Gasparo Alberti
Überblick
Gasparo Alberti, in den Quellen und in der Forschung auch als Gaspar de Albertis, Gaspare de Albertis, Gaspare Albertus, Gaspar bergomensis oder Gaspar de Padua bezeichnet, war ein italienischer Komponist geistlicher Musik der Renaissance. Er gehört zu jenen Gestalten der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, deren historische Bedeutung erst durch moderne Quellenarbeit wieder deutlicher sichtbar wurde. Sein Werk blieb lange weitgehend im Archivzusammenhang von Santa Maria Maggiore in Bergamo verborgen und wurde vor allem durch die Forschungen Knud Jeppesens, später durch weitere Studien zu Bergamos Musikleben und zur norditalienischen Mehrchörigkeit, neu bewertet.
Alberti war wahrscheinlich um 1485 in Padua geboren; Treccani setzt die Geburt eher um 1480 an und begründet Padua als Herkunft mit der in offiziellen Akten begegnenden Bezeichnung „da Padova“. Als Sänger ist er an Santa Maria Maggiore in Bergamo spätestens seit dem 6. November 1508 belegt, wobei eine spätere Quelle seine Tätigkeit an der Basilika bereits seit 1502 voraussetzt. 1536 wurde er dort zum Leiter der Schule und zum Kapellmeister erhoben. Nach einer ersten Versetzung in den Ruhestand 1550 wurde er 1552 nochmals zurückgerufen, 1554 aber endgültig seines Amtes enthoben. Er starb nach 1560 und vor 1565, sehr wahrscheinlich in Bergamo.
Sein Werk besteht ausschließlich oder fast ausschließlich aus geistlicher Musik: Messen, Passionen, Psalmen, Magnificats, Canticum-Vertonungen, Lamentationen, Motetten, Litaneien und weitere liturgische Stücke. Besonders wichtig sind seine doppelchörigen Verfahren, die Behandlung der Passionstexte, die polyphone Ausgestaltung der Worte Christi und der Turbae sowie der Messendruck Il primo volume di Messe, der 1549 in Venedig erschien. Dieser Druck gilt in der Forschung als eine der frühesten, wenn nicht die früheste gedruckte Messensammlung eines einzelnen italienischen Komponisten. Damit steht Alberti in einer entscheidenden Übergangszone zwischen der nordalpinen Vorherrschaft in der geistlichen Polyphonie und der Herausbildung starker italienischer Komponistenprofile vor Palestrina.
Kurzdaten
| Name | Gasparo Alberti. |
|---|---|
| Weitere Namensformen | Gaspar de Albertis, Gaspare de Albertis, Gaspare Albertus, Gaspar bergomensis, Gaspar de Padua, Gasparo de Albertis und Gasparo de Alberti. |
| Geburt | Um 1485, wahrscheinlich in Padua; Treccani setzt die Geburt eher um 1480 an. |
| Tod | Nach dem 12. Februar 1560 und vor 1565, wahrscheinlich in Bergamo; Treccani erschließt den Tod sicher zwischen 1560 und 1565. |
| Beruf | Komponist, Geistlicher, Sänger, Chorleiter, Musikpädagoge und Kapellmeister an Santa Maria Maggiore in Bergamo. |
| Wirkungsort | Bergamo, besonders die Basilika Santa Maria Maggiore und die dortige Cappella musicale. |
| Erster sicherer Amtsnachweis | 6. November 1508 als Sänger an Santa Maria Maggiore; eine spätere Quelle setzt eine Tätigkeit bereits seit 1502 voraus. |
| Kapellmeisteramt | 1536 Ernennung zum Leiter der Schule und maestro di cappella; 1550 Ruhestand, 1552 Wiederberufung, 1554 endgültige Enthebung. |
| Zentrale Gattungen | Messen, Passionen, Lamentationen, Psalmen, Magnificats, Canticum-Vertonungen, Motetten, Litaneien und weitere liturgische Stücke. |
| Musikgeschichtliche Bedeutung | Früher italienischer Großmeister geistlicher Polyphonie vor Palestrina, wichtiger Vertreter früher Doppelchörigkeit und bedeutende Figur der Bergamasker Kirchenmusik des 16. Jahrhunderts. |
Ausführlicher Kulturüberblick
Gasparo Alberti gehört in eine Phase der italienischen Musikgeschichte, in der die geistliche Polyphonie noch stark durch franko-flämische beziehungsweise nordalpine Komponisten geprägt war. Im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert galten Komponisten aus den Niederlanden, Frankreich und verwandten Regionen als besonders maßgeblich für die kunstvolle Mehrstimmigkeit. Italienische Kirchen und Höfe beschäftigten vielfach solche Sänger und Komponisten. Vor diesem Hintergrund ist Alberti bedeutsam, weil er als italienischer Komponist in Bergamo ein umfangreiches geistliches Repertoire schuf, das in Anspruch, Umfang und Innovation deutlich über lokale Gebrauchsmusik hinausgeht.
Bergamo war im frühen 16. Jahrhundert ein städtischer Raum im Einflussbereich der Republik Venedig, aber mit eigener religiöser, bürgerlicher und institutioneller Struktur. Santa Maria Maggiore war nicht einfach eine beliebige Pfarr- oder Stadtkirche, sondern ein zentraler liturgischer und musikalischer Ort, dessen Musikpflege vom Consorzio beziehungsweise von der Misericordia Maggiore getragen wurde. Diese Form bürgerlich-religiöser Organisation erklärt, warum dort ein leistungsfähiger Chor, eine Schule und ein umfangreiches Repertoire entstehen konnten. Alberti wirkte also in einem Milieu, in dem Musik nicht nur liturgische Pflicht, sondern städtische Repräsentation, Frömmigkeit, Bildung und kulturelles Prestige war.
Sein Werk ist in besonderem Maß mit der institutionellen Praxis von Santa Maria Maggiore verbunden. Die Handschriften, in denen seine Musik überliefert ist, sind keine privaten Skizzenbücher, sondern Chorbücher für liturgische Nutzung. Sie dokumentieren ein Repertoire, das auf konkrete Gottesdienste, Feste, Vespern, Passionen, Lamentationen und Marienverehrung bezogen war. Gerade deshalb ist Alberti für die Kulturgeschichte wichtig: Seine Musik zeigt, wie eine städtische Kircheninstitution vor der Hochblüte der römischen Palestrina-Polyphonie eine eigene, anspruchsvolle und experimentierfreudige Mehrstimmigkeit entwickelte.
Besonders auffällig ist die frühe Verwendung doppelchöriger Verfahren. Die Teilung des Chores in getrennte Gruppen, die alternierend oder in räumlich und klanglich unterscheidbarer Weise eingesetzt werden, wurde später besonders mit der venezianischen Mehrchörigkeit und mit San Marco verbunden. Alberti zeigt jedoch, dass solche Verfahren auch in Bergamo früh und liturgisch differenziert gebraucht wurden. Der Bericht über eine Vesperaufführung 1536, bei der unter Albertis Leitung a chori spezzati musiziert wurde, ist für diese Entwicklung besonders aufschlussreich. Er weist darauf hin, dass die Technik nicht bloß als schriftliche Kompositionsidee, sondern als hörbare, räumliche, institutionell getragene Praxis bestand.
Albertis Bedeutung liegt zudem in seiner Behandlung der Passion. In seinen Passionen werden die Worte Christi und die Turbae nicht lediglich einstimmig oder schlicht rezitativisch behandelt, sondern in polyphone beziehungsweise chorisch strukturierte Zusammenhänge einbezogen. Die Vox Christi erhält durch eine eigene chorische Farbe eine besondere Eindringlichkeit. Damit entsteht eine Form sakraler Dramaturgie, die weder Oper noch Oratorium im späteren Sinn ist, aber liturgische Erzählung, klangliche Rollenverteilung und expressive Textausdeutung miteinander verbindet. In dieser Hinsicht gehört Alberti zu den frühen italienischen Komponisten, die die Möglichkeiten mehrstimmiger Passionen entscheidend erweiterten.
Auch der Messendruck von 1549 ist kulturgeschichtlich bemerkenswert. Der Band Il primo volume di Messe, gedruckt in Venedig, ist nicht nur eine Publikation einzelner Werke, sondern ein Zeichen für den Status Albertis als Komponist. Dass ein italienischer Komponist eine eigene Messensammlung im Druck vorlegt, ist für die Zeit noch keineswegs selbstverständlich. Der Druck steht an der Schwelle zu einer Musiköffentlichkeit, in der Autorname, Werkgruppe, Druckprivileg, Widmung und Repertoirezirkulation neue Bedeutung gewinnen. Alberti erscheint dadurch nicht nur als lokaler Kirchenmusiker, sondern als Komponist, dessen Musik über Bergamo hinaus gedacht und verbreitet werden konnte.
Leben und institutioneller Zusammenhang
Die genaue Geburt Gasparo Albertis ist nicht gesichert. Die Forschung setzt sie ungefähr um 1480 oder um 1485 an. Padua gilt als wahrscheinlicher Herkunftsort, weil die Bezeichnung da Padova in offiziellen Akten mit seinem Namen verbunden ist. Die weiteren Namensformen Gaspar de Albertis, Gaspare Albertus, Gaspar bergomensis und Gaspar de Padua spiegeln die lateinische, italienische und ortsbezogene Flexibilität frühneuzeitlicher Namensüberlieferung. Für die moderne Dateibezeichnung ist die Form alberti-gasparo.shtml zweckmäßig; im Artikel selbst sollten die Varianten mitgeführt werden, weil sie für Kataloge, Handschriften und Datenbanken relevant sind.
Nach seiner Priesterweihe trat Alberti in den Dienst der Basilika Santa Maria Maggiore in Bergamo. Der erste sichere Beleg als Sänger datiert vom 6. November 1508. Aus einer späteren Quelle geht hervor, dass er bereits seit etwa 1502 musikalisch an der Basilika tätig gewesen sein könnte. Seine Laufbahn zeigt den Aufstieg eines musikalisch gebildeten Geistlichen innerhalb einer städtischen Kircheninstitution: vom Sänger über verantwortliche Unterrichts- und Kompositionsaufgaben bis zur Leitung der Kapelle.
Am 10. Dezember 1524 erhielt Alberti neue wichtige Aufgaben. Zu ihnen gehörten der Unterricht im mehrstimmigen Gesang für vier Kleriker und die Komposition zweier Bücher polyphoner Musik, eines mit Motetten und eines mit Messen. Diese Nachricht ist für sein Werk besonders wichtig, weil sie zeigt, dass Alberti nicht nur vorhandenes Repertoire aufführte, sondern ausdrücklich mit der Schaffung neuer liturgischer Mehrstimmigkeit beauftragt wurde. Die Institution verlangte von ihm also zugleich pädagogische, kompositorische und kapellmeisterliche Leistung.
1536 wurde Alberti zum Leiter der Schule und zum Kapellmeister an Santa Maria Maggiore ernannt. Bereits im März desselben Jahres ist er mit einem Chor von zweiundzwanzig Sängern bei einer Vesper im Kloster San Leonardo in Bergamo bezeugt. Der Bericht, dass dort unter seiner Leitung Vespern a chori spezzati erklangen, gehört zu den wichtigsten Hinweisen auf frühe doppelchörige Praxis in Bergamo. 1541 wurde eine Schule für canto fermo und canto figurato eingerichtet, die zwölf ausgewählte Schüler aufnehmen sollte und nicht ausschließlich auf Kleriker beschränkt war. Auch diese Schule wurde Alberti anvertraut.
1550 wurde Alberti in den Ruhestand versetzt. Die Gründe sind nicht eindeutig bekannt; Alter, institutionelle Sparsamkeit oder interne Spannungen kommen in Betracht. Zugleich verlangte man von ihm die Rückgabe der von ihm komponierten Chorbücher, die als Eigentum der Institution betrachtet wurden. Alberti weigerte sich, diese Bücher herauszugeben. Dieses Verhalten deutet auf eine Spannung zwischen institutionellem Besitzanspruch und kompositorischem Autorbewusstsein. 1552 wurde er dennoch wieder als Chorleiter berufen, offenbar um der Kapelle verlorenen Glanz zurückzugeben. 1554 wurde er endgültig entlassen. 1560 erhielt er noch eine Unterstützung wegen seines hohen Alters und seiner zurückgezogenen Lebensführung. 1565 ordnete das Kapitel an, Albertis Bücher dem neuen Chorleiter Pietro Ponzio zu übergeben. Daraus wird geschlossen, dass Alberti zwischen 1560 und 1565 gestorben war.
Santa Maria Maggiore in Bergamo
Santa Maria Maggiore in Bergamo war für Alberti nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern der institutionelle Ort, an dem sein Werk entstand, benutzt und bewahrt wurde. Die Basilika besaß eine entwickelte musikalische Praxis, eine Kapelle, Unterrichtsstrukturen und ein umfangreiches liturgisches Repertoire. Die Musik war in die städtische Frömmigkeit und in die Repräsentation der Misericordia Maggiore eingebunden. Sie erfüllte liturgische Aufgaben, aber sie stellte auch den kulturellen Anspruch der Stadt und ihrer führenden Institutionen dar.
Die drei Chorbücher 1207 D, 1208 D und 1209 D, heute in der Civica Biblioteca Angelo Mai in Bergamo beziehungsweise in der entsprechenden Überlieferungstradition verzeichnet, sind für Alberti zentral. Sie enthalten in großem Umfang Musik von ihm und aus seinem Umfeld. Ihre Anlage zeigt, dass die Musik nicht zufällig gesammelt wurde, sondern auf liturgischen Gebrauch und auf die Bedürfnisse der Kapelle zugeschnitten war. Die Handschriften bewahren Psalmen, Lamentationen, Cantica, Magnificats, Motetten, Litaneien, Messen und Passionsteile.
Die Chorbücher zeigen außerdem die praktische Dimension mehrchöriger Musik. In einzelnen Quellen sind primo- und secondo-coro-Partien getrennt überliefert. Dadurch wird sichtbar, dass Doppelchörigkeit nicht nur als abstrakte Satztechnik, sondern als reale Aufführungspraxis organisiert wurde. Für eine Kirche wie Santa Maria Maggiore bedeutete dies eine besondere Klangdramaturgie: Die Musik konnte den Raum, die liturgische Handlung und die verschiedenen Funktionsgruppen des Textes hörbar unterscheiden.
Stil, Doppelchörigkeit und liturgische Innovation
Albertis Stil gehört zur geistlichen Polyphonie der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Er steht noch deutlich im Zusammenhang der franko-flämisch geprägten Mehrstimmigkeit, entwickelt aber zugleich spezifisch norditalienische und institutionell gebundene Verfahren. Die Musik ist häufig großräumig, liturgisch funktional und klanglich auf Chorpraxis bezogen. Sie sucht nicht primär den madrigalischen Einzeltextausdruck, sondern die feierliche, verständliche und zugleich kunstvolle Ausdeutung liturgischer Texte.
Ein Schlüsselbegriff für Alberti ist cori spezzati, also die Teilung der Chöre. Dabei werden Sängergruppen getrennt geführt und können alternierend, kontrastierend oder in besonderer Textfunktion eingesetzt werden. Alberti gehört nicht notwendig zu den Erfindern dieser Technik; ältere und parallele Praktiken sind zu berücksichtigen. Doch er gehört zu den frühen italienischen Komponisten, bei denen diese Technik in größerem liturgischem Zusammenhang greifbar ist. Besonders seine Psalmen, Magnificats und Passionen zeigen, dass der geteilte Chor nicht bloßer Klangluxus ist, sondern eine semantische Funktion erhalten kann.
Eine weitere Besonderheit liegt in der Behandlung des liturgischen Textes. Alberti arbeitet nicht nur mit imitatorischer Polyphonie, sondern auch mit homorhythmischen, akkordisch geprägten Abschnitten, die eine klare Deklamation erlauben. Diese Technik ist in den Passionen besonders auffällig. Dort können gleichförmige Eröffnungen und wiederkehrende harmonische Formeln einerseits monoton wirken, andererseits schaffen sie ein liturgisches Grundgerüst, aus dem einzelne Textmomente umso stärker hervortreten. Dissonanzen, leere Akkorde und klangliche Verdichtungen dienen der Hervorhebung bestimmter Worte oder Rollen.
In dieser Verbindung aus liturgischer Funktion, klanglicher Raumorganisation, polyphoner Würde und deklamatorischer Klarheit nimmt Alberti eine wichtige Stellung vor Palestrina ein. Die ältere Forschung hat ihn daher als eine der bedeutenden italienischen Persönlichkeiten unmittelbar vor der klassischen römischen Kirchenpolyphonie bezeichnet. Diese Einordnung sollte nicht zu einer einfachen Fortschrittserzählung verkürzt werden: Alberti ist nicht bloß ein Vorläufer Palestrinas, sondern eine eigenständige Gestalt der Bergamasker Kirchenmusik.
Passionen, Vox Christi und Turbae
Albertis Passionen gehören zu den wichtigsten Teilen seines Werkes. Er komponierte beziehungsweise überlieferte Passionsteile nach Johannes und Matthäus. Besonders bedeutsam ist die polyphone Behandlung der Worte Christi und der Turbae. Die Vox Christi wird nicht nur als einfache Rezitation verstanden, sondern durch einen eigenen chorischen Klangbereich hervorgehoben. Dadurch erhält die Christusfigur eine liturgisch-dramatische Präsenz, ohne dass die Musik den Gottesdienst in ein Theater verwandelt.
In den Passionen wird die Doppelchörigkeit funktional. Die Chöre treten nicht einfach zugleich auf, sondern können unterschiedliche Rollen, Gruppen oder Textbereiche übernehmen. Die Worte Christi werden nach der überlieferten Beschreibung von einer bestimmten Gruppe gesungen, während die Turbae in anderen Teilen begegnen. Damit entsteht eine klangliche Rollenverteilung, die das biblische Geschehen hörbar strukturiert. Die dramatische Energie ergibt sich aus der Liturgie selbst, aus der Unterscheidung von Christuswort, Volksruf, Bericht und kollektiver Reaktion.
Die Forschung hebt hervor, dass Albertis Passionen zu den frühesten italienischen Zeugnissen dieser Art gehören. Gerade die polyphone Gestaltung der Vox Christi ist ein wichtiger Schritt in der Geschichte der Passion. Später werden Passionen, Responsorien, Oratorien und geistliche Dramen andere Formen der Textdramaturgie entwickeln. Alberti steht an einer früheren Stelle: Er arbeitet noch ganz innerhalb der liturgischen Chorbuchkultur, erweitert aber deren Ausdrucksmöglichkeiten erheblich.
Messen, Psalmen und gedruckte Überlieferung
Der 1549 in Venedig erschienene Band Il primo volume di Messe ist ein zentraler Meilenstein der Alberti-Überlieferung. Er enthält drei Messen: Quaeramus cum pastoribus, Italia mia und Dormend’un giorno a Baia. Die erste ist auf thematisches Material des bekannten Motettsatzes von Jean Mouton bezogen, die beiden anderen greifen auf berühmte Madrigale Philippe Verdelots zurück. Damit zeigt Alberti eine typische Praxis der Renaissance: Geistliche Großformen werden aus vorhandenen musikalischen Modellen entwickelt. Die Messe erscheint nicht als isolierte Neuschöpfung, sondern als Umformung und geistliche Aneignung bekannter musikalischer Substanz.
Die beiden in den Chorbüchern überlieferten Messen Missa de Beata Virgine und Missa de Sancto Roccho zeigen Albertis liturgische Bindung an Marienverehrung, Heiligenkult und konkrete städtische Frömmigkeit. Die Missa de Sancto Roccho ist besonders im Zusammenhang der Pestfrömmigkeit Bergamos zu sehen, weil Rochus als Schutzheiliger gegen die Pest verehrt wurde. Die Missa de Beata Virgine steht im marianischen Kontext, der für Santa Maria Maggiore naheliegt.
Die Psalmen und Magnificats zeigen Albertis Bedeutung für die Vesperpraxis. Die Vesper war im 16. Jahrhundert ein wichtiger Ort musikalischer Entfaltung. Sie erlaubte größere Festlichkeit, Wechsel zwischen gregorianischem Ton und Figuralmusik, mehrchörige Dispositionen und repräsentative Klangentfaltung. Albertis Psalmen und Magnificats sind deshalb nicht als Nebenwerke zu betrachten, sondern gehören zum Kern seiner institutionellen Funktion. Sie zeigen die Verbindung aus liturgischer Routine, städtischer Feierlichkeit und kompositorischem Anspruch.
Werkverzeichnis
Das folgende Werkverzeichnis fasst die nach Treccani, DIAMM, Jeppesen und der weiteren Forschung greifbaren Werke Gasparo Albertis zusammen. Da ein erheblicher Teil der Musik handschriftlich, teilweise anonym, mit Varianten oder in mehrstimmigen Chorbuchzusammenhängen überliefert ist, sind einzelne Zuschreibungen und Titel quellenkritisch zu behandeln. Fragezeichen in älteren Katalogisierungen oder Datenbanken bezeichnen unsichere oder nur teilweise gesicherte Zuschreibungen.
Gedruckte Messensammlung von 1549
- Il primo volume di Messe, Venedig, Hieronymus Scotus, 1549; Widmung an Giovanni Hieronimo Albano.
- Missa Quaeramus cum pastoribus, 4 Stimmen; auf Material des Motetts Quaeramus cum pastoribus von Jean Mouton bezogen.
- Missa Italia mia, auf das Madrigal Italia mia von Philippe Verdelot bezogen.
- Missa Dormend’un giorno a Baia, auf das gleichnamige beziehungsweise entsprechend überlieferte Madrigal von Philippe Verdelot bezogen.
Handschriftlich überlieferte Messen
- Missa de Beata Vergine, 4 Stimmen, in I-BGc MS 1207 D überliefert; auf marianisch-gregorianischem Material beruhend.
- Missa de Sancto Roccho, 4 Stimmen, in I-BGc MS 1207 D überliefert; als votiv geprägte Messe im Zusammenhang der Rochusverehrung und der Pestfrömmigkeit Bergamos zu verstehen.
Passionen, Vox-Christi-Abschnitte und Turbae
- Passio secundum Joannem, im Zusammenhang mit Jesum Nazarenum überliefert.
- Passio secundum Joannem, im Zusammenhang mit Quem quaeritis, 6 Stimmen, überliefert.
- Passio secundum Matthaeum, im Zusammenhang mit Non in die festo, 5 Stimmen, überliefert.
- Vox Christi-Abschnitte zu den Passionen, in der Überlieferung mit besonderer chorischer Funktion verbunden.
- Turbae-Abschnitte zu den Passionen, in den Chorbüchern von Santa Maria Maggiore überliefert.
- Altera autem die, passionsbezogener Abschnitt, in I-BGc MS 1207 D nachgewiesen.
- Oremus fratres carissimi sorores, liturgisch-passionsbezogener Abschnitt, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen.
- Sepulto Domino signatum est monumentum, passions- beziehungsweise karwochenbezogener Satz, in I-BGc MS 1208 D nachgewiesen.
Lamentationen zur Karwoche
- Incipit lamentatio I, für den Gründonnerstag, in I-BGc MS 1207 D überliefert.
- Incipit lamentatio II, für den Gründonnerstag, in I-BGc MS 1207 D überliefert.
- Incipit lamentatio III, für den Gründonnerstag, in I-BGc MS 1208 D überliefert.
- Incipit lamentatio IV, für den Gründonnerstag, in I-BGc MS 1208 D überliefert.
- Incipit lamentatio V, für den Gründonnerstag, in I-BGc MS 1208 D überliefert.
- De lamentatione Hieremie, für den Karsamstag, in I-BGc MS 1208 D überliefert; Zuschreibung in einzelnen Katalogzusammenhängen mit Unsicherheitszeichen versehen.
- Sequitur de lamentatione I, für den Karfreitag, in I-BGc MS 1207 D überliefert.
- Sequitur de lamentatione II, für den Karfreitag, in I-BGc MS 1208 D überliefert; Zuschreibung in einzelnen Katalogzusammenhängen unsicher.
- Sequitur de lamentatione III, für den Karfreitag, in I-BGc MS 1208 D überliefert.
- Sequitur de lamentatione IV, für den Karsamstag, in I-BGc MS 1208 D überliefert.
- Heth. Cogitavit Dominus, für den Karfreitag, in I-BGc MS 1207 D überliefert.
- Heth. Misericordiae Domini, für den Karsamstag, in I-BGc MS 1207 D überliefert.
- Weitere Lamentationsabschnitte in den Bergamasker Chorbüchern, teils mit sicherer, teils mit von Jeppesen erschlossener Zuschreibung an Alberti.
Psalmen und Vesperstücke
- Ad te levavi animam meam, in I-BGc MS 1208 D nachgewiesen.
- Confitebor tibi Domine: Et congregatione exquisita in omnes, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen.
- Cum invocarem exaudivit me: Miserere mei et exaudi orationem, in I-BGc MS 1207 D und I-BGc MS 1209 D nachgewiesen.
- De profundis Domine exaudi, in I-BGc MS 1207 D nachgewiesen.
- Dixit Dominus Domino meo: Donec ponam inimicos, primi toni, in I-BGc MS 1208 D und I-BGc MS 1209 D nachgewiesen.
- Ecce nunc benedicite: Qui statis in domo Domini, in I-BGc MS 1207 D und I-BGc MS 1209 D nachgewiesen; Zuschreibung in einzelnen Katalogzusammenhängen unsicher.
- In exitu Israel: Domus Jacob, tone 4, in I-BGc MS 1208 D nachgewiesen.
- In te Domine speravi: Inclina ad me aurem tuam, in I-BGc MS 1207 D und I-BGc MS 1209 D nachgewiesen; Zuschreibung in einzelnen Katalogzusammenhängen unsicher.
- Laetatus sum: In domum Domini ibimus, quinti toni, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen.
- Laetatus sum: Stantes erant, tone 4, in I-BGc MS 1208 D nachgewiesen.
- Lauda Jerusalem Dominum: Lauda Deum tuum Sion, sexti toni, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen; Zuschreibung in einzelnen Katalogzusammenhängen unsicher.
- Lauda Jerusalem: Quoniam confortavit, tone 8, in I-BGc MS 1208 D nachgewiesen.
- Laudate pueri Dominum: Sit nomen Domini benedictum, tertii toni, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen.
- Laudate pueri Dominum: Sit nomen Domini benedictum, weitere Fassung, in I-BGc MS 1208 D und I-BGc MS 1209 D nachgewiesen.
- Memento Domine: Et omnis mansuetudinis, tone 5, in I-BGc MS 1208 D nachgewiesen.
- Miserere mei Deus I: Secundum magnam, tone 7, in I-BGc MS 1207 D nachgewiesen.
- Miserere mei Deus II: Secundum magnam, tone 7, in I-BGc MS 1207 D nachgewiesen; Zuschreibung in einzelnen Katalogzusammenhängen unsicher.
- Miserere mei Deus III: Secundum magnam, tone 7, in I-BGc MS 1207 D nachgewiesen.
- Miserere mei Deus: Secundum magnam, 8 Stimmen, in I-BGc MS 1207 D nachgewiesen.
- Nisi Dominus aedificaverit: Nisi Dominus, tone 6, in I-BGc MS 1208 D nachgewiesen.
- Nisi Dominus aedificaverit domum: In vanum laboraverunt, quarti toni, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen; Zuschreibung in einzelnen Katalogzusammenhängen unsicher.
- Qui habitat in adjutorium: Dicet Domino susceptor meus, in I-BGc MS 1207 D und I-BGc MS 1209 D nachgewiesen; Zuschreibung in einzelnen Katalogzusammenhängen unsicher.
Magnificats, Cantica und Hymnen
- Magnificat: Anima mea, primi toni, in I-BGc MS 1208 D nachgewiesen.
- Magnificat: Et exultavit, tertii toni, 8 Stimmen, in I-BGc MS 1208 D nachgewiesen.
- Magnificat Octavi toni, 8 Stimmen, in I-BGc MS 1207 D und I-BGc MS 1208 D nachgewiesen.
- Magnificat primi toni: Et exultavit, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen.
- Magnificat Quarti Toni: Et exultavit, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen.
- Magnificat Sexti toni, 8 Stimmen, in I-BGc MS 1207 D und I-BGc MS 1208 D nachgewiesen.
- Magnificat Sexti Toni: Et exultavit, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen.
- Benedictus Dominus: Quia visitavit, odd verses, tone 6, in I-BGc MS 1207 D nachgewiesen.
- Benedictus Dominus I: Et erexit cornu salutis, even verses, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen.
- Benedictus Dominus II: Et erexit cornu salutis, even verses, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen.
- Nunc dimittis, 8 Stimmen, in I-BGc MS 1207 D und I-BGc MS 1208 D nachgewiesen.
- Nunc dimittis: Quia viderunt, even verses, tone 3, in I-BGc MS 1207 D und I-BGc MS 1209 D nachgewiesen.
- Nunc dimittis: Secundum verbum, odd verses, tone 3, in I-BGc MS 1207 D nachgewiesen.
- Ave maris stella, in I-BGc MS 1208 D nachgewiesen; Zuschreibung in einzelnen Katalogzusammenhängen unsicher.
- Ave maris stella Dei mater alma: Sumens illud ave Gabrielis ore, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen.
Motetten, Propriumsstücke und weitere geistliche Werke
- Christus Jesus splendor, zweite Pars Et audientes discipuli, in I-BGc MS 1208 D nachgewiesen.
- Domine exaudi orationem nostram / Da pacem Domine in diebus nostris / Ab ira et odio et omni mala, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen; Zuschreibung in einzelnen Katalogzusammenhängen unsicher.
- Gaudete in Domino, in I-BGc MS 1208 D nachgewiesen.
- Legem divinam meditans hostes cunctos, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen.
- Litany: Kyrie eleison, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen.
- Nativitas tua Dei genitrix virgo, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen; in der Datenbank mit eingeschränkter Stimmenüberlieferung bezeichnet.
- Ne reminiscaris Domine, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen.
- O admirabile commercium creator generis, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen.
- O beate confessor Roche: O quam magna, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen; Zuschreibung in einzelnen Katalogzusammenhängen unsicher.
- Populus Syon ecce Dominus, in I-BGc MS 1208 D nachgewiesen.
- Puer natus est nobis: Et filius, in I-BGc MS 1208 D nachgewiesen.
- Tribulationes civitatum audivimus II: Peccavimus cum patribus nostris, in I-BGc MS 1209 D nachgewiesen.
- Fünf Motetten post passionem, davon eine zu 5 Stimmen und vier zu 4 Stimmen, nach Treccani teils anonym überliefert, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit Alberti zugehörig.
- Weitere Motetten aus den Bergamasker Chorbüchern, teils sicher, teils nur durch Jeppesen oder spätere Katalogisierung Alberti zugeschrieben.
Moderne Editionen aus Albertis Werk
- Drei Messen in moderner Ausgabe innerhalb von Italia sacra musica, herausgegeben von Knud Jeppesen, Kopenhagen, 1962.
- Drei Motetten in moderner Ausgabe innerhalb von Italia sacra musica, herausgegeben von Knud Jeppesen.
- Eine Passion in moderner Ausgabe innerhalb von Italia sacra musica, herausgegeben von Knud Jeppesen.
- Mehrere Lamentationen in moderner Ausgabe innerhalb von Italia sacra musica, herausgegeben von Knud Jeppesen.
Handschriften, Drucke und Wiederentdeckung
Albertis Werk ist wesentlich durch drei Chorbücher von Santa Maria Maggiore in Bergamo überliefert: I-BGc MS 1207 D, I-BGc MS 1208 D und I-BGc MS 1209 D. Diese Handschriften enthalten einen erheblichen Bestand an Musik Albertis und aus seinem Umfeld. Sie sind für die Forschung besonders wichtig, weil sie nicht nur einzelne Stücke, sondern liturgische Repertoirezusammenhänge dokumentieren. Dazu gehören Passionen, Vesperpsalmen, Lamentationen, Magnificats, Messen, Motetten und weitere liturgische Stücke.
Die Handschriften wurden in der modernen Forschung vor allem durch Knud Jeppesen bekannt gemacht, der Alberti als lange vergessenen Meister des frühen 16. Jahrhunderts interpretierte. Jeppesen betonte die Bedeutung der Handschriften für die italienische Kirchenmusik vor Palestrina und machte durch seine Edition Italia sacra musica Teile des Repertoires wieder zugänglich. Spätere Arbeiten, besonders von Gary Towne, Victor Ravizza, Andrew Carver, David Crawford und Scott Messing, haben Albertis institutionellen und quellenkundlichen Zusammenhang weiter vertieft.
Der Messendruck von 1549 ist neben den Handschriften der wichtigste publizierte Zeugnisblock. Er ist in Venedig erschienen und enthält drei Messen. Seine Bedeutung liegt nicht nur in den einzelnen Kompositionen, sondern in seinem Status als frühe gedruckte Messensammlung eines italienischen Einzelkomponisten. Dieser Druck macht Alberti zu einer Figur an der Schnittstelle zwischen handschriftlicher Kapellpraxis und gedruckter Musiköffentlichkeit.
Die Quellenlage bleibt dennoch komplex. Einzelne Werke sind in den Handschriften anonym, mit abgekürzten Namensformen oder mit unsicherer Katalogzuschreibung überliefert. Manche Titel erscheinen als Incipits, die den liturgischen Abschnitt bezeichnen, nicht als moderne Werktitel. Deshalb muss jedes Werkverzeichnis Albertis zwischen sicherer Zuschreibung, wahrscheinlicher Zuschreibung, liturgischer Funktionsbezeichnung und moderner Katalogisierung unterscheiden.
Sekundärliteratur
- Piero Caraba: DE ALBERTIS, Gasparo. In: Dizionario Biografico degli Italiani, Band 33. Rom, Istituto dell’Enciclopedia Italiana, 1987.
- Victor Ravizza und Gary Towne: Alberti, Gasparo. In: Grove Music Online.
- Victor Ravizza: Alberti, Gasparo. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, zweite, neubearbeitete Ausgabe, Personenteil.
- Knud Jeppesen: A Forgotten Master of the Early 16th Century: Gaspar de Albertis. In: The Musical Quarterly, Band 44, 1958, S. 311–328.
- Knud Jeppesen, Hrsg.: Italia sacra musica. Musiche corali italiane sconosciute della prima metà del Cinquecento. 3 Bände. Kopenhagen, 1962.
- Giovanni d’Alessi: Precursor of A. Willaert in the Practice of Corospezzato. In: Journal of the American Musicological Society, Band 5, 1952, S. 187–192.
- Victor Ravizza: Frühe Doppelchorigkeit in Bergamo. In: Die Musikforschung, Band 25, 1972, S. 128–140.
- Andrew F. Carver: The Psalms of Willaert and his North Italian Contemporaries. In: Acta Musicologica, Band 47, 1975.
- Gary Towne: Gaspar de Albertis and Music at Santa Maria Maggiore in Bergamo in the Sixteenth Century. Dissertation, University of California, Santa Barbara, 1985.
- Gary Towne: Vita quotidiana e carriera di un musicista nella Bergamo del Cinquecento: Gaspare de Albertis. In: Archivio Storico Bergamasco, 1984.
- Gary Towne: Music and Liturgy in Sixteenth-Century Italy: The Bergamo Organ Book and Its Liturgical Implications. In: The Journal of Musicology, Band 6, Nr. 4, 1988, S. 471–509.
- Gary Towne: “Vivat nomen tuum”: A Motet from Gasparo Alberti’s Portrait. In: RIdIM Newsletter, 1992.
- Gary Towne: Memorial for a Mysterious Matron: The Funeral Cycle of Gaspar de Albertis. In: Sleuthing the Muse: Essays in Honor of William F. Prizer. Hillsdale, New York, 2012.
- I. Paliotta: La produzione sacra di Gasparo de Albertis e di altri polifonisti del sec. XVI nei libri corali dell’Archivio della Capella di Santa Maria Maggiore in Bergamo. In: Bergomum, Band 82, 1988, S. 31–81.
- David Crawford und Scott Messing: Gaspar de Albertis’ Sixteenth-Century Choirbooks at Bergamo. Renaissance Manuscript Studies 6. Hänssler-Verlag, American Institute of Musicology, 1994.
- C. Scotti: Il Pio Istituto musicale Donizetti in Bergamo. Bergamo, 1901.
- Günther Massenkeil und Michael Zywietz: Gasparo Alberti. In: Lexikon der Kirchenmusik.
Ausgewählte Onlinequellen
- Treccani: DE ALBERTIS, Gasparo Ausführlicher biographischer Fachartikel von Piero Caraba mit Angaben zu Padua, Santa Maria Maggiore in Bergamo, Amtslaufbahn, Chorbüchern, Werkbestand, Messendruck und Forschungsliteratur.
- MGG Online: Alberti, Gasparo Fachlexikalischer Artikel zu Gasparo Alberti, seiner Überlieferung, seinen liturgischen Werken und seiner Stellung in der italienischen Kirchenmusik des 16. Jahrhunderts.
- DIAMM: Albertis, Gasparo de Personen- und Werkliste mit Namensvarianten, Handschriftennachweisen und zahlreichen Incipits aus den Bergamasker Chorbüchern.
- DIAMM: I-BGc MS 1207 D Quellenseite zum Chorbuch 1207 D der Civica Biblioteca Angelo Mai in Bergamo mit Angaben zu Herkunft, Datierung, Inhalt, Kopisten und Bezug zu Santa Maria Maggiore.
- DIAMM: I-BGc MS 1209 D Quellenseite zum Chorbuch 1209 D mit Beschreibung des Manuskripts, des Hauptschreibers Gaspar de Albertis, der Provenienz und der polyphonen Inhalte.
- Archivio Storico Bergamasco: Gary Towne, Vita quotidiana e carriera di un musicista nella Bergamo del Cinquecento Digital zugänglicher Aufsatz zu Albertis Alltag, Karriere und institutionellem Umfeld in Bergamo.
- Historic Brass Society Journal: Gary Towne, Tubatori e Piffari Aufsatz zu Bergamos städtischer Bläser- und Musikpraxis mit Hinweis auf Townes Albertis-Dissertation und den musikalischen Kontext Santa Maria Maggiores.
- The Journal of Musicology: Music and Liturgy in Sixteenth-Century Italy Aufsatz von Gary Towne zum Bergamasker Orgelbuch und zu liturgischen Implikationen der Musikpraxis in Santa Maria Maggiore.
- Stanford SearchWorks: Italia sacra musica, Vol. I Bibliotheksnachweis zu Jeppesens moderner Edition unbekannter italienischer Chormusik der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.
- Chicago Public Library: Italia sacra musica Bibliotheksnachweis zur Ausgabe Italia sacra musica mit Albertis Missa Italia mia und weiteren Stücken.
- Wikidata: Gasparo Alberti Strukturierter Normdatenknoten mit Namensform, Werkbezügen und Verknüpfungen zu weiteren Datenbanken.
- Wikipedia: Gasparo Alberti Deutschsprachiger Überblicksartikel mit komprimierter Darstellung von Leben, Santa Maria Maggiore, Werk und Wiederentdeckung; als Einstieg nutzbar, mit Fachquellen abzugleichen.
- Wikipedia: Gasparo Alberti, englische Fassung Englischsprachiger Überblick mit Hinweis auf Passionen, cori spezzati, salmi spezzati und die Forschung von Knud Jeppesen.
- Dolmetsch Online: Composers Biography Ai–Al Kurzer lexikalischer Eintrag mit Basisdaten zu Alberti, Bergamo, Santa Maria Maggiore und frühen cori-spezzati-Verfahren.
Weiterführende Einträge
- Cori spezzati Geteilte Chöre und räumlich-klangliche Mehrchörigkeit, für Albertis Bergamasker Praxis besonders wichtig.
- Salmi spezzati Geteilte Psalmvertonungen, die im Zusammenhang der Vesper und der norditalienischen Mehrchörigkeit stehen.
- Mehrchörigkeit Satz- und Aufführungstechnik mehrerer Chorgruppen, die von Bergamo bis Venedig eine große Wirkung entfaltete.
- Santa Maria Maggiore in Bergamo Zentrale Institution von Albertis Wirken und Aufbewahrungsort der für ihn grundlegenden Chorbücher.
- Bergamo in der Musikgeschichte Städtischer und kirchenmusikalischer Raum, in dem Albertis Karriere, Schule und Kapellpraxis verankert sind.
- Venezianische Schule Weiterer norditalienischer Zusammenhang der Mehrchörigkeit und repräsentativen Kirchenmusik.
- Adrian Willaert Komponist der venezianischen Kirchenmusik, mit dessen mehrchörigen Verfahren Alberti in der Forschung häufig verglichen wird.
- Giovanni Pierluigi da Palestrina Zentraler Komponist der römischen Kirchenpolyphonie, vor dessen klassischer Stellung Albertis Werk historisch einzuordnen ist.
- Costanzo Festa Italienischer Komponist der frühen Cinquecento-Polyphonie, mit dem Alberti als wichtige italienische Vor-Palestrina-Gestalt vergleichbar ist.
- Jean Mouton Franko-flämischer Komponist, dessen Motettmaterial in Albertis Missa Quaeramus cum pastoribus eine Rolle spielt.
- Philippe Verdelot Madrigalkomponist, dessen Werke als Vorlagen für Albertis Messen Italia mia und Dormend’un giorno a Baia dienten.
- Parodiemesse Messentypus, bei dem vorhandenes mehrstimmiges Material als Grundlage einer Messe dient.
- Renaissance-Messe Zentrale geistliche Großform der Renaissance, in der Alberti durch handschriftliche und gedruckte Werke hervortrat.
- Passion in der Musik Gattungs- und Liturgiegeschichte der musikalischen Passionsvertonung, für Albertis Vox-Christi- und Turbae-Sätze grundlegend.
- Vox Christi Musikalische Gestaltung der Christusworte in der Passion, bei Alberti in besonders früher polyphoner Form wichtig.
- Turbae Chorische Volks- und Gruppenrufe in der Passion, die bei Alberti eine eigene polyphone und klangliche Funktion erhalten.
- Lamentationes Klagelieder Jeremias in der Karwochenliturgie, bei Alberti umfangreich in den Bergamasker Chorbüchern vertreten.
- Magnificat Canticum der Vesper, das Alberti mehrfach und teils doppelchörig vertonte.
- Vesper Stundengebet, dessen Psalmen und Cantica für Albertis musikalische Praxis zentral waren.
- Motette Geistliche und gelegentlich frei verwendete Mehrstimmigkeit, die in Albertis Chorbüchern und Auftragskontexten belegt ist.
- Chorbuch Großformatige Handschrift für mehrstimmige Aufführungspraxis, in der Albertis Werke überliefert sind.
- Musikdruck im 16. Jahrhundert Überlieferungsgeschichtlicher Rahmen für Albertis Messendruck von 1549.
- Hieronymus Scotus Venezianischer Musikdrucker, bei dem Albertis Il primo volume di Messe 1549 erschien.
- Knud Jeppesen Musikwissenschaftler, der Albertis Werke im 20. Jahrhundert wiederentdeckte und edierte.
- Gary Towne Musikwissenschaftler, dessen Forschungen Albertis Karriere und die Musikpraxis von Santa Maria Maggiore detailliert erschlossen haben.
- Pietro Ponzio Nachfolger im Bergamasker Kapellmeisterkontext, mit dem die Rückgabe und Neuordnung von Albertis Chorbüchern verbunden ist.
- Pietro Aaron Musiktheoretiker, dessen Eintrittsfeier 1536 mit einer unter Alberti geleiteten Vesper a chori spezzati verbunden wird.
- Italienische Kirchenmusik des 16. Jahrhunderts Übergreifender Kontext für Albertis Messen, Passionen, Psalmen und Magnificats.
- Franko-flämische Polyphonie Stil- und Traditionsrahmen, von dem sich die frühe italienische Polyphonie Albertis zugleich abhängig und eigenständig zeigt.