders im Umfeld Antonello Filitranis, vorsichtig zu behandeln. |
Rezeption und Nachwirkung
Francesco Antonelli besitzt keine breite eigenständige Rezeption. Sein Name erscheint vor allem im Zusammenhang des Familienbandes von 1629, in Katalogen, in RISM-nahen Nachweisen und in der Forschung zum lateinischen Dialog. Das ist für eine Figur seiner Art typisch. Viele Ordensmusiker und Herausgeber des 17. Jahrhunderts sind nicht durch fortlaufende Biographien, sondern durch einzelne Drucke sichtbar.
Seine wichtigste Nachwirkung liegt in der Bewahrung der Antonelli-Familienmusik. Als Herausgeber des Bandes von 1629 machte er nicht nur eigene Stücke, sondern auch Werke Abondios und Angelos zugänglich. Er bewahrte damit einen Familienbestand, der sonst möglicherweise verloren oder nur handschriftlich verstreut geblieben wäre. Diese editorische Funktion ist kulturgeschichtlich ebenso bedeutsam wie die eigene Komposition.
In der neueren Forschung wird Francesco besonders durch Ascendo ad Patrem interessant. Das Stück zeigt, dass die Antonelli-Familie nicht nur konventionelle Motetten schrieb, sondern an einer Gattung teilhatte, die biblische Rede, liturgischen Gebrauch und szenische Dialogform verbindet. Dadurch erhält Francesco einen festen Platz im Netzwerk der italienischen geistlichen Dialogkomposition des frühen 17. Jahrhunderts.
Überlieferung und editorische Hinweise
Die Überlieferung Francescos ist eng an einen einzigen Druck gebunden. Deshalb muss der Robletti-Druck von 1629 bei jeder wissenschaftlichen Arbeit im Zentrum stehen. Seine Titelangaben, Widmung, Tabula, Inhaltsliste und Partbooks sind für die Zuschreibung entscheidend. Die vier Francesco zugeschriebenen Stücke sollten nicht aus späteren Kurzlisten allein, sondern aus dem Druckzusammenhang selbst erschlossen werden.
Die lateinische Namensform F. Franciscus Antonellius Carmelita Fabricensis sollte bei Katalogrecherchen unbedingt berücksichtigt werden. Sie enthält drei wichtige Informationen: Francesco erscheint als Ordensmann, als Mitglied der Antonelli-Familie und als Angehöriger beziehungsweise Herkunftsvertreter von Fabrica. Die moderne Form Francesco Antonelli ist für Benutzerfreundlichkeit geeignet, aber nicht ausreichend für Quellenrecherche.
Bei der Werkzuweisung ist Vorsicht geboten. Die Antonelli-Familie umfasst mindestens Abondio, Francesco und Angelo; einzelne Drucke enthalten Werke mehrerer Brüder. Außerdem gibt es ältere Fehlzuschreibungen unter dem Namen Antonelli, die Treccani im Fall Abondios zugunsten Antonello Filitranis korrigiert. Eine pauschale Zuschreibung aller Antonelli-Stücke an Francesco wäre daher falsch.
Die Seite verzichtet auf Bilder. Für eine spätere quellenorientierte Erweiterung wären Faksimiles des Robletti-Drucks, der Widmungsseite oder des Inhaltsverzeichnisses hilfreicher als illustrative Darstellungen, solange kein gesichertes Porträt Francescos bekannt ist.
Sekundärliteratur
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- Baini, Giuseppe: Memorie storico-critiche della vita e delle opere di Giovanni Pierluigi da Palestrina. Rom 1828.
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- Ciliberti, Galliano: L’impiego liturgico dei dialoghi in latino. In: Musica e liturgia in Italia, mit Nachweis zu Francescos Ascendo ad Patrem.
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- Eitner, Robert: Bibliographie der Musik-Sammelwerke des 16. und 17. Jahrhunderts. Berlin 1877.
- Eitner, Robert: Biographisch-Bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten. Leipzig 1900–1904.
- Franchi, Saverio: Annali della stampa musicale romana dei secoli XVI–XVIII. Rom 2006.
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- Smither, Howard E.: The Latin Dramatic Dialogue and the Nascent Oratorio. In: Journal of the American Musicological Society, 1967.
Ausgewählte Onlinequellen
- Composers Classical Music: Antonelli, Abundio Kurzwerkverzeichnis zu Abondio Antonelli mit Hinweis auf Francesco und Angelo sowie auf den Familienband von 1629.
- Composers Classical Music: Antonelli, Francesco Kurzdaten zu Francesco Antonelli als Bruder Abondios und Angelos; nennt den Robletti-Druck von 1629 mit vier Motetten Francescos.
- Galliano Ciliberti: L’impiego liturgico dei dialoghi in latino Fachaufsatz zur liturgischen Verwendung lateinischer Dialoge; nennt Francescos Ascendo ad Patrem als Dialog zu zwei Sopranen im Familienband von 1629.
- MGG Online: Antonelli, Familie Fachlexikalischer Artikel zur Familie Antonelli beziehungsweise Antonelli da Fabrica, mit Namensformen und Familienkontext.
- Musicologie.org: Antonelli Abundio Biographischer Überblick zu Abondio Antonelli mit Angaben zur Familie, zum Familienband von 1629 und zu den Brüdern Francesco und Angelo.
- RISM OPAC: Sacrarum cantionum, liber 1 Quellendatensatz zum Druck von 1614, wichtig für den Familienzusammenhang der Antonelli-Brüder und die Verteilung der Motetten zwischen Abondio und Angelo.
- SSCM / JSCM Instrumenta: Robletti 1629 Anthology PDF-Katalogeintrag zum Familienband Missa ac sacrarum cantionum von 1629 mit Titel, Widmung, Inhaltsverzeichnis, Partbooks und genauer Zuschreibung der Francesco-Stücke.
- Treccani: Antonelli, Abondio Maßgeblicher biographischer Artikel zu Abondio Antonelli mit Hinweis auf den 1629 bei Robletti erschienenen, von Francesco herausgegebenen Familienband und auf die ungesicherte Lebenssituation Abondios zu diesem Zeitpunkt.
Weiterführende Einträge
- Abondio Antonelli Bruder Francescos, Kapellmeister an S. Giovanni in Laterano und in Benevento sowie Hauptkomponist der Familie Antonelli.
- Angelo Antonelli Bruder Francescos, als Sängerknabe im Lateran-Kontext und mit eigenen Motetten in den Antonelli-Drucken greifbar.
- Antonelli, Familie Familienartikel zu Antonelli da Fabrica, Antonellio und Antinelli mit Abondio, Francesco und Angelo.
- Basso continuo Generalbasspraxis, die im Umfeld der frühbarocken geistlichen Vokalmusik der Antonelli-Brüder eine wichtige Rolle spielt.
- Fabrica di Roma Herkunftsort der Antonelli-Familie und Widmungsadressat des Familienbandes von 1629.
- Giovanni Battista Robletti Römischer Drucker des von Francesco Antonelli herausgegebenen Familienbandes von 1629.
- Karmeliten Orden, dem Francesco Antonelli nach der lateinischen Druckwidmung als Carmelita Fabricensis angehörte.
- Konzil von Trient Kirchen- und liturgiegeschichtlicher Hintergrund der römischen Kirchenmusik um 1600.
- Lateinischer Dialog Geistliche Dialoggattung, zu der Francescos Ascendo ad Patrem gehört.
- Motette Zentrale Gattung der überlieferten Werke Francesco Antonellis.
- Orgelcontinuo Aufführungspraxis im Umfeld der kleinbesetzten geistlichen Vokalmusik des frühen 17. Jahrhunderts.
- Römische Kirchenmusik Institutioneller und stilistischer Rahmen der Antonelli-Brüder im frühen 17. Jahrhundert.
- Rom Druck- und Wirkungsraum des Familienbandes von 1629.
- Sacrae cantiones Geistliche Gesangssammlungen, deren Druck- und Gattungstradition den Antonelli-Band prägt.
- S. Giovanni in Laterano Römische Hauptkirche, an der Abondio Antonelli wirkte und in deren Umfeld Angelo als Sängerknabe greifbar wird.
- Howard E. Smither Forscher zur Geschichte des lateinischen Dialogs und des frühen Oratoriums, wichtig für den gattungsgeschichtlichen Kontext von Ascendo ad Patrem.
- Bartolomeo Zannetti Römischer Drucker der früheren Antonelli-Drucke Abondios, wichtig für den Gesamtzusammenhang der Familie.