Domenico Alberti

Venezianischer Komponist, Cembalist und Sänger; geboren um 1710, nach anderen Angaben um 1717, in Venedig, gestorben am 14. Oktober 1746 in Rom nach der Datierung bei P. Kast 1963.

Überblick

Domenico Alberti, in älteren und bibliographischen Zusammenhängen auch als Domenico Albertis oder Domenico de Albertis bezeichnet, war ein venezianischer Komponist, Cembalist und Sänger des frühen 18. Jahrhunderts. Sein Name ist in der Musikgeschichte vor allem durch den sogenannten Alberti-Bass erhalten geblieben, jene arpeggierte Begleitfigur der linken Hand, bei der ein Akkord nicht gleichzeitig, sondern in charakteristischer Brechung erklingt. Obwohl Alberti diese Figur nicht allein erfunden und auch nicht immer in der später klassisch geglätteten Weise verwendet hat, wurde sein Name zum terminologischen Fixpunkt für eine Faktur, die in der Klaviermusik des galanten Stils und der Wiener Klassik eine außerordentliche Verbreitung gewann.

Alberti war zu Lebzeiten nicht nur als Komponist von Cembalosonaten, sondern auch als Sänger bekannt. Er entstammte einer gehobenen venezianischen Umgebung, verstand sich im damaligen Sinn als dilettante, also als musikalisch gebildeter Liebhaber aus sozial privilegiertem Milieu, und wirkte zugleich mit einer Professionalität, die ihm rasch Anerkennung verschaffte. Seine Ausbildung wird mit Antonio Biffi beziehungsweise Antonio Buffi und Antonio Lotti verbunden. 1736 hielt er sich im Gefolge des venezianischen Botschafters Pietro Andrea Cappello in Spanien auf; eine bekannte Anekdote berichtet, Farinelli habe Alberts Gesang so bewundert, dass er in ihm beinahe einen Rivalen gesehen habe.

Die gesicherten Lebensdaten sind nicht völlig einheitlich überliefert. Für die Geburt erscheinen in der Literatur vor allem die Angaben um 1710 und um 1717. Als Todesjahr begegnen ältere Angaben um 1740, teilweise mit Formia oder Rom als Sterbeort; nach der von P. Kast angeführten beziehungsweise in neueren musikhistorischen Nachschlagewerken berücksichtigten Datierung ist der 14. Oktober 1746 in Rom anzusetzen. Gerade diese Unsicherheit gehört zur Quellenlage Alberts: Sein Nachruhm beruht weniger auf einer breit dokumentierten Biographie als auf einem kleinen, aber wirkungsgeschichtlich wichtigen Bestand an Cembalomusik, Bühnen- und Vokalwerken sowie auf der mit seinem Namen verbundenen Begleitformel.

Kurzdaten

Name Domenico Alberti.
Weitere Namensformen Domenico Albertis, Domenico de Albertis und in bibliographischer Ordnung Alberti, Domenico beziehungsweise Albertis, Domenico.
Geburt Um 1710 oder, nach anderen Angaben, um 1717 in Venedig.
Tod 14. Oktober 1746 in Rom nach P. Kast 1963; ältere Quellen nennen teilweise um 1740 und schwanken zwischen Rom und Formia.
Beruf Komponist, Cembalist, Sänger, musikalischer Dilettant im aristokratischen Sinn und Vertreter des galanten Stils.
Ausbildung Gesangs- und Kompositionsausbildung im venezianischen Umfeld, insbesondere bei Antonio Biffi beziehungsweise Antonio Buffi und Antonio Lotti.
Wirkungsorte Venedig, Madrid und Rom; außerdem Wirkung durch Drucke und Abschriften in London, Amsterdam, Paris und weiteren europäischen Musikzentren.
Gattungen Cembalosonate, Toccata, Serenata, azione teatrale, Arie, Motette und einzelne geistliche beziehungsweise instrumentalpraktische Stücke.
Stilistische Einordnung Spätbarock, galanter Stil, frühe klassische Tastenfaktur und Übergang von Generalbassdenken zu periodischer Begleitfigur.
Musikgeschichtliche Bedeutung Namensgeber des Alberti-Basses und wichtiger Vertreter einer leichten, kantablen, zweiteiligen Cembalosonate im Vorfeld der klassischen Klaviersonate.

Ausführlicher Kulturüberblick

Domenico Alberti gehört zu jenen Komponisten des 18. Jahrhunderts, deren historisches Gewicht nicht proportional zum Umfang der heute regelmäßig aufgeführten Werke ist. Er ist kein Repertoirekomponist im Sinn Bachs, Händels, Scarlattis, Haydns oder Mozarts. Dennoch ist sein Name in nahezu jeder Einführung zur Musik des 18. Jahrhunderts präsent, weil sich an ihm ein entscheidender Wandel der musikalischen Faktur zeigen lässt: die Verschiebung von der kontrapunktisch und generalbasslich gedachten Satzweise des Barock zu einer stärker melodiezentrierten, periodischen und harmonisch vereinfachten Schreibweise des galanten Stils.

Der sogenannte Alberti-Bass ist dafür ein besonders anschauliches Zeichen. Die linke Hand stützt die rechte nicht mehr primär durch durchgehenden Generalbass, imitatorische Selbständigkeit oder akkordische Füllung, sondern durch eine gleichmäßig gebrochene Akkordfigur. Diese Figur erzeugt Bewegung, ohne die Hauptmelodie zu bedrängen. Sie füllt den Klangraum, ohne kontrapunktisch eigene Aufmerksamkeit zu beanspruchen. Gerade deshalb wurde sie für die Tastenmusik des 18. Jahrhunderts so wirksam. Sie entspricht einer neuen Klangästhetik: Transparenz, Kantabilität, Regelmäßigkeit, Eleganz und unmittelbare Verständlichkeit treten stärker hervor.

Alberti steht damit an einer Übergangsstelle zwischen Cembalo und frühem Klavier, zwischen höfischer Gesangskultur und bürgerlicher Tastenmusik, zwischen italienischem Opernidiom und internationaler Sonatenpraxis. Seine Sonaten sind häufig kurz, zweiteilig und auf unmittelbare Wirkung angelegt. Sie besitzen nicht die formale Weiträumigkeit der späteren klassischen Sonate, zeigen aber bereits jene klare Trennung von Melodie und Begleitung, die für die Klassik folgenreich wurde. Der Name Alberti wird deshalb häufig weniger wegen einer einzelnen genialen Erfindung genannt als wegen der Verdichtung einer allgemeinen Stilbewegung in einer einprägsamen Formel.

Seine venezianische Herkunft ist kulturgeschichtlich nicht nebensächlich. Venedig war im frühen 18. Jahrhundert ein Zentrum von Oper, Kirchenmusik, Instrumentalmusik, Theater und musikalischem Tourismus. In dieser Stadt waren die Grenzen zwischen professioneller Musik, adeliger Liebhaberei, Theaterpraxis und öffentlicher Virtuosität durchlässig. Alberti verstand sich zwar als dilettante, doch bedeutete dies im 18. Jahrhundert nicht notwendig mangelnde Kunstfertigkeit. Vielmehr bezeichnete es eine soziale Selbstpositionierung: Musik wurde aus Bildung, Neigung und gesellschaftlicher Praxis betrieben, nicht zwingend als handwerklicher Broterwerb. Genau diese Zwischenstellung erklärt Alberts Profil als Sänger, Cembalist, Komponist und gesellschaftlich auftretender Musiker.

Auch die Verbindung zu Pietro Metastasio ist wichtig. Alberts Bühnenwerke und Arien stehen im Umfeld jener höfisch-galanten Opern- und Serenatenkultur, in der Metastasios Libretti europaweit zirkulierten. Das bedeutet, dass Alberts Vokalmusik Teil einer internationalen italienischen Sprach- und Musikkultur war. Die italienische Oper war im 18. Jahrhundert ein europäisches Leitmedium; Komponisten wie Alberti bewegten sich in einem Netz aus Venedig, Rom, Madrid, Dresden, London, Wien und Paris. Selbst dort, wo Alberts Werke nur fragmentarisch oder handschriftlich überliefert sind, zeigen sie die Reichweite dieser Kultur.

Leben und gesellschaftliche Stellung

Über Domenico Albertis Leben ist weniger bekannt, als seine terminologische Berühmtheit vermuten lässt. Geboren wurde er in Venedig, wahrscheinlich um 1710, nach anderen Angaben um 1717. Seine Ausbildung wird mit Antonio Biffi beziehungsweise Antonio Buffi und mit Antonio Lotti verbunden. Beide Namen verweisen auf das venezianische Kirchen- und Opernleben, auf eine solide handwerkliche Ausbildung und auf die Verbindung von vokaler, kontrapunktischer und theatralischer Praxis. Alberti entwickelte sich jedoch nicht zu einem Kapellmeister im institutionellen Sinn, sondern blieb eine Gestalt zwischen adeliger Liebhaberei, Virtuosität und kompositorischer Produktion.

1736 befand sich Alberti als Ehrenpage im Gefolge des venezianischen Botschafters Pietro Andrea Cappello in Spanien. Die überlieferte Begegnung mit Farinelli ist zwar anekdotisch, aber kulturgeschichtlich aufschlussreich. Sie zeigt, dass Alberti als Sänger ernst genommen wurde und dass seine Kunst nicht allein im Cembalospiel lag. Die Vorstellung des singenden Cembalisten, der sich selbst begleitet, ist für sein Werkprofil zentral: Die rechte Hand seiner Sonaten wirkt häufig kantabel, während die linke Hand die Stimme durch gebrochene Akkorde stützt. Das musikalische Denken ist somit stark vokal geprägt.

1737 kam Alberti nach Rom, im Gefolge des Marchese Giovanni Carlo Molinari. In Rom machte er sich als Komponist bemerkbar und trat nach zeitgenössischen Berichten auch als charismatischer Sänger und Begleiter hervor. Die biographischen Details bleiben jedoch bruchstückhaft. Die ältere Literatur schwankt in Bezug auf Todesjahr und Sterbeort. Für diese Seite wird die vom Nutzer vorgegebene und in der neueren musikhistorischen Tradition anzutreffende Datierung 14. Oktober 1746 in Rom als Hauptangabe verwendet, während die ältere Angabe um 1740 in Rom oder Formia quellenkritisch als abweichende Tradition mitgeführt wird.

Stil, Cembalosonate und Alberti-Bass

Albertis Stil ist dem galanten Idiom zuzuordnen. Dieses Idiom setzt auf klare Melodik, regelmäßige Phrasierung, leichtere Harmonik, transparente Begleitung und unmittelbare Verständlichkeit. Im Unterschied zur gelehrten Polyphonie des Spätbarock tritt die einzelne sangliche Linie stärker hervor. Die Begleitung dient der Stützung und Belebung dieser Linie, nicht ihrer kontrapunktischen Durchdringung. Genau an diesem Punkt wird der Alberti-Bass bedeutsam.

Die typische Formel des Alberti-Basses besteht aus einer gebrochenen Akkordbewegung, bei der die Töne in einer charakteristischen Reihenfolge erklingen: tief, hoch, mittel, hoch. In der Praxis gibt es zahlreiche Varianten. Entscheidend ist nicht eine starre Tonfolge, sondern die Funktion: Der Akkord wird rhythmisch bewegt und als kontinuierlicher Klangteppich eingesetzt. Dadurch kann die rechte Hand eine kantable, oft vokal gedachte Melodie führen. Die Figur wirkt einfach, ist aber kulturgeschichtlich folgenreich, weil sie eine neue, melodiezentrierte Tastenästhetik unterstützt.

Alberti war nicht der einzige und wohl auch nicht der absolute Erfinder dieser Begleitweise. Ähnliche gebrochene Akkordfiguren begegnen schon zuvor oder gleichzeitig bei anderen Komponisten. Sein Name blieb jedoch daran haften, weil seine Cembalosonaten diese Technik auffällig und häufig verwenden. Spätere Komponisten, besonders in der klassischen Klavier- und Sonatenliteratur, nutzten die Figur systematischer, flüssiger und formaler integriert. Bei Mozart, Haydn, Clementi und Beethoven erscheint der Alberti-Bass nicht mehr als bloßes Muster, sondern als ein tragendes Mittel klassischer Periodik, harmonischer Bewegung und spieltechnischer Klarheit.

Albertis Sonaten selbst sind meist zweiteilig. Häufig steht ein bewegter, toccatenhafter oder allegroartiger Anfangssatz einem kantableren, ariosen oder tänzerischen Folgesatz gegenüber. Die Form ist noch nicht die klassische Sonatenhauptsatzform, sondern eine frühere, überschaubare Sonatenpraxis in binären Strukturen. Gerade darin liegt ihr historischer Wert: Sie zeigen die Sonate im Stadium der Verdichtung, Vereinfachung und internationalen Verbreitung.

Bühnenwerke, Gesang und Metastasio-Umfeld

Albertis Vokalmusik steht im Umfeld der italienischen Opern- und Serenatenkultur. Pietro Metastasio war in dieser Epoche die dominierende Librettistenfigur Europas; seine Texte wurden an vielen Höfen und Theatern wiederholt vertont. Alberti komponierte mit Endimione und La Galatea Werke auf Texte Metastasios. Diese Gattungen liegen zwischen höfischem Festspiel, Opernserenata und dramatischer Huldigungsmusik. Sie verlangen eine klare Affektdramaturgie, vokale Eleganz und eine Musik, die in repräsentativen Kontexten unmittelbar verständlich bleibt.

Endimione wurde 1737 in Venedig aufgeführt. La Galatea wird ebenfalls in die Jahre 1737 oder 1738 gestellt und ist als zweiteilige Serenata beziehungsweise azione teatrale überliefert. Die Zuschreibung von L’Olimpiade ist dagegen unsicher. Temistocle ist nicht als gesicherte vollständige Oper Albertis greifbar; überliefert ist mindestens eine Arie beziehungsweise ein einzelnes vokales Stück im Zusammenhang mit Metastasios Stoff. Hinzu kommen einzelne Arien, die in europäischen Bibliotheken nachgewiesen sind, sowie die Motette Adoramus te Christe.

Diese Vokalwerke sind für Albertis Profil wichtig, weil sie zeigen, dass sein Tastenstil nicht isoliert aus der Instrumentalmusik heraus verstanden werden sollte. Die Kantabilität der rechten Hand in den Sonaten, die ariose Anlage vieler langsamer Sätze und das Selbstbild des singenden Cembalisten stehen in enger Beziehung zur Opern- und Serenatenkultur seiner Zeit.

Tastenmusik und Quellenlage

Albertis Tastenmusik ist der Kern seines Nachruhms. Die ältere Literatur spricht von sechsunddreißig Sonaten, von denen nur ein Teil erhalten ist. Neuere Nachschlagewerke nennen vierzehn vollständig erhaltene Sonaten sowie weitere einzelne Sätze. Daneben existieren handschriftliche Sammlungen, spätere Drucke, Sammeldrucke und problematische Zuschreibungen. Gerade die Druckgeschichte ist kompliziert, weil Giuseppe Jozzi, der als Schüler Alberts galt, eine Gruppe von Sonaten unter eigenem Namen veröffentlichte, die später Alberti zugeschrieben beziehungsweise unter Alberts Namen neu ausgegeben wurde.

Die acht Cembalosonaten Opus 1 bilden den bekanntesten geschlossenen Werkkomplex. Sie erschienen in unterschiedlichen Drucküberlieferungen und Zuschreibungszusammenhängen. Die richtige Zuschreibung an Alberti steht der irreführenden oder plagiarischen Zuschreibung an Jozzi gegenüber. Diese Werkgruppe ist deshalb nicht nur musikalisch, sondern auch quellen- und verlagsgeschichtlich aufschlussreich. Sie zeigt, wie mobil und unsicher Autorschaft im 18. Jahrhundert sein konnte, insbesondere bei Tastendrucken, die in London, Amsterdam und Paris zirkulierten.

Die moderne Gesamteinspielung der Tastenmusik durch Manuel Tomadin hat den verstreuten Bestand wieder stärker sichtbar gemacht. Sie führt Sonaten, Pastoralen und Toccaten zusammen, die in Handschriften und Drucken überliefert sind. Für ein Werkverzeichnis ist dennoch Vorsicht geboten: Nicht alle Stücke sind gleichermaßen gesichert, manche Titel bezeichnen moderne Aufführungseinheiten, und manche Werknummern stammen aus moderner Katalogisierung. Die folgende Übersicht unterscheidet deshalb zwischen Bühnenwerken, Vokalmusik, sicher greifbaren Sammlungen, Einzelsonaten, Toccaten und zweifelhaften beziehungsweise besonders erklärungsbedürftigen Zuschreibungen.

Werkverzeichnis

Das Werkverzeichnis führt die nach derzeitig greifbarer Quellenlage wichtigsten und nachweisbaren Werke Domenico Albertis auf. Bei einzelnen Titeln sind Datierung, Zuschreibung oder Vollständigkeit unsicher. Wo dies der Fall ist, wird die Unsicherheit ausdrücklich vermerkt.

Bühnenwerke, Serenaten und dramatische Vokalmusik

  • Endimione, Serenata auf ein Libretto von Pietro Metastasio, Venedig, 1737; Aufführung am 24. September 1737 genannt.
  • La Galatea, Serenata in zwei Teilen beziehungsweise azione teatrale auf ein Libretto von Pietro Metastasio, Venedig, 1737 oder 1738; in einzelnen Nachweisen auch mit Aufführung 1740 verbunden.
  • L’Olimpiade, dramatisches Werk beziehungsweise Oper nach Pietro Metastasio, Venedig, 1737 oder 1739; Zuschreibung unsicher und deshalb nicht ohne Einschränkung als gesichertes Werk zu behandeln.
  • Temistocle, dramatischer Stoff nach Pietro Metastasio; keine gesicherte vollständige Opernvertonung, doch mindestens eine Arie beziehungsweise ein einzelnes vokales Stück ist in Handschriftenkontexten nachgewiesen.

Arien und einzelne Vokalstücke

  • Ah frenate il pianto, Arie aus dem Temistocle-Zusammenhang beziehungsweise als einzelne Opernarie überliefert.
  • Vedrai che a te costante, Arie für Stimme und Instrumente; in der Literatur mit einem Berliner Handschriftennachweis verbunden und mit dem Datum 2. August 1754 in der Quellenüberlieferung genannt.
  • Allo splendor fugace, Arie, in der Bayerischen Staatsbibliothek München nachgewiesen.
  • Se in qualche volto, Arie, in Wien nachgewiesen.
  • Se per me non c’è speranza, Arie, in Wien nachgewiesen.
  • Caro sposo, amato oggetto, Arie, in Bologna nachgewiesen.
  • Adoramus te Christe, Motette für vier Stimmen, in Bologna zusammen mit weiteren Arien und vokalen Quellen genannt.

Cembalosonaten und Drucksammlungen

  • VIII Sonate per Cembalo, Opera prima, Paris, mit richtiger Zuschreibung an Domenico Alberti; zentrale Sammlung der überlieferten Cembalosonaten.
  • 8 Sonates pour le Clavecin, in Drucküberlieferungen auch fälschlich unter dem Namen Giuseppe Jozzi beziehungsweise als Werke eines Jozzi, Schüler Alberts, verbreitet.
  • A collection of Lessons for the Harpsichord, compos’d by Sig.r Jozzi, St. Martini of Milan, Alberti, Agreli. Never before printed, London, 1761–1764; Sammeldruck mit Alberti-Stücken.
  • The Harpsichord Miscellany. Book second. Composed by Alberti, Pasquali and Tardini, London, 1763; Sammeldruck mit Alberti-Beiträgen.
  • XX Sonate per Cembalo, composte di vari autori, Paris, um 1770, gesammelt von Giovanni Battista Venier; enthält drei Sonaten beziehungsweise Sätze Albertis.
  • 21 Sonate di intavolatura, handschriftliche Sammlung im British-Museum-/British-Library-Kontext, teilweise mit den gedruckten Sonaten überschneidend.
  • Sonate per Cembalo, Handschrift mit einem Ripieno in a-Moll beziehungsweise mit orgelpraktischem Bezug in Bologna.

Acht Cembalosonaten Opus 1

  • Sonata Nr. 1 in G-Dur, Op. 1, Nr. 1; Sätze: Andante und Andante.
  • Sonata Nr. 2 in F-Dur, Op. 1, Nr. 2; Sätze: Allegro moderato und Allegro assai.
  • Sonata Nr. 3 in C-Dur, Op. 1, Nr. 3; Sätze: Allegro ma non tanto und Menuet.
  • Sonata Nr. 4 in g-Moll, Op. 1, Nr. 4; Sätze: Allegro und Presto beziehungsweise Giga.
  • Sonata Nr. 5 in A-Dur, Op. 1, Nr. 5; Sätze: Allegro moderato und Allegro.
  • Sonata Nr. 6 in G-Dur, Op. 1, Nr. 6; Sätze: Allegro moderato und Allegro.
  • Sonata Nr. 7 in F-Dur, Op. 1, Nr. 7; Sätze: Allegro und Tempo di menuet.
  • Sonata Nr. 8 in G-Dur, Op. 1, Nr. 8; Sätze: Allegro und Presto assai. In einzelnen Quellen- und Editionszusammenhängen begegnet für die achte Sonate auch eine abweichende Tonartordnung, weshalb die Druck- und Handschriftenlage stets gesondert zu prüfen ist.

Weitere Sonaten und Sonatensätze für Tasteninstrument

  • Sonata in g-Moll, mit den Sätzen Allegro und Spiritoso.
  • Sonata in d-Moll, mit den Sätzen Andante und Allegro.
  • Sonata pastorale in G-Dur, mit den Sätzen Andante und Presto.
  • Sonata IV, mit den Sätzen Allegro, Andante und vier Variationen.
  • Sonata in C-Dur, mit den Sätzen Andante grazioso und Moderato.
  • Sonata in a-Moll, mit den Sätzen Ripieno und Spiritoso.
  • Sonata pastorale in B-Dur, mit den Sätzen Andante und Moderato.
  • Sonata in C-Dur, zweisätzig, ohne überlieferte Tempobezeichnung in einer modernen Aufführungsordnung.
  • Sonata in D-Dur, mit den Sätzen Largo und Andante.
  • Sonata in G-Dur, einsätzig beziehungsweise in einer modernen Werkordnung als einzelner Satz geführt.
  • Sonata in Es-Dur, mit den Sätzen Andante und Allegro.
  • Sonata in B-Dur, mit den Sätzen Allegro moderato und Allegro.
  • Sonata in A-Dur, mit den Sätzen Larghetto und Allegretto.
  • Sonata in A-Dur, zweisätzig, ohne überlieferte Tempobezeichnung in einer modernen Aufführungsordnung.
  • Sonata II in F-Dur, mit den Sätzen Allegro – Rondò, Andante und Allegro.
  • Sonata in G-Dur, WörA 15.
  • Sonata in G-Dur, WörA 16.
  • Sonata I in F-Dur, mit den Sätzen Allegro, Andante und Allegro.
  • Sonata in B-Dur, WörA 10, mit den Sätzen Adagio und Allegro.
  • Sonata in F-Dur, WörA 19, mit den Sätzen Andante und Allegro.
  • Sonata in B-Dur, zweisätzig, ohne überlieferte Tempobezeichnung in einer modernen Aufführungsordnung.

Toccaten und weitere Tastenstücke

  • Toccata in B-Dur, WörA 12, mit den Sätzen Allegro und Presto.
  • Toccata in B-Dur, mit den Sätzen Moderato und Allegro.
  • Toccata in F-Dur, einzeln überliefert beziehungsweise in moderner Einspielungsordnung als Toccata in F-Dur geführt.
  • Toccata in D-Dur, einzeln überliefert beziehungsweise in moderner Einspielungsordnung als Toccata in D-Dur geführt.
  • Toccata in C-Dur, WörA 11, mit den Sätzen Presto und Allegro.
  • Toccata in F-Dur, WörA 9, mit den Sätzen Andantino und Giga.
  • Offertorio per organo, in modernen Katalog- und Notenportalen unter Domenico Alberti geführt; die genaue Quellenlage ist für eine wissenschaftliche Edition gesondert zu prüfen.
  • Pastorale in f-Moll beziehungsweise Pastorale in f, in orgel- beziehungsweise tastenmusikalischen Nachweisen mit Alberti verbunden.

Zweifelhafte, problematische oder quellenkritisch zu prüfende Zuschreibungen

  • L’Olimpiade, Zuschreibung an Alberti unsicher.
  • Einzelne in Sammeldrucken unter Jozzi, Alberti oder anderen Namen verbreitete Sonatensätze, bei denen Autorschaft, Bearbeitung oder Druckzuschreibung nicht immer eindeutig sind.
  • Einzelne Toccaten und Sonaten in Handschriften, deren moderne Werknummern und Zuordnung von der jeweiligen Katalogisierung abhängen.

Überlieferung, Zuschreibung und Edition

Albertis Werküberlieferung ist durch drei Problemfelder geprägt. Erstens ist die Biographie unsicher. Die Geburt wird um 1710 oder um 1717 angesetzt, der Tod in älteren Quellen um 1740, in anderer Tradition am 14. Oktober 1746. Zweitens ist die Autorschaft einzelner Sonaten durch Druck- und Verlagsgeschichte kompliziert. Giuseppe Jozzi veröffentlichte beziehungsweise verbreitete Sonaten, die später Alberti zugeschrieben wurden. Drittens ist die moderne Werkordnung von verstreuten Handschriften und Sammeldrucken abhängig, sodass eine einfache, vollständig gesicherte Werkliste nur eingeschränkt möglich ist.

Die acht Cembalosonaten Opus 1 bilden dennoch einen festen Kern. Sie sind für die Geschichte der Tastensonate wichtig, weil sie ein prägnantes Beispiel für den Übergang zur galanten Sonatenfaktur bieten. Die linke Hand ist häufig durch gebrochene Akkordbewegungen geprägt, während die rechte Hand eine sangliche Linie führt. Diese Trennung von melodischer Hauptstimme und figurierter Begleitung wurde im 18. Jahrhundert zu einem Grundmodell der Tastenmusik.

Moderne Editionen und Einspielungen haben Alberti aus der bloßen Fußnote zum „Alberti-Bass“ herausgelöst. Die Beschäftigung mit dem gesamten Tastenwerk zeigt, dass sein Stil nicht auf eine einzige Begleitfigur reduziert werden darf. Seine Musik verbindet vokale Kantabilität, aristokratische Eleganz, instrumentale Beweglichkeit und eine oft kurze, aber wirkungsvolle Formanlage. Gerade dadurch eignet sich Alberti als Schlüsselgestalt für die Kulturgeschichte des galanten Stils.

Sekundärliteratur

  • Wolfgang Ruf: Alberti, Domenico. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, zweite, neubearbeitete Ausgabe, Personenteil; online in MGG Online, zuerst veröffentlicht 1999, online veröffentlicht 2016.
  • Guido Piamonte: Alberti, Domenico. In: Dizionario Biografico degli Italiani, Band 1. Rom, Istituto dell’Enciclopedia Italiana, 1960.
  • Michael Talbot: Alberti, Domenico. In: Grove Music Online. Oxford Music Online.
  • Michael Kennedy und Joyce Bourne: Alberti, Domenico. In: The Concise Oxford Dictionary of Music.
  • Nicolas Slonimsky, Laura Kuhn und Dennis McIntire: Alberti, Domenico. In: Baker’s Biographical Dictionary of Musicians.
  • Wilhelm Wörmann: Die Klaviersonate Domenico Albertis. In: Acta Musicologica, Band 27, 1955, S. 84–112.
  • Paul Kast: Studie beziehungsweise musikhistorischer Beitrag von 1963 zur Datierung und Quellenlage Domenico Albertis.
  • Fausto Torrefranca: I primitivi della sonata moderna. Turin, 1930.
  • Fausto Torrefranca: Le origini dello stile mozartiano. Turin, 1930.
  • Fausto Torrefranca: Le origini italiane del romanticismo musicale. Turin, 1930.
  • Jean-Benjamin de La Borde: Essai sur la musique ancienne et moderne, Band 3. Paris, 1780.
  • Christian Friedrich Daniel Schubart: Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst. Wien, 1806.
  • Francesco Caffi: Storia della musica sacra nella già cappella ducale di San Marco in Venezia dal 1318 al 1797. Venedig, 1854–1855.
  • Leon Plantinga: Clementi: His Life and Music. London, 1977.
  • Eva Badura-Skoda: The Eighteenth-Century Fortepiano Grand and Its Patrons: From Scarlatti to Beethoven. Bloomington, Indiana University Press, 2017.
  • John Rink: Musical Performance: A Guide to Understanding. Cambridge, Cambridge University Press, 2002.
  • Riccardo Allorto: Il pianoforte classico. Sonate e concerti. Mailand, 1980.
  • Manuel Tomadin: Begleittexte zu Alberti: Complete Keyboard Music. Brilliant Classics, 2015.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Alberti-Bass Arpeggierte Begleitfigur, die nach Domenico Alberti benannt ist und für die Tastenmusik des galanten und klassischen Stils grundlegend wurde.
  • Galanter Stil Stilrichtung des 18. Jahrhunderts mit klarer Melodik, leichter Satztechnik, periodischer Gliederung und eleganter Begleitung.
  • Cembalosonate Gattung der Tastenmusik, in der Alberti durch kurze zweiteilige Werke und galante Begleitformen hervortrat.
  • Klaviersonate Spätere zentrale Gattung der Klassik, deren Begleit- und Periodenbildung durch galante Vorformen wie bei Alberti vorbereitet wurde.
  • Cembalo Tasteninstrument, für das Alberts Sonaten ursprünglich gedacht waren und dessen Klang die Begleitfigur des Alberti-Basses prägte.
  • Fortepiano Frühes Klavierinstrument, auf dem Alberts Tastenmusik heute ebenfalls historisch informiert dargestellt werden kann.
  • Toccata Instrumentale Gattung mit freierer, virtuoser Anlage; bei Alberti auch im Umfeld seiner Tastenmusik greifbar.
  • Serenata Höfisch-dramatische Vokalgattung, zu der Alberts Endimione und La Galatea gehören.
  • Azione teatrale Dramatische höfische Gattung des 18. Jahrhunderts, oft mit mythologischem Stoff und repräsentativer Funktion.
  • Pietro Metastasio Zentraler Librettist des 18. Jahrhunderts, dessen Texte Alberti in mehreren dramatischen Vokalwerken verwendete.
  • Farinelli Berühmter Kastratensänger, dessen angebliche Bewunderung für Alberts Gesang zur biographischen Anekdotik gehört.
  • Antonio Lotti Venezianischer Komponist und Lehrer, mit dem Albertis musikalische Ausbildung verbunden wird.
  • Antonio Biffi Venezianischer Musiker und Kapellmeister, in der Literatur als Lehrer beziehungsweise Ausbildungsbezug Albertis genannt.
  • Venedig in der Musikgeschichte Kultureller Raum von Oper, Kirchenmusik, Instrumentalmusik und adeliger Musikkultur, aus dem Alberti hervorging.
  • Italienische Oper des 18. Jahrhunderts Gattungs- und Aufführungskontext für Alberts dramatische Werke und Arien.
  • Arie Vokale Einzelform der Oper und Serenata, in der Alberti auch unabhängig von vollständigen Bühnenwerken überliefert ist.
  • Motette Geistliche Vokalform, zu der Alberts Adoramus te Christe gehört.
  • Generalbass Barocke Fundamentpraxis, von der sich die galante Begleitfigur des Alberti-Basses teilweise ablöst.
  • Joseph Haydn Komponist der Wiener Klassik, in dessen Tasten- und Kammermusik galante Begleitfiguren weiterentwickelt wurden.
  • Wolfgang Amadeus Mozart Komponist, bei dem der Alberti-Bass zu einem besonders bekannten Bestandteil klassischer Tastenfaktur wurde.
  • Ludwig van Beethoven Komponist, der klassische Begleitmodelle wie den Alberti-Bass in größerer formaler und expressiver Anlage weiterführte.
  • Muzio Clementi Komponist und Pianist, dessen Sonatenwerk für die Entwicklung der klassischen und frühromantischen Klavierfaktur wichtig ist.
  • Domenico Scarlatti Tastenkomponist des 18. Jahrhunderts, der neben Alberti für die Vorgeschichte der klassischen Sonate wichtig ist.
  • Giuseppe Jozzi Kastrat und Cembalist, dessen Name mit der problematischen Druck- und Zuschreibungsgeschichte von Albertis Sonaten verbunden ist.
  • Musikdruck im 18. Jahrhundert Überlieferungsgeschichtlicher Rahmen für Albertis Sonaten in London, Amsterdam und Paris.
  • Zuschreibung in der Musikgeschichte Forschungsproblem bei Werken, die in Handschriften und Drucken unter verschiedenen Namen kursieren.