Amar-Quartett
Überblick
Das Amar-Quartett, auch Amar-Hindemith-Quartett genannt, war eines der wichtigsten Streichquartette der 1920er Jahre. Es entstand 1921 im Zusammenhang mit der Uraufführung von Paul Hindemiths Streichquartett op. 16 bei den Donaueschinger Kammermusikaufführungen und wurde von Licco Amar als Primarius geleitet. Ab 1922 trat es als dauerhaftes Ensemble hervor; bis 1929 gehörte Hindemith ihm als Bratscher an.
Das Quartett war nicht nur ein Ensemble für klassisches Repertoire, sondern ein aktiver Träger der Neuen Musik. Es spielte Werke von Hindemith, Béla Bartók, Igor Strawinsky, Ernst Krenek, Karol Szymanowski, Arnold Schönberg, Anton Webern, Alois Hába, Alfredo Casella, Philipp Jarnach, Max Butting und weiteren Komponisten. Damit gehörte es zu jenen Ensembles, die moderne Kammermusik in der Weimarer Republik nicht nur aufführten, sondern programmatisch durchsetzten.
Die historische Bedeutung des Amar-Quartetts liegt in drei Bereichen. Erstens verkörpert es die enge Verbindung von Komponist und Interpret, weil Hindemith selbst als Bratscher mitspielte. Zweitens zeigt es die neue Rolle des Streichquartetts als Labor der Gegenwartsmusik. Drittens macht seine Geschichte sichtbar, wie die musikalische Moderne durch Nationalsozialismus, Exil, Berufsverbot und institutionelle Brüche zerstört oder verstreut wurde.
Kurzdaten
| Name | Amar-Quartett. |
|---|---|
| Weitere Namensformen | Amar Quartett, Amar Quartet, Amar-Hindemith-Quartett, Amar-Hindemith Quartet, historisches Amar-Quartett Frankfurt am Main. |
| Gattung | Streichquartett, Kammermusikensemble, Ensemble für klassische und zeitgenössische Quartettliteratur. |
| Gegründet | 1921 im Zusammenhang mit der Uraufführung von Hindemiths Streichquartett op. 16 in Donaueschingen; ab 1922 als dauerhaftes Amar-Quartett etabliert. |
| Sitz und Wirkungsschwerpunkt | Frankfurt am Main, Donaueschingen, deutsche Musikzentren und europäische Konzertorte. |
| Leitung | Licco Amar als Primarius und erster Geiger. |
| Zweite Violine | Walter Caspar, auch Walter Kaspar geschrieben. |
| Viola | Paul Hindemith von 1922 bis 1929; danach Erich Kraack. |
| Violoncello | Rudolf Hindemith 1921/1922 und zeitweise erneut; Maurits Frank von 1922 bis 1929 beziehungsweise in späteren Darstellungen mit Wechselphasen bis 1933. |
| Wichtigster Entstehungsanlass | Uraufführung von Paul Hindemiths Streichquartett op. 16 bei den Donaueschinger Kammermusikaufführungen 1921. |
| Künstlerisches Profil | Quartett der Neuen Musik, Hindemith-Ensemble, modernes Repertoireensemble, zugleich Interpret klassischer und romantischer Quartettliteratur. |
| Aktive Zeit | Kernzeit 1921 bis 1929 mit Paul Hindemith; in weiterem Sinn bis 1933 als Amar-Quartett mit veränderter Besetzung. |
| Spätere Namensübertragung | 1995 übertrug das Hindemith-Institut Frankfurt den historischen Namen Amar Quartett auf ein 1987 gegründetes Zürcher Ensemble. |
| Dateiname | amar-quartett.shtml |
Quellenlage, Namensform und Abgrenzung
Die Quellenlage zum Amar-Quartett ist vergleichsweise gut, aber chronologisch genau zu lesen. Der Ursprung liegt 1921 in Donaueschingen. Das Ensemble kam zunächst zusammen, um Hindemiths neues Streichquartett op. 16 aufzuführen. Erst danach wurde aus dieser projektbezogenen Formation ein dauerhaftes Quartett. Deshalb nennen manche Quellen 1921 als Gründungsjahr, andere betonen 1922 als Jahr der festen Etablierung unter dem Namen Amar-Quartett.
Auch das Ende wird unterschiedlich gefasst. Die Kernphase mit Paul Hindemith als Bratscher reicht von 1922 bis 1929. Nach Hindemiths Ausscheiden übernahm Erich Kraack die Bratsche, und das Ensemble bestand in erweiterter Auffassung bis 1933 fort. Für kulturlexikalische Genauigkeit ist daher sinnvoll, zwischen dem Amar-Hindemith-Quartett der Jahre 1922 bis 1929 und dem weitergeführten Amar-Quartett bis zur nationalsozialistischen Zäsur zu unterscheiden.
Schließlich ist das historische Ensemble vom heutigen Zürcher Amar Quartett zu trennen. Das moderne Quartett wurde 1987 gegründet und erhielt 1995 anlässlich des 100. Geburtstags Paul Hindemiths vom Hindemith-Institut Frankfurt den historischen Namen. Es steht damit in einer Erinnerungslinie, ist aber personell und institutionell nicht identisch mit dem Frankfurter Ensemble der 1920er Jahre.
Gründung 1921 und Donaueschinger Ursprung
Die Gründung des Amar-Quartetts hängt unmittelbar mit den ersten Donaueschinger Kammermusikaufführungen zusammen. Paul Hindemith hatte sein Streichquartett op. 16 geschrieben, das für ein etabliertes Ensemble zunächst offenbar als schwer zugänglich und riskant galt. Aus dieser Situation heraus bildete sich eine neue Formation: Licco Amar übernahm die erste Violine, Walter Caspar die zweite Violine, Paul Hindemith spielte Viola und Rudolf Hindemith Violoncello.
Die Uraufführung von Hindemiths Quartett op. 16 wurde zu einem künstlerischen Schlüsselmoment. Das Werk markierte Hindemiths Durchbruch als moderner Kammermusikkomponist und zeigte zugleich, dass neue Musik ein neues Interpretationsethos brauchte. Es genügte nicht, die Partitur technisch zu bewältigen. Man musste sich auf eine neue Energie, eine neue rhythmische Schärfe, eine neue Faktur und einen anderen Klangbegriff einlassen.
Das Ensemble blieb nach dieser Aufführung zusammen. Aus dem Anlassquartett wurde ein programmatisches Quartett. Der Name Amar-Quartett setzte Licco Amar als Primarius in den Vordergrund, auch wenn Hindemith rasch das berühmteste Mitglied wurde. Diese Namensgebung macht deutlich, dass die künstlerische Leitung des Quartettspiels bei Amar lag.
Besetzung und Ensemblephasen
Die Grundbesetzung des Amar-Quartetts war zunächst Licco Amar, erste Violine, Walter Caspar, zweite Violine, Paul Hindemith, Viola, und Rudolf Hindemith, Violoncello. Schon bald wechselte die Celloposition. Maurits Frank trat in das Ensemble ein und wurde eine zentrale Figur der klassischen Amar-Hindemith-Formation.
Die wichtigste stabile Phase reicht von 1922 bis 1929. In dieser Zeit bildeten Amar, Caspar, Hindemith und Frank beziehungsweise zeitweise Rudolf Hindemith den Kern des Ensembles. Hindemiths Ausscheiden 1929 bedeutete eine Zäsur, weil damit der direkte Komponist-Interpret-Zusammenhang im Ensemble endete. Erich Kraack übernahm die Bratsche.
Bis 1933 wurde das Quartett in veränderter Besetzung weitergeführt. Der Nationalsozialismus und die Ausgrenzung jüdischer und moderner Musiker machten die Fortsetzung der bisherigen Laufbahn unmöglich. Licco Amar verlor in Deutschland seine beruflichen Grundlagen und ging später ins Exil. Damit endete nicht nur eine Ensemblegeschichte, sondern ein ganzer Abschnitt moderner deutscher Kammermusikkultur.
Licco Amar als Primarius
Licco Amar war der Namensgeber und Primarius des Ensembles. Seine Rolle bestand nicht nur im Spielen der ersten Violine. Als Primarius prägte er Probenarbeit, Phrasierung, Intonation, Ensemblebalance, öffentliche Repräsentation und künstlerische Haltung. Gerade bei Neuer Musik musste der erste Geiger nicht nur führen, sondern überzeugen, strukturieren und die fremde Partitur in eine hörbare Gestalt bringen.
Amar verband die technische Ausbildung der Budapester und Berliner Violinschulen mit moderner Kammermusikbereitschaft. Seine Erfahrung als Konzertmeister der Berliner Philharmoniker und am Nationaltheater Mannheim gab ihm jene institutionelle Professionalität, die ein modernes Quartett brauchte. Er war kein isolierter Virtuose, sondern ein Ensembleführer.
Dass Hindemith, obwohl er als Komponist immer prominenter wurde, das Quartett nach Amar benannte, ist kulturgeschichtlich aussagekräftig. Es zeigt die Anerkennung der interpretatorischen Autorität des Geigers. Das Amar-Quartett war nicht einfach Hindemiths Begleitapparat, sondern ein eigenständiges Ensemble, in dem ein Komponist als Spieler und ein Geiger als Primarius zusammenwirkten.
Paul Hindemith als Bratscher und Motor der Moderne
Paul Hindemith spielte im Amar-Quartett Bratsche. Diese Position ist für sein eigenes Schaffen entscheidend. Hindemith war nicht nur Komponist am Schreibtisch, sondern praktischer Kammermusiker. Er erprobte im Ensemble, was er schrieb, und stand mit den Realitäten von Probenarbeit, Klangbalance und Aufführung unmittelbar in Kontakt.
Die Jahre 1922 bis 1929 waren für Hindemiths internationale Karriere zentral. Das Amar-Quartett machte ihn in der europäischen Kammermusikszene sichtbar. Der Komponist trat nicht nur durch Partituren, sondern auch durch sein Spiel auf. Diese Verbindung von Schreiben und Spielen gehört zum Kern seiner Ästhetik: Musik war für ihn Handwerk, Bewegung, Satztechnik, Spielpraxis und öffentliche Erprobung zugleich.
Das Quartett förderte besonders Hindemiths Streichquartette und Kammermusik. Es half, die sperrige, energetische und oft provozierende Tonsprache seiner frühen Jahre in den Konzertbetrieb einzuführen. Dadurch wurde das Amar-Quartett zu einem der wichtigsten Hindemith-Ensembles vor 1930.
Repertoire, Uraufführungen und Neue Musik
Das Amar-Quartett wurde vor allem durch sein Eintreten für zeitgenössische Musik bekannt. Es spielte Hindemith nicht nur gelegentlich, sondern programmatisch. Hinzu kamen Werke anderer moderner Komponisten, darunter Bartók, Strawinsky, Krenek, Szymanowski, Schönberg, Webern, Hába, Casella, Butting und Jarnach. Diese Namen zeigen, wie international der Horizont des Quartetts war.
Das Ensemble trat häufig bei den Donaueschinger Musiktagen auf. Donaueschingen war in den 1920er Jahren ein zentraler Ort für moderne Kammermusik. Dort wurden neue Werke nicht nur vorgestellt, sondern als Teil einer künstlerischen Bewegung wahrgenommen. Das Amar-Quartett gehörte zu den Ensembles, die diesem Ort Klang und Profil gaben.
Gleichzeitig spielte das Quartett nicht ausschließlich Neue Musik. Es beherrschte auch das klassische und romantische Repertoire. Gerade diese Doppelkompetenz war wichtig. Die Moderne wurde nicht als Bruch mit aller Tradition aufgeführt, sondern als Fortsetzung und Herausforderung einer anspruchsvollen Quartettkultur. Ein Ensemble, das Beethoven, Mozart oder Schubert ernst nehmen konnte, konnte auch Hindemith, Bartók oder Schönberg als ernsthafte Quartettliteratur präsentieren.
Konzertreisen, Rundfunk und Schallplatte
Das Amar-Quartett konzertierte in vielen deutschen Städten und darüber hinaus in europäischen Musikzentren. Es trat in Ländern wie Dänemark, Österreich, Italien, den Niederlanden, der Schweiz und der Tschechoslowakei auf. Ende der 1920er Jahre unternahm es auch ausgedehnte Konzertreisen in die Sowjetunion. Solche Reisen erweiterten den Wirkungskreis moderner Kammermusik erheblich.
Die Quartettkultur der 1920er Jahre war zugleich durch neue Medien geprägt. Rundfunk und Schallplatte veränderten die Reichweite von Kammermusik. Das Amar-Quartett trat nicht nur im Konzertsaal auf, sondern war auch im Kontext von Sendungen und Aufnahmen präsent. Damit wurde das Ensemble Teil einer modernen Musiköffentlichkeit, die über den lokalen Konzertabend hinausging.
Historische Aufnahmen des Amar-Hindemith-Quartetts besitzen heute besonderen Quellenwert. Sie dokumentieren nicht nur Repertoire, sondern auch Spielstil, Tempi, Klangvorstellung, Vibratogebrauch, Artikulation und Ensemblebalance einer Epoche, in der Neue Musik noch unmittelbar Gegenwart war.
Auflösung, NS-Zäsur und Exilzusammenhänge
Die innere Zäsur des Ensembles begann 1929 mit Hindemiths Ausscheiden. Er übernahm eine Professur in Berlin und konnte die intensive Quartettarbeit nicht in gleicher Weise fortsetzen. Erich Kraack trat als Bratscher nach. Damit blieb der Name Amar-Quartett erhalten, doch die besondere Konstellation von Amar und Hindemith war beendet.
Die äußere Zäsur kam 1933. Das nationalsozialistische Regime zerstörte die kulturellen Voraussetzungen, unter denen das Quartett entstanden war. Moderne Musik wurde als verdächtig, fremd oder „entartet“ bekämpft; jüdische Musiker wurden aus dem Musikleben gedrängt. Licco Amar war unmittelbar betroffen. Seine weitere Laufbahn führte über Paris in die Türkei.
Das Ende des Amar-Quartetts ist daher mehr als eine gewöhnliche Ensembleauflösung. Es zeigt, wie eng die musikalische Moderne der Weimarer Republik mit einer offenen, international vernetzten und teilweise jüdisch geprägten Kultur verbunden war. Diese Kultur wurde ab 1933 nicht natürlich abgelöst, sondern politisch zerstört.
Namensübertragung 1995 und modernes Amar Quartett
1995 wurde der historische Name Amar Quartett vom Hindemith-Institut Frankfurt auf ein 1987 gegründetes Zürcher Quartett übertragen. Anlass war der 100. Geburtstag Paul Hindemiths. Diese Namensübertragung war ein Akt musikalischer Erinnerungskultur. Sie stellte das moderne Ensemble in eine Traditionslinie mit dem historischen Amar-Hindemith-Quartett, ohne beide Ensembles personell oder institutionell gleichzusetzen.
Das heutige Amar Quartett knüpft an die Idee an, klassische Quartettliteratur mit moderner und zeitgenössischer Musik zu verbinden. Damit wird ein wesentlicher Impuls des historischen Ensembles fortgeführt: Das Streichquartett soll nicht nur Museum der Vergangenheit sein, sondern lebendige Form der Gegenwartsmusik.
Ausführlicher Kulturüberblick
Das Amar-Quartett gehört zu den charakteristischen Ensembles der Weimarer Republik. Diese Zeit war von Gegensätzen geprägt: politischer Instabilität, ökonomischen Krisen, urbaner Modernisierung, künstlerischem Experiment und medialer Beschleunigung. Die Musik reagierte darauf mit neuen Formen, neuen Klangidealen und neuen Institutionen. Das Streichquartett, traditionell eine besonders ehrwürdige Gattung, wurde plötzlich zu einem Ort der Avantgarde.
Im 19. Jahrhundert war das Streichquartett stark mit Beethoven, Mozart, Haydn, Schubert, Mendelssohn, Brahms und später auch Reger verbunden. Es galt als Gattung der Konzentration, der geistigen Durcharbeitung und des intimen Gesprächs. Um 1920 wurde diese Tradition nicht aufgegeben, aber radikal erweitert. Komponisten wie Hindemith, Bartók und Schönberg zeigten, dass das Streichquartett auch Dissonanz, motorische Energie, neue Formen, politische Nervosität und ästhetische Provokation tragen konnte.
Das Amar-Quartett war für diesen Wandel entscheidend, weil moderne Kammermusik auf spezialisierte Interpreten angewiesen war. Eine Partitur kann noch so bedeutend sein; sie wird erst geschichtlich wirksam, wenn Musiker sie einstudieren, aufführen, wiederholen und verteidigen. In der frühen Moderne war diese Vermittlung besonders schwierig. Publikum und Kritik reagierten oft mit Ablehnung, Spott oder Ratlosigkeit. Das Amar-Quartett stellte sich genau dieser Situation.
Donaueschingen war der symbolische Ort dieser neuen Kammermusikkultur. Dort entstanden nicht nur Aufführungen, sondern Netzwerke. Komponisten, Verleger, Kritiker, Musiker und Förderer trafen zusammen. Das Amar-Quartett wurde Teil eines Systems, in dem Gegenwartsmusik nicht zufällig, sondern programmatisch sichtbar wurde. Hindemiths op. 16 war dabei ein Initialereignis.
Die besondere Stärke des Ensembles lag in der Verbindung von Komponist und Quartettpraxis. Hindemith spielte Bratsche, Amar führte als erster Geiger. Dadurch entstand eine produktive Spannung: Der Komponist war Mitspieler, nicht bloßer Autor; der Primarius war Interpret und Organisator, nicht bloßer Ausführer. Diese Konstellation machte das Quartett zu einem praktischen Labor der musikalischen Moderne.
Das Repertoire des Ensembles verweist auf eine internationale Moderne. Bartók brachte ungarische, ostmitteleuropäische und rhythmisch neue Elemente ein; Strawinsky stand für russisch-französische Neoklassik und rhythmische Schärfe; Schönberg und Webern für die Wiener Atonalität und kompositorische Verdichtung; Szymanowski für polnisch-französisch geprägte Farbigkeit; Krenek, Butting und Jarnach für verschiedene deutschsprachige Modernepositionen. Das Amar-Quartett bewegte sich durch diese Vielfalt mit professioneller Selbstverständlichkeit.
Der Rundfunk und die Schallplatte veränderten die Situation zusätzlich. Kammermusik musste nicht mehr ausschließlich im exklusiven Saal stattfinden. Sie konnte gesendet, aufgenommen und überregional verbreitet werden. Das Amar-Quartett wurde dadurch Teil einer neuen technischen Öffentlichkeit. Moderne Musik war nicht nur ästhetisches Experiment, sondern auch Medienereignis.
Die nationalsozialistische Zäsur unterbrach diese Entwicklung brutal. Gerade Ensembles, die internationale Moderne, jüdische Biographien, experimentelle Programme und neue Institutionen verbanden, wurden getroffen. Das Amar-Quartett steht deshalb auch für einen Verlust: für eine moderne Kammermusikkultur, die sich unter anderen Bedingungen hätte weiterentwickeln können.
Die spätere Namensübertragung auf das Zürcher Amar Quartett zeigt, dass Erinnerung an musikalische Moderne nicht nur in Archiven stattfindet. Sie kann durch Ensemblepraxis erneuert werden. Wenn ein heutiges Quartett den historischen Namen trägt, wird die Frage gestellt, was es bedeutet, Neue Musik ernst zu nehmen, Tradition weiterzuführen und zugleich auf vergessene oder verdrängte Linien der Musikgeschichte aufmerksam zu machen.
Wirkung, Überlieferung und Forschungsstand
Die Wirkung des Amar-Quartetts liegt zunächst in seiner Aufführungspraxis. Es brachte moderne Werke zur Aufführung, gab ihnen Autorität und verhalf ihnen zu wiederholter Präsenz. Besonders Hindemiths Kammermusik wäre ohne das Quartett in den frühen 1920er Jahren kaum in gleicher Weise sichtbar geworden.
Die zweite Wirkung liegt in der Modellfunktion. Das Amar-Quartett zeigte, dass ein Streichquartett nicht nur klassisches Repertoire pflegen, sondern aktiv an der Gegenwartsmusik arbeiten kann. Diese Haltung wirkte auf spätere Ensembles, die sich ebenfalls auf moderne und zeitgenössische Musik spezialisierten.
Die dritte Wirkung ist erinnerungskulturell. Durch Hindemith-Forschung, Exilforschung, Frankfurter Musikgeschichte, Donaueschingen-Forschung, historische Tonträger und die Namensübertragung 1995 blieb das Ensemble im Gedächtnis. Dennoch ist der Forschungsstand nicht in allen Details abgeschlossen. Besonders Konzertprogramme, vollständige Repertoirerekonstruktion, Rundfunkauftritte, Discographie, Kritiken und Bildüberlieferung bieten weiterhin Material für Spezialstudien.
Werk-, Aufführungs- und Quellenverzeichnis
Da das Amar-Quartett ein Ensemble und kein Komponist war, ist ein „komplettes Werkverzeichnis“ sachgerecht als Repertoire-, Aufführungs-, Uraufführungs-, Aufnahme- und Quellenverzeichnis anzulegen. Die folgende Übersicht bündelt die wichtigsten Werkkomplexe, mit denen das Quartett verbunden ist. Eine vollständige Rekonstruktion jedes Konzerts, jeder Rundfunksendung und jeder Schallplattenaufnahme müsste auf Programmzetteln, Kritiken, Hindemith-Nachlass, Rundfunkarchiven, historischen Tonträgerkatalogen und Spezialdiscographien beruhen.
Hindemith-Repertoire und Gründungswerke
| Paul Hindemith: Streichquartett op. 16 | Uraufführung 1921 in Donaueschingen durch die Formation, aus der das Amar-Quartett hervorging. Das Werk war der unmittelbare Entstehungsanlass des Ensembles und markierte Hindemiths Durchbruch als moderner Kammermusikkomponist. |
|---|---|
| Paul Hindemith: weitere Streichquartette | Das Quartett wurde zum wichtigsten frühen Aufführungsensemble für Hindemiths Quartettmusik. Einzelne Werknummern und Aufführungsdaten sind über Hindemith-Werkverzeichnisse, Konzertprogramme und das Hindemith-Institut genauer zu rekonstruieren. |
| Paul Hindemith: Kammermusik im weiteren Sinn | Neben Quartetten wirkte das Ensembleumfeld an der Verbreitung von Hindemiths moderner Kammermusikästhetik mit. Besonders wichtig ist die Verbindung von Hindemith als Komponist und Bratscher im selben Ensemble. |
| Paul Hindemith: Sonate für Violine solo op. 31 Nr. 1 | Nicht als Quartettwerk, aber unmittelbar mit Licco Amar verbunden: Hindemith widmete Amar die 1924 uraufgeführte Sonate. Sie zeigt die Nähe zwischen Hindemiths Komponieren und Amars Geigenspiel. |
Moderne Komponisten im Repertoire
| Béla Bartók | Das Amar-Quartett spielte Werke Bartóks und trug damit zur Verbreitung einer rhythmisch, modal und klanglich neuartigen Quartettästhetik bei. |
|---|---|
| Igor Strawinsky | Strawinskys Musik stand für eine internationale Moderne, die neoklassische, rhythmische und klanglich pointierte Elemente in den Konzertsaal brachte. |
| Ernst Krenek | Krenek gehörte zu den Komponisten, deren Musik in den 1920er Jahren exemplarisch für eine bewegliche, zeitgenössische, oft provokante Tonsprache stand. |
| Karol Szymanowski | Szymanowskis Musik erweiterte das Quartettprofil um polnisch-französisch geprägte Harmonik, Klangfarbe und lyrisch-moderne Ausdruckswerte. |
| Arnold Schönberg | Schönbergs Quartett- und Kammermusik stand für die radikalere Wiener Moderne und für die Erweiterung beziehungsweise Auflösung tonaler Verfahren. |
| Anton Webern | Webern repräsentierte extreme Verdichtung, Kürze und strukturelle Konzentration; seine Musik stellte höchste Anforderungen an Präzision und Klangkontrolle. |
| Alois Hába | Hába steht für mikrotonale und experimentelle Entwicklungen. Seine Aufnahme in den Repertoirehorizont zeigt die besondere Offenheit des Amar-Quartetts. |
| Alfredo Casella | Casella verbindet italienische Moderne, Neoklassizismus und internationale Kammermusikkultur. |
| Max Butting | Butting gehört zur deutschsprachigen Moderne, die in den 1920er Jahren zwischen Neuer Sachlichkeit, Rundfunkkultur und experimenteller Kammermusik stand. |
| Philipp Jarnach | Jarnach war Teil des mitteleuropäischen Modernespektrums, das vom Amar-Quartett in Konzertprogrammen vertreten wurde. |
Klassisches und romantisches Repertoire
| Joseph Haydn | Als Begründer der klassischen Quartetttradition bildete Haydn den historischen Hintergrund, gegen den moderne Quartettliteratur verstanden werden konnte. |
|---|---|
| Wolfgang Amadeus Mozart | Mozarts Quartette gehörten zum klassischen Grundbestand eines professionellen Ensembles und boten Maßstab für Transparenz, Dialog und Formgefühl. |
| Ludwig van Beethoven | Beethovens Quartette waren für jedes moderne Quartett der zentrale Traditionsblock. Ihre interpretatorische Bewältigung legitimierte ein Ensemble auch für neue Musik. |
| Franz Schubert | Schuberts Quartettliteratur stand für lyrische Expansion und kammermusikalische Intensität des frühen 19. Jahrhunderts. |
| Johannes Brahms | Brahms verband klassische Formarbeit mit spätromantischer Dichte und gehörte zum anspruchsvollen Repertoirehintergrund der 1920er Jahre. |
| Max Reger | Reger bildete eine Brücke zwischen spätromantischer Verdichtung und moderner Satzkomplexität; seine Musik war für das Verständnis deutscher Quartettentwicklung wichtig. |
Uraufführungen und frühe Aufführungen
| Donaueschingen 1921 | Uraufführung von Hindemiths Streichquartett op. 16. Dieser Auftritt begründete die Ensemblegeschichte des Amar-Quartetts. |
|---|---|
| Donaueschinger Musiktage der 1920er Jahre | Das Ensemble trat dort mehrfach auf und wurde zu einem bevorzugten Quartett für neue Kammermusik. Die genaue Liste der aufgeführten Werke ist über Donaueschinger Programme und Hindemith-Archivmaterial zu rekonstruieren. |
| Hindemith-Uraufführungen | Das Amar-Quartett beziehungsweise seine Mitglieder wirkten an mehreren frühen Hindemith-Aufführungen mit. Die genaue Differenzierung zwischen Quartett-, Solo- und Kammermusikwerken erfordert ein Spezialverzeichnis. |
| Zeitgenössische Quartettliteratur | Das Ensemble führte zahlreiche moderne Werke auf, teils als Uraufführungen, teils als deutsche Erstaufführungen oder frühe Wiederholungen. Die Überlieferung liegt vor allem in Programmen, Kritiken und Verlagsarchiven. |
Konzerttätigkeit und Reisen
| Deutschland | Konzerte in großen Musikmetropolen und zahlreichen kleineren Städten. Das Ensemble trug neue Kammermusik nicht nur in Spezialzentren, sondern auch in breitere Konzertöffentlichkeiten. |
|---|---|
| Dänemark | Teil des europäischen Konzertnetzes des Quartetts; genaue Programme sind über lokale Presse und Konzertarchive zu prüfen. |
| Italien | Reise- und Konzertstation im Rahmen der europäischen Ausstrahlung des Ensembles. |
| Niederlande | Wichtiger Aufführungsraum moderner Musik; Amsterdam-Auftritte und Bildüberlieferung belegen die internationale Sichtbarkeit des Ensembles. |
| Österreich | Teil des mitteleuropäischen Musikraums, in dem moderne Quartettliteratur besonders intensiv diskutiert wurde. |
| Schweiz | Europäische Konzertstation und später auch Ort der Namenswiederaufnahme durch das moderne Zürcher Amar Quartett. |
| Sowjetunion | Ausgedehnte Konzertreisen in den Wintern 1927/1928 und 1928/1929; für Hindemith und das Quartett wichtig als Begegnung mit russischer und sowjetischer Gegenwartsmusik. |
| Tschechoslowakei | Teil des ostmitteleuropäischen Konzertnetzes des Quartetts, besonders relevant im Umfeld moderner Musik und neuer nationaler Musikkulturen. |
Historische Aufnahmen und Diskographie
| Amar-Hindemith-Quartett-Aufnahmen | Historische Tonaufnahmen des Ensembles sind für Interpretationsforschung und Hindemith-Rezeption besonders wichtig. Sie dokumentieren Spielstil, Artikulation, Tempi, Klangbalance und frühe Aufführungspraxis moderner Kammermusik. |
|---|---|
| Hindemith-Aufnahmen | Aufnahmen mit Hindemith als Bratscher besitzen besonderen Quellenwert, weil sie den Komponisten selbst als Ensemblemitglied hörbar machen. |
| Schallplattenkataloge | Eine vollständige Diskographie ist über historische Labelkataloge, Discogs, Naxos-Nachweise, Hindemith-Institut und Spezialdiscographien zu ermitteln. |
| Rundfunkdokumente | Rundfunkauftritte sind quellenkundlich über Sendelisten, Programmzettel, regionale Rundfunkarchive und Nachlässe zu prüfen. |
Bild-, Programm- und Archivüberlieferung
| Konzertprogramme | Die Programmzettelsammlung aus Paul Hindemiths Nachlass dokumentiert wichtige Aufführungszusammenhänge und ist für die Rekonstruktion des Quartett-Repertoires zentral. |
|---|---|
| Hindemith-Institut Frankfurt | Zentrale Forschungsstelle für Hindemiths Nachlass, Werkdatenbank, Programmzettel, Briefe, Publikationen und das historische Umfeld des Amar-Quartetts. |
| Frankfurter Musikgeschichte | Frankfurter Personenlexikon, Hindemith-Kabinett und lokale Archivbestände dokumentieren Hindemiths und Amars Frankfurter Umfeld. |
| Fotografie des Amar-Quartetts 1922 | Die bekannte Fotografie mit Maurits Frank, Licco Amar, Walter Caspar und Paul Hindemith dokumentiert die klassische Besetzung der frühen 1920er Jahre. |
| Rudolf Heinisch | Der Maler und Hindemith-Freund Rudolf Heinisch stellte das Quartett mehrfach zeichnerisch dar; diese Bildüberlieferung gehört zur visuellen Erinnerungsgeschichte des Ensembles. |
Moderne Namens- und Wirkungsgeschichte
| Namensübertragung 1995 | Das Hindemith-Institut Frankfurt übertrug den historischen Namen Amar Quartett auf ein Zürcher Ensemble, das 1987 gegründet worden war. Anlass war der 100. Geburtstag Paul Hindemiths. |
|---|---|
| Modernes Amar Quartett Zürich | Das moderne Ensemble führt den Namen als Erinnerung an das historische Amar-Quartett und an die Verbindung von klassischem Repertoire und Neuer Musik. |
| Hindemith-Rezeption | Das historische Quartett bleibt ein Schlüsselensemble für die frühe Rezeption von Hindemiths Kammermusik und für die klingende Verbreitung seiner Quartettwerke. |
Sekundärliteratur
- Schubert, Giselher: Artikel „Amar-Quartett“, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart beziehungsweise MGG Online. Fachlexikalischer Grundartikel zur Gründung, Besetzung und Bedeutung des Ensembles.
- Schubert, Giselher: Artikel „Amar, Licco“, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil. Wichtiger biographischer Kontext zu Licco Amar als Primarius, Konzertmeister, Exilmusiker und Pädagoge.
- Hindemith-Institut Frankfurt, Hrsg.: Materialien, Programmzettel und Publikationen zu Paul Hindemith, Donaueschingen und dem Amar-Quartett. Zentrale Spezialquelle für Werkdaten, Aufführungen und Nachlassmaterial.
- Schubert, Giselher: „Paul Hindemith im Rebner- und Amar-Quartett“, in: Hindemith-Jahrbuch 1991/XX. Spezialstudie zur Quartettpraxis Hindemiths und zur Bedeutung des Amar-Quartetts.
- Skelton, Geoffrey: Paul Hindemith. The Man Behind the Music. London: Gollancz, 1975. Biographischer Kontext zu Hindemiths Quartettarbeit und künstlerischem Umfeld.
- Neumeyer, David: The Music of Paul Hindemith. New Haven/London: Yale University Press, 1986. Analytische und werkgeschichtliche Einordnung von Hindemiths Musik, relevant für die Quartettwerke.
- Briner, Andres: Paul Hindemith. Zürich/Mainz: Atlantis/Schott, 1971. Biographische und werkgeschichtliche Darstellung mit Kontext zur Kammermusik.
- Rieber, Angelika: „Licco Amar – Hier gibt es eine Welt aufzubauen“, in: HJB 2009. Exil- und biographiegeschichtlicher Beitrag zu Amar, Frankfurt und Ankara.
- Frankfurter Personenlexikon: Artikel „Hindemith, Paul“ und „Amar, Licco“. Digitale biographische Ressourcen zur Frankfurter Ensemble- und Musikgeschichte.
- Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit: „Licco Amar“. Exilgeschichtliche Quelle zur nationalsozialistischen Zäsur und zu Amars späterer Laufbahn.
- Donaueschinger Musiktage: historische Programmliteratur und Jubiläumspublikationen. Wichtig für die Einordnung des Quartettursprungs und der frühen Moderne-Aufführungen.
- Discographische Spezialliteratur zu historischen Streichquartettaufnahmen der 1920er Jahre. Notwendig für die vollständige Erfassung der Aufnahmen des Amar-Hindemith-Quartetts.
Ausgewählte Onlinequellen
- Concours de Genève: Amar Quartett Seite zum modernen Zürcher Amar Quartett mit Hinweis auf die historische Namensübertragung durch das Hindemith-Institut Frankfurt 1995.
- Discogs: Amar-Quartett Diskographischer Einstieg zu historischen und späteren Tonträgernachweisen unter den Namensformen Amar-Quartett, Amar Quartet und Amar-Hindemith Quartet.
- Fondation Hindemith: Hindemith Foundation Institutionelle Seite zur Hindemith-Stiftung, zum Hindemith-Institut Frankfurt und zu Forschung, Werkdatenbank, Discographie und Nachlasspflege.
- Fondation Hindemith: Konzertprogramme Programmzettelsammlung aus Hindemiths Nachlass, wichtig für die Rekonstruktion von Aufführungen, Quartettprogrammen und Konzerttätigkeit.
- Frankfurter Personenlexikon: Paul Hindemith Biographischer Artikel mit Hinweis auf das ab 1922 unter dem Namen Amar-Quartett konzertierende Ensemble und auf Hindemiths Mitwirkung bis 1929.
- Frankfurter Personenlexikon: Licco Amar Ausführlicher Artikel zu Licco Amar, einschließlich Ausbildung, Konzertmeistertätigkeit, Amar-Quartett, Frankfurter Rundfunk, NS-Verfolgung und Exil.
- IMSLP: Hindemith, String Quartet No. 3, op. 16 Werkseite zu Hindemiths Streichquartett op. 16 mit Uraufführungsangabe Donaueschingen 1921 und Amar Quartet als aufführendem Ensemble; urheberrechtliche Hinweise beachten.
- Jüdisches Leben in Frankfurt: Licco Amar Biographischer Beitrag zu Amar als jüdischem Musiker, Primarius des Amar-Quartetts, Förderer Neuer Musik und Exilant.
- Kultur Frankfurt: Hindemith-Kabinett Museums- und Erinnerungsseite zu Hindemiths Frankfurter Wohn- und Arbeitsort, wichtig für das Umfeld des Amar-Quartetts.
- LexM Hamburg: Licco Amar Eintrag im Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit mit Angaben zu Amar, Amar-Quartett, Exil und türkischer Musikpädagogik.
- MGG Online: Amar-Quartett Fachlexikalischer Artikel zur Gründung 1921, zu Licco Amar als Primarius und zu Paul Hindemiths Bratschenzeit von 1922 bis 1929.
- MGG Online: Amar, Licco Fachlexikalischer Artikel zu Licco Amar als Geiger, Konzertmeister, Primarius, Exilmusiker und Pädagoge.
- Naxos: Amar Quartet Kurzporträt des modernen Amar Quartetts mit historischem Bezug auf Hindemith, Licco Amar und die Namensübertragung 1995.
- Museumsufer Frankfurt: Hindemith-Kabinett Englischsprachige Seite zum Frankfurter Hindemith-Kabinett im Kuhhirtenturm und zur musealen Erinnerung an Hindemiths Frankfurter Jahre.
- YouTube: Amar-Hindemith Quartet – Historical Recordings Playlist mit historischen Aufnahmen; als Einstieg in Tondokumente nützlich, quellenkritisch aber mit originalen Tonträger- und Archivnachweisen abzugleichen.
Weiterführende Einträge
- Alois Hába Komponist mikrotonaler und experimenteller Musik, deren Umfeld zum modernen Repertoirehorizont des Amar-Quartetts gehört.
- Licco Amar Geiger, Konzertmeister, Primarius des Amar-Quartetts, Exilmusiker und Musikpädagoge.
- Anton Webern Komponist der Wiener Moderne, dessen verdichtete Tonsprache zum Spektrum der Neuen Musik gehörte.
- Arnold Schönberg Zentrale Figur der Wiener Moderne und wichtiger Bezugspunkt zeitgenössischer Quartettliteratur der 1920er Jahre.
- Béla Bartók Komponist, dessen Quartettmusik die moderne Kammermusik des 20. Jahrhunderts grundlegend veränderte.
- Alfredo Casella Italienischer Komponist der Moderne, dessen Werk zum internationalen Repertoirehorizont des Amar-Quartetts gehörte.
- Walter Caspar Zweiter Geiger des historischen Amar-Quartetts.
- Donaueschinger Musiktage Festival und Entstehungskontext des Amar-Quartetts sowie wichtiger Ort der Neuen Musik.
- Erich Kraack Bratscher, der 1929 nach Hindemiths Ausscheiden im Amar-Quartett spielte.
- Frankfurt am Main Zentraler Wirkungsraum Hindemiths, Amars und des historischen Amar-Quartetts.
- Paul Hindemith Komponist und Bratscher des Amar-Quartetts von 1922 bis 1929.
- Hindemith-Institut Frankfurt Forschungs- und Archivzentrum zu Hindemith, dessen Bestände für das Amar-Quartett grundlegend sind.
- Hindemith: Streichquartett op. 16 Werk, dessen Donaueschinger Uraufführung 1921 zur Entstehung des Amar-Quartetts führte.
- Igor Strawinsky Komponist der internationalen Moderne, dessen Musik im Repertoireumfeld des Amar-Quartetts stand.
- Kammermusik Musikalischer Hauptbereich des Amar-Quartetts und zentrale Gattung der Moderne.
- Karol Szymanowski Polnischer Komponist der Moderne, dessen Musik zum internationalen Repertoirehorizont der 1920er Jahre gehört.
- Maurits Frank Cellist des Amar-Quartetts und wichtiger Partner in der klassischen Hindemith-Zeit des Ensembles.
- Max Butting Komponist der deutschen Moderne, dessen Musik zum zeitgenössischen Repertoirekontext des Amar-Quartetts gehört.
- Neue Musik Zentraler ästhetischer und programmatischer Bereich des Amar-Quartetts.
- Philipp Jarnach Komponist der Moderne, dessen Werk im Repertoireumfeld des Amar-Quartetts erscheint.
- Rudolf Heinisch Maler und Hindemith-Freund, der das Amar-Quartett zeichnerisch darstellte.
- Rudolf Hindemith Cellist, Komponist und Bruder Paul Hindemiths, zeitweise Mitglied des Amar-Quartetts.
- Schallplatte Historisches Medium, durch das Spielstil und Repertoire des Amar-Hindemith-Quartetts dokumentiert wurden.
- Streichquartett Gattung und Ensembleform, in der das Amar-Quartett die Moderne besonders wirksam vertrat.
- Weimarer Republik Politisch-kultureller Rahmen, in dem das Amar-Quartett als Ensemble der modernen Kammermusik wirkte.