John Alcock der Ältere (John Alcock Sr., John Alcock d. Ä., John Alcock (i), auch Allcock; Pseudonym John Piper)

Englischer Organist, Komponist, Vicar Choral, Kirchenmusiker, Doctor of Music, Psalmody-Herausgeber und Autor; geboren am 11. April 1715 in London, gestorben am 23. Februar 1806 in Lichfield.

Überblick

John Alcock der Ältere war ein englischer Organist und Komponist des 18. Jahrhunderts. Er wurde am 11. April 1715 in London geboren und starb am 23. Februar 1806 in Lichfield. In der englischen Musikgeschichte gehört er nicht zu den großen Reformgestalten wie William Boyce, John Stanley oder später Samuel Arnold, aber er ist eine sehr aufschlussreiche Figur der praktischen Kirchenmusik zwischen Londoner Ausbildung, Provinzorganistenlaufbahn, Kathedraldienst, Psalmody, Chants, Anthems, Services, Orgelstücken, Catches, Canons, Glees und musikantiquarischem Interesse.

Alcock war Chorknabe an St Paul’s Cathedral. Dort stand er in der Tradition der Londoner Kathedral- und Chapel-Royal-Musik, lernte unter Charles King und war nach eigener Aussage mit William Boyce als Schüler verbunden. Nach dem Stimmbruch wurde er Schüler des blinden Organisten John Stanley. Diese Ausbildung verband praktische Orgelkunst, anglikanischen Chorsatz, Generalbass, liturgische Routine und die Londoner Berufswelt der Organisten.

Seine Laufbahn führte ihn von London in englische Provinzstädte. Er war Organist an St Andrew’s in Plymouth, an St Laurence’s in Reading, an Lichfield Cathedral, an der Parish Church von Sutton Coldfield und an St Editha’s in Tamworth. Zusätzlich war er privater Organist des Earl of Donegall. Die Stationen zeigen eine berufsgeschichtlich wichtige Bewegung: Im 18. Jahrhundert entstanden durch den Ausbau von Orgeln in städtischen Pfarrkirchen neue Laufbahnen, die von der Parish Church bis in die Kathedrale führen konnten.

Besonders wichtig ist Alcocks Zeit in Lichfield. Dort wurde er im Januar 1750 als Vicar Choral und Organist aufgenommen. Er blieb auch nach dem Ende seiner Organistenfunktion im Close von Lichfield wohnen und verrichtete weiterhin Chordienst. Sein Verhältnis zum Kathedralbetrieb war konfliktreich. In seinen Vorreden, Widmungen und in der semi-autobiographischen Erzählung The Life of Miss Fanny Brown, die er unter dem Pseudonym John Piper veröffentlichte, tritt ein temperamentvoller, streitbarer und reformwilliger Musiker hervor, der die Mängel der Kathedralpraxis, die Fehler in Handschriften und die Schwierigkeiten der Aufführungspraxis nicht einfach hinnahm.

Alcocks Werk reicht von Kirchenmusik und Psalmody über Anthems, Services, Chants, Catches, Canons und Glees bis zu Orgel- und Cembalomusik. Sein bekanntestes kirchenmusikalisches Werk war der Morning, Communion and Evening Service in e-Moll, der nach Alcocks Angabe bereits 1732 entstand und 1753 gedruckt wurde. Zu seinen weiteren wichtigen Publikationen gehören Psalmody, Divine Harmony, The Pious Soul’s Heavenly Exercise, Six and Twenty Select Anthems, Ten Voluntaries, Harmonia Festi und die späten Psalm- und Hymnensammlungen The Harmony of Sion und The Harmony of Jerusalem.

Kulturgeschichtlich ist Alcock wichtig, weil er die mittlere Schicht englischer Kirchenmusik sichtbar macht: nicht die höfisch glänzende Seite Londons, sondern den alltäglichen, streitbaren, editorischen, liturgischen und lokalen Musikbetrieb. Er war Komponist, Organist, Sammler, Herausgeber, Polemiker, Lehrer, Vicar Choral und Bewahrer älterer englischer Kathedralmusik zugleich.

Kurzdaten

Name John Alcock der Ältere.
Weitere Namensformen John Alcock Sr., John Alcock senior, John Alcock d. Ä., John Alcock (i), Dr. John Alcock, John Allcock, Dr. Alcock und unter dem Pseudonym John Piper.
Geburt 11. April 1715 in London.
Tod 23. Februar 1806 in Lichfield.
Beruf Organist, Komponist, Vicar Choral, Kirchenmusiker, Doctor of Music, Psalmody-Herausgeber, Editor älterer Kathedralmusik, Autor, Catch- und Canon-Komponist.
Ausbildung Chorknabe an St Paul’s Cathedral unter Charles King; danach Schüler beziehungsweise Lehrling des blinden Organisten John Stanley.
Frühe Ämter Organist an St Andrew’s, Plymouth, ab 1737; Organist an St Laurence’s, Reading, ab 1742.
Kathedralamt Vicar Choral und Organist an Lichfield Cathedral ab Januar 1750; die Organistenfunktion endete spätestens 1765, der Vicar-Choral-Status blieb lebenslang wirksam.
Weitere Organistenämter Organist der Parish Church von Sutton Coldfield von 1761 bis 1786; Organist von St Editha’s, Tamworth, von 1766 bis 1790; außerdem privater Organist des Earl of Donegall.
Akademische Grade Bachelor of Music in Oxford 1755; Doctor of Music in Oxford 1766.
Familie Vater des ebenfalls als Organist und Komponist tätigen John Alcock des Jüngeren; der jüngere John Alcock ist von John Alcock dem Älteren strikt zu unterscheiden.
Zentrale Werkgruppen Anglikanische Services, Anthems, Psalm Tunes, Chants, Hymns, Catches, Canons, Glees, Songs, Cembalosuiten, Concertos, Organ Voluntaries und editorische Arbeiten an älterer Kirchenmusik.
Wichtige Publikationen Six Suite’s of Easy Lessons, Psalmody, Divine Harmony, A Morning, Communion and Evening Service, The Pious Soul’s Heavenly Exercise, Six and Twenty Select Anthems, Ten Voluntaries, Harmonia Festi und The Harmony of Jerusalem.
Literarisches Pseudonym John Piper, verwendet für The Life of Miss Fanny Brown, eine semi-autobiographisch grundierte Erzählung mit Reflexen des Lichfield-Konflikts.
Kulturelle Bedeutung Alcock verkörpert die englische Provinz- und Kathedralmusik des 18. Jahrhunderts zwischen liturgischer Praxis, Orgelprofessionalisierung, Psalmody-Reform, antiquarischem Quelleninteresse und lokalem Konflikt um musikalische Standards.

Ausführlicher Kulturüberblick

John Alcock der Ältere steht an einer kulturgeschichtlich aufschlussreichen Stelle der englischen Musik des 18. Jahrhunderts. Er gehört nicht zur italienisch geprägten Opernwelt, nicht zur großen Konzertöffentlichkeit Londons und nicht zur höfischen Repräsentationsmusik. Sein Feld ist die anglikanische Kirche, die Kathedrale, die Parish Church, die Orgel, der Psalmengesang, die Chant-Sammlung, der Anthem-Druck, das Service-Repertoire und die alltägliche Aufführungspraxis. Gerade dadurch zeigt er, wie breit, arbeitsintensiv und institutionell gebunden die englische Musikkultur jenseits der großen Namen war.

Das 18. Jahrhundert war für englische Organisten eine Zeit beruflicher Verschiebungen. In vielen größeren Pfarrkirchen wurden Orgeln eingebaut oder ausgebaut. Dadurch entstanden neue Organistenstellen außerhalb der Kathedralen und außerhalb der Metropole. Ein Musiker konnte über Stationen in einer Parish Church zu einem Kathedralamt gelangen. Alcocks Weg von Plymouth über Reading nach Lichfield ist ein typisches Beispiel dieser neuen professionellen Mobilität. Er zeigt, dass Kirchenmusik nicht nur in Westminster, St Paul’s oder der Chapel Royal stattfand, sondern auch in regionalen Zentren wie Reading, Lichfield, Sutton Coldfield und Tamworth.

Alcocks Ausbildung an St Paul’s Cathedral brachte ihn in die Nähe einer älteren englischen Chorkultur. Als Chorknabe lernte er den anglikanischen Dienst von innen kennen: Psalmen, Chants, Canticles, Responses, Verse Anthems, Full Anthems, Service-Musik und die enge Verbindung von liturgischer Ordnung und musikalischer Disziplin. Der spätere Schülerkontakt zu John Stanley ergänzte diese Grundlage durch eine organistische Schule, die technische Beweglichkeit, Voluntary-Spiel, Improvisationspraxis und Instrumentalidiom vermittelte.

Die Lichfield-Zeit machte Alcock zu einer besonders profilierten, aber auch umstrittenen Figur. Seine Vorreden zeigen einen Musiker, der praktische Mängel des Gottesdienstbetriebs benannte. Er störte sich an schwacher Chorbesetzung, an fehlerhaften Handschriften, an unklaren Orgelbegleitungen und an der konservativen Trägheit bestimmter Institutionen. Seine temperamentvolle Art führte zu Konflikten. Gerade diese Konflikte sind kulturhistorisch wichtig, weil sie zeigen, wie Kathedralmusik nicht nur aus Partituren, sondern aus Dienstpflichten, Rechten, Gehältern, Chordisziplin, lokalen Hierarchien und Aufführungspraxis bestand.

Alcock hatte zugleich ein antiquarisches Interesse an älterer englischer Kirchenmusik. Er beschäftigte sich mit Tallis, Byrd, Gibbons, Morley und anderen älteren Meistern, besaß beziehungsweise kannte bedeutende Handschriften und dachte über die Korrektur und Veröffentlichung älterer Kathedralmusik nach. Sein nicht realisiertes Projekt einer regelmäßigen Ausgabe von Services in Partitur gehört in die Vorgeschichte jener Sammlungstätigkeit, die später in William Boyces Cathedral Music große Gestalt annahm. Alcock war damit nicht nur Komponist, sondern auch Teil einer frühhistorischen Bewahrungskultur.

Sein eigenes Werk steht zwischen Gebrauchsmusik und Kunstanspruch. Der Morning, Communion and Evening Service in e-Moll, die zahlreichen Anthems, die Psalm- und Hymnensammlungen und die Chants waren für konkrete kirchliche Nutzung bestimmt. Sie sind nicht als autonome Konzertwerke gedacht, sondern als funktionale, würdige, verständliche und aufführbare Musik für Gemeinden, Chöre und Kathedralen. Dennoch enthalten sie eine deutliche Vorstellung von Ordnung, Korrektheit und musikalischem Anstand. Alcock wollte die gottesdienstliche Musik nicht nur bedienen, sondern verbessern.

Die weltliche Seite seines Schaffens ist kleiner, aber nicht nebensächlich. Songs, Glees, Catches, Canons, Oden und die Mitgliedschaft im Wettbewerbsmilieu des Catch Club zeigen seine Teilnahme an der englischen Geselligkeitsmusik. Diese Kunstformen verbanden Gesellschaft, Witz, Kunstfertigkeit, Kontrapunkt, Textpointierung und Clubkultur. Alcocks Preise beim Catch Club belegen, dass er auch außerhalb des Kirchenraums als handwerklich sicherer Musiker anerkannt war.

In der Instrumentalmusik ist der Einfluss John Stanleys erkennbar. Die Six Suite’s of Easy Lessons, die Six Concertos in Seven Parts und die Ten Voluntaries zeigen Alcock als Komponisten für Tasteninstrument und Ensemble. Besonders die Orgel-Voluntaries gehören in die englische Tradition des Gottesdienstvor- und -nachspiels, des Registerspiels, der Echoeffekte, der Manualtechnik und der zwischen Improvisation und Druckstück stehenden Orgelkunst.

Namensformen, Datierungsproblem und Abgrenzung

Die Hauptform für diesen Eintrag lautet John Alcock der Ältere. Im englischen Kontext begegnen außerdem John Alcock Sr., John Alcock senior, John Alcock (i), Dr. John Alcock und in älteren Quellen auch Allcock. Alcock selbst schrieb seinen Namen offenbar nicht immer einheitlich. Als literarisches Pseudonym verwendete er John Piper.

Die Bezeichnung der Ältere ist notwendig, weil sein Sohn John Alcock der Jüngere ebenfalls Organist und Komponist war. In Katalogen, Notenportalen und älteren Nachschlagewerken werden beide gelegentlich verwechselt. Der ältere John Alcock wurde 1715 geboren und starb 1806; der jüngere John Alcock wurde 1740 geboren und starb 1791. Für die Dateibenennung wird daher alcock-john-der-aeltere.shtml verwendet.

Das vom Nutzer genannte Datierungsproblem betrifft Alcocks Vorwort zu A Morning and Evening Service von 1753. Dort sagt er, er habe die Komposition 1732 geschrieben, als er noch nicht fünfzehn Jahre alt gewesen sei. Spätere Briefe und maßgebliche biographische Nachweise geben jedoch ausdrücklich den 11. April 1715 als Geburtsdatum an. Die Seite folgt deshalb dem Geburtsdatum 1715 und behandelt die Vorwortformulierung als problematische Selbstdatierung beziehungsweise als ungenaue Altersangabe.

St Paul’s Cathedral, Charles King und John Stanley

Alcocks musikalische Ausbildung begann an St Paul’s Cathedral in London. Als Chorknabe stand er unter Charles King, einem Vertreter der anglikanischen Kirchenmusiktradition nach Purcell, Blow und Croft. Die Chorschule war nicht nur eine Gesangsausbildung, sondern ein vollständiger Eintritt in den täglichen Rhythmus der Kathedrale: Psalmen, Canticles, Anthems, liturgische Antworten, Proben, Disziplin und Aufführungsroutine prägten die musikalische Wahrnehmung.

Alcock erinnerte sich später daran, mit William Boyce als Schüler verbunden gewesen zu sein. Boyce wurde später zu einer zentralen Figur der englischen Kirchenmusik und der Sammlung älterer Kathedralmusik. Diese gemeinsame Ausbildungswelt ist für Alcocks Selbstverständnis wichtig. Er sah sich offenbar nicht als bloßer Provinzorganist, sondern als Musiker, der aus einer Londoner Kathedralschule stammte und Ansprüche an Stil, Genauigkeit und Überlieferung stellen durfte.

Nach dem Ende seiner Knabenstimme wurde Alcock Schüler des blinden Organisten John Stanley. Stanley war einer der bedeutenden englischen Organisten des 18. Jahrhunderts. Von ihm konnte Alcock technische Orgelpraxis, Voluntary-Formen, Registerfantasie, Improvisation und instrumentales Denken lernen. Die spätere Nähe seiner Voluntaries zur Stanley-Tradition ist daher plausibel.

Plymouth, Reading, Lichfield, Sutton Coldfield und Tamworth

Alcocks erste größere Organistenstelle war St Andrew’s in Plymouth, wo er ab 1737 wirkte. Dort trat er in die Praxis einer großen städtischen Parish Church ein. Solche Kirchen waren im 18. Jahrhundert wichtige Orte des öffentlichen Gottesdienstes, des bürgerlichen Musiklebens und der Organistenprofession. 1738 heiratete er Margaret Beaumont. Diese frühe Phase verbindet beruflichen Aufbau, Familiengründung und erste Publikationen.

1742 wechselte Alcock nach Reading an St Laurence’s. Dort veröffentlichte er unter anderem Psalm- und Hymnenmaterial. Reading ist für die Entstehung der Psalmody wichtig, die ausdrücklich auf einfache, für Landkirchen geeignete Praxis zielte. Alcock dachte Kirchenmusik nicht nur für hochrangige Kathedralen, sondern auch für kleinere Chöre, ländliche Gemeinden und begrenzte Mittel.

Im Januar 1750 wurde Alcock an Lichfield Cathedral als Vicar Choral und Organist aufgenommen. Dies war der institutionelle Höhepunkt seiner Laufbahn, aber zugleich der Ausgangspunkt seiner bekanntesten Konflikte. Die Kathedrale bot Status, liturgische Kontinuität und Repertoiretradition, aber auch feste Hierarchien und praktische Einschränkungen. Alcocks energische Reformhaltung passte nicht reibungslos in dieses Umfeld.

Ab 1761 war er Organist der Parish Church von Sutton Coldfield, von 1766 bis 1790 Organist an St Editha’s in Tamworth. Diese Ämter zeigen, dass Alcock auch nach dem Ende der eigentlichen Lichfield-Organistenfunktion beruflich aktiv blieb. Zugleich behielt er seine Stellung als Vicar Choral in Lichfield, wohnte im Cathedral Close und blieb dem Chor verbunden.

Lichfield Cathedral, Reformstreit und Vicar Choral

Lichfield Cathedral war für Alcock nicht nur Arbeitsplatz, sondern Konfliktfeld und Identitätsort. Als Organist und Vicar Choral erwartete er offenbar eine solide Chorbesetzung, korrekte musikalische Quellen, angemessene Orgelbegleitung und eine ernsthafte Pflege des Kathedralrepertoires. In der Realität stieß er auf schwankende Dienstbesetzung, Kritik an seinem Begleitstil und Widerstand gegen seine musikalischen Vorstellungen.

In der Widmung seines Service in e-Moll von 1753 beklagte er sinngemäß die schwache Besetzung einzelner Gottesdienste und die Kritik an seiner Art, die Orgel in der Kathedralmusik zu verwenden. 1758 kam es zu Auseinandersetzungen mit den Männern des Chors. Man warf ihm vor, durch Orgeltricks oder spöttisches Spiel die Sänger bloßzustellen. Die Forschung liest diese Vorgänge als Ausdruck eines temperamentvollen Musikers, der sich zugleich reformerisch und verletzt zeigte.

Seine späteren Vorreden, besonders zur Sammlung Six and Twenty Select Anthems, zeigen einen Komponisten, der sich argumentativ verteidigte. Alcock beanspruchte musikalische Sorgfalt, handwerkliche Korrektheit und Kenntnis der Tradition. Er war kein stiller Dienstmusiker, sondern ein polemischer Akteur im Kirchenmusikbetrieb. Diese Seite macht ihn kulturhistorisch lebendig.

Kathedralmusik, Psalmody und anglikanische Gebrauchspraxis

Alcocks kirchenmusikalisches Schaffen steht im Zentrum seines Œuvres. Es umfasst Services, Anthems, Chants, Psalm Tunes, Hymns, Miserere-Sätze und editorische Arbeiten. Diese Werke sind aus dem anglikanischen Gottesdienst heraus zu verstehen. Ein Service vertont die festen Gesänge des Morning Prayer, Communion und Evening Prayer; ein Anthem dient als freieres liturgisches oder festliches Chorstück; Chants und Psalm Tunes regeln die tägliche Psalmenpraxis.

A Morning, Communion and Evening Service in e-Moll war das Werk, das innerhalb seiner Kirchenmusik die größte Verbreitung erreichte. Es wurde 1753 gedruckt und geht nach Alcocks eigener Angabe auf eine Komposition von 1732 zurück. Der Druck ist auch wegen seiner Vorrede wichtig, weil Alcock dort über Aufführungspraxis, Orgelbegleitung und Kathedralverhältnisse spricht.

Die Psalmody und die späteren Sammlungen Divine Harmony, The Pious Soul’s Heavenly Exercise, The Harmony of Sion und The Harmony of Jerusalem zeigen Alcock als Herausgeber, Bearbeiter und praktischen Kirchenmusikorganisator. Ihn interessierte nicht nur die Komposition eines einzelnen Werks, sondern die Verfügbarkeit eines brauchbaren Repertoires. Er wollte Musik liefern, die in Kirchen tatsächlich singbar, aufführbar und geordnet war.

Seine Beschäftigung mit älterer Kathedralmusik macht ihn außerdem zu einer Nebenfigur der englischen Musikantiquarik. Er erkannte Fehler in Handschriften, plante gedruckte Partituren älterer Services und stellte Material zur Verfügung, das später in größeren editorischen Unternehmungen Bedeutung gewann. Dadurch steht er zwischen praktischer Tradition und historischer Sammlung.

Instrumentalmusik, Voluntary, Cembalo und Concerto

Alcocks Instrumentalmusik ist kleiner als sein kirchenmusikalisches Werk, aber für seine Ausbildung und Praxis sehr wichtig. Die Six Suite’s of Easy Lessons for the Harpsicord or Spinnet with a Trumpet Piece zeigen ihn als Komponisten für häusliches und pädagogisches Tasteninstrumentenspiel. Diese Suiten verwenden Tanzsätze wie Almand, Saraband, Siciliana, Gavot, Courant, Minuet und Giga. Sie gehören in die englische Cembalo- und Spinetkultur der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Die Ten Voluntaries für Orgel oder Cembalo stehen näher an seiner Organistenpraxis. Das englische Voluntary war ein freies Orgelstück für den Gottesdienst, besonders für Anfang, Schluss oder bestimmte liturgische Zwischenräume. Es konnte aus langsamen, imitatorischen, fugierten, echohaften oder registerbezogenen Abschnitten bestehen. Alcocks Voluntaries stehen in der Nachfolge John Stanleys, sind aber stärker als Gebrauchsstücke einer Kirchenorganistenpraxis zu verstehen.

Die Six Concertos in Seven Parts erweitern das Bild. Sie zeigen Alcock als Komponisten größerer instrumentaler Besetzungen. Dass er neben Psalmody, Anthems und Services auch Concertos, Songs und Cembalosuiten schrieb, belegt die Vielseitigkeit eines englischen Organisten, der neben der Kirche auch am weltlichen Musikmarkt teilnahm.

Fanny Brown, Polemik und Selbstbild

Alcock veröffentlichte unter dem Pseudonym John Piper die Erzählung The Life of Miss Fanny Brown. Das Werk ist für die Musikgeschichte nicht wegen seiner literarischen Qualität allein wichtig, sondern wegen seiner semi-autobiographischen Reflexe. In ihm erscheinen Spannungen, Kränkungen und Konflikte, die mit Alcocks Lichfield-Erfahrungen in Verbindung gebracht werden.

Der Text zeigt eine seltene Seite eines 18. Jahrhunderts-Kirchenmusikers: nicht nur den Komponisten und Organisten, sondern den empfindlichen, argumentierenden und erzählenden Akteur. Alcock benutzte Literatur, Vorrede und Polemik, um seine Sicht auf musikalische Institutionen zu formulieren. Dadurch gehört er auch in die Geschichte musikalischer Selbstzeugnisse.

Sein Selbstbild war offenbar von dem Wunsch geprägt, als gelehrter und ernstzunehmender Musiker anerkannt zu werden. Der Erwerb des Doctor of Music in Oxford, die Pflege älterer Kirchenmusik, die gedruckten Vorreden und die Teilnahme an Catch-Club-Wettbewerben sind unterschiedliche Formen desselben Statusanspruchs.

Werkverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis bündelt die greifbaren Drucke, Werkgruppen, Handschriftenhinweise und verlorenen Werke John Alcocks des Älteren. Die Übersicht folgt der heute üblichen Unterscheidung zwischen gedruckten geistlichen Vokalwerken, Psalmody- und Chant-Sammlungen, Services, Anthems, Instrumentalwerken, weltlicher Vokalmusik, Catches, Canons, editorischen Arbeiten und literarischem Werk. Bei einzelnen Stücken ist zwischen erhaltenen Drucken, Handschriften, späteren Editionen und nur aus Vorreden oder Katalogen bekannten verlorenen Werken zu unterscheiden.

Services, geistliche Vokalwerke und Kathedralmusik

  • A Morning, Communion and Evening Service in e-Moll, für drei bis sechs Stimmen und Orgel, ursprünglich 1732 komponiert, 1753 gedruckt; mit wichtiger Widmung und aufführungspraktischen Bemerkungen.
  • Six and Twenty Select Anthems, a Burial Service and Part of the 150th Psalm, für eine bis acht Stimmen und Orgel, Werke aus dem Zeitraum 1732 bis 1771, gedruckt 1771, zweite Auflage um 1775; mit ausführlicher Vorrede.
  • Miserere, vierstimmig, 1756 komponiert, 1771 in Lichfield und London veröffentlicht.
  • Drei Anthems aus den Jahren 1778/79 in Six New Anthems, für zwei bis vier Stimmen, zwei Oboen, Fagott und Orgel, um 1790 veröffentlicht; der übrige Teil dieser Sammlung stammt von John Alcock dem Jüngeren.
  • Verse Service in B-Dur, 1771, in Handschriften beziehungsweise Lichfield-Überlieferung greifbar.
  • Third Service in F-Dur, 1788.
  • Services in C-Dur, Es-Dur und a-Moll, handschriftlich beziehungsweise in Werklisten nachgewiesen.
  • Vertonung der Commandments und verwandter liturgischer Stücke, in Werklisten und Handschriftenkontexten genannt.
  • Burial Service, in der Sammlung Six and Twenty Select Anthems enthalten beziehungsweise mit ihr verbunden.
  • Teil des 150. Psalms, in der Sammlung Six and Twenty Select Anthems mitgenannt.

Anthems

  • Laudate Dominum, für Doppelchor und Orchester, 1754; 1771 als We will rejoice revidiert.
  • Blessed is he, Verse Anthem mit Orchester, 1761; 1776 als O praise the Lord revidiert.
  • The Ways of Sion, für Doppelchor und Orchester, 1766; aus einem Verse Anthem der Sammlung Six and Twenty Select Anthems revidiert.
  • Sing unto the Lord, Verse Anthem mit Orchester, 1776.
  • Behold how good, Anthem, 1785.
  • Almighty and everlasting God, Anthem, 1789.
  • Why do the heathen, Anthem, 1793.
  • Let every Soul, Anthem, 1794.
  • Lord, teach us, Anthem, 1798.
  • Unto thee have I cried, Anthem mit bemerkenswert ausführlicher Orgelpart-Ausarbeitung beziehungsweise aufführungspraktischem Kommentar.
  • Wherewithal shall a young man cleanse his way, schlichtes Anthem, in späterer Rezeption als besonders zugänglich genannt.
  • Weitere Anthems aus der Sammlung Six and Twenty Select Anthems, teils erhalten, teils handschriftlich oder in zeitgenössischer Überlieferung zu prüfen.
  • Weitere in der Vorrede von 1771 genannte Anthems, von denen ein Teil heute verloren ist.

Psalmody, Chants und Hymnensammlungen

  • Psalmody: or a Collection of Psalm Tunes in the Ancient and Modern Stiles, with Several Festival Hymns, Reading, um 1749; für eine, zwei, drei und vier Stimmen mit Chören, mit oder ohne Orgel singbar, ergänzt durch Canons für drei bis sechs Stimmen mit Thorough Bass.
  • Fifty Select Portions from The Singing Psalms, nach Merrick, Reading, um 1749; zweite Ausgabe 1793.
  • Divine Harmony, Birmingham, 1752; Sammlung von 55 Double and Single Chants für vier Stimmen, wie sie an Lichfield Cathedral gesungen wurden; mit Vorrede vom 31. August 1752.
  • The Pious Soul’s Heavenly Exercise, 1756; Sammlung beziehungsweise Andachts- und Psalmody-Druck mit Vorrede.
  • The Harmony of Sion, 1779, zweite Ausgabe 1816; Sammlung von Psalm Tunes, Hymns und Chants, im Zusammenhang mit Francis Roome und Alcocks Sätzen beziehungsweise Bearbeitungen.
  • The Harmony of Jerusalem, 1801; späte Psalm- und Hymnensammlung mit Bezug zu Alcocks Bearbeitungs- und Harmonisierungspraxis.
  • Einzelne Psalm Tunes und Chants, in späteren Hymnals, Chantbooks, Hymnary-Daten und Lichfield-Psalter-Kontexten nachgewiesen.
  • Mehrere Chants in Hymnary, darunter unter den Katalogbezeichnungen Chant mit Alcock-Nummern.
  • Bearbeitungen und Harmonisationen älterer Psalm Tunes und Hymns, besonders im Zusammenhang der praktischen Gemeinde- und Kathedralnutzung.

Orgel- und Tastenmusik

  • Ten Voluntaries, für Orgel oder Cembalo, Band 1, 1774.
  • Einzelne Voluntaries aus den Ten Voluntaries, darunter Nr. 1, 2, 6 und 10 in späteren Auswahlausgaben wie Tallis to Wesley.
  • Voluntaries Nr. 4, 5, 7 und möglicherweise 8 in Peter Marrs Ausgabe Eight Georgian Organ Voluntaries for Manuals.
  • Voluntary in D major, in modernen Notenportalen separat nachgewiesen.
  • Voluntary V, in modernen Notenportalen separat nachgewiesen.
  • Grave, aus einem Voluntary beziehungsweise als Orgelstück in moderner Separatüberlieferung.
  • Six Suite’s of Easy Lessons for the Harpsicord or Spinnet with a Trumpet Piece, 1741, zweite Ausgabe 1742; später herausgegeben von Richard Jones.
  • Suite Nr. 1 in A-Dur mit Larghetto, Almand, Saraband und Minuet mit Variation.
  • Suite Nr. 2 in B-Dur mit Almand, Siciliana und Gavot.
  • Suite Nr. 3 in c-Moll mit Almand, Courant und Minuet.
  • Suite Nr. 4 in d-Moll mit Almand, Courant und Minuet mit vier Variationen.
  • Suite Nr. 5 in e-Moll mit Almand, Saraband und Giga.
  • Suite Nr. 6 in F-Dur mit Almand, Siciliana, Gavot und Giga.
  • A Trumpet Piece in D-Dur, als Zusatzstück zu den Six Suite’s of Easy Lessons.
  • Einzelne Cembalo-, Spinet- und Orgelstücke, die in zeitgenössischen Anthologien oder modernen Notenportalen separat erscheinen.

Ensemble- und Instrumentalmusik

  • Six Concerto’s in Seven Parts, für zwei Flöten, zwei Oboen, Fagott, vier Violinen, Viola, Violoncello und Basso continuo, 1750; moderne Wiederveröffentlichung 1989 in einer Reihe zur englischen Musik.
  • Sechs Sonaten für zwei Flöten oder Violinen und Basso continuo, in der Vorrede zu Six and Twenty Select Anthems genannt, heute verschollen.
  • Solos für Flöte, Cembalo und Orgel, in älteren Nachschlagewerken als Werkgruppen genannt.
  • Instrumentale Stücke in zeitgenössischen Anthologien, soweit Alcocks Name beziehungsweise Sigle eindeutig zugeordnet ist.

Weltliche Vokalmusik, Songs, Oden, Glees, Catches und Canons

  • Twelve English Songs, with a Recitativo and Duet out of Rosamond, für eine Stimme, Flöte und Basso continuo; Duett mit Violine und Basso continuo, 1743.
  • Harmonia Festi, or a Collection of Canons, Glees, and Catches, meist vier- bis fünfstimmig, Lichfield, 1791.
  • Attend, harmonious saint, Ode auf einen Text von Joseph Addison, BMus-Exercise, 1755.
  • Two constant hearts, Wedding Ode, 1766.
  • All creatures breathing on the earth, Ode, um 1766 beziehungsweise unsicher datiert, heute verschollen.
  • Beiträge und Einsendungen zu Wettbewerben des Noblemen and Gentlemen’s Catch Club zwischen 1769 und 1786.
  • Preise beim Catch Club für Catches, Canons oder Glees in den Jahren 1770, 1772 und 1778.
  • Songs, Catches, Canons, Glees und Keyboard Pieces, die einzeln oder in zeitgenössischen Anthologien veröffentlicht wurden.
  • Fair Chloe, in modernen Notenportalen als Einzelkomposition unter John Alcock Sr. nachgewiesen.
  • Let chearful smiles in ev’ry face, auch A Favourite Hymn for Christmas Day 1779, für zwei Solostimmen, gemischten Chor und Orchester beziehungsweise zwei Oboen, Fagott und Continuo.
  • Große Teile der Oper beziehungsweise Bühnenmusik Rosamond, in der Vorrede von 1771 genannt, heute größtenteils verloren.

Editorische, antiquarische und kopistische Arbeiten

  • Plan einer regelmäßigen Partiturausgabe älterer Kathedral-Services, 1752 prospectusartig angekündigt, aber nicht realisiert.
  • Materialsammlung zu Tallis, Byrd, Gibbons und Charles King, später für größere Kathedralmusikprojekte relevant.
  • Eigene Abschriften und Partiturauszüge älterer Kirchenmusik von Thomas Tallis und William Byrd.
  • Abschriften beziehungsweise Beschäftigung mit Thomas Morleys Canzonets und Balletts.
  • Ehemaliger Besitz beziehungsweise Umgang mit der Tregian-Anthology beziehungsweise dem sogenannten Sambrooke-Manuskript, heute mit Drexel 4302 verbunden.
  • Edition von William Byrds Diliges Dominum, 1770.
  • Kopistische Arbeiten an Maurice Greenes Deborah and Barak, in modernen Katalogzusammenhängen nachgewiesen.
  • Kopistische Arbeiten beziehungsweise Notenüberlieferung zu Thomas Morleys Canzonets to 3 Voices.
  • Bearbeitung beziehungsweise harmonische Ergänzung von William Crofts St. Anne’s, in modernen Katalogzusammenhängen nachgewiesen.

Literarische Werke und Selbstzeugnisse

  • The Life of Miss Fanny Brown, unter dem Pseudonym John Piper veröffentlicht, 1761; semi-autobiographisch deutbare Erzählung mit Reflexen der Lichfield-Konflikte.
  • Argumentative Vorrede zu Six and Twenty Select Anthems, 1771, als wichtiges musikgeschichtliches Selbstzeugnis.
  • Widmung und Vorbemerkungen zu A Morning, Communion and Evening Service, 1753, mit Hinweisen auf Kathedralpraxis, Besetzung und Orgelbegleitung.
  • Vorreden und editorische Bemerkungen zu Psalmody- und Chant-Sammlungen, besonders für Fragen der Kirchenmusikpraxis und Gemeindeaufführung.

Verschollene oder nur indirekt bekannte Werke

  • Große Teile von Rosamond, in Alcocks Vorrede erwähnt, heute überwiegend verloren.
  • Sechs Sonaten für zwei Flöten oder Violinen und Basso continuo, in der Vorrede von 1771 genannt, heute verschollen.
  • All creatures breathing on the earth, Ode, unsicher datiert und verloren.
  • Weitere in der Vorrede von 1771 genannte Kompositionen, heute nicht sicher erhalten.
  • Verschiedene in älteren Katalogen unter White beziehungsweise im Katalog der Bibliothek des Rev. John Parker genannte Stücke, heute verloren oder nicht eindeutig identifiziert.
  • Einzelne handschriftliche Services, Anthems, Chants, Psalm Tunes und liturgische Sätze, die in Lichfield, London, Oxford oder anderen Bibliotheken liegen können und quellenkritisch zu prüfen sind.

Überlieferung, Drucke und Forschungsstand

Alcocks Überlieferung ist für einen englischen Kirchenmusiker des 18. Jahrhunderts vergleichsweise breit, aber verstreut. Sie umfasst Drucke aus London, Reading, Birmingham und Lichfield, Handschriften in Kathedral- und Bibliotheksbeständen, spätere Anthologien, Chantbooks, Hymnals, moderne Orgeleditionen, IMSLP-Digitalisate, Hymnary-Daten und musikwissenschaftliche Arbeiten. Dabei sind John Alcock der Ältere und John Alcock der Jüngere sorgfältig auseinanderzuhalten.

Die wichtigste moderne biographische Grundlage ist der Grove-Artikel von Watkins Shaw und Peter Marr. Peter Marrs Dissertation und Aufsätze haben Alcock als Lichfield-Musiker, Kirchenmusikreformer und Autor von Fanny Brown genauer erschlossen. Ältere Nachschlagewerke wie die Dictionary of National Biography-Artikel bleiben für bibliographische und rezeptionsgeschichtliche Fragen nützlich, müssen aber bei Grad-, Amts- und Datierungsfragen mit jüngerer Forschung abgeglichen werden.

Die gedruckte Werküberlieferung ist vor allem für Psalmody, Chants, Services, Anthems, Voluntaries und Cembalosuiten wichtig. Dagegen sind mehrere größere Werke nur aus Hinweisen bekannt. Alcock selbst nannte in Vorreden Stücke, die später nicht oder nur fragmentarisch greifbar sind. Deshalb muss ein vollständiges Werkverzeichnis zwischen erhalten, gedruckt, handschriftlich, in späteren Ausgaben greifbar, nur erwähnt und verschollen unterscheiden.

IMSLP bietet für die praktische Recherche eine wertvolle, aber nicht vollständige Werkgruppenübersicht. Dort erscheinen unter John Alcock Sr. Kompositionen, Collected Works, Collections With, Arrangements, Copyist Entries und das Buch The Life of Miss Fanny Brown. Für wissenschaftliche Detailarbeit sind zusätzlich RISM, Library of Congress, British Library, Lichfield Cathedral, Oxford Music School Collection, die ODNB/Grove-Nachweise und Peter Marrs Arbeiten heranzuziehen.

Rezeption und kulturgeschichtliche Bedeutung

Alcocks Musik geriet nach seinem Tod weitgehend in den Schatten. Die englische Kirchenmusikgeschichtsschreibung bevorzugte stärker kanonisierte Namen wie Purcell, Blow, Croft, Greene, Boyce, Stanley, Wesley oder später Samuel Sebastian Wesley. Alcock blieb eher eine lokale, quellenkundliche und kirchenmusikpraktische Gestalt. Gerade diese Stellung macht ihn für eine kulturgeschichtlich ausgerichtete Darstellung wichtig.

Er verkörpert eine Schicht von Musikern, ohne die die englische Kirchenmusik des 18. Jahrhunderts nicht funktioniert hätte. Diese Musiker mussten komponieren, begleiten, proben, unterrichten, sammeln, korrigieren, veröffentlichen, harmonisieren, improvisieren, verwalten und mit lokalen Konflikten umgehen. Alcock war ein typischer, aber ungewöhnlich gut dokumentierter Vertreter dieses Berufsprofils.

Seine Bedeutung liegt auch im Übergang von Handschrift zu Druck. Er sah Fehler in handschriftlichen Kathedralbeständen, wollte ältere Services in Partitur veröffentlichen und beschäftigte sich mit der musikalischen Vergangenheit Englands. Darin zeigt sich eine frühe Form musikgeschichtlichen Bewusstseins. Zugleich blieb er Praktiker: Seine Psalmody- und Chant-Sammlungen zielten auf konkrete Aufführbarkeit.

Für heutige Organisten und Kirchenmusikhistoriker ist Alcock besonders wegen seiner Voluntaries, Chants, Psalmody und Vorreden interessant. Seine Werke sind keine avantgardistischen Neuerungen, sondern Zeugnisse einer stabilen, handwerklich fundierten, liturgisch gebundenen Kultur. Ihre Bedeutung liegt in der Verbindung von Gebrauch, Tradition, Streitlust und musikalischer Ordnung.

Sekundärliteratur

  • Watkins Shaw und Peter Marr: Alcock, John (i). In: Grove Music Online. Fachartikel zu Leben, Laufbahn, Werk, Überlieferung und Bibliographie.
  • H. Diack Johnstone: Alcock, John (1715–1806), organist and composer. In: Oxford Dictionary of National Biography. Biographischer Artikel zu Alcock d. Ä.
  • Peter Marr: The Life and Works of John Alcock (1715–1806). Dissertation, University of Reading, 1978.
  • Peter Marr: John Alcock and Fanny Brown. In: Music & Letters, 58, 1977, S. 118–120.
  • Peter Marr: John Alcock (1715–1806), Vicar Choral and Organist at Lichfield Cathedral: a Frustrated Reformer. In: Transactions of the South Staffordshire Archaeological and Historical Society, 21, 1980, S. 25–33.
  • Peter Marr: An 18th-Century Collection of Anglican Chants. In: Soundings, 9, 1979/80, S. 71–80.
  • H. Diack Johnstone: The Genesis of Boyce’s Cathedral Music. In: Music & Letters, 56, 1975, S. 26–40.
  • H. Diack Johnstone und Roger Fiske, Hrsg.: Music in Britain: The Eighteenth Century. Oxford, 1990.
  • Michael E. Atkinson: The Orchestral Anthem in England, 1700–1775. DMA Dissertation, University of Illinois, 1991.
  • William Barclay Squire: Alcock, John (1715–1806). In: Dictionary of National Biography, 1885–1900.
  • John E. West: Cathedral Organists Past and Present. London, Novello, 1899. Kontextwerk zur englischen Organistenchronologie.
  • Ernest Walker, Edmund H. Fellowes und weitere ältere Forscher zur englischen Kirchenmusik, Kathedralmusik und Psalmody-Tradition.
  • John W. Moore: A Dictionary of Musical Information. Boston, 1876. Ältere Quelle mit Kurzangaben zu Alcock und seiner Tätigkeit.
  • Forschung zu William Boyce, John Stanley, Thomas Tallis, William Byrd, Orlando Gibbons, Benjamin Cooke, Maurice Greene, Samuel Arnold und zur englischen Cathedral-Music-Bewegung des 18. Jahrhunderts.
  • Moderne Vorwort- und Editionsliteratur zu Tallis to Wesley, Eight Georgian Organ Voluntaries for Manuals und anderen Ausgaben georgianischer Orgelmusik.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • John Alcock der Jüngere Sohn John Alcocks des Älteren, ebenfalls Organist und Komponist; wichtig zur Abgrenzung der Werk- und Namensüberlieferung.
  • William Alcock Organistischer Familien- und Namenskontext, der in älteren Quellen gelegentlich mit anderen Alcock-Namen verwechselt wird.
  • Englische Kathedralmusik Hauptkontext von Alcocks Services, Anthems, Chants und Reforminteressen.
  • Anglikanische Kirchenmusik Liturgischer Rahmen von Morning Prayer, Evening Prayer, Communion Service, Anthem und Psalmody.
  • Service Anglikanische Gattung, in der Alcocks Morning, Communion and Evening Service in e-Moll steht.
  • Anthem Zentrale englische Kirchenmusikgattung, die Alcock in zahlreichen Full und Verse Anthems pflegte.
  • Verse Anthem Gattung mit Wechsel von Soloversen und Chorabschnitten, in Alcocks Kathedralwerk mehrfach relevant.
  • Full Anthem Chorisch geschlossene anglikanische Anthem-Form, die den englischen Kathedralstil des 18. Jahrhunderts prägt.
  • Anglican Chant Psalmengesangsform, zu deren Sammlung und Praxis Alcock wesentlich beitrug.
  • Psalmody Gemeindliche und chorische Psalmengesangskultur, die Alcock durch mehrere Sammlungen bearbeitete.
  • Hymn Tune Melodie- und Harmonisierungspraxis englischer Hymnen, wichtig für Alcocks Sammlungen.
  • Catch Gesellige englische Vokalgattung, in der Alcock erfolgreich an Catch-Club-Wettbewerben teilnahm.
  • Canon Kontrapunktische Form, die Alcock in Psalmody, Harmonia Festi und Catch-Club-Kontexten pflegte.
  • Glee Englische gesellige Vokalgattung des 18. Jahrhunderts, Teil von Alcocks weltlicher Vokalproduktion.
  • Organ Voluntary Englische Orgelgattung für den Gottesdienst, in der Alcock mit seinen Ten Voluntaries steht.
  • Englische Orgelmusik des 18. Jahrhunderts Instrumentaler Kontext von John Stanley, John Alcock und den georgianischen Voluntaries.
  • St Paul’s Cathedral Londoner Ausbildungsort Alcocks als Chorknabe unter Charles King.
  • Lichfield Cathedral Zentraler Wirkungs- und Konfliktort Alcocks als Organist und Vicar Choral.
  • St Andrew’s, Plymouth Frühe Organistenstelle Alcocks ab 1737.
  • St Laurence, Reading Organistenstation Alcocks ab 1742 und Umfeld früher Psalmody-Publikationen.
  • Sutton Coldfield Parish Church Langjährige Organistenstelle Alcocks von 1761 bis 1786.
  • St Editha’s, Tamworth Organistenstelle Alcocks von 1766 bis 1790.
  • Charles King Lehrer und Kathedralmusiker, unter dem Alcock als Chorknabe an St Paul’s sang.
  • John Stanley Blinder englischer Organist und Lehrer Alcocks, wichtig für die Voluntary-Tradition.
  • William Boyce Zeitgenosse und ehemaliger Mitschüler Alcocks, zentrale Figur der englischen Kathedralmusik und Herausgeber von Cathedral Music.
  • Samuel Arnold Komponist und Editor, in dessen Londoner Musical-Graduates-Kontext Alcock im Alter Anerkennung fand.
  • Maurice Greene Englischer Kirchenkomponist, dessen Stil und editorische Projekte für Alcocks Umfeld wichtig sind.
  • William Croft Englischer Kirchenkomponist, auf dessen Stil und Hymn Tune St Anne Alcock Bezug nahm.
  • Thomas Tallis Älterer englischer Kirchenkomponist, dessen Werke Alcock antiquarisch studierte und für Publikationspläne heranzog.
  • William Byrd Englischer Renaissancekomponist, dessen Kirchenmusik Alcock abschrieb und edierte.
  • Orlando Gibbons Englischer Kathedralmusiker, dessen Service in F Alcock in seine Editionspläne einbezog.
  • Thomas Morley Komponist von Canzonets und Balletts, die Alcock antiquarisch studierte beziehungsweise kopierte.
  • Cathedral Music von William Boyce Zentrales Editionsunternehmen englischer Kathedralmusik, dessen Vorgeschichte Alcocks Sammelpläne berührt.
  • Tregian Anthology Bedeutende englische Musikquelle, mit der Alcock als Besitzer oder Kenner verbunden war.
  • Sambrooke Manuscript Handschriftlicher Quellenkomplex, der in Alcocks antiquarischem Umfeld wichtig ist.
  • Drexel 4302 Heutige Signatur beziehungsweise Quelle im Zusammenhang der Tregian- und Sambrooke-Überlieferung.
  • Bachelor of Music Oxford Akademischer Grad, den Alcock 1755 erwarb.
  • Doctor of Music Akademischer Status, den Alcock 1766 in Oxford erreichte und der sein Selbstbild prägte.
  • Noblemen and Gentlemen’s Catch Club Londoner Wettbewerbskultur, in der Alcock mit Catches, Canons und Glees Preise gewann.
  • Musical Graduates’ Meeting Londoner Kreis musikalischer Graduierter, in den Alcock im Alter eingeladen wurde.
  • The Life of Miss Fanny Brown Semi-autobiographische Erzählung Alcocks unter dem Pseudonym John Piper.
  • John Piper Pseudonym John Alcocks des Älteren für seine literarische Veröffentlichung.
  • Georgian Organ Voluntary Stil- und Repertoirekontext von Alcocks Orgelstücken.
  • Georgianische Musik Britischer Kulturzeitraum, in dem Alcocks Kirchen-, Orgel- und Clubmusik entstand.
  • Musik der englischen Parish Church Lokales Kirchenmusikfeld, das Alcocks Laufbahn in Plymouth, Reading, Sutton Coldfield und Tamworth prägte.
  • Vicar Choral Kirchliches Amt, das Alcock an Lichfield Cathedral lebenslang mitprägte.
  • Cathedral Organist Berufsrolle, die Alcock an Lichfield Cathedral und in seinem Selbstverständnis verkörperte.
  • Hymnary Onlinequelle für Hymn Tunes, Chants, Personen- und Gesangbuchdaten zu Alcock.
  • IMSLP Notenportal mit zahlreichen Alcock-Digitalisaten und Werkseiten.
  • Grove Music Online Fachlexikalische Quelle mit maßgeblichem Artikel zu John Alcock d. Ä.
  • Oxford Dictionary of National Biography Britisches Fachlexikon mit biographischem Artikel zu Alcock.
  • Dictionary of National Biography Ältere biographische Quelle mit frühem Alcock-Artikel.
  • Peter Marr Wichtiger Alcock-Forscher, Autor einer Dissertation und mehrerer Studien zu Lichfield, Fanny Brown und Alcocks Reformprofil.
  • Watkins Shaw Musikwissenschaftler und Mitautor des Grove-Artikels zu John Alcock.
  • H. Diack Johnstone Forscher zur englischen Musik des 18. Jahrhunderts und zur Entstehung von Boyces Cathedral Music.