Juan Andrés y Morell

* 15. Februar 1740 in Planes bei Alicante; † 12. Januar 1817 in Rom. Spanischer Jesuit, Literaturhistoriker, Musikkritiker, Humanist, Bibliothekar und kulturhistorischer Universalgelehrter der europäischen Aufklärung.

Überblick

Juan Andrés y Morell, in Italien häufig als Giovanni Andrés bezeichnet, gehört zu den markanten Gestalten jener spanisch-italienischen Aufklärung, die nach der Vertreibung der Jesuiten aus den spanischen Herrschaftsgebieten eine neue intellektuelle Heimat in Italien fand. Seine Bedeutung liegt nicht in einem einzelnen Fachgebiet, sondern in der Verbindung von Literaturgeschichte, Komparatistik, Musikkritik, Wissenschaftsgeschichte, Bibliothekskunde, Reisebeschreibung und humanistischer Gelehrsamkeit. Für ein Kulturlexikon ist Andrés deshalb besonders ergiebig, weil sein Werk den Übergang von der älteren Polyhistorie zur modernen vergleichenden Kulturgeschichtsschreibung sichtbar macht.

Sein Hauptwerk Dell’origine, progressi e stato attuale d’ogni letteratura, spanisch Origen, progresos y estado actual de toda la literatura, entwirft eine umfassende Geschichte der Literatur im weiten Sinn des 18. Jahrhunderts. Literatura bedeutet bei Andrés nicht nur Dichtung und schöne Literatur, sondern die Gesamtheit der gelehrten Produktion: Poesie, Rhetorik, Geschichtsschreibung, Grammatik, Naturwissenschaften, theologische Wissenschaften, Altertumskunde und Teile der Kunst- und Musikreflexion. Dadurch steht sein Werk an der Schwelle zwischen Enzyklopädie, Kulturgeschichte und moderner disziplinärer Wissenschaft.

Für die Musikgeschichte ist Andrés weniger als praktischer Musiker denn als kritischer Beobachter bedeutsam. Er behandelt Musik im Rahmen einer umfassenden Wissensordnung, unterscheidet zwischen Musik als Kunst und Akustik als naturwissenschaftlichem Untersuchungsfeld und bezieht auch arabische, antike und neuere europäische Traditionen in seine Überlegungen ein. Damit berührt sein Werk Themen der Musiktheorie, der Wissenschaftsgeschichte und der vergleichenden Betrachtung kultureller Überlieferungen.

Kurzdaten

Name Juan Andrés y Morell.
Weitere Namensformen Juan Andrés, Giovanni Andrés, Giovanni Andres, Andrés y Morell, Juan.
Geboren 15. Februar 1740 in Planes bei Alicante.
Gestorben 12. Januar 1817 in Rom.
Beruf Jesuit, Literaturhistoriker, Musikkritiker, Humanist, Bibliothekar, Bibliograph, Kulturhistoriker und Schriftsteller.
Kultureller Raum Spanien, Italien, europäische Gelehrtenrepublik des 18. und frühen 19. Jahrhunderts.
Hauptwerk Dell’origine, progressi e stato attuale d’ogni letteratura, italienische Erstausgabe Parma 1782–1799; spanische Übersetzung Origen, progresos y estado actual de toda la literatura, Madrid 1784–1806.
Musikbezug Musikkritische, akustische und kulturvergleichende Reflexionen innerhalb seiner universalgeschichtlichen und wissenschaftshistorischen Arbeiten, besonders im Umfeld von Musiktheorie, Akustik und arabischer Musiküberlieferung.
Epoche Späte Aufklärung, europäische Exilgelehrsamkeit, spanisch-italienischer Humanismus.
Datei andres-juan.shtml

Namen, Schreibweisen und Einordnung

Die Namensform Juan Andrés y Morell folgt der spanischen biographischen Tradition; die kürzere Form Juan Andrés ist ebenfalls häufig. In italienischen Drucken und Nachschlagewerken erscheint er oft als Giovanni Andrés oder Giovanni Andres. Die italienisierte Namensform verweist nicht auf einen bloßen Übersetzungsgebrauch, sondern auf Andrés’ jahrzehntelangen Lebens- und Wirkungsraum in Italien. Nach der Vertreibung der Jesuiten wurde Italien für ihn nicht nur Aufenthaltsort, sondern intellektuelle Arbeitslandschaft: Mantua, Parma, Neapel, Wien als Reiseziel und Rom als Sterbeort markieren Stationen eines gelehrten Lebens zwischen spanischer Herkunft und europäischer Wirkung.

Innerhalb des Kulturlexikons ist Andrés als Personeneintrag an der Schnittstelle von Humanismus, Literaturkritik, vergleichender Literaturwissenschaft, Musikgeschichte und Bibliotheksgeschichte einzuordnen. Er ist kein Komponist im engeren Sinn, wohl aber ein Autor, der musikalische Phänomene als Teil einer umfassenden Geschichte der Wissenschaften und Künste behandelt.

Biographischer Kontext

Andrés wurde am 15. Februar 1740 in Planes in der Provinz Alicante geboren. Er trat früh in die Gesellschaft Jesu ein und erhielt eine Ausbildung, die Rhetorik, klassische Philologie, Philosophie, Theologie und mathematisch-naturwissenschaftliche Interessen miteinander verband. Schon diese Ausbildung erklärt, warum sein späteres Werk nicht nach modernen Fachgrenzen verfährt. Die Trennung zwischen Literatur, Wissenschaft, Philosophie, Kunst und Musik ist bei Andrés zwar sachlich unterscheidbar, aber nicht endgültig voneinander isoliert.

Der entscheidende Einschnitt war die Vertreibung der Jesuiten aus Spanien und seinen Herrschaftsgebieten im Jahr 1767. Wie zahlreiche andere spanische Jesuiten gelangte Andrés nach Italien. Dieses Exil darf nicht nur als biographische Krise verstanden werden; es wurde auch zur Voraussetzung einer neuen europäischen Perspektive. In Italien begegnete er Bibliotheken, Akademien, Gelehrtenzirkeln, höfischen und städtischen Kulturmilieus, die seine vergleichende Betrachtungsweise förderten. Mantua wurde zu einem wichtigen Aufenthaltsort, Parma zu einem bedeutenden Druckort seines Hauptwerks, Neapel und Rom zu zentralen Bezugspunkten seiner späteren Tätigkeit.

Andrés bewegte sich in einer Gelehrtenwelt, in der gedruckte Bücher, Akademieschriften, private Briefe, Bibliothekskataloge und Reiseberichte eng zusammenwirkten. Sein Werk zeigt darum nicht den isolierten Autor am Schreibtisch, sondern den vernetzten Gelehrten, der Bibliotheken konsultiert, Korrespondenzen pflegt, lokale Wissensbestände erschließt und kulturelle Zentren miteinander vergleicht. Sein Tod am 12. Januar 1817 in Rom beschließt ein Leben, das fast ein halbes Jahrhundert in Italien verbracht hatte und dennoch in der spanischen Geistesgeschichte fest verankert blieb.

Ausführlicher Kulturüberblick

Juan Andrés y Morell steht in einem Jahrhundert, das den Anspruch entwickelte, Wissen nicht nur zu sammeln, sondern geschichtlich zu ordnen. Die Aufklärung brachte Enzyklopädien, Universalgeschichten, Akademien, gelehrte Zeitschriften und neue Formen der Kritik hervor. Zugleich veränderte sich der Begriff der Literatur. Während moderne Leser unter Literatur meist Dichtung, Roman, Drama und Essay verstehen, umfasste literatura im 18. Jahrhundert die Gesamtheit gelehrter Schriftkultur. Genau in diesem weiten Sinn arbeitet Andrés: Er behandelt Dichtung, Rhetorik, Geschichtsschreibung, Grammatik, Naturwissenschaft, Theologie, Altertumskunde und Kunstreflexion als zusammenhängende Kulturleistungen.

Sein Werk ist ohne die Erfahrung des Exils nicht zu verstehen. Die spanischen Jesuiten, die nach 1767 in Italien lebten, bildeten eine außergewöhnliche Gelehrtenmigration. Sie brachten iberische, lateinamerikanische, missionarische und mediterrane Wissensbestände in italienische Kontexte ein. Dadurch entstand ein besonderer Typ von Aufklärung, der nicht einfach französischem Enzyklopädismus folgt, sondern eine stärker historisch, philologisch und vergleichend ausgerichtete Universalwissenschaft entwirft. In diesem Umfeld sind neben Andrés auch Antonio Eximeno und Lorenzo Hervás zu nennen.

Andrés’ Kulturbegriff ist weder eng national noch rein europazentriert. Zwar schreibt er aus einem europäischen Bildungszusammenhang, doch seine vergleichende Methode zwingt ihn, antike, orientalische, arabische, italienische, spanische, französische und deutsche Traditionen in Beziehung zu setzen. Gerade darin liegt die kulturhistorische Modernität seines Ansatzes. Er sieht Literatur und Wissenschaft nicht als isolierte Leistungen einzelner Nationen, sondern als geschichtliche Bewegungen, in denen Übersetzung, Vermittlung, Nachahmung, Kritik und institutionelle Förderung eine entscheidende Rolle spielen.

Für die Geschichte der Künste ist Andrés wichtig, weil er künstlerische Entwicklungen nicht ausschließlich ästhetisch beschreibt, sondern in ein Netz aus Bildung, Institution, Sprache, Wissenschaft, Religion und öffentlicher Kommunikation einordnet. Der Blick auf Poetik, Rhetorik, Musik, Akustik und Theater ist bei ihm kulturgeschichtlich. Kunst ist nicht nur Ausdruck eines Genies oder einer Schule, sondern Teil einer gelehrten Ordnung, die durch Bibliotheken, Akademien, Druckorte, Übersetzungen und Reiseberichte vermittelt wird.

Literaturgeschichte, Universalgeschichte und Vergleichung

Das Hauptwerk Dell’origine, progressi e stato attuale d’ogni letteratura ist als universalhistorischer Entwurf angelegt. Andrés fragt nach Ursprung, Fortschritt und gegenwärtigem Zustand der gesamten gelehrten Literatur. Damit formuliert er ein Modell von Universalgeschichte, das nicht bei politischen Ereignissen stehen bleibt, sondern die Entwicklung von Wissensformen, literarischen Gattungen, Sprachen, Schulen und gelehrten Institutionen verfolgt.

Charakteristisch ist die vergleichende Methode. Andrés ordnet nicht bloß chronologisch, sondern setzt Kulturen, Epochen, Gattungen und Wissensfelder zueinander in Beziehung. Diese Vergleichung ist ein Grundzug der späteren Komparatistik. Sie betrifft etwa die Frage, wie antike Literatur in neueren Nationalliteraturen weiterwirkt, wie Wissenschaften durch Übersetzung und Vermittlung wandern, wie arabische und orientalische Traditionen in die europäische Gelehrsamkeit eingehen und wie die Bildung verschiedener Völker miteinander verbunden ist.

Die Stärke dieses Ansatzes liegt darin, dass Andrés die europäische Kultur nicht als statischen Besitz beschreibt. Kultur erscheint vielmehr als historischer Prozess. Fortschritt ist bei ihm nicht einfach technischer Zuwachs, sondern eine komplexe Bewegung aus Überlieferung, Verlust, Wiederaufnahme, Kritik und methodischer Klärung. Gerade deshalb kann sein Werk als ein Vorläufer moderner kulturwissenschaftlicher Fragestellungen gelesen werden.

Musik, Akustik und Musikkritik

Der Musikbezug von Juan Andrés y Morell ist in einem weiten kulturhistorischen Sinn zu verstehen. Er schrieb keine musikpraktische Schule und trat nicht als Komponist hervor, doch er reflektierte Musik als Teil der Wissenschafts- und Kulturgeschichte. Besonders bedeutsam ist seine Unterscheidung zwischen Musik als Kunst und Akustik als naturwissenschaftlichem Untersuchungsfeld. Diese Trennung zeigt, dass Andrés musikalische Phänomene nicht nur geschmacksgeschichtlich, sondern auch im Horizont von Physik, Mathematik und Erkenntniskritik betrachtet.

Damit gehört Andrés in ein Umfeld, in dem Musik nicht mehr ausschließlich als Handwerk, höfische Kunst oder kirchliche Praxis verstanden wird. Im 18. Jahrhundert gewinnt die theoretische Frage nach Klang, Ton, Harmonie, Empfindung und mathematischer Ordnung neue Bedeutung. Die Akustik wird zu einem Gebiet, auf dem Musik, Physik und Philosophie einander berühren. Andrés nimmt an dieser Neuordnung teil, indem er musikalische Theorie in eine Geschichte der Wissenschaften einbettet.

Von besonderem Interesse ist auch seine Beschäftigung mit arabischer Musik. Die Lettera sopra la musica degli Arabi, die im Zusammenhang mit Giambatista Toderinis Letteratura Turchesca erschien, zeigt den vergleichenden Horizont seines Denkens. Musik ist hier nicht nur europäische Kunstmusik, sondern ein kulturgeschichtliches Phänomen, das in verschiedenen Überlieferungen untersucht werden kann. Für das Kulturlexikon verbindet Andrés deshalb Musiktheorie, Orientalismus, vergleichende Kulturgeschichte und aufklärerische Wissenschaftssystematik.

Seine Nähe zu Autoren wie Antonio Eximeno macht zudem sichtbar, dass die spanische universalistische Aufklärung einen eigenständigen Beitrag zur Musikreflexion leistete. Während Eximeno stärker als Musiktheoretiker und Kritiker musikalischer Systeme hervortritt, integriert Andrés die Musik in eine umfassendere Geschichte der Literatur und Wissenschaften. Dadurch entsteht eine musikkritische Perspektive, die nicht auf ästhetisches Urteil beschränkt bleibt, sondern musikalische Theorie, historische Überlieferung und kulturelle Vermittlung zusammenführt.

Reise, Brief und europäische Gelehrtenkommunikation

Die Cartas familiares sind ein Hauptzeugnis von Andrés’ Fähigkeit, Reisebericht, Brief, Kulturkritik und Gelehrtennachricht miteinander zu verbinden. Der Brief ist dabei nicht bloß private Mitteilung, sondern eine literarische Form. Er erlaubt Beweglichkeit, persönliche Ansprache, Digression und die Verbindung unterschiedlicher Gegenstände: Städte, Bibliotheken, Gelehrte, Monumente, Sammlungen, Akademien, Druckereien, Kunstwerke und literarische Gespräche.

Andrés’ Reiseprosa gehört zur Kultur des 18. Jahrhunderts, in der Reisen nach Italien eine zentrale Bildungsfunktion hatten. Italien erscheint nicht nur als Land der Antike und der Kunst, sondern als Archiv Europas. In seinen Briefen werden Städte wie Florenz, Rom, Neapel, Bologna, Ferrara, Venedig oder Mantua zu Knotenpunkten einer gelehrten Topographie. Die Reise wird dadurch zur Methode der Kulturgeschichte: Sie ordnet Wissen räumlich, vergleicht Institutionen und macht sichtbar, wie Gelehrsamkeit an Orte, Sammlungen und persönliche Begegnungen gebunden ist.

Die Verbindung von Briefkultur und Reisebericht erklärt auch die besondere Lesbarkeit der Cartas familiares. Andrés schreibt nicht nur für Spezialisten, sondern für ein gebildetes Publikum, das an Literatur, Kunst, Geschichte und Wissenschaft interessiert ist. Der Bruder Carlos Andrés fungiert als Adressat, Herausgeber, Übersetzer und Vermittler. Damit wird die familiäre Korrespondenz zugleich Teil einer öffentlichen europäischen Wissenskultur.

Werkverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis ordnet die wichtigsten selbständigen Schriften, Aufsätze, Briefe, Editionen und späteren Ausgaben nach Werkgruppen. Bei Andrés ist zwischen ursprünglichen Drucken, Übersetzungen, Auszügen, postumen Veröffentlichungen und modernen kritischen Editionen zu unterscheiden. Die Titel werden in der überlieferten italienischen, lateinischen oder spanischen Form wiedergegeben.

Hauptwerke und große Werkkomplexe

  • Dell’origine, progressi e stato attuale d’ogni letteratura. Parma, Stamperia Reale, 1782–1799, sieben Bände und ein Band Addenda; spätere überarbeitete und erweiterte römische Ausgabe 1808–1817.
  • Origen, progresos y estado actual de toda la literatura. Spanische Übersetzung durch Carlos Andrés, Madrid, Antonio de Sancha, 1784–1806, zehn Bände.
  • Histoire générale des sciences et de la littérature depuis les temps antérieurs à l’histoire grecque jusqu’à nos jours. Französische Übersetzung von J. E. Ortolani, Paris, Imprimerie Impériale, 1805, nur der erste Band.
  • Cartas familiares del abate D. Juan Andrés a su hermano D. Carlos Andrés, dándole noticia del viage que hizo a varias ciudades de Italia en el año 1785. Madrid, Antonio de Sancha, 1786, Bände I–II.
  • Cartas familiares del abate D. Juan Andrés a su hermano D. Carlos Andrés, dándole noticia del viage que hizo a Venecia y otras ciudades de aquella República en el año 1788. Madrid, Imprenta de Sancha, 1790, Band III.
  • Cartas familiares del abate D. Juan Andrés a su hermano D. Carlos Andrés, dándole noticia del viage que hizo a varias ciudades de Italia en el año 1791. Madrid, Imprenta de Sancha, 1793, Bände IV–V.
  • Cartas del abate D. Juan Andrés a su hermano Don Carlos Andrés, en que le comunica varias noticias literarias. Valencia, Joseph de Orga, 1800.

Wissenschaftliche, philosophische und antiquarische Schriften

  • Prospectus philosophiae universae Publicae disputationi propositae in Templo Ferrariensi P. P. Societatis Jesu Anno 1773. Ferrara, Josephus Rinaldi, 1773.
  • Problema ab Academia Mantuana propositum ad annum mdcclxxiv … Dissertatio Joannis Andres Hispani ab eadem Academia secundo loco probata. Mantua, Typis Haeredis Alberti Pazzoni, 1775.
  • Saggio della filosofia del Galileo. Mantua, Erede di Alberto Pazzoni, 1776.
  • Lettera dell’Abate D. Giovanni Andres al Sig. Comendatore Fra Gaetano Valenti Gonzaga Cavaliere dell’Inclita Religione di Malta sopra una pretesa cagione del corrompimento del gusto italiano nel secolo XVII. Cremona, Lorenzo Massini e Comp., 1776.
  • Lettera dell’Abate D. Giovanni Andres al Signor Conte Alessandro Murari Bra sopra il rovescio d’un medaglione del Museo Bianchini, non inteso dal Marchese Maffei. Mantua, Erede di Alberto Pazzoni, 1778.
  • Lettera sopra una dimostrazione del Galileo. In: Raccolta di Opuscoli Scientifici e Letterari, Ferrara, Giuseppe Rinaldi, 1779.
  • Dissertazione sopra le cagioni della scarsezza de’ progressi delle scienze in questo tempo. In: Raccolta di Opuscoli Scientifici e Letterari, Ferrara, Giuseppe Rinaldi, 1779.
  • Dialoghi tra il signor Giovanni Andres e Andrea Rubbi in difesa della letteratura italiana. Venedig, Antonio Zatta e figli, 1787.
  • Dissertazione sull’episodio degli amori d’Enea e Didone introdotto da Virgilio nell’Eneide. Cesena, Eredi Biasini all’Insegna di Pallade, 1788.
  • Catalogo de’ codici manoscritti della famiglia Capilupi di Mantova. Mantua, Società all’Apollo, 1797.
  • Lettera dell’Abate Giovanni Andres al Sig. Abate Giacomo Morelli sopra alcuni codici delle biblioteche capitolari di Novara e di Vercelli. Parma, Stamperia Reale, 1802.
  • Antonii Augustini Archiepiscopi Tarraconiensis Epistolae Latinae et Italicae, nunc primum editae a Joanne Andresio. Parma, Typis A. Mussii, 1804.
  • Anecdota graeca et latina ex mss. codicibus Bibliothecae Regiae Neapolitanae deprompta. Vol. I: Prodromus. Neapel, Regia Typographia, 1816.

Musik, Kunst, Literaturkritik und Kulturvermittlung

  • Giudizio sulle opere del Metastasio. In: Opere del Sig. Abate Pietro Metastasio con dissertazioni e osservazioni, Nizza, Società Tipografica, 1783.
  • Lettera sopra la musica degli Arabi. In: Giambatista Toderini, Letteratura Turchesca, Venedig, Giacomo Storti, 1787.
  • Dell’origine e delle vicende dell’arte d’insegnar a parlar ai sordi e muti. Wien, Ignazio Alberti, 1793.
  • Carta del abate Don Juan Andrés sobre el origen y vicisitudes del arte de enseñar a hablar a los mudos sordos. Spanische Übersetzung durch Carlos Andrés, Madrid, Imprenta de Sancha, 1794.
  • Carta del abate D. Juan Andrés a su hermano D. Carlos, dándole noticia de la literatura de Viena. Madrid, Imprenta de Sancha, 1794.
  • Della Letteratura Spagnuola; lettera del Ch. Signor Ab. Giovanni Andres al Compilatore dell’Ape. In: L’Ape, Florenz, 1804.

Postume und moderne Editionen

  • De’ commentarj d’Eustazio sopra Omero, e de’ traduttori di essi. In: Memorie della Regale Accademia Ercolanese di Archeologia, Neapel, Stamperia Reale, 1822.
  • Illustrazione di una carta geografica del 1455. E delle notizie che in quel tempo aveansi dell’Antillia. In: Memorie della Regale Accademia Ercolanese di Archeologia, Neapel, Stamperia Reale, 1822.
  • Vita del Duca di Parma D. Ferdinando I di Borbone. Postum veröffentlicht in La Scienza e la Fede, Neapel, 1845.
  • Corrispondenza di Juan Andrés con bibliotecari e bibliofili italiani. Venedig, Libreria Universitaria, 1972.
  • Ventitrè lettere di Juan Andrés a Gaetano Melzi. Herausgegeben von N. Vianello, Archivio Veneto, 98, 1973.
  • Origen, progresos y estado actual de toda la literatura. Kritische Ausgabe, herausgegeben von J. García Gabaldón, S. Navarro und C. Valcárcel, unter Leitung von Pedro Aullón de Haro, Madrid, Verbum/Biblioteca Valenciana, 1997–2002, sechs Bände.
  • Cartas familiares (Viaje de Italia). Kritische Ausgabe, herausgegeben von I. Arbillaga und C. Valcárcel, unter Leitung von Pedro Aullón de Haro, Madrid, Verbum/Biblioteca Valenciana, 2004, zwei Bände.
  • Epistolario. Herausgegeben von Livia Brunori, Valencia, Biblioteca Valenciana, 2006, drei Bände.
  • Lettere familiari: corrispondenza di viaggio dall’Italia del Settecento. Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Maurizio Fabbri, Rimini, Panozzo, 2008–2011, fünf Bände.
  • La Literatura Española del siglo XVIII. Herausgegeben von Davide Mombelli, Madrid, Instituto Juan Andrés, 2017.
  • Estudios Humanísticos. Herausgegeben von Pedro Aullón de Haro, Emilio Crespo, José García Gabaldón, Davide Mombelli und F. J. Bran, Madrid, Verbum, 2017.
  • Estudios Científicos. Herausgegeben von Pedro Aullón de Haro und Davide Mombelli, Madrid, Verbum, 2019.
  • La Biblioteca Real de Nápoles. Herausgegeben von Pedro Aullón de Haro, F. J. Bran und Davide Mombelli, Madrid, Instituto Juan Andrés/Fundación Pastor, 2020.

Wirkung und Nachleben

Die Wirkung von Juan Andrés y Morell beruht auf der Größe seines Entwurfs. Seine Universalgeschichte der Literatur und Wissenschaften ist kein modernes Handbuch im engeren Sinn, sondern ein Versuch, die Kulturgeschichte der Menschheit aus dem Geist gelehrter Vergleichung zu schreiben. Gerade diese Weite machte das Werk im 19. und 20. Jahrhundert schwer einzuordnen: Für die entstehenden Einzeldisziplinen war Andrés oft zu umfassend, für die ältere Polyhistorie bereits zu methodisch, für die nationale Literaturgeschichtsschreibung zu universalistisch.

Die neuere Forschung hat Andrés deshalb wieder stärker als Begründerfigur einer vergleichenden Literatur- und Kulturgeschichtsschreibung wahrgenommen. Besonders in Spanien wird er mit der sogenannten Escuela Universalista Española verbunden. Diese Bezeichnung hebt hervor, dass spanische und hispano-italienische Gelehrte des 18. Jahrhunderts Beiträge zur Komparatistik, Sprachwissenschaft, Musikwissenschaft, Naturgeschichte und Globalgeschichte leisteten, die lange hinter französischen, englischen und deutschen Aufklärungserzählungen zurücktraten.

Für die Kulturgeschichte bleibt Andrés wichtig, weil sein Werk zeigt, wie eng Literatur, Musik, Wissenschaft, Reise, Bibliothek und Briefkultur miteinander verbunden waren. Seine Schriften dokumentieren nicht nur Wissen, sondern auch die Verkehrsformen des Wissens: Druck, Übersetzung, Akademie, Sammlung, Katalog, Brief und Reise. Damit ist Andrés eine Schlüsselfigur für alle Fragestellungen, die Kultur nicht als Summe einzelner Werke, sondern als historisches Kommunikationssystem verstehen.

Sekundärliteratur

  • Aullón de Haro, Pedro: La Escuela Universalista Española del siglo XVIII. Madrid: Sequitur, 2016.
  • Aullón de Haro, Pedro; García Gabaldón, Jesús; Navarro, Santiago, Hrsg.: Juan Andrés y la teoría comparatista. Valencia: Biblioteca Valenciana, 2002.
  • Batllori, Miquel: Andrés, Giovanni. In: Dizionario Biografico degli Italiani, Bd. 3. Rom: Istituto della Enciclopedia Italiana, 1961.
  • Brunori, Livia, Hrsg.: Epistolario de Juan Andrés y Morell (1740–1817). Valencia: Generalitat Valenciana/Biblioteca Valenciana, 2006, drei Bände.
  • Lafarga, Francisco: Juan Andrés: el viaje ilustrado y el género epistolar. Biblioteca Virtual Miguel de Cervantes.
  • López Cruces, Antonio José: Juan Andrés: Origen, progresos y estado actual de toda la literatura. I. Historia de toda la Literatura. In: Eikasía. Revista de Filosofía, Nr. 81, 2018.
  • Mombelli, Davide, Hrsg.: Juan Andrés y Morell. La literatura española del siglo XVIII. Madrid: Instituto Juan Andrés/Casimiro, 2017.
  • Mombelli, Davide: La Escuela Universalista: bibliografía temática y recursos en internet. In: Eikasía. Revista de Filosofía, Nr. 81, 2018.
  • Tejerina, Belén: Studien zu Juan Andrés, Reisebericht und spanisch-italienischer Kulturvermittlung des 18. Jahrhunderts.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Akademie Gelehrte Institution, in der Wissenschaft, Literatur, Kunst und Musik im 17. und 18. Jahrhundert öffentlich verhandelt wurden.
  • Akustik Wissenschaft vom Klang, die im 18. Jahrhundert für Musiktheorie und Naturwissenschaft gleichermaßen wichtig wurde.
  • Antonio Eximeno Spanischer Jesuit und Musiktheoretiker, dessen Werk im Umfeld der universalistischen Aufklärung steht.
  • Aufklärung Europäische Denkbewegung, die Kritik, Wissenschaft, Öffentlichkeit und historische Ordnung des Wissens neu bestimmte.
  • Bibliographie Verzeichnis- und Ordnungspraxis, die für Andrés’ Arbeit an Literatur- und Wissenschaftsgeschichte grundlegend ist.
  • Bibliotheksgeschichte Geschichte der Sammlungen, Kataloge und Institutionen, die gelehrtes Wissen speicherten und vermittelten.
  • Briefkultur Kommunikationsform der Gelehrtenrepublik, in der private Mitteilung und öffentliche Wissensvermittlung ineinandergriffen.
  • Enzyklopädie Ordnungsform des Wissens, die im 18. Jahrhundert neue universalgeschichtliche und systematische Ansprüche entwickelte.
  • Escuela Universalista Española Spanisch-italienische Gelehrtenströmung des 18. Jahrhunderts mit Beiträgen zu Komparatistik, Linguistik, Musik und Kulturgeschichte.
  • Galileo Galilei Naturforscher und Bezugspunkt der wissenschaftshistorischen Reflexion bei Andrés.
  • Humanismus Bildungstradition, die antike Literatur, Philologie, Rhetorik und moralische Selbstbildung miteinander verbindet.
  • Jesuiten Katholischer Orden mit großer Bedeutung für Bildung, Mission, Wissenschaft, Musikpflege und transnationale Gelehrsamkeit.
  • Komparatistik Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft, deren Vorgeschichte eng mit Andrés’ universalhistorischem Ansatz verbunden ist.
  • Literaturgeschichte Historische Darstellung literarischer und gelehrter Überlieferungen, die Andrés in universalem Umfang entwirft.
  • Literaturkritik Urteils- und Deutungsform über Texte, Gattungen und Traditionen, bei Andrés eng mit Historie verbunden.
  • Lorenzo Hervás Spanischer Universalgelehrter und Sprachforscher im Umfeld der spanischen universalistischen Aufklärung.
  • Mantua Italienischer Kulturort, der für Andrés’ Exil, akademische Kontakte und frühe Publikationen wichtig war.
  • Musikgeschichte Historische Betrachtung musikalischer Praxis, Theorie und Institutionen als Teil umfassender Kulturgeschichte.
  • Musikkritik Beurteilung musikalischer Traditionen, Systeme und Geschmacksformen im Kontext ästhetischer und historischer Argumentation.
  • Musiktheorie Lehre von Ton, Klang, Harmonie, Ordnung und musikalischen Strukturen, die bei Andrés auch wissenschaftsgeschichtlich erscheint.
  • Orientalismus Europäische Beschäftigung mit Sprachen, Literaturen und Künsten des Orients, bei Andrés unter vergleichendem Vorzeichen.
  • Parma Italienischer Druck- und Kulturort, an dem Andrés’ Hauptwerk in der Stamperia Reale erschien.
  • Reisebericht Literarische Form der Beobachtung, Beschreibung und Kulturvermittlung, die in Andrés’ Cartas familiares zentral ist.
  • Rhetorik Lehre von Rede, Stil und Wirkung, die für die jesuitische Bildung und Andrés’ literaturhistorisches Denken grundlegend war.
  • Rom Kulturzentrum und Sterbeort von Juan Andrés y Morell.
  • Universalgeschichte Geschichtsentwurf, der Kulturen, Wissenschaften, Literaturen und Institutionen in einem Gesamtzusammenhang betrachtet.
  • Wissenschaftsgeschichte Historische Erforschung der Entstehung und Veränderung wissenschaftlicher Begriffe, Methoden und Institutionen.