Aalruppe
Lexikon
Aalruppe ist eine ältere, heute regional beziehungsweise historisch gebrauchte deutsche Bezeichnung für die Quappe (Lota lota), einen langgestreckten Süßwasserfisch aus der Ordnung der Dorschartigen (Gadiformes). Das Wort steht neben zahlreichen anderen regionalen Namen derselben Fischart, darunter Aalraupe, Aalrutte, Aalquappe, Ruppe, Rutte, Quappe, Trüsche, Treische, Quappaal und weitere mundartliche Formen. Aalruppe bezeichnet keinen Aal und keine Entwicklungsstufe eines Aals, sondern denselben biologischen Fisch, der heute im bundesdeutschen Standardgebrauch überwiegend Quappe heißt.
Die moderne zoologische Zuordnung lautet Lota lota (Linnaeus, 1758). Die Art gehört zur Familie Lotidae innerhalb der Gadiformes. Carl von Linné beschrieb sie 1758 noch unter dem Namen Gadus lota; deshalb erscheint in älterer Literatur regelmäßig die Kombination Gadus lota. Auch historische Bezeichnungen als „Schellfisch“, „Weichfisch“ oder allgemein als dorschverwandter Fisch sind aus dem jeweiligen damaligen zoologischen System zu verstehen und dürfen nicht mit einer modernen Zuordnung zur Gattung Gadus gleichgesetzt werden.
Die Aalruppe ist innerhalb der Dorschartigen biologisch außergewöhnlich. Während fast alle anderen Vertreter dieser großen Fischgruppe Meeresbewohner sind, lebt die Quappe dauerhaft in Süßwasser; sie kann auch in schwach salzhaltiges Brackwasser vordringen. Sie ist damit der charakteristische Süßwasservertreter eines Fischverwandtschaftskreises, zu dem ansonsten vor allem marine Formen gehören.
Diese systematische Stellung erklärt Merkmale, die äußerlich trotz des langgestreckten Körpers deutlich auf die Verwandtschaft mit Dorschartigen hinweisen. Besonders auffällig ist ein einzelner längerer Bartfaden am Kinn. Zusätzlich befinden sich im Bereich der Nasenöffnungen kleine Hautfortsätze. Die Bauchflossen sitzen weit vorn, noch vor den Brustflossen, und damit im sogenannten kehlständigen Bereich. Diese Flossenstellung unterscheidet die Quappe grundlegend von einem echten Aal.
Der Körper ist langgestreckt, im vorderen Abschnitt eher walzenförmig und nach hinten zunehmend seitlich zusammengedrückt. Der Kopf ist breit und verhältnismäßig flach, das Maul groß. Gerade die Kombination aus breitem Kopf und langem, schmalem Hinterkörper hat seit Jahrhunderten verschiedene Tiervergleiche hervorgerufen. Naturkundliche Autoren beschrieben die Quappe sinngemäß als einen Fisch, der vorn an Frosch oder Kröte und hinten an einen Aal erinnere.
Diese doppelte Gestaltassoziation ist für die Geschichte des Namens Aalruppe von grundlegender Bedeutung. Das Vorderglied Aal bezieht sich auf den langgestreckten, glatten beziehungsweise aalähnlichen Rumpf. Das ältere Wort Ruppe gehört dagegen wahrscheinlich zu einer sehr alten Fischbezeichnung, die über mittelhochdeutsch ruppe und ältere deutsche Formen auf lateinisch beziehungsweise mittellateinisch rubeta „Kröte“ zurückgeführt wird. Schon die Wortgeschichte verbindet damit die beiden auffälligen Körperbereiche des Fisches.
Die Aalruppe ist dennoch nicht im engeren morphologischen Sinn so vollständig aalförmig wie ein echter Aal. Die Quappe besitzt einen deutlich ausgeprägten Kopf, paarige Flossen und zwei Rückenflossen. Die erste Rückenflosse ist kurz; die zweite ist außerordentlich lang. Auch die Afterflosse erstreckt sich weit entlang des hinteren Körpers. Die Schwanzflosse bleibt als abgerundete Flosse erkennbar.
Beim Europäischen Aal gehen Rücken-, Schwanz- und Afterflosse dagegen zu einem durchgehender wirkenden Flossensaum ineinander über. Außerdem fehlen dem Aal Bauchflossen. Bereits anhand dieser Merkmale lassen sich beide Fische trotz ihrer äußerlichen Längsstreckung deutlich unterscheiden.
Auch die Haut trägt zum volkstümlichen Aalvergleich bei. Die Quappe wirkt glatt und schleimig; ihre kleinen rundlichen Schuppen liegen tief in der Haut und fallen äußerlich kaum auf. Ähnlich wie beim Aal entsteht dadurch der Eindruck eines nahezu schuppenlosen, gleitfähigen Körpers.
Die Grundfärbung reicht gewöhnlich von gelblich über olivbraun und braun bis zu sehr dunklen Tönen. Charakteristisch ist eine unregelmäßige dunklere Marmorierung des Körpers und der Flossen. Farbe und Zeichnung können je nach Lebensraum und Individuum beträchtlich variieren.
Die Quappe ist ein Bodenfisch. Tagsüber hält sie sich häufig unter Steinen, zwischen Wurzeln, in Vertiefungen, Uferhöhlen oder dichter Vegetation verborgen. Besonders aktiv wird sie in der Dämmerung und während der Nacht. Diese versteckte und überwiegend nächtliche Lebensweise hat dazu beigetragen, dass sie trotz ihrer teilweise beträchtlichen Größe weniger auffällig ist als viele tagaktive Süßwasserfische.
Typische Lebensräume sind kühle, sauerstoffreiche Flüsse, Bäche und größere, tiefe Seen. Die Art kann vom Tiefland bis in alpine beziehungsweise voralpine Seen vorkommen und dort beträchtliche Tiefen nutzen. Besonders während warmer Jahreszeiten ziehen sich Quappen häufig in kühlere Tiefen beziehungsweise andere thermisch günstige Bereiche zurück.
Damit gehört die Aalruppe zu den ausgeprägt kälteliebenden heimischen Fischarten. Hohe Wassertemperaturen begrenzen Aktivität und Lebensraumeignung. Länger anhaltende starke Erwärmung kann Bestände belasten, insbesondere wenn gleichzeitig der Sauerstoffgehalt des Wassers sinkt.
Diese thermische Spezialisierung macht die Quappe gegenüber dem Klimawandel empfindlich. Steigende Wassertemperaturen können geeignete Lebensräume verkleinern, besonders in flachen beziehungsweise bereits sommerwarmen Flüssen und Seen. In tiefen Seen kann die Art grundsätzlich in kältere Wasserschichten ausweichen, sofern dort genügend Sauerstoff vorhanden ist.
Besonders empfindlich sind die frühen Entwicklungsstadien. Die Fortpflanzung erfolgt im Winter bei niedrigen Temperaturen. Bereits eine verhältnismäßig geringe Erwärmung während der Eientwicklung kann den Fortpflanzungserfolg erheblich beeinträchtigen. Damit unterscheidet sich die Quappe von zahlreichen heimischen Fischarten, die im Frühjahr oder Sommer laichen.
Die Aalruppe ist ein ausgeprägter Winterlaicher. Je nach Region ziehen geschlechtsreife Tiere während der kalten Jahreszeit zu geeigneten Laichplätzen. Die Fortpflanzungsperiode liegt ungefähr zwischen Spätherbst und dem zeitigen Frühjahr, mit regionalen Unterschieden.
Zur Laichzeit können Quappen größere Wanderungen unternehmen. In Fließgewässern sind deshalb freie Wanderwege von besonderer Bedeutung. Wehre, Querbauwerke und andere unpassierbare Hindernisse können Laichwanderungen unterbrechen und voneinander getrennte Teilbestände erzeugen.
Die Eier werden in sehr großer Zahl abgegeben. Quappen gehören zu den besonders fruchtbaren heimischen Fischen; große Weibchen können Hunderttausende beziehungsweise, bezogen auf das Körpergewicht, sehr große Mengen kleiner Eier produzieren. Eine hohe Eizahl bedeutet jedoch nicht automatisch hohen Nachwuchserfolg, weil Eier und Larven starken Verlusten durch Umweltbedingungen, Strömung, Fressfeinde und andere Faktoren ausgesetzt sind.
Die Eier besitzen einen kleinen Öltropfen und können im Wasser beziehungsweise nahe dem Gewässerboden verdriftet werden. Die Larven sind zunächst sehr klein und ernähren sich nach Verbrauch des Dottervorrats von mikroskopischen beziehungsweise kleinen tierischen Organismen.
Mit zunehmender Körpergröße verändert sich die Nahrung. Junge Quappen fressen vor allem Insektenlarven, Würmer, kleine Krebstiere, Mollusken und andere Wirbellose. Größere Tiere entwickeln sich zunehmend zu Raubfischen und ernähren sich in erheblichem Umfang von anderen Fischen.
Die ältere Vorstellung der Aalruppe als ausgesprochener Räuber hat auch die historische Namendeutung beeinflusst. Johann Christoph Adelung erklärte Ende des 18. Jahrhunderts Aalraupe/Aalruppe aus rauben, weil der Fisch ein Raubfisch sei und zugleich einem Aal gleiche. Diese Erklärung ist aus heutiger etymologischer Sicht jedoch nicht maßgeblich.
Die moderne historische Sprachwissenschaft führt Ruppe vielmehr auf eine wesentlich ältere Fischbezeichnung zurück und verbindet sie mit lateinisch rubeta „Kröte“. Die alte Herleitung aus rauben ist damit ein Beispiel für eine nachträgliche etymologische Deutung, die durch eine sachlich auffällige Eigenschaft des Fisches plausibel erschien, sprachgeschichtlich aber nicht überzeugt.
Ausgewachsene Quappen können beträchtliche Größen erreichen. In Mitteleuropa bleiben viele Tiere ungefähr im Bereich von 30 bis 60 Zentimetern; deutlich größere Exemplare sind jedoch möglich. Aus dem gesamten Verbreitungsgebiet sind außergewöhnlich große Tiere von über einem Meter Länge dokumentiert.
Solche Maximalwerte dürfen nicht mit einer typischen mitteleuropäischen Durchschnittsgröße verwechselt werden. Gewässertyp, Nahrungsangebot, Temperatur, Alter und geographische Population beeinflussen Wachstum und erreichbare Größe erheblich.
Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt auf der Nordhalbkugel und umfasst große Teile Europas und Asiens sowie nach traditioneller taxonomischer Auffassung beziehungsweise weiter gefassten Artkonzepten auch Nordamerika. Die genaue Artabgrenzung nordamerikanischer und ostsibirischer Populationen wird taxonomisch differenzierter behandelt als in älterer Literatur.
Für das historische deutsche Lemma Aalruppe ist diese moderne taxonomische Diskussion nur begrenzt relevant. Die mitteleuropäischen historischen Belege beziehen sich auf die europäische Quappe Lota lota.
In Europa reicht die Art weit nach Norden und Osten und kommt zugleich in verschiedenen mitteleuropäischen Stromsystemen und Alpenseen vor. Ihr Auftreten ist jedoch regional sehr unterschiedlich. Viele frühere Bestände gingen durch Flussausbau, Gewässerverschmutzung, Wanderhindernisse und Verlust geeigneter Laich- und Jungfischhabitate stark zurück.
Verbesserungen der Wasserqualität ermöglichten in einzelnen Regionen eine Erholung. Andererseits stellen zunehmende Gewässererwärmung, strukturelle Defizite und fehlende Durchgängigkeit weiterhin erhebliche Probleme dar.
In der aktuellen deutschen Roten Liste wird die Quappe als stark gefährdet geführt. Die Bewertung bezieht sich auf die Bestandsentwicklung in Deutschland und darf nicht unbesehen auf das gesamte riesige holarktische beziehungsweise paläarktische Verbreitungsgebiet übertragen werden.
Bereits 2002 wurde die Quappe in Deutschland zum Fisch des Jahres gewählt. Damit sollte auf den Rückgang der Art und die Bedeutung naturnaher, durchgängiger Fließgewässer aufmerksam gemacht werden. Regional bestehen weiterhin Wiederansiedlungs- und Bestandsstützungsprojekte.
Eine besondere Gefährdung ergibt sich aus der Kombination mehrerer ökologischer Anforderungen. Die Quappe braucht nicht lediglich „sauberes Wasser“, sondern geeignete Temperaturverhältnisse, Sauerstoff, strukturierte Rückzugsräume, erreichbare Laichplätze und für die verschiedenen Lebensstadien passende Habitate.
Ein künstlicher Fischbesatz kann deshalb allein keinen dauerhaft stabilen Bestand garantieren. Wenn die zugrunde liegenden Lebensraumprobleme bestehen bleiben, müssen Populationen möglicherweise ständig künstlich gestützt werden. Nachhaltiger Artenschutz erfordert daher die Wiederherstellung funktionierender Gewässersysteme.
Die Quappe besitzt einen bemerkenswerten Jahresrhythmus. Während zahlreiche Süßwasserfische in der warmen Jahreszeit besonders aktiv sind, liegt die Aktivität der Quappe vielfach gerade in den kalten Monaten höher. Ihre winterliche Fortpflanzung macht sie zu einem ungewöhnlichen Bestandteil der mitteleuropäischen Fischfauna.
Diese Eigenart beeinflusste auch die traditionelle Fischerei. Quappen wurden besonders in der kalten Jahreszeit gefangen, wenn sie zu Laichplätzen wanderten oder aktiver waren. Unterschiedliche regionale Fangtraditionen entwickelten sich an Flüssen und Seen.
Das Fleisch galt und gilt als wohlschmeckend und vergleichsweise grätenarm. Besonders die große Leber der Quappe war historisch bekannt und wurde sowohl kulinarisch als auch volksmedizinisch genutzt. Solche medizinischen Verwendungen gehören jedoch zur Geschichte der Volksheilkunde und sind nicht als moderne medizinische Empfehlung zu verstehen.
Gerade der Name Aalruppe ist durch solche frühneuzeitlichen medizinischen Quellen ungewöhnlich früh schriftlich greifbar. Bereits 1677 wird Aalruppen-Fett beziehungsweise Fischschmalz als Bestandteil einer medizinischen Zubereitung genannt. Anfang des 18. Jahrhunderts begegnet die genaue Fischbezeichnung Aalruppe erneut in einer volksmedizinischen beziehungsweise abergläubischen Anweisung.
Die Bezeichnung selbst ist noch älter. Eine lexikographisch überlieferte Wetterauer Quelle von 1550 nennt einen „Quap“, der Alrup genannt werde. Damit ist eine frühe Form des Kompositums bereits in der Mitte des 16. Jahrhunderts sicher greifbar. Die Schreibungen schwankten erheblich: Alrup, Aalruppe, Alraupe, Aalraupe und verwandte Formen gehören zur historischen Überlieferung.
Noch älter ist das einfache Ruppe. Das Etymologische Wörterbuch des Althochdeutschen dokumentiert entsprechende Formen seit dem Mittelalter. Mittelhochdeutsch ruppe bezeichnet bereits die Aalraupe beziehungsweise Quappe.
Die Geschichte des Wortes verläuft daher nicht nach dem einfachen Schema, dass zuerst das moderne Wort Aal mit dem modernen Wort Ruppe spontan zusammengesetzt worden wäre. Vielmehr existierte Ruppe als alter Fischname; später beziehungsweise regional wurde zur genaueren oder anschaulicheren Kennzeichnung Aal- vorangestellt.
Das Vorderglied ist sachlich verständlich: Die Quappe besitzt einen langen Körper und eine glatte, schleimige Oberfläche. Schon historische Naturforscher verglichen ihren Hinterkörper mit demjenigen des Aals. Die Zusammensetzung Aalruppe kann daher sinngemäß als „aalähnliche Ruppe“ verstanden werden.
Die spätere Form Aalraupe ist dagegen etymologisch besonders interessant. Sie sieht aus, als bestünde sie aus Aal + Raupe. Das zweite Glied ist historisch jedoch nicht die Raupe eines Schmetterlings.
Sprachgeschichtlich gilt vielmehr:
Ruppe → volksetymologische Angleichung an Raupe → Aalraupe.
Die Schreib- und Lautform wurde also an das bekannte Wort Raupe angelehnt. Dadurch konnte sekundär sogar die Vorstellung entstehen, die Aalraupe sei irgendwie eine junge, larvenartige oder „raupenartige“ Form des Aals. Biologisch ist diese Vorstellung vollkommen falsch.
Eine Quappe entwickelt sich niemals zu einem Aal. Lota lota und Anguilla anguilla gehören zu verschiedenen Fischordnungen und besitzen völlig unterschiedliche Lebenszyklen.
Die Unterscheidung lautet:
Aal – Vertreter der Anguilliformes;
Aalruppe/Aalraupe/Quappe – Lota lota, Vertreter der Gadiformes.
Der Name dokumentiert eine historische äußerliche Analogie, keine zoologische Verwandtschaft.
Die Form Aalruppe ist sprachgeschichtlich sogar etymologisch wertvoller als die heute bekanntere Form Aalraupe, weil sie das alte Element Ruppe unverändert erkennen lässt. Aalraupe verdeckt diese Herkunft durch die spätere Angleichung an Raupe.
Auch Aalrutte gehört eng in dieselbe Namensgeschichte. Ruppe und Rutte gelten als parallele historische Formen, die auf denselben beziehungsweise eng zusammengehörigen alten Fischwortschatz zurückgeführt werden. Regional setzte sich Rutte besonders im österreichischen und süddeutschen Raum durch.
In Österreich ist Aalrutte beziehungsweise Rutte bis heute eine gewöhnliche Fischbezeichnung. In Nord- und Mitteldeutschland ist dagegen Quappe verbreiteter. Im Bodenseegebiet und in der Schweiz begegnen Trüsche, Treische und verwandte Formen.
Die zahlreichen Namen machen die Quappe zu einem besonders anschaulichen Beispiel für die regionale Vielfalt deutscher Fischnamen. Ein und dieselbe biologische Art erhielt je nach Sprachlandschaft verschiedene Benennungen, die unterschiedliche sichtbare Merkmale hervorheben.
Quappe beziehungsweise historische Varianten wie Quabbe wurden unter anderem mit dem breiten, weichen beziehungsweise „quabbeligen“ Vorderkörper und dem Kopf in Verbindung gebracht. Ruppe und Rutte gehören dagegen zu einer älteren Wortfamilie, die wahrscheinlich auf den Vergleich mit einer Kröte zurückgeht. Aal- charakterisiert den langen Hinterkörper.
Die Fischgestalt wird damit in verschiedenen Namen gewissermaßen aus unterschiedlichen Perspektiven beschrieben:
Frosch-/Krötenähnlichkeit des Kopfes;
Aalähnlichkeit des Rumpfes;
breiter beziehungsweise weicher Körper;
regionale traditionelle Fischbezeichnungen.
Diese Benennungsvielfalt erklärt, warum historische Wörterbücher oft eine lange Synonymenreihe angeben: Aalruppe, Aalraupe, Aalrutte, Aalquappe, Ruppe, Rutte, Quappe, Trusche und weitere Varianten.
Ein besonders wichtiger historischer Beleg stammt aus 1793. Samuel Hahnemann beschreibt in seinem Apothekerlexikon die Aalruppe als Gadus lota und charakterisiert sie durch zwei Rückenflossen, Bartfäden, breite Kopfform, dunkle Fleckung und einen aalförmigen Körper. Diese Beschreibung belegt sowohl die genaue Wortform als auch das historische Motiv des Aalvergleichs.
Hahnemanns Text steht zugleich an einer Übergangsstelle zwischen älterer Naturkunde, Pharmazie und moderner Zoologie. Der Fisch wird nicht nur benannt, sondern anhand äußerer anatomischer Merkmale beschrieben und mit dem linnéischen wissenschaftlichen Namen verbunden.
Im 19. Jahrhundert begegnet Aalruppe weiterhin als gewöhnliches Synonym der Quappe. Deutsch-böhmische Wörterbücher, regionale Faunen und naturkundliche Lexika setzen Aalruppe unmittelbar mit Gadus lota beziehungsweise später Lota gleich.
Pierers Universal-Lexikon führt 1857 unter Aalraupe ausdrücklich Aalruppe, Aalputte und Aalquappe als gleichbedeutende Namen auf. Die Form war damit keineswegs nur eine zufällige lokale Einzelerscheinung, sondern in der lexikographischen Tradition fest dokumentiert.
Auch regionale Fischfaunen des 19. Jahrhunderts verwenden Aalruppe als gewöhnlichen Volksnamen neben Quappe. In solchen Quellen steht die Bezeichnung beispielsweise bei Gadus lota, Lota vulgaris oder anderen heute synonymisierten wissenschaftlichen Namen derselben Art.
Die wechselnden wissenschaftlichen Bezeichnungen dürfen dabei nicht mit verschiedenen Fischarten verwechselt werden. Namen wie Gadus lota, Lota vulgaris und Lota lota spiegeln unterschiedliche historische taxonomische Kombinationen beziehungsweise Synonyme.
Der heute gültige Name lautet Lota lota. Der Artname wurde von Carl von Linné 1758 ursprünglich als Gadus lota eingeführt und später in die Gattung Lota überführt.
Die Gattung Lota ist eng mit europäischen Volksnamen des Fisches verbunden. Französisches lotte bezeichnet die Quappe beziehungsweise verwandte dorschartige Fische. Der wissenschaftliche Name und verschiedene europäische Volksnamen gehören damit zu einem alten Netz von Fischbezeichnungen, das weit über das Deutsche hinausreicht.
Von der Aalkoppe, Aalmutter, Aalbarsch und Aaldorsch ist die Aalruppe klar zu unterscheiden. Alle diese Namen können eine gewisse Aalähnlichkeit ausdrücken, bezeichnen jedoch unterschiedliche Tiergruppen.
Besonders beim Aaldorsch ist die mögliche Verwechslung bemerkenswert, weil sowohl Aaldorsch als auch Aalruppe zu den Dorschartigen gehören. Der Aaldorsch bezeichnet jedoch marine Fische der Familie Muraenolepididae aus südlichen Meeresgebieten; die Aalruppe ist die Quappe Lota lota, ein Süß- beziehungsweise Brackwasserfisch der Nordhalbkugel.
Auch Seequappen sind nicht mit der Aalruppe gleichzusetzen. Verschiedene marine dorschartige Fische werden im Deutschen als Seequappen bezeichnet. Die Quappe beziehungsweise Aalruppe ist dagegen der charakteristische Süßwasserfisch.
Von einer Kaulquappe ist die Aalruppe trotz des Namenselements Quappe ebenfalls vollständig verschieden. Eine Kaulquappe ist das Larvenstadium eines Froschlurches; die Fischbezeichnung Quappe bezeichnet dagegen einen ausgewachsenen beziehungsweise beliebig alten Fisch der Art Lota lota.
Gerade die parallelen Vorstellungen von Frosch, Kröte, Raupe und Aal haben historisch erhebliche volksetymologische Verwirrung erzeugt. Aus heutiger biologischer Sicht müssen diese bildhaften Tiervergleiche strikt von tatsächlicher Verwandtschaft und Entwicklung getrennt werden.
Die Aalruppe ist weder:
eine Raupe;
eine Kaulquappe;
eine Kröte;
ein Aal;
sondern ein dorschartiger Fisch.
Ihre verschiedenen Namen bewahren lediglich historische Vergleiche mit diesen Tierformen.
Auch die Bezeichnung Süßwasserdorsch wird gelegentlich verwendet. Sie ist biologisch anschaulich, weil die Quappe innerhalb der Gadiformes die außergewöhnliche Süßwasserlebensweise repräsentiert. Sie bedeutet jedoch nicht, dass die Quappe zur Gattung Gadus und damit zum eigentlichen Kabeljau gehört.
Die moderne systematische Einordnung ist:
Knochenfische → Dorschartige → Lotidae → Lota → Lota lota.
Die deutsche Hauptbezeichnung lautet heute in Deutschland überwiegend Quappe. Aalruppe besitzt dagegen vor allem historische, regionale und etymologische Bedeutung. Das Wort ist dennoch kein ausgestorbenes Phantasiewort: Es wird auch in neueren Fischartenlisten und fischereilichen Verzeichnissen weiterhin als deutscher Volksname von Lota lota geführt.
Lexikographisch lässt sich Aalruppe daher präzise definieren als ältere und regionale Bezeichnung der Quappe (Lota lota), eines langgestreckten Süßwasserfisches aus der Ordnung der Dorschartigen.
Etymologie
| Lemma | Aalruppe |
|---|---|
| Wortart | Substantiv |
| Genus | Femininum |
| Singular | die Aalruppe |
| Genitiv | der Aalruppe |
| Plural | die Aalruppen |
| Synonyme | Quappe, Aalraupe, Aalrutte, Aalquappe, Ruppe, Rutte |
| Historische Grundform des Zweitglieds | Ruppe |
| Wortbildungsstruktur | Aal + Ruppe |
| Fugenelement | kein Fugenelement |
| Semantische Relation | Gestaltrelation: aalähnliche Ruppe |
| Bedeutung | Quappe, Lota lota |
| Früher Beleg | Alrup 1550 |
| Beleg Aalruppen- | 1677 |
| Beleg Aalruppe | spätestens 1718–1722 |
Die heutige Form lässt sich synchron ohne Schwierigkeit zerlegen:
Historisch ist die Bildung jedoch interessanter als diese einfache Zerlegung vermuten lässt. Das Zweitglied Ruppe ist ein sehr alter Fischname und nicht erst innerhalb des Kompositums Aalruppe entstanden. Mittelhochdeutsch ruppe bezeichnet bereits die Quappe beziehungsweise Aalraupe.
Das Etymologische Wörterbuch des Althochdeutschen führt eine ältere Form ruppa an, die in mittelalterlichen Glossaren für die Quappe beziehungsweise verwandte Fischbezeichnungen gebraucht wurde. Die Belege reichen mindestens bis ins 13. Jahrhundert zurück.
Das Wort ist nach der heutigen etymologischen Standarderklärung aus lateinisch beziehungsweise mittellateinisch rubēta entlehnt. Lateinisch rubeta bedeutet „Kröte“.
Die historische Entwicklung lässt sich vereinfacht darstellen als:
lateinisch rubēta „Kröte“ → ältere deutsche Fischbezeichnung ruppa → mittelhochdeutsch ruppe → neuhochdeutsch beziehungsweise regional Ruppe.
Die Benennungsmotivation wird gewöhnlich mit der auffälligen Gestalt des Fisches erklärt. Der breite, flache Kopf der Quappe konnte an eine Kröte beziehungsweise einen Frosch erinnern. Historische Naturbeschreibungen greifen genau diesen Vergleich wiederholt auf.
Die lateinische Ausgangsform rubeta bezeichnete ursprünglich eine Kröte beziehungsweise ein krötenartiges Tier. Die Übertragung auf den Fisch beruhte daher wahrscheinlich auf äußerer Ähnlichkeit und nicht auf biologischer Verwandtschaft.
Parallel zu Ruppe steht die Form Rutte. Auch sie wird von der etymologischen Forschung mit demselben lateinischen beziehungsweise mittellateinischen Ausgangsbereich verbunden.
Damit gehören:
Ruppe;
Rutte;
Aalruppe;
Aalrutte
historisch eng zusammen.
Die Varianten entwickelten sich regional unterschiedlich. Ruppe blieb besonders in Teilen des südwest- und mitteldeutschen Sprachraums erhalten; Rutte wurde vor allem in Österreich und angrenzenden Regionen produktiv.
Das Vorderglied Aal ist ein altes germanisches Fischwort. Althochdeutsch und mittelhochdeutsch ist āl belegt; entsprechende Wörter finden sich beispielsweise in niederländisch aal, englisch eel sowie skandinavischen Formen wie ål. Die weiter zurückreichende Herkunft des Fischnamens ist nicht abschließend geklärt.
Bei Aalruppe bezeichnet Aal- nicht die zoologische Gattung und auch nicht das Ausgangstier einer Kreuzung. Es besitzt vielmehr eine vergleichende morphologische Funktion.
Die Bildung lässt sich semantisch auflösen als:
Aalruppe = Ruppe mit aalähnlicher Gestalt.
Das Vergleichsmotiv ist bereits durch historische Beschreibungen gut abgesichert. Die Quappe besitzt einen langen, nach hinten schmaler werdenden Körper und eine glatte beziehungsweise schleimige Haut. Der Hinterkörper erinnert dadurch an einen Aal.
Das Kompositum verbindet somit zwei ursprünglich unterschiedliche tierische Vergleichsbilder:
Ruppe – historisch über rubeta mit der Krötenähnlichkeit des breiten Kopfes verbunden;
Aal- – Hinweis auf den langen, glatten und aalähnlichen Körper.
Sinngemäß enthält der Name damit die Vorstellung:
vorn krötenartig, hinten aalartig.
Gerade diese Kombination wird in älteren naturkundlichen Beschreibungen mehrfach ausdrücklich formuliert.
Die Bezeichnung Aalruppe ist erheblich älter als viele moderne zoologische Namen. Eine Wetterauer Quelle von 1550 enthält die Form Alrup in der Erklärung eines „Quap“. Damit ist eine eindeutig entsprechende zusammengesetzte Namensform bereits im 16. Jahrhundert nachgewiesen.
Die damalige Orthographie war nicht normiert. Die Schreibung Alrup ist daher nicht als anderes Lexem von der späteren Form Aalruppe zu trennen. Vokallänge, Konsonantenverdopplung und Endungen wurden in älterer deutscher Schrift wesentlich uneinheitlicher wiedergegeben.
Für 1677 ist die Zusammensetzung in der Form Aalruppen-Fett belegt. In einer wundärztlichen beziehungsweise medizinischen Quelle wird das Fett der Aalruppe als Bestandteil einer Zubereitung genannt.
Zwischen 1718 und 1722 begegnet die genaue Form Aalruppe in einer volksmedizinisch-abergläubischen Quelle. Dort wird dem Kopf der Aalruppe eine angebliche Wirkung zugeschrieben. Solche Anwendungen besitzen heute nur kulturhistorische Bedeutung.
Die sichere historische Belegreihe lautet daher:
1550: Alrup;
1677: Aalruppen-;
1718–1722: Aalruppe;
18. und 19. Jahrhundert: Aalruppe als verbreitetes naturkundliches Synonym der Quappe.
Ein noch älterer Ausgangspunkt liegt im einfachen Ruppe, dessen Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht.
Besonders wichtig ist das Verhältnis zu Aalraupe. Heute wirkt Aalraupe wie eine reguläre Zusammensetzung:
Aal + Raupe.
Diese Analyse ist historisch jedoch irreführend. Das Zweitglied geht nicht ursprünglich auf Raupe „Larve eines Schmetterlings“ zurück.
Die ältere Entwicklung lautet vielmehr:
Ruppe → Aalruppe → volksetymologisch umgestaltet zu Aalraupe.
Das bekannte Wort Raupe zog die nicht mehr allgemein verständliche Form Ruppe lautlich und orthographisch an sich. Ein solcher Prozess wird als Volksetymologie bezeichnet.
Dabei wird ein fremd oder undurchsichtig gewordenes Wort so umgestaltet, dass es an ein vertrautes Wort erinnert. Die neue Form erhält dadurch scheinbar eine verständliche innere Struktur, obwohl diese Struktur historisch nicht ursprünglich ist.
Bei Aalraupe konnte diese Umgestaltung sogar eine falsche sachliche Vorstellung begünstigen. Eine Raupe ist eine Larvenform; dadurch ließ sich der Name so missverstehen, als sei die Aalraupe eine junge Form des Aals.
Das Deutsche Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm weist ausdrücklich auf eine solche volksetymologische Vorstellung hin. Die Aalraupe habe möglicherweise für eine jüngere Gestalt beziehungsweise „Raupe“ des Aals gegolten.
Diese Erklärung betrifft die nachträgliche Deutung des Namens, nicht die tatsächliche Biologie. Aal und Quappe sind von Anfang an getrennte Fischgruppen.
Die historische Form Aalruppe bewahrt deshalb die Etymologie besser als die volksetymologisch umgeformte Standardvariante Aalraupe.
Auch Johann Christoph Adelung versuchte im späten 18. Jahrhundert eine andere Neuinterpretation. Er verband den Namen mit rauben, weil die Aalraupe ein Raubfisch sei.
Diese Deutung lässt sich ungefähr rekonstruieren als:
Raubfisch + aalähnlich → „Aalraupe/Aalruppe“.
Sie ist sprachgeschichtlich jedoch durch die älteren Formen ruppe, rutte und ihre mittelalterliche Überlieferung widerlegt beziehungsweise überholt. Das Wort existierte lange vor einer solchen neuhochdeutschen Erklärung aus rauben.
Ein weiterer historischer Zusammenhang besteht zu Raubaal. Auch dieser Name wurde für die Quappe verwendet. Hier ist Raub- tatsächlich als Hinweis auf den räuberisch lebenden Fisch verständlich. Die Existenz des Wortes Raubaal kann ältere Etymologen zusätzlich dazu verleitet haben, Ruppe/Raupe mit rauben zu verbinden.
Raubaal und Aalruppe sind jedoch etymologisch verschieden:
Raubaal – transparenter Name für einen räuberischen, aalähnlichen Fisch;
Aalruppe – Aal + altes Fischwort Ruppe.
Auch Aalquappe ist eine parallele Bildung. Dort wird der Aalvergleich mit Quappe verbunden:
Aal + Quappe → Aalquappe.
Die Bezeichnung ist besonders im norddeutschen beziehungsweise niederdeutschen Sprachbereich verständlich, in dem Quappe als Fischname stark verbreitet war.
Quappaal kehrt dieselben beiden Elemente sogar um:
Quappe + Aal → Quappaal.
Solche Umkehrbildungen sind bei Tiernamen nicht ungewöhnlich. Sie zeigen, dass Sprecher denselben Fisch zugleich über zwei bekannte Vergleichs- beziehungsweise Klassifikationsbegriffe erfassen konnten.
Ähnlich stehen im niederländischen Wortschatz entsprechende umgekehrte Bildungen nebeneinander. Die Vielzahl solcher Namen bestätigt, dass die außergewöhnliche Körpergestalt der Quappe wesentlich zur Benennung beigetragen hat.
Der heutige wissenschaftliche Name Lota lota besitzt eine davon getrennte Namensgeschichte. Carl von Linné veröffentlichte die Art 1758 als Gadus lota. Später wurde sie in die eigene Gattung Lota gestellt.
Die ältere Kombination Gadus lota erklärt die zahlreichen historischen Lexikoneinträge, in denen hinter Aalruppe beziehungsweise Aalraupe die wissenschaftliche Angabe Gadus lota L. steht.
Später begegnen weitere wissenschaftliche Namen wie Lota vulgaris, Lota communis und andere heute nicht gültige Synonyme. Sie bezeichnen keine notwendig verschiedenen mitteleuropäischen Aalruppen, sondern gehören zur historischen taxonomischen Bearbeitung derselben beziehungsweise eng gefasster Populationen.
Die heutige Kombination Lota lota ist deshalb bei der Interpretation alter Quellen zurückzuprojizieren, ohne die historische Originalschreibweise des wissenschaftlichen Namens zu verfälschen.
Die deutsche Wortgeschichte lässt sich in einer längerfristigen Reihe darstellen:
lateinisch rubeta „Kröte“ → älteres deutsches ruppa/ruppe als Fischname → Ruppe → Aalruppe → teilweise volksetymologisch Aalraupe.
Parallel entwickelten beziehungsweise hielten sich:
Rutte → Aalrutte;
Quappe → Aalquappe;
weitere regionale Namen wie Trüsche/Treische.
Die Form Aalruppe ist damit kein zufälliger Nebenname, sondern ein wichtiges Bindeglied innerhalb der deutschen Namensgeschichte von Lota lota.
Sie erklärt insbesondere, warum die heute geläufige Aalraupe trotz ihrer Schreibweise nichts mit einer Insektenraupe zu tun hat. Ohne die ältere Form Aalruppe bleibt diese Etymologie leicht verborgen.
Die historische Bedeutung ist seit dem 16. beziehungsweise 17. Jahrhundert stabil. Aalruppe bezeichnet durchgehend die Quappe und hat keinen gesicherten älteren Bedeutungszweig für einen echten Aal.
Die etymologische Gesamtentwicklung lässt sich daher zusammenfassen:
Aal, althochdeutsch und mittelhochdeutsch āl, als Hinweis auf den langgestreckten Körper + Ruppe, mittelhochdeutsch ruppe, ältere Form ruppa, wahrscheinlich entlehnt aus lateinisch beziehungsweise mittellateinisch rubeta „Kröte“ → Aalruppe „Quappe, Lota lota“. Eine entsprechende Form Alrup ist spätestens 1550 sicher belegt; Aalruppen- 1677 und die Form Aalruppe spätestens 1718–1722. Die jüngere beziehungsweise heute bekanntere Form Aalraupe beruht auf volksetymologischer Angleichung von Ruppe an Raupe.