Innocenzo Alberti

Italienischer Instrumentalist und Komponist der Spätrenaissance; geboren um 1535 in Treviso, gestorben am 15. Juni 1615 in Ferrara; am Este-Hof als Innocentio del Cornetto geführt.

Überblick

Innocenzo Alberti, in der Überlieferung häufig als Innocentio Alberti, Innocenzio Alberti oder nach seiner höfischen Instrumentalrolle als Innocentio del Cornetto bezeichnet, war ein italienischer Instrumentalist und Komponist der Spätrenaissance. Er stammt aus einer Musikerfamilie aus Treviso und gehört zu denjenigen Hofmusikern, deren Bedeutung erst sichtbar wird, wenn man Komposition, Aufführungspraxis, höfische Institution, Druckgeschichte und Handschriftenüberlieferung zusammendenkt. Alberti war nicht bloß ein Verfasser von Madrigalen und Motetten, sondern zugleich ein Instrumentalist, dessen Beiname auf den Zink beziehungsweise Cornetto verweist.

Seine Lebensbahn führt von Treviso über Padua nach Ferrara. 1557 wurde Alberti in Padua im Umfeld der Accademia degli Elevati tätig, einer humanistisch geprägten Akademie, die mit Francesco Portinaro und dem Kreis um Cipriano de Rore verbunden war. Nach der Auflösung der Akademie um 1560 wechselte er an den Este-Hof in Ferrara. Dort blieb er bis zur Auflösung beziehungsweise zum Ende der alten herzoglichen Hofstruktur nach dem Tod Alfonso II. d’Este und dem Übergang Ferraras an den Kirchenstaat im Jahr 1598 in den Hoflisten greifbar. Die Bezeichnung Innocentio del Cornetto macht deutlich, dass er am Hof besonders als Instrumentalist geführt wurde.

Sein Werk umfasst weltliche Madrigale, geistliche Motetten, die Salmi penitenziali, einzelne in Sammeldrucken und Handschriften überlieferte Stücke sowie eine kleine instrumentale Nachwirkung in englischer Consort-Überlieferung. Die 1594 in Ferrara bei Vittorio Baldini gedruckten Motetti a sei voci und die ebenfalls 1594 erschienenen Salmi penitenziali armonizzati binden ihn eng an die späte Ferrarer Hof- und Kirchenmusikkultur. Die Madrigalbücher aus den Jahren 1603, 1604 und 1607 erschienen zwar erst nach dem Ende der alten Este-Hofzeit, enthalten aber vermutlich auch ältere Musik aus Albertis jahrzehntelanger Tätigkeit im Umfeld Ferraras.

Kurzdaten

Name Innocenzo Alberti.
Weitere Namensformen Innocentio Alberti, Innocenzio Alberti, Innocente Alberti, Innocentio del Cornetto, Innocente dal Cornetto, Nocentio Alberti und Innocentio.
Geburt Um 1535 in Treviso.
Tod 15. Juni 1615 in Ferrara.
Beruf Instrumentalist, Cornettist, Hofmusiker, Komponist, Madrigalist und Verfasser geistlicher Vokalmusik.
Herkunft Musikerfamilie aus Treviso; der Vater wird als Trompeter bezeichnet, weitere Familienmitglieder waren ebenfalls Musiker.
Instrument Cornetto beziehungsweise Zink; der Hofname Innocentio del Cornetto weist auf diese Instrumentalrolle hin.
Wirkungsorte Treviso, Padua und Ferrara.
Institutionen Accademia degli Elevati in Padua; Este-Hof in Ferrara.
Zentrale Gattungen Madrigal, Motette, Bußpsalm, geistliche Vokalmusik, einzelne instrumentale beziehungsweise instrumental überlieferte Consortstücke.
Musikgeschichtliche Bedeutung Vertreter der späten Ferrarer Hofmusik, Bindeglied zwischen Rore-Kreis, Este-Hof, Vokalpolyphonie, höfischer Instrumentalpraxis und später Madrigalüberlieferung.

Ausführlicher Kulturüberblick

Innocenzo Alberti gehört in eine Epoche, in der das italienische Musikleben durch eine außerordentliche Dichte von Höfen, Akademien, Druckereien, Kirchen, adeligen Privatmusiken und städtischen Kapellen geprägt war. Die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts ist für die Musikgeschichte besonders bedeutsam, weil sich das Madrigal zu einer kunstvollen, literarisch sensiblen und sozial hoch angesehenen Gattung entwickelte. Zugleich nahm die Bedeutung spezialisierter Instrumentalisten zu. Am Hof wurden Sänger, Lautenisten, Zinkenisten, Gambisten, Organisten und Komponisten nicht mehr nur als austauschbare Dienstleute betrachtet, sondern als Träger eines verfeinerten, höfisch repräsentativen Klangideals.

Albertis Lebensweg zeigt diese Entwicklung exemplarisch. In Padua begegnet er zunächst einer akademischen Kultur, die Musik, Humanismus, Dichtung, gesellschaftliche Bildung und künstlerische Erprobung miteinander verband. Die Accademia degli Elevati war keine bloße Musikschule, sondern ein Ort, an dem gelehrte und künstlerische Praxis zusammenkamen. Dass Alberti dort als Musiklehrer tätig war, verweist auf seine fachliche Autorität und auf die Verbindung von Unterricht, höfischer beziehungsweise akademischer Geselligkeit und Komposition.

Der Übergang nach Ferrara führte Alberti in eines der anspruchsvollsten Musikzentren Europas. Der Este-Hof war im späten 16. Jahrhundert berühmt für seine Sängerinnen, Instrumentalisten, Komponisten und für die raffinierte private Musikpraxis der sogenannten musica secreta. Ferrara wurde mit Namen wie Cipriano de Rore, Giaches de Wert, Luzzasco Luzzaschi, Lodovico Agostini und später mit dem Umfeld des concerto delle donne verbunden. Alberti steht nicht im Zentrum dieser berühmtesten Namen, aber er gehört zum institutionellen Körper, der diese Kultur trug: Er war als Instrumentalist in den Hoflisten präsent und komponierte Musik, die sich in Druck, Handschrift und Sammelüberlieferung erhalten hat.

Besonders aufschlussreich ist die Doppelrolle als Instrumentalist und Vokalkomponist. Der Beiname del Cornetto bezeichnet nicht nur ein Instrument, sondern eine Klangwelt. Der Cornetto war im 16. Jahrhundert ein hoch geschätztes Blasinstrument, das wegen seiner Beweglichkeit, Artikulationsfähigkeit und Nähe zur menschlichen Stimme sowohl in Kirchen- als auch in Hofmusik Verwendung fand. Ein Cornettist am Este-Hof musste nicht nur kräftig und repräsentativ spielen, sondern auch vokale Linien nachahmen, Diminutionen ausführen und mit Sängern beziehungsweise anderen Instrumentalisten flexibel interagieren können. Diese instrumentale Praxis bildet einen wichtigen Hintergrund für Albertis Vokalsatz, auch wenn seine Drucke primär als Madrigale, Motetten und Psalmen erscheinen.

Albertis geistliche Musik zeigt die religiöse Seite der späten Ferrarer Hofkultur. Die Motetti a sei voci von 1594 sind Margherita Gonzaga, Herzogin von Ferrara und Gemahlin Alfonso II. d’Este, gewidmet. Die Sammlung steht damit nicht nur in einem kirchlichen, sondern auch in einem höfisch-dynastischen Kontext. Die ebenfalls 1594 erschienenen Salmi penitenziali armonizzati richten sich an den Herzog von Ferrara. Beide Drucke zeigen, wie geistliche Musik am Hof als Devotion, Repräsentation und musikalische Kunst zugleich funktionieren konnte.

Die weltlichen Madrigale verbinden Alberti mit der langen Tradition des italienischen Madrigals von Rore bis an die Schwelle des Frühbarock. Seine drei gedruckten Madrigalbücher des frühen 17. Jahrhunderts erscheinen spät, doch ihr Stil und ihre Entstehungsgeschichte weisen vielfach auf ältere höfische Kontexte zurück. Alberti war kein radikaler Neuerer wie Monteverdi; seine Bedeutung liegt eher in der handwerklich sicheren, institutionell verankerten und traditionsbewussten Ausprägung eines späten Madrigalstils, der die Errungenschaften des Ferrarer und oberitalienischen Repertoires bewahrt und weiterführt.

Leben und institutioneller Zusammenhang

Innocenzo Alberti wurde um 1535 in Treviso geboren. Die Familie war musikalisch geprägt: Der Vater wird als Trompeter bezeichnet, und auch Bruder und Onkel gehörten zum Musikerstand. Diese Herkunft erklärt, weshalb Alberti früh in einer Praxis sozialisiert wurde, in der Instrumentalspiel, Dienst am Hof oder an einer Institution, Musikunterricht und Komposition eng miteinander verbunden waren. Anders als rein gelehrte Komponisten war Alberti offenbar von Anfang an in einer handwerklich-performativen Musikkultur verankert.

1557 wurde Alberti nach Padua geholt, um an der Accademia degli Elevati als Musiklehrer zu wirken. Der Zusammenhang mit Francesco Portinaro und dem Kreis um Cipriano de Rore ist für seine frühe Entwicklung wichtig. In Rores viertem Madrigalbuch erscheinen bereits erste gedruckte Madrigale Albertis neben Werken Rores, Portinaros und anderer Mitglieder beziehungsweise Nahestehender dieses akademisch-musikalischen Umfelds. Alberti tritt damit früh in einer anspruchsvollen, textbewussten und literarisch geprägten Madrigalkultur hervor.

Nach der Auflösung der Accademia degli Elevati um 1560 wechselte Alberti in den Dienst des Este-Hofs in Ferrara. Dort wurde er in den Hoflisten als Instrumentalist geführt, und zwar unter dem bezeichnenden Namen Innocentio del Cornetto. Diese Benennung legt nahe, dass er besonders als Zinkenist beziehungsweise Cornettist geschätzt wurde. Er blieb über Jahrzehnte am Hof und erscheint dort bis zur Auflösung der alten Hofstruktur im Jahr 1598.

Die letzten Lebensjahre Albertis fallen in eine Phase des Umbruchs. Nach dem Tod Alfonso II. d’Este im Jahr 1597 verlor Ferrara seine Stellung als souveräne Este-Residenz und wurde 1598 dem Kirchenstaat eingegliedert. Für Musiker, Drucker, Sängerinnen und Hofbedienstete bedeutete dies eine Neuordnung ihrer Lebensgrundlagen. Alberti blieb in Ferrara, veröffentlichte im frühen 17. Jahrhundert noch mehrere Madrigalbücher und starb dort am 15. Juni 1615.

Padua und die Accademia degli Elevati

Die Paduaner Phase ist für Albertis Profil grundlegend. Die Accademia degli Elevati gehörte zu jenen gelehrten Gesellschaften des 16. Jahrhunderts, in denen Musik nicht isoliert, sondern als Teil einer umfassenden höfisch-humanistischen Bildung verstanden wurde. Der Umgang mit Dichtung, rhetorischer Form, musikalischer Deklamation und gesellschaftlicher Präsentation war dort zentral. Ein Musiker, der in einer solchen Akademie unterrichtete, musste über praktische und theoretische Kompetenz verfügen.

Francesco Portinaro und Cipriano de Rore bilden den wichtigsten Kontext dieser Phase. Rore war eine Schlüsselfigur des italienischen Madrigals: Seine Werke verbanden intensive Textausdeutung, expressive Harmonik und eine neue dramatische Dichte des Satzes. Wenn Alberti in diesem Umfeld mit ersten Madrigalen gedruckt wurde, bedeutet dies, dass er schon früh in einer anspruchsvollen stilistischen Umgebung wahrgenommen wurde. Seine späteren Madrigalbücher lassen sich daher nicht nur als spätes Gelegenheitsrepertoire lesen, sondern als Fortführung einer älteren, roreisch geprägten Erfahrung.

Ferrara, Este-Hof und Cornettistenrolle

Ferrara war im späten 16. Jahrhundert einer der bedeutenden musikalischen Höfe Europas. Die Este pflegten eine Musikkultur, die sich durch hohe Professionalität, exklusive Aufführungskontexte und enge Beziehungen zwischen Dichtung, Gesang und Instrumentalspiel auszeichnete. Die Hofmusik war nicht nur Unterhaltung, sondern ein Mittel politischer und dynastischer Repräsentation. In dieser Umgebung wirkte Alberti über viele Jahrzehnte.

Die Bezeichnung Innocentio del Cornetto ist für seine Stellung besonders wichtig. Der Cornetto, deutsch meist Zink genannt, war im 16. Jahrhundert ein virtuoses Blasinstrument mit enger Verbindung zur Vokalpolyphonie. Er konnte Stimmen verdoppeln, Diminutionen ausführen, im Ensemble führen oder in feierlichen Kontexten zusammen mit Posaunen, Streichern und Sängern auftreten. Ein Hofmusiker, der nach diesem Instrument benannt wurde, war nicht lediglich ein Nebenbediensteter, sondern Träger eines spezifischen Klangprofils.

Alberti steht daher an der Schnittstelle von vokaler und instrumentaler Kultur. Seine gedruckten Werke sind vor allem Vokalkompositionen, doch sein Hofname erinnert daran, dass diese Musik in einer Welt entstand, in der Stimmen und Instrumente nicht streng getrennt waren. Ferrarer Aufführungen konnten Madrigale mit instrumentaler Beteiligung, Diminutionen und räumlichen oder kammermusikalischen Klangmischungen verbinden. Gerade diese Durchlässigkeit ist ein Kennzeichen der späten Renaissance.

Stil, Madrigal und Motette

Albertis Stil ist konservativer als derjenige der radikalsten madrigalischen Neuerer um 1600, aber er ist keineswegs handwerklich schlicht. Seine Werke zeigen eine sichere Beherrschung vokaler Polyphonie, klare Textartikulation, kontrollierte Imitation und eine Vorliebe für ausgewogene Stimmführung. Im Madrigal steht er in der Tradition Rores und der oberitalienischen Textmusik, ohne die spätere monodische und generalbassgestützte Entwicklung in den Vordergrund zu rücken.

Die Motetten von 1594 zeigen eine geistliche, sechsstimmige Anlage, die in moderner Beschreibung als konservativ, aber kunstvoll bezeichnet werden kann. Auffällig ist der Umgang mit Cantus-firmus-Material und mit Heiligenbezügen. Stücke wie Hic est dies egregius verweisen auf spezifische Heiligenverehrung und können zugleich als Huldigung im höfischen Kontext gelesen werden. Die Widmung an Margherita Gonzaga bindet die Sammlung an die weibliche Fürstenpatronage des späten Ferrara.

Die Salmi penitenziali gehören in eine weit verbreitete Tradition der musikalischen Bußpsalmvertonung des 16. Jahrhunderts. Die sieben Bußpsalmen wurden in der katholischen Frömmigkeit, in höfischer Devotion und in der geistlichen Druckkultur vielfach vertont. Alberti setzt sie sechsstimmig und in mehrteiligen Abschnitten. Die Sammlung verbindet persönliche Bußfrömmigkeit, liturgisch geprägte Texttradition und höfische Widmung.

Instrumentalmusik und englische Consort-Überlieferung

Obwohl Alberti am Este-Hof als Cornettist geführt wurde, ist seine eigenständige Instrumentalmusik nur in geringem Umfang greifbar. Besonders bekannt wurden in moderner Aufführungspraxis eine Pavin of Albarti und eine Galliard Innocentio, die in englischem Consort-Zusammenhang überliefert beziehungsweise unter seinem Namen tradiert sind. Diese Stücke zeigen, wie italienische Musiker und italienisch klingende Höfe auch in der englischen Instrumentalkultur nachwirkten.

Die Überlieferung solcher Stücke ist quellenkritisch vorsichtig zu behandeln. Die Namensformen in englischen Handschriften können abweichen, und es ist nicht immer eindeutig, ob der Name den Komponisten, eine Zuschreibungstradition oder eine spätere Benennung bezeichnet. Dennoch ist die Verbindung plausibel genug, um sie in einem Werkverzeichnis als zugeschriebene beziehungsweise instrumental überlieferte Stücke zu führen. Gerade in Albertis Fall ist sie kulturgeschichtlich sinnvoll, weil seine höfische Identität selbst instrumental definiert war.

Werkverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis fasst die nach gegenwärtig greifbarer Druck-, Handschriften- und Datenbanküberlieferung wichtigsten Werke Innocenzo Albertis zusammen. Da ein Teil der Werke nur in Sammeldrucken, fragmentarischen Nachweisen, Handschriften oder späteren Katalogen greifbar ist, werden unsichere oder nur summarisch belegte Bereiche ausdrücklich gekennzeichnet.

Geistliche Drucke von 1594

  • Salmi penitenziali armonizzati da Innocentio Alberti, musico del serenissimo signor duca di Ferrara. A sei voci. Libro primo, Ferrara, Vittorio Baldini, 1594.
  • Motetti a sei voci d’Innocentio Alberti musico del serenissimo signor duca di Ferrara. Libro secondo, Ferrara, Vittorio Baldini, 1594; gewidmet Margherita Gonzaga, Herzogin von Ferrara und Gemahlin Alfonso II. d’Este.

Einzelstücke der Salmi penitenziali von 1594

  • Domine ne in furore, Prima Pars.
  • Laboravi in gemitu, Secunda Pars.
  • Beati quorum remissae sunt, Prima Pars.
  • Dixi, confitebor adversum, Secunda Pars.
  • Nolite fieri sicut equus, Tertia Pars.
  • Domine ne in furore, weitere Psalmvertonung, Prima Pars.
  • Miser factus sum, Secunda Pars.
  • Et qui iuxta me, Tertia Pars.
  • Quoniam ego in flagella, Quarta Pars.
  • Miserere mei Deus, Prima Pars.
  • Asperges me hyssopo, Secunda Pars.
  • Libera me de sanguinibus, Tertia Pars.
  • Domine exaudi orationem meam, Prima Pars.
  • Similis factus sum, Secunda Pars.
  • Tu autem Domine, Tertia Pars.
  • Respexit in orationem, Quarta Pars.
  • Respondit ei in via, Quinta Pars.
  • De profundis clamavi, Prima Pars.
  • Sustinuit anima mea, Secunda Pars.
  • Domine exaudi orationem meam, weitere Psalmvertonung, Prima Pars.
  • Memor fui dierum, Secunda Pars.
  • Eripe me de inimicis, Tertia Pars.

Motetten aus den Motetti a sei voci von 1594

  • Ave Maria, für sechs Stimmen.
  • Apparuit benignitas, für sechs Stimmen.
  • Ecce virgo concipiet, für sechs Stimmen.
  • Hodie Christus natus est, für sechs Stimmen.
  • Domine Rex Deus Abraham, für sechs Stimmen.
  • Ad te levavi oculos meos, für sechs Stimmen.
  • Hic est dies egregius, für sechs Stimmen.
  • Alme pater Maureli, für sechs Stimmen.
  • Vado ad eum, für sechs Stimmen.
  • Regina caeli, für sechs Stimmen.
  • Puer qui natus est, für sechs Stimmen.
  • O beate Antoni, für sechs Stimmen.
  • Ave virgo mater, für sechs Stimmen.
  • O pretiosum convivium, für sechs Stimmen.
  • Suscipe verbum, für sechs Stimmen.
  • Venite gentes, für sechs Stimmen.
  • Adeste castae virgines, für sechs Stimmen.
  • Lucis creator optime, für sechs Stimmen.

Gedruckte Madrigalbücher

  • Il primo libro de madrigali a quattro voci, Venedig, Giacomo Vincenti, 1603.
  • Il secondo libro de madrigali a quattro voci, Venedig, 1604.
  • Il terzo libro de’ madrigali a quattro voci di Innocentio Alberti, Venedig, Giacomo Vincenti, 1607; gewidmet dem Grafen Luigi Montecuccoli, Richter der Savi von Ferrara.

Madrigale in Sammeldrucken und Handschriften

  • Erste gedruckte Madrigale in Cipriano de Rores viertem Buch der fünfstimmigen Madrigale, zusammen mit Werken Rores, Francesco Portinaros und weiterer Musiker des Paduaner beziehungsweise akademischen Umfelds.
  • Einzelne Madrigale in Sammeldrucken und Anthologien der Jahre 1557, 1560, 1582, 1586, 1591 und 1592.
  • Ein Bestand von zweiundzwanzig Madrigalen in einer englischen beziehungsweise britischen Handschriftenüberlieferung, heute im Zusammenhang GB-Lbl Royal Appendix 36–40 geführt.
  • Vier Madrigale in der Modeneser Handschrift I-MOe Mus. F. 1358 beziehungsweise in einem Ferrara-nahen Aufführungs- und Sammelkontext nach 1580.
  • Weitere vier- und fünfstimmige Madrigale, die in Repertorien und älteren Katalogen unter Albertis Namen erscheinen und jeweils quellenkritisch nach Handschrift, Druck und Zuschreibung zu prüfen sind.

Instrumentalstücke und zugeschriebene Consort-Überlieferung

  • Pavin of Albarti, in englischer Consort- beziehungsweise Instrumentalüberlieferung unter Albertis Namen tradiert.
  • Galliard Innocentio, in englischer Consort- beziehungsweise Instrumentalüberlieferung mit Albertis Namensform verbunden.
  • Pavana und Gallarda, in moderner Aufführungspraxis gelegentlich zusammen als Albertis instrumentale Nachwirkung dargestellt; die genaue handschriftliche Zuschreibung ist jeweils quellenkritisch zu prüfen.

Verlorene, nur indirekt belegte oder unsicher greifbare Werke

  • Canzoni zu fünf Stimmen, verloren beziehungsweise nur in einem Katalogzusammenhang des Ferrarer Umfelds erwähnt.
  • Ein mögliches erstes Motettenbuch, das durch die Bezeichnung Libro secondo der 1594 gedruckten Motettensammlung nahegelegt wird, aber nicht als erhaltenes Werk gesichert ist.
  • Weitere Madrigale, die in alten Bibliographien unter Namensvarianten wie Nocentio Alberti, Innocentio oder Innocentio del Cornetto erscheinen können.

Überlieferung, Drucke und Zuschreibungen

Albertis Überlieferung ist auf mehrere Schichten verteilt. Die frühesten greifbaren Stücke erscheinen im Umfeld Rores und der Accademia degli Elevati. Die geistlichen Drucke von 1594 sind dagegen eindeutig Ferrarer Hofdrucke bei Vittorio Baldini. Sie nennen Alberti als Musiker des Herzogs von Ferrara und verknüpfen die Werke mit der Este-Patronage. Die späteren Madrigalbücher von 1603, 1604 und 1607 erschienen in Venedig, was der üblichen Verlags- und Druckzirkulation der Zeit entspricht.

Die Motettensammlung von 1594 ist als Libro secondo bezeichnet. Dies ist quellenkritisch bedeutsam, weil es ein vorausgehendes erstes Motettenbuch vermuten lässt. Ein solches erstes Buch ist jedoch nicht ohne Weiteres als erhalten zu behandeln. Für ein Werkverzeichnis ist daher die vorsichtige Formulierung notwendig: Das überlieferte Motettenbuch ist das zweite Buch; ein erstes Motettenbuch ist nur durch die Nummerierung erschließbar, nicht als erhaltenes Druckwerk sicher greifbar.

Die Salmi penitenziali liegen in Stimmbüchern vor und sind in modernen Katalogen als RISM A676 geführt. Der Druck enthält die sieben Bußpsalmen in mehrteiligen Abschnitten für sechs Stimmen. Die Widmung datiert aus Ferrara, 6. August 1594, und richtet sich an den Herzog von Ferrara. Damit ist die Sammlung fest in die späte Este-Hofkultur eingebunden.

Die Instrumentalstücke unter Albertis Namen sind anders gelagert. Hier handelt es sich nicht um großformatige italienische Eigendrucke, sondern um spätere beziehungsweise fremde Consort-Überlieferung. Die Namensformen Albarti und Innocentio zeigen, wie italienische Namen im englischen Zusammenhang angepasst, verkürzt oder lautlich verändert werden konnten. Für die Kulturgeschichte sind diese Stücke dennoch wichtig, weil sie Albertis instrumentale Identität über den Ferrarer Hof hinaus sichtbar machen.

Sekundärliteratur

  • Anthony Newcomb: Alberti, Innocentio. In: Grove Music Online.
  • Alberti, Innocenzo. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil, ältere und neuere Fassungen.
  • Anthony Newcomb: The Madrigal at Ferrara, 1579–1597. Princeton, 1980.
  • Anthony Newcomb: Il concerto delle dame und Studien zur Ferrareser Hofmusik des späten 16. Jahrhunderts.
  • Laurie Stras: Women and Music in Sixteenth-Century Ferrara. Cambridge, Cambridge University Press, 2018.
  • James Haar, Hrsg.: European Music, 1520–1640. Woodbridge, 2006.
  • Iain Fenlon: Music and Patronage in Sixteenth-Century Mantua. Cambridge, 1980; für den oberitalienischen Hofkontext vergleichend wichtig.
  • Alfred Einstein: The Italian Madrigal. 3 Bände. Princeton, 1949; Nachdrucke und digitale Ausgaben.
  • Joseph Kerman: Studien zum italienischen Madrigal, zur englischen Rezeption und zu privaten Musikbibliotheken der Renaissance.
  • Remi Chiu: Plague and Music in the Renaissance. Cambridge, 2017; relevant für geistliche und pestbezogene Motetten- und Madrigalüberlieferung.
  • Jeffrey Kurtzman und Anne Schnoebelen: A Catalogue of Mass, Office and Holy Week Music Printed in Italy: 1516–1770. JSCM Instrumenta, 2014.
  • RISM: Quellen- und Drucknachweise zu Innocenzo Alberti beziehungsweise Innocentio Alberti.
  • Emil Vogel: Bibliothek der gedruckten weltlichen Vokalmusik Italiens aus den Jahren 1500–1700. Berlin, 1892; später ergänzt und korrigiert.
  • Robert Eitner: Biographisch-Bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten. Leipzig, 1900–1904.
  • Oscar Mischiati: Studien zur Musikdruck- und Handschriftenüberlieferung in Ferrara, Bologna und Oberitalien.
  • Jorge Martín: Moderne Edition der Motteti a sei voci von Innocenzo Alberti. Ars Subtilior Editions, 2023.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Cornetto Historisches Blasinstrument, dessen Spiel Albertis Hofnamen Innocentio del Cornetto erklärt.
  • Zink Deutsche Bezeichnung des Cornetto, eines virtuosen Renaissance- und Frühbarockinstruments zwischen Stimme und Blasinstrument.
  • Ferrara in der Musikgeschichte Hof- und Musikzentrum der Este, in dem Alberti über Jahrzehnte als Instrumentalist und Komponist wirkte.
  • Este-Hof Dynastischer und kultureller Rahmen der Ferrareser Musik im 16. Jahrhundert.
  • Alfonso II. d’Este Herzog von Ferrara und zentraler Patron der späten Este-Musikkultur, in deren Dienst Alberti stand.
  • Margherita Gonzaga Herzogin von Ferrara und Widmungsträgerin von Albertis Motettendruck von 1594.
  • Accademia degli Elevati Paduaner Akademie, in deren Umfeld Alberti 1557 als Musiklehrer tätig war.
  • Padua in der Musikgeschichte Akademischer und musikalischer Wirkungsort Albertis vor seinem Wechsel nach Ferrara.
  • Treviso in der Musikgeschichte Herkunftsraum Albertis und weiterer oberitalienischer Musikerfamilien.
  • Madrigal Zentrale weltliche Vokalgattung der Renaissance, in der Alberti mehrfach gedruckt und handschriftlich überliefert ist.
  • Italienisches Madrigal Gattungs- und Stilrahmen für Albertis weltliche Vokalwerke.
  • Motette Geistliche Vokalgattung, in der Alberti 1594 einen sechsstimmigen Ferrarer Druck veröffentlichte.
  • Bußpsalmen Geistliche Psalmgruppe, die Alberti 1594 als sechsstimmige Sammlung vertonte.
  • Vittorio Baldini Ferrareser Drucker, bei dem Albertis Motetten und Bußpsalmen 1594 erschienen.
  • Giacomo Vincenti Venezianischer Musikdrucker, mit dem Albertis Madrigalüberlieferung des frühen 17. Jahrhunderts verbunden ist.
  • Cipriano de Rore Schlüsselfigur des italienischen Madrigals und wichtiger Kontext für Albertis frühe Drucküberlieferung.
  • Francesco Portinaro Musiker im Umfeld der Accademia degli Elevati, mit dem Albertis Paduaner Phase verbunden ist.
  • Luzzasco Luzzaschi Ferrareser Komponist und zentrale Gestalt der späten Este-Musikkultur.
  • Giaches de Wert Komponist des italienischen Madrigals und wichtiger Vergleichspunkt für den Ferrarer Hofstil.
  • Lodovico Agostini Ferrareser Komponist, dessen Werke und Drucke den Hofkontext Albertis erhellen.
  • Concerto delle donne Berühmtes Ferrareser Sängerinnenensemble, das den Klang- und Aufführungskontext des späten Este-Hofs prägte.
  • Musica secreta Exklusive private Musikkultur am Este-Hof, in deren Umfeld Ferraras spätes Madrigal florierte.
  • Renaissance-Polyphonie Mehrstimmige Satzkunst, auf der Albertis Madrigale, Motetten und Psalmvertonungen beruhen.
  • Cantus firmus Vorgegebene Melodie oder Choralgrundlage, die in mehreren Motetten Albertis eine Rolle spielt.
  • Diminution Verzierungspraxis, die für Cornettisten und Instrumentalisten der Spätrenaissance zentral war.
  • Consortmusik Ensemblepraxis, in deren englischer Überlieferung Albertis Name mit Pavan und Galliard verbunden ist.
  • Pavana Tanz- und Instrumentalform, in der Albertis Name in englischer Consort-Überlieferung begegnet.
  • Galliarde Tanzform der Renaissance, in der eine Galliard Innocentio mit Alberti verbunden ist.
  • Musikdruck im 16. Jahrhundert Überlieferungsgeschichtlicher Rahmen für Albertis Ferrarer und venezianische Drucke.
  • RISM Internationales Quellenrepertorium, das für Albertis Drucke, Handschriften und Namensformen wichtig ist.