Higini Anglès
Überblick
Higini Anglès i Pàmies, spanisch meist Higinio Anglés Pamiés, gehört zu den maßgeblichen Gestalten der iberischen und internationalen Musikwissenschaft des 20. Jahrhunderts. Er war katholischer Priester, katalanischer Musikforscher, Quelleneditor, Organisator großer Forschungsinstitutionen und einer der wichtigsten Erschließer der mittelalterlichen, renaissancezeitlichen und kirchenmusikalischen Überlieferung Spaniens. Seine Arbeiten zu den Cantigas de Santa María, zum Códice Musical de Las Huelgas, zu Joan Pujol, Juan Bautista Cabanilles, Cristóbal de Morales, Tomás Luis de Victoria und Antonio de Cabezón machten zentrale Quellen der spanischen Musikgeschichte erstmals in breitem Umfang wissenschaftlich zugänglich.
Anglès verband drei Rollen, die für seine Bedeutung entscheidend sind. Er war erstens ein Forscher der Quellen: Handschriften, liturgische Bücher, Cancioneros, Polyphoniecodices, Orgel- und Tastenmusik, volkstümliche Lieder und archivalische Bestände bildeten den Ausgangspunkt seiner Arbeit. Er war zweitens ein Editor: Seine großen Faksimile-, Transkriptions- und Studienprojekte zielten darauf, alte Musik nicht nur zu beschreiben, sondern für Forschung, Aufführung und kulturelles Gedächtnis verfügbar zu machen. Er war drittens ein Institutionenbildner: Als Leiter des Musikdepartements der Biblioteca de Catalunya, als Gründer und Direktor des Instituto Español de Musicología und als Direktor des Pontificio Istituto di Musica Sacra in Rom prägte er Forschungsinfrastrukturen, Zeitschriften, Editionsreihen und internationale Netzwerke.
Seine Forschung steht im Spannungsfeld von katalanischer Kulturbewegung, spanischer Musikgeschichtsschreibung, katholischer Kirchenmusikreform und europäischer Mediävistik. Anglès war Schüler Felip Pedrells und wurde durch Friedrich Ludwig und Willibald Gurlitt in die deutsche historische Musikwissenschaft eingeführt. Er übernahm von Pedrell die Idee einer national und historisch fundierten Musikforschung und von Ludwig die strenge Quellenarbeit der mittelalterlichen Musikgeschichte. Daraus entstand ein Werk, das nicht ohne seine kirchliche, katalanische und spanische Prägung zu verstehen ist, aber weit über diese Kontexte hinaus internationale Bedeutung besitzt.
Kurzdaten
| Name | Higini Anglès i Pàmies. |
|---|---|
| Weitere Namensformen | Higini Anglès, Higinio Anglés, Higinio Anglés Pamiés, Higinio Anglés Pamies, Higino Anglés, Hygini Anglés, Hyginius Anglés, Higini Anglés und Higinio Angles. |
| Geburt | 1. Januar 1888 in Maspujols, Provinz Tarragona, Katalonien, Spanien. |
| Tod | 8. Dezember 1969 in Rom. |
| Beruf | Priester, Musikwissenschaftler, Musikmediävist, Kirchenmusikforscher, Musikbibliothekar, Quelleneditor, Hochschullehrer, Institutsdirektor und Organisator internationaler musikwissenschaftlicher und kirchenmusikalischer Forschung. |
| Herkunft | Katalanischer Herkunft; aufgewachsen im bäuerlich-katholischen Milieu von Maspujols im Baix Camp. |
| Priesterweihe | 1912 nach Ausbildung am Seminar von Tarragona. |
| Musikalische Lehrer | Josep M. Cogul, Vicenç M. Gibert, Josep Barberà und Felip Pedrell; später Studien bei Willibald Gurlitt und Friedrich Ludwig. |
| Biblioteca de Catalunya | 1917–1957 Leiter des Musikdepartements beziehungsweise der Musikabteilung der Biblioteca de Catalunya. |
| Lehre | Ab 1927 Professor für Musikgeschichte am Conservatori del Liceu in Barcelona; 1933–1936 auch Lehrtätigkeit an der Universität Barcelona. |
| Instituto Español de Musicología | Ab 1943 Gründer beziehungsweise erster Direktor des Instituto Español de Musicología des CSIC in Barcelona. |
| Pontificio Istituto di Musica Sacra | Von 1947 bis zu seinem Tod Direktor des Pontificio Istituto di Musica Sacra in Rom. |
| Forschungsschwerpunkte | Mittelalterliche Musik, katalanische und spanische Musikgeschichte, Renaissance-Polyphonie, geistliche Musik, Gregorianik, Kirchenmusikreform, Cancioneros, Handschriftenkunde, Musikedition und Orgelmusik. |
| Zentrale Projekte | El còdex musical de Las Huelgas, La música de las Cantigas de Santa María, Monumentos de la Música Española, Catálogo musical de la Biblioteca Nacional de Madrid, Editionen von Joan Pujol, Juan Bautista Cabanilles, Mateo Flecha, Cristóbal de Morales, Tomás Luis de Victoria und Antonio de Cabezón. |
| Normdaten | GND: 118645277; VIAF: 54273855; BNE: XX978398. |
Namen, Varianten und Quellenlage
Die Namensformen Anglès, Anglés, Higino, Higinio und Higini verweisen auf die Mehrsprachigkeit des hispanisch-katalanischen Wissenschafts- und Kirchenmilieus, in dem Anglès wirkte. Die katalanische Form lautet Higini Anglès i Pàmies. In spanischen und internationalen Publikationen begegnet meistens Higinio Anglés oder Higinio Anglés Pamiés. Bibliothekarische und ältere wissenschaftliche Kataloge führen außerdem Varianten wie Higino Anglés, Hygini Anglés, Hyginius Anglés und akzentlose Formen wie Higinio Angles. Für den deutschsprachigen Kulturlexikon-Eintrag wird die katalanische Hauptform Higini Anglès bevorzugt, da sie Herkunft und Eigenname präzise abbildet; die spanische Form Higinio Anglés bleibt als wichtigste Such- und Verweisform erhalten.
Die Quellenlage ist im Vergleich zu vielen älteren Musikern ausgesprochen gut. Es gibt fachlexikalische Artikel, Normdaten, bibliographische Kataloge, Nachrufe, Festschriften, institutionelle Darstellungen und einen umfangreichen dreibändigen Sammelband seiner verstreuten Studien. Besonders wichtig sind die Artikel der Enciclopèdia Catalana, der Real Academia de la Historia und einschlägiger Musiklexika sowie die Normdaten der Deutschen Nationalbibliothek, der Biblioteca Nacional de España, von VIAF, IMSLP und RISM. Diese Quellen stimmen in den Grunddaten überein: Geburt am 1. Januar 1888 in Maspujols, Tod am 8. Dezember 1969 in Rom, Priesterweihe 1912, zentrale Arbeit in Barcelona, später Rom und internationale Bedeutung als Musikwissenschaftler.
Die Werküberlieferung ist sehr umfangreich. Neben Monographien, Editionen, Katalogen und Reihen liegen zahlreiche Aufsätze, Kongressbeiträge, Vorträge und kleinere Studien vor. Nach seinem Tod wurden viele verstreute Arbeiten in Hygini Anglés: Scripta Musicologica gesammelt. Ein Kulturlexikon-Artikel kann daher kein vollständiges Einzelverzeichnis jedes Artikels ersetzen. Das folgende Werkverzeichnis erfasst aber die zentralen selbständigen Bücher, Editionen, Reihen, Kataloge und Hauptprojekte, die Anglès’ wissenschaftliche Stellung bestimmen.
Ausbildung, Priesterweihe und musikalische Prägung
Higini Anglès wurde in Maspujols in der Provinz Tarragona geboren. Seine frühe Sozialisation war durch ein bäuerlich-katholisches Milieu geprägt. Ab 1900 besuchte er das Seminar von Tarragona, wo er humanistische, philosophische und theologische Studien absolvierte. 1912 wurde er zum Priester geweiht. Gerade dieses Jahr war für seine weitere Entwicklung bedeutsam: Die kirchenmusikalische Reformbewegung nach dem Motu proprio Pius’ X. und die zeitgenössischen Kongresse zur Musica sacra stärkten sein Interesse an liturgischer Musik, Gregorianik, Kirchenmusik und historischer Quellenarbeit.
Nach der Priesterweihe verlagerte Anglès seinen Lebensmittelpunkt nach Barcelona, um seine musikalischen Studien zu vertiefen. Er studierte Harmonie, Kontrapunkt, Fuge, Orgel, Komposition und Musikgeschichte. Zu seinen Lehrern gehörten Josep M. Cogul, Vicenç M. Gibert, Josep Barberà und vor allem Felip Pedrell. Pedrell war für Anglès von überragender Bedeutung. Er hatte die Wiederentdeckung der spanischen Musikgeschichte, die Erforschung älterer Quellen und die Idee einer national fundierten, historisch bewussten Musikkultur entscheidend gefördert.
Gemeinsam mit Francesc de Paula Baldelló und Gregori Maria Sunyol gründete Anglès die Associació Gregorianista de Barcelona. 1916 gründete er außerdem eine Schola Cantorum an der Pfarrei Santa Madrona in Barcelona. Diese frühen Unternehmungen zeigen, dass seine Musikwissenschaft nie rein akademisch abgekapselt war. Forschung, Liturgie, Chorarbeit, Kirchenmusikreform und musikalische Bildung standen für ihn von Anfang an in enger Verbindung.
Barcelona, Biblioteca de Catalunya und frühe Forschung
1917 wurde Anglès auf Empfehlung Pedrells Leiter des Musikdepartements der Biblioteca de Catalunya. Diese Position behielt er, mit kriegs- und institutionsbedingten Unterbrechungen, bis 1957. Die Biblioteca de Catalunya wurde durch seine Arbeit zu einem zentralen Ort der Musikforschung. Anglès organisierte Bestände, baute Sammlungen aus, erwarb Handschriften und alte Drucke, erschloss Quellen und initiierte Publikationen. Er war damit nicht nur Nutzer, sondern Schöpfer einer musikwissenschaftlichen Infrastruktur.
In den frühen Jahren widmete er sich sowohl der katalanischen Musikgeschichte als auch der Volksliedforschung. Er sammelte Lieder in Tarragona, Solsona, im Berguedà und im Pyrenäenraum und arbeitete an der Obra del Cançoner Popular de Catalunya mit. Diese Arbeit an volkstümlicher Überlieferung ist wichtig, weil sie Anglès’ Verständnis von Musikgeschichte erweitert. Für ihn gehörten liturgische, gelehrte, höfische, klösterliche und volkstümliche Musiktraditionen zu einem größeren kulturellen Gedächtnis.
Zu seinen frühen Hauptarbeiten zählen Els madrigals i la missa de difunts d’en Brudieu, gemeinsam mit Pedrell, der Catàleg dels manuscrits musicals de la Col·lecció Pedrell, die Editionen der Werke Joan Pujols und die große Studie La música a Catalunya fins al segle XIII. In diesen Arbeiten verbindet sich lokale katalanische Forschung mit europäischen Methoden der Quellenkritik und Musikgeschichtsschreibung.
Deutschland, Friedrich Ludwig und europäische Musikwissenschaft
In den Jahren 1923 und 1924 studierte Anglès an der Universität Freiburg im Breisgau bei Willibald Gurlitt, 1928 außerdem bei Friedrich Ludwig in Göttingen. Die deutsche historische Musikwissenschaft prägte seine Methode stark. Während Pedrell ihm die nationalhistorische und editorische Aufgabe vor Augen geführt hatte, vermittelte Ludwig die strenge philologische Arbeit an mittelalterlichen Quellen, die Kenntnis der Notre-Dame-Überlieferung, die Mensuralnotation und die systematische Erschließung mehrstimmiger Musik des Mittelalters.
Diese Verbindung von Pedrell und Ludwig erklärt Anglès’ besonderes Profil. Er wollte die iberische Musikgeschichte nicht lediglich patriotisch feiern, sondern durch Quelleneditionen, Faksimiles, Transkriptionen, Kataloge und historische Studien international anschlussfähig machen. Die mittelalterliche und renaissancezeitliche Musik Spaniens sollte nicht als Randgebiet erscheinen, sondern als integraler Teil der europäischen Musikgeschichte.
Ein Ergebnis dieser methodischen Prägung war die monumentale Arbeit am Códice Musical de Las Huelgas. Das mehrbändige Projekt verband Faksimile, Transkription und Studie und machte eine der wichtigsten Quellen der iberischen mittelalterlichen Polyphonie wissenschaftlich zugänglich. Damit wurde Anglès international bekannt und etablierte sich als Spezialist für mittelalterliche Musik der Iberischen Halbinsel.
Institutionsarbeit: CSIC, Instituto Español de Musicología und Anuario Musical
1943 wurde Anglès Direktor des neu geschaffenen Instituto Español de Musicología des Consejo Superior de Investigaciones Científicas. Diese Gründung war für die spanische Musikwissenschaft von grundlegender Bedeutung. Anglès schuf einen institutionellen Rahmen, in dem Quellen gesammelt, katalogisiert, ediert und wissenschaftlich ausgewertet werden konnten. Er förderte die Forschung zur mittelalterlichen Musik, zur Renaissance-Polyphonie, zur Orgelmusik, zu Kathedralarchiven und zu spanischen Komponisten des 16. und 17. Jahrhunderts.
Bereits 1941 hatte er die Reihe Monumentos de la Música Española initiiert. Diese Reihe wurde zu einem der wichtigsten Editionsunternehmen der spanischen Musikgeschichte. Sie machte Werke der höfischen, geistlichen, vokalen und instrumentalen Musik Spaniens in wissenschaftlichen Ausgaben zugänglich. Die Reihe begann mit La música en la corte de los Reyes Católicos, in der Anglès den Cancionero Musical de Palacio herausgab und damit eine Schlüsselquelle der Musik um die Katholischen Könige erschloss.
1946 gründete Anglès die Zeitschrift Anuario Musical als wissenschaftliches Organ des Instituts. Außerdem begann er mit den Catálogos musicales, darunter dem gemeinsam mit José Subirá erarbeiteten Catálogo musical de la Biblioteca Nacional de Madrid. Diese Projekte zeigen seine doppelte Strategie: Einerseits wurden konkrete Werke ediert, andererseits wurden Kataloge und Forschungsinstrumente geschaffen, die zukünftige Forschung überhaupt erst ermöglichten.
Rom und das Pontificio Istituto di Musica Sacra
1947 wurde Anglès zum Direktor des Pontificio Istituto di Musica Sacra in Rom berufen. Dieses Amt behielt er bis zu seinem Tod 1969. In Rom verband sich seine wissenschaftliche Autorität mit seiner priesterlichen und kirchenmusikalischen Aufgabe. Er organisierte die Lehre, stärkte die musikwissenschaftliche Disziplin, baute Bibliothek und Archiv aus, förderte die internationale Kirchenmusikforschung und wirkte an Kongressen und kirchlichen Beratungen mit.
Das Pontificio Istituto di Musica Sacra war für Anglès kein bloßes Verwaltungsamt. Es war ein Ort, an dem die geschichtliche Erforschung sakraler Musik, die praktische Ausbildung von Kirchenmusikern, die Pflege des gregorianischen Chorals und die katholische Musiktradition zusammengeführt werden sollten. In dieser Hinsicht blieb Anglès der Reformidee Pius’ X. verbunden, erweiterte sie aber durch wissenschaftliche Quellenarbeit und internationale Vernetzung.
In Rom entstanden auch große Editionen, insbesondere die Arbeiten an Cristóbal de Morales, Tomás Luis de Victoria und Antonio de Cabezón. Diese Projekte verbanden spanische Musikgeschichte mit der römischen Kirchenmusiktradition. Anglès’ Aufenthalt in Rom war daher keine Abwendung von Spanien oder Katalonien, sondern eine Internationalisierung seiner Forschungsagenda.
Forschungsprofil und methodische Bedeutung
Anglès’ Forschungsprofil lässt sich durch fünf Schwerpunkte beschreiben. Erstens war er Mediävist. Er erschloss mittelalterliche Quellen wie den Códice Musical de Las Huelgas und die Cantigas de Santa María und arbeitete mit Faksimile, Transkription, Notationsanalyse und historischer Kontextualisierung. Zweitens war er Renaissanceforscher. Er edierte und untersuchte zentrale Gestalten der spanischen und katalanischen Polyphonie, darunter Joan Pujol, Cristóbal de Morales, Tomás Luis de Victoria und Mateo Flecha.
Drittens war Anglès Kirchenmusikforscher. Gregorianik, liturgische Musik, Palestrina-Stil, geistliche Polyphonie und katholische Musikreform bildeten einen dauernden Bezugspunkt. Viertens war er Bibliothekar und Katalogisator. Er wusste, dass Musikgeschichte nicht nur aus Deutungen entsteht, sondern aus geordneten Beständen, verlässlichen Katalogen, lesbaren Editionen und zugänglichen Quellen. Fünftens war er Kulturhistoriker im weiteren Sinn. Seine Arbeiten verbinden Musik mit Liturgie, Hofkultur, Klosterwesen, nationaler Überlieferung, Bildung und Institutionen.
Seine Methode war zugleich stark quellenphilologisch und kulturpolitisch wirksam. Anglès wollte die spanische und katalanische Musikgeschichte auf eine europäische Bühne bringen. Dazu musste er Quellen aus Archiven und Bibliotheken hervorholen, wissenschaftlich bearbeiten und in repräsentativen Editionen veröffentlichen. Diese Leistung erklärt, warum seine Arbeiten trotz späterer Korrekturen, neuer editorischer Maßstäbe und kritischer Neubewertungen weiterhin als Grundlegung der hispanischen Musikgeschichtsforschung gelten.
Kulturgeschichtlicher Überblick
Higini Anglès steht in einer Epoche, in der sich die Musikwissenschaft als historische, philologische und institutionelle Disziplin ausformte. Die ältere Musikforschung des 19. Jahrhunderts hatte große Komponistennamen, nationale Schulen und stilgeschichtliche Erzählungen bevorzugt. Um 1900 wurde immer deutlicher, dass Musikgeschichte ohne Handschriftenkunde, Quellenkritik, Editionstechnik, Notationsforschung und Archivarbeit nicht tragfähig ist. Anglès gehört zu der Generation, die diese Einsicht auf die katalanische und spanische Musikgeschichte übertrug.
Seine Arbeit ist zugleich Teil der katalanischen Kulturbewegung. In Katalonien war die Wiedergewinnung historischer Sprache, Literatur, Kunst und Musik ein wesentliches Element kultureller Selbstverständigung. Anglès erforschte die Musik Kataloniens bis zum 13. Jahrhundert, erschloss katalanische und iberische Quellen und verband diese Arbeit mit einem weiteren spanischen und europäischen Horizont. Dadurch wurde er nicht nur ein katalanischer Gelehrter, sondern ein Vermittler zwischen lokaler Überlieferung und internationaler Musikwissenschaft.
Die kirchliche Dimension ist ebenso wichtig. Anglès war Priester, und seine Forschung zur Kirchenmusik war nicht nur antiquarisch. Sie stand in Beziehung zur liturgischen Reform, zur Wiederbelebung des Gregorianischen Chorals, zur Erforschung alter polyphoner Meister und zur Frage, welche Musik im katholischen Gottesdienst historisch und ästhetisch angemessen sei. Seine Leitung des Pontificio Istituto di Musica Sacra machte diese Verbindung von Wissenschaft und kirchlicher Praxis besonders sichtbar.
Gleichzeitig ist seine wissenschaftliche Arbeit im politischen 20. Jahrhundert zu sehen. Bürgerkrieg, Exil, Nachkriegszeit, die Gründung des CSIC und die spanische Kulturpolitik beeinflussten die institutionellen Bedingungen seiner Forschung. Anglès’ Rolle in der franquistischen Wissenschaftslandschaft ist deshalb kritisch zu kontextualisieren, ohne die wissenschaftliche Erschließungsleistung seiner Editions- und Katalogarbeit zu unterschlagen. Seine Bedeutung liegt gerade in dieser komplexen Verbindung von Religion, Nation, Institution, Quellenphilologie und internationalem Wissenschaftsanspruch.
Für die heutige Kulturgeschichte bleibt Anglès wichtig, weil er ein großes Archivbewusstsein geschaffen hat. Er zeigte, dass Musikgeschichte nicht nur in Partituren großer Komponisten, sondern in Klöstern, Kathedralarchiven, Cancioneros, liturgischen Handschriften, Orgelbüchern, Volksliedsammlungen, Bibliothekskatalogen und Editionsreihen liegt. Sein Werk machte viele dieser Quellen dauerhaft sichtbar.
Werk- und Publikationsverzeichnis
Higini Anglès veröffentlichte mehr als hundert wissenschaftliche Arbeiten, darunter Monographien, Quelleneditionen, Kataloge, Aufsätze, Kongressberichte und Reihenbeiträge. Das folgende Verzeichnis erfasst die zentralen selbständigen Werke, Haupteditionen, Reihen und maßgeblichen Sammelausgaben. Für die verstreuten Aufsätze ist besonders der dreibändige Sammelband Hygini Anglés: Scripta Musicologica heranzuziehen.
Frühe Kataloge, Volkslied- und katalanische Arbeiten
- Catàleg dels manuscrits musicals de la Col·lecció Pedrell, Barcelona 1921. Frühe bibliothekarische und quellenkundliche Arbeit zur Sammlung Felip Pedrells.
- Els madrigals i la missa de difunts d’en Brudieu, Barcelona 1921, gemeinsam mit Felip Pedrell. Edition und Studie zu Joan Brudieu und zur katalanischen Renaissanceüberlieferung.
- Cançons populars del Camp de Tarragona, Barcelona 1923. Sammlung und Untersuchung volkstümlicher Liedüberlieferung aus dem Camp de Tarragona.
- Les melodies del trobador Giraut Riquier, Barcelona 1926. Studie zu Troubadourmelodien und mittelalterlicher Liedüberlieferung.
- Recull de cançons populars de la comarca del Camp, 1926 ausgezeichnet. Beitrag zur Volksliedforschung in den tarragonischen Regionen.
- La música a Catalunya fins al segle XIII, Barcelona 1935. Grundlegende Darstellung zur frühen Musikgeschichte Kataloniens bis zum 13. Jahrhundert.
Mittelalterliche Quelleneditionen und Studien
- El còdex musical de Las Huelgas, Barcelona 1928–1931, drei Bände. Faksimile, Transkription und Studie zu einem der wichtigsten iberischen Polyphoniecodices des 13. und 14. Jahrhunderts.
- Cantigas del Rei N’Anfos el Savi, Barcelona 1927. Frühe Beschäftigung mit der musikalischen Überlieferung der Cantigas.
- La música de las Cantigas de Santa María del rey Alfonso el Sabio, Barcelona 1943, 1958 und 1964, mehrbändige Faksimile-, Transkriptions- und Studienausgabe. Eines der ambitioniertesten Projekte Anglès’ zur mittelalterlichen Musik der Iberischen Halbinsel.
- Historia de la música medieval en Navarra, Pamplona 1970, postum. Große historische Studie zur mittelalterlichen Musikpraxis in Navarra.
- Las canciones del rey Teobaldo, in Zusammenarbeit mit Fernando Remacha und Aurelio Sagaseta beziehungsweise im navarresischen Forschungskontext. Studie und Edition zur höfischen Liedüberlieferung im Umfeld Theobalds.
Editionen katalanischer und spanischer Komponisten
- Joan Pujol: Opera omnia, Barcelona 1926 und 1932, zwei Bände. Edition der Werke des katalanischen Polyphonisten Joan Pujol.
- Juan Bautista Cabanilles: Musici organici Johannis Cabanilles, Opera omnia, Barcelona 1927, 1933, 1936 und 1956, vier Bände. Edition zentraler Orgelwerke eines der wichtigsten spanischen Organisten des 17. Jahrhunderts.
- Antonio Soler: Sis quintets per a instruments d’arc i orgue o clave obligat, Barcelona 1933, gemeinsam mit Robert Gerhard. Edition kammermusikalischer Werke Padre Antonio Solers.
- Mateo Flecha: Las Ensaladas, Barcelona 1955. Edition der Prager Drucküberlieferung von 1581 und wichtiger Beitrag zur spanischen Renaissance-Vokalmusik.
- Antología de organistas españoles del siglo XVII, Barcelona 1965–1968. Anthologie spanischer Orgelmusik des 17. Jahrhunderts.
Monumentos de la Música Española
- Monumentos de la Música Española, ab 1941. Von Anglès begründete und bis zu seinem Tod geleitete Editionsreihe des CSIC zur Wiedergewinnung des spanischen musikalischen Erbes.
- La música en la corte de los Reyes Católicos, Barcelona 1941–1951. Mehrbändiges Editionsprojekt, besonders wichtig durch die Erschließung des Cancionero Musical de Palacio.
- La música en la corte de Carlos V, Barcelona 1944. Edition und Studie im Umfeld der Hofmusik Karls V.; verbunden mit Luys Venegas de Henestrosas Libro de cifra nueva para tecla, harpa y vihuela.
- Juan Vásquez: Recopilación de sonetos y villancicos a quatro y a cinco, Barcelona 1946. Edition einer wichtigen Quelle spanischer weltlicher und geistlicher Vokalmusik.
- Cristóbal de Morales: Opera omnia, Barcelona und Rom 1952–1969. Monumentale Werkausgabe des spanischen Renaissancekomponisten, von Anglès konzipiert und mitgetragen.
- Tomás Luis de Victoria: Opera omnia, Barcelona und Rom 1965–1969. Große Werkausgabe Victorias, von Anglès in seiner römischen Phase angestoßen und betreut.
- Antonio de Cabezón: Obras de música para tecla, arpa y vihuela, Barcelona 1966, drei Bände. Neue, von Anglès korrigierte Ausgabe nach der älteren Edition Felip Pedrells.
Kataloge und Forschungsinstrumente
- Catálogo musical de la Biblioteca Nacional de Madrid, Madrid beziehungsweise Barcelona 1946, 1949 und 1951, gemeinsam mit José Subirá. Dreiteiliges Katalogwerk zu den musikalischen Beständen der Biblioteca Nacional.
- La música española desde la Edad Media hasta nuestros días, Barcelona 1941. Katalog der historischen Ausstellung zum hundertsten Geburtstag Felip Pedrells und zugleich programmatische Darstellung der spanischen Musikgeschichte.
- La música española desde la Edad Media hasta nuestros días, in Katalog- und Ausstellungszusammenhängen mehrfach nachweisbar. Wichtig als Synthese von Quellenbewusstsein und kulturhistorischer Präsentation.
- Beiträge zu Kathedralarchiven, darunter Arbeiten zur Musik in der Biblioteca Colombina, in der Kathedrale von Sevilla, zur Kathedrale von Valladolid und zu Orgeln einzelner Kathedralen.
Kirchenmusik, Morales, Victoria und sakrale Musik
- L’opera di Morales e lo sviluppo della polifonia sacra spagnola nel 1500, Rom 1954. Studie zu Cristóbal de Morales und zur spanischen geistlichen Polyphonie des 16. Jahrhunderts.
- Palestrina y los Magnificat de Morales, 1953. Studie zur Beziehung zwischen Palestrina-Tradition und Morales-Rezeption.
- El Pange lingua de Johannes Urreda, maestro de capilla del Rey Fernando el Católico, 1952. Untersuchung eines zentralen iberischen liturgisch-polyphonen Stücks.
- Atti del Congresso Internazionale di Musica Sacra, Roma, 25–30 maggio 1950, Rom 1952. Herausgeberische beziehungsweise organisatorische Arbeit im Zusammenhang internationaler Kirchenmusikkongresse.
- Studio musicologia, Rom 1959. Späte Veröffentlichung im Umfeld seiner römischen musikwissenschaftlichen und kirchenmusikalischen Tätigkeit.
- El tesoro musical de la Biblioteca Vaticana, 1962. Studie zu musikalischen Beständen der Vatikanischen Bibliothek.
Sammelausgaben und postume Publikationen
- Hygini Anglés: Scripta Musicologica, herausgegeben von José López-Calo, Rom 1975–1976, drei Bände. Sammlung verstreuter Studien Anglès’ und wichtiges Arbeitsinstrument für seine Aufsatzproduktion.
- Miscelánea en homenaje a monseñor Higinio Anglés, Barcelona 1958–1961, zwei Bände. Internationale Festschrift zum siebzigsten Geburtstag mit zahlreichen Beiträgen und einem bis dahin einschlägigen Publikationsverzeichnis.
- Exposición Higinio Anglés. In memoriam, Madrid 1970, herausgegeben beziehungsweise betreut von José López-Calo. Ausstellungskatalog zur Würdigung Anglès’ nach seinem Tod.
Aufsatzfelder und nicht einzeln vollständig aufgeführte Beiträge
- Mittelalterliche Notation und Polyphonie, zahlreiche Studien zu iberischen Quellen, Handschriften, Cantigas, Las Huelgas und verwandten Überlieferungen.
- Renaissance-Polyphonie, Arbeiten zu Morales, Victoria, Pujol, Flecha, Vásquez, Brudieu, Urreda und weiteren Komponisten.
- Orgelmusik und Tastenmusik, Arbeiten und Editionen zu Cabanilles, Cabezón, Soler und spanischen Organisten des 16. und 17. Jahrhunderts.
- Volkslied und katalanische Musikgeschichte, frühe Sammlungen, Studien und Kataloge zur volkstümlichen und historischen Musik Kataloniens.
- Kirchenmusik und Gregorianik, Vorträge, Kongressbeiträge und Aufsätze zur sakralen Musik, liturgischen Praxis und Kirchenmusikreform.
- Bibliotheks- und Archivforschung, Beiträge zu Beständen der Biblioteca de Catalunya, der Biblioteca Nacional, der Biblioteca Vaticana, Kathedralarchiven und weiteren musikalischen Sammlungen.
Wirkung und Rezeption
Higini Anglès wurde bereits zu Lebzeiten international als einer der führenden Kenner der spanischen Musik des Mittelalters und der Renaissance wahrgenommen. Seine Ämter, Mitgliedschaften und Ehrungen zeigen diese Stellung: Er war unter anderem Vizepräsident der Internationalen Gesellschaft für Musikwissenschaft, Mitglied des Institut d’Estudis Catalans, der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando, der Royal Musical Association, der Académie Royale de Belgique, der Hispanic Society of America und weiterer wissenschaftlicher Körperschaften.
Seine Wirkung ist in der Forschung bis heute ambivalent, aber grundlegend. Ambivalent ist sie, weil viele seiner Editionen aus heutiger Sicht nach modernen philologischen und editorischen Maßstäben überprüft, korrigiert oder ergänzt werden müssen. Grundlegend ist sie, weil er Quellen überhaupt erst sichtbar, zugänglich und diskutierbar machte. Ohne seine Kataloge, Faksimiles, Transkriptionen und Editionsinitiativen wäre die Erforschung der iberischen Musikgeschichte des Mittelalters und der Renaissance erheblich ärmer.
Eine wichtige spätere Würdigung war der Internationale Kongress Higini Anglès i la musicologia hispànica, der 1988 von der Universitat Autònoma de Barcelona und dem CSIC organisiert wurde. Auch der Sammelband Scripta Musicologica und die Festschrift Miscelánea en homenaje a monseñor Higinio Anglés dokumentieren den Rang, den Anglès in der internationalen Fachwelt hatte. Sein Name steht bis heute für die Verbindung von Kirchenmusik, Quellenedition, katalanischer und spanischer Musikgeschichte sowie institutioneller Musikwissenschaft.
Sekundärliteratur
- Actes del Congrés Internacional Higini Anglès i la musicologia hispànica. In: Recerca Musicològica IX–X, 1989–1990. Grundlegende Kongressdokumentation zur Neubewertung von Anglès’ Stellung in der hispanischen Musikwissenschaft.
- Bernadó, Màrius: Higini Anglès, musicòleg. Lleida 2001. Überblick über Leben, Werk und methodische Stellung des katalanischen Musikwissenschaftlers.
- Bourligueux, Guy: Higinio Anglés (1888–1969). In: Bulletin Hispanique 72, 1970. Nachruf auf Anglès und Würdigung seiner Rolle für die spanische Musikwissenschaft.
- Dolç i Cartanyà, Jordi: Higini Anglès (1888–1969): prevere de Maspujols. Lokale und biographische Darstellung zu Herkunft, Priestertum und wissenschaftlicher Laufbahn.
- Enciclopèdia Catalana: Higini Anglès i Pàmies. Fachlexikalischer Artikel mit Biographie, institutioneller Einordnung, Werküberblick und Bibliographie.
- Gembero-Ustárroz, María: Arbeiten zur Musikgeschichte Navarras und zur Zusammenarbeit zwischen Higinio Anglés und Fernando Remacha. Wichtig für die späte Beschäftigung Anglès’ mit mittelalterlicher Musik in Navarra.
- López-Calo, José: Exposición Higinio Anglés. In memoriam. Madrid 1970. Ausstellungskatalog zur postumen Würdigung Anglès’.
- López-Calo, José (Hrsg.): Hygini Anglés: Scripta Musicologica. Rom: Edizioni di Storia e Letteratura, 1975–1976, drei Bände. Zentrale Sammelausgabe der verstreuten Aufsätze Anglès’.
- Miscelánea en homenaje a monseñor Higinio Anglés. Barcelona: Consejo Superior de Investigaciones Científicas, 1958–1961, zwei Bände. Internationale Festschrift mit umfangreichem Publikationsverzeichnis.
- Rodríguez, Eva Moreda: Early Music in Francoist Spain. Wissenschaftlicher Beitrag zur Rolle Anglès’ und des Instituto Español de Musicología in der spanischen Musikforschung der Nachkriegszeit.
- Slonimsky, Nicolas / Kuhn, Laura / McIntire, Dennis: Anglés, Higini. In: Baker’s Biographical Dictionary of Musicians. Knapper internationaler Lexikonartikel zu Ausbildung, Ämtern und Hauptwerken.
- Sopeña, Federico: Memoria de H. Anglés. In: Atlántida 44, 1970. Nachruf und Würdigung aus spanischer Perspektive.
- Van den Borren, Charles: Hommage à Mgr. H. Anglés. In: Acta Musicologica 30, 1958. Internationale Würdigung zu Anglès’ siebzigstem Geburtstag.
- Verschiedene Autoren: Aproximación a la obra y figura de H. Anglés. Barcelona 1989. Sammelband zur historischen Einordnung und kritischen Bewertung seines Werks.
Ausgewählte Onlinequellen
- Censo-Guía de Archivos: Anglés, Higini Archivischer Personendatensatz mit Lebensdaten, Orten und institutioneller Kurzbeschreibung.
- Biblioteca Nacional de España: Anglés, Higinio Normdatensatz der BNE mit Berufsangaben, Tätigkeitsfeld Musik und bibliographischen Verknüpfungen.
- Biblioteca Virtual Miguel de Cervantes: Anglés, Higinio Personendatensatz mit Lebensdaten, Geburts- und Sterbeort, Namensvariante Anglès, Higini und VIAF-Verknüpfung.
- Deutsche Nationalbibliothek: Anglès, Higini GND-Normdatensatz mit Namensvarianten wie Anglés, Higino, Anglés, Hygini und Anglès Pàmies, Higini.
- Dialnet: Higinio Anglés Bibliographische Seite mit Aufsatz- und Publikationsnachweisen, besonders zu Beiträgen im Anuario Musical.
- Enciclopèdia Catalana: Higini Anglès i Pàmies Umfangreicher katalanischer Fachartikel mit Biographie, institutioneller Einordnung, Werküberblick, Ehrungen und Bibliographie.
- Encyclopedia.com: Anglés, Higini Englischsprachiger Lexikonartikel aus Baker’s Biographical Dictionary of Musicians mit Lebensdaten, Ausbildung, Ämtern und Hauptwerken.
- Historia Hispánica / Real Academia de la Historia: Higinio Anglés Pamiés Spanischer biographischer Fachartikel mit Angaben zu Herkunft, Priestertum, Forschung, Ämtern und Wirkung.
- Institución Milá y Fontanals / CSIC: Monumentos de la Música Española Institutionelle Seite zur von Higinio Anglés 1941 gegründeten Editionsreihe für das spanische musikalische Erbe.
- IMSLP: Higinio Anglés Personenseite mit Lebensdaten, Namensvarianten, Werkverweisen und Normdaten.
- RISM Online: Anglés, Higinio Personendatensatz mit Lebensdaten und musikbibliographischen Verknüpfungen.
- Persée: Higinio Anglés (1888–1969) Französischer Nachruf von Guy Bourligueux mit zeitnaher Würdigung Anglès’ als Meister der spanischen Musikwissenschaft.
- Google Books: Scripta Musicologica, Vols. 1–3 Bibliographischer Nachweis der dreibändigen, von José López-Calo herausgegebenen Sammlung verstreuter Studien Anglès’.
- Google Books: La música de las Cantigas de Santa María Bibliographischer Nachweis zur mehrbändigen Cantigas-Ausgabe Anglès’.
- VIAF: Higini Anglès Internationaler Normdatenverbund zur Identifikation Anglès’ in Bibliotheks- und Forschungsdatenbanken.
Weiterführende Einträge
- Higini Anglès Katalanischer Priester, Musikwissenschaftler, Quelleneditor und Institutionenbildner der hispanischen Musikforschung.
- Anuario Musical Von Anglès 1946 begründete Fachzeitschrift des Instituto Español de Musicología.
- Biblioteca de Catalunya Zentrale katalanische Bibliothek, deren Musikabteilung Anglès jahrzehntelang leitete und ausbaute.
- Antonio de Cabezón Spanischer Tastenkomponist, dessen Werke Anglès in der Reihe Monumentos de la Música Española neu herausgab.
- Juan Bautista Cabanilles Spanischer Organist und Komponist, dessen Orgelwerke Anglès in mehreren Bänden edierte.
- Cancionero Musical de Palacio Zentrale Quelle der höfischen spanischen Musik, von Anglès im Rahmen von La música en la corte de los Reyes Católicos erschlossen.
- Cantigas de Santa María Mittelalterliche Liedsammlung Alfons’ X., deren Musik Anglès in einer monumentalen Ausgabe untersuchte.
- Katalanische Musikgeschichte Forschungsfeld, das Anglès durch seine Studien zur Musik Kataloniens bis zum 13. Jahrhundert wesentlich prägte.
- Códice Musical de Las Huelgas Mittelalterlicher Polyphoniecodex, den Anglès durch Faksimile, Transkription und Studie international bekannt machte.
- Consejo Superior de Investigaciones Científicas Spanische Forschungsorganisation, in deren Rahmen Anglès das Instituto Español de Musicología leitete.
- Mateo Flecha Spanischer Renaissancekomponist, dessen Ensaladas Anglès herausgab.
- Gregorianik Liturgischer Einstimmigkeitsgesang, der für Anglès’ kirchenmusikalische Frühprägung zentral war.
- Willibald Gurlitt Deutscher Musikwissenschaftler, bei dem Anglès in Freiburg seine Studien vertiefte.
- Instituto Español de Musicología Von Anglès 1943 geleitete beziehungsweise aufgebaute Forschungseinrichtung für die spanische Musikgeschichte.
- Katalonien Kultureller Herkunftsraum Anglès’ und wichtiges Feld seiner frühen Musikforschung.
- Kirchenmusik Musik im liturgischen und kirchlichen Zusammenhang, für Anglès’ Forschung und Priestertum zentral.
- Friedrich Ludwig Deutscher Musikmediävist, dessen Quellenmethode Anglès stark beeinflusste.
- Maspujols Geburtsort Higini Anglès’ in der Provinz Tarragona.
- Mittelalterliche Musik Zentrales Forschungsfeld Anglès’, besonders in Bezug auf Las Huelgas, Navarra und die Cantigas de Santa María.
- Monumentos de la Música Española Von Anglès initiierte Editionsreihe zur wissenschaftlichen Erschließung des spanischen Musikerbes.
- Cristóbal de Morales Spanischer Renaissancekomponist, dessen Werke Anglès in einer monumentalen Ausgabe erschloss.
- Musica sacra Kirchliche Musiktradition, die Anglès als Priester, Forscher und römischer Institutsdirektor prägte.
- Musikbibliothek Institutioneller Sammlungstyp, dessen Aufbau und Erschließung Anglès an der Biblioteca de Catalunya maßgeblich betrieb.
- Musikedition Wissenschaftliche Herausgabe musikalischer Quellen, eine der zentralen Arbeitsformen Anglès’.
- Musikhandschrift Überlieferungsform historischer Musik, die Anglès durch Kataloge, Faksimiles und Transkriptionen erschloss.
- Musikmediävistik Teilgebiet der Musikwissenschaft, das mittelalterliche Musikquellen, Notation und Aufführungspraxis erforscht.
- Musikwissenschaft Disziplin der historischen, systematischen und kulturwissenschaftlichen Erforschung von Musik.
- Obra del Cançoner Popular de Catalunya Katalanisches Volksliedprojekt, an dem Anglès in seiner frühen Forschungsphase mitarbeitete.
- Felip Pedrell Katalanischer Komponist und Musikforscher, wichtigster früher musikwissenschaftlicher Lehrer Anglès’.
- Polyphonie Mehrstimmige Satzkunst, die in Anglès’ Arbeiten zu Mittelalter und Renaissance im Zentrum steht.
- Pontificio Istituto di Musica Sacra Römisches Kirchenmusikinstitut, das Anglès von 1947 bis 1969 leitete.
- Priester Kirchliches Amt, das Anglès’ wissenschaftliche und kirchenmusikalische Arbeit lebenslang mitprägte.
- Joan Pujol Katalanischer Polyphonist, dessen Werke Anglès in zwei Bänden edierte.
- Quellenedition Wissenschaftliche Veröffentlichung historischer Quellen, zentral für Anglès’ Arbeitsweise.
- Renaissance-Polyphonie Mehrstimmige Musik des 15. und 16. Jahrhunderts, eines der Hauptfelder Anglès’.
- Rom Sterbeort Anglès’ und Sitz des Pontificio Istituto di Musica Sacra, das er leitete.
- Schola Cantorum Kirchenmusikalische Ausbildungs- und Chorform, die Anglès bereits 1916 in Barcelona praktisch förderte.
- Spanische Musikgeschichte Großes Forschungsfeld, das Anglès durch Editionen, Kataloge und Institutionen entscheidend prägte.
- José Subirá Spanischer Musikwissenschaftler, mit dem Anglès den Catálogo musical de la Biblioteca Nacional de Madrid erarbeitete.
- Tarragona Region und Seminarort, in dessen kirchlichem Bildungsraum Anglès ausgebildet wurde.
- Tomás Luis de Victoria Spanischer Renaissancekomponist, dessen Werke Anglès in einer großen Ausgabe betreute.
- Volksliedforschung Feld der Sammlung und Analyse mündlicher Liedtraditionen, in dem Anglès früh tätig war.