Allegri String Quartet
Überblick
Das Allegri String Quartet ist eines der bedeutenden britischen Streichquartette der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und der frühen Gegenwart. Es wurde 1953 in London gegründet und nach dem römischen Komponisten Gregorio Allegri benannt. Die ursprüngliche Besetzung bestand aus Eli Goren, James Barton, Patrick Ireland und William Pleeth. Schon diese Namen zeigen, dass das Ensemble aus der professionellen britischen Streicherkultur der Nachkriegszeit hervorging und zugleich auf eine ältere europäische Kammermusiktradition zurückgriff.
Kulturgeschichtlich ist das Allegri String Quartet nicht allein als ausführendes Ensemble zu betrachten. Es steht für die Kontinuität und Erneuerung der britischen Kammermusik nach 1945. Das Quartett pflegte das klassische und romantische Repertoire von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Johannes Brahms und Claude Debussy, setzte sich aber zugleich stark für moderne und zeitgenössische Musik ein. Damit gehört es zu den Ensembles, die das Streichquartett nicht als museale Gattung, sondern als lebendige Form verstanden.
Die lange Geschichte des Quartetts ist von zahlreichen Besetzungswechseln geprägt. Gerade diese Kontinuität durch Wechsel ist für ein Streichquartett ungewöhnlich. Anders als Ensembles, die eng an eine einzige Gründerpersönlichkeit gebunden bleiben, entwickelte das Allegri String Quartet eine institutionelle Identität, die über mehrere Generationen von Spielerinnen und Spielern hinweg weitergetragen wurde. Dadurch wurde der Name „Allegri“ zu einer Ensemblemarke, die Klangideal, Repertoirehaltung, pädagogische Arbeit und britische Kammermusiktradition bündelte.
Besonders wichtig ist die Verbindung von klassischem Repertoire und neuer Musik. Das Quartett arbeitete mit britischen und internationalen Komponisten zusammen, spielte Uraufführungen, nahm Werke für Schallplatte und CD auf und wirkte an Universitäten und Ausbildungsinstitutionen. Seine Geschichte berührt deshalb nicht nur Konzertpraxis, sondern auch Musikvermittlung, Aufführungspraxis, Schallplattengeschichte, Neue Musik und die Entwicklung des britischen Musiklebens nach dem Zweiten Weltkrieg.
Kurzdaten
| Name | Allegri String Quartet. |
|---|---|
| Weitere Namensformen | Allegri Quartet, The Allegri String Quartet, The Allegri Quartet. |
| Gründung | 1953 in London. |
| Namensgeber | Gregorio Allegri, römischer Komponist des berühmten Miserere der Sixtinischen Kapelle. |
| Ensembletyp | Streichquartett mit zwei Violinen, Viola und Violoncello. |
| Beruf | Britisches Streichquartett, Kammermusikensemble, Konzertensemble, Aufnahmeensemble, Uraufführungsensemble und musikpädagogisch tätiges Ensemble. |
| Gründungsmitglieder | Eli Goren, erste Violine; James Barton, zweite Violine; Patrick Ireland, Viola; William Pleeth, Violoncello. |
| Zentrale Repertoirefelder | Klassisches und romantisches Streichquartettrepertoire, britische Kammermusik, moderne europäische Musik, zeitgenössische Auftragswerke und Werke für Streichquartett mit Gastinstrumenten. |
| Wichtige Arbeitsfelder | Konzertpraxis, Schallplatten- und CD-Aufnahmen, Kompositionsaufträge, Uraufführungen, Universitätsresidenzen, Meisterkurse und kammermusikalische Nachwuchsförderung. |
| Archiv | Allegri String Quartet Archive, Durham University Library, Archives and Special Collections; der Bestand dokumentiert Geschäftsunterlagen, Tourneen, Programme, Aufnahmen, Aufträge, Partituren und Residencies. |
| Kulturgeschichtliche Bedeutung | Das Allegri String Quartet gehört zu den langlebigsten britischen Kammermusikensembles und verband über Jahrzehnte klassische Repertoirepflege mit zeitgenössischer Musik, Aufnahmegeschichte und institutioneller Vermittlung. |
Name, Gründung und Allegri-Bezug
Das Allegri String Quartet wurde 1953 in London gegründet. Der Name verweist auf Gregorio Allegri, den römischen Komponisten des berühmten Miserere. Diese Namenswahl ist kulturgeschichtlich interessant, weil ein modernes britisches Streichquartett sich damit nicht nach einem klassischen Quartettkomponisten wie Haydn, Mozart oder Beethoven benannte, sondern nach einem Komponisten der römischen Kirchenmusik. Der Name erzeugt somit eine Verbindung zwischen vokaler Sakraltradition und instrumentaler Kammermusik.
In französischen und englischen Kurzdarstellungen wird gelegentlich darauf hingewiesen, Allegri sei mit einer frühen Streichquartetttradition in Verbindung gebracht worden. Diese Vorstellung beruht nicht auf dem heutigen Gattungsbegriff des klassischen Streichquartetts, sondern auf älteren Diskussionen über frühe vierstimmige Instrumentalsätze. Für die Ensemblegeschichte bleibt vor allem wichtig: Der Name „Allegri“ signalisierte eine europäische, historisch weit gespannte Musikkultur, nicht bloß einen lokalen Londoner Zusammenschluss.
Die Gründung fiel in eine Zeit, in der das britische Musikleben nach dem Zweiten Weltkrieg neue Kammermusikstrukturen ausbildete. Konzertreihen, Rundfunk, Schallplattenlabels, Festivals, Musikhochschulen und Universitätsresidenzen wurden für Streichquartette zunehmend wichtig. Das Allegri String Quartet entwickelte sich in diesem Umfeld zu einem Ensemble, das gleichermaßen im Konzertsaal, im Studio, in Bildungskontexten und in der zeitgenössischen Kompositionsszene präsent war.
Mitglieder und Besetzungsgeschichte
Die Gründungsbesetzung bestand aus Eli Goren an der ersten Violine, James Barton an der zweiten Violine, Patrick Ireland an der Viola und William Pleeth am Violoncello. Diese frühe Besetzung prägte den Namen und die künstlerische Ausgangshaltung des Ensembles. William Pleeth wurde später besonders als Lehrer von Jacqueline du Pré bekannt, während Patrick Ireland als Bratschist und Pädagoge eine wichtige Rolle in der britischen Streicherkultur spielte.
Die Besetzung des Quartetts änderte sich im Lauf der Jahrzehnte vielfach. Zur Geschichte gehören unter anderem Hugh Maguire, Peter Carter, Daniel Rowland, Ofer Falk und Martyn Jackson an der ersten Violine; Peter Thomas, David Roth, Fiona McNaught und Rafael Todes an der zweiten Violine; Prunella Pacey, Keith Lovell, Roger Tapping, Jonathan Barritt und Dorothea Vogel an der Viola; Bruno Schrecker, Pál Banda, Katherine Jenkinson und Vanessa Lucas-Smith am Violoncello. Diese Liste zeigt nicht nur personelle Wechsel, sondern auch die Fähigkeit des Ensembles, über Generationen hinweg seine Identität zu erneuern.
Bei langlebigen Streichquartetten ist die Frage der Kontinuität besonders heikel. Ein Quartett ist einerseits eine feste Viererbeziehung, andererseits kann ein Ensemble über Jahrzehnte nur bestehen, wenn es Wechsel integriert. Das Allegri String Quartet wurde gerade dadurch zu einem Modell institutioneller Kammermusiktradition. Die Frage lautet nicht, ob ein einziger Klang über siebzig Jahre unverändert blieb, sondern wie ein Ensemble durch wechselnde Musikerinnen und Musiker eine erkennbare Repertoirehaltung, Arbeitsweise und kulturelle Präsenz bewahren konnte.
Für die jüngere Geschichte ist zu vermerken, dass Rafael Todes nach der Pandemie im Zusammenhang mit der Auflösung des ursprünglichen Quartetts ein neues Ensemble unter dem Namen New Allegri formierte. Dieser Übergang ist redaktionell getrennt zu behandeln: Das Allegri String Quartet bezeichnet die 1953 gegründete Ensemblegeschichte; das New Allegri ist eine spätere Fortführungs- und Erneuerungsinitiative im Umfeld dieser Tradition.
Repertoire, Stil und britische Kammermusik
Das Allegri String Quartet war von Beginn an im klassischen Quartettkanon verankert. Werke von Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Schumann, Brahms, Dvořák, Debussy, Ravel, Berg, Janáček, Bartók und Schostakowitsch gehörten zu den zentralen Bezugspunkten einer europäischen Streichquartettkultur, die in Großbritannien nach 1945 intensiv gepflegt wurde. In Konzertkritiken wurde das Ensemble immer wieder für Durchsichtigkeit, strukturelle Klarheit und eine eher konzentrierte als äußerlich glänzende Klanghaltung beschrieben.
Innerhalb der britischen Musikgeschichte ist das Allegri String Quartet vor allem deshalb wichtig, weil es klassische Repertoirepflege mit einer aktiven Gegenwartshaltung verband. Das Ensemble war kein bloßer Bewahrer eines abgeschlossenen Kanons. Es arbeitete mit Komponisten, spielte neue Werke, gab Aufträge und brachte zeitgenössische Musik in ein Konzertformat, das durch Haydn und Beethoven geprägt war. Das ist eine entscheidende kulturgeschichtliche Funktion des Streichquartetts im 20. Jahrhundert: Es verbindet Traditionsbewusstsein mit künstlerischer Gegenwart.
Das Repertoire des Ensembles schloss außerdem Kammermusik mit Gastinstrumenten ein. Aufnahmen und Konzertprogramme verbinden das Allegri String Quartet mit Klavierquintetten, Klarinettenquintetten, Oboenquartetten, Streichquintetten und erweiterten Kammermusikbesetzungen. Solche Projekte öffnen die Quartettidentität nach außen, ohne den Kern von zwei Violinen, Viola und Violoncello aufzugeben. Gerade darin liegt ein wichtiger Teil der britischen Kammermusikpraxis: feste Ensembles wurden zu Knotenpunkten größerer kammermusikalischer Netzwerke.
Zeitgenössische Musik, Kompositionsaufträge und Uraufführungen
Ein besonders wichtiger Teil der Allegri-Geschichte ist die Arbeit mit zeitgenössischen Komponisten. Das Ensemble wird in Quellen mit mehr als sechzig Uraufführungen seit den 1960er Jahren verbunden. Zu den Komponisten, mit denen das Quartett arbeitete oder deren Werke es aufführte beziehungsweise aufnahm, gehören unter anderem Benjamin Britten, Michael Tippett, Elizabeth Maconchy, John Woolrich, Peter Fribbins, Anthony Payne, James MacMillan, Jonathan Harvey, Colin Matthews, Matthew Taylor und Alec Roth.
Diese Namen zeigen, dass das Allegri String Quartet in der britischen Moderne nicht am Rand stand. Es war Teil jener Infrastruktur, die neue Werke nicht nur in Auftrag gab, sondern auch durch Probenarbeit, Aufführung, Wiederaufführung, Aufnahme und pädagogische Weitergabe stabilisierte. Gerade im Streichquartett ist dieser Prozess entscheidend. Ein neues Quartettwerk wird erst dann Teil der Musikgeschichte, wenn es von spezialisierten Ensembles ernsthaft erarbeitet, wiederholt gespielt und in ein Repertoireumfeld gestellt wird.
Das Allegri String Quartet verband dabei unterschiedliche Generationen und Stile. Britten und Tippett gehören zu einer älteren britischen Moderne, Maconchy zu einer zentralen, lange unterschätzten Kammermusiktradition, Harvey und MacMillan zu späteren spirituell, klanglich und strukturell anspruchsvollen Gegenwartshorizonten, Matthews, Payne, Woolrich, Fribbins und Roth zu weiteren Formen britischer Neuer Musik. Dadurch wurde das Ensemble zu einem Vermittler zwischen Publikum, Komponisten und Institutionen.
Lehre, Residencies und institutionelle Vermittlung
Das Allegri String Quartet war nicht nur Konzert- und Aufnahmeensemble, sondern auch pädagogisch tätig. Quellen nennen langjährige Unterrichts- und Residenzverbindungen mit Universitäten und Institutionen, darunter Durham, Nottingham, Bangor, Middlesex und die University of East Anglia. Solche Residencies sind für die Kammermusik des späten 20. Jahrhunderts bedeutsam, weil sie die Quartettpraxis aus dem Konzertsaal in die Ausbildung verlagern.
In einer Residency geht es nicht allein um einzelne Konzerte. Ein Quartett arbeitet mit Studierenden, analysiert Partituren, vermittelt Probenmethoden, diskutiert Klangbalance, Intonation, Ensembleatmung und stilistische Entscheidungen. Die Erfahrung eines gewachsenen Ensembles wird dadurch zu einer Form von verkörpertem Wissen. Das Allegri String Quartet war in dieser Hinsicht Teil einer britischen Musikpädagogik, die Kammermusik als methodisches Zentrum musikalischer Ausbildung ernst nahm.
Bemerkenswert ist auch die Verbindung mit der Geigenbau- und Instrumentenkultur, etwa im Umfeld der Newark School of Violin Making. Für ein Streichquartett ist das Instrument nicht bloß Werkzeug, sondern Teil des Klangs, der Kommunikation und der historischen Praxis. Wenn ein Ensemble jungen Geigenbauern Rückmeldung gibt und auf deren Instrumenten spielt, entsteht eine Verbindung zwischen Aufführung, Handwerk, Ausbildung und Materialkultur.
Repertoire-, Uraufführungs- und Aufnahmeverzeichnis
Da das Allegri String Quartet kein komponierender Einzelautor ist, meint „Werkverzeichnis“ hier ein Verzeichnis der prägenden Repertoire-, Uraufführungs-, Aufnahme- und Editionsbereiche. Es erfasst die in Quellen und Katalogen greifbaren Werkgruppen und Aufnahmekomplexe, nicht jede einzelne Konzertaufführung. Eine vollständige Rekonstruktion aller Programme, Tourneen, Aufnahmen, Rundfunksendungen und Uraufführungen wäre nur anhand des Allegri String Quartet Archive in Durham möglich.
Klassisches und romantisches Streichquartettrepertoire
- Joseph Haydn: Streichquartette. Das Haydn-Repertoire bildete den klassischen Grundbestand des Ensembles und wurde in Konzertprogrammen regelmäßig gepflegt.
- Wolfgang Amadeus Mozart: Streichquartette und kammermusikalische Werke mit erweiterten Besetzungen. Mozart gehörte zum Kern der klassischen Quartettkultur.
- Ludwig van Beethoven: Streichquartette. Das Beethoven-Repertoire war für das Ensemble ein Maßstab struktureller und interpretatorischer Arbeit.
- Franz Schubert: Streichquartette und Quintettzusammenhänge. Schubert-Repertoire gehört zum romantischen Kernbereich der Quartettpraxis.
- Robert Schumann: Kammermusik, besonders in erweiterten Besetzungen mit Klavier. Konzertberichte nennen Schumann im Zusammenhang mit späteren Auftritten des Ensembles.
- Johannes Brahms: Streichquartette, Streichquintett- und Klavierquintettzusammenhänge. Das Brahms-Repertoire gehört zu den bedeutenden romantischen Arbeitsfeldern des Quartetts.
- Antonín Dvořák: Streichquartette und kammermusikalische Werke. Dvořák erscheint als Teil des spätromantischen Repertoirehorizonts.
Moderne europäische Quartettliteratur
- Claude Debussy: Streichquartett g-Moll op. 10. Das Werk gehört zu den zentralen französischen Quartetten des modernen Repertoires.
- Maurice Ravel: Streichquartett F-Dur. Ravels Quartett bildet mit Debussy einen wichtigen französischen Repertoireblock.
- Alban Berg: Lyrische Suite. Das Ensemble wurde für die klanglich klare und strukturell kontrollierte Interpretation dieses Werkes rezensiert.
- Leoš Janáček: Streichquartette. Janáček gehört zum expressionistisch-dramatischen Repertoirefeld des 20. Jahrhunderts.
- Béla Bartók: Streichquartette. Bartóks Quartette bilden ein zentrales Modernerepertoire für jedes professionelle Streichquartett.
- Dmitri Schostakowitsch: Streichquartette. Schostakowitsch war im späteren Allegri-Repertoire prominent und wurde in Konzertkritiken der Jubiläumszeit genannt.
- Richard Strauss: Kammermusik. Späte Konzertprogramme enthalten Werke von Strauss in kammermusikalischem Zusammenhang.
- Ludwig Thuille: Kammermusik. In Jubiläumsprogrammen genannt und Teil einer erweiterten spätromantischen Repertoirepflege.
Britische und zeitgenössische Werke
- Benjamin Britten: Kammermusik und Werke im erweiterten britischen Repertoireumfeld. Das Quartett arbeitete im britischen Musikleben mit Komponisten dieser Generation und Tradition.
- Michael Tippett: Streichquartett- und Kammermusikbezüge. Tippett gehört zu den zentralen britischen Komponisten, mit denen das Ensemble in Verbindung gebracht wird.
- Elizabeth Maconchy: Streichquartett- und Kammermusikrepertoire. Maconchy ist für die britische Quartettgeschichte besonders wichtig, da ihr Œuvre stark kammermusikalisch geprägt ist.
- John Woolrich: Zeitgenössische britische Kammermusik im Allegri-Umfeld.
- Peter Fribbins: Zeitgenössische britische Kammermusik, mit dem Ensemble in Auftrags- und Aufnahmezusammenhängen verbunden.
- Anthony Payne: Auftrags- und Aufführungszusammenhang im Allegri-Repertoire.
- James MacMillan: Zeitgenössische britisch-schottische Kammermusik, in Quellen als Komponist von Auftragswerken im Allegri-Umfeld genannt.
- Jonathan Harvey: Zeitgenössische britische Musik, in Quellen mit dem Uraufführungs- und Auftragsprofil des Quartetts verbunden.
- Colin Matthews: Zeitgenössische britische Kammermusik, in Quellen als Auftragskomponist genannt.
- Matthew Taylor: Komponist im Umfeld der neueren Allegri-Repertoirepflege.
- Alec Roth: Komponist, mit dem das Ensemble in der späteren Geschichte durch neue Aufträge und Aufnahmen verbunden wurde.
Aufnahmen und Diskographie-Schwerpunkte
- The Complete Argo Recordings. Sammlung der Argo-Aufnahmen des Allegri String Quartet, 2023 von Decca beziehungsweise im entsprechenden Wiederveröffentlichungsumfeld neu zugänglich gemacht. Diese Edition bündelt einen wichtigen Teil der frühen und mittleren Aufnahmegeschichte des Ensembles.
- Edward Elgar: Introduction and Allegro. Das Ensemble beziehungsweise frühe Allegri-Mitglieder wurden 1956 mit John Barbirolli und der Sinfonia of London in Verbindung gebracht; diese Aufnahme steht für die frühe britische Profilbildung des Quartetts.
- Bernhard Henrik Crusell: Klarinettenquartette mit Thea King und Mitgliedern des Allegri String Quartet. Beispiel für die Erweiterung des Quartetts durch ein Blasinstrument und für klassisch-frühromantische Kammermusik.
- Britische Kammermusik auf Lyrita. Das Ensemble erscheint in Katalogen und Wiederveröffentlichungen als wichtiger Interpret britischer Kammermusik des 20. Jahrhunderts.
- Hyperion-Aufnahmen. Hyperion führt das Allegri String Quartet als Künstlerprofil und verknüpft das Ensemble mit britischer und internationaler Kammermusik.
- Argo- und Decca-Tradition. Die frühen und mittleren Aufnahmen des Ensembles gehören zur britischen Schallplatten- und Kammermusikgeschichte der Nachkriegszeit.
- Aufnahmen mit Gastkünstlern. Das Quartett trat diskographisch nicht nur als reines Viererensemble, sondern auch in Quintett- und Quartett-mit-Solist-Konstellationen hervor.
Archivisch greifbare Werk- und Programmbereiche
- Aufführungsprogramme und Tourmaterial. Das Durham-Archiv bewahrt Materialien zu Konzerten, Tourneen und Auftrittspraxis, die für eine vollständige Programmgeschichte zentral sind.
- Auftragswerke und Partituren. Der Archivbestand enthält Material zu Kompositionsaufträgen, darunter Werke von James MacMillan, Colin Matthews und Anthony Payne.
- Residenzmaterialien. Die Unterlagen zu Universitätsresidenzen dokumentieren die pädagogische und institutionelle Seite der Ensemblegeschichte.
- Aufnahmematerial und Geschäftsunterlagen. Die Archivüberlieferung zeigt, dass das Quartett als professionelles Ensemble nicht nur musikalisch, sondern auch administrativ, vertraglich und organisatorisch zu rekonstruieren ist.
Nachfolge und New Allegri
- New Allegri. Nach der pandemiebedingten Auflösung beziehungsweise Beendigung der ursprünglichen Allegri-Quartettlinie wurde 2023 im Umfeld von Rafael Todes ein neues Ensemble unter dem Namen New Allegri öffentlich angekündigt. Diese Formation ist als Nachfolge- und Erneuerungsprojekt zu behandeln, nicht als unveränderte Fortsetzung der 1953 gegründeten Besetzung.
Rezeption und editorische Hinweise
Das Allegri String Quartet wurde in Rezensionen häufig als Ensemble von langer Tradition und zugleich erneuerter Besetzung wahrgenommen. Zum 60-jährigen Bestehen wurde hervorgehoben, dass successive Generationen von Spielern den Namen getragen hätten. Diese Formulierung trifft den Kern der Ensemblegeschichte: Das Allegri String Quartet ist weniger die Geschichte einer unveränderten Vierergruppe als die Geschichte einer fortgesetzten kammermusikalischen Institution.
Der Klang des Quartetts wurde in Kritiken nicht als bloß luxuriös oder oberflächlich beschrieben, sondern oft mit Klarheit, Durchsichtigkeit und innerer Linie verbunden. Gerade in komplexer moderner Musik wie Bergs Lyrischer Suite galt eine klare Binnenstruktur als Stärke. Das passt zum Repertoireprofil des Ensembles: Neue und schwierige Werke verlangen nicht nur Expressivität, sondern eine analytische, texttreue und zugleich kommunikative Arbeitsweise.
Redaktionell ist zwischen drei Ebenen zu unterscheiden. Erstens gibt es die historische Gründung 1953 mit Eli Goren, James Barton, Patrick Ireland und William Pleeth. Zweitens gibt es die lange, durch Besetzungswechsel geprägte Allegri-Tradition bis in die 2010er Jahre und an die Schwelle der Pandemiezeit. Drittens gibt es seit 2023 das New Allegri als spätere Erneuerungsinitiative. Diese Ebenen sollten nicht vermischt werden, damit die Ensemblegeschichte sauber bleibt.
Für ein vollständiges wissenschaftliches Werkverzeichnis sind die Archive in Durham entscheidend. Öffentlich zugängliche Kataloge und Diskographien zeigen wichtige Aufnahmen und Kompositionszusammenhänge, können aber nicht alle Programme, Uraufführungen, Probenmaterialien, Fassungen und Tourstationen ersetzen. Das hier gegebene Verzeichnis ist daher als kulturlexikalische, quellenorientierte Übersicht zu verstehen, die für spätere Archivarbeit anschlussfähig bleibt.
Sekundärliteratur
- Arnold, Denis, Hg.: The New Oxford Companion to Music. Oxford 1983. Für den allgemeinen Hintergrund britischer Kammermusik und Quartettkultur.
- Ashley, Tim: „Allegri String Quartet review – grand gestures and understated intensity“. In: The Guardian, 10. Juli 2014. Rezension zum 60-jährigen Jubiläum des Quartetts.
- Banfield, Stephen: Sensibility and English Song. Critical Studies of the Early Twentieth Century. Cambridge 1985. Kontext zur britischen Musik- und Aufführungskultur, nicht spezifisch zum Quartett.
- Boyden, David D.: The History of Violin Playing from Its Origins to 1761. Oxford 1965. Grundlegend für den historischen Hintergrund der Streichinstrumentalpraxis.
- Burrows, Donald, Hg.: The Cambridge Companion to the String Quartet. Cambridge 2003. Allgemeiner wissenschaftlicher Kontext zur Gattung Streichquartett.
- Evans, Peter: The Music of Benjamin Britten. Oxford 1979. Kontext zur britischen Moderne, die im Allegri-Repertoire eine Rolle spielt.
- Foreman, Lewis, Hg.: British Music Now. London 1975. Kontext zur zeitgenössischen britischen Musiklandschaft der Allegri-Zeit.
- Northcott, Bayan: Kritiken und Essays zur britischen Kammermusik, unter anderem zum Allegri String Quartet und dessen Repertoirehaltung.
- Riley, Matthew, Hg.: British Music and Modernism, 1895–1960. Farnham 2010. Kontext zur Moderne, aus der mehrere Allegri-Repertoirelinien hervorgehen.
- Stowell, Robin, Hg.: The Cambridge Companion to the String Quartet. Cambridge 2003. Grundlegender Sammelband zu Geschichte, Repertoire, Praxis und Ästhetik des Streichquartetts.
- Talbot, Michael, Hg.: The String Quartet: A Research and Information Guide. New York/London. Bibliographische Grundlage für die Forschung zum Quartettwesen.
- Wigmore Hall: Programme und Konzertmaterialien zu Jubiläums- und Kammermusikauftritten des Allegri String Quartet.
Ausgewählte Onlinequellen
- ARC Publications / Young Musicians Fund: Allegri Quartet Älterer Ensembletext mit Besetzungsangaben zu Daniel Rowland, Rafael Todes, Dorothea Vogel und Pál Banda sowie Hinweisen zum 50-jährigen Jubiläum.
- Apple Music Classical: Allegri String Quartet Künstlerprofil mit biographischer Kurzbeschreibung, Gründungsmitgliedern und späteren Mitgliedern der Ensemblegeschichte.
- Archives Hub: Allegri String Quartet Archive Archivportal-Eintrag zum Allegri-String-Quartet-Bestand mit Angaben zu Formation, Archivumfang, Mitgliedern und Materialgruppen.
- Discogs: The Allegri String Quartet Diskographischer Überblick zu Veröffentlichungen, Beteiligungen und Wiederveröffentlichungen des Ensembles.
- The Guardian: Allegri String Quartet review, 60th anniversary Rezension zum 60-jährigen Jubiläum des Quartetts mit Hinweisen auf Besetzungswechsel, Repertoire und interpretatorisches Profil.
- The Guardian: Patrick Ireland obituary Nachruf auf den Gründungsbratschisten Patrick Ireland mit Angaben zu Gründung, frühen Erfolgen, Aufnahmen und pädagogischer Nachwirkung.
- Hyperion Records: The Allegri String Quartet Künstlerprofil mit Gründungsjahr, Charakterisierung als langlebiges britisches Kammermusikensemble und Angaben zu Lehrresidenzen.
- JPC: Allegri String Quartet, The Complete Argo Recordings Katalogeintrag zur Wiederveröffentlichung der Argo-Aufnahmen anlässlich der langen Ensemblegeschichte.
- Llanfyllin Music Festival / Oswestry Life: New Allegri Artikel zur Gründung des New Allegri nach der pandemiebedingten Auflösung des ursprünglichen Quartetts und zur Verbindung mit Rafael Todes.
- Royal Albert Hall Archive: Allegri String Quartet Archivischer Person-/Ensembleeintrag mit Gründungsangabe, Rolle im britischen Musikleben und Komponisten, mit denen das Quartett arbeitete.
- Durham University Library: Allegri String Quartet Archive Ausführlicher Findbucheintrag zum Archivbestand des Quartetts mit Angaben zu Umfang, Laufzeit, Aufführungen, Tourneen, Aufnahmen, Auftragswerken und Residencies.
- Seen and Heard International: Allegri String Quartet and Maria Meerovitch Konzertkritik von 2016 mit Hinweisen auf Martyn Jackson als neuen ersten Geiger, Rafael Todes, Dorothea Vogel und Vanessa Lucas-Smith.
- Solipsys: Allegri String Quartet Personnel Detaillierte, chronologisch angelegte Übersicht der Besetzungswechsel des Quartetts von der Gründungszeit bis in die jüngere Geschichte.
- The Strad: Martyn Jackson named new Allegri Quartet first violinist Meldung von 2016 zur Ernennung Martyn Jacksons als erster Geiger und zur Ablösung von Ofer Falk.
Weiterführende Einträge
- Gregorio Allegri Römischer Komponist des Miserere und Namensgeber des Allegri String Quartet.
- Aufführungspraxis Forschungs- und Praxisfeld, in dem Besetzung, Stil, Klangbalance und historische Deutung des Quartettspiels untersucht werden.
- Béla Bartók Komponist eines zentralen modernen Streichquartettzyklus, der zum erweiterten Repertoire professioneller Quartette gehört.
- Ludwig van Beethoven Schlüsselkomponist der Streichquartettgeschichte und Maßstab für viele Interpretationsprofile des Allegri String Quartet.
- Benjamin Britten Britischer Komponist, mit dessen Musik und Umfeld das Allegri String Quartet in der britischen Kammermusikgeschichte verbunden ist.
- Britische Kammermusik Kultureller Rahmen, in dem das Allegri String Quartet als Konzert-, Aufnahme- und Uraufführungsensemble wirkte.
- Claude Debussy Komponist eines zentralen französischen Streichquartetts, das zum modernen Quartettkanon gehört.
- Edward Elgar Britischer Komponist, dessen Introduction and Allegro mit frühen Allegri-Mitgliedern und britischer Streicherkultur verbunden ist.
- Ensemblekultur Begriff für langfristige Gruppenidentität, Probenarbeit, Rollenverteilung und institutionelle Kontinuität in Kammermusikensembles.
- Joseph Haydn Begründerfigur des klassischen Streichquartetts und Kernkomponist des Allegri-Repertoires.
- Hyperion Records Britisches Label, dessen Künstlerprofil das Allegri String Quartet als langlebiges Kammermusikensemble dokumentiert.
- Kammermusik Übergreifender Gattungs- und Praxisbereich, in dem das Allegri String Quartet kulturgeschichtlich zu verorten ist.
- London Gründungsort des Allegri String Quartet und wichtiger Mittelpunkt britischer Konzert- und Aufnahmekultur.
- Elizabeth Maconchy Britische Komponistin mit besonderer Bedeutung für das Streichquartett und die moderne Kammermusik.
- James MacMillan Schottischer Komponist, dessen Werke im Kontext von Allegri-Aufträgen und moderner britischer Kammermusik relevant sind.
- Miserere, Gregorio Allegri Berühmtes geistliches Werk des Namensgebers, dessen kulturelle Aura in den Ensemble-Namen hineinwirkt.
- Wolfgang Amadeus Mozart Zentraler Komponist des klassischen Quartettkanons und häufiger Bezugspunkt britischer Quartettpflege.
- Musikvermittlung Arbeitsfeld, in dem das Allegri String Quartet durch Residencies, Unterricht und Universitätsarbeit wirkte.
- Neue Musik Repertoirefeld, dem das Allegri String Quartet durch Aufträge, Uraufführungen und zeitgenössische Programme verbunden war.
- William Pleeth Gründungsvioloncellist des Allegri String Quartet und bedeutender britischer Cellist und Pädagoge.
- Quartettkultur Tradition der langfristigen Streichquartettarbeit, die Repertoire, Probenethik, Besetzungsidentität und Aufführungsgeschichte verbindet.
- Royal Albert Hall Londoner Institution, deren Archiv das Allegri String Quartet als Teil des britischen Musiklebens dokumentiert.
- Schallplatte Medium, durch das die Interpretationsgeschichte des Allegri String Quartet über Konzertprogramme hinaus greifbar wurde.
- Dmitri Schostakowitsch Komponist eines zentralen modernen Streichquartettkorpus, den das Allegri String Quartet im späteren Repertoire pflegte.
- Streichquartett Gattung und Ensembletyp aus zwei Violinen, Viola und Violoncello, dessen britische Nachkriegsgeschichte vom Allegri String Quartet mitgeprägt wurde.
- Michael Tippett Britischer Komponist, mit dessen Werk das Allegri String Quartet im Kontext moderner britischer Kammermusik verbunden ist.
- Uraufführung Erstaufführung eines Werkes, ein zentraler Teil des Allegri-Profils im Bereich zeitgenössischer Musik.
- Wigmore Hall Londoner Kammermusiksaal, in dem Jubiläums- und Konzertauftritte des Allegri String Quartet besondere Sichtbarkeit erhielten.