Aalputte

Lexikon

Aalputte ist eine ältere und regional geprägte deutsche Bezeichnung für die Quappe Lota lota, einen langgestreckten Süßwasserfisch aus der Ordnung der Dorschartigen (Gadiformes) und der Familie Lotidae. Das Wort steht in einer außerordentlich umfangreichen Gruppe historischer und regionaler Namen derselben Fischart, zu denen unter anderem Aalquappe, Aalraupe, Aalruppe, Aalrutte, Quappe, Ruppe, Rutte, Trüsche, Treische, Quakaal, Quappaal und Putaal gehören. Aalputte bezeichnet keinen echten Aal; das Tier ist trotz seines langgestreckten Körpers ein Verwandter der Dorsche.

Der heute gültige wissenschaftliche Name lautet Lota lota (Linnaeus, 1758). Carl von Linné beschrieb die Art ursprünglich als Gadus lota und ordnete sie damit in die damals sehr weit verstandene Gattung Gadus ein. In älteren deutschen naturkundlichen Werken wird die Aalputte deshalb häufig als Gadus lota, teilweise auch unter später aufgegebenen wissenschaftlichen Synonymen wie Lota vulgaris, Lota communis oder ähnlichen Kombinationen geführt. Solche unterschiedlichen lateinischen Namen dürfen nicht ohne weiteres als Hinweise auf verschiedene Fischarten interpretiert werden; sie spiegeln die wechselnde wissenschaftliche Systematik der Quappe wider.

In der aktuellen Systematik gehört die europäische Quappe zur Familie Lotidae innerhalb der Gadiformes. Ältere Literatur bezeichnete sie häufig als einzigen im Süßwasser lebenden „Schellfisch“ beziehungsweise als einzigen dauerhaft im Süßwasser vorkommenden Vertreter eines ansonsten überwiegend marinen dorschartigen Verwandtschaftskreises. Diese ältere Formulierung trifft den außergewöhnlichen Charakter der Art, verwendet aber historische systematische Begriffe. Moderne Systematik stellt die Quappe nicht zum eigentlichen Schellfisch Melanogrammus aeglefinus, sondern in eine eigene Familie.

Die Aalputte besitzt einen stark verlängerten, nach hinten zunehmend seitlich abgeflachten Körper, einen breiten und relativ flachen Kopf, ein großes Maul und eine auffällige einzelne Kinnbartel. Zwei Rückenflossen sind vorhanden; die erste ist kurz, die zweite sehr lang. Auch die Afterflosse reicht weit nach hinten. Die kleinen Schuppen liegen tief in der schleimigen Haut und sind äußerlich kaum sichtbar, weshalb ältere Naturbeschreibungen das Tier häufig als fast schuppenlos oder besonders glatt schildern. Gerade der lange, schlüpfrige Körper erklärt, weshalb in zahlreichen deutschen Namen Aal- als Vergleichselement erscheint.

Der Kopf wirkt dagegen deutlich weniger aalartig. Seine breite, abgeflachte Gestalt wurde in der älteren Naturkunde mit dem Kopf eines Frosches oder einer Kröte verglichen. Diese Kombination aus aalartigem Rumpf und breitem, frosch- beziehungsweise krötenähnlichem Kopf ist für die Namensgeschichte der Quappe besonders wichtig. Mehrere ihrer regionalen Bezeichnungen scheinen gerade unterschiedliche Teile dieser auffälligen Gesamterscheinung sprachlich hervorzuheben.

Die Art lebt vor allem in kühlen, sauerstoffreichen Flüssen und Seen. Sie hält sich überwiegend bodennah auf, nutzt Steine, Wurzeln, Uferhöhlen und andere Verstecke und wird besonders in der Dämmerung und nachts aktiv. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen heimischen Fischarten ist die Quappe stark an niedrige Temperaturen angepasst und laicht im Winter. Ihre winterliche Fortpflanzungsperiode, die nächtliche Lebensweise und die Neigung zu kühlen Tiefen machen sie zu einem ökologisch ungewöhnlichen Bestandteil der europäischen Süßwasserfischfauna.

Junge Tiere ernähren sich zunächst vorwiegend von kleinen wirbellosen Organismen; größere Quappen werden zunehmend zu Raubfischen und nehmen auch andere Fische auf. Die Art kann je nach Gewässer und geographischer Population beträchtliche Größen erreichen. Viele mitteleuropäische Tiere bleiben deutlich unter einem Meter, doch für die Art sind außergewöhnlich große Exemplare von weit mehr als einem Meter Gesamtlänge dokumentiert. Historische Größenangaben müssen allerdings vorsichtig interpretiert werden, weil ältere Maßeinheiten, außergewöhnliche Einzelfänge und weit gefasste geographische Artkonzepte miteinander vermischt sein können.

Der Name Aalputte ist spätestens im 18. Jahrhundert sicher im Deutschen belegt. Eine Quelle von 1786 erwähnt ausdrücklich einen Fisch, „den man im Harlingerlande eine Aalputte nennet“. Das Harlingerland liegt im nordwestdeutschen beziehungsweise ostfriesischen Sprachraum. Dieser Beleg stimmt mit der sprachgeschichtlichen Einordnung von Aalputte als vornehmlich nord- beziehungsweise niederdeutsche Bezeichnung überein.

Im frühen 19. Jahrhundert war das Wort auch überregional in naturkundlicher und kulinarischer Literatur verständlich. 1838 nennt eine gastronomische Darstellung ausdrücklich die Leber der Aalputte (Gadus lota) unter den geschätzten Fischlebern. Der Beleg zeigt zugleich, dass die Bezeichnung nicht bloß als mundartliche Lautform existierte, sondern in gedruckter hochdeutscher Literatur verwendet werden konnte.

Auch die naturkundliche Literatur des 19. Jahrhunderts setzt Aalputte eindeutig mit der Quappe gleich. 1857 führt Pierers Universal-Lexikon unter dem Stichwort Aalraupe ausdrücklich die Namen Aalputte, Aalquappe und Aalruppe nebeneinander und ordnet sie Gadus lota zu. Alfred Edmund Brehm nennt in seinem Thierleben ebenfalls eine umfangreiche Synonymenreihe, in der Aalputte neben Quappe, Trüsche, Rutte, Ruppe, Aalraupe und weiteren regionalen Formen erscheint.

Damit ist die Bedeutung für das Deutsche lexikographisch gut gesichert: Aalputte = Quappe, Lota lota. Schwieriger ist dagegen die historische Erklärung der Wortgestalt. Die scheinbar einfache moderne Zerlegung Aal + Putte ist zwar formal möglich, doch Putte ist im heutigen Standarddeutsch kein allgemein verständlicher Fischname. Das Wort gehört vielmehr in einen älteren niederdeutsch-niederländisch-friesisch-englischen Namenskomplex, in dem Formen wie aelpuyt, puitaal, Putaal und altenglisch ǣlepūte auftreten.

Bereits 1599 verzeichnet Cornelis Kiliaan in seinem niederländischen Wörterbuch die Form ael-puyt als Fischbezeichnung. Noch wesentlich älter ist altenglisch ǣlepūte, aus dem sich das heutige englische eelpout entwickelt hat. Diese sehr alte westgermanische Parallele zeigt, dass die Verbindung eines Aalwortes mit einem zweiten Element puit/pūt/pout keine neuzeitliche deutsche Zufallsbildung ist, sondern zu einem über Jahrhunderte verbreiteten Fischwortschatz des Nordsee- und niederländisch-englischen Sprachraums gehört.

Allerdings bezeichnet eelpout im heutigen Englischen und puitaal im heutigen Niederländischen nicht ausschließlich die Quappe. Besonders häufig werden damit aalartig gebaute Meeresfische aus der Familie Zoarcidae, insbesondere die Aalmutter Zoarces viviparus, bezeichnet; daneben kann eelpout auch die Quappe meinen. Historische Volksnamen sind deshalb nicht ohne weiteres zwischen Sprachen und Jahrhunderten taxonomisch identisch. Derselbe alte Namenstyp konnte auf verschiedene langgestreckte, großköpfige und äußerlich ähnliche Fische übertragen werden.

Für die deutsche Aalputte ist die historische Referenz dagegen zumindest in den sicher belegten Quellen des 18. und 19. Jahrhunderts eindeutig: Gemeint ist die Quappe. Eine Übertragung der modernen niederländischen Bedeutung von puitaal auf das deutsche historische Wort würde daher zu einer falschen Gleichsetzung mit Zoarces viviparus führen.

Das Verhältnis zu Putaal ist besonders aufschlussreich. Putaal erscheint im niederdeutschen beziehungsweise friesischen Raum ebenfalls als Name der Quappe. Formal sind die Bestandteile gegenüber Aalputte beziehungsweise älterem ael-puyt umgestellt:

Aal + Putte/Puit → Aalputte;

Put/Puit + Aal → Putaal/Puitaal.

Solche Umkehrbildungen sind bei volkstümlichen Tiernamen keineswegs ungewöhnlich. Auch bei der Quappe stehen beispielsweise Aalquappe und Quappaal nebeneinander. Die wechselnde Reihenfolge zeigt, dass Sprecher beide Namensbestandteile als charakteristische Bezeichnungselemente auffassen konnten, ohne dass daraus zwei biologisch verschiedene Tiere folgen müssten.

Die Quappe ist überhaupt durch eine außergewöhnlich hohe Zahl regionaler Namen gekennzeichnet. Diese Vielfalt hängt mit ihrem großen Verbreitungsgebiet und ihrer früheren Bedeutung in lokalen Fischereikulturen zusammen. Bevor zoologische Standardnamen durch Fachbücher, Behörden und Fischereiverbände vereinheitlicht wurden, konnten benachbarte Sprachlandschaften denselben Fisch vollkommen unterschiedlich benennen. Aalputte gehört zu diesem älteren regionalen Namenschatz.

Besonders eng verwandt ist Aalruppe. Beide Namen kombinieren den Aalvergleich mit einem älteren, heute kaum noch allgemein verständlichen zweiten Fischwort. Bei Aalruppe steht hinter Ruppe ein sehr alter Namenskomplex, der mit dem Krötenvergleich verbunden wird. Bei Aalputte führt die Wortgeschichte zu den niederdeutsch-niederländischen Formen puit/pūt und zu englisch pout. In beiden Fällen scheint der auffällige breite Kopf der Quappe eine Rolle in der Benennung gespielt zu haben.

Von Aalmutter Zoarces viviparus muss die Aalputte zoologisch klar getrennt werden. Die Aalmutter ist ein vorwiegend mariner Fisch aus der Familie der Zoarcidae und lebt insbesondere in Nord- und Ostsee sowie anderen kühlen Meeresgebieten. Die Quappe ist dagegen ein dorschartiger Süßwasserfisch. Die Verwechslungsmöglichkeit entsteht vor allem durch die historischen niederländischen und englischen Namen puitaal/eelpout, die in verschiedenen Sprachstufen und Regionen auf beide Fischtypen bezogen werden konnten.

Auch vom Schlammpeitzger ist die Aalputte zu unterscheiden. Der Schlammpeitzger besitzt ebenfalls einen langgestreckten Körper, lebt bodennah und trägt mehrere Barteln, gehört aber zu den Schmerlen und damit einer völlig anderen systematischen Gruppe an. Regionale Namen wie Wetteraal oder Pute können historische Verwechslungen begünstigen, doch Aalputte bezeichnet in der einschlägigen deutschen lexikographischen Überlieferung die Quappe.

Ebenso wenig ist das Wort mit Aalbutt gleichzusetzen, obwohl mundartliche Quellen gelegentlich lautähnliche Formen nebeneinanderstellen. Aalbutt besitzt darüber hinaus eine eigenständige zoologische Verwendung für Plattfische beziehungsweise die Rotzunge und ist daher als standardsprachliches Stichwort semantisch anders besetzt. Historische Dialektformen müssen hier besonders sorgfältig vom überregionalen zoologischen Gebrauch getrennt werden.

Die Quappe selbst ist als Speisefisch seit langem geschätzt. Ihr Fleisch gilt als fest und wohlschmeckend; besonders bekannt ist die vergleichsweise große Leber beziehungsweise genauer Quappenleber. Der bereits erwähnte Beleg von 1838 nennt die Leber der Aalputte ausdrücklich als Delikatesse. Historisch wurde aus Quappenleber außerdem Fett beziehungsweise Öl gewonnen und medizinisch verwendet. Solche Anwendungen gehören zur Geschichte von Fischerei, Ernährung und Volksmedizin und sind von heutigen medizinischen Empfehlungen zu unterscheiden.

Die Art ist ein ausgeprägter Winterlaicher. Während zahlreiche andere mitteleuropäische Fische ihre Fortpflanzungsaktivität bei steigenden Frühjahrs- und Sommertemperaturen entfalten, wird die Quappe gerade bei niedrigen Wassertemperaturen reproduktiv aktiv. Diese Eigenschaft erklärt, weshalb sie traditionell besonders während der kalten Jahreszeit gefangen wurde und in bestimmten Regionen eine saisonal bedeutende Fischerei ermöglichte.

Die heutige geographische und taxonomische Abgrenzung ist enger zu betrachten als in vielen älteren Werken. Historisch wurde Lota lota häufig als eine über Europa, Asien und Nordamerika nahezu zirkumpolar verbreitete Art aufgefasst. Neuere taxonomische Arbeiten behandeln nordamerikanische und Teile der ostsibirischen Populationen wieder als Lota maculosa. Für deutsche historische Belege von Aalputte spielt diese moderne Differenzierung praktisch keine Rolle: Sie beziehen sich auf die europäische Quappe Lota lota.

Im modernen amtlichen deutschen Handels- und Fischereiwortschatz gehört Aalputte nicht mehr zu den bevorzugten Hauptbezeichnungen. Geläufiger sind Quappe, Rutte, Trüsche und Aalquappe. Aalputte ist deshalb heute vor allem ein historisches, regionales und wortgeschichtlich interessantes Synonym.

Seine Bedeutung ist dennoch keineswegs unsicher. Der deutsche historische Wortgebrauch lässt sich klar zusammenfassen: Aalputte ist eine ältere, besonders nord- beziehungsweise niederdeutsch geprägte Bezeichnung der Quappe (Lota lota). Die Schwierigkeit liegt nicht in der zoologischen Bedeutung des deutschen Lemmas, sondern in der tieferen Herkunft des zweiten Wortbestandteils -putte und in den wechselnden Referenzen verwandter Namen in niederländischer und englischer Sprache.

Etymologie

Lemma Aalputte
Wortart Substantiv
Genus Femininum
Singular die Aalputte
Plural die Aalputten
Bedeutung Quappe, Lota lota
Sprachraum historisch besonders nord- und niederdeutsch
Formale Gliederung Aal + Putte
Erstes Glied Aal
Zweites Glied Putte; verwandt mit niederländisch puit und englisch pout
Verwandte Formen ael-puyt, aalpuit, puitaal, Putaal, altenglisch ǣlepūte, englisch eelpout
Frühere außerdeutsche Parallele altenglisch ǣlepūte; niederländisch ael-puyt 1599 lexikographisch belegt
Frühester hier sicher nachgewiesener deutscher Beleg 1786

Die Form Aalputte wirkt für einen heutigen deutschen Sprecher zunächst wie ein gewöhnliches Determinativkompositum:

Aal + Putte → Aalputte.

Diese formale Zerlegung ist richtig, doch ist das zweite Element Putte im heutigen Standarddeutsch nicht mehr durchsichtig. Anders als bei Aalquappe kann ein moderner Sprecher dem Grundwort nicht ohne weiteres eine selbständige zoologische Bedeutung zuordnen. Die Wortgeschichte führt deshalb aus dem Neuhochdeutschen in den niederdeutsch-niederländisch-friesisch-englischen Küstenwortschatz zurück.

Das erste Element Aal ist dagegen klar. Althochdeutsch und mittelhochdeutsch ist āl belegt; verwandte Formen sind unter anderem niederländisch aal, englisch eel sowie dänisch und schwedisch ål. Die weitere Herkunft des germanischen Fischnamens ist nicht abschließend geklärt.

Im Wort Aalputte verweist Aal- auf die auffällige langgestreckte und schlüpfrige Gestalt des bezeichneten Fisches. Die Quappe ist zoologisch kein Aal, besitzt jedoch einen langen Rumpf, eine glatte wirkende Haut und eine schlängelnde Fortbewegung. Dieselbe Vergleichsrelation liegt auch in Aalquappe, Aalraupe und Aalruppe nahe.

Das zweite Element Putte steht historisch mit niederländisch beziehungsweise niederdeutsch puit und englisch pout in Zusammenhang. Schon das Altenglische kannte die Zusammensetzung ǣlepūte, aus der sich englisch eelpout entwickelte. Das Wort ist somit wesentlich älter als die neuhochdeutsche Form Aalputte.

Eine weitere wichtige Parallele liefert Cornelis Kiliaan. Sein niederländisches Wörterbuch von 1599 verzeichnet ael-puyt als Fischname. Unmittelbar daneben stehen weitere historische Aalzusammensetzungen. Damit ist ein dem deutschen Aalputte nahezu entsprechender niederländisch-friesischer Fischname bereits deutlich vor dem ersten hier sicher nachgewiesenen deutschen Beleg dokumentiert.

Daneben steht die umgekehrte Bildung puitaal, deutsch regional Putaal. Die beiden Strukturen lassen sich als:

Aal + Puit → Aalpuit/Aalputte;

Puit + Aal → Puitaal/Putaal

darstellen. Vergleichbare Umkehrungen begegnen auch bei Aalquappe – Quappaal. Die unterschiedliche Reihenfolge muss deshalb nicht auf eine unterschiedliche ursprüngliche Fischart schließen lassen.

Die tiefere Bedeutung von puit/pūt/pout ist weniger eindeutig. In niederländischen beziehungsweise friesischen Sprachstufen bezeichneten entsprechende Wörter sowohl bestimmte Fische als auch Frosch- beziehungsweise Krötentiere. Eine traditionelle Erklärung verbindet das Element deshalb mit „Frosch, Kröte“ und damit mit dem breiten, froschartigen Kopf der Quappe. Diese Erklärung passt ausgezeichnet zu der seit Jahrhunderten wiederkehrenden Beschreibung der Quappe als eines Tieres mit aalartigem Leib und frosch- beziehungsweise krötenähnlichem Kopf.

Die ältere Etymologie ist jedoch nicht auf diese einfache Gleichung zu reduzieren. Historische etymologische Wörterbücher verbinden niederländisch puit und englisch pout außerdem mit einer germanischen Wortfamilie aus dem Bedeutungsfeld „aufgeblasen, geschwollen, aufgeworfen“. Dazu passt englisch to pout „die Lippen vorschieben, schmollen“. Als ursprüngliches Benennungsmotiv eines Fisches könnte dann der auffällig breite beziehungsweise aufgeworfene Mund- und Kopfbereich gedient haben.

Beide Erklärungslinien liegen sachlich nicht sehr weit auseinander. Ein Frosch beziehungsweise eine Kröte zeichnet sich durch einen breiten Kopf und ein breites Maul aus; eine Bezeichnung aus dem Bedeutungsbereich „aufgeblasen, dick, vorgewölbt“ könnte ebenfalls auf denselben Körperbereich zielen. Dennoch sollte die Etymologie nicht als restlos gesichert dargestellt werden. Seriöser ist die Feststellung, dass Putte zu einer alten westgermanischen Wortfamilie puit/pūt/pout gehört, die Fisch- und Froschbezeichnungen sowie Vorstellungen eines breiten beziehungsweise aufgeworfenen Kopfes oder Maules miteinander verbindet.

Die Gesamtbedeutung des historischen Namens kann damit sinngemäß als eine Kombination zweier äußerer Merkmale verstanden werden:

Aal- – langer, glatter beziehungsweise aalähnlicher Körper;

-putte – alter Fischname aus einem Wortfeld, das mit Frosch/Kröte beziehungsweise breitem, aufgeworfenem Kopf verbunden ist.

Die Quappe eignet sich für genau diese Doppelcharakterisierung: Der hintere Körper wirkt lang und aalartig, während der Kopf breit, abgeflacht und in älterer Naturbeschreibung immer wieder froschähnlich genannt wird.

Diese Namensstruktur steht bemerkenswert nahe bei Aalruppe. Auch bei Ruppe wird die historische Wortgeschichte mit einem Krötennamen in Zusammenhang gebracht. Dass derselbe Fisch mehrere Bezeichnungen besitzt, die Aalähnlichkeit des Körpers und Frosch- beziehungsweise Krötenähnlichkeit des Kopfes kombinieren, ist deshalb wahrscheinlich kein Zufall, sondern spiegelt eine besonders auffällige Gestalt des Tieres.

Die oft gegebene Erklärung Aalputte stamme einfach vom niederländischen puitaal ist als grobe Orientierung brauchbar, sprachgeschichtlich aber zu vereinfachend. Bereits altenglisch ǣlepūte und Kiliaans niederländisch-friesisches ael-puyt zeigen, dass verschiedene Zusammensetzungsrichtungen innerhalb eines älteren westgermanischen Namensfeldes bestanden. Es ist daher angemessener, von einer gemeinsamen niederdeutsch-niederländisch-englischen Wortfamilie zu sprechen, statt zwingend eine einzige lineare Entlehnungsrichtung anzunehmen.

Hinzu kommt, dass puitaal beziehungsweise eelpout im Verlauf der Sprachgeschichte unterschiedliche Fische bezeichnen konnte. Im heutigen Niederländischen ist puitaal insbesondere ein Name von Zoarces viviparus, der deutschen Aalmutter. Englisch eelpout wird für Vertreter der Zoarcidae, daneben aber auch für die Quappe verwendet. Historisch konnte dasselbe Namenfeld offenbar mehrere ähnlich aussehende langgestreckte Fische erfassen.

Dies ist für die Etymologie wesentlich: Eine alte Wortgleichung zwischen deutsch Aalputte, niederländisch puitaal und englisch eelpout bedeutet nicht, dass diese Wörter in jedem Jahrhundert exakt dasselbe moderne zoologische Taxon bezeichneten. Trivialnamen sind älter als die moderne wissenschaftliche Systematik und folgen häufig äußerer Ähnlichkeit statt stammesgeschichtlicher Verwandtschaft.

Für die deutsche Wortgeschichte ist die Referenz seit dem späten 18. Jahrhundert jedoch klar. Der Beleg von 1786 nennt ausdrücklich den im Harlingerland Aalputte genannten Fisch. 1838 wird die „Aalputte (Gadus Lota)“ in gastronomischem Zusammenhang erwähnt; 1857 erscheint sie bei Pierer als Synonym von Aalraupe und Aalquappe; Brehm führt sie im späteren 19. Jahrhundert ebenfalls unter den vielen Namen der Quappe auf.

Die deutsche Belegreihe lässt sich damit vorsichtig zusammenfassen:

1786: Aalputte als regionaler Fischname im Harlingerland;

1838: Aalputte ausdrücklich mit Gadus lota verbunden;

1857: lexikographisches Synonym von Aalraupe, Aalquappe und Aalruppe;

1883–1887: bei Brehm weiterhin als regionaler Name der Quappe dokumentiert;

20. und 21. Jahrhundert: vorwiegend historischer beziehungsweise regionaler Nebenname von Lota lota.

Das grammatische Geschlecht folgt der überlieferten deutschen Wortform: die Aalputte. Der Plural lautet regelmäßig die Aalputten. Das Wort ist damit formal feminin, unabhängig davon, welches biologische Geschlecht ein einzelner Fisch besitzt.

Die Form ist nicht mit Aalbutt zu vermengen. Lautwandel, mundartliche Verschriftlichung und die geringe Bekanntheit des Elements Putte konnten zwar zu ähnlichen Formen führen; Butt ist im Standarddeutschen jedoch ein eigenständiger Fischname. Für Aalputte ist die historische Verbindung mit puit/pout sprachgeschichtlich wesentlich plausibler.

Ebenso wenig sollte Putte aus dem heutigen deutschen Putte in anderen regionalen Bedeutungen erklärt werden. Die Fischbezeichnung gehört zu einem eigenständigen alten Namenskomplex. Eine nachträgliche Verbindung mit Pfütze, Putte als Gefäß oder anderen lautgleichen Wörtern wäre ohne besondere historische Belege volksetymologisch.

Das Verhältnis zu Putaal bestätigt diese Einordnung. Beide Wörter bewahren dieselben alten Lautbestandteile in umgekehrter Reihenfolge. Historisch ist Putaal ebenfalls als Bezeichnung der Quappe nachgewiesen. In anderen Sprachräumen kann die entsprechende Form allerdings wiederum auf die Aalmutter bezogen sein, weshalb stets der regionale und zeitliche Kontext zu berücksichtigen ist.

Die etymologische Gesamtentwicklung lässt sich deshalb am vorsichtigsten folgendermaßen darstellen: Aal, althochdeutsch und mittelhochdeutsch āl, als Hinweis auf den langgestreckten, glatten Körper + Putte, aus einem alten niederdeutsch-niederländisch-friesisch-englischen Fischwort puit/pūt/pout, wahrscheinlich mit einem Benennungsfeld um Frosch/Kröte, breiten Kopf beziehungsweise aufgeworfene Lippen verbunden → Aalputte „Quappe, Lota lota“. Enge historische Parallelen sind altenglisch ǣlepūte, niederländisch-friesisch ael-puyt und die umgekehrten Formen puitaal/Putaal. Die genaue deutsche Form Aalputte ist hier spätestens 1786 sicher belegt.