Romulo Angiolini
Überblick
Romulo Angiolini ist eine nur schmal dokumentierte, aber für die Familien- und Berufsgeschichte der Angiolini wichtige Gestalt. Er wird in der Forschung als Tänzer und Theaterinspektor genannt. Gesichert greifbar ist er vor allem über seinen Sohn Pietro Angiolini, der um 1760 in Florenz geboren wurde, ab 1776 als Tänzer in Italien nachweisbar ist, später in den Truppen von Jean-Georges Noverre und Charles Le Picq arbeitete, ab 1789 mit eigenen Choreographien hervortrat und um 1808 bis 1810 als Ballettmeister in Wien tätig war.
Die Bedeutung Romulo Angiolinis liegt daher weniger in einem eigenständig überlieferten Werkbestand als in seiner Position innerhalb einer italienischen Theaterfamilie. Gerade diese indirekte Sichtbarkeit ist kulturgeschichtlich aufschlussreich. Viele Bühnenkünstler des 18. Jahrhunderts erscheinen nicht als Autoren eines dauerhaft kanonisierten Werkes, sondern als Träger praktischer Kompetenz: Sie tanzten, leiteten, überwachten, vermittelten, organisierten, bildeten aus und ermöglichten jene Aufführungsformen, die in gedruckten Libretti, Theaterzetteln und späteren Lexika nur fragmentarisch erhalten blieben.
Romulo Angiolini gehört in das Umfeld einer Familie, deren berühmtester Vertreter Gasparo Angiolini war. Gasparo prägte das Handlungsballett und das ballet d’action im Umfeld von Christoph Willibald Gluck, Ranieri de’ Calzabigi und der Wiener Theaterreform. Romulo selbst bleibt daneben eine Randfigur der Quellenüberlieferung; dennoch macht seine Nennung sichtbar, dass die Angiolini nicht nur aus prominenten Choreographen bestanden, sondern aus einem breiteren Familiennetz von Tänzern, Ballettmeistern, Theaterpraktikern und Bühnenorganisatoren.
Kurzdaten
| Name | Romulo Angiolini. |
|---|---|
| Namensform | In deutschsprachigen Nachweisen erscheint die Form Romulo Angiolini; die italienische Form Romolo Angiolini ist als mögliche Namensvariante zu berücksichtigen, aber für den hier behandelten Quellenzusammenhang nicht stärker belegt. |
| Lebensdaten | Geburts- und Sterbedatum sind in den zugänglichen fachlexikalischen Nachweisen nicht gesichert überliefert. |
| Herkunft | Italienischer Theater- und Tanzkontext des 18. Jahrhunderts; eine genaue Ortszuweisung ist für Romulo selbst nicht gesichert. |
| Beruf | Tänzer und Theaterinspektor. |
| Familie | Naher Verwandter Gasparo Angiolinis, vermutlich dessen Bruder; Vater des Tänzers und Choreographen Pietro Angiolini. |
| Sohn | Pietro Angiolini, * um 1760 in Florenz, † nach 1834, Tänzer, Choreograph und Ballettmeister. |
| Kulturelles Umfeld | Italienische und europäische Ballett- und Theaterpraxis des 18. Jahrhunderts, besonders im Umfeld von Florenz, Venedig, Mailand, London und Wien. |
| Bedeutung | Romulo Angiolini ist vor allem als Verbindungsglied der Angiolini-Familie, als Vertreter praktischer Theaterberufe und als Vater Pietro Angiolinis kulturgeschichtlich relevant. |
| Quellenlage | Sehr knapp; die Angaben beruhen auf fachlexikalischen Familienartikeln und auf der aus Pietros Laufbahn erschließbaren Theaterumgebung. |
Quellenlage und Namensform
Die Quellenlage zu Romulo Angiolini ist ungewöhnlich knapp. Während Gasparo Angiolini als Choreograph, Komponist, Ballettmeister und Theoretiker des 18. Jahrhunderts umfangreich behandelt wird, erscheint Romulo vor allem in genealogischen und beruflichen Angaben zu Pietro Angiolini. In den maßgeblichen fachlexikalischen Zusammenhängen wird er als Tänzer und Theaterinspektor genannt. Diese Berufsbezeichnung ist für seine Einordnung wichtig, weil sie Romulo nicht nur als Bühnenkünstler, sondern auch als Theaterpraktiker ausweist.
Die Namensform Romulo ist in den deutschsprachigen Nachweisen maßgeblich. Da der italienische Vorname Romolo naheliegt, muss bei der Recherche mit Varianten gerechnet werden. Für die Erstellung einer Kulturlexikon-Seite ist jedoch die in den einschlägigen Nachweisen verwendete Form Romulo Angiolini vorzuziehen. Die Variante Romolo Angiolini kann als Such- und Verweisform berücksichtigt werden, sollte aber nicht ohne stärkeren Einzelnachweis zur Hauptform erhoben werden.
Die geringe Dichte der Überlieferung ist kein zufälliges Defizit, sondern ein strukturelles Merkmal der Theatergeschichte des 18. Jahrhunderts. Tänzer, Figuren, Ballettmeister, Inspizienten, Theaterinspektoren und Wanderkünstler erscheinen häufig nur in Personalverzeichnissen, Theaterzetteln, Vertragsakten, Librettoanhängen oder späteren lexikalischen Zusammenfassungen. Ein Name wie Romulo Angiolini verweist daher auf eine soziale und institutionelle Theaterwelt, deren alltägliche Funktionsrollen weniger sichtbar geblieben sind als die großen Reformnamen.
Familie und genealogische Einordnung
Romulo Angiolini gehört in das weitere Umfeld der Familie Angiolini. Diese Familie ist in der europäischen Tanzgeschichte vor allem durch Gasparo Angiolini berühmt geworden, der als Reformchoreograph des 18. Jahrhunderts eine herausragende Stellung einnimmt. Für Romulo wird ein nahes Verwandtschaftsverhältnis zu Gasparo angenommen; in der Forschung erscheint die vorsichtige Vermutung, Romulo könne ein Bruder Gasparos gewesen sein. Diese Einordnung bleibt jedoch mit Unsicherheit behaftet und sollte nicht als genealogisch endgültig gesicherte Tatsache formuliert werden.
Gesichert wichtiger ist die Verbindung zu Pietro Angiolini. Pietro wird als Sohn Romulo Angiolinis bezeichnet. Damit ist Romulo Teil jener Generation, die die tänzerische und theaterpraktische Ausbildung der nachfolgenden Angiolini-Generation vorbereitete. Pietro Angiolini wurde um 1760 in Florenz geboren und entwickelte sich zu einem Tänzer, Choreographen und Ballettmeister, dessen Laufbahn in Italien, London, Wien und Cremona greifbar wird. Romulos Bedeutung liegt deshalb auch darin, dass er innerhalb der Familienüberlieferung den Übergang von der älteren, durch Gasparo dominierten Reformgeneration zur späteren praktischen Theatergeneration markiert.
Die Angiolini-Familie zeigt exemplarisch, wie Theaterberufe im 18. Jahrhundert familiär organisiert waren. Tänzerinnen und Tänzer heirateten innerhalb der Bühnenwelt, Kinder wuchsen in Theatermilieus auf, Engagements wurden durch persönliche Netzwerke vermittelt, und künstlerische Techniken wurden häufig im Familienverband weitergegeben. Romulo Angiolini ist in diesem Zusammenhang nicht nur als einzelne Person, sondern als Träger eines solchen familialen Theaterwissens zu verstehen.
Romulo Angiolini als Tänzer
Die Bezeichnung Romulo Angiolinis als Tänzer ordnet ihn in eine Kunstform ein, die im 18. Jahrhundert zwischen höfischer Repräsentation, öffentlichem Opernhaus, Jahrmarkts- und Wanderbühne, dramatischer Pantomime und virtuoser Körpertechnik stand. Ein Tänzer war in dieser Zeit nicht nur Ausführender festgelegter Schrittfolgen. Er musste Rollen verkörpern, Gesten lesen und formen, Bühnendisziplin beherrschen, mit Sängerinnen, Sängern, Orchestern, Bühnenbildnern und Maschinisten zusammenarbeiten und sich wechselnden Theaterbedingungen anpassen.
Für Romulo selbst sind keine einzelnen Rollen oder Choreographien sicher überliefert. Gerade deshalb sollte seine Tätigkeit nicht künstlich ausgeweitet werden. Es lässt sich aber sagen, dass der Beruf des Tänzers im Umfeld der Angiolini-Familie eine hohe kunstpraktische Bedeutung hatte. Gasparo Angiolini begann ebenfalls als Tänzer, bevor er als Choreograph und Theoretiker berühmt wurde; Pietro Angiolini ist ab 1776 als Tänzer nachweisbar und stieg später zum Choreographen auf. Romulo gehört zu dieser berufsbiographischen Linie, in der tänzerische Praxis die Grundlage späterer choreographischer und organisatorischer Aufgaben bildet.
In kulturgeschichtlicher Sicht ist Romulo daher ein Vertreter jener unsichtbareren Schicht der Tanzgeschichte, ohne die die Reform des Balletts nicht denkbar ist. Die großen Programme des ballet d’action, die theoretischen Schriften über Pantomime und Handlung und die berühmten Namen der Choreographie beruhten auf einer breiten Praxis von Tänzern, Figuren, Ballettmeistern, Inspizienten und Theaterbediensteten. Romulo Angiolini gehört in diese praktische Grundlage des europäischen Balletts.
Romulo Angiolini als Theaterinspektor
Die Bezeichnung Theaterinspektor ist für Romulo Angiolinis Profil besonders aufschlussreich. Sie verweist auf eine Funktion zwischen künstlerischer Praxis, Verwaltung und Bühnenorganisation. Ein Theaterinspektor konnte für Ordnung, Personal, Probenabläufe, Auftrittsdisziplin, technische Abläufe, Requisiten, Bühnenräume, interne Koordination und Aufsichtsfunktionen zuständig sein. Je nach Theater und Zeitraum konnte die genaue Amtsgestalt variieren; gemeinsam ist solchen Funktionen jedoch die Nähe zur konkreten Durchführung des Theaterbetriebs.
Für die Geschichte des Theaters ist diese Funktion wichtig, weil sie deutlich macht, dass Aufführungen nicht allein aus Komponisten, Dichtern und Starsängerinnen bestanden. Ein Opern- oder Ballettabend erforderte organisatorische Präzision. Tänzer mussten disponiert, Kostüme bereitgestellt, Bühnenwechsel koordiniert, Maschinerien bedient, Proben überwacht und Personenströme hinter der Bühne geregelt werden. Der Theaterinspektor gehörte zu jener Berufsgruppe, die die Bühne als Arbeitsort funktionsfähig hielt.
Romulo Angiolini verbindet in seiner knappen Berufsbezeichnung zwei Bereiche: Er war Tänzer und Theaterinspektor. Diese Kombination legt eine enge Verbindung von Körperwissen und Organisationswissen nahe. Wer selbst getanzt hatte, verstand die praktischen Anforderungen der Bühne, die Disziplin der Probe, die Bedingungen des Auftritts und die Risiken der Aufführung. In einer Theaterfamilie wie den Angiolini konnte eine solche Erfahrung unmittelbar an jüngere Familienmitglieder weitergegeben werden.
Bedeutung als Vater Pietro Angiolinis
Die wichtigste gesicherte kulturgeschichtliche Verbindung Romulo Angiolinis ist seine Vaterschaft zu Pietro Angiolini. Pietro wurde um 1760 in Florenz geboren und ist ab 1776 als Tänzer in Italien nachweisbar. Die frühe Laufbahn führt über Siena, Lucca und Florenz; 1780 erscheint er als primo ballerino serio in Venedig, 1781 an der Mailänder Scala. Später ist er in London in der Truppe Jean-Georges Noverres und in der Truppe Charles Le Picqs greifbar. Ab 1789 trat er mit eigenen Choreographien hervor und verfasste ungefähr sechzig Ballette.
Diese Laufbahn lässt erkennen, in welchem Umfeld Romulo als Vater und Theaterpraktiker zu denken ist. Pietro konnte nur deshalb so früh und so beweglich in die europäische Tanzwelt eintreten, weil er aus einer Theaterfamilie kam, deren Name, Erfahrung und Netzwerke bereits vorhanden waren. Die Angabe, Romulo sei Tänzer und Theaterinspektor gewesen, erklärt diese Herkunft plausibel. Sie verweist auf eine familiäre Sozialisation, in der Bühnenwissen, Körpertechnik, Disziplin und Berufsverbindungen früh vermittelt wurden.
Pietros spätere Tätigkeit als Ballettmeister in Wien und seine zahlreichen Ballettszenarien zeigen, dass die von Romulo repräsentierte praktische Theatertradition nicht in bloßer Ausführung endete. Sie führte in choreographische und organisatorische Verantwortung. Damit erscheint Romulo als genealogisches Bindeglied zwischen der praktischen Bühne des 18. Jahrhunderts und der institutionellen Ballettproduktion des frühen 19. Jahrhunderts.
Ballett- und theatergeschichtliche Einordnung
Romulo Angiolini gehört in eine Epoche, in der sich das europäische Ballett tiefgreifend wandelte. Im 18. Jahrhundert trat neben das repräsentative und dekorative Hofballett zunehmend das dramatische Handlungsballett. In dieser Kunstform sollten Tanz, Pantomime, Musik, Handlung und Ausdruck zu einer zusammenhängenden dramatischen Form verschmelzen. Die Angiolini-Familie steht in diesem Wandel an prominenter Stelle, vor allem durch Gasparo Angiolini.
Während Gasparo Angiolini als Reformchoreograph bekannt ist, weist Romulo auf die infrastrukturelle Seite derselben Kultur. Das Ballett entstand nicht nur durch ästhetische Programme, sondern auch durch alltägliche Theaterarbeit. Tänzer mussten ausgebildet werden, Ensembles mussten funktionieren, Proben mussten geleitet, Aufführungen organisiert und Bühnenordnungen eingehalten werden. Die Berufsbezeichnung Theaterinspektor macht diese Ebene sichtbar.
In der europäischen Theatergeschichte des 18. Jahrhunderts waren solche Funktionen besonders wichtig, weil die Theaterbetriebe zunehmend komplex wurden. Opernhäuser wie das Teatro alla Scala, das Teatro La Fenice, die Wiener Theater und die Londoner Bühnen verbanden Musik, Tanz, Pantomime, Bühnenbild, Maschinerie und kommerzielle Organisation. Romulo Angiolini gehört als Tänzer und Theaterinspektor in genau diese Arbeitswelt.
Kulturgeschichtlicher Überblick
Die kulturgeschichtliche Bedeutung Romulo Angiolinis liegt in der Sichtbarmachung eines häufig übersehenen Bereichs: der praktischen Theaterberufe. Die Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts wird oft über Komponisten, Librettisten, Sängerinnen, berühmte Choreographen oder große Theaterhäuser erzählt. Doch diese Perspektive lässt die mittleren und organisatorischen Berufsrollen leicht verschwinden. Romulo steht für jene Künstler und Theaterbediensteten, die in der Aufführungspraxis unverzichtbar waren, aber selten durch eigene Werke, Schriften oder Porträts kanonisiert wurden.
Seine Stellung als Tänzer verweist auf die Körperkultur der Bühne. Tanz war im 18. Jahrhundert nicht nur Unterhaltung, sondern ein System körperlicher Zeichen. Haltung, Schritt, Geste, Pantomime und räumliche Ordnung erzeugten Bedeutung. Besonders im Pantomimenballett konnte der Körper eine Handlung erzählen, die ohne gesprochenen Text verständlich sein sollte. Diese Entwicklung betraf nicht nur berühmte Choreographen, sondern alle Tänzer, die solche Zeichensysteme praktisch ausführen mussten.
Seine Stellung als Theaterinspektor verweist dagegen auf die institutionelle Kultur der Bühne. Theater war ein arbeitsteiliger Betrieb. Hinter der sichtbaren Aufführung standen Probenordnungen, Disziplinarsysteme, Verträge, Requisitenverwaltung, Kostümpraxis, Bühnenmaschinerie und Personalaufsicht. Ein Theaterinspektor bewegte sich in einem Bereich, in dem Kunst und Verwaltung nicht getrennt waren. Diese Verbindung ist für die Opern- und Ballettgeschichte zentral.
Als Vater Pietro Angiolinis gehört Romulo außerdem zur Geschichte der künstlerischen Familie. Die Angiolini zeigen, wie stark Theaterberufe im 18. Jahrhundert durch Vererbung, Verwandtschaft, Heirat und reisende Ensembles geprägt waren. Der Familienname wurde zu einer Art kulturellem Kapital: Er verband künstlerische Schulung, berufliche Reputation und Zugang zu europäischen Bühnen. Romulo ist in diesem Zusammenhang weniger als isolierter Künstler denn als Knotenpunkt einer Theatergenealogie zu verstehen.
Werk- und Tätigkeitsverzeichnis
Für Romulo Angiolini ist kein eigenständiges Werkverzeichnis im Sinne gesicherter Choreographien, Ballettszenarien, Schriften oder Kompositionen überliefert. Ein vollständiges Werkverzeichnis muss daher negativ und quellenkritisch formuliert werden: Es sind derzeit keine sicher ihm zuweisbaren Ballette, Libretti, Szenarien, choreographischen Drucke oder theoretischen Schriften bekannt. Die Bedeutung Romulo Angiolinis liegt nicht in einem nachweisbaren Œuvre, sondern in der überlieferten Berufs- und Familienfunktion.
Gesicherte Tätigkeitsangaben
- Tänzer: Romulo Angiolini wird als Tänzer bezeichnet. Einzelne Rollen, Engagementorte oder Aufführungsdaten sind in den zugänglichen fachlexikalischen Nachweisen nicht gesichert genannt.
- Theaterinspektor: Romulo Angiolini wird als Theaterinspektor bezeichnet. Die genaue Institution, der Zeitraum und der Umfang dieser Funktion bleiben in der öffentlich greifbaren Überlieferung unbestimmt.
- Vater Pietro Angiolinis: Romulo Angiolini wird als Vater des Tänzers und Choreographen Pietro Angiolini genannt. Diese Angabe ist die wichtigste genealogische Verbindung.
- Naher Verwandter Gasparo Angiolinis: In der Forschung wird Romulo als naher Verwandter Gasparo Angiolinis eingeordnet, vermutlich als dessen Bruder; diese Angabe ist mit Vorbehalt zu verwenden.
Nicht gesicherte oder nicht überlieferte Werkbereiche
- Choreographien: Keine einzelne Choreographie kann Romulo Angiolini derzeit sicher zugewiesen werden.
- Ballettszenarien: Keine gedruckten Ballettszenarien sind im hier ausgewerteten Quellenstand sicher als Werke Romulo Angiolinis nachweisbar.
- Kompositionen: Es gibt keinen belastbaren Nachweis, dass Romulo Angiolini als Komponist tätig war.
- Schriften: Theoretische oder autobiographische Schriften Romulo Angiolinis sind nicht bekannt.
- Institutionelle Akten: Mögliche archivalische Theaterakten können seine Tätigkeit genauer dokumentieren; sie sind jedoch nicht in einem leicht zugänglichen, abgeschlossenen Werkbestand zusammengefasst.
Verwandte Werk- und Repertoirezusammenhänge
- Gasparo Angiolini: Rund 110 Ballette werden Gasparo Angiolini zugeschrieben, darunter Don Juan, ou le festin de pierre, Semiramis und Iphigénie; diese Werke gehören nicht Romulo, bilden aber den wichtigsten ästhetischen Familienhintergrund.
- Pietro Angiolini: Pietro Angiolini trat ab 1789 mit eigenen Choreographien hervor und verfasste ungefähr sechzig Ballette; seine Laufbahn ist der wichtigste nachfolgende Familienzusammenhang Romulo Angiolinis.
- Angiolini-Familie: Nicola oder Niccolò Angiolini, Pasquale Angiolini, Fortunata Angiolini, Anna Angiolini und Giuseppina Angiolini erweitern das familiäre Repertoirefeld um weitere tänzerische und choreographische Tätigkeiten.
Wirkung und Rezeption
Romulo Angiolini besitzt keine ausgeprägte Einzelrezeption. Er wird nicht wie Gasparo Angiolini als Reformchoreograph diskutiert und nicht wie Pietro Angiolini durch eine größere Zahl von Ballettszenarien und Engagementnachweisen sichtbar. Seine Rezeption ist indirekt: Sie entsteht dort, wo die Familie Angiolini als Tänzer-, Choreographen- und Ballettmeisterfamilie behandelt wird.
Gerade diese indirekte Rezeption ist für ein Kulturlexikon wichtig. Romulo Angiolini macht deutlich, dass Kulturgeschichte nicht nur aus kanonischen Werken und berühmten Namen besteht. Sie umfasst auch Berufsrollen, genealogische Verbindungen und institutionelle Funktionen. Ein Theaterinspektor konnte für den Betrieb eines Hauses ebenso notwendig sein wie ein Komponist oder Choreograph, auch wenn sein Name später nur am Rand der Quellen erscheint.
Die heutige Bedeutung Romulo Angiolinis liegt daher in der Präzisierung der Angiolini-Familie. Er erklärt, warum Pietro Angiolini nicht einfach als isolierter Tänzer erscheint, sondern als Angehöriger eines Theatermilieus, das bereits durch Tanzpraxis, Bühnenorganisation und familiäre Berufstradition geprägt war. Damit trägt Romulo zur Rekonstruktion jener sozialen Voraussetzungen bei, aus denen die europäische Ballettkultur des 18. und frühen 19. Jahrhunderts hervorging.
Sekundärliteratur
- Brown, Bruce Alan: Gluck and the French Theatre in Vienna. Oxford: Clarendon Press, 1991. Grundlegende Studie zum Wiener Reformtheater, zu Gluck, zu Gasparo Angiolini und zur Verbindung von Oper, Tanz und dramatischer Reform.
- Dahms, Sibylle: Choreographische Aspekte im Werk J. G. Noverres und G. Angiolinis. In: Tanzforschung 2, Wilhelmshaven 1991, S. 93–110. Vergleichende Untersuchung der choreographischen Reformpraxis bei Noverre und Gasparo Angiolini.
- Dahms, Sibylle: Das Repertoire des „Ballet en action“. Noverre – Angiolini – Lauchery. In: Wolfgang Gratzer und Andrea Lindmayr: De editione musices. Festschrift Gerhard Croll zum 65. Geburtstag. Laaber 1992, S. 125–142. Repertoiregeschichtlicher Beitrag zum Handlungsballett und zum Umfeld der Angiolini-Familie.
- Dahms, Sibylle: Gluck und das „Ballet en action“ in Wien. In: Kongreßbericht Gluck in Wien. Wien, 12.–16. November 1987. Kassel 1989. Beitrag zur Verbindung von Wiener Opernreform, Ballett und dramatischer Tanzpraxis.
- Fabbricatore, Arianna Béatrice: La Querelle des Pantomimes. Danse, culture et société dans l’Europe des Lumières. Rennes: Presses universitaires de Rennes, 2017. Neuere kulturgeschichtliche Studie zur europäischen Debatte über Pantomime, Ballett und dramatische Tanzreform.
- Huschka, Sabine: Die Darstellungsästhetik des „ballet en action“. Anmerkungen zum Disput zwischen Gasparo Angiolini und Jean-Georges Noverre. In: Uwe Schlottermüller, Howard Weiner und Maria Richter: Vom Schäferidyll zur Revolution. Europäische Tanzkultur im 18. Jahrhundert. Freiburg im Breisgau 2008, S. 93–106. Beitrag zur ästhetischen Einordnung des Reformballetts.
- Mansfeld, Herbert A.: Theaterleute in den Akten der k. k. Obersten Hoftheaterverwaltung von 1792 bis 1867. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Wiener Theaterforschung 13, Wien 1961, S. 72–125. Quellenorientierter Beitrag zur Wiener Theaterpersonalgeschichte, wichtig für Berufsrollen wie Tänzer, Figuren, Ballettmeister und Theaterbedienstete.
- MGG Online: Angiolini. Fachlexikalischer Artikel zur Angiolini-Familie, mit Hinweis auf Romulo Angiolini als nahen Verwandten Gasparos und Vater Pietros.
- Österreichisches Musiklexikon online: Angiolini, Familie. Fachlexikalischer Artikel zu Gasparo, Pietro, Nicola, Pasquale und weiteren Mitgliedern der Angiolini-Familie; nennt Romulo Angiolini als Tänzer und Theaterinspektor.
- Tozzi, Lorenzo: Il balletto pantomimo del Settecento. Gaspare Angiolini. L’Aquila 1972. Ältere Spezialstudie zum Pantomimenballett und zu Gasparo Angiolini, wichtig für den ästhetischen Familienkontext.
Ausgewählte Onlinequellen
- Biblioteca Nazionale Braidense: Gasparo Angiolini Aktuelle institutionelle Seite zu Gasparo Angiolini, seiner Reformbedeutung, seiner Zusammenarbeit mit Gluck und seiner Rolle im modernen narrativen Ballett.
- Britannica: Gasparo Angiolini Englischsprachiger Überblick zu Gasparo Angiolini als Choreograph und Komponist sowie zur Integration von Tanz, Musik und Handlung im dramatischen Ballett.
- Composers Classical Music: Pietro Angiolini Kurzprofil zu Pietro Angiolini mit Laufbahnstationen, Datierungsproblemen, Verwechslungsfragen und Hinweisen auf eigene Ballettproduktionen.
- Deutsche Nationalbibliothek: Pietro Angiolini Normdatensatz zu Pietro Angiolini, dem Sohn Romulo Angiolinis, mit bibliothekarischer Identifikation.
- Deutsche Nationalbibliothek: Gasparo Angiolini Normdatensatz zu Gasparo Angiolini, dem bedeutendsten Vertreter der Angiolini-Familie.
- New York Public Library: Development of Ballet Narrative Ausstellungstext zur Entwicklung des narrativen Balletts mit Einordnung Gasparo Angiolinis im Kontext der italienischen Tanzgeschichte.
- MGG Online: Angiolini Fachlexikalischer Artikel zur Familie Angiolini, mit Hinweis auf Romulo Angiolini als nahen Verwandten Gasparos und Vater Pietro Angiolinis.
- Österreichisches Musiklexikon: Angiolini, Familie Grundlegender deutschsprachiger Onlineartikel zur Familie Angiolini; nennt Romulo Angiolini als Tänzer und Theaterinspektor sowie als Vater Pietro Angiolinis.
- Treccani: Gasparo Angiolini Italienischer biographischer Fachartikel zu Gasparo Angiolini, seinem Werk, seinen Schriften, seiner Familie und seiner Stellung in der Ballettgeschichte.
- VIAF: Pietro Angiolini Internationaler Normdatenverbund zu Pietro Angiolini, wichtig für die bibliothekarische und genealogische Anschlussrecherche.
Weiterführende Einträge
- Angiolini Italienische Tänzer-, Choreographen- und Ballettmeisterfamilie des 18. und frühen 19. Jahrhunderts.
- Gasparo Angiolini Choreograph, Komponist, Ballettmeister und Theoretiker des Handlungsballetts.
- Pietro Angiolini Tänzer, Choreograph und Ballettmeister, Sohn Romulo Angiolinis.
- Ballet d’action Dramatische Ballettform, die Handlung, Tanz, Pantomime und musikalischen Ausdruck verbindet.
- Ballett Bühnentanzform zwischen höfischer Repräsentation, dramatischer Handlung und öffentlicher Theaterkultur.
- Ballettmeister Theaterberuf zwischen Choreographie, Einstudierung, Training, Ensembleleitung und Aufführungsorganisation.
- Ranieri de’ Calzabigi Librettist und Reformdenker im Umfeld von Gluck, Gasparo Angiolini und dem Wiener Reformtheater.
- Choreographie Künstlerische Ordnung von Bewegung, Gebärde, Raum, Szene und dramatischer Tanzhandlung.
- Figurin Tänzerische Bühnenfunktion im Ensemble- und Gruppentanz historischer Theaterbetriebe.
- Florenz Zentraler Herkunfts- und Wirkungsort der Angiolini-Familie im italienischen Theaterkontext.
- Christoph Willibald Gluck Komponist der Opernreform, mit dessen Bühnenwerken Gasparo Angiolinis Ballettpraxis verbunden ist.
- Handlungsballett Ballettform, in der eine zusammenhängende Handlung durch Tanz und Pantomime dargestellt wird.
- Franz Anton Hilverding Ballettmeister und Reformfigur, dessen Praxis für Gasparo Angiolini und das Wiener Ballett wichtig wurde.
- Libretto Gedruckte Text- und Szenarienform, die für die Rekonstruktion historischer Opern- und Ballettaufführungen wichtig ist.
- Jean-Georges Noverre Französischer Ballettreformer und zentraler Vergleichspunkt für Gasparo Angiolini und das ballet d’action.
- Oper Musiktheaterform, in deren Aufführungskontext Tanz und Ballett im 18. Jahrhundert eine zentrale Rolle spielten.
- Pantomime Gebärden- und Körperkunst ohne gesprochenen Text, wesentlich für das dramatische Ballett des 18. Jahrhunderts.
- Pantomimenballett Ballettform, die Handlung und Affekt wesentlich durch gestische und körperliche Darstellung vermittelt.
- Teatro alla Scala Mailänder Opernhaus, das für die spätere Laufbahn Pietro Angiolinis und die Angiolini-Rezeption wichtig ist.
- Szenario Handlungs- und Ablaufbeschreibung eines Balletts oder Bühnenwerks, häufig zentrale Quelle für verlorene Choreographien.
- Tänzer Bühnenberuf zwischen Körpertechnik, Rollenverkörperung, Pantomime und musikalischer Aufführungspraxis.
- Tanz Künstlerische Bewegungspraxis zwischen sozialem Brauch, Bühne, Repräsentation und dramatischer Darstellung.
- Tanzgeschichte Historische Erforschung von Tanzformen, Tänzerberufen, Choreographie, Körpertechnik und Aufführungskultur.
- Tanztheorie Reflexion über Ausdruck, Körper, Gebärde, Handlung, Bewegung und ästhetische Funktion des Tanzes.
- Theater Institutioneller und künstlerischer Raum, in dem Schauspiel, Oper, Tanz, Pantomime und Bühnentechnik zusammenwirken.
- Theaterfamilie Berufs- und Sozialform, in der Bühnenwissen, Ausbildung, Engagement und künstlerische Praxis familiär weitergegeben werden.
- Theaterinspektor Historische Theaterfunktion zwischen Aufsicht, Organisation, Probenbetrieb, Bühnenordnung und praktischer Aufführungsleitung.
- Venedig Wichtiger italienischer Opern- und Ballettort, an dem Pietro Angiolini als Tänzer und Choreograph greifbar wird.
- Wiener Hoftheater Zentraler Ort der Opern- und Ballettreform des 18. Jahrhunderts sowie wichtiger Bezugspunkt der Angiolini-Familie.