Angelo Antonelli
Überblick
Angelo Antonelli, in lateinischer Druckform auch Angelus Antonellus, war ein italienischer Sänger und Komponist aus der Musikerfamilie Antonelli da Fabrica. Er ist als Bruder von Abondio Antonelli und Francesco Antonelli greifbar. Seine Lebensdaten sind unbekannt; die gesicherten Nachrichten betreffen vor allem seine Stellung als jüngerer Bruder und Sängerknabe im Umfeld von S. Giovanni in Laterano in Rom sowie einzelne Motetten in den Antonelli-Drucken von 1614 und 1629.
Die Quellenlage ist deutlich schmaler als bei Abondio Antonelli. Angelo tritt nicht als selbständiger Kapellmeister, Verlagsautor oder Herausgeber hervor. Er erscheint vielmehr als Teil eines musikalischen Familienzusammenhangs. Während Abondio zwischen 1611 und 1613 als Kapellmeister am Lateran wirkte und 1614/1615 als Kapellmeister der Kathedrale von Benevento belegt ist, war Angelo in der Lateranzeit einer der putti cantori, also der Sängerknaben, die unter Abondios Leitung standen.
Musikhistorisch wird Angelo durch gedruckte Motetten sichtbar. RISM vermerkt im Druck Sacrarum cantionum von 1614 drei Motetten Angelos neben 18 Motetten Abondios. Der Familienband Missa ac sacrarum cantionum binis, ternis et quaternis vocibus, 1629 in Rom bei Giovanni Battista Robletti gedruckt und von Francesco Antonelli herausgegeben, weist Angelo zwei Stücke zu: Princeps gloriosissime für Canto und Basso sowie Beatus Laurentius clamavit für zwei Contralti.
Angelo Antonelli ist deshalb kein „Nebenname“ ohne eigenes Profil, aber seine Bedeutung liegt anders als bei seinem Bruder Abondio. Er steht für die Ausbildung, Familienweitergabe und kleine geistliche Vokalkomposition im römischen Frühbarock. Gerade seine wenigen greifbaren Stücke zeigen, wie Sängerknaben, Brüder, Kapellmeister und Drucke in der römischen Kirchenmusik um 1600 miteinander verbunden waren.
Kurzdaten
| Name | Angelo Antonelli. |
|---|---|
| Weitere Namensformen | Angelus Antonelli, Angelus Antonellus, Angelo Antonelli da Fabrica, Antonelli da Fabrica, Antonellio, Antinelli. |
| Familie | Familie Antonelli beziehungsweise Antonelli da Fabrica; Angelo war Bruder Abondio Antonellis und Francesco Antonellis. |
| Geburt | Unbekannt; wahrscheinlich spätes 16. oder sehr frühes 17. Jahrhundert, da Angelo 1611–1613 als jüngerer Sänger beziehungsweise Sängerknabe im Laterankontext greifbar ist. |
| Tod | Unbekannt. |
| Beruf | Sänger, Sängerknabe, Komponist, Kirchenmusiker und Angehöriger der Familie Antonelli da Fabrica. |
| Herkunft | Vermutlich Fabrica di Roma beziehungsweise der Familienzusammenhang Antonelli da Fabrica; ein eigener Geburtsort ist nicht gesichert. |
| Wirkungsort | Rom, besonders S. Giovanni in Laterano im Zusammenhang der Kapellmeisterzeit Abondio Antonellis. |
| Belegzeit | 1611–1613 als Sängerknabe im Lateranumfeld; 1614 durch drei Motetten im Druck Sacrarum cantionum; 1629 durch zwei Stücke im Familienband Missa ac sacrarum cantionum. |
| Hauptgattung | Geistliche Motette für kleine vokale Besetzungen, besonders zwei Stimmen. |
| Wichtige Drucke | Sacrarum cantionum, Rom 1614; Missa ac sacrarum cantionum, Rom 1629. |
| Datei | antonelli-angelo.shtml. |
Namensformen, Familie und Quellenlage
Die moderne Lemmaform lautet Angelo Antonelli. In lateinischen oder frühneuzeitlich latinisierten Druck- und Katalogformen erscheint der Name als Angelus Antonellus. Der Familienzusatz Antonelli da Fabrica verbindet ihn mit der Herkunftsfamilie aus Fabrica di Roma. Daneben sind im weiteren Familienartikel die Formen Antonellio und Antinelli zu berücksichtigen, weil ältere Kataloge und Drucke die Namensform nicht konsequent vereinheitlichen.
Angelos Familienzugehörigkeit ist sicherer als seine eigene Biographie. Die wichtigste Formulierung findet sich im Familienband von 1629: Dort werden Abundio, Francesco und Angelo Antonelli als drei leibliche Brüder vorgestellt. Damit ist Angelo nicht nur über eine spätere Lexikonnotiz, sondern über einen zeitnahen Musikdruck als Teil der Brüdergruppe belegt.
Die eigenständigen biographischen Nachrichten sind dagegen knapp. Treccani nennt Angelo als Bruder Abondios und als einen der Sängerknaben, die während Abondios Amtszeit am Lateran unter dessen Leitung standen. Diese Angabe ist besonders wichtig, weil sie Angelo in eine konkrete Institution einordnet: nicht nur Familie, sondern Lateran, Kapellmeisterpraxis und Sängerknaben-Ausbildung.
Für das Werkverzeichnis sind zwei Quellenschichten entscheidend. Erstens nennt RISM im Druck Sacrarum cantionum von 1614 drei Motetten Angelos. Zweitens weist der Robletti-Druck von 1629 im Inhaltsverzeichnis zwei Stücke ausdrücklich Angelus Antonellus zu. Da die drei Motetten von 1614 in den frei zugänglichen Kurzangaben nicht einzeln nach Titeln aufgelöst sind, wird dies im Werkverzeichnis transparent vermerkt.
Leben und Nachweise
Über Angelo Antonellis Geburt, Tod, Ausbildung und spätere Laufbahn ist nichts Sicheres bekannt. Der früheste belastbare Hinweis stellt ihn in den Zusammenhang von S. Giovanni in Laterano in Rom. Dort wirkte sein Bruder Abondio Antonelli vom 1. Juni 1611 bis 20. Juli 1613 als Kapellmeister. Während dieser Zeit gehörte Angelo zu den Sängerknaben beziehungsweise jungen Sängern, die im Haus oder Umfeld des Kapellmeisters musikalisch betreut wurden.
Diese Nachricht ist kulturgeschichtlich aufschlussreich. Sie zeigt, dass musikalische Ausbildung in römischen Kircheninstitutionen nicht abstrakt schulisch, sondern familiär, institutionell und hausnah organisiert sein konnte. Ein jüngerer Bruder wurde nicht nur in die Familie hineingeboren, sondern in die musikalische Praxis des älteren Bruders eingeführt: Chorgesang, Liturgie, tägliche Proben, Stimmführung, Notenlesen und geistlicher Repertoiregebrauch gehörten zu diesem Umfeld.
1614 erscheint Angelo im Druck Sacrarum cantionum. Der Band wurde in Rom bei Bartolomeo Zannetti gedruckt und steht unter Abondios Namen, enthält aber auch drei Motetten Angelos. Dies belegt, dass Angelo nicht nur Sänger, sondern bereits als Komponist wahrgenommen wurde. Ob diese Motetten aus der Lateranzeit, aus dem Beneventaner Zusammenhang Abondios oder aus einem familiären Arbeitskontext stammen, lässt sich ohne weitere Quellenprüfung nicht sicher sagen.
Der zweite wichtige Nachweis ist der Familienband von 1629. Dieser wurde von Francesco Antonelli herausgegeben und bei Giovanni Battista Robletti in Rom gedruckt. Angelo ist dort mit zwei zweistimmigen Stücken vertreten. Die Publikation hat den Charakter einer Familienrepräsentation: Die Werke der drei Brüder erscheinen gemeinsam, und die Herkunftsgemeinschaft aus Fabrica wird durch Widmung und Titel gestärkt.
Nach 1629 verliert sich Angelos Spur. Es sind keine sicheren späteren Ämter, keine eigenständigen Drucke und keine ausführlichen biographischen Zeugnisse bekannt. Sein kulturhistorischer Wert liegt gerade darin, dass er eine typische, aber selten näher fassbare Gestalt der frühneuzeitlichen Kirchenmusik sichtbar macht: den ausgebildeten Sänger und Kleinmeister innerhalb einer musikalischen Familie.
Abondio und Francesco Antonelli
Angelo ist ohne seine Brüder nicht angemessen zu verstehen. Abondio Antonelli war die zentrale Figur der Familie. Er wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Fabrica di Roma geboren, war Kapellmeister am Lateran und in Benevento und veröffentlichte zwischen 1614 und 1616 mehrere wichtige geistliche Drucke sowie ein Madrigalbuch. Angelo erscheint zunächst in Abondios pädagogischem und institutionellem Umfeld.
Francesco Antonelli ist vor allem als Herausgeber des Familienbandes von 1629 greifbar. In diesem Druck erscheint er als F. Franciscus Antonellius Carmelita Fabricensis. Die Herausgabe an die Gemeinde Fabrica zeigt eine bewusste Rückbindung an die Heimatgemeinschaft. Für Angelo ist Francesco wichtig, weil ohne diesen Familienband zwei seiner sicher identifizierten Stücke nicht so deutlich greifbar wären.
Die drei Brüder zeigen eine abgestufte Familienstruktur. Abondio war der professionelle Kapellmeister und Hauptkomponist, Francesco der Herausgeber und Mitkomponist, Angelo der jüngere Sänger und Komponist einzelner Motetten. Diese Struktur ist für frühneuzeitliche Musikerfamilien typisch: Der Familienname bündelt unterschiedliche Grade von Professionalität, Amt, Ausbildung und Druckpräsenz.
Kulturüberblick
Angelo Antonelli gehört in die römische Kirchenmusik nach dem Konzil von Trient. Diese Musik war von Textverständlichkeit, liturgischer Ordnung, kontrapunktischer Schulung und institutioneller Disziplin geprägt. Gleichzeitig entstanden um 1600 neue Formen kleinbesetzter geistlicher Musik, in denen zwei oder drei Stimmen mit Orgelbass flexibel eingesetzt werden konnten.
Die Tatsache, dass Angelo zuerst als Sängerknabe greifbar ist, führt in den Ausbildungsalltag dieser Welt. Kirchenmusikalische Professionalität begann oft im Kindes- oder Jugendalter. Sängerknaben lernten nicht nur Melodien, sondern auch Disziplin, Liturgie, lateinische Textaussprache, Stimmbildung und den Gebrauch mehrstimmiger Notation. Wer aus einer Musikerfamilie stammte, konnte besonders früh in diese Praxis eintreten.
Die kleine Zahl der erhaltenen Stücke bedeutet nicht, dass Angelo unwichtig wäre. Vielmehr zeigt sie, wie selektiv Musikgeschichte überliefert. Die meisten Sängerknaben und jungen Komponisten verschwinden ganz aus der Überlieferung. Angelo bleibt sichtbar, weil seine Familie Drucke herausgab und weil seine Stücke in diese Drucke aufgenommen wurden. Seine Nachweise sind daher zugleich Familien-, Druck- und Institutionengeschichte.
Der Familienband von 1629 zeigt besonders deutlich, wie Musikdruck als sozialer Akt funktionierte. Francesco widmete den Band der Gemeinde Fabrica. Dadurch wurden die Kompositionen nicht nur veröffentlicht, sondern auch als Dank, Erinnerung und Familienprestige an den Herkunftsort zurückgebunden. Angelo ist Teil dieser Selbstrepräsentation der Antonelli-Brüder.
Lateran, Sängerknaben und musikalische Ausbildung
S. Giovanni in Laterano war eine der wichtigsten Kirchen Roms. Die dortige Musik verlangte gut ausgebildete Sänger und eine verlässliche Kapellleitung. Unter Abondio Antonelli gehörte Angelo zu den jungen Sängern, die in diesem Umfeld ausgebildet oder geführt wurden. Der Begriff putti cantori verweist auf Sängerknaben, die im liturgischen Betrieb unverzichtbar waren.
Ein solcher Sängerknabe war nicht bloß ein Kind mit guter Stimme. Er war Teil einer kirchlichen Klangordnung. Er musste in Messen, Offizien, Festliturgien und besonderen Anlässen eingesetzt werden können. Für junge Musiker war dies zugleich eine musikalische Schule. Aus dem Sänger konnte ein Kopist, Organist, Komponist, Kapellmeister oder Kirchenmusiker werden.
Bei Angelo ist dieser Weg nur teilweise dokumentiert. Der Schritt vom Sängerknaben zum Komponisten wird aber durch die Motettennachweise plausibel. Dass drei seiner Stücke bereits 1614 in einem Druck erscheinen konnten, setzt eine gewisse kompositorische Kompetenz und familiäre Förderung voraus. Abondios Stellung als Kapellmeister dürfte dafür entscheidend gewesen sein.
Drucke von 1614 und 1629
Der Druck Sacrarum cantionum quae quaternis, quinis ac senis vocibus concinuntur. Liber primus von 1614 ist zwar ein Druck Abondio Antonellis, enthält aber auch drei Motetten Angelos. Damit wird Angelo erstmals als Komponist innerhalb einer veröffentlichten Sammlung sichtbar. Die Aufnahme seiner Stücke in einen Druck des älteren Bruders ist ein deutliches Zeichen familiärer und musikalischer Integration.
Der Robletti-Druck von 1629, Missa ac sacrarum cantionum binis, ternis et quaternis vocibus, ist für Angelo noch wichtiger, weil das Inhaltsverzeichnis seine beiden Beiträge ausdrücklich nennt. Princeps gloriosissime ist für Canto und Basso gesetzt. Beatus Laurentius clamavit ist für zwei Contralti bestimmt. Beide Stücke gehören zu den zweistimmigen Motetten des Bandes.
Die Besetzungen zeigen eine praktische und flexible Kirchenmusik. Zwei Stimmen konnten in kleineren Kapellen, in Nebenliturgien, in Andachten oder in reduziert besetzten Aufführungen eingesetzt werden. Sie verlangten dennoch kontrapunktische Klarheit, Textverständlichkeit und sichere Stimmführung. Angelos Beiträge gehören daher nicht zur großen repräsentativen Mehrchörigkeit, sondern zur feineren kleinbesetzten geistlichen Gebrauchsmusik.
Stil, Besetzung und Gattungsprofil
Angelos greifbares Werk ist klein und erlaubt nur eine vorsichtige stilistische Beschreibung. Sicher ist, dass seine belegten Stücke im Bereich der geistlichen Motette stehen. Die beiden 1629 nachweisbaren Werke sind zweistimmig. Princeps gloriosissime ist für Canto und Basso bestimmt, Beatus Laurentius clamavit für zwei Contralti. Diese Besetzungen zeigen eine differenzierte vokale Praxis, in der nicht nur Standardkombinationen, sondern konkrete Stimmfarben gewählt wurden.
Die zweistimmige Motette der römischen Frühbarockzeit steht zwischen älterer Polyphonie und neuer konzertierender Vokalmusik. Sie kann liturgisch, andächtig, festbezogen oder hagiographisch sein. Die kleinen Besetzungen erleichtern die Aufführung, machen den Text deutlich und erlauben zugleich eine enge Stimmführung. Wenn ein Orgelbass vorhanden war oder ergänzt wurde, konnte die harmonische Basis stabilisiert werden.
Angelos Stil ist deshalb am besten als Teil der Antonelli-Familienpraxis zu beschreiben. Abondios Drucke zeigen die Spannweite von vier- bis sechsstimmigen Motetten, zwei- bis siebenstimmigen geistlichen Stücken, Madrigalen und vielstimmigen Handschriften. Angelo steht innerhalb dieses Spektrums auf der Seite der kleinen geistlichen Vokalkomposition. Seine Stücke sind wahrscheinlich für konkrete kirchliche Situationen gedacht, nicht für abstrakte Kunstsammlung.
Werkverzeichnis
Ein vollständiges Werkverzeichnis Angelos kann nur als quellenkritisches Verzeichnis der derzeit nachweisbaren Beiträge formuliert werden. Es gibt keinen bekannten selbständigen Druck unter seinem Namen. Sicher greifbar sind drei Motetten im Druck von 1614, deren Einzelanfänge in den zugänglichen Kurzangaben nicht aufgelöst sind, sowie zwei namentlich ausgewiesene Motetten im Familienband von 1629.
Gesicherte Drucknachweise
| Drei Motetten im Druck Sacrarum cantionum, Rom 1614 | Der RISM-Nachweis zum Druck Sacrarum cantionum quae quaternis, quinis ac senis vocibus concinuntur. Liber primus, Rom, Bartolomeo Zannetti, 1614, vermerkt 18 Motetten Abondio Antonellis und drei Motetten Angelo Antonellis. Die frei zugänglichen Kurzangaben lösen die drei Stücke nicht nach Einzelincipits auf; die genaue Identifizierung verlangt Einsicht in die vollständigen Stimmbücher beziehungsweise in einen erweiterten Quellenkatalog. |
|---|---|
| Princeps gloriosissime | Motette für Canto und Basso im Familienband Missa ac sacrarum cantionum binis, ternis et quaternis vocibus, Rom, Giovanni Battista Robletti, 1629. Im Inhaltsverzeichnis und in der modernen Katalogbeschreibung wird das Stück Angelus Antonellus zugewiesen. Der Text verweist auf eine Fürsten-, Heiligen- oder Schutzpatronatsrhetorik und gehört zum Bereich zweistimmiger geistlicher Gebrauchsmusik. |
| Beatus Laurentius clamavit | Motette für zwei Contralti im Familienband Missa ac sacrarum cantionum, Rom, Giovanni Battista Robletti, 1629. Das Stück wird Angelus Antonellus zugewiesen. Der Text bezieht sich auf den heiligen Laurentius und zeigt Angelos Beteiligung an hagiographischer und festbezogener Kirchenmusik. |
Werkgruppen und Kontext
| Motetten im Familienkontext | Angelos sicherer Werkbestand gehört vollständig zum Bereich geistlicher Motetten in Drucken, die von oder für die Antonelli-Familie herausgegeben wurden. Ein eigenständiges Druckprofil ist nicht bekannt. |
|---|---|
| Zweistimmige Kirchenmusik | Die beiden 1629 identifizierten Stücke sind zweistimmig und stehen für eine flexible, textnahe und praktisch aufführbare Kirchenmusik. |
| Heiligenbezogene Motette | Beatus Laurentius clamavit gehört in den Laurentius-Kontext und verweist auf die Bedeutung von Heiligenfesten und Commune-Gebrauch in der römischen und italienischen Kirchenmusik. |
| Nicht gesicherte Zuschreibungen | Weitere Stücke unter dem Namen Antonelli in späteren Sammeldrucken dürfen nicht automatisch Angelo oder Abondio Antonelli zugeschrieben werden. Treccani weist im Zusammenhang Abondios ausdrücklich auf Fehlzuschreibungen hin, die Antonello Filitrani betreffen. |
Rezeption und Nachwirkung
Angelo Antonelli besitzt keine breite eigenständige Rezeption. Sein Name erscheint vor allem in Spezialnachweisen zur Familie Antonelli, in RISM, in Katalogen des Robletti-Drucks von 1629 und in der Treccani-Biographie Abondio Antonellis. Das ist für eine Figur seiner Art nicht ungewöhnlich. Sängerknaben und junge Kirchenkomponisten der Zeit bleiben häufig anonym oder werden nur über Familien- und Druckzusammenhänge sichtbar.
Sein Wert liegt deshalb nicht in einem umfangreichen Œuvre, sondern in der dokumentarischen Präzision seiner wenigen Nachweise. Angelo macht erkennbar, wie eine Musikerfamilie im frühen 17. Jahrhundert funktionierte: ein älterer Bruder als Kapellmeister, ein weiterer Bruder als Herausgeber und ein jüngerer Bruder als Sänger und Komponist einzelner Motetten. Diese Konstellation ist für die Sozialgeschichte der Musik aufschlussreich.
Für heutige Forschung ist Angelo vor allem dort wichtig, wo nicht nur große Namen, sondern Netzwerke, Ausbildung, Druckkultur und kleine Formen untersucht werden. Seine zweistimmigen Motetten zeigen eine Kirchenmusik, die nicht monumental, sondern praktisch, knapp und liturgisch verwendbar war.
Überlieferung und editorische Hinweise
Die Überlieferung zu Angelo Antonelli ist eng mit der Überlieferung Abondio und Francesco Antonellis verbunden. Wer Angelo recherchiert, muss auch unter den Formen Angelus Antonellus, Antonelli da Fabrica, Antonellio und Antinelli suchen. Die Trennung der Brüder ist dabei wichtig, weil Drucke und Kataloge oft Familienzusammenhänge abbilden und nicht immer moderne Einzelautorschaft klar ausweisen.
Für den Druck von 1614 ist zu beachten, dass die zugänglichen RISM-Kurzangaben zwar drei Motetten Angelos nennen, aber die Einzelstücke nicht ohne Weiteres vollständig auflösen. Für eine wissenschaftliche Edition müsste das Stimmbuchmaterial oder ein erweiterter vollständiger Quellenkatalog eingesehen werden. Die hier angegebene Werkgruppe ist daher vollständig nach dem derzeit öffentlich greifbaren Nachweis, aber nicht als vollständige Einzelincipit-Liste der drei Stücke zu verstehen.
Für den Druck von 1629 ist die Lage besser. Das Inhaltsverzeichnis weist Princeps gloriosissime und Beatus Laurentius clamavit ausdrücklich Angelus Antonellus zu. Diese beiden Stücke bilden den sichersten namentlich aufgelösten Werkbestand Angelos.
Die Seite verzichtet auf Bilder. Bei Angelo Antonelli wäre eine Bebilderung ohnehin nicht sachgerecht, solange kein gesichertes Porträt oder eindeutig relevantes gemeinfreies Quellenbild verwendet wird. Vorrangig sind für diesen Eintrag Druck-, Katalog- und Quelleninformationen.
Sekundärliteratur
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- Baini, Giuseppe: Memorie storico-critiche della vita e delle opere di Giovanni Pierluigi da Palestrina. Rom 1828.
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- Ciliberti, Galliano: Studien zum lateinischen Dialog, zur römischen Kirchenmusik und zur liturgischen Motette des frühen 17. Jahrhunderts.
- Dixon, Graham: Progressive Tendencies in the Roman Motet during the Early Seventeenth Century. In: Acta Musicologica, 1981.
- Dixon, Graham: Roman Church Music: The Place of Instruments after 1600. In: Proceedings of the Royal Musical Association, 1978/1979.
- Eitner, Robert: Bibliographie der Musik-Sammelwerke des 16. und 17. Jahrhunderts. Berlin 1877.
- Eitner, Robert: Biographisch-Bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten. Leipzig 1900–1904.
- Franchi, Saverio: Annali della stampa musicale romana dei secoli XVI–XVIII. Rom 2006.
- Gaspari, Gaetano: Catalogo della Biblioteca del Liceo musicale di Bologna. Bologna 1890–1905.
- Kurtzman, Jeffrey; Schnoebelen, Anne: A Catalogue of Mass, Office and Holy Week Music Printed in Italy: 1516–1770. JSCM Instrumenta, 2014.
- Nigro, Antonella: Domenico Massenzio. Una nuova biografia con documenti inediti. Studie mit Hinweisen auf Sängerknaben im Laterankontext.
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- Smither, Howard E.: The Latin Dramatic Dialogue and the Nascent Oratorio. In: Journal of the American Musicological Society, 1967.
Ausgewählte Onlinequellen
- Composers Classical Music: Antonelli, Abundio Kurzwerkverzeichnis mit Hinweis auf drei Motetten Angelo Antonellis im Druck Sacrarum cantionum von 1614 und auf den Familienband von 1629.
- Composers Classical Music: Antonelli, Francesco Kurzdaten zu Francesco Antonelli als Bruder Abondios und Angelos sowie Hinweis auf den Familienband von 1629 mit zwei Motetten Angelos.
- Galliano Ciliberti: L’impiego liturgico dei dialoghi in latino Fachaufsatz zur liturgischen Verwendung lateinischer Dialoge, mit Hinweis auf Francesco Antonellis Ascendo ad Patrem im Antonelli-Familienband von 1629.
- MGG Online: Antonelli, Familie Fachlexikalischer Artikel zur Familie Antonelli beziehungsweise Antonelli da Fabrica, mit Namensformen und Familienkontext.
- Musicologie.org: Antonelli Abundio Biographischer Überblick zu Abondio Antonelli mit Hinweisen auf Angelo als Bruder, Sänger und Mitkomponist im Familienkontext.
- RISM OPAC: Sacrarum cantionum, liber 1 Quellendatensatz zum Druck von 1614 mit dem Hinweis, dass die Sammlung 18 Motetten Abondios und drei Motetten Angelo Antonellis enthält.
- SSCM / JSCM Instrumenta: Robletti 1629 Anthology PDF-Katalogeintrag zum Familienband Missa ac sacrarum cantionum von 1629 mit Inhaltsverzeichnis, in dem Princeps gloriosissime und Beatus Laurentius clamavit Angelus Antonellus zugewiesen werden.
- Treccani: Antonelli, Abondio Maßgeblicher biographischer Artikel zu Abondio Antonelli mit Nachweis Angelos als Bruder und Sängerknabe im Laterankontext.
Weiterführende Einträge
- Abondio Antonelli Älterer Bruder Angelos, Kapellmeister an S. Giovanni in Laterano und in Benevento sowie Hauptkomponist der Antonelli-Familie.
- Antonelli, Familie Familienartikel zu Antonelli da Fabrica, Antonellio und Antinelli mit Abondio, Francesco und Angelo.
- Francesco Antonelli Bruder Angelos und Herausgeber des Familienbandes Missa ac sacrarum cantionum von 1629.
- Bartolomeo Zannetti Römischer Drucker der Sacrarum cantionum von 1614, in denen drei Motetten Angelos enthalten sind.
- Basso continuo Generalbasspraxis, die im Umfeld der Antonelli-Drucke und der frühbarocken Kirchenmusik wichtig ist.
- Fabrica di Roma Herkunftsort der Antonelli-Familie und wichtiger Identifikationszusatz da Fabrica.
- Giovanni Battista Robletti Römischer Drucker des Familienbandes von 1629, in dem zwei Stücke Angelos erscheinen.
- Kapellmeister Amt seines Bruders Abondio, in dessen Lateranzeit Angelo als Sängerknabe greifbar wird.
- Konzil von Trient Kirchen- und liturgiegeschichtlicher Hintergrund der römischen Kirchenmusik um 1600.
- Motette Zentrale Gattung der wenigen nachweisbaren Kompositionen Angelo Antonellis.
- Orgelcontinuo Aufführungspraxis der geistlichen Vokalmusik im Umfeld der Antonelli-Drucke.
- Römische Kirchenmusik Institutioneller und stilistischer Rahmen der Antonelli-Brüder im frühen 17. Jahrhundert.
- Rom Zentraler Druck-, Ausbildungs- und Wirkungsraum der Familie Antonelli.
- Sacrae cantiones Geistliche Gesangssammlungen, in deren Drucküberlieferung Angelo Antonelli greifbar wird.
- S. Giovanni in Laterano Römische Hauptkirche, in deren musikalischem Umfeld Angelo als Sängerknabe unter Abondio Antonelli erscheint.
- Sängerknabe Ausbildungs- und Funktionsrolle, durch die Angelo Antonelli in der Lateranüberlieferung sichtbar wird.
- Tullio Cima Junger Sänger im Laterankontext Abondio Antonellis und späterer Komponist geistlicher Musik.