Miḫāʾīl Allah Wīrdī
Überblick
Miḫāʾīl Allah Wīrdī gehört zu den markanten syrischen Musikdenkern des 20. Jahrhunderts. Er steht an einer Schnittstelle von arabischer Musik, Musiktheorie, Akustik, Maqām-Lehre, mathematischer Intervallbetrachtung, kulturpolitischer Programmatik und Friedensrhetorik. Sein Hauptwerk Falsafat al-mūsīqā al-šarqīya fī asrār al-fann al-ʿarabī, auf Deutsch etwa Philosophie der orientalischen Musik in den Geheimnissen der arabischen Kunst, ist ein umfangreiches Kompendium zur orientalischen Musik, das sich mit Fragen der Tonordnung, der natürlichen Skala, der temperierten Stimmung, der arabischen Kunstmusik, der Physik des Klangs, der Mathematik der Intervalle und der ästhetischen Begründung musikalischer Ausdruckskraft befasst.
Allah Wīrdī verstand Musik nicht nur als künstlerische Praxis, sondern als Ordnungssystem. Für ihn war die Frage der Tonhöhe, der Intervallverhältnisse und der Skalenbildung nicht bloß eine technische Nebensache, sondern ein kulturelles und sogar zivilisatorisches Problem. Seine Schriften stellen die arabisch-orientalische Musik gegen eine als mechanisch empfundene europäische Temperierung und suchen in der natürlichen Klangordnung eine Grundlage für Ausdruck, Harmonie und kulturelle Selbstbehauptung. Dadurch gehört er in die Geschichte jener arabischen Musiktheorie, die nach dem Kairoer Kongress für arabische Musik von 1932 die Grundlagen der eigenen Tradition neu beschrieb, verteidigte und modernisierte.
Für das Kulturlexikon ist Allah Wīrdī besonders wichtig, weil seine Arbeiten mehrere kulturelle Bereiche verbinden. Er ist Musikwissenschaftler und Musiktheoretiker, aber zugleich Dichter, Jurist, Kulturautor und Friedensdenker. In seinem Werk erscheinen Arabismus, Friedensidee, mathematische Exaktheit, religiös-kulturelle Bildung und musikalische Überlieferung nicht als getrennte Felder. Vielmehr versucht er, aus der Musik eine universale Sprache abzuleiten, die einerseits arabisch-orientalische Identität stützt und andererseits als Beitrag zu internationaler Verständigung verstanden werden soll.
Die Quellenlage ist allerdings nicht vollständig einheitlich. Während die hier zugrunde gelegte Lemmadatierung den Tod im Jahr 1981 nennt, führen mehrere online erschlossene arabische Nachschlagewerke und Biographien 1978 als Todesjahr. Die Seite folgt im Kopf der vorgegebenen Datierung, weist aber im Abschnitt zur Quellenlage auf die abweichende Überlieferung hin. Diese Vorsicht ist sachlich geboten, weil die Person in manchen arabischen und westlichen Nachweisen außerdem mit leicht verschiedenen Namensformen, Schreibungen und bibliographischen Jahresangaben erscheint.
Kurzdaten
| Name | Miḫāʾīl Allah Wīrdī. |
|---|---|
| Arabische Namensform | ميخائيل خليل الله ويردي; daneben auch ميشيل خليل الله ويردي. |
| Weitere Umschriften | Mikhail Allah Wirdi, Michael Allawerdi, Michel Allawerdi, Mīkhāʾīl Khalīl Allāh Wīrdī, Miḫāʾīl Ḫalīl Allah Wīrdī. |
| Geburt | 1904 in Damaskus. |
| Tod | 1981 in Damaskus nach der hier zugrunde gelegten Lemmaangabe; mehrere arabische Onlinequellen und Bibliographien nennen abweichend 1978. |
| Beruf | Musikwissenschaftler, Musiktheoretiker, Musikschriftsteller, Dichter, Jurist, Oudspieler, Kulturautor und Autor friedensprogrammatischer Schriften. |
| Wirkungsort | Damaskus, besonders im Umfeld syrischer Musikvereine, der arabischen Musiktheorie, der orthodoxen Gemeindekultur und der Bildungsinstitutionen Syriens. |
| Zentrale Arbeitsfelder | Arabische Musiktheorie, orientalische Musik, Maqām-System, Naturtonordnung, Akustik, Mathematik der Intervalle, Friedensdenken, Arabismus und Dichtung. |
| Hauptwerk | Falsafat al-mūsīqā al-šarqīya fī asrār al-fann al-ʿarabī, Damaskus, Ibn-Zaydūn-Druckerei, 1948/1949 beziehungsweise in zweiter Ausgabe 1950 nachweisbar. |
| Institutionelle Rolle | Mitwirkung an musikalischen Vereinigungen in Syrien; nach arabischen Nachschlagewerken Mitgründer des Syrischen Musikklubs und der musikalischen Liga in Damaskus sowie Berater am Institut für orientalische Musik. |
| Kulturgeschichtliche Bedeutung | Allah Wīrdī gehört zu den syrischen Autoren, die im 20. Jahrhundert die arabisch-orientalische Musik als theoretisch, mathematisch, akustisch und kulturpolitisch begründete Kunstform verteidigten. |
Name, Umschrift und Quellenlage
Der Name Allah Wīrdī begegnet in sehr unterschiedlichen Schreibweisen. In arabischen Quellen erscheint meist die Form ميخائيل خليل الله ويردي, gelegentlich auch mit ميشيل statt ميخائيل. Westliche antiquarische und bibliographische Nachweise führen ihn häufig als Michael Allawerdi oder Mikhail Allah Wirdi. Die Namensform ist deshalb für Kataloge, Bibliographien und interne Verlinkungen besonders wichtig, weil dieselbe Person unter arabischer, französisch-englischer und wissenschaftlich transliterierter Schreibung erscheinen kann.
Die Schreibweise Miḫāʾīl Allah Wīrdī folgt einer wissenschaftsnahen deutschen Umschrift, die den arabischen Namen erkennbar macht, ohne die Lesbarkeit vollständig der Spezialtransliteration unterzuordnen. Für die Dateibezeichnung wird dagegen die einfache, suchmaschinen- und dateisystemfreundliche Form allah-wirdi-mikhail.shtml verwendet. Der sichtbare Name bleibt Miḫāʾīl Allah Wīrdī, weil die Person im Kulturlexikon nach Vorname-Nachname-Prinzip angezeigt wird.
Die abweichenden Lebensdaten sind offen zu kennzeichnen. Die hier gewünschte Ausgangsangabe lautet 1904 bis 1981, während die Arabische Enzyklopädie, syrische Onlinebiographien und mehrere sekundäre Darstellungen 1904 bis 1978 nennen. Für eine spätere redaktionelle Endfassung sollte geprüft werden, ob die ältere Lexikonangabe, ein lokaler syrischer Nekrolog, eine gedruckte Musikgeschichte oder eine bibliothekarische Normdatei das Jahr 1981 stützt. Bis dahin ist die Formulierung mit Quellenhinweis die sauberste Lösung.
Damaskus, Ausbildung und kulturelles Umfeld
Allah Wīrdī wurde in Damaskus geboren und blieb mit der kulturellen Welt der Stadt eng verbunden. Damaskus war im frühen 20. Jahrhundert ein wichtiger Raum arabischer Stadtmusik, kirchlicher Gesangstraditionen, literarischer Bildung, nationalistischer Debatten und institutioneller Modernisierung. In diesem Umfeld konnte Musik zugleich als religiöse Praxis, städtische Kunst, gesellschaftliches Prestige, wissenschaftlicher Gegenstand und politisches Symbol erscheinen.
Biographische Darstellungen verbinden seine frühe Ausbildung mit dem schulischen und orthodoxen Milieu der Stadt. Besonders häufig wird die Schule al-Āsiyya beziehungsweise die orthodoxe Umgebung erwähnt. Zugleich wird berichtet, dass er sich früh mit Musik, Notenschrift, Oudspiel und dem Festhalten von Muwaššaḥāt beschäftigte. Diese Verbindung von schriftlicher Fixierung und mündlicher Überlieferung ist kulturgeschichtlich bedeutsam, weil sie eine typische Herausforderung arabischer Musik im 20. Jahrhundert berührt: Wie kann eine stark mündlich und performativ geprägte Kunst in Lehrbüchern, Notationen, Institutionen und kulturpolitischen Programmen bewahrt werden?
Allah Wīrdī studierte nach den biographischen Angaben außerdem Rechtswissenschaft und arbeitete als Sachverständiger im gerichtlichen Umfeld. Diese juristische Komponente ist für sein musikalisches Denken nicht nebensächlich. Seine Texte suchen häufig nach Beweisführung, Ordnung, Systematik und Entscheidung in strittigen Fragen. Er behandelt musikalische Probleme nicht nur intuitiv, sondern argumentiert mit Begriffen, Zahlen, Intervallen, physikalischen Überlegungen und normativen Folgerungen. So entsteht eine eigenartige Verbindung von musikalischem Erfahrungswissen, mathematischer Spekulation und quasi-forensischer Begründung.
Institutionell wird er mit dem Syrischen Musikklub, mit der musikalischen Liga in Damaskus und mit dem Institut für orientalische Musik verbunden. Diese Angaben verorten ihn im Prozess der musikalischen Vereins- und Bildungsbildung Syriens. Die arabische Musik erscheint bei ihm nicht als private Liebhaberei, sondern als Feld, das Vereine, Schulen, Experten, Druckwerke, Konferenzen, Ministerien und internationale Organisationen betrifft.
Musiktheorie, Akustik und Skalenfrage
Das Zentrum von Allah Wīrdīs Denken ist die Frage nach der richtigen theoretischen Grundlage der orientalischen Musik. Nach dem Kairoer Kongress für arabische Musik von 1932 wurden Tonvorrat, Intervalle, Vierteltöne, Notation, Aufführungspraxis und das Verhältnis von Tradition und europäischer Theorie intensiv diskutiert. Allah Wīrdīs Hauptwerk antwortet auf diese Debatten mit dem Anspruch, die Probleme der arabischen Musik durch eine Verbindung von Kunst, Mathematik, Physik des Tons und ästhetischer Deutung zu klären.
Besonders wichtig ist sein Gegensatz zwischen natürlicher und temperierter Tonordnung. Die orientalische Musik wird bei ihm mit einem natürlichen, aus Klangverhältnissen und Obertönen gedachten System verbunden, während die europäische temperierte Skala als mechanisch, künstlich und ausdrucksverengend erscheint. Diese Unterscheidung ist nicht neutral; sie ist Teil einer kulturellen Verteidigung der arabisch-orientalischen Musik gegen eine als nivellierend empfundene westliche Standardisierung.
In diesem Zusammenhang ist Allah Wīrdī auch für die Geschichte der Mikrotonalität wichtig. Die arabische Musiktheorie arbeitet mit Intervallen, die sich nicht problemlos in das europäische Zwölftonsystem einfügen. Die im 20. Jahrhundert häufig verwendete Rede vom Viertelton oder von der 24-stufigen Teilung der Oktave war zwar praktisch einflussreich, konnte aber die Feinheit der Maqām-Praxis nur teilweise erfassen. Allah Wīrdī kritisierte solche schematischen Lösungen und suchte nach einer differenzierteren Begründung der Tonabstände.
Seine theoretische Arbeit ist dabei nicht einfach empirische Feldforschung. Sie ist spekulativ, systematisierend und kulturphilosophisch überhöht. Gerade deshalb ist sie für die Kulturgeschichte relevant: Sie zeigt, wie arabische Musik im 20. Jahrhundert nicht nur gesammelt und aufgeführt, sondern auch als wissenschaftlich begründete, ästhetisch überlegene und identitätsstiftende Ordnung dargestellt wurde.
Musik, Arabismus und Friedensdenken
Ein auffälliger Zug in Allah Wīrdīs Werk ist die Verbindung von Musik und Frieden. Schriften wie al-ʿUrūba wa-l-salām, al-mūsīqā fī bināʾ al-salām und die englisch betitelte maschinenschriftliche Arbeit Unification of the Language of Music and its Relation to World Peace zeigen, dass Allah Wīrdī seine Musiktheorie nicht nur als Fachtheorie verstand. Musik sollte nach seiner Vorstellung eine Sprache sein, die über ethnische, politische und konfessionelle Grenzen hinausreicht.
Dieser Friedensgedanke ist zugleich universalistisch und arabisch-kulturell grundiert. Allah Wīrdī suchte eine universale musikalische Verständigung, verteidigte diese aber aus einer starken Wertschätzung der orientalischen, besonders arabischen Musik heraus. Die natürliche Klangordnung, die er der orientalischen Musik zuschrieb, wird dadurch nicht nur zu einem musikalischen, sondern zu einem ethischen Modell. Harmonie im Klang soll Harmonie im Zusammenleben vorbereiten.
Die Überlieferung, dass er 1951 für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden sei, gehört zu seiner modernen Rezeptionsgeschichte. Sie sollte redaktionell vorsichtig formuliert werden, weil zugängliche Onlinequellen diese Angabe zwar wiederholen, eine unmittelbare amtliche Nobel-Datenbankprüfung aber gesondert vorzunehmen wäre. Für den Kulturüberblick ist die Angabe dennoch relevant, weil sie zeigt, wie sehr Allah Wīrdī selbst und seine Umgebung die Musiktheorie als Beitrag zur internationalen Friedensidee verstanden.
Dichtung, Sprache und kulturelle Programmatik
Allah Wīrdī war nicht nur Musiktheoretiker, sondern auch Dichter und Kulturautor. Sein Gedichtband Zahr al-rubā verweist auf eine klassische arabische Bildung, in der Musik, Metrik, Sprache und dichterische Form zusammengehören. Seine Beschäftigung mit arabischer Dichtung, Metrik und musikalischem Rhythmus ist daher nicht von seiner Musiktheorie zu trennen. Für ihn bilden Sprache und Ton keine getrennten Künste, sondern verwandte Ausdrucksformen.
Die von ihm behandelten Themen zeigen, wie stark die arabische Musiktheorie im 20. Jahrhundert mit kultureller Selbstdefinition verbunden war. Wer über Maqām, Rhythmus, Skala und Klang schrieb, schrieb zugleich über Modernisierung, Tradition, Arabität, koloniale und postkoloniale Kulturkontakte, den Umgang mit europäischer Theorie und die Stellung des Orients in einer globalen Ordnung. Allah Wīrdī ist ein Beispiel dafür, dass Musikschriftstellerei in dieser Epoche weit über technische Terminologie hinausgeht.
Seine Texte sind aus heutiger Sicht nicht nur als musiktheoretische Quellen, sondern auch als Dokumente einer intellektuellen Haltung zu lesen. Sie wollen beweisen, ordnen, aufwerten und verteidigen. Gerade diese normative Energie macht sie für die Kulturgeschichte ergiebig, auch dort, wo moderne Forschung seine Schlussfolgerungen kritisch prüfen oder differenzieren muss.
Werkverzeichnis
Das folgende Werkverzeichnis fasst die in arabischen Nachschlagewerken, Bibliothekskatalogen, Digitalisaten und antiquarischen Nachweisen greifbaren Werke zusammen. Bei einzelnen Titeln weichen Jahresangaben ab; das betrifft besonders Falsafat al-mūsīqā al-šarqīya, das in Nachweisen mit 1947, 1948, 1949 und in zweiter Ausgabe 1950 begegnet. Außerdem ist zwischen selbständigen Büchern, kleineren Broschüren, Vorträgen, Übersetzungen, maschinenschriftlichen Materialien und späteren bibliothekarischen Erschließungen zu unterscheiden.
Musiktheorie und Musikwissenschaft
- Falsafat al-mūsīqā al-šarqīya fī asrār al-fann al-ʿarabī. Damaskus, Maṭbaʿat Ibn Zaydūn, 1948/1949; nach weiteren Nachweisen zweite Ausgabe 1950. Umfangreiches Hauptwerk über orientalische beziehungsweise arabische Musik, Tonordnung, Akustik, Mathematik, Dichtung, Klangphysik und die theoretischen Probleme, die nach dem Kairoer Kongress für arabische Musik von 1932 diskutiert wurden.
- Philosophy of Oriental Music. Englischer Paralleltitel des Hauptwerks; in bibliothekarischen und antiquarischen Nachweisen als englischer Titelzusatz geführt.
- Muqaddimāt al-ṭabʿa al-thāniya li-kitāb Falsafat al-mūsīqā al-šarqīya fī asrār al-fann al-ʿarabī. Vorreden beziehungsweise Materialien zur zweiten Ausgabe des Hauptwerks; verbunden mit dem Vortrag über Musik im Aufbau des Friedens.
- al-Mūsīqā fī bināʾ al-salām. Damaskus, 1948 als kurze Schrift beziehungsweise Vortrag nachweisbar; in arabischen Nachschlagewerken außerdem mit 1968 als Werk genannt und als ins Englische und Französische übersetzt beschrieben. Der Titel verbindet Musiktheorie mit Friedensprogrammatik.
- Jawla fī ʿulūm al-mūsīqā al-ʿarabīya. Bagdad, Ministerium für Kultur und Orientierung, 1964; kurze musiktheoretische Schrift über Wissenschaften der arabischen Musik.
- Šayʾ min al-mūsīqā al-ʿarabīya. In arabischen Nachschlagewerken als musikbezogene Schrift genannt; bibliographisch gesondert zu überprüfen.
- al-Riyāḍīyāt al-ḥadīṯa fī al-nisba al-mutawāṣila al-mūsīqīya. In biographischen Darstellungen als Studie über moderne Mathematik und musikalische Verhältnislehre genannt; wahrscheinlich als Aufsatz oder kleinere Abhandlung zu behandeln.
- al-Taǧdīr ʿalā asās al-sullam al-mūsīqī. In biographischen Darstellungen genannte Studie zur Begründung beziehungsweise Verwurzelung auf der Basis der musikalischen Skala; bibliographisch gesondert zu prüfen.
- Unification of the Language of Music and its Relation to World Peace. Maschinenschrift, in einem antiquarischen Nachweis zusammen mit Falsafat al-mūsīqā al-šarqīya und Arabism and Peace bezeugt; wichtig für Allah Wīrdīs Idee einer musikalischen Weltsprache.
Friedensschriften, Arabismus und Kulturprogrammatik
- al-ʿUrūba wa-l-salām. Damaskus, 1951. Kulturpolitische Schrift über Arabismus und Frieden; nach arabischen Nachweisen ins Englische übersetzt beziehungsweise mit dem englischen Titel Arabism and Peace verbunden.
- Arabism and Peace. 1951. In antiquarischen Nachweisen als englischsprachige oder englisch betitelte Broschüre von acht Seiten aufgeführt; im Zusammenhang mit der internationalen Friedensprogrammatik Allah Wīrdīs wichtig.
- al-Adab fī bināʾ al-salām. 1956. Schrift über die Rolle der Literatur beim Aufbau des Friedens.
- al-Mūsīqā fī bināʾ al-salām. 1968 als erweiterte beziehungsweise später nachgewiesene Schrift in der arabischen Enzyklopädie genannt; inhaltlich mit den früheren Vortrags- und Friedensmaterialien zu verbinden.
Dichtung und Literatur
- Zahr al-rubā. Damaskus, al-Maṭbaʿa al-Hāšimīya, 1954. Gedichtband mit klassischer arabischer Ausrichtung; in biographischen Nachweisen als umfangreicher Diwan genannt.
- Waḥy al-Burda beziehungsweise Gedichte in Anlehnung an die Burda-Tradition. In arabischen literarischen und biographischen Kontexten mit Allah Wīrdīs dichterischer Rezeption islamischer Lobdichtung verbunden; als Teil der poetischen Rezeption und nicht zwingend als selbständiger Buchdruck zu behandeln.
- Gelegenheitsgedichte, kulturreligiöse Dichtung und metrisch gebundene Texte. Diese Gruppe umfasst nicht einzeln gesicherte Gedichte, die in Onlinequellen und Gedichtportalen unter seinem Namen überliefert sind und für die arabische Rezeptionsgeschichte seiner Person relevant bleiben.
Unsichere, zu prüfende oder nur sekundär genannte Titel
- Weitere kleinere musiktheoretische Aufsätze zu Naturtonreihe, Intervallverhältnis, arabischem Tonsystem und Maqām-Problemen. Sie sind in biographischen Darstellungen angedeutet, aber nicht immer mit genauer Druckstelle genannt.
- Vortragsmaterialien zu UNESCO, Musik und Frieden. Einzelne Titel erscheinen in Verbindung mit der zweiten Ausgabe des Hauptwerks und mit internationalen Friedensbezügen; die genaue Druckgestalt sollte anhand von Bibliothekskatalogen und erhaltenen Exemplaren geprüft werden.
- Englische und französische Übersetzungen von Schriften zur Musik im Aufbau des Friedens. Die arabische Enzyklopädie nennt Übersetzungen; genaue Ausgaben, Druckorte und Erscheinungsjahre sollten redaktionell gesondert nachgewiesen werden.
Rezeption und editorische Hinweise
Die Rezeption Allah Wīrdīs ist zweigeteilt. Einerseits gilt er in syrischen und arabischen Darstellungen als bedeutender Forscher der orientalischen Musik, als Autor eines großen musiktheoretischen Werkes und als Vertreter einer Verbindung von Musik und Friedensidee. Andererseits wird seine Theorie in neueren musikwissenschaftlichen Diskussionen nicht einfach übernommen, sondern kritisch als Teil einer bestimmten Debattenlage des 20. Jahrhunderts gelesen. Seine starke Gegenüberstellung von natürlicher orientalischer Musik und mechanisch temperierter westlicher Musik ist historisch aufschlussreich, aber analytisch zu differenzieren.
Für die editorische Arbeit ist besonders zu beachten, dass die Erscheinungsdaten seines Hauptwerks variieren. Arabic Collections Online nennt 1949, die National Library of Israel führt eine zweite Ausgabe von 1950, die Arabische Enzyklopädie spricht von 1947, und einzelne Bibliothekskataloge beziehungsweise antiquarische Nachweise nennen 1948 oder 1949. Diese Unterschiede können aus Druckbeginn, Abschluss, Titelseitenangabe, zweiter Ausgabe oder bibliographischer Vereinfachung entstehen. Die redaktionell sichere Formulierung lautet deshalb: Damaskus, Ibn-Zaydūn-Druckerei, Ende der 1940er Jahre; nach Digitalisat und Katalogen 1948/1949, zweite Ausgabe 1950.
Auch die Lebensdaten sollten für eine endgültige Normfassung weiter geprüft werden. Die vorliegende Seite folgt der Nutzervorgabe 1904 bis 1981, nennt aber die häufig belegte Variante 1904 bis 1978. Für ein Kulturlexikon ist diese Notiz wichtig, weil sie spätere Korrekturen ermöglicht und gleichzeitig verhindert, dass widersprüchliche Katalogangaben unkommentiert nebeneinanderstehen.
Sekundärliteratur
- ʿAġā al-Qalʿa, Saʿdallāh: Beiträge und Erinnerungsartikel zu Miḫāʾīl Allah Wīrdī und zur syrischen Musikgeschichte. Online veröffentlicht im Kontext der syrischen modernen Geschichtsdokumentation.
- al-Šarīf, Ṣamīm: „Allah Wīrdī, Miḫāʾīl“. In: al-Mawsūʿa al-ʿArabīya, Bd. 3, Damaskus 2001, S. 352.
- Marcus, Scott Lloyd: Arab Music Theory in the Modern Period. Los Angeles 1989. Grundlegende Studie zur modernen arabischen Musiktheorie und zu den Debatten um Tonordnung und Maqām-System.
- Marcus, Scott Lloyd: Music in Egypt: Experiencing Music, Expressing Culture. New York/Oxford 2007. Nützlich für den größeren Kontext arabischer Musikpraxis und musiktheoretischer Modernisierung.
- Marcus, Scott Lloyd und Johnny Farraj: Inside Arabic Music: Arabic Maqam Performance and Theory in the 20th Century. New York/Oxford 2019. Moderne Darstellung zur Maqām-Praxis, arabischen Musiktheorie und 20.-Jahrhundert-Debatte, in der Allah Wīrdī als Theoretiker der Skalenfrage erscheint.
- Racy, A. J.: Making Music in the Arab World: The Culture and Artistry of Ṭarab. Cambridge 2003. Grundlegend für die kulturelle und ästhetische Einordnung arabischer Kunstmusik.
- Racy, A. J.: „Historical Worldviews of Early Ethnomusicologists: An East-West Encounter in Cairo, 1932“. In: Ethnomusicology 35, 1991. Wichtig für den Kontext des Kairoer Kongresses für arabische Musik.
- Shannon, Jonathan H.: Among the Jasmine Trees: Music and Modernity in Contemporary Syria. Middletown 2006. Kontextstudie zu syrischer Musik, Modernität und kultureller Identität.
- Wright, Owen: „Arab Music“. In: The New Grove Dictionary of Music and Musicians. London/New York. Überblicksartikel zur arabischen Musikgeschichte und Musiktheorie.
Ausgewählte Onlinequellen
- Arabic Collections Online: فلسفة الموسيقى الشرقية في أسرار الفن العربي Digitalisat beziehungsweise bibliographischer Eintrag zu Allah Wīrdīs Hauptwerk mit Autor, Druckort Damaskus, Verlag Ibn Zaydūn, Erscheinungsjahr 1949 und Sacherschließung zur arabischen Musik.
- Arabische Enzyklopädie: ألله ويردي (ميخائيل ـ) Fachlexikalischer Artikel mit Kurzbiographie, institutionellen Angaben, Werkübersicht und Einordnung in Musik, Kultur und Friedensdenken.
- Bibliothèque de l’Assemblée des représentants du peuple: ميخائيل خليل الله ويردي Bibliotheksnachweis mit mehreren Werken Allah Wīrdīs, darunter al-Mūsīqā fī bināʾ al-salām, Jawla fī ʿulūm al-mūsīqā al-ʿarabīya und Falsafat al-mūsīqā al-šarqīya.
- Discover Syria: مهرجان مساحات شرقية ما زال مستمراً Kulturjournalistischer Beitrag, der Allah Wīrdī neben syrischen Musikforschern und Komponisten wie ʿAlī al-Darwīš, Tawfīq al-Ṣabbāġ und Nūrī Iskandar nennt.
- Inlibris: Allawerdi, Michael – Falsafat al-musiqa al-Sharqiyah Antiquarischer Nachweis mit ausführlicher Beschreibung des Hauptwerks, der Beischriften Arabism and Peace und Unification of the Language of Music and its Relation to World Peace.
- Maaber: المقامية العربية 2 Arabischer Beitrag zur Maqām-Theorie, der Allah Wīrdīs Falsafat al-mūsīqā al-šarqīya als Referenz der modernen arabischen Musiktheorie nennt.
- Ma3azef: فلسفة الموسيقى العربية Neuere kritische Einordnung des Begriffs „Philosophie der Musik“ und der Stellung von Allah Wīrdīs Hauptwerk innerhalb arabischer Musiktheorie und Musikästhetik.
- National Library of Israel: فلسفة الموسيقى الشرقية Bibliotheksdatensatz zur zweiten Ausgabe des Hauptwerks mit arabischem Titel, englischem Alternativtitel, Erscheinungsort Damaskus, Ibn-Zaydūn-Druckerei und Umfangsangabe.
- Noor Library: Arabism and Peace Digitaler Eintrag zu Allah Wīrdīs Schrift al-ʿUrūba wa-l-salām mit Erscheinungsjahr 1951, Ort Damaskus und Sachbezug Panarabismus.
- Syrische moderne Geschichte: In Erinnerung an Miḫāʾīl Wīrdī Beitrag über Allah Wīrdīs Doppelrolle als Jurist, Musiker, Dichter und Autor des umfassenden musiktheoretischen Werks Falsafat al-mūsīqā al-šarqīya.
- Syrische moderne Geschichte: ميخائيل خير الله ويردي Kurzbiographie mit Angaben zu Geburt in Damaskus, Ausbildung, juristischer Tätigkeit, Musikvereinen, Institut für orientalische Musik, Werken und Auszeichnung.
- Wikisource: مجلة الرسالة – بحث في الموسيقى الشرقية Zeitgenössische arabische Besprechung von Allah Wīrdīs Hauptwerk mit Hinweisen auf Umfang, internationale Resonanz, UNESCO-Bezug und Friedenspreis-Kontext.
Weiterführende Einträge
- Akustik Wissenschaft des Klangs, deren physikalische Argumente Allah Wīrdī zur Begründung musikalischer Intervallordnungen heranzog.
- Arabische Dichtung Literarischer Bezugsraum von Allah Wīrdīs Gedichtband Zahr al-rubā und seiner Verbindung von Sprache, Metrik und Klang.
- Arabische Musik Kultureller Hauptbereich, dessen Theorie, Praxis und Selbstdeutung Allah Wīrdī im 20. Jahrhundert systematisch behandelte.
- Arabismus Kulturpolitische Idee, die in Allah Wīrdīs Schrift al-ʿUrūba wa-l-salām mit Friedensdenken verbunden wird.
- Damaskus Geburts-, Wirkungs- und Sterbeort Allah Wīrdīs sowie ein wichtiges Zentrum syrischer Musik- und Bildungskultur.
- Ethnomusikologie Fachgebiet, in dessen Geschichte Allah Wīrdīs Theorie der orientalischen Musik als Teil moderner arabischer Musikdiskurse gelesen werden kann.
- Friedensidee Leitmotiv in Allah Wīrdīs Schriften über Musik, Arabismus, Literatur und internationale Verständigung.
- Intervall Grundbegriff der Musiktheorie, der bei Allah Wīrdī mathematisch, akustisch und ästhetisch begründet wird.
- Kairoer Musikkongress 1932 Zentrale Tagung zur arabischen Musik, deren Debatten über Skalen, Notation und Theorie Allah Wīrdīs Hauptwerk voraussetzt.
- Maqām Modales Ordnungssystem der arabischen Musik, dessen Tonräume und Ausdrucksmöglichkeiten für Allah Wīrdīs Theorie zentral sind.
- Mikrotonalität Begriff für Tonstufen jenseits des westlichen Halbtons, der die Diskussion um Vierteltöne und arabische Skalen berührt.
- Musik und Frieden Kulturthema, das Allah Wīrdī in Schriften über Musik als universale Sprache besonders stark ausarbeitete.
- Musiktheorie Systematische Beschreibung musikalischer Ordnungen, Tonhöhen, Intervalle, Skalen und Formen, die bei Allah Wīrdī kulturpolitisch aufgeladen wird.
- Naturtonreihe Akustisches Modell, an dem Allah Wīrdī die Natürlichkeit orientalischer Musik gegenüber temperierten Systemen orientierte.
- Orientalische Musik Historischer Sammelbegriff, den Allah Wīrdī im Titel seines Hauptwerks zur Aufwertung arabisch-orientalischer Musik verwendet.
- Oud Arabische Laute, deren Praxis und Tonbildung im Umfeld der syrischen und arabischen Musiktradition Allah Wīrdīs bedeutsam ist.
- Skala Tonleiter beziehungsweise Tonvorrat, dessen natürliche oder temperierte Organisation im Zentrum von Allah Wīrdīs Musikdenken steht.
- Syrische Musik Regionaler Kulturraum, in dem Allah Wīrdīs theoretische, institutionelle und literarische Tätigkeit verankert ist.
- Ṭarab Ästhetischer Begriff arabischer Musikpraxis, der für Ausdruck, Hören und emotionale Wirkung im größeren Kontext Allah Wīrdīs relevant ist.
- Temperierte Stimmung Westliches Tonsystem, das Allah Wīrdī gegenüber der natürlichen orientalischen Skalenordnung kritisch bewertete.