Teresa Maddalena Allegranti
Überblick
Teresa Maddalena Allegranti war eine italienische Sopranistin des späten 18. Jahrhunderts, die zwischen venezianischer Opera buffa, Mannheimer Hofoper, Londoner King’s Theatre und Dresdner Hofoper wirkte. Ihr künstlerischer Rang beruht vor allem auf einer hochliegenden, sehr beweglichen Stimme, einer ausgeprägten Koloraturtechnik und einer Bühnenpräsenz, die sie besonders für das italienische Buffo- und Semiseria-Repertoire geeignet machte. Sie gehört zu jener Generation reisender Opernsängerinnen, die im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts zwischen Italien, deutschen Höfen und London vermittelten.
Ihre Laufbahn zeigt exemplarisch, wie international der Opernbetrieb der Aufklärungszeit organisiert war. Eine Sängerin konnte in Venedig debütieren, in Mannheim durch einen Hofkapellmeister wie Ignaz Holzbauer weitergebildet werden, in London für italienische Opern engagiert werden und danach für viele Jahre an einem deutschen Hof als prima donna wirken. Allegranti steht damit nicht nur für eine individuelle Karriere, sondern für eine gesamte europäische Infrastruktur aus Impresari, Hofkapellen, Gastspielen, Librettodrucken, Rollenübertragungen und Sängerreputation.
Besonders wichtig ist ihre Verbindung mit Pasquale Anfossi. In London machte sie 1781 mit Anfossis I viaggiatori felici Aufsehen; in der zeitgenössischen und späteren Forschung wird sie mehrfach mit Anfossi-Repertoire, venezianischen Aufführungen und Londoner Opernpolitik verbunden. Dadurch wird sie zugleich zu einer Figur der Rezeptionsgeschichte der italienischen Oper in England.
Ihr späteres Wirken an der Dresdner Hofoper war von besonderer Dauer. Von 1783 bis 1798 erscheint sie als zentrale Sängerin des italienischen Ensembles, zeitweise mit einem ungewöhnlich hohen Gehalt. In Dresden wurde sie von Zeitgenossen geschätzt, von Mozart bei einem Besuch im April 1789 ambivalent, aber nicht abschätzig wahrgenommen und noch 1798 wegen ihres Spiels und Gesangs hervorgehoben. Ihr späterer Londoner Rückkehrversuch um 1799/1801 zeigt dagegen die Verletzlichkeit einer Sängerkarriere, die stark von Stimmfrische, Bühnenerscheinung und modischem Geschmack abhängig war.
Kurzdaten
| Name | Teresa Maddalena Allegranti. |
|---|---|
| Weitere Namensformen | Maddalena Allegranti, Teresa Allegranti, Madame Allegranti, später Mrs Harrison. |
| Geburt | 1754 in Venedig; nach DEUMM beziehungsweise abweichender lexikalischer Tradition ca. 1750 in Florenz. |
| Tod | Nach 1801, wahrscheinlich in Irland; ältere und neuere Nachschlagewerke nennen teils ca. 1802 oder unsichere spätere Daten. |
| Beruf | Sängerin, Sopranistin, Opernsängerin, Koloraturvirtuosin, prima donna buffa und spätere Gesangspädagogin. |
| Stimmlage | Sopran mit besonderer Höhe, Beweglichkeit und Koloraturfähigkeit; zeitgenössische Urteile betonen Süße, Umfang und Flexibilität, kritisieren aber später eine gewisse Gleichförmigkeit der Verzierungen. |
| Wirkungsorte | Venedig, Mannheim, Regensburg, Florenz, London, Dresden und wahrscheinlich Irland. |
| Bühnenfächer | Italienische Opera buffa, Opera semiseria, komisches und empfindsames Rollenfach, italienische Oper am Hof und im Londoner Theaterbetrieb. |
| Lehrer | Ignaz Holzbauer in Mannheim, nach verbreiteter lexikalischer Überlieferung. |
| Wichtige Stationen | Debüt in Venedig um 1770/1771, Mannheimer Hofoper ab 1772 beziehungsweise 1774, Londoner Debüt am 11. Dezember 1781, Dresdner Hofoper 1783 bis 1798, Londoner Rückkehr 1799 bis 1801. |
| Kulturgeschichtliche Bedeutung | Allegranti verkörpert den internationalen Typus der italienischen Opernsängerin des späten 18. Jahrhunderts und verbindet venezianische Oper, Mannheimer Hofkultur, Londoner italienische Oper und Dresdner Hofbühne. |
Name, Herkunft und Quellenlage
Die Sängerin wird in den Quellen meist als Maddalena Allegranti geführt, während der vollständige Name Teresa Maddalena Allegranti lautet. Spätere englische Nachweise nennen sie auch Mrs Harrison, da sie einen englischen beziehungsweise irisch verbundenen Offizier namens Harrison heiratete. Die Namensform ist für die Recherche wichtig, weil Opernlibretti, Theaterzeitungen, Porträtnachweise und Musiklexika oft nur die Kurzform „Madame Allegranti“ oder „Maddalena Allegranti“ verwenden.
Auch die biographischen Eckdaten sind nicht völlig einheitlich. Die verbreitete moderne Angabe nennt Venedig 1754 als Geburtsort und Geburtsjahr. Nach DEUMM wird dagegen ca. 1750 in Florenz angegeben. Für das Kulturlexikon ist daher die doppelte Notiz sinnvoll: Die Lemmadaten folgen der venezianischen Überlieferung von 1754, die abweichende Florentiner Datierung wird ausdrücklich genannt. Der Tod ist ebenfalls unsicher. Die Formulierung „nach 1801 in Irland“ wahrt die Vorsicht, weil ihr Rückzug nach Irland überliefert ist, der genaue Sterbezeitpunkt aber nicht sicher feststeht.
Die Unsicherheit ist typisch für viele Sängerinnenbiographien des 18. Jahrhunderts. Opernsängerinnen wurden häufig in Rollenlisten, Theaterkalendern, Reiseberichten, Porträten, Libretti und Memoiren erwähnt, aber nicht immer in kirchlichen oder amtlichen Lebensdokumenten zuverlässig greifbar. Allegrantis Biographie ist daher nicht nur als Lebenslauf, sondern auch als Beispiel für die Quellenlage der Sängerbiographie im 18. Jahrhundert aufschlussreich.
Venedig, Mannheim und frühe Laufbahn
Allegrantis frühe Laufbahn begann in der venezianischen Opernwelt. Das Debüt wird meist um 1770 oder 1771 in Venedig angesetzt. Venedig war im 18. Jahrhundert ein besonders dichtes Theaterzentrum, in dem mehrere Opernhäuser, Karnevalszeiten, Gastspiele, neue Libretti und ein internationales Publikum zusammenwirkten. Für eine junge Sopranistin konnte ein venezianischer Erstauftritt den Zugang zu einem weiten Netzwerk italienischer und ausländischer Engagements eröffnen.
Nach der venezianischen Frühphase ging Allegranti nach Mannheim, wo sie mit Ignaz Holzbauer in Verbindung gebracht wird. Die Mannheimer Hofkapelle und das dortige Opernleben besaßen im 18. Jahrhundert europäischen Rang. Für Allegranti bedeutete Mannheim nicht nur einen Ortswechsel, sondern die Begegnung mit einer höfisch organisierten Opernkultur, die vokale Virtuosität, Orchesterfarbe und szenische Repräsentation verband.
In den 1770er Jahren trat sie in Mannheim, Regensburg, Venedig und Florenz auf. Diese Stationen zeigen den Typus der reisenden Sängerin, die zwischen italienischem Theaterbetrieb und deutschen Höfen vermittelt. Die Stimme, die später in London als süß, hoch und außerordentlich beweglich beschrieben wurde, muss schon in dieser Frühphase als besondere Attraktion gegolten haben. Ihre Ausbildung und ihre ersten Rollen bereiteten sie auf das Repertoire vor, das in den 1780er Jahren in London und Dresden den Kern ihres Erfolges bildete.
London und die italienische Oper
Am 11. Dezember 1781 debütierte Allegranti am Londoner King’s Theatre in Pasquale Anfossis I viaggiatori felici. Der Erfolg dieses Debüts gehört zu den am besten greifbaren Momenten ihrer Karriere. London war ein schwieriger, aber prestigeträchtiger Opernmarkt. Das Publikum war an italienische Starsänger, Virtuosität, schnelle Repertoirewechsel und internationale Namen gewöhnt. Eine Sopranistin musste dort nicht nur gut singen, sondern auch eine erkennbare Bühnenpersönlichkeit entwickeln.
Allegranti wurde in London zunächst mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen. Ihr Gesang wurde wegen der Höhe, Beweglichkeit und Süße der Stimme bewundert. Zugleich zeigten sich bald die Grenzen ihres Stils: Eine starke Neigung zu gleichartigen Verzierungen konnte auf Dauer als manieriert oder eintönig empfunden werden. Diese Spannung zwischen Neuheit und Gewöhnung ist für die Operngeschichte des 18. Jahrhunderts besonders wichtig. Koloratur konnte Bewunderung hervorrufen, aber auch als bloße Effektkunst erscheinen, sobald sie nicht mehr dramatisch differenziert wirkte.
In der Londoner Saison 1782/1783 begegnet Allegranti in einem Repertoire, das Anfossi, Sacchini, Bertoni, Grétry und weitere Komponisten umfasst. Dieses Repertoire zeigt die Mischung aus italienischer Opera buffa, empfindsam-komischer Oper, Übersetzungs- und Bearbeitungspraxis sowie französisch-italienischen Transfers. Der Londoner Opernbetrieb war kein geschlossenes nationales Theater, sondern ein internationaler Markt für Stimmen, Stücke, Rollen und Moden.
Ihr späterer Londoner Rückkehrversuch um 1799 ist dagegen als Endpunkt der Bühnenkarriere zu lesen. Sie trat wieder auf, unter anderem im Umfeld von Domenico Cimarosas Il matrimonio segreto, konnte aber offenbar nicht mehr an den früheren Erfolg anknüpfen. Die Quellen schildern diesen Versuch als künstlerisch enttäuschend. Danach zog sie sich vom Theater zurück, unterrichtete zeitweise Gesang und ging wahrscheinlich nach Irland.
Dresden, Hofoper und prima donna buffa
Im Jahr 1783 wurde Allegranti an die Dresdner Hofoper engagiert. Die Dresdner Bühne war im 18. Jahrhundert ein wichtiger Ort italienischer Opernpflege im deutschsprachigen Raum. Allegranti trat dort als erste Sängerin beziehungsweise prima donna buffa des italienischen Ensembles hervor und erhielt nach älteren Hoftheaterquellen ein ungewöhnlich hohes Gehalt. Damit ist sie nicht nur als reisende Virtuosin, sondern als fest etablierte Hofsängerin zu betrachten.
Ihre Dresdner Jahre dauerten bis 1798 und bilden den längsten zusammenhängenden Abschnitt ihrer Karriere. Das ist für Sängerinnen des 18. Jahrhunderts bemerkenswert, da viele Laufbahnen durch schnelle Ortswechsel, saisonale Verträge und wechselnde Impresari geprägt waren. Die Dauer ihres Dresdner Engagements zeigt, dass sie dort institutionell und künstlerisch geschätzt wurde.
Mozart hörte sie im April 1789 in Dresden. Sein Urteil über die gesehene Aufführung war insgesamt kritisch, doch bezeichnete er Allegranti im Vergleich mit Adriana Ferrarese del Bene als besser. Diese Bemerkung ist nicht als uneingeschränktes Lob zu lesen, aber sie bestätigt, dass Allegranti in Dresden weiterhin als herausgehobene Sängerin wahrgenommen wurde. Spätere zeitgenössische Stimmen rühmten ihr Spiel und ihren klassischen Gesang noch Ende der 1790er Jahre.
Ein besonderer Dresdner Erfolg war Johann Gottlieb Naumanns La dama soldato. In der älteren Hoftheatergeschichte wird ihr Anteil am Erfolg dieses Werkes ausdrücklich hervorgehoben. Solche Hinweise sind für die Rekonstruktion von Sängerinnenkarrieren besonders wichtig, weil sie zeigen, dass Opernerfolg nicht allein durch Komponisten und Libretti erklärt werden kann. Sängerinnen wie Allegranti prägten die Wirkung eines Stückes durch Stimme, Spiel, Rollenprofil und Bühnenreputation.
Stimme, Stil und Bühnenwirkung
Allegrantis Stimme wurde als eher schlank, aber außerordentlich süß, hochreichend und flexibel beschrieben. Damit gehörte sie zu einem Sopran-Typus, der im späten 18. Jahrhundert besonders für brillante Arien, bewegliche Koloraturen, empfindsame Phrasierung und komische Wendigkeit geeignet war. Ihre Wirkung beruhte offenbar nicht auf vokaler Fülle im dramatischen Sinn, sondern auf Höhe, Beweglichkeit, Zierlichkeit, Präzision und szenischem Charme.
Für die Opernkultur der Zeit ist dieser Stimmtypus aufschlussreich. Die Koloratur war nicht nur technische Dekoration, sondern ein Mittel der Rollencharakterisierung, der Affektsteigerung und der Virtuosenreputation. Zugleich konnte sie schnell als Manier wahrgenommen werden, wenn sie immer ähnlich eingesetzt wurde. Allegrantis Karriere spiegelt daher die ästhetische Doppeldeutigkeit der Koloraturkultur: Sie erzeugt Bewunderung, aber sie verlangt ständige stilistische Erneuerung.
Auch als Darstellerin wurde Allegranti positiv beurteilt. Das ist für die Opera buffa entscheidend, weil komische und semikomische Rollen nicht allein vokal funktionieren. Timing, Mimik, Gestik, Dialogfähigkeit und szenische Reaktionskunst gehörten zum Profil einer erfolgreichen Buffa-Sängerin. Die Tatsache, dass sie in Dresden über viele Jahre als prima donna buffa wirkte, spricht dafür, dass ihr szenisches Spiel ebenso wichtig war wie ihre stimmliche Beweglichkeit.
Werk- und Rollenverzeichnis
Da Teresa Maddalena Allegranti Sängerin und keine Komponistin war, meint „Werkverzeichnis“ in diesem Artikel ein Verzeichnis der nachweisbaren Rollen-, Opern-, Aufführungs- und Repertoirezusammenhänge. Vollständigkeit ist bei einer Sängerin des 18. Jahrhunderts nur eingeschränkt erreichbar, weil Rollenlisten, Libretti, Theaterzettel und Zeitungsnachweise verstreut überliefert sind. Die folgende Übersicht unterscheidet gesicherte oder gut belegte Stationen, namentlich fassbare Werke und nur allgemein bezeugte Repertoirebereiche.
Frühe italienische und Mannheimer Auftritte
- Venedig, Debüt um 1770/1771. Früher Opernauftritt in der venezianischen Theaterwelt; konkrete Rollen sind in den allgemein zugänglichen Kurzquellen nicht sicher benannt.
- Mannheim, Hofoper ab 1772 beziehungsweise Mitte der 1770er Jahre. Tätigkeit im Umfeld der Mannheimer Hofoper und Ausbildung beziehungsweise künstlerische Prägung durch Ignaz Holzbauer.
- Regensburg, Auftritte in den 1770er Jahren. Station im deutschsprachigen Opernbetrieb; konkrete Rollen sind gesondert anhand von Theaterkalendern und Libretti zu prüfen.
- Venedig und Florenz, ab 1778. Rückkehr in italienische Theaterzusammenhänge; die Quellen nennen beide Orte, ohne in Kurzartikeln alle Rollen vollständig aufzuführen.
Pasquale-Anfossi-Repertoire
- I viaggiatori felici von Pasquale Anfossi. Venedig 1780 im Umfeld der italienischen Erstverbreitung und Londoner Debütoper Allegrantis am King’s Theatre am 11. Dezember 1781; das Werk ist der zentrale namentlich gesicherte Bezug ihrer Londoner Karriere.
- I viaggiatori felici, weitere Londoner und europäische Aufführungszusammenhänge 1781/1782. Allegranti blieb mit diesem Stück besonders verbunden, weil es ihren Durchbruch in London markierte.
- I vecchi burlati von Pasquale Anfossi. Londoner Repertoire der Saison 1783, in der Bartolozzi- und Sartori-bezogene Forschung Allegrantis Mitwirkung im Umfeld des King’s Theatre nennt.
- Il trionfo della costanza von Pasquale Anfossi. Londoner Repertoire der Saison 1783; die genaue Rollenbesetzung ist anhand der Libretti zu prüfen.
- Isabella e Rodrigo von Pasquale Anfossi. In der Dresdner Überlieferung der 1780er Jahre nachweisbares Anfossi-Werk; eine konkrete Allegranti-Rolle ist für die Dresdner Spielpraxis im Einzelfall libretto- und archivgestützt zu prüfen.
Londoner Repertoire 1782/1783
- La contadina in corte von Antonio Sacchini. Londoner Repertoire der frühen 1780er Jahre, in dem Allegranti nach libretto- und forschungsgestützten Angaben mitwirkte.
- Il convito von Ferdinando Bertoni. Londoner Repertoire der Saison 1782; in der Forschung zu Bartolozzi und den Musikerporträts als ein Werk aus Allegrantis Londoner Umfeld genannt.
- I viaggiatori felici von Pasquale Anfossi. Wiederaufnahme beziehungsweise wiederholter Londoner Repertoiretitel nach dem Debüterfolg.
- Zemira e Azore von André-Ernest-Modeste Grétry. Londoner Repertoire der Saison 1783; Beispiel für die italienisierte oder für den italienischen Opernbetrieb adaptierte französische Opéra-comique-Tradition.
- Oratorienauftritt 1799. Später Londoner Auftritt außerhalb des regulären italienischen Opernrepertoires; die genaue Werkzuweisung ist weiter zu prüfen.
Dresdner Hofoper 1783 bis 1798
- Festes Engagement als prima donna buffa. Ab 1783 am italienischen Ensemble der Dresdner Hofoper; diese Stellung bildet den Kern ihrer langjährigen Hofkarriere.
- Repertoire der italienischen Opera buffa. Allgemein nachweisbarer Tätigkeitsbereich, in dem Allegranti als erste Sängerin eingesetzt wurde.
- La dama soldato von Johann Gottlieb Naumann. Besonders erfolgreicher Dresdner Aufführungszusammenhang von 1791, bei dem ihr Anteil am Erfolg eigens hervorgehoben wurde.
- Dresdner italienische Opernproduktion der 1780er und 1790er Jahre. Zu diesem Bereich gehören Buffo-, Semiseria- und italienische Hofopernaufführungen; eine vollständige Rollenliste erfordert den Abgleich mit Dresdner Libretti, Theaterjournalen und Hofakten.
- Auftrittssituation April 1789. Von Mozart in Dresden gehört; die konkrete Aufführung ist in der älteren Hoftheatergeschichte im Zusammenhang mit seiner Reise erwähnt, aber für eine Rollenrekonstruktion gesondert zu prüfen.
Später Londoner Rückkehrversuch und Ende der Bühnenlaufbahn
- Il matrimonio segreto von Domenico Cimarosa. Später Londoner Rückkehrversuch um 1799/1801; die Quellen betonen, dass Allegranti stimmlich nicht mehr an frühere Erfolge anschließen konnte.
- Londoner Gesangsunterricht nach 1799. Nach dem Rückzug von der Bühne soll Allegranti zeitweise Gesang unterrichtet haben.
- Rückzug nach Irland. Nach der Ehe mit Harrison und dem Ende der Bühne wird ein Rückzug nach Irland überliefert; weitere künstlerische Tätigkeit nach 1801 ist nicht gesichert.
Rezeption und editorische Hinweise
Allegrantis Rezeption ist zweigeteilt. Die frühe Londoner Wahrnehmung war von Bewunderung für die Süße, Höhe und Beweglichkeit ihrer Stimme geprägt. Die spätere Kritik hob dagegen die Gefahr gleichförmiger Verzierungen hervor. Diese Spannung ist typisch für die Bewertung von Koloratursängerinnen des 18. Jahrhunderts. Virtuosität war ein zentrales Kapital, konnte aber rasch als stilistische Formel erscheinen, wenn sie nicht mit dramatischer Charakterisierung verbunden wurde.
Die Dresdner Überlieferung bewertet Allegranti auffallend positiv. Ihr hohes Gehalt, die lange Dauer des Engagements und die lobenden Bemerkungen über ihr Spiel und ihren Gesang zeigen, dass sie dort als tragende Kraft des italienischen Ensembles galt. Gerade Dresden ist deshalb für die Würdigung ihrer Karriere wichtiger als der bekanntere Londoner Debüterfolg. In London wurde sie schnell Teil eines wechselhaften Starbetriebs; in Dresden wurde sie über Jahre hinweg zu einer institutionellen Sängerpersönlichkeit.
Für die editorische Arbeit ist wichtig, keine moderne Scheingenauigkeit zu erzeugen. Geburtsort und Geburtsjahr sind in den Nachschlagewerken nicht einheitlich, das Todesdatum bleibt unsicher, und das Rollenverzeichnis ist nur aus verstreuten Theater- und Librettobelegen zu rekonstruieren. Die Seite sollte daher zwischen sicher belegten Titeln, wahrscheinlichen Repertoirezusammenhängen und noch zu prüfenden Rollen unterscheiden. So bleibt sie sowohl für Leser als auch für spätere redaktionelle Ergänzungen belastbar.
Sekundärliteratur
- Baker’s Biographical Dictionary of Musicians: „Allegranti, (Teresa) Maddalena“. Moderne Kurzbiographie mit den wichtigsten Lebens- und Karrierestationen.
- Brumana, Biancamaria: „Francesco Bartolozzi (1728–1815) incisore della musica“. Beitrag mit Hinweisen auf Allegrantis Londoner Debüt, Repertoire und Porträtkontext.
- Burden, Michael: „Counting Musicians: A London Catalogue Aria in Context“. Studie zur Londoner Musikkultur, in der Allegranti als Mrs Harrison beziehungsweise Sängerin erscheint.
- Casanova, Giacomo: Gesammelte Briefe. Hg. von Enrico Straub. Berlin 1969–1970. Enthält Hinweise auf Allegranti im Kontext europäischer Musiker- und Theaterkontakte.
- Kutsch, Karl-Josef und Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. 4. Auflage. München 2003. Lexikalische Grundlage zur Sängerinnenbiographie und Laufbahn.
- Meixner, Christoph: „Allegranti, (Teresa) Maddalena“. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil 1. Kassel u. a. 1999. Fachlexikalischer Artikel zu Biographie, Stimme, Laufbahn und Quellenlage.
- Schilling, Gustav: Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften oder Universal-Lexicon der Tonkunst, Bd. 1. Stuttgart 1835. Ältere musiklexikalische Darstellung.
- Sartori, Claudio: I libretti italiani a stampa dalle origini al 1800. Cuneo 1990–1994. Grundlegendes Hilfsmittel für Libretto- und Rollenrecherche.
- Schneider, Karl: Geschichte des Hoftheaters zu Dresden. Von seinen Anfängen bis zum Jahre 1862. Dresden 1878. Ältere, aber für das Dresdner Engagement wichtige Hoftheaterdarstellung.
- Würtz, Roland und Paul Corneilson: „Allegranti, Maddalena“. In: Grove Music Online. Fachlexikalischer Artikel zur Sängerin, ihren Stationen und ihrer Repertoiregeschichte.
Ausgewählte Onlinequellen
- Academia.edu: Francesco Bartolozzi incisore della musica Studie mit Angaben zu Allegrantis Porträt, Londoner Debüt, King’s Theatre, Repertoire 1782/1783 und späterem Rückzug nach Irland.
- Encyclopedia.com: Allegranti, (Teresa) Maddalena Baker-Kurzartikel mit Lebensdaten, venezianischem Debüt, Mannheimer Ausbildung, Londoner Debüt, Dresdner Hofoper und späterem Londoner Aufenthalt.
- Internet Archive: Geschichte des Hoftheaters zu Dresden Digitalisierter Volltext mit Angaben zu Allegrantis Engagement ab 1783, ihrem Gehalt, der Dresdner Bewertung, Mozarts Eindruck und Naumanns La dama soldato.
- National Portrait Gallery: Maddalena Allegranti Porträtnachweis zu Maddalena Allegranti als italienischer Sopranistin; wegen abweichender Datierung nur als ikonographischer und rezeptionsgeschichtlicher Hinweis zu verwenden.
- Oxford Research Archive: Counting Musicians Wissenschaftlicher Beitrag zur Londoner Musikkultur mit Nennung Allegrantis als Teresa Maddalena Allegranti, später Mrs Harrison, und ihrer ungefähren Lebensdaten.
- Univerzita Karlova: Pasquale Anfossi a italská opera v Praze Dissertation mit Hinweisen auf Anfossi, die internationale Verbreitung italienischer Opern und Allegrantis Verbindung mit I viaggiatori felici.
- Wikibooks: Dresden 1797, Adressbuch Zusammenstellung zur Dresdner Frühromantik mit Kurznotiz zu Allegrantis Stellung am Hoftheater, Gehalt und Ehe mit Harrison.
Weiterführende Einträge
- Pasquale Anfossi Italienischer Opernkomponist, dessen I viaggiatori felici Allegrantis Londoner Debüt prägte.
- Arie Vokale Hauptform der Oper, in der Allegrantis Koloraturtechnik und Stimmhöhe besonders wirksam wurden.
- Francesco Bartolozzi Kupferstecher, dessen Musikerporträts für die visuelle Rezeption von Sängerinnen und Virtuosen des 18. Jahrhunderts wichtig sind.
- Ferdinando Bertoni Opernkomponist, dessen Il convito in Allegrantis Londoner Repertoirezusammenhang erscheint.
- Domenico Cimarosa Italienischer Opernkomponist, dessen Il matrimonio segreto mit Allegrantis spätem Londoner Rückkehrversuch verbunden ist.
- Coloratura Internationale Schreibvariante zu Koloratur, wichtig für die Einordnung des virtuosen Sopranstils im 18. Jahrhundert.
- Dresden Zentraler Wirkungsort Allegrantis als langjährige Sängerin der Hofoper.
- Dresdner Hofoper Institution, an der Allegranti von 1783 bis 1798 als herausgehobene italienische Sängerin wirkte.
- Florenz Nach abweichender DEUMM-Angabe möglicher Geburtsort und außerdem ein wichtiger Ort italienischer Opernauftritte in Allegrantis Laufbahn.
- Gesangspädagogik Tätigkeitsfeld, dem Allegranti sich nach dem Ende ihrer Bühnenlaufbahn in London zeitweise zugewandt haben soll.
- André-Ernest-Modeste Grétry Komponist von Zemira e Azore, einem Werk aus Allegrantis Londoner Repertoireumfeld.
- Ignaz Holzbauer Mannheimer Hofkapellmeister und nach verbreiteter Überlieferung Lehrer beziehungsweise prägende Ausbildungsfigur Allegrantis.
- Italienische Oper Übergreifender Kulturraum, in dem Allegrantis Karriere zwischen Venedig, London und Dresden verankert ist.
- King’s Theatre Londoner Opernhaus, an dem Allegranti 1781 mit Anfossis I viaggiatori felici debütierte.
- Koloratur Virtuose Gesangstechnik, die für Allegrantis frühe Londoner Wirkung und spätere Kritik zentral war.
- London Internationaler Opernmarkt, in dem Allegranti 1781 debütierte und 1799 bis 1801 nochmals auftrat.
- Mannheim Hof- und Opernzentrum, an dem Allegranti nach ihrer italienischen Frühzeit weiter ausgebildet und engagiert wurde.
- Mannheimer Hofkapelle Musikalische Institution des 18. Jahrhunderts, deren Opernkultur Allegrantis Ausbildung und frühe Laufbahn berührte.
- Johann Gottlieb Naumann Dresdner Hofkapellmeister und Komponist von La dama soldato, einem wichtigen Erfolg im Umfeld Allegrantis.
- Opera buffa Komische italienische Operngattung, in der Allegranti besonders als prima donna buffa wirkte.
- Operngeschichte Forschungsfeld, in dem Allegrantis Karriere den internationalen Sängerinnenverkehr des 18. Jahrhunderts sichtbar macht.
- Prima donna Bezeichnung für die führende Sängerin eines Opernensembles; Allegranti hatte diese Stellung in Dresden im Buffo-Fach.
- Regensburg Eine Station der frühen deutschsprachigen Laufbahn Allegrantis vor London und Dresden.
- Antonio Sacchini Opernkomponist, dessen La contadina in corte in Allegrantis Londoner Repertoirezusammenhang erscheint.
- Sängerbiographie Quellengattung und Forschungsproblem, das bei Allegranti wegen unsicherer Lebensdaten und verstreuter Rollenbelege besonders deutlich wird.
- Sopran Höchste reguläre Frauenstimme, deren koloraturhafte Ausprägung Allegrantis künstlerisches Profil bestimmte.
- Venedig Opernstadt und nach verbreiteter Datierung Geburts- und Debütort Allegrantis.