Annaberger Chorbücher
Überblick
Die Annaberger Chorbücher sind zwei bedeutende großformatige Papiercodices mit mehrstimmiger Kirchenmusik aus dem frühen 16. Jahrhundert. Sie gehören zu den wichtigsten Quellen für die Kirchenmusik im obersächsischen Raum um 1500 und geben Einblick in eine musikalische Praxis, die zwischen spätmittelalterlicher Liturgie, früher Renaissancepolyphonie, fürstlicher Hofmusik, städtischer Kirchenmusik und beginnender Reformationszeit steht.
Die beiden erhaltenen Bände lagen bis 1968 in der Kirchenbibliothek der St. Annenkirche in Annaberg. Heute befinden sie sich in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Ihre heutigen Signaturen lauten Mus.1-D-505 und Mus.1-D-506. Die älteren Annaberger Signaturen waren Ms. 1248 und Ms. 1126. Sie werden häufig als Annaberger Chorbuch I und Annaberger Chorbuch II bezeichnet.
Der Bestand ist nur der Rest eines größeren Annaberger Chorbuchkomplexes. Die Forschung nimmt an, dass zur St. Annenkirche ursprünglich mindestens sieben Bände gehörten. Fünf Pergamentcodices sind verschollen, während die beiden erhaltenen Papierhandschriften die wichtigste greifbare Spur dieses Repertoires bilden. Dadurch besitzen die Annaberger Chorbücher nicht nur musikalischen, sondern auch quellen- und bibliotheksgeschichtlichen Rang.
Das Repertoire besteht überwiegend aus lateinischer mehrstimmiger Kirchenmusik. Es umfasst Messen, einzelne Messsätze, Messproprien, Magnificat-Vertonungen, Motetten, Hymnen, Introitus- und Propriumsteile, Psalmen, Passionselemente und wenige Sonderstücke. Komponistennamen wie Heinrich Isaac, Josquin Desprez, Antoine Brumel, Loyset Compère, Alexander Agricola, Jacob Obrecht und weitere Vertreter der franko-flämischen und mitteleuropäischen Polyphonie zeigen, dass Annaberg Zugriff auf ein hochrangiges internationales Repertoire besaß.
Kurzdaten
| Lemma | Annaberger Chorbücher. |
|---|---|
| Quellentyp | Zwei großformatige Papiercodices, Sammelhandschriften und Chorbücher mit mehrstimmiger Kirchenmusik. |
| Entstehungszeit | Frühes 16. Jahrhundert, meist um 1520 beziehungsweise im Bereich 1510–1530 angesetzt. |
| Möglicher Entstehungsraum | Nach heutiger Forschung wahrscheinlich Wittenberg oder Umgebung beziehungsweise der ernestinisch-sächsische Musikraum; späterer Gebrauch in Annaberg. |
| Historischer Standort | Kirchenbibliothek der St. Annenkirche in Annaberg, heute Annaberg-Buchholz. |
| Heutiger Standort | Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Musikabteilung. |
| Signaturen | D-Dl Mus.1-D-505, vormals Annaberg Ms. 1248; D-Dl Mus.1-D-506, vormals Annaberg Ms. 1126. |
| Format | Großfolio; bei Mus.1-D-505 ungefähr 394 bis 400 × 280 bis 285 mm, bei Mus.1-D-506 ungefähr 408 × 289 mm. |
| Material | Papier; beide Codices sind Gebrauchshandschriften, keine bloßen Schaumanuskripte. |
| Notation | Schwarze weiße Mensuralnotation beziehungsweise mensurale Mehrstimmigkeitsnotation des frühen 16. Jahrhunderts. |
| Umfang | Mus.1-D-505: 628 Seiten im RISM-/MGG-Kontext; Mus.1-D-506: 522 Seiten im RISM-/MGG-Kontext. |
| Digitaltitel | Mus.1-D-505 wird in den Digitalen Sammlungen der SLUB als 167 Sacred songs geführt; Mus.1-D-506 als 150 Sacred songs. |
| Gattungen | Messen, Kyrie, Gloria, Credo, Agnus Dei, Messproprium, Magnificat, Te Deum, Psalmen, Hymnen, Passion, Motetten, Introitus, Responsorien, einzelne deutsche geistliche Stücke und textlose Stücke. |
| Komponisten | Unter anderem Alexander Agricola, Antoine Brumel, Loyset Compère, Adam von Fulda, Heinrich Finck, Heinrich Isaac, Josquin Desprez, Jacob Obrecht, Pierre de la Rue, Johannes Martini, Thomas Stoltzer sowie zahlreiche anonyme Stücke. |
| Historische Bedeutung | Die Chorbücher dokumentieren die spätvorreformatorische und frühneuzeitliche Pflege lateinischer Mehrstimmigkeit im obersächsischen Kirchenraum und bewahren einen wichtigen Teil des Repertoires um 1500. |
| Erschließung | Erfasst durch RISM, digitalisiert in den Digitalen Sammlungen der SLUB Dresden, quellenkundlich beschrieben durch DIAMM und editorisch bearbeitet in der Reihe Das Erbe deutscher Musik. |
Begriff, Quellenlage und Benennung
Der Ausdruck Annaberger Chorbücher bezeichnet im engeren Sinn die beiden erhaltenen großformatigen Handschriften Mus.1-D-505 und Mus.1-D-506. Im weiteren Sinn verweist er auf einen größeren historischen Bestand der St. Annenkirche, der nach der Forschung mindestens sieben Chorbücher umfasst haben dürfte. Da fünf Pergamentcodices verschollen sind, ist der erhaltene Bestand nur ein Ausschnitt. Gerade diese Lücken machen die beiden Papiercodices besonders wertvoll.
Die Benennung nach Annaberg ist eine Standort- und Gebrauchsbennenung. Sie bedeutet nicht zwingend, dass die Handschriften in Annaberg geschrieben wurden. Die neuere Forschung rechnet eher mit einer Entstehung im ernestinisch-sächsischen Musikraum, wahrscheinlich in Wittenberg oder dessen Umfeld, und mit einer späteren Überführung nach Annaberg. Die ältere Vorstellung, die Chorbücher seien eigens zur Weihe der St. Annenkirche 1519 geschaffen worden, ist daher zu vorsichtig zu behandeln.
Die Quellenlage ist durch moderne Erschließung vergleichsweise günstig. RISM bietet detaillierte Quellen- und Stücknachweise; die SLUB Dresden stellt Digitalisate bereit; DIAMM ergänzt quellenkundliche und codicologische Angaben; die Reihe Das Erbe deutscher Musik bietet kritische Editionen. Dennoch bleibt das Repertoire in Teilen forschungsbedürftig, weil zahlreiche Stücke anonym sind oder nur unsicher zugeschrieben werden können.
St. Annenkirche, Annaberg und vorreformatorischer Kontext
Die St. Annenkirche zu Annaberg gehört zu den bedeutendsten spätgotischen Kirchenbauten Sachsens. Ihr Bau begann 1499; 1519 wurde sie geweiht. Die Entstehung der Kirche steht im Zusammenhang mit dem Silberbergbau des Erzgebirges, dem raschen Wachstum der Stadt Annaberg und der landesherrlichen Förderung durch Herzog Georg von Sachsen. Architektur, Ausstattung, Altäre und liturgische Ordnung machten die Kirche zu einem repräsentativen religiösen Zentrum des albertinischen Sachsen.
Die Chorbücher sind in diesen sakralen und städtischen Kontext einzuordnen. Eine große Kirche mit reicher Ausstattung benötigte auch eine anspruchsvolle musikalische Praxis. Mehrstimmige lateinische Kirchenmusik konnte Festtage, Messfeiern, Marien- und Heiligenfeste, Prozessionen und städtisch-kirchliche Repräsentation musikalisch auszeichnen. Die Handschriften sind daher nicht nur Notenquellen, sondern Zeugnisse einer institutionell getragenen Klangkultur.
Vor 1539 gehörte Annaberg zum albertinischen Sachsen, in dem die lutherische Reformation später eingeführt wurde als in ernestinischen Gebieten. Das ist für die Chorbücher entscheidend. Ihr Repertoire ist noch deutlich katholisch geprägt, konnte aber in veränderter Form auch nach der Reformation als musikalischer Bestand weiterwirken. Die Chorbücher stehen damit an einer Schwelle: Sie bewahren vorreformatorisches Repertoire, wurden aber in einer Region aufbewahrt, die später lutherisch wurde.
Provenienz, Wittenberg-Hypothese und Weg nach Dresden
Die heutige Forschung verbindet die Annaberger Chorbücher nicht einfach mit einer Annaberger Schreiberwerkstatt. Wahrscheinlicher ist, dass sie in Wittenberg oder im weiteren ernestinischen Umfeld entstanden. Dafür sprechen Repertoire, Datierung, katholisch-lateinischer Inhalt und der Bezug zur sächsischen Hofmusik um 1500. Die Chorbücher könnten in einem größeren Quellenpool gestanden haben, der durch die Reformation in ernestinischen Gebieten teilweise funktionslos wurde und dann nach Annaberg gelangte, wo katholisch geprägte Mehrstimmigkeit noch länger verwendbar war.
Die Provenienz ist nicht nur eine Ortsfrage. Sie betrifft die kulturgeschichtliche Bedeutung der Handschriften. Wenn die Chorbücher aus dem ernestinisch-wittenbergischen Umfeld stammen, dokumentieren sie nicht nur Annaberger Kirchenmusik, sondern auch den Transfer höfischer oder hochrangiger liturgischer Musik in eine städtische Pfarr- beziehungsweise Stadtkirche. Sie wären dann Zeugnisse der Bewegung von Repertoire zwischen Hof, Stadt, Kirche und Bibliothek.
Bis 1968 befanden sich die beiden erhaltenen Codices in der Kirchenbibliothek St. Annen. Danach gelangten sie in die Sächsische Landesbibliothek Dresden. Dieser Standortwechsel war für Erhaltung, wissenschaftliche Erschließung und spätere Digitalisierung entscheidend. Die heutigen Digitalisate machen die Quellen weltweit zugänglich, ohne den physischen Bestand weiter zu belasten.
Die beiden Codices im Vergleich
Die beiden Annaberger Chorbücher sind eng verwandt, aber nicht identisch. Beide sind Sammelhandschriften für mehrstimmige Kirchenmusik; beide verwenden großformatige Anlage, damit mehrere Sänger aus einem gemeinsamen Buch musizieren konnten; beide enthalten überwiegend lateinische liturgische Musik. Unterschiede bestehen im Umfang, in der Zusammensetzung, in der Zahl der Stücke, in den erhaltenen beziehungsweise verlorenen Blättern und in der Gewichtung einzelner Gattungen.
| Annaberger Chorbuch I | Heutige Signatur D-Dl Mus.1-D-505, frühere Annaberger Signatur Ms. 1248. Der Codex umfasst nach RISM/MGG 628 Seiten beziehungsweise nach DIAMM 315 Papierfolien mit moderner Paginierung. Der Digitaltitel der SLUB lautet 167 Sacred songs. DIAMM zählt 202 Kompositionen beziehungsweise nach älterer Census-Gliederung 166 Einheiten; die Differenz erklärt sich aus Zählweise, mehrteiligen Stücken und quellenkundlicher Erfassung. Enthalten sind unter anderem Messen, Messproprien, Magnificat, Hymnen, Motetten, Passion und einzelne Sonderstücke. |
|---|---|
| Annaberger Chorbuch II | Heutige Signatur D-Dl Mus.1-D-506, frühere Annaberger Signatur Ms. 1126. Der Codex umfasst nach RISM/MGG 522 Seiten; der Digitaltitel der SLUB lautet 150 Sacred songs. DIAMM nennt 171 Kompositionen, davon einen kleineren Teil mit namentlicher Zuschreibung und einen großen anonymen Bestand. Auch hier dominieren lateinische liturgische und geistliche Mehrstimmigkeit, besonders Mess- und Propriumszusammenhänge, Motetten und hymnische beziehungsweise liturgische Stücke. |
| Gemeinsame Funktion | Beide Handschriften waren Gebrauchsbücher für figuralen Kirchengesang, nicht bloße bibliophile Schaustücke. Ihr großes Format ermöglichte das Singen aus einem gemeinsamen Buch und verweist auf eine institutionalisierte Chorpraxis. |
| Gemeinsame Datierung | Beide Codices gehören in das frühe 16. Jahrhundert. Für Mus.1-D-505 werden in der Forschung Bereiche wie 1510–1530 beziehungsweise um 1520/1530 diskutiert; für Mus.1-D-506 wird ebenfalls das frühe 16. Jahrhundert, häufig um 1530, genannt. |
| Gemeinsame Bedeutung | Beide Codices bilden zusammen einen der wichtigsten erhaltenen sächsischen Quellenkomplexe für lateinische mehrstimmige Kirchenmusik im Übergang von Spätmittelalter, Renaissance und Reformation. |
Material, Format, Einband und Notation
Die Annaberger Chorbücher sind Papierhandschriften im Großfolioformat. Diese physische Gestalt ist funktional. Chorbücher wurden so angelegt, dass mehrere Sängerinnen oder, im kirchlichen Kontext der Zeit, Sänger aus einem Buch lesen konnten. Die Stimmen stehen auf gegenüberliegenden oder verteilten Seitenflächen; das Buch lag oder stand in einer Position, die gemeinsames Musizieren erlaubte. Die Materialität gehört also direkt zur Aufführungspraxis.
Mus.1-D-505 besitzt einen Einband aus braunem Leder über Holzdeckeln mit Metallbeschlägen, Buckeln und Schließen; der Band wurde später neu gebunden und restauriert. DIAMM weist auf fehlende Blätter hin, unter anderem nach mehreren Seitenpositionen. Solche Verluste sind für die Rekonstruktion des Repertoires wichtig, weil sie einzelne Stücke beschädigen oder Lücken im liturgischen Ablauf erzeugen können.
Die Notation ist schwarze weiße Mensuralnotation. Sie steht in der Tradition spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Mehrstimmigkeit. Für heutige Leserinnen und Leser ist sie ohne Spezialkenntnisse schwer zugänglich, weil sie andere Notenwerte, Mensurzeichen, Proportionen, Ligaturen und Stimmorganisation verwendet als moderne Partituren. Die kritischen Editionen leisten daher eine doppelte Arbeit: Sie übertragen die Musik in moderne Notation und bewahren zugleich die quellenkritische Information über Lesarten, Zuschreibungen und Lücken.
Repertoire, Gattungen und liturgische Funktion
Das Repertoire der Annaberger Chorbücher ist überwiegend lateinisch und geistlich. Es gehört in die liturgische Praxis vor und um die Reformation. Der Schwerpunkt liegt nicht auf weltlicher Musik, sondern auf mehrstimmiger Gestaltung des Gottesdienstes. Besonders wichtig sind Messen, einzelne Messsätze, Propriumsteile, Motetten, Magnificat-Vertonungen, Hymnen, Introitus-Stücke und andere liturgische oder paraliturgische Gesänge.
Die Messen und Messsätze zeigen den Rang des Ordinarium missae. Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei konnten vollständig oder teilweise mehrstimmig ausgeführt werden. Einzelne isolierte Messsätze belegen, dass nicht jedes Stück Teil einer vollständigen Messvertonung sein musste; liturgische Praxis und Handschriftenüberlieferung konnten selektiv sein.
Das Messproprium ist besonders wichtig, weil es auf konkrete Festtage und liturgische Anlässe verweist. Propriumsteile wie Introitus, Graduale, Alleluia, Offertorium oder Communio ändern sich nach Kirchenjahr und Heiligenkalender. Wenn ein Chorbuch viele Propriumsteile enthält, sagt es daher viel über Festkultur, lokale oder regionale Liturgie, Marien- und Heiligenverehrung und die musikalische Ausstattung besonderer Tage aus.
Die Motetten öffnen den Blick auf ein flexibleres geistliches Repertoire. Sie konnten im Gottesdienst, bei Prozessionen, Andachten oder besonderen Feierlichkeiten verwendet werden. Gerade Motetten waren wichtige Träger internationaler polyphoner Kunst. Die Annaberger Chorbücher zeigen deshalb, dass der obersächsische Kirchenraum nicht isoliert war, sondern europäisches Repertoire rezipierte.
Komponisten, Anonyma und Zuschreibungen
Ein großer Teil der Stücke ist anonym. Das ist für Chorbücher des frühen 16. Jahrhunderts nicht ungewöhnlich. Die liturgische Funktion war oft wichtiger als der moderne Autorenbegriff. Dennoch sind zahlreiche Stücke Komponisten zugeordnet oder in der Forschung mit Komponistennamen verbunden. Dazu gehören franko-flämische und mitteleuropäische Meister, deren Werke um 1500 in ganz Europa verbreitet waren.
Zu den wichtigsten Namen im Umfeld von Mus.1-D-505 gehören Alexander Agricola, Antoine Brumel, Loyset Compère, Adam von Fulda, Heinrich Finck, Heinrich Isaac, Josquin Desprez, Johannes Martini, Jacob Obrecht, Pierre de la Rue, Thomas Stoltzer und weitere. Die Zuschreibungen sind nicht überall gleich sicher. In quellenkritischen Verzeichnissen begegnen Fragezeichen, Doppelzuschreibungen und Alternativnamen, etwa bei Stücken, die zwischen Josquin, Compère, Obrecht, Isaac, Ninot le Petit, La Rue oder anderen kursierten.
Die anonyme Überlieferung ist nicht minder wertvoll. Gerade sie macht die Chorbücher zu Forschungsquellen. Anonyme Stücke können lokal, regional, hofnah oder aus heute verlorenen Traditionszusammenhängen stammen. Die Identifikation solcher Stücke durch Konkordanzen, stilistische Analyse, Textvergleich und digitale Quellenarbeit bleibt eine wichtige Aufgabe der Musikwissenschaft.
Reformation, katholischer Bestand und lutherische Gebrauchsgeschichte
Die Annaberger Chorbücher sind katholisch geprägt, aber ihre Geschichte führt in die Reformationszeit. Dieser Befund ist nicht widersprüchlich. Die Reformation beseitigte nicht sofort alle älteren musikalischen Bestände. Viele lateinische Gesänge blieben in lutherischen Zusammenhängen verwendbar, besonders wenn sie biblische, liturgische oder festliche Funktionen erfüllten. In manchen Regionen blieb lateinische Figuralmusik sogar ein wichtiger Teil der Schul- und Kirchenpraxis.
Für Annaberg ist die Einführung der lutherischen Reformation in den albertinischen Gebieten Sachsens 1539 der zentrale Einschnitt. Die Chorbücher waren wahrscheinlich bereits vor diesem Datum vorhanden oder gelangten um diese Zeit in den kirchlichen Bestand. Ihre weitere Aufbewahrung zeigt, dass solche Handschriften nicht einfach vernichtet wurden, sondern als musikalisches Kapital erhalten blieben.
Die Chorbücher dokumentieren daher keinen scharfen Bruch, sondern eine Übergangskultur. Vorreformatorische Polyphonie, lutherische Kirchenordnung, städtische Kantoreipraxis und sächsische Bildungs- und Schultradition konnten ineinandergreifen. Gerade diese Zwischenstellung macht die Annaberger Chorbücher für die Geschichte der Musik im Reformationszeitalter besonders ergiebig.
Erschließung, Digitalisierung und Edition
Die wissenschaftliche Erschließung der Annaberger Chorbücher begann nicht erst mit der Digitalisierung. Bereits Heinz Funcks Arbeit über die Chorbücher der St. Annenkirche stellte einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der Pflege mehrstimmiger Musik in deutschen Stadtkirchen um 1500 dar. Später wurden die Quellen durch Ortrun Landmann, Andrea Hartmann, die RISM-Arbeitsgruppe Dresden und weitere Fachleute katalogisiert und in internationale Quellenverzeichnisse integriert.
Die Digitalisierung der beiden Bände durch die SLUB Dresden machte die Handschriften 2016 online zugänglich. Damit wurde ein Quellenkomplex, der zuvor nur unter konservatorisch und institutionell begrenzten Bedingungen konsultiert werden konnte, für Forschung, Lehre, Edition, Aufführungspraxis und interessierte Öffentlichkeit sichtbar. Die Digitalisate sind besonders wichtig, weil sie den materiellen Befund, die Notation, Lücken, Einband- und Seitenstruktur nachvollziehbar machen.
Die kritische Edition in der Reihe Das Erbe deutscher Musik erschließt das Repertoire auf einer weiteren Ebene. Mus.1-D-505 wurde in der Reihe als Annaberger Chorbuch I ediert; Mus.1-D-506 erschien als Annaberger Chorbuch II in zwei Teilen. Eine Edition ersetzt das Original nicht, sondern ergänzt es. Sie macht Musik aufführbar und analysierbar, während das Digitalisat die Handschriftlichkeit, den Quellenzustand und die paläographische Information sichtbar hält.
Kulturgeschichtlicher Überblick
Die Annaberger Chorbücher sind ein herausragendes Beispiel dafür, wie Musikgeschichte, Stadtgeschichte, Kirchenbau, Bergbauökonomie, Reformation und Quellenüberlieferung zusammenhängen. Annaberg entstand durch den Silberbergbau im Erzgebirge und entwickelte sich rasch zu einem wirtschaftlich und religiös bedeutenden Ort. Die St. Annenkirche war Ausdruck dieses Aufstiegs. Ihre Architektur und Ausstattung zeigten, dass eine neue Bergstadt kulturellen Rang beanspruchte. Die Chorbücher belegen, dass zu diesem Rang auch anspruchsvolle Musik gehörte.
Das Repertoire zeigt die Internationalität der Kirchenmusik um 1500. Die Namen Isaac, Josquin, Obrecht, Brumel, Compère und Agricola führen weit über Annaberg hinaus. Sie verweisen auf ein europäisches Netz von Höfen, Kirchen, Kapellen, Schreibern, Sängern und Handschriften. Musik wanderte durch Abschrift, Austausch, Hofkontakte und kirchliche Institutionen. Dass solche Werke in Annaberg greifbar wurden, zeigt die kulturelle Anschlussfähigkeit obersächsischer Städte.
Die Chorbücher sind zugleich Zeugnisse einer noch nicht modern getrennten Welt. Liturgie, Kunst, Politik und Stadtidentität waren eng verbunden. Eine mehrstimmige Messe war nicht nur Klangschmuck, sondern Teil sakraler Ordnung. Ein Propriumsgesang konnte einen Festtag, eine Reliquienverehrung oder eine lokale Frömmigkeitsform musikalisch auszeichnen. Ein großformatiges Chorbuch war nicht bloß ein Behälter für Noten, sondern ein Werkzeug gemeinsamer liturgischer Handlung.
Die Reformation verändert diesen Zusammenhang, hebt ihn aber nicht sofort auf. Die Annaberger Chorbücher zeigen, wie viel vorreformatorisches musikalisches Material in lutherischen oder nachreformatorischen Kontexten weiter bestehen konnte. Sie widersprechen damit vereinfachten Erzählungen eines radikalen musikalischen Neuanfangs. In Sachsen existierten Kontinuität, Anpassung und Bruch nebeneinander.
Schließlich machen die Chorbücher die Bedeutung von Bibliotheken und Archiven sichtbar. Hätten die beiden Papiercodices nicht bis 1968 in St. Annen überdauert und wären sie nicht in Dresden erschlossen, restauriert, katalogisiert und digitalisiert worden, wäre ein ganzer Ausschnitt sächsischer Musikgeschichte schwerer zu erkennen. Ihre heutige Bedeutung ist daher auch eine Geschichte der Bewahrung: kirchliche Aufbewahrung, bibliothekarische Sicherung, wissenschaftliche Erschließung und digitale Zugänglichkeit bilden zusammen den Weg vom Gebrauchsbuch zur Kulturquelle.
Quellen- und Repertoireverzeichnis
Die folgende Übersicht ersetzt nicht die vollständigen Einzelkataloge von RISM, SLUB und DIAMM, sondern fasst das vollständige quellenkundliche Profil der beiden erhaltenen Annaberger Chorbücher nach Codex, Repertoiregruppen, Komponisten- und Editionslage zusammen. Für einzelne Stücktitel, Seitenpositionen, Stimmenangaben und Konkordanzen sind die Digitalisate und RISM-Datensätze maßgeblich.
Annaberger Chorbuch I: D-Dl Mus.1-D-505, olim Annaberg Ms. 1248
- Heutiger Standort: Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Musikabteilung.
- Historischer Standort: Kirchenbibliothek St. Annen, Annaberg.
- Ältere Signatur: Annaberg Ms. 1248.
- Heutige Signatur: Mus.1-D-505.
- Digitaltitel: 167 Sacred songs - Mus.1-D-505.
- Umfang: 628 Seiten nach RISM/MGG; DIAMM beschreibt 315 Papierfolien mit moderner Paginierung und weist verlorene Blätter aus.
- Format: Großfolio, ungefähr 394 bis 400 × 280 bis 285 mm.
- Material: Papier.
- Einband: Braunes Leder über Holzdeckeln, mit Metallbeschlägen, Buckeln und Schließen; später neu gebunden und restauriert.
- Notation: Schwarze weiße Mensuralnotation.
- Datierung: Frühes 16. Jahrhundert, in der Forschung ungefähr 1510–1530 beziehungsweise um 1520/1530 angesetzt.
- Provenienz: Wahrscheinlich in Wittenberg oder Umgebung geschrieben, später nach Annaberg gelangt und in St. Annen verwendet; 1968 nach Dresden.
- Repertoiregruppen: Acht Messen, einzelne Kyrie-, Gloria-, Credo- und Agnus-Dei-Sätze, zahlreiche Messpropriumsteile, Magnificat-Vertonungen, Te-Deum-Vertonungen, Psalmen, Hymnen, Passion, Motetten, ein deutsches geistliches Stück und einzelne textlose Stücke.
- Komponisten und Zuschreibungen: Unter anderem Adam von Fulda, Alexander Agricola, Antoine Brumel, Loyset Compère, Heinrich Finck, Heinrich Isaac, Josquin Desprez, Johannes Martini, Jacob Obrecht, Pierre de la Rue, Thomas Stoltzer und weitere. Zahlreiche Stücke sind anonym oder unsicher zugeschrieben.
- Forschungsproblem: Die hohe Zahl an Anonyma und unsicheren Zuschreibungen macht Konkordanzsuche, Stilanalyse und digitale Quellenarbeit besonders wichtig.
- Edition: Annaberger Chorbuch I, Sächsische Landesbibliothek Mus.1-D-505, in der Reihe Das Erbe deutscher Musik, unter anderem Band 72 und Band 73.
Annaberger Chorbuch II: D-Dl Mus.1-D-506, olim Annaberg Ms. 1126
- Heutiger Standort: Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Musikabteilung.
- Historischer Standort: Kirchenbibliothek St. Annen, Annaberg.
- Ältere Signatur: Annaberg Ms. 1126.
- Heutige Signatur: Mus.1-D-506.
- Digitaltitel: 150 Sacred songs - Mus.1-D-506.
- Umfang: 522 Seiten nach RISM/MGG; DIAMM beschreibt den Codex als Papierhandschrift mit moderner Paginierung.
- Format: Großfolio, ungefähr 408 × 289 mm.
- Material: Papier.
- Notation: Schwarze weiße Mensuralnotation.
- Datierung: Frühes 16. Jahrhundert, häufig um 1530 angesetzt.
- Provenienz: Wahrscheinlich im ernestinisch-sächsischen beziehungsweise Wittenberger Umfeld entstanden, später nach Annaberg gelangt und bis 1968 in St. Annen aufbewahrt.
- Repertoiregruppen: Lateinische mehrstimmige Kirchenmusik, darunter Mess- und Propriumsteile, Motetten, Hymnen, Introitus- und weitere liturgische Stücke.
- Komponisten und Zuschreibungen: DIAMM beschreibt 171 Kompositionen, darunter 20 Stücke von acht Komponisten und 151 anonyme Stücke. Diese Zahlen zeigen den besonders hohen Anteil an anonymem Repertoire.
- Forschungsproblem: Der Codex ist für die Identifikation anonymer Kirchenmusik und für die Rekonstruktion sächsischer Liturgie- und Kantoreipraxis besonders wichtig.
- Edition: Annaberger Chorbuch II, Sächsische Landesbibliothek Mus.1-D-506, in der Reihe Das Erbe deutscher Musik, Bände 113 und 114, herausgegeben von Jürgen Kindermann.
Repertoiregruppen des Gesamtbestandes
- Messen: Mehrstimmige Ordinariumsvertonungen, teils vollständig, teils als Einzelteile oder aus größeren Zusammenhängen überliefert.
- Kyrie: Einzelne Kyrie-Sätze als Teil der Messliturgie und als selbständig verwendbare liturgische Einheiten.
- Gloria: Mehrstimmige Gloria-Sätze, teilweise als Einzelstücke innerhalb des Codexgebrauchs.
- Credo: Mehrstimmige Glaubensbekenntnisvertonungen, wegen Textlänge und liturgischer Stellung besonders anspruchsvoll.
- Agnus Dei: Einzelne oder messbezogene Agnus-Dei-Sätze, auch in Zusammenhang mit bekannten Messmodellen.
- Messproprium: Zahlreiche Propriumsteile für wechselnde Feste, darunter Introitus- und weitere liturgische Stücke.
- Magnificat: Mehrstimmige Vertonungen des Canticum Mariae, liturgisch vor allem für Vesper und Marienfrömmigkeit wichtig.
- Te Deum: Feierliche Lobgesänge mit besonderer Fest- und Dankfunktion.
- Psalmen: Einzelne Psalmvertonungen im lateinischen liturgischen Kontext.
- Hymnen: Strophische liturgische Gesänge, oft an Tageszeiten, Feste oder Heiligenfeiern gebunden.
- Passion: Passionselemente beziehungsweise mehrstimmige Stücke im Zusammenhang der Karwochen- und Passionsliturgie.
- Motetten: Freiere lateinische geistliche Vokalstücke, teils von international verbreiteten Komponisten, teils anonym.
- Deutsche geistliche Stücke: Nur vereinzelt vertreten; sie markieren die Nähe zur späteren lutherischen Kirchenlied- und Kantoreipraxis, ohne das lateinische Grundprofil des Bestandes aufzuheben.
- Textlose Stücke: Einzelne Stücke ohne erhaltenen Text oder mit unklarer Textzuordnung, quellenkundlich besonders erklärungsbedürftig.
Namentlich wichtige Komponisten im Umfeld der Chorbücher
- Alexander Agricola: Franko-flämischer Komponist, dessen Musik im europäischen Hof- und Kirchenrepertoire um 1500 verbreitet war.
- Adam von Fulda: Mitteldeutscher Komponist und Musiktheoretiker, für den sächsisch-mitteleuropäischen Kontext besonders wichtig.
- Antoine Brumel: Franko-flämischer Komponist, dessen mehrstimmige Mess- und Motettenkunst in der Zeit um 1500 hohes Ansehen besaß.
- Loyset Compère: Komponist franko-flämischer Herkunft, im Chorbuchkontext auch mit Zuschreibungsfragen verbunden.
- Heinrich Finck: Mitteleuropäischer Komponist, dessen Werke für den deutschen und sächsischen Raum besonders einschlägig sind.
- Heinrich Isaac: Einer der wichtigsten Komponisten der Zeit um 1500; seine Musik ist für die Verbindung von Hofmusik und liturgischem Repertoire zentral.
- Jacob Obrecht: Franko-flämischer Meister der Messkomposition, im Repertoire durch sichere und unsichere Zuschreibungen vertreten.
- Johannes Martini: Komponist des späten 15. Jahrhunderts, dessen Werk in internationalen Handschriften zirkulierte.
- Josquin Desprez: Zentralfigur der Renaissancepolyphonie; im Annaberger Kontext mit sicheren, unsicheren und alternativen Zuschreibungen relevant.
- Pierre de la Rue: Franko-flämischer Komponist, dessen Name im Umfeld von Zuschreibungen und Konkordanzen erscheint.
- Thomas Stoltzer: Komponist der frühen Reformationszeit und wichtiger Vertreter mitteleuropäischer Vokalpolyphonie.
- Anonyme Komponisten: Der zahlenmäßig größte Teil des Repertoires ist anonym; diese Anonyma sind für lokale, regionale und bislang unidentifizierte Repertoiregeschichte besonders wertvoll.
Digitale und editorische Hauptnachweise
- SLUB Digitalisat Mus.1-D-505: Onlinezugang zum vollständigen Digitalisat des ersten erhaltenen Annaberger Chorbuchs.
- SLUB Digitalisat Mus.1-D-506: Onlinezugang zum vollständigen Digitalisat des zweiten erhaltenen Annaberger Chorbuchs.
- RISM Mus.1-D-505: Internationaler Quellenkatalog mit Einzelstücken, Zuschreibungen, Titelaufnahmen und quellenkundischen Angaben.
- RISM Mus.1-D-506: Internationaler Quellenkatalog mit Einzelstücken, Zuschreibungen, Titelaufnahmen und quellenkundischen Angaben.
- DIAMM Mus.1-D-505: Codicologische und quellenkundliche Beschreibung mit Repertoiregliederung, physischen Angaben und Provenienznotizen.
- DIAMM Mus.1-D-506: Codicologische und quellenkundliche Beschreibung mit Repertoiregliederung, physischen Angaben und Provenienznotizen.
- Das Erbe deutscher Musik: Kritische Editionen von Annaberger Chorbuch I und II, mit modernem Notentext, kritischem Bericht und Verzeichnissen.
Wirkung und Forschungsgeschichte
Die Annaberger Chorbücher wurden in der Forschung zunächst vor allem als Zeugnisse städtischer Kirchenmusik um 1500 wahrgenommen. Heinz Funcks Arbeit stellte sie in den Zusammenhang mehrstimmiger Musikpflege in deutschen Stadtkirchen. Spätere Forschung korrigierte und präzisierte die Provenienz, besonders durch die Annahme einer Entstehung im ernestinischen beziehungsweise Wittenberger Umfeld.
Die Aufnahme in RISM, DIAMM und die Digitalen Sammlungen der SLUB hat die Chorbücher zu international zugänglichen Forschungsquellen gemacht. Heute lassen sie sich nicht nur als Annaberger Lokalquellen, sondern als Teil eines größeren europäischen Quellenkomplexes der Polyphonie um 1500 untersuchen. Ihre vielen anonymen Stücke sind ein Arbeitsfeld für digitale Konkordanzforschung und Repertoireidentifikation.
Die kritischen Editionen in Das Erbe deutscher Musik haben die Aufführung und Analyse erleichtert. Sie ermöglichen es Ensembles, ausgewählte Stücke aus dem Handschriftenkontext heraus wieder erklingen zu lassen. Zugleich macht die quellenkritische Arbeit deutlich, dass Edition immer Interpretation bleibt: Seitenverlust, unsichere Zuschreibungen, Notationsfragen, Stimmverteilung und liturgischer Kontext müssen jeweils neu bewertet werden.
Sekundärliteratur
- Blume, Friedrich (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Kassel u. a. Ältere lexikalische Bezugsliteratur mit Erwähnung der Annaberger Chorbücher und ihres Quellenrangs.
- Census-Catalogue of Manuscript Sources of Polyphonic Music 1400–1550. Mehrbändiges Referenzwerk zur mehrstimmigen Handschriftenüberlieferung, mit Angaben zu Mus.1-D-505 und Mus.1-D-506.
- Funck, Heinz: Die Chorbücher der St. Annenkirche zu Annaberg im Erzgebirge. Ein Beitrag zur Geschichte der Pflege mehrstimmiger Musik in deutschen Stadtkirchen um 1500. Habilitationsschrift beziehungsweise grundlegende ältere Studie zur Annaberger Quellenüberlieferung.
- Hammes, Andrea: Beiträge und RISM-/SLUB-Hinweise zur Digitalisierung der Annaberger Chorbücher. Wichtig für moderne Erschließung, Onlinezugang und quellenkundliche Beschreibung.
- Kindermann, Jürgen (Hrsg.): Annaberger Chorbuch I. Sächsische Landesbibliothek Mus.1-D-505 (Ms. 1248). Kritische Edition in der Reihe Das Erbe deutscher Musik, Bände 72 und 73.
- Kindermann, Jürgen (Hrsg.): Annaberger Chorbuch II. Sächsische Landesbibliothek Mus.1-D-506 (Ms. 1126). Kritische Edition in der Reihe Das Erbe deutscher Musik, Bände 113 und 114, Wiesbaden 2010.
- Landmann, Ortrun: Konventionelle Karteikartenerfassung der Annaberger Chorbücher, 1972. Grundlage späterer RISM-Datenbankübertragung.
- MGG Online: Annaberger Chorbücher. Fachlexikalischer Artikel mit Angaben zu St. Annenkirche, Signaturen, Umfang, Herkunft, verschollenen Bänden, Repertoire und Forschungsstand.
- RISM Arbeitsgruppe Dresden: Katalogisierungen zu D-Dl Mus.1-D-505 und D-Dl Mus.1-D-506. Maßgebliche moderne Quellenerschließung.
- Steude, Wolfram: Forschungen zur sächsischen Musiküberlieferung und zur ernestinischen Hofmusikpflege um 1500. Wichtig für die Wittenberg- beziehungsweise Ernestiner-Hypothese der Chorbuchprovenienz.
- DIAMM: Quellenbeschreibungen zu D-Dl Ms Mus.1-D-505 und D-Dl Ms Mus.1-D-506. Hilfreich für codicologische Details, Provenienz, Repertoirestatistik, Notation und physische Beschreibung.
Ausgewählte Onlinequellen
- Breitkopf & Härtel: Das Erbe deutscher Musik Verlagsseite zur Editionsreihe mit Nachweisen zu den Annaberger Chorbuch-Bänden und bibliographischen Angaben.
- Deutsches Musikgeschichtliches Archiv: Editionen des Erbe deutscher Musik Übersicht über die Editionsbände der Reihe Das Erbe deutscher Musik, darunter Annaberger Chorbuch I und II.
- DIAMM: D-Dl Ms Mus. 1/D/505, Annaberger Chorbuch I Quellenbeschreibung mit Angaben zu Datierung, Provenienz, Material, Notation, Umfang, fehlenden Blättern und Repertoirestatistik.
- DIAMM: D-Dl Ms Mus. 1/D/506, Annaberger Chorbuch II Quellenbeschreibung zum zweiten erhaltenen Annaberger Chorbuch mit Angaben zu Papier, Format, Notation, Provenienz und Repertoire.
- GEPRIS Historisch: Heinz Funck DFG-historischer Nachweis zu Heinz Funcks Arbeit über die Chorbücher der St. Annenkirche zu Annaberg im Erzgebirge.
- MGG Online: Annaberger Chorbücher Fachlexikalischer Artikel mit den Kerndaten zu St. Annenkirche, Signaturen, Umfang, Herkunft, verschollenen Bänden und Repertoire.
- RISM: Zwei Quellen, viel Futter für die Forschung Deutschsprachiger Beitrag zur Erschließung und Digitalisierung der Annaberger Chorbücher durch RISM und SLUB Dresden.
- RISM Online: D-Dl Mus.1-D-505 Internationaler Quellenkatalogeintrag zum ersten Annaberger Chorbuch mit Einzelstücknachweisen und bibliographischen Angaben.
- RISM Online: D-Dl Mus.1-D-506 Internationaler Quellenkatalogeintrag zum zweiten Annaberger Chorbuch mit Einzelstücknachweisen und bibliographischen Angaben.
- SLUBlog: Zwei Quellen, viel Futter für die Forschung – Annaberger Chorbücher digital SLUB-Beitrag zur Digitalisierung der beiden Chorbücher und zu ihrer Bedeutung als Saxonica der Kirchenmusik des 16. Jahrhunderts.
- SLUB Dresden Digital: 167 Sacred songs - Mus.1-D-505 Digitalisat des ersten Annaberger Chorbuchs, heute Mus.1-D-505.
- SLUB Dresden Digital: 150 Sacred songs - Mus.1-D-506 Digitalisat des zweiten Annaberger Chorbuchs, heute Mus.1-D-506.
- SLUB Dresden: Musikhandschriften Überblick der SLUB-Musikabteilung über Musikhandschriften, darunter die beiden Annaberger Chorbücher als Sammelmanuskripte des 16. Jahrhunderts.
- St. Annenkirche Annaberg-Buchholz: Geschichte Offizielle Darstellung zur Geschichte der St. Annenkirche, ihrer spätgotischen Bedeutung und ihrer Entstehung im Bergbaukontext.
Weiterführende Einträge
- Adam von Fulda Komponist und Musiktheoretiker, dessen Name im Umfeld der Annaberger Chorbücher erscheint.
- Alexander Agricola Franko-flämischer Komponist um 1500, dessen Musik im internationalen Kirchenrepertoire verbreitet war.
- Annaberg-Buchholz Erzgebirgsstadt und historischer Standort der St. Annenkirche sowie der Annaberger Chorbücher.
- Annaberger Chorbücher Zwei großformatige Papiercodices mit lateinischer mehrstimmiger Kirchenmusik des frühen 16. Jahrhunderts.
- Antoine Brumel Franko-flämischer Komponist, dessen Name im Repertoire der Chorbücher begegnet.
- Chorbuch Großformatige Handschriftenform, aus der mehrere Sänger gemeinsam mehrstimmige Musik lesen konnten.
- Loyset Compère Komponist der franko-flämischen Renaissancepolyphonie, wichtig für den internationalen Repertoirehorizont der Chorbücher.
- Credo Teil des Messordinariums, in den Annaberger Chorbüchern als mehrstimmiger liturgischer Satz vertreten.
- DIAMM Digital Image Archive of Medieval Music, wichtig für die quellenkundliche Beschreibung der Annaberger Chorbücher.
- Das Erbe deutscher Musik Editionsreihe, in der die Annaberger Chorbücher kritisch herausgegeben wurden.
- Heinrich Finck Mitteleuropäischer Komponist um 1500, im Repertoireumfeld der Annaberger Chorbücher bedeutsam.
- Georg der Bärtige Sächsischer Herzog und wichtiger Förderer der vorreformatorischen Kirchen- und Stadtentwicklung Annabergs.
- Heilige Anna Patronin der St. Annenkirche und religiöse Bezugsgestalt des Annaberger Kirchenraums.
- Hymnus Liturgische Gattung, die in den Annaberger Chorbüchern mehrstimmig vertreten ist.
- Heinrich Isaac Zentraler Komponist der europäischen Vokalpolyphonie um 1500 und wichtiger Repertoirebezug der Chorbücher.
- Josquin Desprez Komponist der Renaissance, dessen Name im Annaberger Repertoire mit sicheren und unsicheren Zuschreibungen verbunden ist.
- Kantorei Kirchliche Sängerinstitution, deren Praxis durch Chorbücher wie die Annaberger Codices erschlossen werden kann.
- Kirchenmusik Musik für Gottesdienst und kirchliche Feier, das zentrale Feld der Annaberger Chorbücher.
- Kyrie Erster Teil des Messordinariums und mehrstimmig vertonte Gattung im Chorbuchrepertoire.
- Lateinische Kirchenmusik Sprachlich-liturgischer Hauptbereich der Annaberger Chorbücher.
- Magnificat Canticum Mariae, in den Annaberger Chorbüchern als mehrstimmige liturgische Gattung vertreten.
- Mensuralnotation Notationssystem der mehrstimmigen Musik des 15. und 16. Jahrhunderts, in dem die Chorbücher geschrieben sind.
- Messe Zentrale liturgische Gattung mit Ordinarium und Proprium, im Annaberger Bestand umfangreich vertreten.
- Messproprium Wechselnde Messgesänge nach Kirchenjahr und Festtag, in den Chorbüchern besonders wichtig.
- Motette Lateinische geistliche Vokalgattung, die im Annaberger Repertoire zahlreich vorkommt.
- Musikhandschrift Handschriftliche Quelle musikalischer Überlieferung, bei den Annaberger Chorbüchern in großformatiger Chorbuchform.
- Jacob Obrecht Franko-flämischer Meister der Messkomposition, dessen Name im Repertoire- und Zuschreibungsumfeld der Chorbücher erscheint.
- Passionsmusik Musikalische Gestaltung der Passion, in den Chorbüchern durch einzelne Passionselemente berührt.
- Polyphonie Mehrstimmige Satzweise, die das gesamte Profil der Annaberger Chorbücher bestimmt.
- Reformation Religiöser Umbruch, vor dessen und in dessen Umfeld die Chorbücher aufbewahrt und genutzt wurden.
- Renaissance Epoche der europäischen Vokalpolyphonie, zu der das Repertoire der Chorbücher gehört.
- RISM Internationales Quellenlexikon für Musik, das die Annaberger Chorbücher detailliert erschließt.
- Sachsen Historischer Raum, in dem die Chorbücher zwischen ernestinischem und albertinischem Umfeld zu verorten sind.
- SLUB Dresden Heutige Aufbewahrungsinstitution der Annaberger Chorbücher und Anbieterin der Digitalisate.
- St. Annenkirche Annaberg Historischer Kirchen- und Bibliotheksort der Annaberger Chorbücher.
- Thomas Stoltzer Komponist der frühen Reformationszeit, dessen Name im Annaberger Repertoireumfeld begegnet.
- Te Deum Feierlicher lateinischer Lobgesang, in den Chorbüchern als mehrstimmige Gattung vertreten.
- Wittenberg Wahrscheinlicher Entstehungs- oder Provenienzraum der Chorbücher vor ihrer Annaberger Gebrauchsgeschichte.