Akademie
Begriffsgeschichte, musikgeschichtliche Bedeutungen, Konzertwesen, Bildungseinrichtungen und künstlerische Institutionen.
Das Wort Akademie hat im Lauf der Musikgeschichte mehrere voneinander unterscheidbare Bedeutungen angenommen. Es bezeichnet nicht nur eine gelehrte oder künstlerische Körperschaft, sondern konnte auch eine Musikgesellschaft, ein Konzert, eine Operninstitution, eine Chorvereinigung, eine Ausbildungsstätte, eine Meisterklasse oder eine öffentlich anerkannte Kunstinstitution meinen. Gerade diese Mehrdeutigkeit macht den Begriff kulturgeschichtlich ergiebig, weil er den Übergang von höfischer Repräsentation zu bürgerlicher Musikkultur, von privater Liebhaberei zu öffentlichem Konzertleben und von informeller Bildung zu professionalisierter Kunstpädagogik sichtbar macht.
Kurzübersicht
| Lemma | Akademie. |
|---|---|
| Wortherkunft | Der Begriff geht auf die platonische Akademie bei Athen zurück, die nach dem Hain beziehungsweise Bezirk des Akademos benannt wurde. |
| Kernbedeutung | Gemeinschaft, Institution oder Veranstaltung mit gelehrtem, künstlerischem, musikalischem oder pädagogischem Anspruch. |
| Musikgeschichtliche Bedeutungen | Musikgesellschaft, Konzert, Operninstitution, Chorvereinigung, Konservatorium, Hochschule, künstlerische Körperschaft, Meisterklasse und institutioneller Rahmen für Komposition, Aufführung und Archivbildung. |
| Zeitraum | Antike Begriffstradition; in der europäischen Musikgeschichte besonders wirksam seit dem 17. und 18. Jahrhundert. |
| Kultureller Schwerpunkt | Institutionalisierung von Musik, Öffentlichkeit des Konzerts, Ausbildung professioneller Musiker, Pflege älterer Musik, Kunstförderung und bürgerliche Selbstorganisation. |
| Beispielhafte Institutionen | Académie royale de Musique in Paris, Academy of Ancient Music in London, Sing-Akademie zu Berlin, Musikalische Akademie Mannheim, Royal Academy of Music in London, Akademie der Künste in Berlin. |
Begriff und Herkunft
Der Begriff Akademie ist älter als seine musikalischen Bedeutungen. Sein Ursprung liegt in der antiken Philosophenschule Platons, die ihren Namen vom Gelände des Akademos in Athen erhielt. Aus dieser Herkunft entwickelte sich die allgemeine Vorstellung einer auf geistige Übung, Lehre, Forschung, Diskussion und gemeinschaftliche Erkenntnis gerichteten Institution.
In der europäischen Frühen Neuzeit wurde der Begriff auf gelehrte Gesellschaften, Kunstvereinigungen und höfisch oder städtisch organisierte Körperschaften übertragen. Im Bereich der Musik konnte Akademie dadurch sehr unterschiedliche Sachverhalte bezeichnen: eine Gesellschaft von Musikliebhabern, eine regelhafte Konzertveranstaltung, eine Institution des Musiktheaters, eine Schule für professionelle Ausbildung oder eine Vereinigung von Künstlern mit repräsentativem und kulturpolitischem Auftrag.
Die Bedeutungsbreite des Wortes hängt wesentlich damit zusammen, dass Musik lange nicht nur als Kunstwerk, sondern zugleich als Bildungspraxis, höfische Repräsentationsform, religiöse Übung, gesellschaftliche Geselligkeit und öffentliches Ereignis verstanden wurde. Eine Akademie war daher selten nur ein Verwaltungsbegriff. Sie war ein Ort, an dem Kunst, Bildung, Prestige und Öffentlichkeit miteinander verbunden wurden.
Musikgeschichtliche Bedeutungen
| Gelehrte Gesellschaft | Akademie konnte eine Körperschaft bezeichnen, die wissenschaftliche, poetische, künstlerische oder musikalische Fragen gemeinschaftlich behandelte. Im musikalischen Bereich gehörten dazu Diskussionen über Theorie, Komposition, Aufführungspraxis und ältere Musik. |
|---|---|
| Musikgesellschaft | Besonders im 17. und 18. Jahrhundert konnte Akademie eine Vereinigung von Berufsmusikern, gebildeten Liebhabern, Sängern, Instrumentalisten oder Mäzenen meinen. Solche Gesellschaften verbanden musikalische Praxis mit sozialer Repräsentation. |
| Konzertveranstaltung | Im deutschsprachigen Raum wurde Akademie häufig auch als Bezeichnung für ein öffentliches oder halböffentliches Konzert verwendet. Ein Akademiekonzert konnte dem künstlerischen Vortrag, der Präsentation neuer Werke, der Benefizsammlung oder der Selbstdarstellung eines Virtuosen dienen. |
| Operninstitution | In Frankreich bezeichnete Académie royale de Musique die königlich privilegierte Operninstitution, aus der die Pariser Oper hervorging. Der Begriff Akademie war hier eng mit höfischer Autorität, Aufführungsprivileg und staatlich regulierter Kunst verbunden. |
| Chorvereinigung | Die Bezeichnung Sing-Akademie wurde für bürgerliche Chorvereinigungen verwendet, die ältere und neuere Vokalmusik pflegten. Hier stand die Verbindung von musikalischer Bildung, gemeinschaftlichem Singen und bürgerlicher Kultur im Mittelpunkt. |
| Konservatorium und Hochschule | Seit dem 18. und 19. Jahrhundert wurde Akademie zunehmend auch für Ausbildungsstätten verwendet. Musikakademien, Konservatorien und Hochschulen institutionalisierten die professionelle Ausbildung in Gesang, Instrumentalspiel, Komposition, Dirigieren, Kirchenmusik und Musiktheorie. |
| Künstlerische Körperschaft | Akademien der Künste vereinten Komponisten, Musiker, Dichter, Maler, Architekten, Theaterleute und andere Künstler. Sie dienten der Kunstförderung, der Repräsentation, der Preisvergabe, der Archivbildung und der öffentlichen Debatte über Kunst. |
| Meisterklasse | Im 19. und 20. Jahrhundert konnte Akademie auch für eine besondere Form höherer künstlerischer Unterweisung stehen, etwa als Meisterklasse, Sommerakademie oder Fortbildungseinrichtung für bereits fortgeschrittene Musiker. |
| Archiv und Gedächtnisinstitution | Viele Akademien sammelten Handschriften, Autographe, Partituren, Briefe, Konzertprogramme und Nachlässe. Dadurch wurden sie zu Trägern musikalischer Erinnerung und zu wichtigen Orten der Musikgeschichtsschreibung. |
Akademie als höfische und staatliche Operninstitution
Eine besonders folgenreiche Bedeutung erhielt der Begriff in Frankreich. Die 1669 begründete Académie d’Opéra, später Académie royale de Musique, wurde zur institutionellen Grundlage der französischen Oper. Sie war keine Akademie im Sinn einer freien Gelehrtengesellschaft, sondern eine privilegierte Bühne, deren Aufgabe in der öffentlichen Aufführung französischsprachiger Musikdramen lag.
In dieser Verwendung verbindet sich der Begriff Akademie mit königlicher Autorität. Kunst erscheint nicht als private Liebhaberei, sondern als staatlich regulierte Repräsentationsform. Das betrifft insbesondere die Gattung der französischen Oper, die unter Jean-Baptiste Lully und seinen Nachfolgern eine eigene ästhetische Prägung erhielt. Die Akademie war hier Aufführungsanstalt, Monopolträgerin, Stilzentrum und Instrument höfischer Kulturpolitik zugleich.
Aus kulturgeschichtlicher Sicht zeigt diese französische Bedeutung, dass Akademie nicht nur Bildung und Forschung bedeuten konnte. Das Wort konnte ebenso den institutionellen Rahmen bezeichnen, in dem Macht, Bühne, Sprache, Tanz, Musik und höfische Ordnung zusammengeführt wurden.
Akademie als Konzert und Musikgesellschaft
Im deutschen Sprachraum war Akademie im 18. und frühen 19. Jahrhundert häufig eine Bezeichnung für ein Konzert. Besonders in Städten, in denen sich ein bürgerliches Musikleben ausbildete, konnte ein Akademiekonzert eine neue Form öffentlicher musikalischer Kommunikation sein. Es war nicht mehr ausschließlich Hofzeremoniell und auch nicht nur kirchliche Musikpflege, sondern eine Veranstaltung für ein zahlendes oder eingeladenes Publikum.
Eine solche Akademie konnte der Aufführung neuer Kompositionen, der Präsentation älterer Musik, der virtuosen Selbstdarstellung oder der Finanzierung eines Musikers dienen. Sie konnte einmalig stattfinden oder in Reihen organisiert werden. Die Bezeichnung bewahrte dabei einen gehobenen Anspruch: Eine Akademie war nicht bloß Unterhaltung, sondern sollte Bildung, Geschmack, Kunstsinn und gesellschaftliche Repräsentation verbinden.
Die Musikalische Akademie Mannheim zeigt exemplarisch, wie dauerhaft eine solche Tradition werden konnte. Sie steht für die Verbindung von Orchesterkultur, bürgerlicher Vereinsform, Konzertreihe und institutioneller Eigenverantwortung. In ihr wird sichtbar, dass Akademie auch eine Organisationsform musikalischer Öffentlichkeit sein kann.
Akademie als Chorvereinigung und bürgerliche Musikkultur
Die Sing-Akademie ist eine besonders wichtige Sonderform der musikalischen Akademie. Sie verband gemeinschaftliches Singen mit musikalischer Bildung, Werkpflege und bürgerlicher Selbstorganisation. Die Sing-Akademie zu Berlin, 1791 gegründet, wurde zu einem zentralen Modell für die bürgerliche Chorbewegung und für die Wiederentdeckung älterer Vokalmusik.
Der Begriff Akademie verweist hier nicht auf eine Schule im heutigen Sinn, sondern auf eine Gemeinschaft, in der Musik als kulturelle Bildungspraxis verstanden wurde. Die Mitglieder sangen nicht nur zur Unterhaltung. Sie eigneten sich ältere und neue Werke an, pflegten mehrstimmige Vokalmusik und wirkten an der Ausbildung eines bürgerlichen Kanons mit.
Die historische Bedeutung solcher Sing-Akademien liegt darin, dass sie die Grenze zwischen Liebhaberkultur und professionellem Musikleben durchlässig machten. Sie schufen Räume, in denen gebildete Laien, professionelle Musiker, Komponisten und Dirigenten zusammenwirkten. Damit trugen sie wesentlich zur Entstehung des modernen Konzertpublikums bei.
Akademie als Ausbildungsstätte
Mit dem Aufstieg professioneller musikalischer Ausbildung verlagerte sich eine weitere Bedeutung des Wortes Akademie auf Institutionen, die Unterricht, Prüfung, künstlerische Entwicklung und berufliche Qualifikation miteinander verbanden. Musikakademien und Royal Academies wurden zu Orten, an denen Gesang, Instrumentalspiel, Komposition, Musiktheorie, Dirigieren und später auch Oper, Jazz, Musikpädagogik oder Musiktechnologie gelehrt wurden.
Die Royal Academy of Music in London, 1822 gegründet, ist ein markantes Beispiel für diese Entwicklung. Hier bedeutet Akademie nicht mehr primär gelehrte Sozietät oder Konzertreihe, sondern Konservatorium. Die Institution zielt auf professionelle Ausbildung und ist Teil einer europäischen Entwicklung, in der musikalische Begabung systematisch gefördert, geprüft und in öffentliche Karrieren überführt wird.
Auch im deutschsprachigen Raum wurde die Bezeichnung Musikakademie häufig für Ausbildungsstätten, Fortbildungszentren und Hochschulvorläufer verwendet. Dabei schwankt der Begriff zwischen Schule, Hochschule, Fortbildungsinstitut, Sommerakademie und künstlerischem Labor. Gerade diese Offenheit erlaubt es, sehr unterschiedliche Formen musikalischen Lernens unter demselben Namen zu erfassen.
Akademie als Kunstinstitution und kulturpolitischer Ort
Akademien der Künste sind Institutionen, in denen Musik neben Literatur, Theater, Bildender Kunst, Architektur, Film oder Medienkunst steht. Der musikalische Bereich ist hier nicht isoliert, sondern Teil eines umfassenderen Kunstbegriffs. Komponisten, Dirigenten, Interpreten und Musiktheoretiker treten in Beziehung zu anderen Künsten und zu öffentlichen Debatten über Kultur.
Die Akademie der Künste in Berlin geht in ihrer Tradition auf die 1696 gegründete brandenburgisch-preußische Akademie zurück. Ihre spätere Musikabteilung, ihre Meisterschülertradition, ihre Archive und ihre Veranstaltungen zeigen, dass eine Akademie nicht nur ausbildet oder aufführt, sondern auch künstlerische Erinnerung sammelt und kulturpolitische Stellungnahmen ermöglicht.
In dieser Form wird Akademie zu einem Ort des kulturellen Gedächtnisses. Nachlässe, Partituren, Briefe, Skizzen, Tonträger, Veranstaltungsdokumente und künstlerische Debatten werden archiviert, erschlossen und neu in die Öffentlichkeit gebracht. Der Begriff erhält dadurch eine doppelte Richtung: Er verweist auf lebendige Kunstproduktion und auf die Bewahrung vergangener Kunst.
Das Akademiekonzert
Das Akademiekonzert ist eine besonders wichtige praktische Ausprägung des Begriffs. Es bezeichnet eine Konzertveranstaltung mit gehobenem künstlerischem Anspruch. Im 18. und 19. Jahrhundert konnten solche Konzerte von Komponisten, Virtuosen, Orchestern, Musikgesellschaften oder bürgerlichen Vereinen organisiert werden. Häufig dienten sie zugleich der Aufführung eigener Werke, der Präsentation neuer Besetzungen oder der finanziellen Absicherung eines Künstlers.
Der Begriff Akademiekonzert trägt dabei noch die ältere Würde des Akademischen in sich. Gemeint ist nicht ein Konzert im heutigen Verwaltungsjargon, sondern eine Veranstaltung, die Kunst, Bildung und Öffentlichkeit miteinander verbindet. Das Publikum soll nicht nur unterhalten, sondern auch in seinem Geschmack gebildet werden. Der Konzertsaal wird dadurch zu einem Ort bürgerlicher Selbstverständigung.
In der Musikgeschichte ist diese Entwicklung besonders wichtig, weil sie den Weg vom höfischen Konzert zur bürgerlichen Konzertöffentlichkeit markiert. Das Akademiekonzert gehört zu den Formen, in denen Musik als autonome Kunst und als gesellschaftliches Ereignis zugleich erfahrbar wurde.
Begriffliche Abgrenzung
| Akademie und Universität | Eine Universität ist in der Regel eine umfassende wissenschaftliche Hochschule mit mehreren Disziplinen und formalen Abschlüssen. Eine Akademie kann dagegen enger künstlerisch, musikalisch, repräsentativ oder fachlich spezialisiert sein. |
|---|---|
| Akademie und Konservatorium | Ein Konservatorium ist primär auf musikalische Ausbildung ausgerichtet. Eine Akademie kann ebenfalls Ausbildungsstätte sein, kann aber auch Gesellschaft, Konzertreihe, Kunstinstitution oder Archiv bedeuten. |
| Akademie und Verein | Viele musikalische Akademien waren oder sind vereinsförmig organisiert. Der Begriff Akademie hebt jedoch stärker den künstlerischen und bildenden Anspruch hervor. |
| Akademie und Salon | Der Salon ist stärker an privater Geselligkeit, Gespräch und gesellschaftlicher Begegnung orientiert. Die Akademie besitzt meist einen institutionelleren, programmatischeren oder öffentlichkeitsnäheren Charakter. |
| Akademie und Konzertgesellschaft | Eine Konzertgesellschaft organisiert Aufführungen. Eine Akademie kann dies ebenfalls tun, umfasst aber häufig zusätzlich Bildung, Werkpflege, Archiv, Forschung oder künstlerische Repräsentation. |
Werk- und Bedeutungsverzeichnis
Da Akademie kein einzelner Künstlername, sondern ein institutions- und gattungsgeschichtlicher Begriff ist, kann ein Werkverzeichnis hier nicht als Liste eigener Kompositionen verstanden werden. Sinnvoll ist vielmehr ein Verzeichnis der wichtigsten historischen Erscheinungsformen, Institutionen und mit dem Begriff verbundenen Werkbereiche.
| Académie royale de Musique | Französische Operninstitution des 17. Jahrhunderts; zentral für die Geschichte der französischen Oper, der Tragédie lyrique, des höfischen Musiktheaters und der staatlich privilegierten Aufführungskultur. |
|---|---|
| Academy of Ancient Music | Londoner Musikgesellschaft des 18. Jahrhunderts, die ältere Vokal- und Instrumentalmusik pflegte und damit früh eine historisch orientierte Repertoirebildung vorbereitete. |
| Sing-Akademie zu Berlin | Bürgerliche Chorvereinigung, die für die Pflege mehrstimmiger Vokalmusik, für die Bach-Rezeption und für die Entwicklung des Berliner Konzertlebens von großer Bedeutung wurde. |
| Musikalische Akademie Mannheim | Traditionsreiche Konzertreihe und Selbstorganisation von Orchestermusikern, die den Begriff Akademie als dauerhafte Institution des Konzertwesens bewahrt. |
| Royal Academy of Music London | 1822 gegründetes Konservatorium und Beispiel für die Bedeutung von Akademie als professioneller musikalischer Ausbildungsstätte. |
| Akademie der Künste Berlin | Künstlerische Körperschaft, Archiv- und Veranstaltungsinstitution mit Musikbezug, Meisterklassen, Nachlässen und interdisziplinären Kunstdebatten. |
| Musikakademien und Sommerakademien | Einrichtungen der Fortbildung, Meisterkurse, Interpretationspraxis, Komposition und internationalen Nachwuchsförderung. |
| Akademiekonzerte | Konzertform mit besonderem künstlerischem, bildendem oder repräsentativem Anspruch, häufig verbunden mit neuen Werken, Virtuosenauftritten, Benefizzwecken oder institutioneller Programmatik. |
| Akademische Preis- und Förderpraxis | Akademien vergeben Preise, Stipendien, Mitgliedschaften und Arbeitsaufenthalte; dadurch wirken sie auf Kanonbildung, Reputation und künstlerische Karrieren ein. |
| Akademische Archivbildung | Sammlung von Partituren, Autographen, Briefen, Programmen, Tonträgern und Nachlässen; wesentlich für Musikforschung und kulturelles Gedächtnis. |
Ausführlicher Kulturüberblick
Der Begriff Akademie steht an der Schnittstelle von Bildung, Kunst, Öffentlichkeit und Institution. Seine musikgeschichtliche Bedeutung lässt sich nur verstehen, wenn man ihn nicht auf die heutige Vorstellung einer Hochschule reduziert. In älteren Zusammenhängen konnte eine Akademie ebenso gut ein Kreis von Musikliebhabern, ein höfisch privilegiertes Theater, eine bürgerliche Chorvereinigung oder ein festliches Konzert meinen.
In der höfischen Kultur bezeichnete Akademie häufig eine durch Autorität legitimierte Kunstinstitution. Die französische Académie royale de Musique zeigt besonders klar, wie eng Kunst und Herrschaft miteinander verbunden sein konnten. Musik war hier nicht nur Ausdruck individueller Kreativität, sondern Teil staatlicher und monarchischer Repräsentation. Die Oper wurde in einen institutionellen Rahmen gebracht, der ästhetische Normierung, Sprachpolitik, Tanzkultur und Aufführungsprivilegien miteinander verband.
In der bürgerlichen Musikkultur des 18. und 19. Jahrhunderts verschob sich der Akzent. Akademien wurden zu Orten der Selbstorganisation und des öffentlichen Kunsturteils. Musikgesellschaften, Sing-Akademien und Akademiekonzerte schufen ein Publikum, das Musik nicht nur konsumierte, sondern als Bestandteil der eigenen Bildung verstand. Die Akademie wurde damit zu einem Medium bürgerlicher Kultur: Man hörte, sang, diskutierte, sammelte, archivierte und wertete Musik.
Besonders folgenreich war die Rolle der Akademien bei der Herausbildung eines musikalischen Kanons. Die Beschäftigung mit älterer Musik, mit Palestrina, Bach, Händel, Purcell oder anderen historischen Komponisten, setzte voraus, dass Musik nicht nur als Gegenwartskunst, sondern als geschichtliche Überlieferung verstanden wurde. Akademien trugen dazu bei, Werke zu bewahren, wiederaufzuführen und in neue ästhetische Zusammenhänge zu stellen.
Auch für die Professionalisierung des Musikerberufs war die Akademie entscheidend. Während musikalische Ausbildung zuvor stark an Hofkapellen, Kirchen, Familien, Zünften, Theatern oder privaten Lehrverhältnissen orientiert war, schufen Musikakademien und Konservatorien standardisierte Ausbildungswege. Technik, Stil, Theorie, Repertoirekenntnis und berufliche Disziplin wurden institutionell vermittelt. Damit entstand ein neuer Typus des professionellen Musikers, dessen Ausbildung nicht mehr allein im Meister-Schüler-Verhältnis, sondern in einer dauerhaften Einrichtung stattfand.
Im 20. und 21. Jahrhundert bleibt der Akademiebegriff produktiv, weil er sich an neue Kulturformen anpassen kann. Akademien organisieren Meisterkurse, Festivals, Kompositionswerkstätten, elektronische Studios, Forschungsprojekte, Residenzprogramme, Archive und öffentliche Debatten. Der Begriff bezeichnet daher weiterhin nicht nur eine Schule, sondern einen Raum, in dem Kunst gelernt, geprüft, diskutiert, produziert, bewahrt und öffentlich gemacht wird.
Sekundärliteratur
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- https://adk.de/startseite
- https://adk.de/studio-fuer-elektroakustische-musik
- https://archive.org/details/543272001
- https://de.wikipedia.org/wiki/Akademie
- https://en.wikipedia.org/wiki/Academy_of_Ancient_Music_%281726-1802%29
- https://en.wikipedia.org/wiki/Sing-Akademie_zu_Berlin
- https://en.wikipedia.org/wiki/Royal_Academy_of_Music
Weiterführende Einträge
- Akademiekonzert Konzertform mit gehobenem künstlerischem und bildendem Anspruch.
- Konzert Öffentliche Aufführungspraxis und zentrale Institution des bürgerlichen Musiklebens.
- Konzertgesellschaft Vereins- und Organisationsform zur regelmäßigen Veranstaltung von Konzerten.
- Sing-Akademie Chorvereinigung zwischen bürgerlicher Bildung, Vokalmusikpflege und Konzertgeschichte.
- Academy of Ancient Music Londoner Musikgesellschaft und moderner Name eines Ensembles für historisch informierte Aufführungspraxis.
- Académie royale de Musique Französische Operninstitution und Vorläuferin der Pariser Oper.
- Pariser Oper Zentrale Institution der französischen Operngeschichte.
- Konservatorium Institution professioneller musikalischer Ausbildung.
- Musikhochschule Moderne Ausbildungs- und Forschungsinstitution für Musik.
- Musikgesellschaft Vereinigung zur Pflege, Aufführung und Förderung musikalischer Kunst.
- Bürgerliche Musikkultur Konzert-, Vereins- und Bildungskultur des 18. und 19. Jahrhunderts.
- Chorverein Organisierte Form gemeinschaftlicher Vokalmusikpflege.
- Oratorium Gattung geistlicher und konzertanter Vokalmusik, häufig von Akademien und Chorvereinigungen gepflegt.
- Kirchenmusik Sakrale Musikpraxis zwischen Liturgie, Konzert und Ausbildung.
- Historische Aufführungspraxis Interpretationsrichtung, die ältere Musik mit Quellen-, Instrumenten- und Stilkenntnis erschließt.
- Musikalischer Kanon Auswahl überlieferter Werke, die durch Institutionen, Aufführungen und Bildung stabilisiert wird.
- Kunstakademie Institution künstlerischer Ausbildung, Repräsentation und Normbildung.
- Akademie der Künste Künstlerische Körperschaft, Archiv- und Veranstaltungsinstitution.
- Mäzenatentum Kulturelle Förderung durch Hof, Staat, Bürgertum oder private Stifter.
- Musikarchiv Sammlung, Bewahrung und Erschließung musikalischer Quellen.