Kaspar Alletsee
Überblick
Kaspar Alletsee war ein im 18. Jahrhundert in München tätiger Lauten- und Geigenmacher. Er gehört zur Familie Alletsee, deren wichtigster und am besten belegter Vertreter Paulus Alletsee war. Während Paulus Alletsee als kurfürstlicher Hof-Lauten- und Geigenmacher in München quellenmäßig deutlicher hervortritt, ist Kaspar Alletsee vor allem als Sohn, Schüler und Werkstattnachfolger im weiteren Sinn greifbar. Seine biographische Kontur ist daher enger an die Werkstatt- und Familiengeschichte gebunden als an einen öffentlich gut dokumentierten Katalog eigenhändig datierter Instrumente.
Die Namensvarianten Alletsee, Allettssee, Alleci, Aletsee und verwandte Schreibungen zeigen, wie beweglich die Überlieferung frühneuzeitlicher Instrumentenmacher sein kann. Kirchenbücher, Hofakten, Instrumentenzettel, spätere Sammlungsinventare, Auktionskataloge und Lexika schrieben Namen nicht nach einem einheitlichen Standard. Deshalb muss eine Kulturlexikon-Seite zu Kaspar Alletsee nicht nur eine Person beschreiben, sondern zugleich die Schwierigkeit ihrer Überlieferung sichtbar machen.
Kulturgeschichtlich ist Kaspar Alletsee bedeutsam, weil er eine Werkstattlinie fortführt, die den Füssener und Allgäuer Instrumentenbau mit der Münchner Musik- und Hofkultur verbindet. Der Name Alletsee steht im 18. Jahrhundert für den Übergang von der älteren Lautenmachertradition zu einer zunehmend durch Violine, Viola, Violoncello, Viola d’amore und andere Streichinstrumente geprägten Klangwelt. Kaspar Alletsee ist daher weniger als Einzelgenie des Instrumentenbaus zu behandeln, sondern als Teil eines handwerklichen, familiären und höfisch-städtischen Produktionszusammenhangs.
Da für Kaspar Alletsee in den frei zugänglichen geprüften Quellen keine geschlossene Liste sicher erhaltener eigenhändiger Instrumente greifbar ist, wird das Werkverzeichnis dieser Seite bewusst quellenkritisch angelegt. Es unterscheidet gesicherte Personendaten, plausible Werkstattfelder, überlieferungsgeschichtliche Zuschreibungen und nicht gesicherte Einzelobjekte. Diese Zurückhaltung ist sachlich geboten, weil der historische Instrumentenhandel vielfach mit ersetzten Zetteln, Werkstattnamen, Zuschreibungsformeln und späteren Etikettierungen arbeitet.
Kurzdaten
| Name | Kaspar Alletsee. |
|---|---|
| Weitere Namensformen | Caspar Alletsee, Kaspar Allettssee, Caspar Allettssee, Kaspar Alleci, Caspar Alleci, Kaspar Aletsee, Caspar Aletsee. |
| Geburt | 1718 in München. |
| Tod | Vor 1768; in einzelnen Datenumgebungen genauer als vor Mitte Oktober 1768 erschließbar, jedoch ohne öffentlich leicht zugängliche ausführliche biographische Darstellung. |
| Beruf | Lauten- und Geigenmacher, Geigenbauer, Instrumentenbauer, Werkstattmitarbeiter, Reparateur und Vertreter des Münchner Saiteninstrumentenbaus im 18. Jahrhundert. |
| Herkunftsfamilie | Sohn des Münchner Hof-Lauten- und Geigenmachers Paulus Alletsee. |
| Ausbildung | Schüler von Paulus Alletsee; die Ausbildung ist als Werkstatt- und Familienlehre im Umfeld des Münchner Instrumentenbaus zu verstehen. |
| Wirkungsort | München. |
| Werkstattumfeld | Familie und Werkstattkreis um Paulus Alletsee; Bezüge zu Benno Anton Rigele, Joseph Paul Christa, Johann Andreas Kämbl beziehungsweise Käml und weiteren süddeutschen Instrumentenbauern. |
| Instrumentengruppen | Violinen, Violen, Violoncelli, Lauten und verwandte Saiteninstrumente sind als plausibles Werkstattfeld anzusetzen; konkrete eigenhändige Einzelinstrumente Kaspars sind öffentlich nur schwer gesichert. |
| Kulturelle Bedeutung | Kaspar Alletsee steht für die generationelle Fortführung einer Münchner Lauten- und Geigenbauerwerkstatt, die aus dem süddeutschen und Füssener Instrumentenbau hervorging und in der höfisch-städtischen Musikkultur Bayerns wirkte. |
Namensformen und Abgrenzung innerhalb der Familie Alletsee
Die Alletsee-Überlieferung verwendet mehrere Schreibungen. Neben der heute zweckmäßigen Form Alletsee begegnen Allettssee, Alleci, Aletsee und weitere Varianten. Bei Paulus Alletsee erscheint außerdem die italienisierende oder romanisierende Form Aletzie. Diese Namensvielfalt darf bei Kaspar Alletsee nicht automatisch als Hinweis auf unterschiedliche Personen gelesen werden, sondern spiegelt die frühneuzeitliche Schreibpraxis und die spätere instrumentenkundliche Katalogisierung.
Zur Abgrenzung ist wichtig, dass der hier behandelte Kaspar Alletsee nicht mit Paulus Alletsee identisch ist. In einem mehrteiligen Familienartikel erscheint er sachgerecht als Kaspar (2), weil Paulus als der ältere und prominenter belegte Hauptmeister der Familie vorausgeht. Auf einer Einzeldatei sollte der sichtbare Titel jedoch Kaspar Alletsee lauten; die interne und lexikalische Einordnung kann im Fließtext die Zählung Kaspar (2) erklären.
Für die Dateibezeichnung gilt nach dem Personenmuster die Form alletsee-kaspar.shtml. Diese Form ist kurz, eindeutig und entspricht der Regel, dass der sichtbare Name natürlich in Vorname-Nachname-Reihenfolge steht, während der Dateiname nach Nachname und Vorname gebildet wird. Eine Erweiterung um 2 ist nicht nötig, solange kein zweiter Kaspar Alletsee als eigene Datei geführt wird.
Familie, Ausbildung und Werkstattüberlieferung
Kaspar Alletsee wurde 1718 in München geboren. Er war Sohn von Paulus Alletsee, dem kurfürstlichen Hof-Lauten- und Geigenmacher. Damit wuchs er vermutlich unmittelbar in einer Werkstattumgebung auf, in der Holz, Lack, Werkzeug, Instrumententeile, Reparaturen, Bestellungen, Musikerbesuche und höfische Anforderungen zum Alltag gehörten. Für Instrumentenmacherfamilien des 18. Jahrhunderts war eine solche häuslich-berufliche Einheit typisch.
Die Ausbildung erfolgte nach den verfügbaren Beziehungsdaten bei Paulus Alletsee. Das bedeutet nicht nur technischen Unterricht, sondern die Weitergabe einer ganzen Werkstattkultur. Ein junger Geigenmacher lernte Holzauswahl, Zuschnitt, Wölbung, Zargenbau, Leimung, Schneckenarbeit, Lackierung, Mensur, Griffbrett- und Stegarbeit, Besaitung, Reparatur und Kundenumgang. In einer Hofwerkstatt kam hinzu, dass die Instrumente für professionelle Musikerinnen und Musiker oder für höfische Bestände zuverlässig funktionieren mussten.
Der Familienzusammenhang Alletsee berührt weitere Namen des süddeutschen Instrumentenbaus. Benno Anton Rigele erscheint als verwandte beziehungsweise geschwisterliche Figur im Alletsee-Kontext. Johann Andreas Kämbl beziehungsweise Käml war als Schwiegersohn und Nachfolger Paulus Alletsees ein wichtiger Träger der Münchner Werkstatttradition. Joseph Paul Christa und weitere Verwandte oder Schüler gehören ebenfalls in das Netzwerk. Diese Vernetzung zeigt, dass Instrumentenbau selten nur individuelle Arbeit war. Er war ein Familien-, Lehr- und Werkstattgefüge.
München als Ort des Instrumentenbaus
München war im 18. Jahrhundert als Residenzstadt ein wichtiger Musikort. Die Münchner Hofmusik benötigte Instrumente, Reparaturen und handwerkliche Betreuung. Neben Komponisten, Sängern, Instrumentalisten und Kapellmeistern waren daher auch Instrumentenmacher Teil des musikalischen Systems. Kaspar Alletsee gehört zu dieser weniger sichtbaren, aber für das klingende Musikleben unerlässlichen Infrastruktur.
Der Münchner Geigenbau erreichte nicht die kanonische Strahlkraft von Cremona, Füssen oder Mittenwald, besaß aber eigene Werkstattprofile. Gerade im höfischen Kontext konnten besondere Instrumente, Reparaturen und Anpassungen gefragt sein. Die Familie Alletsee steht für diese Münchner Linie, in der der ältere Lautenbau noch präsent war, während die Geigenfamilie zunehmend den praktischen Musikbetrieb bestimmte.
Für Kaspar Alletsee bedeutet dies: Seine Bedeutung ist nicht allein an erhaltenen Meisterinstrumenten zu messen. Auch Werkstattarbeit, Reparatur, Nachfolge und instrumentenkundliche Kontinuität gehören zur Kulturgeschichte. Die Musik eines Hofes oder einer Stadt bleibt nur dann spielbar, wenn Instrumente gebaut, erhalten und an die Bedürfnisse der Aufführungspraxis angepasst werden.
Lauten- und Geigenbau im 18. Jahrhundert
Der Begriff Lauten- und Geigenmacher beschreibt eine Übergangs- und Doppelkompetenz. Ältere Werkstätten waren aus dem Lautenbau hervorgegangen; im 17. und 18. Jahrhundert gewann die Violine mit ihren verwandten Streichinstrumenten immer mehr Gewicht. Ein Meister oder Werkstattangehöriger musste daher oft mehrere Instrumentengattungen kennen. Die Laute verlangte Erfahrung mit Resonanzkörper, Decke, Rosette, Saitenzug und feiner Holzarbeit; die Geige verlangte Wölbung, F-Löcher, Bassbalken, Stimmstock, Zargenkranz, Schnecke, Lack und eine andere Klangprojektion.
In einer Werkstatt wie derjenigen der Familie Alletsee waren vermutlich Neubau und Reparatur eng verbunden. Historische Instrumente wurden umgebaut, Hälse verändert, Griffbretter ersetzt, Stege angepasst, Risse geschlossen, Decken geöffnet, Lack beschädigt oder erneuert. Ein Instrumentenmacher war deshalb nicht nur Schöpfer neuer Objekte, sondern auch Bewahrer, Veränderer und technischer Vermittler der Aufführungspraxis.
Kaspar Alletsee gehört in diese handwerkliche Kultur. Da einzelne eigenhändige Instrumente öffentlich nicht klar genug belegt sind, lässt sich seine Leistung nicht durch eine Liste großer Soloinstrumente erfassen. Sie liegt vielmehr in der Fortführung einer spezialisierten Werkstatt, deren Praxis zwischen Lautenbau, Geigenbau, Hofdienst und städtischem Musikbedarf stand.
Werkstattpraxis, Reparatur und Zuschreibung
Die Zuschreibung historischer Instrumente ist grundsätzlich schwierig. Ein Zettel in einem Instrument nennt oft Namen, Ort und Jahr, aber er beweist allein noch keine Echtheit. Zettel konnten beschädigt, ersetzt, nachträglich eingefügt, falsch gelesen oder aus marktstrategischen Gründen benutzt werden. Besonders bei Instrumenten aus bekannten Werkstätten können spätere Zuschreibungen den Wert beeinflusst haben. Deshalb ist bei Alletsee-Instrumenten zwischen Paulus Alletsee, Kaspar Alletsee, der Werkstatt Alletsee und späteren Zuschreibungen zu unterscheiden.
Für Kaspar Alletsee ist diese Vorsicht besonders wichtig. Während Paulus Alletsee durch Zettel, ältere Lexikographie und museale Objektbezüge stärker sichtbar ist, bleibt Kaspar als eigenständiger Meister in den öffentlich zugänglichen Quellen zurückhaltender dokumentiert. Das heißt nicht, dass er unbedeutend war. Es bedeutet, dass die erhaltene und publizierte Quellenlage seine Person eher als Werkstattfortsetzung und Familienglied ausweist als als umfassend katalogisierten Instrumentenmacher mit vielen sicher identifizierten Objekten.
Für ein Kulturlexikon ist diese Situation produktiv, weil sie die materielle Musikgeschichte differenziert. Nicht jeder historische Instrumentenmacher lässt sich wie ein Komponist mit Werknummern erfassen. Bei Werkstätten, Familien und Reparaturtraditionen muss man mit Spuren, Beziehungen, Objekten, Zetteln, Provenienzen und Forschungsdaten arbeiten. Gerade darin liegt der Wert eines sorgfältigen Artikels.
Werk- und Instrumentenverzeichnis
Ein Werkverzeichnis Kaspar Alletsees kann nicht als Kompositionsverzeichnis geführt werden. Er war nach der belegbaren Einordnung Lauten- und Geigenmacher, nicht Komponist. Ebenso lässt sich in den geprüften frei zugänglichen Quellen kein vollständiger Katalog sicher eigenhändiger Instrumente Kaspar Alletsees erstellen. Das folgende Verzeichnis ist daher ein quellenkritisches Instrumenten-, Werkstatt- und Zuschreibungsverzeichnis. Es benennt, was sachlich anzusetzen ist, und trennt gesicherte Personendaten von nicht belegbaren Einzelobjekten.
Gesicherter Werkstattbereich
- Lauten- und Geigenmacherarbeit in München. Kaspar Alletsee ist als Lauten- und Geigenmacher in München einzuordnen. Seine Arbeit gehört in das Werkstattfeld der Familie Alletsee und setzt die von Paulus Alletsee geprägte Verbindung von Lautenbau, Geigenbau und höfischer Instrumentenpflege fort.
- Ausbildung und Werkstattarbeit bei Paulus Alletsee. Kaspar wird als Schüler von Paulus Alletsee geführt. Damit ist seine handwerkliche Prägung innerhalb der väterlichen Werkstatt anzusetzen.
- Fortführung einer Münchner Instrumentenmacherlinie. Auch wenn eine formale Hofstellung Kaspars in den geprüften frei zugänglichen Quellen nicht so klar greifbar ist wie bei Paulus, steht er in der Nachwirkung einer Hofwerkstatt, die für München und das süddeutsche Instrumentenbauumfeld wichtig war.
Plausible Instrumentengruppen
- Violinen. Als Geigenmacher muss Kaspar Alletsee mit dem Bau, der Reparatur oder der Pflege von Violinen befasst gewesen sein. Konkrete öffentlich eindeutig Kaspar zugeschriebene Einzelviolinen sind jedoch quellenkritisch zu behandeln.
- Violen beziehungsweise Bratschen. Die Werkstatttradition der Familie Alletsee umfasst Streichinstrumente verschiedener Größen. Bratschen gehören daher zum plausiblen Werkstattfeld, ohne dass hier ein sicher datiertes Einzelinstrument Kaspars benannt werden kann.
- Violoncelli. Auch Violoncelli gehören zum möglichen Arbeitsbereich einer Münchner Geigenmacherwerkstatt des 18. Jahrhunderts. Bei konkreten Instrumenten ist jedoch jeweils zu prüfen, ob eine Zuschreibung an Kaspar, Paulus oder die Werkstatt Alletsee gemeint ist.
- Lauten und lautenverwandte Instrumente. Die Berufsbezeichnung Lauten- und Geigenmacher legt nahe, dass Kaspar zumindest die Werkstattkompetenz im Bereich der Lauteninstrumente erbte oder ausübte. Ein sicherer Einzelkatalog erhaltener Lauten Kaspars ist öffentlich nicht greifbar.
- Viola d’amore, Englisches Violett und verwandte Spezialinstrumente. Diese Instrumentengruppe ist für Paulus Alletsee gut im historischen Kontext der Familie sichtbar. Für Kaspar ist sie als mögliches Werkstattwissen relevant, doch dürfen Paulus-Objekte nicht ohne Beleg auf Kaspar übertragen werden.
- Reparaturen und Umbauten. Sehr wahrscheinlich gehörten Reparaturen, Steg- und Stimmstockarbeiten, Hals- oder Griffbrettanpassungen, Rissreparaturen und Wartung zum Werkstattalltag. Diese Arbeiten hinterlassen selten signierte Spuren, sind aber für die historische Aufführungspraxis zentral.
Nicht gesicherte oder nur als Zuschreibungsfeld zu behandelnde Einzelobjekte
- Instrumente mit Alletsee-Zetteln ohne Vornamen. Wenn ein Instrument nur den Namen Alletsee oder eine Variante wie Aletsee, Alleci oder Aletzie trägt, ist ohne weitere Prüfung nicht sicher zu entscheiden, ob Paulus, Kaspar, die Werkstatt oder eine spätere Zuschreibung gemeint ist.
- Auktionsnachweise mit Paul- oder Paulus-Alletsee-Zetteln. Solche Nachweise sind für die Familie und Werkstatt wichtig, können aber nicht ohne Weiteres als Werke Kaspar Alletsees gelten.
- Museale Objekte mit Paulus-Alletsee-Bezug. Diese Objekte gehören in den Kontext der Familie und Werkstatt, sind aber bei einem Kaspar-Eintrag ausdrücklich als Kontext, nicht als eigene Werke Kaspars zu führen.
- Spätere Nachahmungen oder Falschzettel. Der Markt historischer Streichinstrumente kennt nachträgliche Etikettierungen. Ein Kaspar-Alletsee-Eintrag sollte deshalb keine ungesicherten Handelsangaben in sichere Werkdaten verwandeln.
Kein Kompositionswerk
- Keine gesicherten Kompositionen. Für Kaspar Alletsee sind keine Kompositionen, Notendrucke oder musiktheoretischen Schriften als eigene Werke anzusetzen.
- Kein Opusverzeichnis. Ein Opusverzeichnis wäre sachlich irreführend, da seine historische Rolle im Instrumentenbau und nicht in der kompositorischen Produktion liegt.
- Kein vollständiger Objektkatalog. Ein vollständiger kritischer Objektkatalog müsste Sammlungen, Auktionsarchive, Werkstattzettel, Provenienzen, Dendrochronologie und instrumentenkundliche Gutachten zusammenführen. Eine öffentliche Kurzquellenlage reicht dafür nicht aus.
Rezeption und editorische Hinweise
Kaspar Alletsee steht im Schatten seines Vaters Paulus Alletsee. Diese Rezeption ist quellenbedingt: Paulus ist durch Hofstellung, Zettelüberlieferung und ältere Lexikographie deutlich sichtbarer. Kaspar erscheint vor allem als Sohn und Schüler. Für ein Kulturlexikon ist diese Konstellation dennoch wertvoll, weil sie die generationelle Weitergabe von Instrumentenbauwissen sichtbar macht. Werkstätten lebten nicht nur durch berühmte Namen, sondern durch Familienmitglieder, Schüler, Schwiegersöhne, Gesellen und Reparaturarbeiter.
Die Lebensdaten sind knapp zu führen. Sicher anzusetzen ist nach den verfügbaren Daten die Geburt 1718 in München und der Tod vor 1768. Genauere Angaben sollten nicht ohne archivalischen Nachweis ausgeschrieben werden. Im Unterschied zu Paulus Alletsee ist bei Kaspar keine ausführlich belegte Tauf-, Heirats- oder Sterbeüberlieferung in den frei zugänglichen Quellen gleichermaßen präsent.
Besonders wichtig ist die editorische Trennung zwischen Person, Werkstatt und Zuschreibung. Ein Instrument kann aus dem Alletsee-Umfeld stammen, ohne dass Kaspar Alletsee als eigenhändiger Erbauer gesichert ist. Deshalb sollte im Werkverzeichnis nicht pauschal von „seinen Violinen“ gesprochen werden, wenn nur ein Werkstatt- oder Familienbezug vorliegt. Präziser ist die Formulierung: Instrumente aus dem Alletsee-Umfeld, Kaspar als Werkstattnachfolger oder plausibles Werkstattfeld.
Für die Binnenverlinkung ist der Artikel besonders geeignet, um den Bereich Instrumentenbau im Kulturlexikon zu vertiefen. Er verbindet Personenartikel, regionale Musikgeschichte, Handwerksgeschichte, höfische Musikpraxis, Provenienzforschung und organologische Methodik. Damit ergänzt er Komponisten- und Sängerbiographien um die materielle Grundlage des Musizierens.
Sekundärliteratur
- Bletschacher, Richard: Die Lauten- und Geigenbauer des Füssener Landes. Füssen. Grundlegende Spezialliteratur zur regionalen Herkunftstradition, in der die Familie Alletsee und ihre Beziehungen zum süddeutschen Instrumentenbau einzuordnen sind.
- Drescher, Thomas: Ergänzungs- und Forschungsarbeiten zu historischen Geigen- und Lautenmachern im Anschluss an die ältere Lütgendorff-Tradition.
- Focht, Josef, Hg.: Bayerisches Musiker-Lexikon Online. Datensätze zu Paulus Alletsee, Kaspar Alletsee, Benno Anton Rigele, Johann Andreas Kämbl und weiteren Personen des süddeutschen Instrumentenbaus.
- Focht, Josef: „Viola d’amore und Englisches Violett. Die Instrumente des Lauten- und Geigenmachers Paulus Alletsee“. In: Die so lieblich klinget. Beiträge zum Instrument, zur Musik für Viola d’amore und zu ihrer Geschichte. Konferenzschrift Innsbruck 2011, hg. von Marianne Kubitschek-Rônez.
- Gerber, Ernst Ludwig: Historisch-biographisches Lexicon der Tonkünstler. Leipzig 1790–1792. Frühe lexikalische Referenz für Musiker und Instrumentenmacher.
- Layer, Adolf: Die Allgäuer Lauten- und Geigenmacher. Ein Kapitel schwäbischer Kulturleistung für Europa. Augsburg 1978. Wichtig für die Einordnung des Allgäuer und Füssener Umfelds.
- Lütgendorff, Willibald Leo von: Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Mehrere Auflagen, mit späteren Ergänzungen. Klassisches Nachschlagewerk, bei Einzelangaben jedoch quellenkritisch zu benutzen.
- Mendel, Hermann und August Reißmann: Musikalisches Conversations-Lexikon. Berlin 1870 ff. Ältere lexikalische Rezeptionsquelle zu Instrumentenmachern und historischen Schreibweisen.
- Stainer, Cecie: A Dictionary of Violin Makers. London. Ergänzende ältere englischsprachige Instrumentenmacherlexikographie.
- Vannes, René: Dictionnaire universel des luthiers. Brüssel. Europäische Instrumentenmacherlexikographie als Vergleichshorizont.
- Zoebisch, Karl: Arbeiten zum Vogtländischen und süddeutschen Geigenbau. Vergleichend nützlich für Zuschreibungsfragen, Werkstattverhältnisse und regionale Traditionen.
Ausgewählte Onlinequellen
- Amati: Johann Andreas Kämbl Instrumentenmacherprofil zu Kämbl als Münchner Lauten- und Geigenmacher sowie als Nachfolger im Alletsee-Umfeld.
- Bayerisches Musiker-Lexikon Online: Paulus Alletsee Zentrale Referenz zu Paulus Alletsee mit Beziehungsangaben zu Kaspar Alletsee als Kind und Schüler sowie mit Kontext zu Hofstellung, Werkstatt und Instrumentenbau.
- Bayerisches Musiker-Lexikon Online: Geigenbauer Registerseite mit Kaspar Alletsee als Geigenbauer, angegeben mit den Lebensdaten 1718 bis vor 1768.
- Bayerisches Musiker-Lexikon Online: Lautenmacher Registerseite zum Berufsfeld Lautenmacher mit der Familie Alletsee und weiteren süddeutschen Instrumentenbauern.
- Corilon: Geigenbauer und Geigenbaumeister in München Überblick zum Münchner Geigenbau mit Einordnung der Münchner Werkstatttradition und Hinweis auf Johann Paul Alletsee als wichtigen historischen Namen.
- Germanisches Nationalmuseum: Objektkatalog zu Paulus Alletsee Musealer Objektkatalog mit Alletsee-Bezügen, wichtig für die materielle Werkstatt- und Instrumentenüberlieferung der Familie.
- MGG Online: Alletsee, Paulus Musiklexikalischer Fachartikel zum Hauptmeister der Familie, dessen Werkstatt-, Familien- und Ausbildungszusammenhang für Kaspar Alletsee entscheidend ist.
- musiXplora: Kaspar Alletsee Digital-organologische Personenumgebung mit Kaspar Alletsee als eigenem Datensatz im Netzwerk von Christa, Kämbl und Rigele.
- Viola d’amore Society: About the viola d’amore Instrumentenkundliche Einführung zur Viola d’amore mit Hinweisen auf Paulus Alletsee und die barocke Bauformenvielfalt im Alletsee-Umfeld.
- Zenodo / Digital Organology: Benno Anton Rigele Datensatz zu Benno Anton Rigele mit Familien- und Ausbildungsbezügen zu Paulus und Kaspar Alletsee sowie zu weiteren Instrumentenbauern des Netzwerks.
Weiterführende Einträge
- Allgäuer Instrumentenbau Regionaler Hintergrund der Familie Alletsee und der süddeutschen Lauten- und Geigenmachertradition.
- Paulus Alletsee Vater und Lehrer Kaspar Alletsees, kurfürstlicher Hof-Lauten- und Geigenmacher in München.
- Barockinstrument Übergreifender Begriff für historische Instrumente des 17. und 18. Jahrhunderts, darunter Lauten, Violinen und Viola-d’amore-Formen.
- Bratsche Mittleres Streichinstrument, das im Werkstattfeld süddeutscher Geigenmacher des 18. Jahrhunderts wichtig war.
- Joseph Paul Christa Geigenbauer im Verwandtschafts- und Werkstattumfeld der Familie Alletsee.
- Cremona Italienisches Geigenbauzentrum, als Vergleichsort für süddeutsche Werkstätten und Zuschreibungsfragen relevant.
- Füssen Zentrum des süddeutschen Lauten- und Geigenbaus, dessen Tradition für die Herkunft der Alletsee-Werkstatt wesentlich ist.
- Füssener Instrumentenbau Handwerkstradition von europäischer Ausstrahlung, aus der viele süddeutsche Lauten- und Geigenmacher hervorgingen.
- Geigenbau Handwerklicher Kernbereich der Tätigkeit Kaspar Alletsees.
- Geigenbauer Berufsbezeichnung für Hersteller und Reparaturmeister von Violinen, Violen, Violoncelli und verwandten Streichinstrumenten.
- Germanisches Nationalmuseum Museum mit musikinstrumentenkundlich wichtigen Alletsee-Objektbezügen.
- Hofinstrumentenmacher Höfischer Instrumentenbau- und Reparaturberuf, in dessen Umfeld die Alletsee-Werkstatt zu verorten ist.
- Hofkapelle Musikalische Institution, deren Instrumentenbedarf Werkstätten wie diejenige der Familie Alletsee beschäftigte.
- Hoflautenmacher Spezialisierter höfischer Instrumentenmacherberuf, der bei Paulus Alletsee belegt und für Kaspars Werkstattumfeld grundlegend ist.
- Instrumentenkunde Forschungsfeld zu Bau, Klang, Funktion und Provenienz historischer Instrumente.
- Instrumentenbau Übergreifender Bereich der musikalischen Handwerks- und Materialkultur.
- Instrumentenhandel Markt- und Provenienzfeld, das bei historischen Zuschreibungen an die Familie Alletsee quellenkritisch zu beachten ist.
- Johann Andreas Kämbl Münchner Lauten- und Geigenmacher, Schwiegersohn und Nachfolger im Alletsee-Werkstattumfeld.
- Kirchenbuch Archivalische Quelle für Tauf-, Heirats- und Sterbedaten frühneuzeitlicher Musiker und Handwerker.
- Kontrabass Großes Bass-Streichinstrument, das im süddeutschen Werkstattfeld historischer Geigenmacher eine Rolle spielen konnte.
- Laute Zupfinstrument und ältere Leitgattung des süddeutschen Lautenmacherhandwerks.
- Lautenbau Handwerkliche Spezialtradition, aus der viele süddeutsche Geigenbauerwerkstätten hervorgingen.
- Lautenmacher Berufsbezeichnung für Hersteller von Lauten und verwandten Zupfinstrumenten, im 18. Jahrhundert häufig mit Geigenbau verbunden.
- Lauten- und Geigenmacher Doppelberuf des historischen Saiteninstrumentenbaus, der Kaspar Alletsees Tätigkeit präzise beschreibt.
- Luthier Internationaler Begriff für Lauten-, Geigen- und Saiteninstrumentenmacher.
- Mittenwald Süddeutsches Geigenbauzentrum, als Vergleichsort für München und Füssen wichtig.
- München Geburts- und Wirkungsort Kaspar Alletsees sowie Residenzstadt mit höfischer Musikkultur.
- Münchner Geigenbau Regionale Werkstattgeschichte, in der die Familie Alletsee eine frühe Rolle spielt.
- Münchner Hofmusik Höfischer Musikbetrieb, dessen Instrumentenbedarf Werkstätten wie Alletsee und Kämbl prägte.
- Organologie Wissenschaft von Musikinstrumenten, ihren Bauformen, Funktionen, Klängen und historischen Kontexten.
- Provenienz Herkunfts- und Besitzgeschichte eines Instruments, zentral für Echtheitsprüfung und Zuschreibung.
- Benno Anton Rigele Geigenbauer im Familien- und Geschwisterzusammenhang Kaspar Alletsees.
- Saiteninstrument Übergeordnete Instrumentengruppe für Lauten, Violinen, Violen, Gamben und Violoncelli.
- Schnecke im Instrumentenbau Charakteristisches Bauteil vieler Streichinstrumente und wichtiges Merkmal handwerklicher Zuschreibung.
- Stimmstock Zentrales Bauteil der Violine und ihrer Familie, wichtig für Klang, Reparatur und Werkstattpraxis.
- Streichinstrument Instrumentengruppe, die Kaspar Alletsees Tätigkeit als Geigenmacher bestimmt.
- Viola Mittleres Streichinstrument der Geigenfamilie, im historischen Werkstattfeld süddeutscher Geigenmacher relevant.
- Viola da gamba Historische Gambenfamilie, wichtig für den Übergang zwischen Lauten-, Gamben- und Geigenbau.
- Viola d’amore Barockes Streichinstrument mit Resonanzsaiten, im Alletsee-Umfeld besonders durch Paulus Alletsee bedeutsam.
- Violine Zentrales Streichinstrument des 18. Jahrhunderts und Kernobjekt des Geigenmacherhandwerks.
- Violoncello Bassinstrument der Violinfamilie, das im Werkstattfeld süddeutscher Geigenmacher zu berücksichtigen ist.
- Werkstattzettel Namens- und Datumszettel in Instrumenten, wichtig für Zuschreibung, aber stets quellenkritisch zu prüfen.
- Zuschreibung Methodischer Begriff für die Zuordnung historischer Instrumente zu Personen, Werkstätten oder Regionen.