Aalgrundel

Grundbedeutung

Aalgrundel ist eine deutsche zoologische Bezeichnung für aalartig langgestreckte, überwiegend boden- und schlammbewohnende Fische aus dem weiteren Verwandtschaftsbereich der Grundeln. Das Wort wird jedoch nicht in allen Quellen taxonomisch gleich verwendet. Im engeren systematischen Sinn bezeichnet der Plural Aalgrundeln die traditionell als Unterfamilie Amblyopinae zusammengefassten sogenannten eel gobies beziehungsweise worm gobies. Im Singular ist Aalgrundel außerdem als deutscher Volksname für die Art Odontamblyopus rubicundus (Hamilton, 1822) dokumentiert.

Daneben wird das Bestimmungswort Aalgrundel auch auf andere aalartig verlängerte Fische übertragen. Arten der Gattung Gobioides heißen im Deutschen ebenfalls Aalgrundeln, etwa die Lila Aalgrundel Gobioides broussonnetii und die Blaue Aalgrundel Gobioides peruanus. Besonders irreführend ist die Weißstreifen-Aalgrundel Pholidichthys leucotaenia: Trotz ihres deutschen Namens gehört sie weder zu den eigentlichen Grundeln noch zu den Amblyopinae, sondern zur Familie Pholidichthyidae. Aalgrundel ist daher ein morphologisch motivierter deutscher Name und kein taxonomisch eindeutiger Art- oder Familienname.

Wortart

Aalgrundel ist ein Substantiv. In der heute überwiegenden Verwendung ist das Wort feminin: die Aalgrundel, die Aalgrundeln. Da bereits das Grundwort Grundel sowohl feminin als auch maskulin gebraucht werden kann, findet sich daneben auch der Aalgrundel.

Wortbildungsmorphologisch handelt es sich um ein substantivisches Determinativkompositum aus Aal und Grundel. Das Bestimmungswort Aal- bezeichnet hier keine Abstammung vom Aal und gewöhnlich auch keinen Ernährungsbezug, sondern die aalähnliche langgestreckte Körpergestalt.

Aussprache

Die standarddeutsche Aussprache lautet ungefähr [ˈaːlˌɡʁʊndl̩]. Die Hauptbetonung liegt auf dem ersten Bestandteil Aal-; -grundel trägt eine Nebenbetonung.

Der feminine Plural Aalgrundeln wird ungefähr [ˈaːlˌɡʁʊndl̩n] ausgesprochen. Die Aussprache des Grundwortes entspricht Grundel.

Grammatik

LemmaAalgrundel
WortartSubstantiv
Bevorzugtes GenusFemininum
Artikel feminindie Aalgrundel
Nominativ Singular feminindie Aalgrundel
Genitiv Singular femininder Aalgrundel
Dativ Singular femininder Aalgrundel
Akkusativ Singular feminindie Aalgrundel
Plural feminindie Aalgrundeln
Nebenformmaskulin: der Aalgrundel
Genitiv der maskulinen Nebenformdes Aalgrundels
Plural der maskulinen Nebenformdie Aalgrundel
WortbildungsstrukturAal + Grundel
Semantischer Typmorphologisch motivierter Fischname

Für einen einheitlichen Lexikongebrauch empfiehlt sich die feminine Form die Aalgrundel, die Aalgrundeln, da sie in modernen deutschen Artnamen wie Lila Aalgrundel, Blaue Aalgrundel und Weißstreifen-Aalgrundel besonders deutlich etabliert ist.

Orthographie

Die Standardschreibung lautet Aalgrundel. Das Wort wird zusammengeschrieben und als Substantiv großgeschrieben. Die Worttrennung lautet Aal|grun|del.

Bei erweiterten Artnamen ist ein Bindestrich möglich beziehungsweise nach der jeweiligen Namenskonvention üblich, beispielsweise Weißstreifen-Aalgrundel. Verbindungen mit einem einfachen Adjektiv werden dagegen getrennt geschrieben: Lila Aalgrundel, Rote Aalgrundel.

Die verwandte Form Gründel darf nicht automatisch zur Schreibung Aalgründel übertragen werden. Für das hier behandelte zoologische Lemma ist Aalgrundel die etablierte Form.

Gebrauch

Aalgrundel gehört zum zoologischen, ichthyologischen und aquaristischen Fach- und Populärwortschatz. Anders als viele historische Aal-Komposita ist das Wort nicht grundsätzlich veraltet; es wird gegenwärtig weiterhin für verschiedene langgestreckte Grundelartige beziehungsweise grundelähnliche Fische verwendet.

Gerade diese Produktivität führt jedoch zu taxonomischer Mehrdeutigkeit. Wird ohne wissenschaftlichen Namen nur von „der Aalgrundel“ gesprochen, kann je nach Quelle Odontamblyopus rubicundus, ein Vertreter der Amblyopinae allgemein, eine Art von Gobioides oder sogar ein nicht zu den Grundelartigen gehörender Pholidichthys gemeint sein.

In wissenschaftlich präzisen Texten sollte deshalb der wissenschaftliche Art- beziehungsweise Gruppenname ergänzt werden. Der deutsche Name eignet sich gut zur anschaulichen Beschreibung, ist allein aber nicht hinreichend eindeutig.

Bedeutungsbereich

Der Bedeutungsbereich umfasst Ichthyologie, Zoologie, Grundelartige, Küstenökologie, Brackwasser, Ästuare, Watt- und Schlickflächen, Mangrovengebiete, Aquaristik, Fischsystematik und Tiernamenskunde.

Sprachlich gehört das Lemma in die große Gruppe der Tiernamen, bei denen ein anderes Tier als Formvergleich dient. Der Bestandteil Aal- charakterisiert den langgestreckten Körper; Grundel ordnet den Fisch morphologisch beziehungsweise historisch dem Grundelbereich zu.

Lexikon

Aalgrundeln im engeren zoologischen Sinn sind langgestreckte, häufig rosa, rötlich, violett oder bräunlich gefärbte, stark an schlammige Küsten- und Ästuarlebensräume angepasste Grundelartige. Traditionell werden sie als Amblyopinae Günther, 1861 zusammengefasst. Der englische zoologische Name lautet eel gobies oder worm gobies.

Die Bezeichnung Aalgrundel beschreibt ihren auffälligen Habitus sehr treffend. Im Vergleich zu vielen gedrungenen oder mäßig verlängerten Grundeln besitzen typische Amblyopinae einen stark gestreckten Körper, der optisch an einen Aal oder einen Wurm erinnert. Bei vielen Arten setzen sich Rücken-, After- und Schwanzregion zu langen Flossensäumen fort, wodurch die aalartige Silhouette zusätzlich verstärkt wird.

Die Körperform ist eine Anpassung an eine ganz andere Lebensweise als die eines echten Aals. Aalgrundeln leben häufig in weichem Schlick und Schlamm von Flussmündungen, Gezeitenflächen und flachen tropischen Küstengewässern. Viele Arten graben verzweigte oder röhrenförmige Gänge, in denen sie einen erheblichen Teil ihres Lebens verbringen.

Die Augen sind bei vielen klassischen Amblyopinae stark verkleinert. Bei einigen Arten liegen sie als winzige, von Haut bedeckte Strukturen im Kopf. Für einen Fisch, der sich überwiegend in trübem Wasser beziehungsweise in vollständig dunklen Schlammgängen bewegt, ist ein großes visuelles Organ weniger wichtig als bei frei im klaren Wasser jagenden Arten.

Gleichzeitig sind andere Sinnesstrukturen und der Tastsinn für ein Leben im Sediment von großer Bedeutung. Kopfporen, Papillen, Barteln oder frei stehende Flossenstrahlen können je nach Gattung unterschiedliche Rollen beim Ertasten der unmittelbaren Umgebung spielen.

Ein für viele Aalgrundeln typisches Merkmal ist die Verbindung der beiden Rückenflossen durch eine Membran. Bei besonders stark elongierten Formen können die unpaaren Flossen so kontinuierlich wirken, dass der gesamte hintere Körper an einen Aal erinnert.

Die Bauchflossen sind bei zahlreichen Grundelartigen miteinander verbunden und bilden einen mehr oder weniger ausgeprägten Haft- beziehungsweise Saugbereich. Auch bei vielen Aalgrundeln lässt sich diese für die weitere Grundelverwandtschaft charakteristische Konstruktion erkennen.

Die traditionelle Unterfamilie Amblyopinae wurde 1861 von Albert Günther taxonomisch begründet. Moderne Zusammenstellungen umfassen Gattungen wie Amblyotrypauchen, Biendongella, Brachyamblyopus, Caragobius, Ctenotrypauchen, Gymnoamblyopus, Karsten, Odontamblyopus, Paratrypauchen, Pseudobrachyamblyopus, Pseudotrypauchen, Sovvityazius, Taenioides, Trypauchen, Trypauchenichthys und Trypauchenopsis.

Die genaue systematische Stellung dieser Gruppe ist gegenwärtig jedoch nicht vollständig stabil. Verschiedene maßgebliche Datenbanken verwenden unterschiedliche Familienkonzepte. Eschmeyer's Catalog of Fishes führt beispielsweise Amblyopinae innerhalb der Oxudercidae, während FishBase, NCBI und der World Register of Marine Species in ihren derzeitigen Klassifikationen teilweise weiterhin beziehungsweise wieder Gobiidae als Familie verwenden.

Diese Differenz ist nicht bloß eine Frage unterschiedlicher Datenbankpflege. Molekularphylogenetische Untersuchungen haben gezeigt, dass die traditionellen Amblyopinae und Oxudercinae – letztere umfassen insbesondere die Schlammspringerverwandten – nicht zwei sauber getrennte monophyletische Linien bilden.

Eine umfangreiche phylogenetische Untersuchung von 2022 kam zu dem Ergebnis, dass Amblyopinae und Oxudercinae wechselseitig paraphyletisch sind. Demnach sind verschiedene klassische Aalgrundeln enger mit bestimmten Schlammspringerverwandten verbunden als mit anderen Aalgrundeln.

Weitere mitogenomische Untersuchungen von 2023 bestätigten dieses Problem. Besonders Gattungen wie Amblyotrypauchen, Paratrypauchen, Ctenotrypauchen, Trypauchen und Taenioides gruppieren sich phylogenetisch teilweise näher mit traditionellen Oxudercinae als mit Odontamblyopus.

Dies bedeutet, dass der Name Aalgrundeln morphologisch sehr nützlich bleibt, aber nicht zwingend eine natürliche, ausschließlich aus einem gemeinsamen jüngsten Vorfahren und sämtlichen Nachkommen bestehende Gruppe bezeichnet, wenn er im traditionellen Umfang von Amblyopinae gebraucht wird.

Die Evolutionsgeschichte ist gerade deshalb besonders interessant. Aalartige Gestalt, Schlammgraben, starke Augenreduktion und teilweise amphibische beziehungsweise sauerstoffarme Lebensbedingungen stehen in einem engen ökologischen Zusammenhang mit der Evolution der Schlammspringerlinie.

Einige neuere Autoren schlagen deshalb vor, die traditionellen Amblyopinae und Oxudercinae in einer einzigen Unterfamilie zusammenzufassen. In nomenklatorischer Hinsicht besitzt Amblyopinae hierbei Priorität gegenüber dem jüngeren Namen Oxudercinae. Eine vollständig einheitlich übernommene Klassifikation besteht gegenwärtig jedoch noch nicht.

Im deutschen Sprachgebrauch bleibt Aalgrundel daneben ein konkreter Artname. FishBase führt Aalgrundel für Deutschland als Volksnamen von Odontamblyopus rubicundus. In der Aquaristik wird die Art auch Rote Aalgrundel genannt.

Odontamblyopus rubicundus wurde 1822 von Francis Hamilton ursprünglich als Gobioides rubicundus beschrieben. Der Typusbezug stammt aus dem Bereich der Gangesmündung beziehungsweise des Golfs von Bengalen.

Im Verlauf der taxonomischen Geschichte wurde die Art unter verschiedenen Gattungsnamen geführt. Zu den historischen Kombinationen beziehungsweise Synonymen gehören unter anderem Gobioides rubicundus, Taenioides rubicundus, Amblyopus mayenna und Amblyopus taenia. Der aktuell von Eschmeyer's Catalog of Fishes akzeptierte Name lautet Odontamblyopus rubicundus (Hamilton, 1822).

Die Revision der Gattung Odontamblyopus ist wichtig, weil ältere Literatur ein wesentlich größeres Verbreitungsgebiet für O. rubicundus annahm. Populationen aus China, Korea, Japan und anderen Teilen des nordwestlichen Pazifiks wurden teilweise mit dieser Art gleichgesetzt.

Moderne Revisionen unterscheiden jedoch beispielsweise Odontamblyopus lacepedii als eigenständige Art des nordwestlichen Pazifiks. Eschmeyer's Catalog begrenzt O. rubicundus gegenwärtig auf den nordöstlichen Indischen Ozean beziehungsweise den Golf von Bengalen mit Indien, Bangladesch und Myanmar.

Angaben, nach denen O. rubicundus zugleich regulär in China, Japan oder Indonesien vorkomme, müssen deshalb kritisch geprüft werden. Sie können auf älteren Artkonzepten oder Fehlbestimmungen von O. lacepedii beruhen.

Diese Problematik betrifft auch aquaristische Händlerangaben. Im Handel werden Fische nicht immer unter dem aktuell revidierten wissenschaftlichen Namen oder der korrekten geographischen Herkunft angeboten. Bei Aalgrundeln ist deshalb ein Abgleich mit moderner Taxonomie besonders wichtig.

Odontamblyopus rubicundus ist extrem langgestreckt und seitlich abgeflacht. FishBase nennt eine maximale dokumentierte Standardlänge von ungefähr 33,4 Zentimetern. Andere populäre Quellen nennen häufig Werte um 25 bis 30 Zentimeter, was teilweise auf unterschiedliche Messmethoden oder ältere Datensätze zurückgeht.

Die Augen sind rudimentär, aber als kleine Strukturen vorhanden und von Haut bedeckt. Das Maul steht schräg, und auf der Unterseite des Kinns können mehrere kurze bartelähnliche Strukturen vorhanden sein. In Kopf und Körper liegen kleine Cycloidschuppen eingebettet.

Die Schwanzflosse ist auffallend lang. Zusammen mit der stark verlängerten zweiten Rücken- und Afterflosse entsteht die charakteristische aalartige Gesamtform, die den deutschen Namen erklärt.

FishBase beschreibt O. rubicundus als marinen und brackwasserbewohnenden, benthopelagischen Küsten- und Ästuarfisch. Die Art lebt damit in einem Übergangsraum zwischen Meer und Fluss, in dem Salzgehalt, Wasserstand, Trübung, Sauerstoffgehalt und Sedimentstruktur starken Schwankungen unterliegen können.

Für die Gattung Odontamblyopus ist fakultative Luftatmung dokumentiert. Diese Fähigkeit ist in weichen, sauerstoffarmen Schlammhabitaten ökologisch plausibel. Sie darf jedoch nicht ohne Weiteres als für sämtliche Aalgrundeln identische Eigenschaft verallgemeinert werden.

Die Lebensweise in selbstgegrabenen Gängen ist ein zentrales Kennzeichen zahlreicher Aalgrundeln. Die Tiere können sich mit ihrem langgestreckten Körper durch feinen Schlamm bewegen und verbringen einen großen Teil des Tages geschützt im Sediment.

Solche Wohnröhren bieten Schutz vor Fressfeinden, Austrocknung und extremen Temperaturschwankungen. Gleichzeitig können sie bei Ebbe beziehungsweise stark sinkendem Wasserstand einen feuchten Rückzugsraum darstellen.

Die geringe Ausbildung der Augen ist damit nicht als allgemeine „Blindheit“ im umgangssprachlichen Sinn zu verstehen. Vielmehr handelt es sich um eine evolutionäre Reduktion eines Sinnesorgans in einem Lebensraum, in dem Sehen nur eingeschränkt nutzbar ist.

Viele Aalgrundeln sind überwiegend dämmerungs- oder nachtaktiv beziehungsweise verlassen ihre Gänge bei geeigneten Wasserständen. Nahrung und Ernährungsweise unterscheiden sich zwischen den Gattungen und Arten. Kleine Wirbellose, organisches Material, Detritus und andere im Sediment verfügbare Nahrungsquellen können eine Rolle spielen.

Die Körperfarbe vieler Amblyopinae ist rötlich, rosa oder violett. Dies hängt teilweise mit der dünnen Haut, der schwachen Pigmentierung und dem Leben im Sediment zusammen. Die Färbung ist jedoch kein zuverlässiges Einzelmerkmal zur Artbestimmung.

Der deutsche Name Aalgrundel wird außerdem auf die Gattung Gobioides angewandt. Diese Fische sind ebenfalls langgestreckt und leben überwiegend in tropischen Küsten-, Brackwasser- und Ästuarhabitaten, gehören aber innerhalb der Grundelartigen zu einer anderen Linie.

Zu Gobioides gehören unter anderem die Lila Aalgrundel Gobioides broussonnetii und die Blaue Aalgrundel Gobioides peruanus. Auch hier ist die Namensbildung eindeutig morphologisch: Der Körper ist aalartig verlängert.

Gobioides besitzt langgestreckte Rücken- und Afterflossen, die über Membranen mit der Schwanzregion verbunden sein können. Die miteinander verbundenen Bauchflossen bilden eine typische grundelartige Haftstruktur. Diese Merkmale zeigen, dass die Tiere trotz ihres aalartigen Habitus echte Grundelartige sind.

Ganz anders liegt der Fall bei Pholidichthys. Die Weißstreifen-Aalgrundel Pholidichthys leucotaenia und Pholidichthys anguis besitzen ebenfalls einen schlangen- beziehungsweise aalartig gestreckten Körper, sind jedoch keine Grundeln im systematischen Sinn.

Die Familie Pholidichthyidae wird in moderner Systematik den Cichliformes zugeordnet. Die deutsche Bezeichnung „Aalgrundel“ ist hier ausschließlich ein historisch-populärer beziehungsweise aquaristischer Ähnlichkeitsname.

Die Weißstreifen-Aalgrundel ist auch ökologisch deutlich verschieden von klassischen schlammgrabenden Amblyopinae. Sie lebt im tropischen westlichen Pazifik in Korallenriffen, bildet ausgedehnte Höhlensysteme und zeigt eine auffällige Brutpflege. Ihre Jungfische tragen eine markante schwarz-weiße Längszeichnung.

Die Verwendung desselben deutschen Wortbestandteils für Amblyopinae, Gobioides und Pholidichthys ist ein gutes Beispiel dafür, dass Trivialnamen keine phylogenetische Systematik ersetzen. Ein deutscher Tiername kann eine augenfällige Ähnlichkeit beschreiben, ohne nahe Verwandtschaft zu behaupten.

Das gilt besonders für den Bestandteil Aal-. Zahlreiche Tiere heißen im Deutschen nach dem Aal, obwohl sie keine Anguilliformes sind: Aalmolch, Aaleidechse, Aalquappe, Aalmutter und eben Aalgrundel. Gemeinsam ist diesen Benennungen vor allem eine langgestreckte Gestalt.

Das Grundwort Grundel besitzt seinerseits eine sehr alte deutsche Geschichte. Althochdeutsch gruntila, grundila ist seit dem 12. Jahrhundert in Glossen für verschiedene am Gewässergrund lebende Fische belegt, darunter Gründling, Steinbeißer und Schmerle.

Das Wort gehört zu Grund. Die ursprüngliche Benennungsmotivation ist damit „am Grund lebender Fisch“. Das Etymologische Wörterbuch des Althochdeutschen analysiert grundila als Zugehörigkeitsbildung mit einem alten germanischen Suffix.

Bereits die historische Bezeichnung Grundel ist also eher ökologisch als streng systematisch. Im Laufe der zoologischen Terminologie wurde das Wort auf verschiedene bodenlebende Fischgruppen übertragen und schließlich besonders mit den heutigen Grundelartigen verbunden.

Das Kompositum Aalgrundel verbindet zwei sehr anschauliche Eigenschaften: aalartige Körperform und grundelartige beziehungsweise bodennahe Lebensweise. Gerade deshalb konnte das Wort unabhängig auf mehrere ähnliche Fischlinien übertragen werden.

Der genaue Zeitpunkt der ersten deutschen Bildung Aalgrundel ist in den derzeit zugänglichen historischen Quellen nicht zuverlässig genug bestimmt, um ein bestimmtes Jahr als Erstbeleg auszugeben. Die zoologische Gruppe Amblyopinae selbst wurde 1861 von Günther aufgestellt; der moderne deutsche Gruppenname dürfte sich im Zusammenhang mit der späteren zoologischen und aquaristischen Literatur etabliert haben.

Für Odontamblyopus rubicundus ist die wissenschaftliche Namensgeschichte dagegen exakt dokumentiert. Hamilton beschrieb die Art 1822 aus dem Gangesmündungsgebiet als Gobioides rubicundus. Die heutige Kombination Odontamblyopus rubicundus beruht auf späteren taxonomischen Revisionen.

Der Gattungsname Odontamblyopus enthält griechische Wortbestandteile für „Zahn“, „stumpf/schwach“ und „Fuß“. Die historische wissenschaftliche Namensbildung ist komplex und sollte nicht einfach als direkte Übersetzung von „Aalgrundel“ verstanden werden.

Das Artepitheton rubicundus ist lateinisch und bedeutet „rötlich, rotwangig, rosig“. Es verweist auf die rötliche Färbung des Tieres. Daraus erklärt sich die moderne deutsche Verdeutlichung Rote Aalgrundel.

Der englische Name red eelgoby beziehungsweise rubicundus eelgoby entspricht dieser Benennung sehr genau. Eelgoby ist strukturell praktisch eine direkte semantische Parallele zum deutschen Aalgrundel.

O. rubicundus wird global als Least Concern geführt; die zugrunde liegende IUCN-Bewertung stammt aus dem Jahr 2018. Dies ist eine globale Bewertung und bedeutet nicht, dass sämtliche lokalen Bestände ungefährdet wären.

Gerade Schlick- und Wattflächen können durch Küstenverbauung, Landgewinnung, Verschmutzung, Änderungen der Sedimentdynamik und Verlust von Ästuarhabitaten beeinträchtigt werden. Für verwandte Aalgrundeln sind lokale Gefährdungen durch solche Eingriffe gut dokumentiert.

Die globale taxonomische Abgrenzung ist außerdem für Naturschutzdaten entscheidend. Werden O. rubicundus und O. lacepedii verwechselt, entstehen scheinbare Verbreitungsgebiete, die nicht der tatsächlich anerkannten Artgrenze entsprechen.

Aalgrundeln sind ökologisch interessante Beispiele für die Evolution von Fischen in der Gezeitenzone. Dort wechseln Wasserbedeckung, Sauerstoffversorgung, Salzgehalt und Temperatur innerhalb kurzer Zeiträume. Schlammgänge und fakultative Luftatmung können wichtige Anpassungen an diese Bedingungen sein.

Phylogenetisch sind sie zugleich für die Erforschung der Übergänge zwischen vollständig aquatischer und teilweise terrestrischer Lebensweise innerhalb der Grundelartigen bedeutsam. Die enge Verflechtung mit den Schlammspringern zeigt, dass stark aalartige Schlammgräber und an Land aktive Grundeln aus derselben evolutiven Großlinie hervorgegangen sind.

Eine moderne lexikographische Gesamtdefinition muss diese taxonomische Mehrdeutigkeit berücksichtigen: Aalgrundel bezeichnet allgemein eine aalartig langgestreckte Grundel beziehungsweise einen so benannten grundelähnlichen Fisch; im engeren zoologischen Sinn die traditionell als Amblyopinae bezeichneten Aalgrundeln und im deutschen Artwortschatz insbesondere Odontamblyopus rubicundus. Der Name wird außerdem auf Gobioides-Arten und auf nicht näher verwandte Pholidichthys-Arten übertragen.

Etymologie

LemmaAalgrundel
Wortbildungsartsubstantivisches Determinativkompositum
BestandteileAal + Grundel
BestimmungswortAal – Formvergleich mit dem langgestreckten Körper
GrundwortGrundel – bodenlebender beziehungsweise grundelartiger Fisch
Althochdeutsch Aalâl
Urgermanische Rekonstruktion Aal*ǣlaz
Althochdeutsch Grundelgruntila, grundila
Althochdeutsche Belegzeit von grundilaseit dem 12. Jahrhundert
Etymologische Basis von GrundelGrund – ursprünglich am Gewässergrund lebender Fisch
Benennungsmotiv des Kompositumsaalartig langgestreckte Grundel
Taxonomisches GruppenwortAalgrundeln – Amblyopinae im traditionellen Sinn
Spezifischer deutscher ArtnameAalgrundel – Odontamblyopus rubicundus

Der Bestandteil Aal gehört zum ältesten germanischen Fischwortschatz. Althochdeutsch âl besitzt Entsprechungen in praktisch allen germanischen Sprachzweigen, darunter englisch eel, niederländisch aal, schwedisch ål und ältere skandinavische Formen. Das Etymologische Wörterbuch des Althochdeutschen rekonstruiert eine urgermanische Grundform *ǣlaz.

Die weitere Herkunft des Aalwortes ist ungeklärt. Eine direkte Herleitung aus der indogermanischen Wortfamilie von lateinisch anguilla und verwandten baltisch-slawischen Aalbezeichnungen gilt nicht als gesichert.

Grundel geht auf althochdeutsch gruntila, grundila zurück. Das Wort bezeichnete verschiedene am Boden lebende Fische und ist mit Grund verbunden. Seine ursprüngliche Motivation ist demnach ungefähr „Grundfisch“.

Im Kompositum Aalgrundel treffen damit zwei alte Benennungsprinzipien zusammen: Aal- beschreibt die Körperform, -grundel die zoologische beziehungsweise ursprünglich ökologische Grundzuordnung.

Wortgeschichte

Die beiden Bestandteile sind wesentlich älter als das Gesamtwort. Aal ist bereits althochdeutsch belegt; Grundel beziehungsweise grundila seit dem 12. Jahrhundert.

Das moderne zoologische Konzept der Aalgrundeln entstand dagegen erst mit der wissenschaftlichen Systematisierung tropischer Grundeln im 19. Jahrhundert. Albert Günther führte Amblyopinae 1861 als taxonomische Gruppe ein.

Die Art, die heute im Deutschen ausdrücklich als Aalgrundel beziehungsweise Rote Aalgrundel bezeichnet wird, war bereits 1822 von Hamilton als Gobioides rubicundus beschrieben worden. Ihre taxonomische Zuordnung wechselte später mehrfach.

Der genaue erste schriftliche deutsche Beleg des Kompositums Aalgrundel ist in den ausgewerteten frei zugänglichen historischen Quellen nicht sicher genug datierbar. Ein genaues Erstbelegjahr sollte deshalb nicht konstruiert werden.

Im 20. und 21. Jahrhundert wurde der Name durch Aquaristik und populäre Fischliteratur zusätzlich erweitert. Dadurch entstanden Bildungen wie Rote Aalgrundel, Lila Aalgrundel, Blaue Aalgrundel und Weißstreifen-Aalgrundel, die heute taxonomisch keineswegs alle dieselbe Verwandtschaftsgruppe bezeichnen.

Historische Einordnung

Die Wortgeschichte spiegelt einen grundlegenden Wandel der Fischsystematik. Ältere zoologische Systeme ordneten Arten vor allem nach äußeren anatomischen Gemeinsamkeiten ein. Aalartige Körperform, verschmolzene Flossen und bodennahe Lebensweise konnten deshalb verschiedene Gruppen näher erscheinen lassen, als sie tatsächlich verwandt sind.

Mit anatomischen Revisionen und später molekulargenetischen Methoden wurden zahlreiche traditionelle Gruppen neu gegliedert. Gobioides wurde beispielsweise aus dem engeren Amblyopinae-Konzept herausgelöst, obwohl die Arten äußerlich weiterhin hervorragend zum deutschen Namen Aalgrundel passen.

Noch deutlicher ist die Entwicklung bei Pholidichthys. Die Weißstreifen-Aalgrundel wurde lange mit Grundeln beziehungsweise Schleimfischartigen verglichen. Molekulare und anatomische Untersuchungen zeigten jedoch, dass sie eine eigenständige Linie darstellt, die heute in den Cichliformes geführt wird.

Bei den eigentlichen Amblyopinae ist die Revision noch nicht abgeschlossen. Neuere phylogenetische Arbeiten stellen die traditionelle Grenze zu den Schlammspringerverwandten in Frage. Der deutsche Gruppenname bleibt deshalb praktisch nützlich, während sein exakt taxonomischer Umfang in Bewegung ist.

Antonyme

Ein lexikalisches Antonym zu Aalgrundel existiert nicht. Tiernamen und taxonomische Gruppen bilden grundsätzlich keine regelhaften Gegensatzpaare.

Morphologisch könnte eine aalartig langgestreckte Aalgrundel einer gedrungenen, kurzkörperigen Grundel gegenübergestellt werden. Dies ist eine anatomische Kontrastierung, keine sprachliche Antonymie.

Synonyme und bedeutungsverwandte Ausdrücke

Schlangengrundel – bedeutungsverwandte deutsche Bezeichnung für stark langgestreckte Grundeln; für Odontamblyopus rubicundus auch als Parallelname dokumentiert.

Rote Aalgrundel – präzisierende moderne Bezeichnung von Odontamblyopus rubicundus.

Eel goby – englische Gruppenbezeichnung für aalartige Grundeln, besonders Amblyopinae.

Worm goby – englische Parallelbezeichnung der stark elongierten schlammlebenden Aalgrundeln.

Amblyopinae – traditioneller wissenschaftlicher Unterfamilienname der eigentlichen Aalgrundeln.

Odontamblyopus rubicundus – wissenschaftlicher Name der Art, für die FishBase den deutschen Volksnamen Aalgrundel führt.

Lila Aalgrundel – Gobioides broussonnetii; langgestreckte Brackwassergrundel aus Amerika.

Blaue Aalgrundel – Gobioides peruanus; pazifisch-amerikanische Art der Gattung Gobioides.

Weißstreifen-Aalgrundel – Pholidichthys leucotaenia; aalartiger Meeresfisch, trotz deutschen Namens keine eigentliche Grundel.

Grabende Grundel – beschreibende Bezeichnung für schlammgrabende Grundeln, beispielsweise Trypauchen vagina; nur teilweise bedeutungsgleich.

Abgrenzung

Aalgrundel ist kein echter Aal. Aale gehören zu den Aalartigen beziehungsweise Anguilliformes. Aalgrundeln im engeren Sinn gehören zu den Grundelartigen beziehungsweise deren unmittelbarem Verwandtschaftsbereich.

Amblyopinae-Aalgrundeln und Gobioides-Aalgrundeln sind nicht identisch. Beide besitzen eine ähnliche Körperform, werden in moderner Systematik jedoch verschiedenen Linien innerhalb der Grundelartigen zugeordnet.

Die Weißstreifen-Aalgrundel ist keine Grundel. Pholidichthys leucotaenia gehört zur Familie Pholidichthyidae innerhalb der Cichliformes. Ihr deutscher Name beruht auf äußerer Ähnlichkeit und älterer systematischer Unsicherheit.

Aalgrundel und Schmerle sind ebenfalls zu unterscheiden. Manche Schmerlen sind langgestreckte bodenlebende Süßwasserfische, gehören jedoch zu den Karpfenartigen beziehungsweise verwandten Linien und nicht zu den Grundelartigen.

Aalgrundel und Grundel stehen in der volkssprachlichen Benennung in einem Unterordnungsverhältnis; taxonomisch ist wegen der verschiedenen Verwendungen des Namens jedoch immer der konkrete wissenschaftliche Name zu prüfen.

Kontext

Typische Kontexte sind Schlamm, Schlick, Ästuar, Brackwasser, Gezeitenzone, Mangrove, Wohnröhre, Grundfisch, reduzierte Augen, langgestreckter Körper, Grundelartige und Aquaristik.

Bei Odontamblyopus rubicundus treten zusätzlich Golf von Bengalen, Indien, Bangladesch, Myanmar, Rote Aalgrundel, Luftatmung und Schlammhöhle hinzu.

Im systematischen Kontext sind besonders Amblyopinae, Oxudercinae, Oxudercidae, Gobiidae, Paraphylie, Schlammspringer und molekulare Phylogenie relevant.

Kollokationen und Kookkurrenzen

Typische Verbindungen sind aalartig langgestreckte Aalgrundel, grabende Aalgrundel, schlammlebende Aalgrundel, Rote Aalgrundel, Lila Aalgrundel, Blaue Aalgrundel, Weißstreifen-Aalgrundel, Aalgrundeln der Unterfamilie Amblyopinae, Aalgrundel im Brackwasser und Aalgrundel im Schlick.

In taxonomischen Texten stehen häufig Amblyopinae, Odontamblyopus, Taenioides, Trypauchen, Gobioides, Oxudercidae und Gobiiformes im selben Kontext.

Oberbegriff

Für die traditionelle Amblyopinae-Bedeutung ergibt sich hierarchisch: Lebewesen → Tier → Wirbeltier → Knochenfisch → Strahlenflosser → Grundelartige (Gobiiformes) → Oxudercidae/Gobiidae je nach Klassifikationssystem → Amblyopinae → Aalgrundel.

Für die spezifische Verwendung lautet die Hierarchie: Grundelartige → Amblyopinae → Odontamblyopus → Odontamblyopus rubicundus → Aalgrundel/Rote Aalgrundel.

Unterbegriffe

Im weiteren deutschen Namensgebrauch können zahlreiche konkret benannte Arten als Aalgrundeln erscheinen, darunter:

Rote Aalgrundel – Odontamblyopus rubicundus.

Lila Aalgrundel – Gobioides broussonnetii.

Blaue Aalgrundel – Gobioides peruanus.

Weißstirn-Aalgrundel – Bezeichnung für Trypauchen vagina in einzelnen deutschsprachigen Fischdatenbanken.

Weißstreifen-Aalgrundel – Pholidichthys leucotaenia; nur namensmäßig ein Untertyp, taxonomisch keine eigentliche Aalgrundel der Amblyopinae.

Pholidichthys anguis – in der Aquaristik ebenfalls schlicht Aalgrundel genannt, obwohl die Art nicht zu den Grundelartigen gehört.

Diese Liste zeigt gerade, dass die sprachliche Untergliederung nicht mit einer einzigen taxonomischen Hierarchie gleichgesetzt werden darf.

Wortfamilie

Zum ersten Bestandteil gehören Aal, aalartig, aalförmig, Aalmolch, Aaleidechse, Aalmutter, Aalquappe und zahlreiche weitere Form- und Tierbezeichnungen.

Zum Grundwort gehören Grund, Grundel, Gründel, Gründling, grundelartig, Grundelartige und zahlreiche zusammengesetzte Grundelnamen.

Wortbildung

Aalgrundel ist ein transparentes Determinativkompositum. Das Grundwort Grundel bezeichnet die grundelartige zoologische Einordnung; das Bestimmungswort Aal- charakterisiert die Körperform.

Die Bedeutungsrelation lautet daher „aalartig geformte Grundel“ und nicht „Grundel, die Aale frisst“, „Grundel, die mit Aalen verwandt ist“ oder „Grundel, die bei Aalen lebt“.

Die Bildung gehört zu einem produktiven zoologischen Muster, bei dem ein bekannter Tiername eine auffällige Gestalt eines anderen Tieres beschreibt. Gerade Aal- ist hierfür wegen der markanten langgestreckten Körperform besonders produktiv.

Polysemie

Aalgrundel ist deutlich polysem beziehungsweise referenziell mehrdeutig. Mindestens vier Verwendungsweisen sind zu unterscheiden:

1. Gruppenname: Aalgrundeln als deutsche Bezeichnung der traditionell als Amblyopinae geführten langgestreckten Schlammgrundeln.

2. Artname: Aalgrundel als deutscher Volksname von Odontamblyopus rubicundus.

3. erweiterter Grundelname: Aalgrundeln für Arten der Gattung Gobioides, beispielsweise Lila und Blaue Aalgrundel.

4. Ähnlichkeitsname außerhalb der Grundelartigen: Aalgrundel in Namen von Pholidichthys-Arten, besonders Weißstreifen-Aalgrundel.

Die Mehrdeutigkeit ist nicht zufällig. Alle Verwendungen sind über dieselbe Benennungsmotivation – aalartige Körpergestalt – miteinander verbunden.

Homonyme und Homographe

Ein vollständig etymologisch unabhängiges Homonym von Aalgrundel ist nicht etabliert. Die verschiedenen zoologischen Referenten sind vielmehr das Ergebnis einer mehrfachen Übertragung desselben morphologischen Tiernamens.

Synchron kann die Situation dennoch homonymienah wirken: Eine „Aalgrundel“ aus der Familie Pholidichthyidae und eine Aalgrundel aus den Amblyopinae sind stammesgeschichtlich deutlich verschiedene Tiere. Ohne wissenschaftlichen Namen ist die Referenz deshalb nicht immer eindeutig.

Redewendungen und Sprichwörter

Für Aalgrundel sind keine allgemeinsprachlich etablierten Redewendungen oder Sprichwörter bekannt. Das Wort blieb weitgehend zoologisch und aquaristisch.

Auch Redensarten wie glatt wie ein Aal oder sich winden wie ein Aal beziehen sich auf den eigentlichen Aal und nicht auf Aalgrundeln.

Metaphern

Die Wortbildung selbst beruht auf einem morphologischen Vergleich. Ein Fisch wird wegen seines langgestreckten Körpers mit einem Aal verglichen. Diese ursprüngliche Metaphorik ist im Tiernamen vollständig lexikalisiert.

Eine weitergehende übertragene Verwendung von Aalgrundel für Menschen oder abstrakte Sachverhalte ist nicht etabliert.

Metonymie

In aquaristischen Texten kann Aalgrundel metonymisch von einer bestimmten Art auf eine ganze Gruppe ähnlich aussehender Fische erweitert werden. So kann der Name einer typischen Körperform als Sammelbezeichnung für mehrere Arten dienen.

Die wichtigste Bedeutungsverbreiterung ist jedoch eher metaphorisch-taxonomisch als rein metonymisch: Die aalartige Gestalt veranlasst dieselbe Benennung bei nicht unmittelbar verwandten Fischgruppen.

Register und Sprachstufe

Aalgrundel ist ein neutraler zoologischer beziehungsweise aquaristischer Tiername. Er ist weder scherzhaft noch abwertend, aber außerhalb von Aquaristik, Fischkunde und Zoologie wenig häufig.

Bei Amblyopinae besitzt der Ausdruck fachsprachlichen Charakter. Bei Namen wie Lila Aalgrundel oder Weißstreifen-Aalgrundel gehört er zusätzlich zum Zierfisch- und Aquarienhandel.

Für wissenschaftliche Arbeiten sollte wegen der taxonomischen Mehrdeutigkeit stets der wissenschaftliche Name ergänzt werden.

Regionale Varianten

Da die meisten so bezeichneten Fische nicht zur mitteleuropäischen Fauna gehören, besitzt Aalgrundel keine ausgeprägte traditionelle deutsche Dialektgeographie. Es handelt sich überwiegend um einen zoologischen beziehungsweise aquaristischen deutschen Namen für tropische und subtropische Fische.

International bestehen dagegen zahlreiche lokale Namen. Odontamblyopus rubicundus wird in Japan ワラスボ – Warasubo, in Vietnam Cá Nhàm, in Bangladesch unter anderem Lal chewa beziehungsweise Raja chewa und in Estland Harilik kaevurmudil genannt.

Die deutsche Nebenbezeichnung Schlangengrundel hebt anstelle der Ähnlichkeit mit dem Aal die Ähnlichkeit mit einer Schlange hervor.

Aktuelle Statistik

LemmaAalgrundel
Buchstaben10
Silben3: Aal-grun-del
WortartSubstantiv
Bevorzugtes Genusfeminin
Nebenvariantemaskulin
Plural femininAalgrundeln
Aussprache[ˈaːlˌɡʁʊndl̩]
Engerer GruppenbezugAmblyopinae
Traditioneller Autor der AmblyopinaeGünther, 1861
Aktuelle Zahl der in WoRMS gelisteten Amblyopinae-Gattungen16 einschließlich Pseudobrachyamblyopus; Umfang je nach taxonomischer Quelle abweichend
Phylogenetischer Statustraditionelle Amblyopinae gegenüber Oxudercinae nach neueren molekularen Studien nicht monophyletisch abgegrenzt
Spezifischer deutscher ArtbezugOdontamblyopus rubicundus
Erstbeschreibung von O. rubicundus1822 als Gobioides rubicundus
Aktueller wissenschaftlicher NameOdontamblyopus rubicundus (Hamilton, 1822)
Aktuelle Eschmeyer-ZuordnungOxudercidae: Amblyopinae
Andere aktuelle DatenbankzuordnungFishBase, NCBI und WoRMS führen Amblyopinae teilweise unter Gobiidae
Verbreitung von O. rubicundus nach EschmeyerGolf von Bengalen: Indien, Bangladesch und Myanmar
Maximale dokumentierte Standardlänge von O. rubicundus33,4 cm
Lebensräume von O. rubicundusmarine und brackige Küsten- und Ästuarbereiche; schlammiger Grund
IUCN-Status von O. rubicundusLeast Concern; Bewertung 2018

Häufigkeit und Statistik

LemmaAalgrundel
Allgemeinsprachliche Häufigkeitgering
Zoologischer Gebrauchetabliert, aber taxonomisch mehrdeutig
Aquaristischer Gebrauchvergleichsweise häufig in zusammengesetzten Artnamen
GruppenbedeutungAalgrundeln = Amblyopinae im traditionellen Sinn
FishBase-ArtnameAalgrundel = Odontamblyopus rubicundus
Weitere deutsche Namen mit AalgrundelRote, Lila, Blaue, Weißstreifen- und weitere Aalgrundeln
Systematische Eindeutigkeitgering; wissenschaftlicher Name zur Präzisierung erforderlich
Exakte deutsche Korpusfrequenzohne festgelegtes Referenzkorpus nicht belastbar anzugeben

Eine einfache Trefferzählung würde den tatsächlichen Sprachgebrauch verzerren, weil sie Gruppennamen, Artbezeichnungen, Aquarienhandel und nicht miteinander verwandte „Aalgrundeln“ zusammenfasst. Für eine seriöse Statistik müsste deshalb zwischen Amblyopinae, Odontamblyopus rubicundus, Gobioides und Pholidichthys getrennt werden.

Wortbildung als Erstglied

Aalgrundel- ist nur begrenzt produktiv. In zoologischen und aquaristischen Texten sind transparente Bildungen wie Aalgrundelart, Aalgrundelgattung, Aalgrundelhaltung, Aalgrundelaquarium, Aalgrundelbestand, Aalgrundelhabitat, Aalgrundelpopulation, Aalgrundelröhre, Aalgrundelforschung und Aalgrundelsystematik möglich.

Die meisten dieser Formen sind fachsprachliche Kontextbildungen und nicht notwendigerweise selbständige Wörterbuchlemmata.

Wortbildung als Letztglied

Als Letztglied ist -Aalgrundel in deutschen zoologischen Namen produktiver. Beispiele sind:

Blaue Aalgrundel

Lila Aalgrundel

Rote Aalgrundel

Weißstreifen-Aalgrundel

Weißstirn-Aalgrundel

Gerade diese Produktivität ist die Ursache dafür, dass das Wort taxonomisch nicht auf eine einzige Abstammungslinie beschränkt ist.

Übersetzungen

Altgriechisch: Für die modernen tropischen Fischgruppen existiert keine historische altgriechische Standardbezeichnung. Eine künstliche wörtliche Übersetzung sollte vermieden werden. Wissenschaftlich sind Amblyopinae beziehungsweise Odontamblyopus rubicundus zu verwenden.

Lateinisch: kein klassischer zoologischer Volksname; beschreibend gobius anguilliformis „aalförmige Grundel“. Für die Art wissenschaftlich Odontamblyopus rubicundus.

Italienisch: beschreibend ghiozzo anguilliforme beziehungsweise für die Gruppe ghiozzi anguilliformi; bei taxonomischer Präzision Amblyopinae oder Odontamblyopus rubicundus.

Französisch: beschreibend gobie anguilliforme beziehungsweise gobies anguilliformes; ein einheitlicher französischer Standardname für alle mit deutsch „Aalgrundel“ bezeichneten Fische besteht nicht.

Spanisch: beschreibend gobio anguiliforme beziehungsweise gobios anguiliformes; wissenschaftlich Amblyopinae beziehungsweise Odontamblyopus rubicundus.

Dänisch: beschreibend åleformet kutling beziehungsweise ålekutling; bei wissenschaftlicher Eindeutigkeit ist der lateinische Name vorzuziehen.

Schwedisch: beschreibend ålformad smörbult; für die taxonomische Gruppe ist Amblyopinae eindeutiger.

Norwegisch: beschreibend åleformet kutling beziehungsweise ålekutling; kein einheitlicher Name deckt sämtliche deutschen Aalgrundel-Verwendungen ab.

Finnisch: beschreibend ankeriasmainen tokko – aalartige Grundel; wissenschaftlich Amblyopinae beziehungsweise Odontamblyopus rubicundus.

Polnisch: beschreibend babka węgorzowata – aalartig verlängerte Grundel; für taxonomisch genaue Verwendung wissenschaftlicher Name.

Litauisch: beschreibend „unguriška grundalė“ beziehungsweise sinngemäß aalartige Grundel; keine sicher standardisierte Einwortentsprechung für sämtliche Bedeutungen.

Estnisch: für Odontamblyopus rubicundus ist harilik kaevurmudil als Volksname dokumentiert. Für Amblyopinae allgemein sollte der wissenschaftliche Gruppenname verwendet werden.

Lettisch: keine sicher verifizierte einheitliche Standardbezeichnung für den gesamten deutschen Bedeutungsumfang; beschreibend eine „zuša formas grundulis“-Bildung, wissenschaftlich besser Amblyopinae beziehungsweise Odontamblyopus rubicundus.

Slowenisch: keine sicher etablierte exakte Einwortentsprechung; beschreibend „jeguljasta glavačica“ im Sinn einer aalartigen Grundel, fachsprachlich wissenschaftlicher Name.

Slowakisch: keine sicher standardisierte Entsprechung für den gesamten deutschen Namensumfang; beschreibend „úhorovitá hlaváčka“, ansonsten wissenschaftlicher Name.

Rumänisch: beschreibend guvid anguilliform – aalartig langgestreckte Grundel; für die Art Odontamblyopus rubicundus.

Bulgarisch: beschreibend „змиорковидно попче“ beziehungsweise aalartige Grundel; eine standardisierte Entsprechung für sämtliche deutschen Aalgrundeln ist nicht anzusetzen.

Russisch: für Odontamblyopus rubicundus ist зелёный лентобычок als russischer Volksname dokumentiert; für die traditionelle Gruppe lässt sich fachsprachlich von угревидные бычки beziehungsweise direkt von Amblyopinae sprechen.

weitere Sprachen – Englisch: eel goby, Plural eel gobies; für O. rubicundus red eelgoby beziehungsweise rubicundus eelgoby. Für Amblyopinae wird daneben worm gobies verwendet.

weitere Sprachen – Niederländisch: aalgrondels ist als Gruppenbezeichnung für aalartig langgestreckte Fische beziehungsweise insbesondere Pholidichthys-Kontexte belegt; wegen unterschiedlicher taxonomischer Verwendung ist der wissenschaftliche Name hinzuzufügen.

weitere Sprachen – Japanisch: für Odontamblyopus rubicundus ワラスボ – Warasubo.

weitere Sprachen – Vietnamesisch: für Odontamblyopus rubicundus Cá Nhàm.

weitere Sprachen – Bengali: für Odontamblyopus rubicundus Lal chewa beziehungsweise Raja chewa; in bengalischer Schrift ist auch লাল চেওয়া dokumentiert.

weitere Sprachen – Mandarin-Chinesisch: für Odontamblyopus rubicundus sind unter anderem 紅狼牙鰕虎魚 / 红狼牙鰕虎鱼 und 紅鰻鰕虎魚 / 红鳗鰕虎鱼 dokumentiert.

weitere Sprachen – Koreanisch: für Odontamblyopus rubicundus 개소겡.

Bei Übersetzungen muss deshalb zuerst geklärt werden, welcher zoologische Referent gemeint ist. Eine Übersetzung von „Aalgrundel“ ohne wissenschaftlichen Namen kann denselben Mehrdeutigkeitsfehler in eine andere Sprache übertragen.

Web-links

Eschmeyer's Catalog of Fishes – Odontamblyopus rubicundus – aktuelle taxonomische Referenz; akzeptierter Name, historische Synonyme, Verbreitung, Familienzuordnung und Gefährdungsstatus.

FishBase – Odontamblyopus rubicundus – Morphologie, Lebensraum, maximale Länge, Verbreitung, Luftatmung und ökologische Grunddaten.

FishBase – Common names of Odontamblyopus rubicundus – internationale Volksnamen einschließlich deutsch Aalgrundel, japanisch Warasubo, vietnamesisch Cá Nhàm und estnisch Harilik kaevurmudil.

World Register of Marine Species – Amblyopinae – aktuelle Taxonübersicht mit den gegenwärtig geführten Gattungen und alternativer Familienklassifikation.

Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen – gruntila, grundila – Herkunft und mittelalterliche Bedeutungen des Grundwortes Grundel.

Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen – âl – wissenschaftliche Etymologie des Wortes Aal und seine germanischen Entsprechungen.

Duden – Grundel – heutige Grammatik, Femininum und Maskulinum, Bedeutung und Herkunft des Grundwortes.

Molecular Phylogenetics and Evolution – Phylogenetics and the evolution of terrestriality in mudskippers – Studie von 2022 zur Paraphylie von Amblyopinae und Oxudercinae.

PMC – Amblyopinae Mitogenomes Provide Novel Insights into the Paraphyletic Origin of Their Adaptation to Mudflat Habitats – molekularphylogenetische Untersuchung von 2023 zur Systematik und Evolution der Aalgrundeln.

NCBI Taxonomy – Odontamblyopus rubicundus – aktueller taxonomischer Datensatz mit Basionym und Synonymen.

GBIF – Odontamblyopus rubicundus – internationaler Biodiversitätsdatensatz mit Taxonomie und Synonymen.

my-fish – Rote Aalgrundel – deutschsprachige aquaristische Darstellung von Odontamblyopus rubicundus mit Körperbau und Lebensweise.

Meerwasser-Lexikon – Pholidichthys anguis – Beispiel für die Verwendung des deutschen Namens Aalgrundel bei einem Fisch außerhalb der eigentlichen Grundelartigen.

weiterführende links

A

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aalartig

Aalartige

aalförmig

Aaleidechse

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Amblyopinae

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Blaue Aalgrundel

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