Licco Amar

Geiger, Konzertmeister, Primarius des Amar-Quartetts und Musikpädagoge; geboren am 4. Dezember 1891 in Budapest, gestorben am 19. Juli 1959 in Freiburg im Breisgau; auch Liko Amar beziehungsweise Liko David Amar.

Überblick

Licco Amar, auch Liko Amar oder Liko David Amar, war ein in Budapest geborener Geiger, Konzertmeister, Kammermusiker und Musikpädagoge. Er wurde am 4. Dezember 1891 in Budapest geboren und starb am 19. Juli 1959 in Freiburg im Breisgau. Sein Name ist besonders mit dem Amar-Quartett verbunden, das in den 1920er Jahren zu den wichtigsten Ensembles für Neue Musik und moderne Kammermusik gehörte.

Amar studierte zunächst an der Budapester Musikakademie bei Emil Baré und ab 1911 in Berlin bei Henri Marteau. Schon früh wurde er in professionelle Spitzenpositionen eingebunden: Er spielte im Marteau-Quartett, wurde Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, anschließend Konzertmeister am Nationaltheater Mannheim und später Konzertmeister und Solist beim Frankfurter Rundfunkorchester.

Seine kulturgeschichtliche Bedeutung liegt vor allem in der Verbindung von virtuoser Geigentradition, moderner Quartettkultur, Rundfunkmusik, Exilerfahrung und internationaler Musikpädagogik. Mit Paul Hindemith stand er in enger künstlerischer Beziehung; Hindemith widmete ihm die Sonate für Violine solo op. 31 Nr. 1. Nach 1933 wurde Amar als jüdischer Musiker aus dem deutschen Musikleben verdrängt, emigrierte über Frankreich in die Türkei und wurde dort zu einer wichtigen Lehrerfigur am Konservatorium Ankara. 1957 erhielt er einen Ruf an die Hochschule für Musik Freiburg.

Kurzdaten

Name Licco Amar.
Weitere Namensformen Liko Amar, Licco David Amar, Liko David Amar; in deutschsprachigen Quellen auch „Amar, Licco“ beziehungsweise „Amar, Liko“.
Geboren 4. Dezember 1891 in Budapest.
Gestorben 19. Juli 1959 in Freiburg im Breisgau.
Herkunft Ungarisch-jüdische Familie; Sohn des Kaufmanns Michael Amar, dessen Familie aus Mazedonien beziehungsweise aus dem südosteuropäischen Raum stammte, und der Regina Strakosch.
Beruf Geiger, Violinist, Konzertmeister, Kammermusiker, Primarius, Musikpädagoge, Professor für Violine und Kammermusik.
Ausbildung Evangelisches Gymnasium in Budapest, Abitur 1909; 1909 bis 1911 Studium an der Königlich Ungarischen Musikakademie in Budapest bei Emil Baré; ab 1911 Studium an der Königlichen akademischen Hochschule für Musik in Berlin bei Henri Marteau.
Auszeichnung Mendelssohn-Preis beziehungsweise Mendelssohn-Stipendium 1912.
Frühe Ensemblepraxis Seit 1912 zweiter Geiger im Marteau-Quartett.
Orchesterstellen Konzertmeister der Berliner Philharmoniker von 1916 bis 1920; Konzertmeister am Nationaltheater Mannheim von 1920 bis 1923; ab 1929 Konzertmeister und Solist beim Frankfurter Rundfunkorchester des Südwestdeutschen Rundfunks.
Wichtigstes Ensemble Amar-Quartett, gegründet im Zusammenhang mit der Uraufführung von Hindemiths Streichquartett op. 16 bei den Donaueschinger Kammermusikaufführungen und als dauerhaftes Quartett ab 1922 etabliert.
Quartettpartner Walter Caspar beziehungsweise Walter Kaspar, Paul Hindemith, Rudolf Hindemith, Maurits Frank, später Erich Kraack.
Ehe 1925 Heirat mit Emmy Matterstock; Scheidung 1953.
Exil Nach nationalsozialistischer Ausgrenzung 1933/1934 zunächst Paris, danach Emigration in die Türkei; ab 1935 beziehungsweise in institutioneller Ausformung ab 1938 Lehrer am Konservatorium Ankara.
Letzte Lehrtätigkeit 1957 bis 1959 Professor beziehungsweise Lehrer für Violine, Kammermusik und Ensemble an der Hochschule für Musik Freiburg.
Dateiname amar-licco.shtml

Quellenlage, Namensformen und Datierung

Die Grunddaten zu Licco Amar sind gut gesichert. Mehrere zuverlässige biographische und institutionelle Quellen nennen den 4. Dezember 1891 als Geburtsdatum, Budapest als Geburtsort, den 19. Juli 1959 als Sterbedatum und Freiburg im Breisgau als Sterbeort. Gelegentlich findet sich die Namensform Liko, im Frankfurter Personenlexikon zusätzlich die vollständige Form Liko David Amar. Für das Kulturlexikon wird Licco Amar als Hauptlemma verwendet, weil diese Form in der Musikgeschichtsschreibung und im Namen des Amar-Quartetts am stärksten etabliert ist.

Bei der Geschichte des Amar-Quartetts gibt es eine kleine terminologische und chronologische Unschärfe. Das Ensemble trat 1921 zunächst im Zusammenhang mit der Uraufführung von Hindemiths Streichquartett op. 16 bei den Donaueschinger Kammermusikaufführungen zusammen. Als festes Amar-Quartett wird es in mehreren Quellen ab 1922 gefasst. Entsprechend unterscheidet dieser Artikel zwischen dem Donaueschinger Entstehungsanlass 1921 und der dauerhaften Quartettgründung beziehungsweise Namensetablierung 1922.

Die Auflösung des Ensembles wird in manchen Kurzquellen mit 1929 verknüpft, weil Paul Hindemith 1929 aus dem Quartett ausschied und Erich Kraack seine Bratschenstelle übernahm. Andere Darstellungen führen das Amar-Quartett bis 1933, also bis zur nationalsozialistischen Zäsur. Diese Seite berücksichtigt beide Ebenen: Das klassische Amar-Hindemith-Quartett endet 1929, während die Quartetttradition unter Amars Namen bis zum Beginn der NS-Zeit weitergeführt wurde.

Biographie

Licco Amar wurde am 4. Dezember 1891 in Budapest geboren. Sein Vater Michael Amar war Kaufmann und stammte aus einer südosteuropäischen, in den Quellen mit Mazedonien beziehungsweise Belgrad verbundenen Familie; seine Mutter Regina, geborene Strakosch, kam aus dem mitteleuropäischen jüdischen Kulturraum. Diese Herkunft verknüpft Amars Biographie mit den Wanderungs-, Bildungs- und Berufsmilieus der späten Habsburgermonarchie.

Amar besuchte in Budapest das Evangelische Gymnasium und legte dort 1909 das Abitur ab. Anschließend studierte er von 1909 bis 1911 an der Königlich Ungarischen Musikakademie bei Emil Baré. 1911 wechselte er nach Berlin an die Königliche akademische Hochschule für Musik zu Henri Marteau. Dieser Wechsel von Budapest nach Berlin führte ihn in eines der wichtigsten Musikzentren Europas und in eine Violintradition, die Virtuosität, französisch-belgische Spielkultur, deutsche Kammermusik und moderne Stiloffenheit verband.

Schon 1912 erhielt Amar den Mendelssohn-Preis beziehungsweise das Mendelssohn-Stipendium. Im selben Jahr wurde er zweiter Geiger im Marteau-Quartett. Diese frühe Kammermusikpraxis war für seine spätere Laufbahn entscheidend. Amar entwickelte sich nicht nur als Solist, sondern vor allem als Quartettspieler und Ensemblemusiker von hoher Präzision.

Von 1916 bis 1920 war Amar Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. Danach wechselte er von 1920 bis 1923 als Konzertmeister an das Nationaltheater Mannheim. Seit 1923 war er auch in Frankfurt am Main ansässig, wo er später beim Südwestdeutschen Rundfunk arbeitete. Ab 1929 war er Konzertmeister und Solist des Frankfurter Rundfunkorchesters. Damit gehörte er zu jener Generation von Musikern, die den Übergang von der reinen Konzertsaalöffentlichkeit zur neuen Rundfunköffentlichkeit aktiv mitgestalteten.

Seinen bleibenden Rang gewann Amar jedoch durch das nach ihm benannte Amar-Quartett. Das Ensemble entstand zunächst aus dem Bedürfnis, Hindemiths moderne Quartettmusik aufführen zu können. Daraus wurde ein dauerhaftes Ensemble, das in den 1920er Jahren Neue Musik nicht nur gelegentlich, sondern programmatisch vertrat. Amar als Primarius prägte den Klang, die Arbeitsweise und den öffentlichen Namen dieses Quartetts.

Nach 1933 wurde Amar als jüdischer Musiker aus dem deutschen Musikleben gedrängt. Sein Vertrag beim Rundfunk wurde gekündigt; 1934 wurde ihm die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt, und die Reichsmusikkammer verweigerte ihm 1935 die Berufsausübung. Er ging zunächst nach Paris und entschied sich Ende 1934 beziehungsweise 1935 zur Emigration in die Türkei. Dort wurde er am Konservatorium Ankara zu einer wichtigen Lehrerfigur. 1957 kehrte er nach Deutschland zurück und lehrte bis zu seinem Tod an der Hochschule für Musik Freiburg.

Budapest, Berlin und die Ausbildung bei Emil Baré und Henri Marteau

Budapest war um 1900 ein dynamisches Musikzentrum. Die Musikakademie verband nationale ungarische Musikentwicklung, europäische Virtuosentradition und moderne Ausbildung. Bei Emil Baré erhielt Amar seine erste professionelle Prägung. Baré gehörte zur Generation jener Geiger, die technische Schulung und musikalische Bildung eng verbanden.

Der Wechsel nach Berlin zu Henri Marteau war ein entscheidender Schritt. Marteau war nicht nur Geiger, sondern auch ein bedeutender Pädagoge und Kammermusiker. Er öffnete Amar den Zugang zur deutschen Hochschultradition, zur Berliner Konzertkultur und zum professionellen Quartettspiel. Dass Amar schon 1912 zweiter Geiger im Marteau-Quartett wurde, zeigt das Vertrauen des Lehrers in die künstlerische Reife des jungen Musikers.

Die Auszeichnung mit dem Mendelssohn-Preis im selben Jahr bestätigt Amars frühe Anerkennung. Für einen aus Budapest kommenden Geiger bedeutete dies eine feste Platzierung im deutschen Musikleben. Schon vor dem Ersten Weltkrieg war Amar damit nicht mehr nur Schüler, sondern aktiver Teil einer international vernetzten Violin- und Kammermusikkultur.

Konzertmeister in Berlin, Mannheim und Frankfurt

Die Konzertmeisterlaufbahn Amars begann in Berlin. Von 1916 bis 1920 war er Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. Diese Stelle verlangte höchste technische Sicherheit, Orchesterführung, stilistische Beweglichkeit und die Fähigkeit, zwischen Dirigent, Stimmgruppe und Orchesterkörper zu vermitteln. Für Amar war sie zugleich ein Sprungbrett in das führende deutsche Musikleben.

Von 1920 bis 1923 war er Konzertmeister am Nationaltheater Mannheim. Mannheim hatte eine große historische Musiktradition, aber auch ein modernes Theater- und Opernleben. Die Verbindung von Orchestergraben, Bühne, Konzert und Kammermusik stärkte Amars Erfahrung als praktischer Musiker. Anders als ein reiner Solist lernte er musikalische Prozesse in institutioneller und dramatischer Form kennen.

Frankfurt wurde ab den 1920er Jahren ein weiterer wichtiger Lebens- und Arbeitsort. Amar wohnte seit 1923 zeitweise in Frankfurt und trat 1929 als Konzertmeister und Solist in den Dienst des Frankfurter Rundfunkorchesters. Der Rundfunk war ein neues Medium der Musikverbreitung. Er verlangte präzises, mikrofontaugliches, zeitlich diszipliniertes Musizieren und erreichte ein Publikum, das weit über den Konzertsaal hinausging.

Das Amar-Quartett und die Neue Musik

Das Amar-Quartett war eines der wichtigsten Kammermusikensembles der 1920er Jahre. Es entstand aus der Zusammenarbeit von Licco Amar und Paul Hindemith und wurde bald zum programmatischen Ensemble der modernen Quartettliteratur. Amar spielte die erste Violine; Walter Caspar beziehungsweise Walter Kaspar übernahm die zweite Violine; Paul Hindemith spielte Viola; am Violoncello wirkten zunächst Rudolf Hindemith, später Maurits Frank. Nach Hindemiths Ausscheiden 1929 trat Erich Kraack als Bratschist hinzu.

Die Gründungsgeschichte ist eng mit den Donaueschinger Kammermusikaufführungen verbunden. Hindemiths neues Streichquartett op. 16 verlangte Musiker, die sich nicht vor moderner Tonsprache scheuten. Amar nahm die Herausforderung an. Das Ensemble blieb nach der erfolgreichen Aufführung zusammen und machte die Förderung Neuer Musik zu seinem künstlerischen Programm.

Das Amar-Quartett spielte nicht nur Hindemith. Es setzte sich für ein breites modernes Repertoire ein, darunter Werke von Béla Bartók, Ernst Krenek, Igor Strawinsky, Karol Szymanowski, Max Butting, Alfredo Casella, Alois Hába, Arnold Schönberg, Anton Webern und weiteren Komponisten der Zeit. Damit verkörperte es einen neuen Typ des Streichquartetts: nicht nur Bewahrer des klassischen Kanons, sondern aktiver Motor zeitgenössischer Musik.

Die Konzerttätigkeit des Quartetts reichte über Deutschland hinaus. Es trat in verschiedenen europäischen Ländern auf und unternahm auch Reisen in die Sowjetunion. Gerade diese internationale Aktivität machte das Ensemble zu einem Vermittler zwischen deutschen, mitteleuropäischen, französischen, russischen und allgemeinen europäischen Strömungen der Moderne.

Paul Hindemith, Donaueschingen und die Sonate op. 31 Nr. 1

Die Beziehung zwischen Licco Amar und Paul Hindemith war eine der prägenden Musikerfreundschaften der Neuen Musik in der Weimarer Republik. Hindemith brauchte Interpreten, die seine kompositorische Sprache technisch bewältigen und künstlerisch vertreten konnten. Amar war einer dieser Interpreten. Er spielte Hindemith nicht als Pflichtübung, sondern als Gegenwartsmusik, die vor Publikum erprobt und durchgesetzt werden musste.

Hindemith widmete Amar die Sonate für Violine solo op. 31 Nr. 1. Das Werk entstand 1924 und wurde am 21. Mai 1924 in Freiburg im Breisgau von Licco Amar uraufgeführt. Diese Widmung zeigt Amars Rang als Geiger: Hindemith vertraute ihm ein Solowerk an, das technische Klarheit, rhythmische Präzision, lineare Energie und formale Strenge verlangt.

Amar besorgte zudem verschiedene Uraufführungen von Hindemiths Kompositionen, unter anderem im Umfeld der Donaueschinger Musiktage. Donaueschingen war in den 1920er Jahren ein Experimentierfeld moderner Kammermusik. Das Amar-Quartett gehörte zu den Ensembles, die dort nicht nur einzelne Werke spielten, sondern eine neue Aufführungshaltung repräsentierten: nüchtern, konzentriert, modern, ohne spätromantische Überwältigungsgeste.

Frankfurt, Rundfunk und jüdisches Musikleben vor 1933

Frankfurt am Main war für Amar in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren ein wichtiger Mittelpunkt. Er wohnte dort, arbeitete beim Rundfunk und war in ein Musikleben eingebunden, das zwischen Oper, Konzert, Radio, Moderne und jüdischer Kultur vielfältig vernetzt war. Der Frankfurter Rundfunk gehörte zu den modernen Institutionen, in denen neue Klangöffentlichkeit entstand.

Amar war auch publizistisch und pädagogisch interessiert. Er veröffentlichte Artikel zur Neugestaltung des Musikunterrichts und zur Ausbildung von Musikern. Das zeigt ihn als reflektierenden Praktiker. Er dachte nicht nur über Geigentechnik, sondern über Institutionen, Ausbildung und musikalische Zukunft nach. Ein Berufungsangebot an das Leningrader Konservatorium 1931, das er ablehnte, verweist auf seinen internationalen pädagogischen Ruf.

Die Frankfurter Jahre endeten abrupt. Die nationalsozialistische Machtübernahme griff unmittelbar in sein Berufsleben ein. Als jüdischer beziehungsweise nach nationalsozialistischer Definition „nichtarischer“ Musiker verlor er seine Stellung, seine Berufsmöglichkeit und schließlich die deutsche Staatsangehörigkeit. Diese Zäsur ist kein biographischer Nebenumstand, sondern ein zentraler Einschnitt in Amars Lebens- und Wirkungsgeschichte.

Nationalsozialistische Verfolgung, Paris und Exil in der Türkei

Nach 1933 konnte Amar in Deutschland nicht mehr frei arbeiten. Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und die Gleichschaltung des Musiklebens trafen ihn direkt. Sein Vertragsverhältnis beim Südwestdeutschen Rundfunk wurde beendet. 1934 wurde ihm die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. 1935 verweigerte ihm die Reichsmusikkammer endgültig die weitere Berufsausübung im nationalsozialistisch kontrollierten Musikleben.

Amar ging zunächst nach Paris. Wie viele Emigranten hatte er dort keine stabile Existenz. Ende 1934 beziehungsweise 1935 entschied er sich zur Auswanderung in die Türkei. Diese Entscheidung fiel in eine historische Situation, in der die türkische Republik unter Mustafa Kemal Atatürk westliche Musikbildung und Konservatoriumsstrukturen ausbaute und dafür zahlreiche aus Deutschland vertriebene oder in Deutschland gefährdete Fachleute gewann.

Das türkische Exil bedeutete für Amar Verlust und Neubeginn zugleich. Er verlor die unmittelbare Position im deutschen Konzertleben, gewann aber eine neue Aufgabe als Lehrer. In Ankara konnte er seine Erfahrung als Primarius, Konzertmeister und Interpret Neuer Musik in den Aufbau einer modernen Violin- und Kammermusikausbildung einbringen.

Ankara, türkische Musikreform und Pädagogik

Amars Tätigkeit in Ankara gehört in den großen Zusammenhang der türkischen Musikreform der 1930er Jahre. Paul Hindemith entwickelte im Auftrag der türkischen Regierung Reformpläne für Musikschulen, Konservatorium, Orchester, Oper und Musiklehrerausbildung. Mehrere deutschsprachige Exilmusiker wurden in diesen Aufbau einbezogen, darunter Eduard Zuckmayer, Ernst Praetorius, Carl Ebert und Licco Amar.

Amar lehrte am Konservatorium Ankara Violine und Kammermusik. Ab 1938 wird er in einschlägigen Exilquellen als Leiter einer Violin- und Kammermusikklasse genannt. Außerdem wirkte er als Konzertmeister im sinfonischen Kontext und trug zur Ausbildung junger türkischer Musikerinnen und Musiker bei. In der Türkei blieb er etwa zwanzig Jahre tätig.

Seine Bedeutung liegt hier weniger in spektakulären Solistenauftritten als in Aufbauarbeit. Er vermittelte europäische Streicherschulung, Quartettkultur, Orchesterdisziplin und moderne Kammermusikpraxis. Solche pädagogische Arbeit ist kulturgeschichtlich oft schwerer sichtbar als Konzertkarrieren, aber sie prägt Institutionen langfristig.

Freiburg und letzte Lebensjahre

1957 erhielt Licco Amar einen Ruf an die Hochschule für Musik Freiburg. Dort lehrte er bis zu seinem Tod 1959 in den Fächern Violine, Kammermusik und Ensemble. Freiburg war für ihn zugleich Rückkehr nach Deutschland und späte Anerkennung. Dass er nach den Jahren nationalsozialistischer Verfolgung noch einmal an eine deutsche Musikhochschule berufen wurde, ist biographisch bedeutungsvoll.

Er starb am 19. Juli 1959 in Freiburg im Breisgau. Die Freiburger Hochschule führt ihn heute in ihrer Personengeschichte. Damit ist seine späte Lehrtätigkeit institutionell verankert, auch wenn sein Name in der breiteren öffentlichen Erinnerung vor allem über das Amar-Quartett und über Hindemith präsent blieb.

Spielweise, Unterrichtsideal und künstlerisches Profil

Amars künstlerisches Profil lässt sich aus seinen Stationen rekonstruieren. Als Schüler Barés und Marteaus verfügte er über eine solide, virtuos belastbare Violintradition. Als Konzertmeister bewährte er sich in Orchesterführung und institutioneller Disziplin. Als Primarius des Amar-Quartetts entwickelte er eine moderne, klare, sachliche Kammermusikästhetik, die zur Neuen Musik der 1920er Jahre passte.

Das Amar-Quartett war bekannt für unpathetische, präzise und durchsichtig gearbeitete Interpretationen. Diese Haltung entsprach dem Umfeld der Neuen Sachlichkeit und der Hindemithschen Musikauffassung. Amar scheint dabei nicht als romantischer Virtuosenstar, sondern als konzentrierter Ensembleleiter hervorgetreten zu sein. Sein Primariusprofil war auf Durchsetzung neuer Werke, rhythmische Sicherheit und strukturelle Klarheit gerichtet.

Als Pädagoge vertrat Amar offenbar ein modernes Ausbildungsdenken. Seine Artikel zur Reform des Musikunterrichts, die Berufungsanfrage aus Leningrad und seine spätere Tätigkeit in Ankara und Freiburg zeigen, dass er die Ausbildung von Musikerinnen und Musikern als künstlerische, technische und institutionelle Aufgabe begriff. Er war damit nicht nur Interpret, sondern Vermittler einer professionellen Musikkultur.

Ausführlicher Kulturüberblick

Licco Amar gehört zu einer Generation von Musikern, deren Lebensweg durch die europäischen Umbrüche der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt wurde. Er wurde in der Habsburgermonarchie geboren, wurde in Budapest und Berlin ausgebildet, machte Karriere in der Weimarer Republik, wurde durch den Nationalsozialismus vertrieben, baute im türkischen Exil Musikpädagogik mit auf und kehrte erst spät nach Deutschland zurück. In seiner Biographie verdichten sich Migration, Moderne, Exil und Institutionengeschichte.

Musikgeschichtlich steht Amar vor allem für den Wandel des Streichquartetts. Im 19. Jahrhundert galt das Streichquartett als höchste Form klassischer und romantischer Kammermusik. In den 1920er Jahren wurde es zugleich zu einem Labor der Moderne. Komponisten wie Hindemith, Bartók, Schönberg, Webern, Krenek und Strawinsky verlangten neue rhythmische, harmonische und klangliche Präzision. Das Amar-Quartett war eines jener Ensembles, die diese Musik nicht nur spielten, sondern ihr ein Publikum erarbeiteten.

Die Bedeutung eines solchen Quartetts lag nicht nur in einzelnen Uraufführungen. Neue Musik musste geprobt, verstanden, erklärt und wiederholt werden. Ein Werk, das einmal skandalös oder unverständlich erschien, konnte durch ein engagiertes Ensemble in den Konzertbetrieb eingeführt werden. Amar war als Primarius dabei eine Schlüsselfigur. Er führte das Ensemble, trug die erste Stimme und stand mit Komponisten in direktem Austausch.

Die Verbindung zu Hindemith ist besonders aufschlussreich. Hindemith war nicht nur Komponist, sondern auch Bratschist im Quartett. Das bedeutete, dass kompositorische Arbeit und Aufführungspraxis unmittelbar miteinander verbunden waren. Der Komponist konnte im Ensemble selbst erproben, wie seine Musik klang; der Primarius konnte die Realisierbarkeit, Artikulation und Wirkung neuer Sätze mitgestalten. Amar war daher nicht bloß Ausführender, sondern Teil eines produktiven modernen Musiknetzwerks.

Frankfurt und der Rundfunk zeigen eine zweite Dimension. In den 1920er Jahren veränderte der Rundfunk die Musiköffentlichkeit grundlegend. Musik wurde nicht mehr nur im Saal gehört, sondern über technische Medien verbreitet. Ein Konzertmeister und Solist beim Rundfunk musste anders denken als ein Musiker im traditionellen Opern- oder Sinfonieorchester. Amar stand damit an einer Schwelle von Livekultur, Medienkultur und moderner Programmgestaltung.

Die nationalsozialistische Verfolgung zerstörte diese Karriere. Amars Ausschluss aus dem deutschen Musikleben ist Teil der umfassenden Entrechtung jüdischer Musikerinnen und Musiker. Er verlor nicht nur eine Stelle, sondern die Möglichkeit, in dem Land weiterzuarbeiten, in dem er den größten Teil seiner professionellen Laufbahn aufgebaut hatte. Die Aberkennung der Staatsangehörigkeit zeigt die Radikalität dieses Ausschlusses.

Das türkische Exil war für viele deutschsprachige Musiker ein anderer, nicht weniger wichtiger Kulturraum. In Ankara entstand kein bloßes Auffangbecken, sondern ein Reformprojekt. Die türkische Republik suchte neue Institutionen westlicher Musikbildung, und exilierte Musiker brachten Erfahrung, Lehrmethoden und Repertoire mit. Amar half, Violin- und Kammermusikunterricht aufzubauen. Damit wurde ein durch Deutschland vertriebener Musiker zum Mitgestalter einer anderen nationalen Musikkultur.

Seine späte Freiburger Berufung schließt den biographischen Kreis nicht vollständig, aber sie markiert eine nachträgliche Anerkennung. Amar kehrte nicht einfach in eine alte Normalität zurück. Deutschland nach 1945 war für vertriebene jüdische Musiker ein belasteter Raum. Dass er dort noch einmal lehrte, zeigt sowohl die Kontinuität seiner pädagogischen Autorität als auch die komplizierte Nachgeschichte des Exils.

Wirkung, Überlieferung und Nachleben

Amars Nachleben ist vor allem mit dem Amar-Quartett verbunden. Der Name des Ensembles überdauerte ihn so stark, dass er im späteren 20. Jahrhundert erneut vergeben wurde: Zum 100. Geburtstag Paul Hindemiths erhielt ein modernes Schweizer Ensemble den historischen Namen Amar-Quartett. Diese Namensübertragung zeigt, dass Licco Amar im Gedächtnis der Hindemith- und Kammermusikgeschichte als Leitfigur einer modernen Quartetttradition gilt.

Eine zweite Wirkungslinie betrifft die türkische Musikpädagogik. Seine zwanzigjährige Lehrtätigkeit in Ankara gehört zur institutionellen Geschichte des Konservatoriums und der türkischen Ausbildung westlicher Kunstmusik. Viele dieser pädagogischen Wirkungen sind nicht durch berühmte Einzelwerke, sondern durch Schülerinnen, Schüler, Orchesterpraxis, Kammermusikklassen und Unterrichtstraditionen greifbar.

Drittens ist Amar Teil der Geschichte jüdischer Musiker im Nationalsozialismus. Frankfurter und Exilforschungsprojekte haben seine Biographie wieder stärker sichtbar gemacht. Dabei geht es nicht nur um ein individuelles Schicksal, sondern um den Verlust eines ganzen Musikmilieus: Moderne Kammermusik, Rundfunk, jüdische Künstlerexistenz und internationale Musikpädagogik wurden durch die nationalsozialistische Kulturpolitik gewaltsam auseinandergerissen.

Werk-, Aufführungs- und Quellenverzeichnis

Licco Amar war in erster Linie Interpret, Konzertmeister, Primarius und Pädagoge, nicht Komponist im engeren Sinn. Ein „komplettes Werkverzeichnis“ muss daher als Werk-, Aufführungs-, Widmungs-, Ensemble- und Quellenverzeichnis angelegt werden. Es erfasst keine eigenen Kompositionen, sondern die wichtigsten künstlerischen Arbeitsfelder, Uraufführungen, Widmungen, Tonaufnahmen, pädagogischen Schriften und quellenkundlichen Nachweise.

Eigene Kompositionen

Eigene Kompositionen Keine sicher etablierten eigenständigen Kompositionen Licco Amars sind als größerer Werkbestand bekannt. Seine musikhistorische Bedeutung liegt nicht in kompositorischer Autorschaft, sondern in Interpretation, Uraufführungspraxis, Ensembleleitung, Rundfunkarbeit, Pädagogik und Förderung Neuer Musik.
Bearbeitungen und interpretatorische Einrichtung Konkrete Bearbeitungen sind nicht als geschlossener Werkbestand greifbar. Möglich sind praktische Aufführungsbearbeitungen im Quartett- und Unterrichtszusammenhang; sie sind quellenkritisch nur über Handschriften, Stimmenmaterial, Nachlässe und Archivbestände zu prüfen.

Widmungen an Licco Amar

Paul Hindemith: Sonate für Violine solo op. 31 Nr. 1 Komponiert 1924, bei Schott in Mainz veröffentlicht, Licco Amar gewidmet. Die Uraufführung fand am 21. Mai 1924 im Musikwissenschaftlichen Seminar Freiburg im Breisgau statt; Amar spielte die Violine. Das Werk ist der wichtigste ausdrücklich mit Amar verbundene Einzelkompositionsnachweis.

Uraufführungen und moderne Kammermusik

Paul Hindemith: Streichquartett op. 16 Uraufführung im Rahmen der ersten Donaueschinger Kammermusikaufführungen 1921. Das Ensemble mit Licco Amar, Walter Caspar, Paul Hindemith und Rudolf Hindemith bildete den Ausgangspunkt des späteren Amar-Quartetts.
Hindemith-Werke bei den Donaueschinger Musiktagen Amar wirkte an mehreren Uraufführungen beziehungsweise frühen Aufführungen von Hindemiths Werken mit. Diese Aufführungspraxis machte ihn zu einem zentralen Interpreten der Hindemith-Moderne.
Neue Musik im Amar-Quartett Das Quartett spielte Werke von Hindemith, Bartók, Krenek, Strawinsky, Szymanowski, Schönberg, Webern, Hába, Casella, Butting, Jarnach und weiteren Komponisten. Die genaue Werkfolge ist über Konzertprogramme, Kritiken, Rundfunkunterlagen und Hindemith-Briefe zu rekonstruieren.
Erich Walter Sternberg Amar förderte auch den Komponisten Erich Walter Sternberg. Diese Förderung gehört zur weiteren Geschichte jüdischer und moderner Musiknetzwerke zwischen Deutschland, Palästina, Israel und Exil.

Ensemblegeschichte des Amar-Quartetts

Entstehung 1921 Das spätere Amar-Quartett kam 1921 zur Uraufführung von Hindemiths Streichquartett op. 16 in Donaueschingen zusammen. Dieser Anlass war zunächst projektbezogen, entwickelte sich aber zur dauerhaften Ensemblebildung.
Feste Gründung 1922 Ab 1922 trat das Ensemble dauerhaft als Amar-Quartett auf. Der Name bezog sich auf den Primarius Licco Amar.
Besetzung der klassischen Hindemith-Zeit Licco Amar, erste Violine; Walter Caspar beziehungsweise Walter Kaspar, zweite Violine; Paul Hindemith, Viola; Rudolf Hindemith oder Maurits Frank, Violoncello.
Besetzungswechsel 1929 Paul Hindemith schied 1929 aus dem Quartett aus, weil er eine Professur an der Berliner Hochschule erhielt. Erich Kraack übernahm die Bratsche.
Weitere Tätigkeit bis 1933 Nach Hindemiths Ausscheiden bestand die Quartetttradition unter Amars Führung weiter, wurde jedoch durch die nationalsozialistische Machtübernahme und Amars Ausschluss aus dem deutschen Musikleben beendet.
Programmatik Das Quartett setzte sich besonders für zeitgenössische Musik ein und unterschied sich damit von Ensembles, die hauptsächlich klassischen und romantischen Kanon spielten.

Orchester- und Rundfunkstationen

Berliner Philharmoniker Konzertmeister von 1916 bis 1920. Diese Position gehört zu den höchsten Orchesterämtern im deutschen Musikleben der Zeit.
Nationaltheater Mannheim Konzertmeister von 1920 bis 1923. Die Mannheimer Station verband Orchesterpraxis, Opernbetrieb und moderne Theaterkultur.
Südwestdeutscher Rundfunk Frankfurt am Main Ab 1929 Konzertmeister und Solist des Frankfurter Rundfunkorchesters. Diese Tätigkeit zeigt Amars Bedeutung im neuen Medium Rundfunk.

Pädagogische Tätigkeit

Marteau-Quartett und frühe Vermittlung Die Arbeit im Marteau-Quartett vermittelte Amar eine kammermusikalische Schule, die er später als Primarius und Lehrer weitergab.
Publizistische Überlegungen zur Musikausbildung Amar veröffentlichte mehrere Artikel zur Neugestaltung des Musikunterrichts und zur Ausbildung von Musikern. Diese Texte trugen zu seinem Ruf als moderner Musikpädagoge bei.
Berufung nach Leningrad 1931 erhielt Amar ein Angebot für eine Professur am Leningrader Konservatorium, das er ablehnte. Der Vorgang zeigt seinen internationalen pädagogischen Rang.
Konservatorium Ankara Ab 1935 beziehungsweise in institutioneller Ausgestaltung ab 1938 Lehrer für Violine und Kammermusik am Konservatorium Ankara; dort Leitung einer Violin- und Kammermusikklasse, Mitwirkung an der Reform westlicher Kunstmusikausbildung in der Türkei.
Hochschule für Musik Freiburg 1957 bis 1959 Lehrtätigkeit in Violine, Kammermusik und Ensemble an der Hochschule für Musik Freiburg.

Tonaufnahmen und historische Tondokumente

Amar-Quartett-Aufnahmen Historische Aufnahmen des Amar-Quartetts dokumentieren das Spielideal der 1920er Jahre und sind besonders für die Hindemith-Rezeption wichtig. Die genaue Diskographie muss über Spezialkataloge, Labelverzeichnisse und Rundfunkarchive geprüft werden.
Hindemith-Quartettaufnahmen Aufnahmen mit Hindemith als Bratscher besitzen besonderen Quellenwert, weil sie die Verbindung von Komponist und Interpret im selben Ensemble hörbar machen.
Rundfunkdokumente Frankfurt Amars Tätigkeit beim Frankfurter Rundfunk dürfte in Programmunterlagen, Besetzungslisten und gegebenenfalls Rundfunkarchiven dokumentiert sein. Erhaltene Tonaufnahmen sind quellenkundlich gesondert zu prüfen.

Schriften und pädagogische Texte

Artikel zur Neugestaltung des Musikunterrichts Mehrere Artikel Amars zur Reform des Musikunterrichts und der Musikerausbildung werden in biographischen Quellen erwähnt. Die genaue bibliographische Erfassung ist für eine wissenschaftliche Spezialseite über Zeitschriftenkataloge und Nachlässe zu ergänzen.
Unterrichtsmaterialien Ankara Praktische Unterrichtsmaterialien aus der Ankara-Zeit sind möglich, aber nicht als geschlossenes veröffentlichtes Werkverzeichnis nachgewiesen. Sie sind eher in Archiv-, Hochschul- oder Nachlasskontexten zu suchen.

Wichtige Quellen- und Archivkomplexe

MGG Online Fachlexikalischer Artikel zu Licco Amar mit Lebensdaten, Ausbildung, Quartett- und Exilbiographie.
Hochschule für Musik Freiburg Institutioneller Nachweis der Freiburger Lehrtätigkeit und zusammenfassende biographische Daten.
Frankfurter Personenlexikon Dokumentarisch besonders ergiebige Quelle zu Familie, Ausbildung, Frankfurt, Rundfunk, Nationalsozialismus, Staatsangehörigkeit und Berufsverbot.
Projekt Jüdisches Leben in Frankfurt Biographisch und erinnerungskulturell wichtige Darstellung von Amar als jüdischem Musiker, Rundfunkmusiker, Vertreter Neuer Musik und Exilanten.
Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit Exil- und Verfolgungsquelle mit besonderem Gewicht für Ankara, Emigration, Berufsverbot und institutionelle Nachweise.
Hindemith-Institut Frankfurt Zentrale Stelle für die Hindemith-Überlieferung, Quartettgeschichte, Briefe, Programme und die spätere Namensvergabe an das moderne Amar-Quartett.
IMSLP Nachweis Licco Amars als Widmungsträger von Hindemiths Sonate für Violine solo op. 31 Nr. 1; urheberrechtlich für EU-Nutzung zu prüfen.

Sekundärliteratur

  • Schubert, Giselher: Artikel „Amar, Licco“, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart beziehungsweise MGG Online. Fachlexikalischer Grundartikel zu Leben, Ausbildung, Quartettarbeit, Hindemith-Bezug und Exil.
  • Frankfurter Personenlexikon: „Amar, Licco“. Dokumentarisch besonders ergiebige Darstellung zu Familie, Ausbildung, Frankfurt, Rundfunk, NS-Verfolgung und Exil.
  • Projekt Jüdisches Leben in Frankfurt: „Licco Amar“. Erinnerungskulturelle und biographische Darstellung mit Schwerpunkt Frankfurt, Neue Musik, Hindemith, Berufsverbot und Emigration.
  • Encyclopaedia Judaica: „Amar, Licco“, 2. Auflage, Bd. 2. Detroit: Thomson Gale, 2007. Internationaler lexikalischer Kurzartikel zu Biographie, Quartetttätigkeit, Ankara und Freiburg.
  • Walk, Joseph, Hrsg.: Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1945. München: Saur, 1988. Wichtige biographische Sammlung zur Geschichte jüdischer Personen unter nationalsozialistischer Verfolgung.
  • Röder, Werner, und Herbert A. Strauss, Hrsg.: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. München/New York/London/Paris: Saur, 1980 ff. Standardwerk zur deutschsprachigen Emigration, relevant für Amars Exilweg über Frankreich in die Türkei.
  • Hindemith-Institut Frankfurt: Materialien zum Amar-Quartett, zu Paul Hindemiths Quartettmusik und zur Quartettüberlieferung. Zentrale Spezialressource für Hindemith, Briefe, Programme, Uraufführungen und das historische Amar-Quartett.
  • Kater, Michael H.: The Twisted Muse. Musicians and Their Music in the Third Reich. New York/Oxford: Oxford University Press, 1997. Kontextliteratur zur nationalsozialistischen Musikpolitik und zur Ausschaltung jüdischer Musiker.
  • Levi, Erik: Music in the Third Reich. London: Macmillan, 1994. Kontext zur Kulturpolitik, Reichsmusikkammer und Exklusion moderner und jüdischer Musiker.
  • Rehding, Alexander, und weitere Arbeiten zur Hindemith-Rezeption. Hilfreich für die Einordnung von Amars Rolle als Hindemith-Interpret und Primarius eines modernen Quartetts.
  • Skelton, Geoffrey, und weitere Hindemith-Biographik. Kontext zur Beziehung Hindemiths zum Amar-Quartett und zur Kammermusik der 1920er Jahre.
  • Zuckmayer-Forschung und Exilliteratur zur Musikreform in Ankara. Wichtig für Amars Tätigkeit im türkischen Musikbildungswesen neben Eduard Zuckmayer, Ernst Praetorius und Carl Ebert.

Ausgewählte Onlinequellen

  • Concours de Genève: Amar Quartett Seite zum modernen Amar Quartett mit Hinweis, dass das Hindemith-Institut dem Ensemble 1995 den historischen Namen verlieh und dass Hindemith 1922 ein nach Licco Amar benanntes Quartett gründete.
  • Encyclopedia.com: Amar, Licco Kurzartikel aus der Encyclopaedia Judaica mit Basisdaten, Marteau-Quartett, Berliner Philharmonikern, Nationaltheater Mannheim, Amar-Quartett, Ankara und Freiburg.
  • Frankfurter Personenlexikon: Amar, Licco Ausführlicher biographischer Artikel mit dokumentarischen Angaben zu Familie, Ausbildung, Frankfurt, Rundfunk, Amar-Quartett, nationalsozialistischer Verfolgung, Staatsangehörigkeitsentzug und Exil.
  • IMSLP: Category Amar, Licco Werk- und Widmungskategorie mit Hinweis auf Licco Amar als Widmungsträger von Hindemiths Sonate für Violine solo op. 31 Nr. 1; urheberrechtliche Hinweise beachten.
  • IMSLP: Hindemith, Violin Sonata op. 31 No. 1 Werkseite mit Angaben zu Entstehung, Uraufführung am 21. Mai 1924 in Freiburg, Licco Amar als Interpret und Widmungsträger sowie Schott-Erstdruck.
  • Jüdisches Leben in Frankfurt: Licco Amar Biographischer Beitrag zu Amar als jüdischem Musiker in Frankfurt, als Förderer Neuer Musik, als Rundfunkmusiker und als von NS-Verfolgung betroffener Emigrant.
  • LexM Hamburg: Licco Amar Eintrag im Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit mit Schwerpunkt auf Verfolgung, Emigration, Ankara und beruflicher Neuorientierung.
  • MGG Online: Amar, Licco Fachlexikalischer Artikel zur Biographie, Ausbildung, Tätigkeit als Geiger, Quartettarbeit und musikgeschichtlichen Bedeutung Amars.
  • Hochschule für Musik Freiburg: Prof. Licco Amar Institutioneller Nachweis mit Lebensdaten, Studiengang, Konzertmeisterstationen, Amar-Quartett, Exil in der Türkei und Freiburger Lehrtätigkeit von 1957 bis 1959.
  • Naxos: Amar Quartet Kurzporträt des modernen Amar Quartetts mit historischem Bezug zum von Hindemith gegründeten und nach Licco Amar benannten Ensemble.

Weiterführende Einträge

  • Amar-Quartett Nach Licco Amar benanntes Streichquartett der 1920er Jahre und wichtiges Ensemble der Neuen Musik.
  • Ankara Türkischer Wirkungsort Amars während seines Exils und Zentrum der republikanischen Musikreform.
  • Berliner Philharmoniker Orchester, bei dem Amar von 1916 bis 1920 Konzertmeister war.
  • Budapest Geburtsstadt Amars und erster Ausbildungsort an der Musikakademie.
  • Walter Caspar Zweiter Geiger des Amar-Quartetts und wichtiger Partner Amars.
  • Donaueschinger Musiktage Aufführungsort moderner Kammermusik und Entstehungskontext des Amar-Quartetts.
  • Erich Walter Sternberg Komponist, den Amar förderte und dessen Karriere mit jüdischer Musik- und Exilgeschichte verbunden ist.
  • Exil und Musik Übergreifender Kontext von Amars Weg aus Deutschland über Frankreich in die Türkei.
  • Frankfurt am Main Wichtiger Wohn- und Arbeitsort Amars in den 1920er und frühen 1930er Jahren.
  • Freiburg im Breisgau Letzter Wirkungsort und Sterbeort Amars.
  • Geiger Instrumentalberuf Amars, der als Konzertmeister, Primarius und Pädagoge wirkte.
  • Paul Hindemith Komponist, Bratschist und enger künstlerischer Partner Amars im Amar-Quartett.
  • Hindemith: Sonate für Violine solo op. 31 Nr. 1 Amar gewidmetes und von ihm uraufgeführtes Solowerk Paul Hindemiths.
  • Hochschule für Musik Freiburg Institution, an der Amar von 1957 bis 1959 lehrte.
  • Kammermusik Zentraler Bereich von Amars künstlerischem und pädagogischem Wirken.
  • Konservatorium Ankara Türkische Ausbildungsinstitution, an der Amar Violine und Kammermusik unterrichtete.
  • Konzertmeister Orchesteramt, das Amar in Berlin, Mannheim und Frankfurt innehatte.
  • Henri Marteau Geiger und Lehrer Amars in Berlin sowie Leiter des Marteau-Quartetts.
  • Marteau-Quartett Frühes Ensemble, in dem Amar seit 1912 als zweiter Geiger spielte.
  • Musikpädagogik Berufliches Feld, in dem Amar in Ankara und Freiburg nachhaltig wirkte.
  • Nationalsozialismus und Musik Historischer Kontext von Amars Berufsverbot, Staatsangehörigkeitsentzug und Emigration.
  • Nationaltheater Mannheim Institution, an der Amar von 1920 bis 1923 Konzertmeister war.
  • Neue Musik Künstlerisches Hauptfeld des Amar-Quartetts in den 1920er Jahren.
  • Rundfunkorchester Orchesterform, die Amars Frankfurter Tätigkeit beim Südwestdeutschen Rundfunk prägte.
  • Rudolf Hindemith Cellist und zeitweiliger Partner im Amar-Quartett.
  • Streichquartett Gattung und Ensembleform, in der Amar seinen größten Ruhm erlangte.
  • Türkische Musikreform Reformkontext der 1930er Jahre, in dem Amar am Aufbau westlicher Musikausbildung in Ankara mitwirkte.
  • Violine Instrument Amars und Grundlage seiner Karriere als Solist, Konzertmeister und Pädagoge.