Giuseppe Aprile

Giuseppe Aprile, auch Aprili, in einzelnen fehlerhaften oder abweichenden Formen auch Assrile, genannt Scirolino, Sciroletto oder Scirolo, * 28. Oktober 1732 in Martina Franca bei Tarent, † 11. Januar 1813 ebenda, war ein italienischer Sänger, Kastrat, Sopranist, Gesangslehrer und Komponist. Er gehört zu den bedeutenden Kastraten der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und wurde besonders als primo uomo, als Interpret von Werken Niccolò Jommellis und als Autor der The Modern Italian Method of Singing zugeschriebenen Solfeggi bekannt.

Überblick

Giuseppe Aprile war einer der europäischen Spitzenkastraten der Generation nach Farinelli, Caffarelli und Senesino. Sein Ruhm gründete sich nicht allein auf eine ungewöhnliche Sopranstimme, sondern auf die Verbindung von Stimmbeherrschung, Schauspielkunst, Ornamentik, stilistischer Urteilskraft und pädagogischer Reflexion. In den Quellen erscheint er als Sänger, dessen Kunst sowohl von Zeitgenossen wie Wolfgang Amadeus Mozart, Charles Burney, Christian Friedrich Daniel Schubart und Antonio Canova als auch von Schülern wie Michael Kelly beachtet wurde.

Seine Karriere verband die großen Zentren des italienischen und europäischen Musiktheaters: Neapel, Teatro San Carlo, Rom, Parma, Venedig, Madrid, Aranjuez, Stuttgart, Ludwigsburg, Mailand, Bologna, Florenz und Turin. Besonders eng war er mit Jommellis Stuttgarter Hofoper verbunden, in der er als primo uomo eine Reihe dramatisch anspruchsvoller Partien sang.

Apriles kulturgeschichtliche Bedeutung liegt zugleich in seiner späten Rolle als Lehrer. Seine The Modern Italian Method of Singing zugeschriebenen Solfeggi und theoretischen Anweisungen gehören zu den wichtigen Dokumenten der italienischen Gesangspädagogik. Sie zeigen eine Gesangskunst, die Intonation, Atemführung, Vokalreinheit, messa di voce, Triller, Passaggi, Appoggiaturen und ornamentale Erfindung nicht als äußerliche Virtuosität, sondern als stilistisch gebundene Kunst der melodischen und textlichen Ausdeutung verstand.

Kurzdaten

Name Giuseppe Aprile.
Namensformen Giuseppe Aprile, Giuseppe Aprili, Giuseppe Assrile, D. G. Aprile, D. G. Aprili, G. Aprile, G. Aprili.
Spitznamen Scirolino, Sciroletto und Scirolo; die Bezeichnungen hängen mit seinem Lehrer Gregorio Sciroli zusammen.
Geboren 28. Oktober 1732 in Martina Franca bei Tarent.
Gestorben 11. Januar 1813 in Martina Franca.
Beruf Sänger, Kastrat, Sopranist, primo uomo, Gesangslehrer, Komponist, Solfeggi-Autor und Vertreter der italienischen Belcanto-Tradition.
Eltern Fortunato Aprile und Anna Vita Cervellera; der Vater war Notar, musikliebender Sänger und erster musikalischer Lehrer seines Sohnes.
Ausbildung Erste musikalische Unterweisung beim Vater; ab 1751 Gesangsstudium in Neapel bei Gregorio Sciroli.
Stimmfach Kastratensopran; in zeitgenössischen Quellen als soprano und primo uomo geführt.
Frühe Anstellung Ab 1752 Sopranist der Cappella Regia di Napoli; zugleich erste Auftritte am Teatro San Carlo.
Hauptwirkungsorte Neapel, Rom, Parma, Aranjuez, Madrid, Venedig, Stuttgart, Ludwigsburg, Mailand, Bologna, Turin und Florenz.
Wichtigste Komponistenbezüge Niccolò Jommelli, Baldassare Galuppi, Giuseppe Scarlatti, Vincenzo Ciampi, Niccolò Conforto, Niccolò Piccinni, Antonio Sacchini, Johann Adolf Hasse, Pasquale Cafaro, Giuseppe Sarti, Giovanni Battista Borghi, Domenico Cimarosa und Pasquale Anfossi.
Wichtige Schüler Domenico Cimarosa, Michael Kelly, Lady Catherine beziehungsweise Emma Hamilton; ältere Quellen nennen außerdem Manuel García, wobei die genaue Zuordnung quellenkritisch zu prüfen ist.
Hauptschrift The Modern Italian Method of Singing, with a Variety of Progressive Examples and Thirty Six Solfeggi.
Kulturgeschichtliche Stellung Spätphase des Kastratengesangs, neapolitanische Gesangsschule, internationale opera seria, Jommelli-Rezeption, Belcanto-Pädagogik und Solfeggio-Tradition.

Name, Spitzname und Quellenlage

Die Grundform des Namens lautet Giuseppe Aprile. In italienischen und englischen Quellen begegnet auch Aprili, besonders in Drucken und Katalogen des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Die vom Lemma genannte Form Assrile ist wahrscheinlich als fehlerhafte oder stark entstellte Quellenform zu behandeln, sollte aber im Suchkontext mitgeführt werden, wenn ältere Kataloge oder OCR-Texte ausgewertet werden. Für die sichtbare Seitenform und die Datei ist aprile-giuseppe.shtml die eindeutige und sachlich richtige Benennung.

Die Spitznamen Scirolino, Sciroletto und Scirolo erklären sich aus Apriles Ausbildung bei Gregorio Sciroli in Neapel. Sie bedeuten sinngemäß den kleinen oder jungen Schüler Scirolis und sind nicht als Familiennamen zu behandeln. In Aufführungsdatenbanken erscheinen sie häufig neben dem bürgerlichen Namen, etwa als „Giuseppe Aprile detto Sciroletto“. Für das Kulturlexikon ist diese Form besonders wichtig, weil Librettodrucke, Corago-Datensätze und ältere Sängerlexika oft den Spitznamen stärker hervorheben als die moderne Normform.

Die Quellenlage ist vergleichsweise gut, aber nicht frei von Widersprüchen. Ältere Autoren setzten abweichende Geburtsorte oder Geburtsjahre an; Treccani korrigiert diese Angaben auf Martina Franca, 28. Oktober 1732. Auch bei der Gesangsschule ist die Überlieferung uneinheitlich: Die ältere bibliographische Tradition nennt eine Londoner Ausgabe von 1791, während digital greifbare Ausgaben und IMSLP-Nachweise besonders die Londoner Birchall-Ausgabe von 1795 sowie spätere Nachdrucke dokumentieren. Deshalb sollte das Werk nicht nur unter einem einzigen Druckjahr, sondern als Werkkomplex der Aprile-Solfeggi geführt werden.

Biographische Grundlinien

Giuseppe Aprile wurde am 28. Oktober 1732 in Martina Franca geboren. Sein Vater Fortunato Aprile war Notar, aber zugleich musikalisch gebildet und als Sänger in der Collegiata von Martina Franca tätig. Die erste musikalische Unterweisung erhielt Aprile im Elternhaus. Die spätere Kastration des Kindes gehört zur historischen Realität der italienischen Sängerpraxis des 18. Jahrhunderts, ist aber zugleich als gewaltförmige Voraussetzung einer Kunstform zu benennen, deren ästhetische Ergebnisse nicht von ihren sozialen und körpergeschichtlichen Bedingungen getrennt werden dürfen.

Am 28. April 1751 wurde Aprile in Neapel in die private Schule Gregorio Scirolis aufgenommen. Damit ist die verbreitete ältere Angabe zu korrigieren, er sei Schüler des Conservatorio della Pietà dei Turchini gewesen. Sciroli war ein anerkannter Gesangslehrer und Kapellmeister; von ihm leitet sich Apriles Spitzname Scirolino beziehungsweise Sciroletto ab. Schon am 23. September 1752 wurde Aprile als Sopranist in die Cappella Regia di Napoli aufgenommen. Damit trat er in eine der wichtigsten höfisch-kirchlichen Musikinstitutionen Süditaliens ein.

Am Teatro San Carlo sang er in der Saison 1753/1754 erstmals als untergeordnete Partie in Jommellis Ifigenia in Aulide. Bereits in den folgenden Jahren weitete sich seine Laufbahn aus. Er trat in Rom auf, sang im Teatro ducale von Parma und wurde bald so bekannt, dass er nicht mehr in die engere Dienstpflicht der neapolitanischen Cappella zurückkehren wollte. Die Karriere eines erfolgreichen Kastraten war internationaler, lukrativer und künstlerisch beweglicher als eine gebundene Kapellstellung.

Ein besonders auffälliger früher Erfolg war der Auftritt in Aranjuez 1758 als Leucippo in Niccolò Confortos La forza del genio o sia il pastor guerriero. Die hohe Bezahlung für nur eine Oper zeigt, welchen Marktwert Aprile bereits besaß. Im Karneval 1759/1760 sang er am Teatro San Benedetto in Venedig, unter anderem in Giuseppe Scarlattis La clemenza di Tito und Vincenzo Ciampis Gianguir. Die venezianischen Zeugnisse beschreiben ihn als einen der führenden Sänger seiner Zeit und rühmen die allgemeine Wirkung seiner Gesangsart.

Um 1760 begann der Stuttgarter Abschnitt seiner Laufbahn. Am Hof Herzog Carl Eugens von Württemberg wirkte Aprile in einem Umfeld, das durch Niccolò Jommelli geprägt wurde. In Stuttgart und Ludwigsburg sang er große Rollen, darunter Enea in Didone abbandonata, Sisimo in La bergère illustre, Eupalte in Il trionfo d’Amore und Selim in La schiava liberata. Die Verbindung mit Jommelli ist für Apriles Profil entscheidend, weil Jommelli die opera seria dramatisierte, die Rolle des Orchesters stärkte und den Sänger stärker in szenisch-affektive Zusammenhänge einband.

Nach dem Ende der Stuttgarter Bindung kehrte Aprile nach Italien zurück. 1770 hörte Mozart ihn in Mailand und später in Bologna beziehungsweise Neapel. Die überlieferten Urteile Mozarts heben die Gleichmäßigkeit und Schönheit der Stimme sowie die außerordentliche Wirkung des Gesangs hervor. Charles Burney urteilte differenzierter und bemerkte Schwächen der Stimme, lobte aber Intonation, Geschmack, Kadenz und Ausdruck. Gerade diese unterschiedlichen Urteile zeigen, dass Aprile nicht nur ein stimmliches Phänomen war, sondern ein Sänger, dessen Kunst über Stil, Geschmack und darstellerische Intelligenz wirkte.

In den 1770er Jahren blieb Aprile auf den großen Bühnen Italiens präsent: Neapel, Turin, Florenz und Rom werden wiederholt genannt. Noch 1780 erregte er in Rom Aufmerksamkeit, als Antonio Canova ihn in Cimarosas Caio Mario und Anfossis Tito nelle Gallie hörte. 1783 wurde Aprile wieder als erster Sopran in die Cappella Regia di Napoli aufgenommen, auf dem Platz des verstorbenen Caffarelli. Die letzten öffentlichen Aufführungsnachrichten stammen aus dem Jahr 1785. Danach trat Aprile stärker als Lehrer hervor.

Als Gesangslehrer wirkte Aprile in Neapel und später wohl auch in seiner Heimat. Zu seinen Schülern gehören Domenico Cimarosa, Michael Kelly und Lady Hamilton; die ältere Literatur nennt außerdem Manuel García, wobei diese Angabe wegen der Familien- und Generationsfrage genau zu prüfen ist. Am 12. Juli 1798 wurde Aprile aus der Cappella Regia pensioniert. Nach seiner Rückkehr nach Martina Franca spielte er während der politischen Unruhen von 1798/1799 eine lokal bedeutsame Rolle. Er starb am 11. Januar 1813 in Martina Franca.

Ausführlicher Kulturüberblick

Giuseppe Aprile gehört in die späte Blütezeit des italienischen Kastratengesangs. Die Kastraten waren im 18. Jahrhundert die spektakulärsten Sänger des europäischen Musiktheaters. Ihre Stimmen verbanden hohe Lage, Atemvolumen, flexible Koloratur, besondere Tragfähigkeit und eine künstlich hergestellte körperliche Voraussetzung, die aus heutiger Perspektive nicht ästhetisch neutral betrachtet werden kann. Der Ruhm der Kastraten war europäisch; ihre Ausbildung war hart, hochspezialisiert und eng mit den neapolitanischen Konservatorien sowie privaten Schulen verbunden.

Aprile steht in einer Übergangszeit. Die große Ära Farinellis und Caffarellis lag bereits zurück, aber die opera seria war weiterhin auf virtuose Sopran- und Altpartien angewiesen. Zugleich veränderte sich der musikalische Geschmack. Die bloße Zurschaustellung der Koloratur genügte immer weniger. Gefragt waren Ausdruck, deklamatorische Klarheit, Natürlichkeit, szenische Glaubwürdigkeit und eine stärkere Bindung des Gesangs an die dramatische Situation. Apriles Karriere zeigt diese Veränderung. Er wurde nicht nur für Stimmumfang und Bravour bewundert, sondern ausdrücklich auch für Geschmack, Ausdruck und Schauspielkunst.

Die Verbindung mit Jommelli ist dafür besonders aufschlussreich. Jommelli war einer der Komponisten, die die opera seria von innen erneuerten. Er stärkte den Chor, das Orchester, die dramatische Kontinuität und die affektive Ausarbeitung der Szene. Ein Sänger wie Aprile musste daher mehr leisten als ornamentale Virtuosität. Er musste Affektwechsel, Rezitativdramaturgie, orchestrale Spannung und szenische Glaubwürdigkeit tragen. Dass Rutini ihn nicht nur als vollkommenen Sänger, sondern auch als ausgezeichneten Schauspieler bezeichnete, passt genau in dieses Reformfeld.

Aprile gehört zugleich zur Geschichte der Gesangspädagogik. Seine Solfeggi und theoretischen Anweisungen stehen in der Tradition Pier Francesco Tosis, zugleich weisen sie auf die späteren Methoden von García und der Belcanto-Schulen des 19. Jahrhunderts voraus. In ihnen wird Gesang nicht als bloße natürliche Gabe verstanden, sondern als tägliche, methodische Arbeit an Intonation, Intervall, Artikulation, Ornament, Atem, Vokal und Ausdruck. Diese Methode ist aristokratisch in ihrem Stilideal, aber handwerklich präzise in ihrer Übepraxis.

Kulturgeschichtlich bildet Aprile daher eine Brücke zwischen drei Bereichen: der höfischen und öffentlichen opera seria, der neapolitanischen Kirchen- und Kapellpraxis und der Gesangsschule. Als Sänger verkörperte er die europäische Starökonomie der Kastraten. Als Kapellsänger blieb er mit dem sakralen und höfischen Musiksystem Neapels verbunden. Als Lehrer verwandelte er seine Kunst in Übungsstoff, Regel und Tradition. Gerade diese Verbindung macht ihn für ein Kulturlexikon wichtiger als eine reine Rollenliste.

Stimme, Technik und Kunst des Kastratengesangs

Apriles Stimme wurde in zeitgenössischen Urteilen unterschiedlich, aber fast durchweg mit hohem Respekt beschrieben. Schubart sah in ihm einen der vollkommensten Sänger seiner Zeit und hob Reinheit, Ausdruck, Variationserfindung und künstlerische Genialität hervor. Mozart lobte seine schöne und gleichmäßige Stimme und später seine unvergleichliche Wirkung. Burney hörte zwar eine eher schwache und ungleiche Stimme, betonte aber sichere Intonation, gute Kadenz, Geschmack und Ausdruck. Diese Spannweite der Urteile ist typisch für Sängerbiographien des 18. Jahrhunderts, weil die Stimme sich über Jahrzehnte verändert und der Hörer je nach Ort, Werk, Alter und Erwartung sehr unterschiedlich urteilt.

Technisch stand Aprile für die große italienische Kunst des gebundenen, ornamentierten und zugleich ausdrucksbezogenen Gesangs. Entscheidend waren nicht nur Umfang und Koloratur, sondern die Fähigkeit, eine Melodie stilgerecht zu variieren. In der opera seria erwartete man vom Sänger, dass er eine Da-capo-Arie in der Wiederholung nicht mechanisch wiederholte, sondern durch Verzierungen, Triller, Passaggi, Appoggiaturen, dynamische Schattierungen und expressive Veränderungen neu auslegte. Apriles Kunst bestand darin, diese Freiheit nicht willkürlich, sondern aus dem Charakter der Melodie und des Textes zu entwickeln.

Die Solfeggi zeigen diese Ästhetik in pädagogischer Form. Sie üben nicht nur Tonleitern, sondern bestimmte Figuren der Gesangsrhetorik: Sprünge, schnelle Läufe, langsame Vorhalte, Triller, messa di voce, Passagen, Fugato-Anfänge und differenzierte metrische Gestalten. Dadurch werden sie zu einem Dokument der klingenden Grammatik des Belcanto.

Jommelli, Stuttgart und die Reform der opera seria

Der Stuttgarter Abschnitt war für Aprile besonders wichtig, weil er ihn in ein Musiktheater führte, das von Jommellis reformerischer Kraft geprägt wurde. Am württembergischen Hof entstanden Produktionen, in denen italienische opera seria, französische Bühnenelemente, Ballett, Chor, reiches Orchester und höfische Repräsentation miteinander verbunden wurden. Für einen primo uomo wie Aprile bedeutete dies eine anspruchsvolle Kunstform: Der Sänger musste nicht nur musikalisch glänzen, sondern in ein großformatiges szenisches und orchestrales Gefüge passen.

Jommellis Partien für Aprile verlangten dramatische Beweglichkeit. Enea in Didone abbandonata, Rollen in La bergère illustre, Il trionfo d’Amore, Fetonte und La schiava liberata stehen für eine Opernpraxis, die den Kastraten nicht nur als schönen Klangkörper, sondern als Träger von Handlung, Affekt und höfischer Bildwirkung verstand. Aprile war deshalb nicht zufällig einer der Sänger, an denen sich zeitgenössische Diskussionen über Ausdruck, Geschmack und Schauspielkunst entzündeten.

Der Stuttgarter Hof bot ihm hohe Gagen und internationales Prestige, verlangte aber zugleich strenge Dienstbindung. Die Umstände seines Weggangs 1769 zeigen die Ambivalenz der Starökonomie: Der Sänger war unverzichtbar, teuer und bewundert, aber zugleich in finanzielle, höfische und vertragliche Abhängigkeiten eingebunden. Die Biographie Apriles ist deshalb auch ein Beispiel für die soziale Stellung des Opernstars im absolutistischen Europa.

Neapel, San Carlo und die Cappella Regia

Neapel war der wichtigste Ausbildungs- und Rückkehrort Apriles. Die Stadt war im 18. Jahrhundert eines der Zentren der europäischen Musik. Ihre Konservatorien, Kapellen, Kirchen, Theater und privaten Schulen bildeten Sänger, Komponisten und Instrumentalisten von internationalem Rang aus. Das Teatro San Carlo gehörte zu den führenden Opernhäusern Europas, und die Cappella Regia di Napoli bot eine prestigeträchtige höfisch-kirchliche Anstellung.

Aprile wurde 1752 in die Cappella Regia aufgenommen. Diese frühe Anstellung sicherte ihm institutionelle Anerkennung und ein regelmäßiges Gehalt. Zugleich eröffnete das San Carlo den Weg zur Opernkarriere. Die Spannung zwischen Kapelldienst und Bühnenkarriere prägte seine frühen Jahre. Als seine Theatererfolge wuchsen, entschied er sich für die freiere und glänzendere Laufbahn auf den großen Bühnen. Später kehrte er jedoch zur Cappella Regia zurück und wurde 1783 als erster Sopran wieder aufgenommen.

Neapel wurde auch der Ort seiner pädagogischen Reife. Nachdem er sich allmählich von der Bühne zurückgezogen hatte, unterrichtete er dort Gesang. Die Schülerliste zeigt, dass seine Lehrkunst international wirkte. Besonders Michael Kellys Erinnerung an Aprile als „Vater aller Sänger“ zeigt, wie stark der Unterricht eines großen Kastraten für jüngere Sänger prägend sein konnte.

Gesangspädagogik, Solfeggi und Belcanto-Tradition

Die Aprile zugeschriebene The Modern Italian Method of Singing ist eine der wichtigsten greifbaren Quellen seiner Nachwirkung. Sie enthält progressive Beispiele und 36 Solfeggi. Die Übungen sind nicht bloß Vorstudien zum Singen, sondern verdichtete Modelle des italienischen Stils. Sie vermitteln Intervallreinheit, melodische Artikulation, Verzierungskunst, rhythmische Sicherheit und die Fähigkeit, eine Stimme über längere Phrasen kontrolliert zu führen.

Die einleitenden Anweisungen, die in der älteren Überlieferung mit Aprile verbunden sind, legen besonderes Gewicht auf tägliches Solfeggio, korrekte Intonation, Vokalbehandlung, messa di voce, das Abschreiben von Musik, das Verständnis von Zeitproportionen und die Bindung der Verzierungen an Melodie und Wortcharakter. Damit steht Aprile in einer Linie mit Pier Francesco Tosi und bereitet zugleich die methodische Belcanto-Literatur des 19. Jahrhunderts vor.

Besonders wichtig ist, dass die Solfeggi keine abstrakten Etüden im modernen Sinn sind. Sie sind kleine stilistische Laboratorien. In ihnen wird das galante Vokabular der Zeit geübt: symmetrische Phrasen, empfindsame Wendungen, Passaggi, Triller, Vorhalte, Sequenzen, kadenzierende Figuren und fugierte Anläufe. Ein Sänger, der diese Übungen beherrschte, erwarb nicht nur Technik, sondern Geschmack.

Rezeption, Urteile und Nachwirkung

Apriles zeitgenössische Rezeption ist auffällig breit. Mozart, Burney, Schubart, Rutini, Canova und Michael Kelly stehen für unterschiedliche Hörergruppen: Komponist, Reisender und Musikschriftsteller, literarischer Ästhetiker, Musiker, Bildhauer und Schüler. Diese Vielfalt zeigt, dass Aprile nicht nur im engeren Opernfach wahrgenommen wurde, sondern als Muster einer Gesangskunst galt, die im europäischen Kulturgespräch präsent war.

Schubarts Urteil ist besonders emphatisch. Er stellte Aprile unter die vollkommensten Sänger seiner Zeit und betonte dessen Verbindung von Genie und Kunst. Für Schubart war entscheidend, dass Aprile eine Arie nicht bloß ausführte, sondern durch Variation und Ausdruck immer neu erfand. Dieses Urteil passt zur idealen Vorstellung des 18. Jahrhunderts: Der große Sänger ist nicht nur Interpret des Komponisten, sondern schöpferischer Ausdeuter.

Die pädagogische Nachwirkung war nachhaltiger als die Erinnerung an einzelne Bühnenrollen. Die Solfeggi wurden in mehreren Ländern nachgedruckt, bearbeitet und in konservatorischen Zusammenhängen verwendet. Damit blieb Aprile in der Gesangsausbildung präsent, auch als die Kastratenbühne bereits historisch geworden war. Seine Methode bewahrte einen Teil jener Kunst, die sonst nur in Erinnerungen, Briefen und Librettodrucken überliefert wäre.

Werk- und Rollenverzeichnis

Das folgende Verzeichnis verbindet Werk-, Rollen-, Druck- und Zuschreibungskomplexe. Bei einem Sänger wie Giuseppe Aprile umfasst ein „Werkverzeichnis“ nicht nur eigene Kompositionen, sondern auch die historisch nachweisbaren Rollen, für die seine Kunst greifbar wird. Die Übersicht ist quellenkritisch angelegt: Sie nennt gesicherte Aufführungs- und Drucknachweise, weist aber auch auf uneinheitliche Datierungen, Varianten und Überlieferungsprobleme hin.

Ifigenia in Aulide Oper von Niccolò Jommelli; Neapel, Teatro San Carlo, Saison 1753/1754. Aprile sang dort nach Treccani erstmals am San Carlo als „ultima parte“. Die genaue Rollenbezeichnung kann in älteren Sekundärangaben variieren und ist anhand des Librettos zu prüfen.
Pompeo Magno in Armenia Oper von Francesco Saverio Garzia; Rom, Teatro Alibert delle Dame, Karneval 1754/1755. Aprile erhielt im Zusammenhang einer Romreise die Erlaubnis, dort aufzutreten.
Catone in Utica Oper von Francesco Poncini; Parma, Teatro ducale, Karneval 1755/1756. Aprile reiste im November 1755 nach Parma, wo sein Ruhm bereits gefestigt war.
Issipile Oper von Baldassare Galuppi; Parma, Karneval 1755/1756. Das Werk gehört zu den frühen Parmeser Rollen Apriles und zur Phase, in der er sich von der engen Bindung an die neapolitanische Cappella löste.
La buona figliuola Oper von Egidio Romualdo Duni; Parma, Karneval 1755/1756. Der Titel ist im Zusammenhang der frühen internationalen Karriere Apriles zu nennen.
La forza del genio o sia Il pastor guerriero Oper von Niccolò Conforto; Aranjuez, 30. Mai 1758. Aprile sang die Rolle des Leucippo und erhielt eine außerordentlich hohe Gage, was seinen frühen europäischen Marktwert belegt.
La clemenza di Tito Oper von Giuseppe Scarlatti; Venedig, Teatro San Benedetto, Karneval 1759/1760. Die venezianischen Auftritte festigten Apriles Rang als einer der führenden Sänger Italiens.
Gianguir Oper von Vincenzo Ciampi; Venedig, Teatro San Benedetto, Karneval 1759/1760. Zusammen mit Scarlattis La clemenza di Tito gehört das Werk zu Apriles venezianischer Erfolgsphase.
Didone abbandonata Oper von Niccolò Jommelli; Stuttgart, 1763. Aprile sang die Partie des Enea. Das Werk steht am Beginn seines besonders wichtigen Jommelli-Stuttgarter Rollenprofils.
La bergère illustre Oper beziehungsweise pastorales Bühnenwerk von Niccolò Jommelli; Stuttgart, 1763. Aprile sang die Rolle des Sisimo.
Il trionfo d’Amore Azione pastorale von Niccolò Jommelli; Ludwigsburg, 16. Februar 1763. Corago führt Giuseppe Aprile detto Sciroletto in der Rolle des Eupalte.
Componimento per musica per la solennità del Corpus Domini Sakraler beziehungsweise moralischer Musikzusammenhang von Giuseppe Arena; Neapel, Piazza del Pandino, 5. Juni 1765. Corago nennt Aprile neben Caffarelli und weiteren Sängern als Mitwirkenden.
Il re pastore Oper von Niccolò Piccinni; Neapel, Teatro San Carlo, 30. Mai 1765. Aprile sang dort neben der Primadonna Antonia Maria Girelli Aguilar.
Creso Oper von Antonio Sacchini; Neapel, Teatro San Carlo, 4. November 1765. Das Werk gehört zu Apriles Rückkehrphase an das San Carlo.
Romolo ed Ersilia Oper von Johann Adolf Hasse; Neapel, Teatro San Carlo, 25. Dezember 1765. Apriles Mitwirkung zeigt seine Stellung in der internationalen opera seria.
Arianna e Teseo Oper von Pasquale Cafaro; Neapel, Teatro San Carlo, 20. Januar 1766. Das Werk schließt die San-Carlo-Serie der Saison 1765/1766 ab.
La Critica Opera buffa von Niccolò Jommelli; Stuttgart beziehungsweise württembergischer Hofkontext. Das Werk gehört zu den Jommelli-Partien, die Aprile während seines zweiten Stuttgarter Aufenthalts sang.
Fetonte Oper von Niccolò Jommelli; Stuttgart beziehungsweise Ludwigsburg. Aprile sang sie im württembergischen Hofumfeld, wahrscheinlich als primo uomo.
Il cacciatore deluso Opera comica von Niccolò Jommelli, bereits 1767 in Tübingen aufgeführt und später im Stuttgarter Zusammenhang mit Aprile verbunden. Das Werk zeigt die Ausweitung seiner Tätigkeit über die reine opera seria hinaus.
Die gekrönte Eintracht / L’unione coronata Serenata von Niccolò Jommelli; Stuttgart beziehungsweise württembergischer Hofkontext. Aprile sang diese Festmusik im Umfeld der Hofrepräsentation.
La schiava liberata Dramma serio-comico von Niccolò Jommelli; Ludwigsburg, Ducal Teatro, 18. Dezember 1768. Corago nennt Aprile in der Rolle des Selim. Es war die letzte Oper, die Aprile am Stuttgarter Hof sang.
Armida abbandonata Oper von Niccolò Jommelli; Neapel, Teatro San Carlo, 30. Mai 1770. Mozart hörte Aprile in dieser Zeit und rühmte seinen Gesang.
Demofoonte Oper von Niccolò Jommelli; Neapel, Teatro San Carlo, 31. Oktober 1770. Charles Burney hörte Aprile in dieser Aufführung und gab ein differenziertes Urteil über Stimme, Intonation, Geschmack und Ausdruck.
L’Olimpiade Dramma per musica von Pasquale Cafaro nach Pietro Metastasio; Neapel, Teatro San Carlo, Saison 1772/1773. Corago führt Aprile detto Sciroletto in der Rolle des Megacle.
Medonte re d’Epiro Oper von Giuseppe Sarti; Florenz, Teatro della Pergola, Herbst 1777. Aprile sang zusammen mit Rosa Agostini; die Aufführung wurde im Zusammenhang einer gegen ihn gerichteten kritischen Pressepolemik erwähnt, aber auch gegen diese Kritik verteidigt.
Creso re di Lidia Oper von Giovanni Battista Borghi; Florenz, Teatro della Pergola, Herbst 1777. Das Werk gehört zu Apriles späterer Florentiner Karrierephase.
Caio Mario Oper von Domenico Cimarosa; Rom, Teatro Alibert, Karneval 1780. Antonio Canova hörte Aprile in diesem Werk und äußerte sich enthusiastisch über dessen Gesang.
Tito nelle Gallie Dramma per musica von Pasquale Anfossi; Rom, Teatro Alibert, Karneval 1780. Corago führt Aprile detto Sciroletto als Tito. Die Rolle gehört zu den späten, gut belegten Bühnenauftritten Apriles.
I Tindaridi Opernaufführung beziehungsweise dramma per musica im Parmeser Kontext; Corago führt Giuseppe Aprile detto Sciroletto, in der Quelle „Giuseppe Aprili“, in der Rolle des Castore. Die Rolle ist wegen der Namensvariante Aprili besonders quellenpraktisch wichtig.
The Modern Italian Method of Singing Gesangsschule mit progressiven Beispielen und 36 Solfeggi; Londoner Überlieferung, in älterer Literatur mit 1791, in der digital greifbaren Birchall-Ausgabe mit 1795 verbunden. Das Werk gehört zu Apriles wichtigster pädagogischer Nachwirkung.
Trentasei Solfeggi per soprano col basso numerato Italienische beziehungsweise neapolitanische Solfeggi-Überlieferung; in Datenbanken als Sammlung für Sopran mit beziffertem Bass genannt. Der Komplex gehört zur praktischen Ausbildungsliteratur des Belcanto.
Solfeggi for Soprano Voice with Bass Accompaniment Handschriftlicher beziehungsweise editorisch erschlossener Solfeggi-Komplex, wahrscheinlich aus dem späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert. Die Übungen sind nach Schwierigkeit geordnet und führen von einfachen melodischen Modellen zu komplexeren metrischen, tonalen und fugatoartigen Aufgaben.
Ecco il fatal momento Duettino in D-Dur, auf IMSLP unter Giuseppe Aprile geführt. Die Besetzung wird dort mit zwei Sopranstimmen, zwei Hörnern und Streichern angegeben. Das Stück belegt Aprile als Komponisten kleinerer vokaler Bühnen- oder Kammerwerke.
Six favorite Italian duos for two voices Gedruckte Sammlung von Duetten, London, S. Babb, um 1780. Treccani nennt sie als eine der wenigen zu Lebzeiten gedruckten Vokalsammlungen Apriles beziehungsweise unter seinem Namen.
Five Italian duettos for two voices Londoner Druck um 1780, mit mehreren Duetten von Giuseppe Aprile und einem Duett von Giuseppe Sarti. Der Druck gehört zur englischen Rezeption italienischer Gesangskunst.
Twelve favorite canzonets Sammlung mit Begleitung für Pianoforte oder Pedalharfe, eingerichtet von P. Seybold, Brighthelmstone, um 1785. Treccani nennt diese Sammlung im Zusammenhang der gedruckten Aprile-Rezeption im British Museum.
IX Natturni. Il Due Voci e Basso RISM-Nachweis unter Giuseppe Aprile; Handschriftenquelle mit zwei Sopranstimmen und Bass. Das Werk beziehungsweise die Sammlung gehört in die vokale Kammermusik- und Duettüberlieferung.
Arien und Duette auf Texte von Aurelio de’ Giorgi Bertola Treccani nennt zahlreiche Vokalmusiken, besonders Arien und Duette, vielfach auf Worte des Olivetaners Aurelio Bertola. Die meisten sind handschriftlich überliefert, besonders in Neapel und Brüssel.
Vokalmusik in der Biblioteca del Conservatorio San Pietro a Majella, Neapel Handschriftlicher Werkkomplex mit Arien, Duetten und weiteren vokalen Einzelstücken. Eine vollständige Erschließung verlangt Spezialkataloge des neapolitanischen Conservatorio San Pietro a Majella.
Vokalmusik im Conservatoire Royal de Bruxelles Handschriftlicher Werkkomplex mit Aprile zugeschriebenen oder unter seinem Namen überlieferten Vokalstücken. Die genaue Zuschreibung und Vollständigkeit sind quellenkundlich zu prüfen.
A select collection of the most admired songs, duetts & from operas Sammeldruck beziehungsweise Sammelüberlieferung, in der einzelne Stücke Apriles aufgenommen wurden. Der genaue Anteil Apriles ist nur anhand der konkreten Ausgabe zu bestimmen.
Pädagogisches Unterrichtswerk Kein einzelner Druck, sondern ein Wirkungskomplex: tägliche Solfeggio-Arbeit, Intonationsschulung, Ornamentik, messa di voce, Stimmumfang, Vokalbehandlung und Stilbildung. Dieses pädagogische Werk ist über Schüler, Solfeggi und spätere Nachdrucke greifbar.

Sekundärliteratur

  • Burney, Charles: The Present State of Music in France and Italy. London 1771. Zeitgenössischer Reise- und Musikbericht, wichtig für die englische Wahrnehmung italienischer Sänger und für Apriles spätere Beurteilung durch Burney.
  • Cotarelo y Mori, Emilio: Studien zur Opern- und Theatergeschichte Spaniens im 18. Jahrhundert. Wichtig für den Aranjuez-Auftritt Apriles als Leucippo in Confortos La forza del genio und die außergewöhnliche Gagenüberlieferung.
  • Fétis, François-Joseph: Biographie universelle des musiciens. Paris. Älteres musikbiographisches Standardwerk, dessen Angaben zu Aprile wegen abweichender Datierungen quellenkritisch zu behandeln sind.
  • Haböck, Franz: Die Kastraten und ihre Gesangskunst. Berlin 1927. Klassische, heute quellenkritisch zu lesende Studie zum Kastratengesang, in der Aprile im Zusammenhang der großen italienischen Sängertradition erscheint.
  • Kelly, Michael: Reminiscences of Michael Kelly of the King’s Theatre and Theatre Royal Drury Lane. London 1826. Autobiographische Quelle eines Schülers Apriles, der ihn als außerordentlichen Gesangslehrer erinnerte.
  • Monson, Dale E.: Aprile, Giuseppe. In: Grove Music Online. Oxford 2001. Moderner englischsprachiger Fachartikel zu Leben, Rollen, Stimmprofil, Pädagogik und Werküberlieferung.
  • Schubart, Christian Friedrich Daniel: Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst. Stuttgart 1839. Wichtige Quelle zur ästhetischen Einschätzung Apriles als Sänger des württembergischen Theaters.
  • Sciroli, Gregorio: Werk- und Lehrerumfeld der neapolitanischen Gesangsausbildung. Kontext für Apriles Spitznamen Scirolino und Sciroletto sowie für die private Ausbildung außerhalb des Pietà-dei-Turchini-Konservatoriums.
  • Vacca, Nicola und Silvana Simonetti: Aprile, Giuseppe, detto Scirolino o Sciroletto. In: Dizionario Biografico degli Italiani, Band 3. Rom 1961. Zentrale italienische biographische Darstellung mit korrigierten Lebensdaten, Karriereverlauf, Quellenangaben, Schülern, Rezeption und Werkhinweisen.
  • Villarosa, Carlo Antonio de Rosa: Memorie dei compositori di musica del Regno di Napoli. Neapel 1840. Ältere Quelle zur neapolitanischen Musikgeschichte, deren Angaben zu Aprile in der neueren Forschung teilweise korrigiert werden.
  • Weinstock, Herbert: Studien zu italienischer Oper und Kastratengesang des 18. Jahrhunderts. Nützlicher Kontext für Apriles Position zwischen neapolitanischer Schule, opera seria und internationaler Sängerkarriere.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Pasquale Anfossi Komponist von Tito nelle Gallie, in dem Aprile 1780 in Rom die Titelrolle sang.
  • Raffaele Aprile Bruder Giuseppe Apriles und Violinist, der im Stuttgarter Hofkontext als „Aprile junior“ greifbar wird.
  • Aranjuez Spanischer Aufführungsort von Confortos La forza del genio, in der Aprile 1758 als Leucippo glänzte.
  • Belcanto Italienische Gesangstradition, deren technische und stilistische Regeln Apriles Solfeggi exemplarisch überliefern.
  • Giovanni Battista Borghi Komponist von Creso re di Lidia, einem Werk aus Apriles später Florentiner Karrierephase.
  • Charles Burney Englischer Musikschriftsteller, der Aprile 1770 in Neapel hörte und differenziert über dessen Stimme und Geschmack urteilte.
  • Caffarelli Berühmter neapolitanischer Kastrat, dessen Platz als erster Sopran der Cappella Regia Aprile 1783 übernahm.
  • Pasquale Cafaro Neapolitanischer Komponist, dessen L’Olimpiade Aprile 1772/1773 am San Carlo sang.
  • Antonio Canova Bildhauer, der Aprile 1780 in Rom hörte und zu den begeisterten Zeugen seiner späten Sängerwirkung gehört.
  • Cappella Regia di Napoli Höfisch-kirchliche Institution, in der Aprile 1752 als Sopranist aufgenommen und 1783 wieder als erster Sopran beschäftigt wurde.
  • Domenico Cimarosa Komponist und Schüler Apriles, dessen Caio Mario Aprile 1780 in Rom sang.
  • Vincenzo Ciampi Komponist von Gianguir, einem Werk aus Apriles venezianischer Erfolgszeit.
  • Niccolò Conforto Komponist von La forza del genio o sia Il pastor guerriero, in der Aprile 1758 in Aranjuez als Leucippo auftrat.
  • Da-capo-Arie Zentrale Arienform der opera seria, deren Wiederholung durch Sänger wie Aprile ornamental und expressiv ausgeschmückt wurde.
  • Farinelli Berühmtester Kastrat des 18. Jahrhunderts und wichtiger Vergleichspunkt für die spätere Kastratengeneration Apriles.
  • Florenz Wichtiger späterer Wirkungsort Apriles, besonders im Zusammenhang mit Sarti und Borghi am Teatro della Pergola.
  • Baldassare Galuppi Komponist, dessen Werke Aprile in der frühen Karrierephase sang.
  • Manuel García Name einer bedeutenden Sängerfamilie; ältere Quellen nennen Manuel García im Schülerumfeld Apriles, wobei die genaue Zuordnung zu prüfen ist.
  • Gesangslehre Theoretisch-praktischer Bereich, in dem Apriles Solfeggi und methodische Anweisungen zentral stehen.
  • Gesangspädagogik Unterrichtstradition, durch die Aprile nach dem Rückzug von der Bühne weiterwirkte.
  • Johann Adolf Hasse Komponist von Romolo ed Ersilia, das Aprile 1765 am Teatro San Carlo sang.
  • Niccolò Jommelli Wichtigster Komponistenbezug Apriles und zentrale Figur seiner Stuttgarter und neapolitanischen Rollenkarriere.
  • Kastrat Historisches Stimm- und Sängerphänomen der Opern- und Kirchenmusik, dem Aprile als Kastratensopran angehörte.
  • Kastratengesang Gesangskultur des 17. und 18. Jahrhunderts, deren späte technische und ästhetische Blüte Aprile verkörpert.
  • Michael Kelly Irischer Sänger und Schüler Apriles, der dessen Unterricht in seinen Erinnerungen würdigte.
  • Koloratur Virtuose Verzierungstechnik des Gesangs, die in Apriles Solfeggi systematisch geübt wird.
  • Ludwigsburg Württembergischer Aufführungsort mehrerer Jommelli-Werke mit Aprile.
  • Martina Franca Geburts- und Sterbeort Giuseppe Apriles und späterer Ort seiner lokalen Wirkung.
  • Messa di voce Zentrale Belcanto-Technik, die in Apriles methodischer Gesangsauffassung eine wichtige Rolle spielt.
  • Pietro Metastasio Librettist vieler opera-seria-Stoffe, darunter L’Olimpiade, in der Aprile die Rolle des Megacle sang.
  • Wolfgang Amadeus Mozart Komponist, der Aprile 1770 hörte und dessen Stimme in Briefen positiv erwähnte.
  • Neapel Ausbildungs-, Kapell-, Theater- und Lehrort Apriles sowie Zentrum der italienischen Gesangsschule.
  • Opera seria Hauptgattung von Apriles Bühnenkarriere und historischer Rahmen des Kastratensoprans als primo uomo.
  • Ornamentik Verzierungskunst, die Aprile als Sänger und Lehrer stilistisch kontrolliert vermittelte.
  • Parma Früher wichtiger Auftrittsort Apriles in der Saison 1755/1756.
  • Niccolò Piccinni Komponist von Il re pastore, das Aprile 1765 am Teatro San Carlo sang.
  • Primo uomo Führende männliche beziehungsweise kastratische Hauptpartie der opera seria, die Aprile in vielen Produktionen verkörperte.
  • Rom Wichtiger Wirkungsort Apriles von den frühen Auftritten bis zu den späten Rollen in Caio Mario und Tito nelle Gallie.
  • Antonio Sacchini Komponist von Creso, in dem Aprile 1765 am Teatro San Carlo sang.
  • Teatro San Carlo Neapolitanisches Opernhaus, an dem Aprile früh debütierte und später wichtige Rollen sang.
  • Giuseppe Sarti Komponist von Medonte re d’Epiro, einem Florentiner Werk aus Apriles späterer Laufbahn.
  • Christian Friedrich Daniel Schubart Dichter und Musikschriftsteller, der Aprile als einen der vollkommensten Sänger seiner Zeit beschrieb.
  • Gregorio Sciroli Neapolitanischer Gesangslehrer Apriles, von dessen Namen die Spitznamen Scirolino und Sciroletto abgeleitet sind.
  • Giuseppe Scarlatti Komponist von La clemenza di Tito, das Aprile 1759/1760 in Venedig sang.
  • Solfeggio Gesangs- und Gehörübungsform, durch die Apriles pädagogische Methode bis in spätere Konservatoriumstraditionen weiterwirkte.
  • Sopranist Männlicher Sänger in Sopranlage; historisch bei Aprile als Kastratensopran zu verstehen.
  • Stuttgart Württembergischer Hofort, an dem Aprile unter Jommelli eine zentrale Karrierephase erlebte.
  • Tarent Apulischer Bezugsraum von Apriles Geburtsstadt Martina Franca.
  • Teatro Alibert Römisches Theater, an dem Aprile unter anderem 1780 in Caio Mario und Tito nelle Gallie auftrat.
  • Teatro San Benedetto Venezianisches Theater, an dem Aprile 1759/1760 mit großem Erfolg sang.
  • Venedig Wichtiger Stationenort Apriles, besonders in der Saison 1759/1760 am Teatro San Benedetto.